Alleiner Threat Reckordt – Raskolnikoff / Monthly Red Split 7″, Litbarski & more – Update #07

Dear All,
Our living room is in the moment filled up with a lot of records … so please help us and get some.

ALLEINER THREAT RECKORDT:
Litbarski – s/t mLP (10 €)
Sechs Songs der Berliner Punkband, die das Beste aus den spät 1980er Postpunk-Bands (e.g. Gray Matter) vereint mit Punkrock aus den frühen 1990ern von der britischen Insel (e.g. Broccoli, Leatherface). Eigenständiger kann Punkrock heutzutage kaum klingen. Natürlich schimmern auch Bands wie Dackelblut oder Turbostaat an einigen Stellen durch, dennoch heben sich Litbarski erfreulich von den vielen Epigonen letztgenannter ab. Dazu ein feines Coverartwork. Schwarzes Vinyl

MONTHLY RED / Raskolnikoff – Split 7“ (6 €)
5 Song-Split dieser beiden doch recht unterschiedlichen Bands. Raskolnikoff spielen wütenden, deutschsprachigen Punkrock. Irgendwo zwischen alten Muff Potter und Weltraumschrott (deren Ex-Bassist hier mit spielt). Textlich geht es um Gentrifizierung, europäische Abschottungspolitik und Veränderung in Freundschaft. Monthly Red singen über Migration aus der anderen Perspektive, der zurückgelassenen Tochter und über Freundschaft. Sie spielen poppigen Punk, der sich hinter Bands wie Muncie Girls, Caves oder auch Sixty Stories nicht verstecken muss. Erscheint mit Beiheft in den Farben: Gelb, Rot, Lila, Grün und Orange

No Future Sa Pader! Pinoy Punkrock Compilation 7” (6 €)
Sechs philippinische Bands, die zwischen Punk und Hardcore großartige Hymnen spielen. Vertreten sind mit The Beauty of Doubt (hymnischer Punkrock), BAD OMEN (Streetpunk meets Hot Water Music), toxic org@sm (hingerotzter Hardcorepunk), Monthly Red (Poppunk), Tiger Pussy (Rrriot Grrl Punk) und Thought (wenn Comeback Kid eine Sängerin hätten). Kommt mit 36seitigem Fanzine über Punk in den Philippinen (englisch / deutsch) und Kurzgeschichte. Erscheint in den Farben: Gelb (sold out), Lila (sold out), Hell Blau (sold out), Rot, Dunkel Blau und Magenta.

Einzelstücke / Single Items:
Accidente – Amistad Y Rebellion (10 €)
Wunderbares Album mit poppigem Punkrock aus Spanien. Wunderbar hymnisch und eine Sängerin, deren Stimme mich sofort begeistert hat.

All – Shreen 10“ (15 €)
Farbiges Vinyl des Descendents-Ablegers, noch eingeschweißt. Dr@Bollocksei Songs der Band in Bestbesetzung.

The Bollocks – „my friend“ 7“ (6 €)
Ein Klassiker des malaysischen Punkrock und Wegebreiter für viele Bands aus der Region bis heute. Im Original 1996 auf Tian An Men 89 veröffentlicht, handelt es sich hier um das Re-Release von Basement Records. 6 Songs der Pioniere des Punks in dem südostasiatischen Land.

The Bollocks / Opposition Party – Split 7“ (6 €)
4 Song Splitsingle der beiden südostasiatischen Punkbands. Bollocks klingen hier mehr nach Death-Punk und Opposition Party spielen Crust. Beide Bands veröffentlichen jeweils zwei neue Songs, die vielen skandinavischen Bands in nichts nachstehen.

Gerk – First Discography (10 €)
Die Anzahl der Songs – zweiunddreißig – gibt schon mal vor, dass die Band aus Argentinien sicherlich keine Rock-Epen schreibt. Kurzer, wütender Hardcore.

GLOOM SLEEPER – A void LP (10 €)
Düster Punk erlebt einen unsäglichen Hype, doch Bands wie Red Dons oder auch Gloom Sleeper wissen dennoch zu begeistern. Irgendwo zwischen Joy Division und Post-Punk.

Istukas Over Disneyland / R.A.B. – Split 7“ (6 €)
Splitsingle der philippinischen Streetpunkband I.O.D. und der französischen Oi-Band R.A.B.. Die beiden Songs von I.O.D. eher flott und Feier kompatibel.

Love A – Eigentlich (10 €)
Meine Lieblings-Hipster-Punker und ihr Debut-Album. Messerscharfe Beobachtungen der Gegenwart, dazu Punkrock mit Melodie und Keyboard, no wave meets Fuck-You-Punk.

Overthrown – Walk The Talk mLP (10 €)
New York styled Hardcore aus Singapur. Fünf Songs auf farbigen Vinyl mit Siebdruck auf der anderen Seite. Overthrown macht so schnell niemand etwas vor. Produziert von Don Fury (u.a. Quicksand, Sick of it all, Agnostic Front).

Random Violence / Value Lasts – Split 7“ (6 €)
Zweimal moderner Hardcorebands aus den Philippinen. Beide female fronted und großartig.

URBAN BANDITS – Independence Day, “It’s The Urban Bandits” (15 €)
Urban Bandits sind die wohl beste philippinische Punkband aller Zeiten. Im Original nur als Tape in den 1980ern veröffentlicht, ist hier der Re-Press mit vier Bonussongs. Hier treffen Einflüsse aus melodischem UK-Punk auf Hardcore und Post-Hardcore. Songs wie „No Future Sa Pader“ oder „Blood in Every Heart“ sind zeitlose Klassiker. Urban Bandits dürften ca. 50 Prozent aller späteren Punkbands beeinflusst haben. Wichtiges Zeitdokument, leider ohne Beiheft und nur in schwarz.

V.A. – Fatal Response „Rescue Ladders & Human Barricades” (15 €)
In einer Zeit, in der soziale Unruhen im Land zum Sturz des damaligen Diktators Marcos führte, wurde dieses Zeitdokument auf Tape veröffentlicht. Nun als philippinisches Bootleg wiederveröffentlicht, finden sich hier die Creme de la Creme der damaligen Punkszene: Dead Ends (Jello Biafra beeinflusster Hardcore), George Imbecile & The Idiots (einfacher Punkrock), Wuds (erste Krishna-Core-Band, bevor Cro Mags noch daran dachten), Urban Bandits (s.o.) und Zoot Suit (Rockabilly). Insgesamt 11 Songs Spielzeit, leider ohne Beiheft, dafür in farbig.

