Gigium April / Mai

Notgemeinschaft Peter Pan / Contra Real / Paura im Panic Room in Essen (18.04.2013)
„Thursday evening is alright for party“ hätten die Lost Lyrics mal singen sollen, denn dann hätte das hier wunderbar reingepasst! So hieß es das Ende einer stressigen Woche und vor einem arbeitsintensiven Wochenende zu nutzen, um noch mal die Seele baumeln zu lassen und mit Genossen Herder ein Bier zu trinken und Bands zu schauen. Schön, dass auch weitere Bekannte anwesend waren und es recht bald los ging. Und zwar mit Contra Real aus Hamburg. Die Band machte relativ unspektakulären Deutschpunk, wobei dann doch spektakulär war, dass die Trommlerin gleichzeitig auch Sängerin war. Respekt! Molotow Soda und AAK (Yeah!) wurden gecovert und „über’s Radio Deutschpunk senden“ („und außerdem stand die Snare falsch“ von AAK) hatte ich dann wochenlang als Ohrwurm! Ohrwurm-Charakter haben dann auch einige Songs von Notgemeinschaft Peter Pan, deren Alben ich phantastisch finde und die live ebenfalls sehr gut waren. Deutschpunk 2013, einfach mal unpeinlich und dennoch direkt. Das Publikum genoss die Bands. Was witzig war, da es doch ziemlich durchmischt war, denn im Anschluss spielten Paura aus Brasilien astreinen New York Hardcore, mit allen dazu gehören Klischees. Ehrlich gesagt, nach 2x Deutschpunk hatte ich darauf so richtig Bock! Ein großartiger Kontrast und schön die Singalongs ohne Textkenntnisse mitgesungen, hahaha. Der Ballast der Woche fiel echt von meiner Schulter wie Steine am 1. Mai auf die Polizei. Schön! Auch wenn die Single von ihnen dann 7 Euro kostete, cool die Bands supporten zu können. Stunde beim Therapeuten oder in der Boxhalle hätte mehr gekostet und weniger Wirkung gehabt.
Photos findet ihr bei Maks von Ril Rec HIER

Queensday-Festival mit u.a. Old Man Markley, Smoke on Fire, Slim Cessna’s Auto Club im Perron 55 in Venlo (30.04.2013)
Maks von Ril Rec hatte auf dem Notgemeinschaft Peter Pan Gig die großartige Idee, auf dem Weg zum Queensday-Festival in Venlo im RE 6 von Duisburg bis Venlo eine Punkrock-Lesung zu machen. Da ich immer noch „addicted to the young idea“ bin, ein paar Texte ausgedruckt, ein paar kurze Songtexte mit aufgeschrieben und ab in den RE. Mit ca. 10 Punks – freiwillige und gute Zuhörer bis zum Ende der Fahrt inkl. Umsteigen in Sonstwo – und 200 normalen Bahngästen – nach und nach Ausgestiegen! Frechheit! – ging’s nach Venlo zum Queensday-Festival. Ein sehr geiles, kleines Festival. Dort Dennis und Mieke getroffen, die beim Punkrock! (Link) aktiv sind und sich ebenfalls wie ich auf Slim Cessna’s Autu Club freuten. Davor Old Man Markley, die netten Folkpunk machten und ziemlich den Zeitgeist damit treffen. Auch Smoke Or Fire spielten netten Punk‘n'Roll, aber ohne Highlights. Mit dem netten Tonarmleuchter vom Punkrockers Radio (Link), Mak von Ril Rec und Dennis dann auch doch nach und nach gut abgeschraubt, sodass ich betäubt genug war, über die schon arg predigenden Slim Cessna hinweg zu sehen und sie nur noch abzufeiern. Voll geile Mischung aus Country, Folk und Gospel! Dass der Gitarrist ein Wechselbildchen von Jesus und der Jungfrau Maria hatte, erfreut mich noch heute. Auf jeden Fall ging die Musik in Mark und Bein und auch die erworbene Platte ist ein Genuss! Mieke und Dennis sei noch mal Dank, dass sie mich in diesem Zustand heile irgendwo in Köln-Kalk ausgesetzt haben!
Photos von Lesung und Konzert by Maks findet ihr HIER

Freiburg, Auszenseiter, David Nechi, Stärkeäther und Resurrection Lily im Hausprojekt Scherer Straße 8 in Berlin (03.05.2013)
Erste Nacht in Berlin und schon sind die ersten Freunde aus Köln / Herzebrock / Poznan in der Stadt. Ohne Worte! Also ab durch die ganze Stadt und in den Wedding! Zuerst Liedermacher David Nechi, der klingt wie Hannes Vader meets Element of Crime meets Bob Dylan. Ganz okay, aber nicht unbedingt meine Lieblingsmusik. Stärkeäther war dann so Geballer, an das ich mich kaum noch erinnere und von Resurrection Lily habe ich leider nur den letzten Song mitbekommen. Sehr sympathischer Indie-Punk, aber da die Mädels und Jungs nur vier Songs hatten, war die Spielzeit arg begrenzt. Freiburg rotzten dann wie gewonnt ein super Set durch, am Ende auch mit duesenjaeger-Cover. Schön. Eigentlich sogar richtig geil, wie sich diese Band von einer mässigen Tocotronic-Epigonen-Dorf-Kiddies-Band zu einer richtig guten deutschsprachigen Punkband entwickelt! Auszenseiter – u.a. mit Tom von Freiburg und Stefan von Radio Bastards – spielten dann eher hardcorigen Lärm, den ich auch schon an anderer Stelle lobend erwähnt habe. Ein guter Abend, auch wenn um 5 Uhr nach Hause kommen sich erstmal wieder ungewohnt anfühlt.