Update #06 – Alleiner Threat Reckordt – Litbarski – st MLP

Litbarski mit einem „t“ haben sich 2015 aus den Überbleibseln verschiedener Berliner Punkbands formiert und legen nun mit einem selbstbetitelten Mini-Album ihren ersten Tonträger vor.
Ohne selbstzentrierte Befindlichkeiten und oft gehörte Plattitüden erzählen Litbarski von der Unmöglichkeit des miteinander Auskommens, von Flucht und Wiederkehr. In der zu öffnenden Schublade finden sich Endachtziger-US-Punk neben Emocore und frühem Post-Hardcore.
Unzufrieden mit dem Status Quo, der kalten Mehrheit auf der Straße und nicht zuletzt mit sich selbst kreiert das Trio einen wütenden Sound, der auf unnötigen Schnickschnack verzichtet.

Die Band auf Bandcamp

Das Mini-Album kostet bei ATR 10,- Euro plus Porto

Litbarski Cover

Das Schreiben die Kritiker/innen:
(mehr…)

Fanzine – HUMAN PARASIT #14

Fanzine – HUMAN PARASIT #14

    Kurzfassung:

Kauft dieses gottverdammte Zine und bettelt Bäppi an, er möge möglichst bald ein neues veröffentlichen.

    Langfassung:

100 Seiten in A5 hat der liebe Bäppi hervorgezaubert. Einhundert Seiten! Und gleich vorneweg, da liegt das Hauptproblem, denn es sind „nur“ 100 Seiten. Denn die Schriftart ist an vielen Stellen sehr klein und viele Photos haben leider nur noch Briefmarken-Größe oder sind noch kleiner. Das ist sehr schade, denn was ich schemenhaft darauf erkennen kann, hätte mich doch interessiert. Somit dürfte wohl das Human Parasit das optische Gegenteil vom Trust sein. Okay, aber auf der anderen Seite hätte es wahrscheinlich geheißen, Inhalt zu kürzen, und das wäre eine noch schwere Entscheidung gewesen. Denn, auch wenn mir die Bands auf dem Cover wenig geben – Zex, FCKR, Abrupt, Headshow oder Chorea Huntington – fand ich alle Interviews ausgesprochen informativ. Das liegt zum einen an den Bands und ihren Antworten, aber auch an den durchdachten Fragen. Ist halt zum Glück weit weg von den Standarddingern, die man in (fast) jedem Zine liest.
Dazu kommen die beiden dickeren Spezials: Das eine ist mehr oder weniger Hannover, wohin es Bäppi jetzt verschlagen hat. Ziemlich guter Überblick über die aktuellen Läden in der Stadt. Im Vergleich zu Flensburg, muss es wie das Paradies anmuten. Zumal man ja auch schnell in Bremen, Berlin oder Hamburg ist. Auch wenn der Umzug erstmal heißt, Panzerband liegen auf Eis.
Das zweite Special ist umfangreicher zum Thema Videos und Punkrock. Darin wird unter anderem Love A, Ril Rec und Kesselpunks-Martin interviewt. Gute Interviews, gute Antworten. Das Video-Format ist ja nicht mein Liebstes, da ich entweder Musik höre oder Filme sehe, Musikvideos mir aber wenig geben. Auf der anderen Seite, wenn Bands das gut machen, warum nicht.
Das Kollege Falk Fatal dann noch seine Auftritte beim Herzerockt verarbeitet – Dödelhaie und die RAF, ein wochenlanger Skandal in dem lokalen Käseblatt „Die Glocke“ – ist ebenfalls lustig zu lesen – und psychologisch sehr wichtig für ihn, nicht das Traumata zurückbleiben. Und auf fast zusammenhängenden Seiten Body Count und Oi! of the Tiger abzufeiern, nötigt mir ebenfalls Respekt ab.
Gut und interessant zu lesen ist auch der Bericht über das No Border Camp. Stämma und Jens waren vor Ort und haben in Idomeni gekocht und Geflüchtete unterstützt. Einzig und allein nervig ist dieser „linksautonome Diktus“ des Textes: „Die Leute hingen fest an der Grenze ohne Informationen, mit viel zu wenig (Winter-) Kleidung, teilweise ohne Decken und Zelte und keine/r von den Offiziellen oder Ngo’s haben sich darum gekümmert“. Und dann hat die Autonome Linke das Leid entdeckt und geholfen, Danke autonome deutsche Linke! Ironie-Modus aus: Viele – v.a. kleinere NGOs – arbeiten seit Jahren sowohl politisch in Europa als auch vor Ort mit den Menschen, bevor sie fliehen. Während sich die Linke um persönliche Freiheiten von Einzelpersonen kümmert oder die „EZB“ als Feind angreift, gibt es seit Jahren / Jahrzehnten große Flüchtlingsströme. Die meisten (Kolumbien, Philippinen, Burma, DR Kongo, etc.) erreichen uns nicht und fliegen daher unter dem Radar (nicht nur der deutschen Linken). NGOs, auch wie Brot für die Welt, versuchen politisch – zum Beispiel im Bereich Handelspolitik, lange bevor mit TTIP die Diskussion auch hier angekommen ist, weil es ja jetzt auf einmal um „unsere“ Standards geht – da Verbesserungen zu erlangen. Und ja, dann ist es mir lieber, dass Geld auch in fähiges Personal geht als in unfähige, unkoordinierte Wassertropfen auf die heißen Steine. Und während die autonome Linke angenehme Queer-Feste veranstaltet oder eine Soli-Party, nachdem ein paar Menschen Festgenommen wurden, weil sie Steine gegen die EZB geschmissen haben, gibt es auch Menschen, die sich mit technischen Themen auseinander setzen, für die man kein Schulterklopfen bekommt, wie wenn man drei Wochen wichtige Arbeit für Geflüchtete an der griechischen Grenze verrichtet. Nur mal so …
Fazit über das Human Parasit: Eines der besten Musikzines mit starker persönlicher Note oder aber eines der besten Per-Zines mit starkem Musikfokus, entscheidet selbst, aber holt’s Euch!

Adolescents + Clowns + Dead Tourists in Berlin

Adolescents + Clowns + Dead Tourists im Cassiopeia in Berlin (28.07.2016)
Die alte Gewissensfrage: Gehe ich zu einem Konzert von einer Band, die im Jahr 1981, also in einer Zeit in der die meisten Menschen um mich herum geboren wurden, ihr erstes Album veröffentlicht hat? Will ich eine Band sehen, die seit mehr als 36 Jahren den gleichen Scheiß macht? Kann eine Band, die solange unterwegs ist, überhaupt noch gut sein?
Adolescents im Cassipoeia Berlin 2016
Ja, die Adolescents haben mit ihren selbst betitelten Album eines der wichtigsten Alben der Punkgeschichte produziert. Keine Frage. Songs wie Kids of the Black Hole, I hate Kids, Amoeba und andere sind zeitlos. Auch von ihren letzten Alben – „Fastest Kids Alive“ und die mCD „American Dogs in Europe“ – habe ich einige Songs gehört und in mein Herz geschlossen. „Monkeys See, Monkeys Do“ ist eine wunderbare Zeile aus dem Song „Conquest Of The Planet Of The See Monkeys“, die mir noch Tage nach der Show – obwohl nicht gespielt – wieder durch den Kopf schießt. Und dennoch die Frage: will ich wirklich 18 Euro für ein Konzert in einem Laden ausgeben, den ich nur so semi mag, der es bei den Eintrittspreisen nicht hinbekommt einen guten Sound hinzuzaubern und mich mit einem Berliner „Szene-Publikum“ auseinander setzen, das normalerweise aus den jeweiligen „Kiezen“ kaum heraus zu bekommen ist und das Core Tex immer noch für einen guten Berliner Plattenladen hält? Fragen über Fragen und am Ende doch noch einmal in die alten Songs reingehört und mir einen Schubs gegeben. Hätte alles schlimmer sein können, z.B. im Wild at Heart …
Clowns im Cassiopeia Berlin 2016
Daher angekommen, Stempel geholt und direkt wieder los zum Späti. Eine Sache, die ich im Cassiopeia und anderen artverwandten Läden nicht verstehe, ist die Bier-Preis-Policy. Drei Euro für ein kleines Bier bedeutet für die meisten Menschen, die ich kenne, dass sie in solchen Läden nichts oder nur sehr wenig konsumieren. Und ich kenne vor allem durstige Menschen! Ich weiß, dass man einen kommerziellen Laden nicht mit „Bier – ein Euro“ laufen lassen kann. Aber zwischen diesen beiden Preisen gibt es eine große Spanne und selbst im Stadion zahle ich meistens weniger – einfach weil es sich dort, wie in vielen Läden, über die Menge einfach rentiert. So also, Stempel, Späti, draußen sitzen und zwar mit einem halben Liter für 1,30 €.
Dabei auch fast die erste Band komplett verpasst: Dead Tourists (Bandcamp-Link). Scheißname, nicht meine Musik. Die Band musste dann im sozialen Netzwerk auch noch herumposen, dass die T-Shirts passend zur Show fertig geworden sind. T-Shirt-Reunion-Show, sozusagen. An Dummheit kaum zu überbieten! Wenn Punk/Hardcore zu einer Modeerscheinung wird, stehe ich lieber draußen und nuckel an meinem Billigbier. Die letzten beiden Songs haben mir dann gereicht, aber einigen muss es mehr gefallen haben, langhaariger Pogo. Da hat bestimmt jemand noch ein T-Shirt mitgenommen, kotz!
Danach Clowns (Bandcamp-Link) aus Melbourne, Australien. Haben bisher unter anderem auf dem australischen Poison City Records Label veröffentlicht, was schon eine Qualitätsgarantie ist. Dichte Musik, sehr mächtig und wuchtig. Dazu ein völlig aufgedrehter Sänger und fertig ist eine gute Show. Strike Anywhere meets Metal. Für mich von vielem einfach too much, klang auf Tonträger überzeugender als live. Passt auf jeden Fall vom Sound sehr gut auf das deutsche „This Charming Man“-Label, bei dem die neue Platte auch in Europa erschienen ist.
Als Zugabe kam dann, unabgesprochen scheinbar mit dem Veranstalter, eine Feuerspuckerin mit auf die Bühne. Musste gleich an die Geschichte denken, wo mal jemand eine Feuerspuckerin im Trixxxter einladen wollte, Deckenhöhe gefühlte 2,00 Meter. Dass einem im nächsten Moment dann Bilder von der abgefackelten Disko in Rumänien, samt toter Metalband vor Augen sind, wundert eigentlich auch nicht. Himmel, ich werde alt. Ob es Feuerkünstler/innen braucht, möge jede/r selbst beurteilen, immerhin eine nette Abwechslung zu den wallenden Haaren des Sängers, die permanent durch die Gegend flogen. Generell aber kurzweiliger Auftritt.
Clowns im Cassiopeia Berlin 2016
Nach der Band noch mal schnell zum Späti, Durst löschen. Vorher aber noch geschickterweise Pfand wegbringen, ein 3,00 Euro Bier wurde sich dann doch geleistet. Und dann ab zurück, um sich die alten Herren anzuschauen, deren Rente ich gerade mitfinanziere. Oder deren Gesundheitsversorgung. Und was soll ich sagen: Habe in den letzten Jahren wesentlich jüngere Bands gesehen, die weniger Arsch getreten haben. Sänger Tony Reflex hat noch immer eine markante Stimme, die Gitarren, der Bass, das Schlagzeug, alles geht gut nach vorne und ist dennoch melodisch. Dazu kommt, dass alle fünf Mikrophone haben, d.h. die Chöre dieser Band sind einfach gewaltig. Dazu ließ die Band keine alten Hits aus und packte auch eine Reihe neuer Songs dazu, u.a. „American Dogs in Europe“. Am Ende völlig verschwitzt, aber glücklich in die U-Bahn, auf der auch noch fett: „Scheiß Union“, „Scheiß Hertha“ und „Scheiß BFC“ steht. Sehr guter Abend!
Adolescents im Cassipoeia Berlin 2016