Ghost Mice und ??? im Fischladen in Berlin (08.05.2013)
Tag der Befreiung und im Haus der Demokratie und Menschenrechte ist das jährliche Hoffest (mit Wurst und Steak … geile „vegane“ / „vegetarische“ Essensauswahl – Ironie-Modus off). Im Anschluss dann direkt liebe Freunde in den Arm nehmen und einer jungen Dame, deren Name ich auch nicht mehr recherchieren konnte. Die hatte auf jeden Fall ihr Schifferklavier dabei und begeisterte mit markanter, kräftiger Stimme und Folkmusik. So eine halbe Stunde war dann auch genau die passende Länge, bevor es doch etwas langweilig wirkte. Sie spielte leider eine Dreiviertel-Stunde, hehe. Ghost Mice waren dann toll wie immer, auch wenn es so scheint, als hätte Chris eine neue Sängerin dabei … oder Hannah hat sich arg geändert. Keine Ahnung, sie spielten auf jeden Fall viele tolle Songs und am Ende „Up the Punks“. Eigentlich fehlte nur „Sing Out“, einer meiner Lieblingscover-Songs, der mir immer ein Lächeln, ach was, ein Strahlen ins Gesicht meißelt.

Lesung in Wiesbaden am Freitag und Bingen am Samstag

Kaputt Lesen mit Falk Fatal und Alex Gräbeldinger

Hola, die Waldfee. Noch schnell von dem Falk seine Seite (Trashrock) die Ankündigung kopiert:

Alex Gräbeldinger, Falk Fatal und Mika Reckinnenlesen lesen am Wochenende wieder laut vor. Am Freitag in Wiesbaden, am Samstag in Bingen. Wir sehen uns! Sie werden alles kaputt lesen und alles leer trinken. Am Freitag, den 5.4. werde sie dies in der Kulturkneipe Sabot in Wiesbaden tun, tagsdrauf, am 6.4., im JUZ Bingen. Die Drei eint das Talent zum gepflegten Scheitern und die Lust, ihre Umwelt mit klarem Blick zu sezieren. Diese Erlebnisse packen sie in mal in wahnwitzige, mal in skurrile Geschichten. Zwischenrufe sind übrigens erwünscht.

ALEX GRÄBELDINGER
Punk, Opfer, Vollidiot. Kolumnist beim Ox-Fanzine und Buchautor von “Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl” und “Bald ist Weltuntergang, bitte weitersagen.”

FALK FATAL
Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des gestreckten Mittelfinger Fanzines, Sänger der Oldiepunkband FRONT, Kolumnist für das Sensor Magazin und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen.

MIKA RECKINNEN
Mika Reckinnen hält sich häufig in südostasiatischen Kleptokratien auf und schreibt Kurzgeschichten für Fanzines (u.a. Drachenmädchen, Pankerknacker, Trust, Der gestreckte Mittelfinger). Manchmal liest er vor. Laut!

Dr Ring Ding Ska-Vaganza + The Clerks in Gütersloh

Dr. Ring Ding Ska-Vaganza + The Clerks in der Alten Weberei in Gütersloh (30.03.2013)
Das letzte Mal, dass ich eine Ska-Band in Deutschland gesehen habe, ist mittlerweile fast zwei Jahre her. Seien wir ehrlich, Kartoffeln, westfälische Rübennasen und Ska, das passt einfach nicht – und vor allem nicht wenn Bands auch noch Skartoffeln, Rübenskasen oder so ähnlich heißen. Noch schlimmer wird es nur, wenn barfuß tanzende Mädchen ihre aschblonden Dreadlocks zwirbeln und kreisen lassen. Gruselig! Da hört der Spaß dann endgültig auf.
Allerdings gibt es einige Ska-Acts, denen ich dennoch etwas abgewinnen kann. Mr. Review zum Beispiel, den Hotknives, Frau Doktor, 8°6 Crew oder alten The Specials und Bands, die wie sie klingen, z.B. Two Tone Club. Allerdings gab es mal Zeiten, wo ich mehr – zum Teil sogar privat (file under: Enthüllung!) und alleine (file under: Skandal) – Ska gehört habe. Ein dauerhafter Begleiter und immer wieder sehr schöne Liveerlebnisse von Sassenberg bis Bordeux hat dabei Dr. Ring Ding vermittelt. In den 90ern mit seinen Senior Allstars sicherlich eines der Underground-Zugpferde im deutschen Ska, der immer wieder auf klassische Elemente und die Wurzeln in Jamaika zurückgriff und noch heute greift.
Daher standen wir an dem Abend vor der bizarr anmutenden Entscheidung zu June Paik nach Mülheim zu fahren oder zu Dr. Ring Ding nach Gütersloh. Viel weiter auseinander kann Musik kaum liegen. Aufgrund von vielen FreundInnen, die ebenfalls zur Cable Street Beat (Homepage) Show pilgerten, schlossen wir uns an und .
Zuvor galt es allerdings die Vorband zu überstehen. Nicht, dass The Clerks aus Köln schlecht waren, aber es war einfach so … so … skaig halt. Hepp, hepp, hepp, dazu deutsche Texte, ach, irgendwie … das klingt gleich wie Karnevalsmusik. Immer gute Laune, immer Pappnase, immer feste Pusten in die Tröten und ja die Gitarre nicht richtig quälen, give it up, give it up, Ska, Ska, Ska, shake it up!
Dr. Ring Ding hingegen hat dann die Zeit etwas angehalten, nach vorne gedreht, zurück, noch weiter zurück und wieder nach vorne. Alte Klassiker wurden gespielt („Push Wood in the Fire“), Songs aus der Zeit der Senior Allstars („Dandimite!“) und neue Songs mit seinem Projekt Ska-Vaganza, wo er Musiker aus Westfalen und Katalonien vereint. Insgesamt ein sehr netter Abend mit netten Leuten, der dann in einer Kneipe im Heimatkaff („Hier sind ja gar keine Menschen auf der Straße – gruselig!“) beendet wurde. Currywurstflatrate hat uns dann aber doch nicht mehr überzeugt, auch noch 5 Euro mehr auszugeben, um in die Dorfdisse zu kommen (der Raum hinter der Kneipe). Give it up, give it up, hepp hepp!