Shh…Diam + Donut Hearts in Berlin

Shh…Diam + Donut Hearts im Schokoladen in Berlin (27.07.2016)
Stellen wir uns folgendes Szenario vor. Eine witzige, humorvolle und gute Band, nennen wir sie mal Shh…Diam, spielt in einer fremden Stadt und unterhält ihr Publikum wunderbar. Sie erzählen Geschichten über Bollywood-Schauspieler, die Zigaretten hochwerfen und durch einen Pistolenschuss anzünden können, bevor sie wieder ins Maul des Heldes fallen, der aber gleichzeitig einem Pferd das Gesicht wegschießt. Oder hat sich jemand schon mal Gedanken um die Gefühle von Türen gemacht? Und wie scheiße schwer es ist, den „Door-Repair-Man“ nach zehn Uhr abends zu erreichen? Großartige Aufforderungen mehr zu trinken, werden zwischen den Songs ausposaunt und die Bassistin entschuldigt sich später: „Ihr müsst wahrscheinlich alle morgen arbeiten, oder?“ Als absolute Zugabe einen Song zu spielen, der da heißt „I woke up gay“, dürfte im eigenen Land durchaus problematsich sein.
Denn da wird nun irgendwo ein kleiner Präsident, unterjocht von seiner Frau (s. Jungle World Artikel), in seinem Hinterzimmer sitzen und denken: „Die sollen mir mal nach Hause kommen.“ Er wird da vor sich hingrummeln. Seinen einzigen ernstzunehmenden Widersacher hat er wegen verbotener Homosexualität in den Knast gebracht (s. Taz-Artikel). Dieser Präsident wird sich dann beim Versuch selbst in den Arsch zu beißen einen fürchterlichen Hexenschuss zu ziehen. Er wird in dieser elendigen Position verharren, bis seine Frau reinkommt, das Radio einschaltet und ihn mit Nicht-Beachtung straft. In einer gerechten Welt würden dann im Radio „Shh…Diam!“ laufen, vielleicht mit dem Song „I woke up gay“. Es wäre eine bessere Welt!
So blieb nur in den Schokoladen zu pilgern, an besagtem Abend. Das taten mehr Menschen als erwartet, mit ca. 70 Leuten war es angenehm voll. Als erstes spielten Donut Hearts (Bandcamp-Seite). Ukulelen-Rock, irgendwie bizarr, ebenfalls humorvolle Texte, gute Stimme, gutes Schlagzeug, aber Ukulele … ist dieser Hype nicht schon wieder vorbei? Haben mit The Pukes (Bandcamp-Seite) u.a. nicht schon genügend Band das auf die Spitze getrieben? Anyway, kurzweilig und dennoch etwas zu lang auf der Bühne.
Danach dann Shh…Diam! (Youtube-Channel der Band). Eine Mischung aus Punk, Rock, etwas malaysische Beat-Musik und fertig ist eine Halbestunde hervorragende Unterhaltung. Sie selbst nennen es Happy Hard Core und vielleicht ist da etwas dran. Vor allem witzig, in einem linken Laden sich direkt auszuziehen („I will drop my pants now“) – die Erleichterung hinter mir war groß: „Er hat noch ne Hose drunter.“ Wahnsinn, wie verängstigt Berliner-Konzertgänger/innen mittlerweile sind. Auch die Aufforderungen mehr an der Bar zu konsumieren, besoffen zu werden und Klamotten auf die Bühne zu werfen – „but please, no shoes!“ – wurde distanziert begrinst. „Ist ja alles nicht so ernst gemeint.“ Anyway, die Band hatte Spaß, das Publikum hatte Spaß, wunderbar! Am Ende musste ich mir gar seit über zehn Jahren mal wieder eine CD in Deutschland auf einem Konzert kaufen … die sieben Songs sind so wunderbar wie der Live-Auftritt. Ein guter Abend und wenn jetzt noch ein kleiner Präsident in einem entfernten Land …

Konzerte in Berlin – Juli 2016 – Pixies, RVIVR, Krank + Lena Stoehrfaktor

Krank + Ponys auf Pump in Scharni 38 in Berlin (16.07.2016)
Lena Stoehrfaktor + Missing Mr. B. bei Dragonale in Berlin (17.07.2016)
Pixies im Schwuuz in Berlin (19.07.2016)
RVIVR + Smudjas in BeiRuth in Berlin (21.07.2016)

Krank in Berlin
Krank + Ponys auf Pump in Scharni 38 in Berlin (16.07.2016)
Tennis Borussia Aktive Fans feierte das alljährliche Fanturnier und weil die Mädels und Jungs nicht nur ein wahnsinnig guten Fußballgeschmack haben, sondern auch musikalisch häufig auf Seiten der Guten stehen, spielten auch dieses Jahr zwei Bands auf. Soli-Tresen, Schnaps verkaufen, Longdrinks und Bier trinken, dazu Musik lauschen mit tollen Leuten … kann es besser sein? Und damit niemand diese rhetorische Frage beantwortet, reduziere ich hier den Interpretationsrahmen. „NEIN!“ ist die Antwort.
Den Beginn bei dieser Feier machten Ponys auf Pump, eine scheinbar neue Berliner NewWave-Punk Band. Obwohl die Band noch sehr jung wirkte, scheinen die musikalischen Vorbilder in einer Zeit aktiv gewesen zu sein, wo die meisten Bandmitglieder noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt haben. Ganz nette Musik, die mich allerdings für die Länge von mehr als einer EP anfängt zu langweilen. Dafür fehlt es dann doch an Abwechslung und vor allem habe ich das Gefühl, dass mittlerweile viel zu viele Bands existieren, die diesen Stil spielen. Scheinbar ist das einer der Hypes und wenn ich sehe, dass Pisse demnächst vor Sleaford Mods im SO36 spielen, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ersten von diesem kleinen Underground-Hype profitieren, wenn es denn nicht schon geschehen ist. Ob Ponys auf Pump dazu gehören? Ich weiß es nicht, aber sympathisch wirkten die Damen und Herren. Guter Warm-Up.
Es folgten dann Krank aus Hamburg. An anderer Stelle (hier) habe ich schon einiges dazu geschrieben. Krank begeistern mich, einfacher Hardcore, deutsche Texte, gute Liveband. Eigentlich ist damit alles geschrieben. Ein verhaltenes Publikum zum Tanzen gebracht, darunter einige, die vorher wahrscheinlich schon gefühlte acht Stunden auf dem Sportplatz waren. Gute Band, guter Abend! Der dann noch ein wenig draußen verlabert wurde.