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter in Köln

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter im AZ Köln-Kalk in Köln (11.03.2013)
Kennt man ja, Wochen lang passiert relativ wenig in der Stadt und dann spielen Auszenseiter aus Herzebrock-Clarholz und Make Do And Mend aus den USA gleichzeitig. Schöne Scheiße! Aber da ich das AZ Kalk immer anderen Läden vorziehen würde, ging es eben nicht auf die andere Rheinseite, sondern nur um die Ecke.
Als ich ankomme, geschafft von dem Tag, an einem Montag mit der Müdigkeit des Tages, fangen Auszenseiter schon an. Großartiger Hardcore mit Schreigesang, nach vorne gehend, dennoch düster, und gleichzeitig sehr nett. Der Gesang ist sicherlich nicht ganz meine Sache, aber dafür gefällt mir der Rest umso besser. Hört sie euch auf Bandcamp an (Link).
Resurrectionists sind dann aus dem Cry me a River Festival-Umfeld. Münster, Warendorf, Harsewinkel, wer jetzt noch weiß, worüber ich schreibe, war wahrscheinlich schon einmal da. Ich habe immer noch eine sehr nette und gute Erinnerung an das Festival in 2007, als leider Kurhaus sich kurz vorher auflösten (ein alter Bericht findet sich hier). Das Cry Me A River ist wirklich super und ich respektiere die Personen, die so einen Aufwand auf sich nehmen und ein so sympathisches Festival machen. Die Musik von Resurrectionists gefällt mir allerdings gar nicht. Power Violence finde ich einfach Scheiße. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für die Musiker/innen eine nette Möglichkeit ist, sich zu verausgaben und Energien abzubauen und auszuleben, doch für mich im Publikum merke ich, dass ich nach wenigen Minuten die Müdigkeit spüre. Ich fange an zu gähnen. Gleich bleibender Lärm umgibt mich, ich muss weg von der Bühne.
Erst Holy bringen mich wieder zurück vor die Bühne. Eine sehr gute Band aus Italien, die erneut Hardcore (Bandcamp-Link)spielen, der aber melodischer ist als die Power Violence Schiene zuvor. Sie erzählen auf der Bühne kurz über Veganismus, was ich okay finde, an diesem Abend aber wohl auch predigen zu den schon Bekehrten ist, but who cares. Netter Abend, dann aber ins Bett, da einfach nur erschöpft.

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks in Mülheim

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks im AZ in Mülheim (09.03.2013)
Irgendwie fühle ich mich wie ein Kind, was das erste Mal mit offenem Mund vor etwas steht, was es nicht begreifen kann. Wahrscheinlich habe ich auch so ungefähr ausgesehen, als ich im AZ Mülheim Planks (Homepage) angestarrt habe. Planks sind eine dreiköpfige Band, die ich am gestrigen Samstag das zweite Mal in meinem Leben gesehen habe. Das erste Mal vor knapp einem Jahr auf dem Loss of Breath Festival in der Hamburger Flora (s. Bericht). Damals fesselten sie mich schon ziemlich, im AZ haben sie mich einfach an die Wand gespielt.
Planks im AZ Mülheim
Die Band kommt aus Mannheim und spielt eine wuchtige Mischung aus Hardcore, Metal und Sludge. Ihr neues Album heißt Funeral Mouth und ich würde es jede/m ans Herz legen, der auf diese Art von Sound steht. So dicht, so treibend, so bombastisch, mich haben die 3 auf jeden Fall begeistert. Dazu kommen einfach Mittel, wie das Anstrahlen der Bandmitglieder von unten, was mächtige Schattenspiele entstehen lässt, dazu ein angenehmes Publikum, einfach alles passend. Ihre älteren Tonträger sind vor Kurzem bei Souther Lord (Link) auf CD erschienen, wobei ich finde, dass diese Art von Musik nicht auf Tonträger wie CDs, sondern auf tonnenschweres Vinyl gebannt gehört, bzw. eh am besten Live wirkt.
Bis zur Band war der Tag auch schon sehr nett, da ab 15:00 Uhr der Plattenflohmarkt im AZ war. Zwar waren wenige Einzelverkäufer/innen da, die ihre Sammlung anboten, dafür aber viele gute Händler/innen aus der Umgebung und ein bisschen Geld und ein paar Schallplatten wechselten so seinen/ihren Besitzer/in. Danach noch ein wenig in der Kneipe Fußball schauen, vor und nach der Band Unrest am Kicker abgezogen werden und dazu gute Gespräche und Bierchen. Unrest, das nur zur Vervollständigung, waren ganz okay. Mit ihrem metallastigen Hardcore konnte ich weniger anfangen. Dann sogar recht zeitig in der Wohnung der Liebsten angekommen, die Planks Platte aufgelegt und gefreut, dass ihre Mitbewohner/innen nicht zu Hause waren.
Wenn Euch Planks interessieren, lest auch unbedingt das Interview, das Alva mit ihnen für die #152 des Trust-Zines gemacht hat. Sehr gut (Link)!

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in Münster

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in der Baracke in Münster (01.03.2013)
Es gibt doch kaum etwas schöngeistigeres als in einem RegionalExpress durch das Ruhrgebiet Zeitung und Buch lesend, Bier trinkend und Musik hörend dem Ziel Münster entgegen zu fahren. Da kann auch der Freitagabend-Feierabend-Verkehr einen nicht mehr schocken. Dem im Januar verstorbenen Jakob Arjouni ist schon vor vielen Jahren mit „Magic Hoffmann“ einfach ein wahnsinnig gutes Buch gelungen. Es macht Spaß sich dem Buch mit einem Bier und in Bewegung zu widmen. „Magic Hoffmann charakterisiert noch heute Berlin und deren Zugezogene sehr gut. Hammer, Nagel, Kopf!
Beim Umsteigen im Hammer DrogerieMarkt wird dann Nachschub geordert und ich wundere mich über Bierbüchsenpreise, die durchaus im Kontext des Reiseverkehrs als „günstig“ eingestuft werden können. Meine ersten Bierdosen seit Jahren, in Münster am Aasee werden sich die Pfandflaschen- und -dosensammler/innen darüber freuen.
Freiburg (Band), Punk aus Herzebrock-Clarholz
Den ersten alten Freund direkt am Bahnhof begrüßt und durch das nächstliche Münster gelatscht. Immer noch hunderte von Karnickeln, immer noch Jogger/innen und Radler/innen, immer noch Münster überall. Nur die offene Drogenszene an den Aaseekugeln gibt es (zumindest bei den eisigen Temperaturen) nicht mehr. An der Baracke angekommen, muss ich erstmal laut lachen. Haben sie nicht die alte Baracke abgerissen? Kann es sein, dass dies eine eins-zu-eins Nachbildung ist? Wahnsinn! Drinnen dann das gleiche Bild. Theke, Toiletten, Bühne, Fenster, alles noch an den gleichen Stellen, nur renovierter. Das Leben ist echt ein Wahnsinn!
Musikalisch tat sich dann nach kurzer Zeit etwas. Alles wegen Lilly (Bandcamp-Link) fingen an und spielten ganz netten emotionalen Post-Punkrock, wie er seit einigen Jahren so äußerst beliebt ist. Ehrlich gesagt langweilt mich die Musik eher, obwohl die meisten Bands gute Musiker (/innen?) sein mögen, ist mir die Musik zu wenig direkt, textlich häufig ich-fokussiert und voll von Selbstzweifeln, das ganze hat wenig Biss, keine Provokation, kein Protest, nichts Nihilistisches mehr. Nichts gegen Selbstzweifel, aber dieses häufig sich selbst beweinende um sich selbst drehen, erinnert mich von der Aussage viel mehr an Grunge / Alternative Rock. Für Käfer K (Link), die an dem Abend ihr neues Album präsentierten, gilt das leider auch. Klar, es gibt Bands, die klingen ähnlich und denen gelingt der Spagat, Matula sind da zu nennen, aber vieles andere finde ich einfach nur belanglos (Adolar, Mikrokosmos23, etc.). Vielleicht habe ich den Bands aber auch nicht zur Genüge gelauscht, oder war einfach in anderer Laune. Oder aber Geschmäcker und ihre Verschiedenheit … blablabla … bis dato hat mich die Baracke als (wieder) existierendes Gebäude und die Erinnerungen an geile alte Punk- und Hardcore-Shows plus viele Freunde vor Ort mehr erfreut als die Bands …
… und außerdem war ich wegen Freiburg da. Deren neues Album ist nämlich, im Gegensatz zu vielen anderen Bands, tatsächlich eine Weiterentwicklung, die mir gefällt. Schneller, direkter, wütender. Und sie spielen dieses Album dann auch fast komplett durch, plus einen oder zwei ältere Songs und dann runter von der Bühne. Ein kurzes, aber schnelles Set. Nicht viel Gelaber, einfach auf den Punkt gebracht. Hand claps, dann nach Hause! So darf Punk 2013 sein!

Kent Coda in Oberhausen

Kent Coda in der Druckluft in Oberhausen (22.02.2013)
Fußball in der Oberhausener Provinz und im Anschluss einfach mal auf Verdacht in die Druckluft. Dort spielt Kent Coda, eine Kölner Indie-Folk-Band, die vom Akzent her wohl ziemlich lange mal in Großbritannien gelebt hat. Kent Coda singen auf Englisch und Türkisch und vor allem die schnellen Songs besitzen Charme, erinnern an Chuck Ragan und lassen mich mitwippen. Die langsamen Songs hingegen gefallen mir gar nicht. Folk muss einfach sein, ist meine Meinung. Nach 120 Minuten frierend in der Kanalkurve zu Oberhausen, wärmt uns die Druckluft und mit Mate wird auch der Alkohol wieder etwas ausgespült.
Doch der Zug nach Köln ruft und wir entscheiden uns, nicht noch eine Stunde in der Druckluft zu bleiben, wo sich leider nur knapp 40 Personen eingefunden haben und daher verpassen wir Dear Wolf, die wohl ähnliche Musik machen dürften.