Lena Stoehrfaktor + Missing Mr. B. bei Dragonale in Berlin (17.07.2016)
Eher durch Zufall aufmerksam geworden auf die Abschlussveranstaltung von Zwangsräumung verhindern für eine Demo gegen Gentrifizierung etc.. Zusammen mit einem Mieterbündnis in Kreuzberg demonstrierte man für den Erhalt von Strukturen und gegen Investoren. Mir waren die kurzen Worte, die ich aufschnappte, schon ein wenig Wutbürger/innen und Bestandswahrungsverlierer/innen-Gerede, die zum Teil die eigene Rolle in dem Spiel der Gentrifizierung vernachlässigte. Dennoch, klar politische Forderungen in Richtung der politischen Parteien sind notwendig, Mieten sollten bezahlbar bleiben, für alle und jetzt.
Als wir ankamen sangen gerade zwei alte Männer irische Songs, sehr schön. A cappella in den Innenhof. Dann Missing Mr. B, Jazzband. Nun ja … ein Getränk und Zeit totschlagen. Denn eher aus Neugierde auf Lena Stoehrfaktor gewartet. Sympathische, junge HipHopperin, aber irgendwie verfingen sich die ersten beiden Songs nicht. Also ab wieder auf die Couch, auch wichtig!

Pixies im SchwuZ in Berlin (19.07.2016)
Ich surfe Montagsabends eher gelangweilt durch das Netz und sehe, dass die Pixies am nächsten Tag einen kurzfristig anberaumten Gig im SchwuZ spielen. Kostenpunkt: For Free – nur Emailadresse und Namen eintragen und ab auf die Gästeliste. Genau meine Preisklasse für Pixies, denn 70 Euro und mehr für ein Konzert mit tausenden von Leuten am Arsch von Berlin ist nichts, was mich außer meiner sadistischen Seite irgendwie eine Befriedigung bringt. Zu teuer, zu voll, zu weit weg vom Geschehen. Konzertekonsumieren, nein Danke!
Also hier die einmalige Chance für mich, Pixies zu sehen. Da es eine Aufzeichnung für arte.TV war (Ausstrahlung am 21. Oktober), war das ganze für Noppes. So mundete auch das Bier für 4,00 Euro. Witzig: in Zeiten in denen alle über Regionalismus, Bio und so einen Scheiß diskutieren, schafft es das SchwuZ nicht das lokale Bier, was 50 Meter weiter gebraut wird, zu verkaufen, sondern vier, fünf andere Marken aus dem ganzen Bundesgebiet. Support your local drinking desaster, wobei Rolberg im Vergleich zu Berliner Pilsener oder den anderen Dr.-Oetker-Bieren ja wirklich ein Traum ist. Anyway, das war es auch schon mit wehmütigen Anmerkungen. Alles andere war gut, inklusive Band, die 60 Minuten durchzockte, einige Hits ablieferte, andere vermissen lassen musste (v.a. „Alec Eiffel“) und gut unterhielt. Keine nervigen Ansagen, keine Soli, viele kurze Songs. Viel punkiger als erwartet. Begeisternd! Auch das Publikum okay. Zwei Leute, die über den Kopf geklatscht haben, kann man verkraften.
Nur ein Reminder an mich an dieser Stelle: nach der weltumfassenden Revolution werden nur noch ein oder zwei Konzertphotographen pro Abend erlaubt, die ihre Photos für alle und umsonst zur Verfügung stellen müssen (online). Jede/r andere, die/der dann noch photographiert bekommt die Hand abgehackt (File under: „Punk-Sharia“). Danke, wegtreten!
Pixies im SchwuZ, Berlin

RVIVR + Smudjas in BeiRuth in Berlin (21.07.2016)
Vor RVIVR-Konzerten ist eine Rasur Pflicht. Man will ja nicht aussehen, wie alle anderen auf dem Konzert. Danach aber los in Richtung Neukölln. Die Hitzewelle eine Hitzewelle sein lassen, in der Sonnenallee mal einem Makali-Verkäufer Trinkgeld geben („Was ist das?“ – „Trinkgeld!“ – „Das kommt in die Historie dieser Bude. Das hat noch nie jemand gemacht!“ – Ein Danke hätte vielleicht auch gereicht …), Karten an Freund/innen verteilen und ab nach oben. Eine finnische Sauna ist wahrscheinlich ein Kühlschrank im Vergleich zu BeiRuth an dem Abend. Egal, ein Bier und dann beginnen schon die Smudjas. Gefälliger Punkrock aus Milano, Italy. Allerdings auch eher eine Band für eine Singlelänge. Egal, sind eh alle für die Hauptband da. Kompliment an den Veranstalter, zwar fast 200 Karten vertickt, aber dennoch ist der Raum angenehm voll. Man hat noch Platz, kann atmen. 50 Leute mehr, die sicherlich Platz gehabt hätten, hätten wahrscheinlich viele zum kollabieren gebracht. So – Stimmung gut, Tanzen, Mitsingen, Fingerpointing. Eine Band mit guten, positiven Songs. Schön auch die Gleichberechtigung zwischen den beiden Front-Personen. Ich stehe ja wahnsinnig auf Bands mit verschiedenen Stimmen und RVIVR bedienen das perfekt. Thumbs up und hoffentlich auf bald!

Bambix + Johnnie Rook in Berlin

Bambix + Johnnie Rook + The Photsans im Tommyhaus in Berlin (18.06.2016)
Samstagabends, ein paar Biere trinken, Heyoka, Accidente und Terrible Feelings als Einstieg für den Abend hören. Bambix … eine Band, die mich seit dem Vitaminepillen #4 Sampler Mitte der 1990er verfolgt. Also ab in Richtung Tommyhaus und um halb elf festgestellt, dass noch die erste Band spielt. The Photsans hätte ich mir gerne erspart. Coverbands sind allgemein schon sehr grenzwertig, aber verrockte Versionen von Britney Spears, Tic Tac Toe, Judas Priest oder die Prinzen zu spielen, ist halt echt schon richtig mies. „Das ist alles nur geklaut“ oder „ich find dich Scheiße“ wird halt nach zwanzig, dreißig Jahren auch nicht besser. Wenn man dann dazu noch Ace of Base covert, eine Band, bei der ein Mitglied bei einer schwedischen Neonazi-Band mitgespielt hat und es Bilder gibt, die ihn mit Hitlergruß und einem NS-Parteiadler auf dem T-Shirt zeigen, dann ist das beschissen! Aber hey, ist ja Punk 2016, und solange nichts auf oireszene steht, ist das wahrscheinlich auch ironisch. Thommyhaus vielleicht auch nicht der Ort, wo Leute sowas merken, denn viele Punks sind ja mittlerweile nach rechts toleranter als die CDU. Kotzen könnte ich da!
Musikalisch nur wenig besser im Anschluss an Johnnie Rook. Hätte ich nicht zwischenzeitlich den Eintritt (8 bis 10 Euro … auch an der oberen, sportlichen Grenze) gelatzt, spätestens jetzt hätte ich auf den Gedanken kommen können, den Laden zu verlassen. Rockmusik bleibt Rockmusik bleibt Rockmusik. Belanglos, wer will sowas sehen? Nun ja, fairerweise muss man dazu sagen, viele! Denn ich habe erstmals das Tommyhaus ausverkauft gesehen und gerade bei den Vorbands war es voll. Dennoch, draußen hingestellt und gequatscht. Highlight bis dazu: mir rutscht eine Bierfalsche aus der Hand und ist kaputt, zum Glück vorher leer getrunken. Soviel zum Verlauf des Abends. File under: thrilling!
Dass sich das Martyrium gelohnt hat, dafür haben aer nicht nur die Gespräche vor dem Thommyhaus gesorgt, sondern dann vor allem Bambix. Und schon zu Beginn festgestellt, wieder ein neuer Bassist. Ich glaube, dass ich die Band nun circa zehn bis zwölfmal gesehen habe in den letzten 20 Jahren und mich an mindestens fünf verschiedene Bassist/innen erinnern kann. Sagen wir, wie es ist: Bambix ist Wick und dann ein paar Leute um sie herum. Dass sie gleich mit ihrem mit Abstand miesesten Song – „Bottle“ – angefangen haben, der so offensichtlich ein Mitgröhl-Sauf-Song sein soll, dass es schon weh tut, wurde direkt verziehen. Denn danach war alle Pein überstanden! Es folgte eine Mischung aus vielen alten Hits („Explain It“ und „Cry-O-Surgery“ von der Crossing Common Borders, „Conquer it all“, „Brand New Religion“ und „Monozygotic“ von der Leitmotiv oder als Zugabe „Julie“ von der What’s in a Name Platte) und einigen neueren Songs. Auch Songs vom Album „Storytailor“ (u.a. „Johann“), das mittlerweile schon wieder vier Jahre auf dem Buckel hat, knüpfen an die älteren Hits an. Dabei mag ich sowohl die doch recht schnell Art von Punkrock, als auch die super-melodische und markante Stimme von Wick. Musikalisch und textlich kann man auf jeden Fall sagen, dass die Band in Würde altert. Gerne mehr davon, nur dann mit anderen Vorbands, biiiiiiitte!

30 Jahre Trust Fanzine – Lucky Malice + Pascow + Decibelles in Bremen

30 Jahre Trust-Fanzine mit Lucky Malice, Pascow und Decibelles im Schlachthof in Bremen

    „We are the ugly. We are the gay, Impoverished, effeminate, and overweight.“ (As Friends Rust – Coffee Black)

Es ist ein merkwürdiges Gefühl einen Text über einen Abend zu verfassen, wenn nahezu zeitgleich in Florida ein irrer Rechtsextremer (und ob Nazi oder Islamist spielt dabei eine untergeordnete Rolle) 50 Menschenleben ausknipst, nur weil sie nicht in sein Menschenbild passen. Damit sind wir alle gemeint, die LGTBIs, die Punks, die Armen, die Jüd/innen, die, die nicht so sein wollen, wie alle anderen es schon sind.
Trust-Banner - Trust-Fanzine
Am Samstagabend in Bremen waren diese Minuten noch eine Ewigkeit entfernt. Voller Vorfreude machte ich mich schon am Freitag auf nach Rotenburg an der Wümme, um da bei einem alten Kumpel zu pennen, die Villa und deren Kneipentresen kennen und schätzen zu lernen, Knochenfabrik-Songs mitzusingen und Deichkind zu überstehen. Super Laden, nette Leute, großartiger Abend!
Den nächsten Abend dann frühzeitig aufgemacht in Richtung Bremen zum Trust-Fest. 30 Jahre für ein Fanzine, das ist tatsächlich eine Ewigkeit mal zwei. Einige von den Schreiber/innen waren zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren, auch im Publikum dürfte ein Großteil unter 30 gewesen sein. Wahnsinn! Nur das Maximum Rock‘n'Roll dürfte von den noch aktiven Zines älter sein. Krass! Herzlichen Glückwunsch und ich bin froh, einen kleinen Teil zu dieser langen Historie beigetragen zu haben und weit beizutragen.
(mehr…)