Fanzines – Der gestreckte Mittelfinger #7

Der gestreckte Mittelfinger #7
„Schling Dein Essen nicht so. Du musst auch mal genießen lernen!“ Solche Sätze mag der eine und die andere aus Elternmunde kennen. Schokolade, Eis, Limonade, zack, zack, weg isses! Gute Sachen kann man genießen, aber meistens konsumiert man es schnell. Ein Junkie wartet ja auch nicht auf den richtigen Moment, um sich dann – oh wie schön – nen Schuss zu setzen. Was früher Schokolade war – naja, eiskalt gelogen: ist immer noch so mit Schoki – sind heute Fanzines, vor allem wenn sie so gut sind wie der Gestreckte Mittelfinger. Ratzfatz durchgelesen, alles auf einmal, zwar nicht verschluckt oder einen Brillenriss bekommen, aber nach drei Tagen viel zu schnell durch mit dem guten Ding. Selbst die Reviews – restlos rausgelesen!
Den werten Kollegen Falk Fatal schätze ich sehr. Sein Fanzine, dass den schönen Untertitel „Analoger Newsletter – von Kidpunx für Kidpunx“ trägt, ist eines der besten deutschsprachigen Fanzines. Klassisches A5-Format, 88 Seiten, Band-Interviews, Erlebnisberichte, Gedanken, Kurzgeschichten und Reviews. Dazu kommt ein punkiges Layout, dass dennoch in der Moderne angekommen ist. Weniger Pritstift und Schere, dafür aber übersichtlich und dennoch mit Liebe ins Detail.
Ein Highlight ist auf jeden Fall gleich zu Beginn der Bericht über den „geheimen Rosengarten“, dem teuersten Bau-Projekt des Staates. Hier schmeckt man den Kalten Krieg, die „German Angst“, der verbissene Gedanke: „wenn die das machen, was machen wir?“ Sehr gut liest sich auch der Rückblick, wie der Herr Fatal ein Nessie wurde, also ein Mike Ness Fan. „White light, white heat, white trash“ ist natürlich ein Meisterwerk, aber das „Live at the Roxy“ darüber zu stellen – obwohl es natürlich ebenfalls ein großartiges Album ist – ist mutig. Würde ich so nicht unterschreiben, auch wenn ich das Live-Album wohlwahrlich ähnlich häufig gehört habe. Der Rückblick in die 90er ist daher spannend, da der Mittelfinger nun auch schon 11 Jahre aktiv ist und wer kann besser einen Rückblick und ein Abgefeier niederschreiben, als der Mann aus der gehassten Nachbarstadt Frankfurt – Jan „Trust“ Röhlk. Das gelingt ihm natürlich fabelhaft.
Die Interviews sind auch gut, das Smogtown interessiert mich weniger, aber Kotzen (Nachfolger von Der Trick Ist Zu Atmen) sind großartig. Schade, dass sie keine Platten veröffentlichen, doch schön, dass sie sich nicht scheuen, kontroverse Sätze abzugeben. Es knüpft auch an das letzte Spezial zum Thema Geistige Eigentumsrechte an, wozu auch das Interview mit Werecrow vom „Ya-Can‘t-Go-Home-Blog“ gehört.
Dazu kommen Bericht über einen neuen alternativen Laden in Wiesbaden, die Kulturkneipe Sabot, einen Artikel über Christenpunks (den man auf Englisch auch im aktuellen alleiner threat #03 nachlesen kann) sowie Kurzgeschichten und Kolumnen von Bäppi (gute Selbstreflexion, die man leicht übernehmen kann), Falk (Sunday=Funday) und meiner Wenigkeit.
Bevor es dann in die Reviw-Sektion geht, gibt’s noch eine Mocktery über das „neue“ G. Wallraff-Buch, in der GG Wallraff als Scumpunk schonungslos aufklärt, wie es im Leben eines kotzenden, alkoholkranken, sexistischen, ekligen Scumpunks zu geht. Hoffe da auf RTL und die realistische Umsetzung!
Alles in allem kann man 1,50 € nicht besser anlegen. Wo legt man die an? Hier: www.trashrock.de

Fanzines – Ont Road #18 / Split With: Go Fuck Yourself

Ont Road #18 / Split With: Go Fuck Yourself
Thanks to Chriz of Try to Wake Up With A Smile On Your Face I got my dirty hands on that great split zine! Somewhere in the back of my mind, there isn‘t only „Springtime“ and some other great Leatherface tunes, but I also remembered that I got a copy of an older number of that zine some years ago. I reviewed it for Trust Fanzine in 2010 or 2011, the number #13 then. The review was:

    Ont Road #13 / Go fuck your self Split-Fanzine
    Split Fanzines are great! Especially this one! Ont Road writes about a Europe-Tour through East Europe with Pisschrist, reviews the new Leatherface Vinyl in a very long, honorable way (how it should be reviewed) and talks about the new record of the Manic Street Preachers. Also sports are included in his part of the split zine. He writes about the WDF Dutch Open 2009, a Dart tournament in the Netherlands. Go fuck your self writes short notices and stories about places he travelled, from St. Petersburg to Beijing and through the USA (L.A., New York to California). As a plus he adds an interview with Thou from Baton Rouge, a band I haven’t heard off before