Litbarski + Vanna Inget in Berlin

Litbarski und Vanna Inget im Cassiopeia in Berlin (29.05.2016)
Ein schwüler Sonntag am Ende eines Monats, der nicht viele Konzerthighlights bot. Für Vanna Inget alleine hätte ich mich definitiv nicht aufgemacht, doch als der Don anruft und sagt, sie wären Vorband, gleichzeitig auch noch mit Gästelistenplatz den letzten Zweifel verschwinden lässt, finde ich mich schnurrstracks in der U-Bahn in Richtung Friedrichshain. Das Cassiopeia habe ich in den letzten Monaten nicht unbedingt zu schätzen gelernt. Liegt vielleicht an meinem Problem, dass ich es zum Kotzen finde, wenn nach Punk-Shows oder ganzen Festivals man pünktlich zwischen elf und zwölf aus der Halle gekehrt wird, damit die HipHop-Party starten kann. Jajaja, ich weiß, „die Läden müssen auch sehen wo sie bleiben.“ Nun, dann sollen sie weg von Punkbands bleiben und so eine Scheiße wie Agnostic Front oder Youth of Today buchen. Da passt wenigstens HipHop-Party danach zu und die Unterhemden sind unter sich.
Vanna Inget alleine wären kein Pull-Faktor gewesen. Habe sie das erste und einzige Mal am 11. Mai 2014 im Cortina Bob gesehen und fand sie eher so „geht so“. Hippiesker Punk, zwei Typen mit Stirnbändern, Sängerin mit Schellenkranz, irgendwie war das alles too much. Da retteten auch die tollen Melodien und der gute Gesang in schwedischer Sprache nicht mehr viel. Wobei ich ihre Alben mag, wirklich! Nur live … nun ja.
Litbarski in Berlin
Zu Beginn durften dann aber Litbarski auf die Bühne. Viertel nach neun, die meisten werden erst später kommen. „Litbarski“, ein Name wie Frans Beckenbauer, Thomas Häzler oder Stefan Effenbärg! Gemacht für eine Punkbands, zumal auch noch Oi!, äh Bar! in dem Wort steckt. Die erste Band auf Alleiner Threat Reckordts aus Deutschland und ja, diese Lobhudelei hätte ich auch geschrieben, wenn sie auf Twisted Chords oder Take It Back veröffentlichen würden. (mehr…)

Kimya Dawson in Berlin

Kimya Dawson und Little Wings in der Volksbühne in Berlin (25.04.2016)
Kimya Dawson in Berlin
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, in der ersten Reihe bei einem Akustikkonzert zu stehen. Noch merkwürdiger ist es, wenn man gefühlt 15 Meter von der Bühne entfernt steht. Am merkwürdigsten ist allerdings, wenn vor einem Dutzende Menschen auf dem Boden sitzen. Es entsteht ein Setting, was mehr an ein Kasperle Theater erinnert, mit offenen Mündern und großen Augen dem Stück folgend. Ich bin kein Fan von solch einem Setting, für mich hat Musik und vor allem Livemusik immer etwas mit Interaktion zwischen Publikum und den Personen auf der Bühne zu tun. Klar, meine Punk-Sozialisierung trägt daran Schuld, wo zumindest in der Theorie die Grenze zwischen Band und Fan verschwimmen sollte. Aber selbst wenn diese Grenze nicht komplett eingerissen wird / werden sollte, es findet mit Sitzpublikum keine Interaktion statt. Klatsch, klatsch, Sekt schlürf, Sekt schlürf, nach Hause schluffen. Und im Sitzen kann man nicht tanzen! Im Sitzen sind Gefühlsregungen generell wesentlich schwieriger. Wer mir das nicht glaubt, kann gerne mal versuchen einen Beziehungsstreit im Sitzen auszudiskutieren. Sitzen ist halt für‘n Arsch! (mehr…)

Bernadette La Hengst in Berlin

Bernadette La Hengst auf dem ndLive-Fest in Berlin (23.04.2016)
Bernadette La Hengst beim ndLive Fest 2
Das Versprechen prangte schon auf den Plakaten: „Save the world with this melody“. Dumm nur, dass die Tageszeitung nd (Neues Deutschland) scheinbar klandestin die Werbung vor allem um das eigene Redaktionsgebäude beschränkt hatte. Wäre ich nicht durch Zufall unter der Woche bei einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung gewesen, auch mir wäre diese Show entgangen. So musste das mit dem „Welt retten“ noch einmal verschoben werden. (mehr…)

Alleiner Threat Reckordt – Distro April 2016

Alleiner Threat Reckordt – Distro April 2016

Ein kleiner Überblick an Vinyls, die hier noch rumfliegen und eine/n Käufer/in suchen /// Overview of some vinyls still being here and searching for buyers:

LP:
Accidente – Amistad Y Rebelion LP 10,00 €
Wonderful, female fronted punkrock from Madrid, Spain
https://www.youtube.com/watch?v=ZHzsQSRuL3Q

Bad Omen – s/t LP 16,00 €
Last copy of this repress (1st time on vinyl) of the debut LP of one of the most influential streetpunk bands from Manila, Philippines. It comes in silkcreen cover and red splatter vinyl (limited to only 50 copies).
https://www.youtube.com/watch?v=AJN107K71Vo

Various Artists – Fatal Response 15,00 €
The mother of all Pinoy Punk compilations. Two songs from Dead Ends (one of the first Pinoy Hardcore bands), Wuds (first Hare Krishna Core Band, even before Cro-Mags started it), Urban Bandits (up to today influential), Zoo Suit (Rockabilly) and three songs bei G.I. & The Idiots. Comes on splatterred vinyl as a limited edition. First time ever on vinyl.
https://www.youtube.com/watch?v=LHU1mg9t7sM

10inch:
All – Shreen – 12,50 €
Still sealed copy of All 10inch Shreen on coloured vinyl.
https://www.youtube.com/watch?v=QHYd1cWV5pg

7inches:
24 Reasons – Why they‘re starving while others gain billions 6,00 €
Six hardcore songs from Malaysia on white vinyl. Direct and straight to the point, originally recorded in the middle of the 90s with members of The Bollocks.

The Bollocks – My friend 6,00 €
Repress of this single originally on Tian An Men Records released in the middle of the 1990s. Great punkrock from these pioneers of Malaysian punkrock.
https://www.youtube.com/watch?v=GC86ppJtCEY

The Bollocks / Opposition Party 6,00 €
New split single by Bollocks from Malaysia and Opposition Party from Singapore. Bollocks play raw punkrock, the drums like a machine gun. Opposition Party are also not quite, somewhere between raw hardcore and d-beat.
https://www.youtube.com/watch?v=ptX0bhWHqGs

Pushed Aside / Thought 6,00 €
Green vinyl of this split 7inch of two Pinoy Hardcore bands. Thought are influence by Kid Dynamite and modern hardcore, playing 5 short songs. Also Pushed Aside are female fronted and play four modern hardcore tunes. Great release!
https://www.youtube.com/watch?v=CYYCpHyz2zg

Random Violence / Values Lasts 6,00 €
Another hardcore split single with two bands from the Philippines. Modern and fast hardcore
https://www.youtube.com/watch?v=ae5cLRKjm90

Various Artists – No Future Sa Pader + Alleiner Threat Fanzine #04 7,00 €
Six wonderful Pinoy Punk Bands (The Beauty of Doubt, Bad Omen, Toxic Orgasm, Monthly Red, Tiger Pussy and Thought) are on this compilation. Streetpunk, Poppunk, Riotgrrl, Hardcore – bands that are still around and active in the zine (beside disbanded TBOD). Come with a fanzine in single format (German and English) articles about Philippines, Manila, Punkrock.
https://www.youtube.com/watch?v=3vnJpP0KOss
https://www.youtube.com/watch?v=BYeyPGEoUnU
Colour choice: light blue, magenta, dark blue or purple

Fanzine – No Spirit #NWOGFC

Fanzine – No Spirit #NWOGFC
Das No Spirit ist eines meiner Lieblingszines, auch wenn es mich auf eine harte Probe stellt. Denn diese Ausgabe ist schon die zweite „Zwischennummer“, die die Zeit vertreibt, bis Heft #3 das Licht der Welt entdeckt. Diese Ausgabe des No Spirit liest sich daher eher wie ein kurzer Newsletter, den ich innerhalb von einer halben Stunde im öffentlichen Nahverkehr verschlungen habe. Darin wird auf einer Seite der wichtigen Frage nachgegangen, „wie edge ist eigentlich koffein?“ („Ist doch scheiß egal! Ist doch scheiß egal! Ist doch scheiß egal!“). Pan & Karsten berichten darüber hinaus von diversen Konzertfahrten quer durch die Bundesrepublik (Halle a.d. Saale und Mannheim a.A. d. Welt) und die passenden Bands zu diesen Konzertfahrten werden auch noch interviewt: namentlich Nightforce und Violent Reaction. Dazu kommt ein großzügiges Layout und eine Seite Kurzreviews. Bin angefixt und warte auf mehr … schnell, schnell, schnell. Danke!

Fanzine – DOWNPOUR #03

DOWNPOUR FANZINE + TAPE #03
Dass das Downpour Fanzine eines meiner momentanen Lieblingszines ist, habe ich im Trust in älteren Ausgaben schon erwähnt. Daher freue ich mich, dass im Winter Nummer 3 veröffentlicht wurde. Interessante Reiseberichte, u.a. zum Punkrock Holiday in Slowenien, zum Teil sehr gute Band-Interviews, Hell & Back / Perfect Youth Tourbericht und der Rubrik Musikraten mit Modern Saints vs. Resolutions. An Bands sind mir v.a. Basement, Dead Fucking Last, Chuck Ragan und Boy Sets Fire in Erinnerung geblieben. Dazu kommen gute Kolumnen und richtig Bock auf Musik. Aber sagt mal, ist die Single-Review-Runde rausgefallen? Sehr schade, da ich die Rubrik super fand! Das diese Nummer im Vergleich mit den vorherigen Nummern etwas abfällt, liegt allerdings weniger an dem Fehlen dieser geilen Rubrik, sondern an den meiner Meinung nach schlechteren Interview-Partnern. In einem der Vorwörter wird diese potentielle Kritik schon vorweg genommen, aber dennoch will ich an dieser Stelle noch einmal darauf eingehen. Denn gerade Interviews mit Boy Sets Fire oder Chuck Ragan habe ich nun schon zur Genüge gelesen und irgendwie können die Interviews hier, auch wenn sie gut geführt werden, den Bands / Interpreten kaum Neues abringen. Das Problem ist dabei weniger, dass diese Acts „groß“ sind oder häufig interviewt werden, sondern das es mir schwer fällt zu sagen, was langweiliger und berechenbarer ist: die Musik von z.B. BSF oder ihre Antworten in Interviews. Wenn schon solche Bands in einem A5, dann auch gerne mal mit kritischen Fragen. Mir ist das ehrlich gesagt häufig viel zu nett und kuschelig, da auf der Szene-Liebesschaukel, vor allem bei den großen Bands, die man nicht mehr lange vorstellen muss und denen man eigentlich nicht Platz zur Selbstdarstellung zum Bekanntwerden geben muss. Aber, das ist Kritik auf hohem Niveau, wenn ich mir anschaue, was andere Punk-Magazine an belanglosen Interviews führen, kann ich sogar BSF im Downpour Fanzine etwas abgewinnen. Bin auf jeden Fall wieder voller Vorfreude auf die Nummer 4, die im Mai 2016 mit Single erscheinen soll. Die Nummer 3 kam dafür mit Tape von Offmountains aus Hamburg und sollte umgehend geordert werden.
64 A5 Seiten für 4 Euro inkl. Porto: mail@downpour.de / http://downpourpunks.tictail.com/

Corna Kruswa + Don‘t in Berlin

Corna Kruswa + Don‘t im Schokoladen in Berlin (30.03.2016)
Die Werbung mit den Wipers war kaum zu übersehen. Das würde Personen anlocken, die wahrscheinlich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten nicht mehr auf Konzerten waren. Und es war gut, dass außer „Mystery“, Wipers nicht im Zentrum von „Don‘t“ standen. Es wäre auch irgendwie merkwürdig, denn wenn Sam Henry u.a. das erste Album miteingespielt hat, Wipers leben definitiv weniger vom Schlagzeug als andere Bands, um es mal gelinde gesagt und freundlich auszudrücken. Daher waren auch Schlagzeug-Soli eigentlich überflüssiger Rock-Dreck. Mich angesprochen hat eher das „Siegel“ Portland. Vor allem in den letzten Jahren sind mit den Red Dons oder Estranged, die wiederum viele Bands beeinflusst haben, große Bands aus der Ecke gekommen. Kickender Punkrock eben. Beim reinhören der Songs auf der Homepage von Don‘t (hier ist der Link) gefiel mir vor allem der Song „You Keep Cutting Through“. Also warum nicht der Band eine Chance geben … und ab zum Schokoladen gelaufen.
Don't im Schokoladen 2016 (1)
(mehr…)



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (3)