So, a few years later I‘m having this number and I started with the Ont Road part of it, because he toured with Leatherface through East Europe, especially Poland, Lithuania, Estonia, Latvia and Finnland (not East Europe, okay). Me and AC saw Leatherface in Siegen before (Link) and I really enjoyed the show. Sadly AC mentioned after the show, „maybe it was the last time to see them“ and maybe she’s right. Damn!
Nevertheless, I really liked this tour report, because it gave a deep inside view to the band, I love that much! He is also writing about an older trip through the Baltic States (2003). The interview with One Way Ticket To Cubesvilla Zinester Richard is a nice read, also the story why cops are bastards. I didn‘t like the Manic Street Preachers article, but it’s because I don‘t care about the band. But, the highlight beside the Leatherface tour report was the article about Mülheim an der Ruhr and having beers there. And he brought something about German AZs/AJZs and other alternative locations straight to the point: „Furthermore, my experience with German strangers is mostly negative. They are an unfriendly nation, and add to the fact that we were in an autonomous zone, where flirting and trying it on are considered acts of sexual assault, it wasn‘t the best place to be for someone going on their own. German, PC, and Anarchist is hardly a desirable ménage a trois.“ True words, true words – and in the same moment I felt ashamed!
The other half of the zine is with travel reports by „Go Fuck Yourself“ which is quite okay, but I had to make some breaks here and then. Its about travelling in the US and gives really detailed reviews of the journeys, sometimes more interesting, sometimes less interesting. But also good! Sadly, I haven‘t been to the states yet and I think compared with the Ont Road part, I think I favor European or Asian zines, dunno why! Maybe it’s the kind of writing, on the other side, Aaron Cometbus and others were also brillant US Zinesters.
Okay, let’s bring this to an end! Great zine, you should not miss!
You can also download older issues here to check them out: http://punksishippies.blogspot.com
For this issue please write to: ska1ska@yahoo.com or thirteenthirtytwo@hotmail.com

Knochenfabrik + Robinson Krause in Köln

Knochenfabrik und Robinson Krause im Sonic Ballroom in Köln (07.02.2013)
Was haben die Leibeigenschaft, Hexenverbrennung und Karneval gemeinsam? Richtig, sie alle waren im Mittelalter beliebt. Während natürlich Leibeigenschaft und Hexenverbrennung aus politischen Gründen nach und nach verboten wurden, hat es Karneval geschafft, sich über die Zeit zu retten. Einige der damaligen Witze werden heute noch im Rahmen von Fassenacht, Karneval oder anderem Klamauk immer wieder zum Besten gegeben. Zum Besten? Folterzwecke, schätze ich!
Jetzt hat es mich in die Karnevalshölle Köln gezogen. Unter einem miesen Vorwand habe ich mir an Karneval noch Besuch erheischen können („ich habe noch eine Karte für Knochenfabrik“) und weil ich nicht im Sonic Ballroom lebe (bzw. leben darf), müssen wir an Weiberfastnacht auf die Straße. Schon am S-Bahnhof in Kalk sind 80 Prozent der Anwesenden besoffen und verkleidet. Eine furchtbare Kombination. Wir hatten vorgesorgt und uns etwas Bier scho neingeflöst, nüchtern auf die Straßen zu Karneval? Nicht auszuhalten! Und was man auf den Straßen sieht, ist das nackte Elend! Oder das kostümierte Elend!Zum Beispiel trägt ein Typ einen Schottenrock, unter dem ein ca. 40cm langer Stoffpenis herunter baumelt. Ich meine, wie unwitzig ist das? Und das Schlimmste, der Typ trug auch noch ein Höschen unter dem Rock, was für ein beschissener Schotten-Fake!
Die S13 Richtung Ehrenfeld ist dann auch so voll, als würde Rot-Weiß Essen in der Stadt spielen. Oder es gäbe irgendetwas umsonst. Furchtbar! Menschen, an Menschen, an betrunkenen Menschen!
In Ehrenfeld raus und auf dem Weg nur Trümmer von Menschen bzw. Jugendlichen gesehen. Stil ist halt eben nicht das Ende eines Besens. Im Sonic Ballroom dann aber ein sehr angenehmes Bild. Nur wenige sind verkleidet, die Stimmung ist gut und ausgelassen. Ein paar Jever fließen! Robinson Krause fangen an und wie sagt es AC: „Irgendwo zwischen gut und Montreal!“ Ich muss lachen, das trifft es. Ein bisschen witziger, deutschersprachiger Funpunk. Leider etwas mehr Montreal als gut, wie ich finde, aber nicht so nervig, dass es mich raustreibt. Dennoch, fast alle warten auf Knochenfabrik!
Claus Lüer, Knochenfabrik, Sonic Ballroom
Es war das dritte Konzert nach der Re-Union, dem ich beiwohnen konnte. Das erste vor einigen Jahren in Karlsruhe war schon okay, auf dem Ruhrpott Rodeo 2011 habe ich sie verquatscht, aber auch nicht viel verpasst, aber was jetzt im Sonic Ballroom passierte, war großartig! Mit „Willy über Wiesen“ anfangend, „Schwer wie Blei“ nachfolgen lassen, dazu alle Hits wie „Obdachlos & Trotzdem Sexy“, „Der Nackte Golfer“, „Filmriss“, „Grüne Haare“, es war einfach großartig! Der ganze Laden bebte, gefühlt die Hälfte der Anwesenden war am Tanzen, fast alle sangen oder gröhlten die Texte mit. Die Band in guter Laune, ein paar Karnevals-Polemiken mit Song-Widmungen für (hoffentlich fiktive) Menschen, die sich für wahlweise den Turnverein, Karneval oder sonst wem verdient gemacht haben.
Dazu aber dennoch alles ohne Stress, friedlich, ausgelassen und dazu einen Platz an der Theke, sodass es zwischen Tanzen, Mitsingen auch immer die Möglichkeit gab, den Akku wieder aufzufüllen.
Im Anschluss noch bis zum Ladenschluss mit netten Leuten gequatscht (Grüße) und dann volltrunken ins Bettchen! Ein großartiger Abend!
Knochenfabrik Sonic Ballroom
Edit:
Noch ein kurzer Nachtrag und beinahe vergessen: Als Zugabe gab es noch den großartigen Song „Toni Schumacher“, der Mann, der Meppen weit über das Emsland bekannt machte. Was aber auch schön zu sehen und zu hören war, bei diesem Hit waren nur die wenigsten textsicher.

Anti-Flag und Amnesty International

Anti-Flag und Amnesty International
Am Freitag erscheint die neue Single von Anti Flag feat. Donots feat. Mitglieder von Billy Talent (Ian D‘Sa) und Beatsteaks (Bernd Kurtzke). Das Ox-Fanzine (Homepage) postet die Werbung in sozialen Netzwerken, Bocky vom Punkrock-Fanzine (Homepage) schreibt im selben Netzwerk: „der Song zur geilen Aktion hat auch ein Video, das ihr jetzt schon anschauen könnt. Und Freitag nicht vergessen: Kaufen, kaufen, kaufen = Supporten!“, das Plastic Bomb hat schon im Januar ein Feature gemacht (Link zum Artikel) und alle reihen sich ein.
Okay, nehmen wir erstmal die Grundidee: Amnesty International ist die größte Menschenrechtsorganisation der Welt! Menschenrechte = eine gute Sache, keine Diskussion. Auch Amnesty International selbst ist als Kooperationspartner für kleinere Organisationen, wie die für die ich arbeite, durchaus ein interessanter Partner. Generell also durchaus eine unterstützenswerte Sache, wobei Amnesty International von allen Menschenrechtsorganisationen, die ich kenne, auch die bürgerlichste ist und sicherlich keine radikalen Forderungen stellt. Mt Amnesty International ist es egal, wie Armut und Reichtum in dem Land verteilt sind, solange die Menschenrechte eingehalten werden. Freilassung von (einigen?) politischen Gefangenen, Abschaffung der Todesstrafe, Einhaltung der Menschenrechte, seien wir ehrlich, bei meinen (sehr wenigen) Treffen im Bundestag einige ich mich darauf auch sofort mit Abgeordneten von CDU/CSU und FDP. Das sind nun mal gesellschaftliche Mindeststandards. Vor allem der Fokus auf die zivilen, bürgerlichen Rechte (der bei Amnesty International auch aufweicht) drängt andere Rechte, wie die Fragen nach „Recht auf sich zu ernähren“, „Recht auf adäquate Unterkunft“ etc. in den Hintergrund (die so genannten WSK-Rechte, also wirtschaftlich, sozialen und kulturellen) – mit diesen haben konservative Kräfte größere Probleme, denn was heißt es, ein Recht auf Arbeit zu haben? Oder ein Recht, auf angemessene Ernährung? Sind dann Lebensmittelgutscheine für Asylbewerber/innen oder Sanktionen in dieser Richtung gegen HartzIV-Empfänger/innen nicht sogar Menschenrechtsverletzungen??? Hat eine Agentur für Arbeit dann nicht die Pflicht jemandem menschenwürdige Arbeit zu beschaffen und nicht anders herum Sanktionen uszusprechen, wenn der/die Betreffende keine Arbeit findet???
Also, etwas hart formuliert, „Punk tut auch dem Spießer gut“ (Duesenjaeger), das ist mit Menschenrechten nicht anders!
Aber wie gesagt, das ist Kritik auf hohem Niveau und Amnesty International gehört auf jeden Fall zu den unterstützenswerten Organisationen, Punkt! Mir geht’s hier eher darum, dieser einseitigen Abgefeierei auch durchaus andere Denkansätze zu geben.
Kommen wir zu den Bands: Anti Flag habe ich vor zig Jahren mal auf dem Stemweder Open Air gesehen und ihre Art von politischem Kinderpunk ist durchaus okay. Einige Hits auf alten Alben, ein wenig zu glatt nun. Ähnliches gilt eigentlich auch für die Donots, nur dass ich die ein paar mal mehr live gesehen habe, so in den späten 90ern, als ich noch so gerade Teenager war. Billy Talent finde ich wie die Beatsteaks zum kotzen – meine Meinung! Das schon ewig. „Eigentlich müsstest Du doch voll auf die Beatsteaks abfahren, ist doch genau deine Musik“ – genau die Diskussion habe ich schon vor über zehn Jahren geführt und dennoch: Nein, sie gefallen mir nicht!
Dass diese Schwergewichte sich zusammen tun und einen Charity-Song schreiben ist an und für sich dennoch etwas Gutes. Anti Flag sagen dazu: „Inspiriert vom Schicksal von PUSSY RIOT und unter Mithilfe einiger guter Freunde hoffen wir, dass wir mit die Message von ’Toast To Freedom’ an Menschen herantragen können, deren Ohren bisher verschlossen blieben. So wie uns PUSSY RIOT inspiriert haben, im Angesicht von Unterdrückung und Ungerechtigkeit niemals aufzugeben und niemals zu schweigen, hoffen wir, mit diesem Song Ähnliches vollbringen zu können. Das hier ist unser Ruf nach Freiheit.“ Da lehnt sich jemand weit aus dem Fenster, muss ich sagen, Pathos, Pathos, Pathos, aber wenn es auch nur eine handvoll Teenager (und/oder Ältere) weltweit dazu bewegt, sich für Rechte von Entrechteten einzusetzen, ziehe ich meinen Hut. Dann hat sich der Song schon gelohnt.
Kommen wir zu dem Song. Und der ist echt so dermaßen offensichtlich auf „Punkrock-Hitparade“ komponiert, das einem schlecht wird. Ich habe ihn zuerst mit Lars gehört und wir haben beide zuviel bekommen. Zwischen Lachen und Weinen! Eine vollkommen offensichtlich berechnende Hymne mit allem, was dazu gehört. Ein beklopptes Solo, ein paar „Hey’s“ und „Aaahs & Ooohs“ an der richtigen Stelle, ruhiger werdend, schneller werdend … ach, Knochenfabrik haben das mal in ihrem Song „Sinnloses Lied“ auf den Punkt gebracht („die Melodie ist ziemlich schön, weil sie ins Ohr muss – das ist wichtig, denn sonst ist das Lied kein Hit“). Und da es so ist, regt mich der Song auf. Lars hat ihn nicht mal komplett ausgehalten! Dazu ein wenig „Live Aid“-Gefühle im Video, das ein wenig Studio, ein wenig Live, ein wenig Gesichter der Band(s) bietet. Ehrlich gesagt, das Video ist schon eine Art Selbstinszinierung! Warum nutzt man den Raum nicht, um auf Schicksale von Opfern von Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen? Dazu eine Seite oder einen Link mit „Urgent Actions“, also der Protestbrief-Form, die das Medium sind, wie sich Amnesty für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzt!? Stattdessen die Fressen der Bands … „wir sind die Guten“, schreit es einen entgegen. Und das macht die ganze Sache für mich nahezu unerträglich! Denn, worum geht es? Es geht darum, Amnesty International zu huldigen? Warum dann so eine Selbstbeweihräucherung? Das Video hat zu diesem Zeitpunkt über 50.000 Klicks (am Mittwochabend vor dem Release), warum wird da politische Message verschenkt? Vielleicht, weil da nicht Aktivist/innen am Werk sind, sondern Musiker oder Gutmenschen? Bob Geldorf-Scheiße für Punks, und die werden es wohl fressen!

[Ab hier am 9. Februar 2013 noch mal editiert]
Vielleicht mit ein wenig Abstand noch mal ein Fazit unter den Text. Generell ist die Idee des Songs eine gute Sache, aber bei der Umsetzung hätte es auch gerne weniger „sich selbst präsentierend“ sein können und tatsächlich politische Inhalte auch im Video stärker betont werden können. V.a. wenn es tatsächlich um Pussy Riot oder andere konkrete Opfer von Menschenrechtsverletzungen geht, hat man zumindest mit dem Video eine große Chance verpasst, auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Ebenfalls finde ich den Song ziemlich belanglos, aber das ist halt eine Geschmacksfrage. Am Ende werden es viele mögen und hoffentlich kommt für Amnesty International ein guter Betrag dabei herum.

Der Text:
VERSE 1
How delicious is the winning of her kiss – Bind her love to eternal bliss – She’s the greatest power in the universe – Freedom

Her touch will feed your real hope – In the darkest of days and on the steepest slope – Let your good heart and kindness fill her temple – Freedom

BRIDGE
Nobody’s free until everybody’s free – We walk a long winding road, sail the raging seas – No prison cell, no censorship hell -Can claim our obedience and love

CHORUS
Here’s our toast to freedom – To human rights and dignity – Love, respect and forgiveness – United in the dream for victory – Here’s to the battlefields for justice – Of the tortured, banished and enslaved – To the selfless spirit and commitment – To our brothers and sisters in the grave

VERSE 2
She hurts when sovereigns and parliaments meet – To shackle more chains about Liberty’s feet – When the rulers cast the votes they can not spell – Freedom

Her open eyes desire nothing but the truth – The soul of mankind, untainted youth – Yes, for this I will stand up and fight – Freedom

BRIDGE 2
Nobody’s free until everybody’s free – We walk a hard road, sail the raging seas – No prison cell, no censorship hell – Can claim our obedience and love

CHORUS

SOLO

BRIDGE 3
Nobody’s free until everybody’s free – Together we walk a hard road, sail the raging seas – No prison cell, no censorship hell – Can claim our obedience and love

BREAKDOWN

Here’s our toast to freedom – To human rights and dignity – Love, respect and forgiveness – United in the dream for victory
Here’s our toast to freedom – To human rights and dignity – Love, respect and forgiveness – United in the dream for victory

Duesenjaeger, This Town Needs Guns + Birthmark in Bielefeld

Duesenjaeger, This Town Needs Guns + Birthmark im AJZ in Bielefeld (01.02.2013)
Auf solch einen Abend freut man sich doch. Die ernsten Probleme mit den Ohren überstanden und direkt wieder Lärm drauf. Beim guten Freund in Bielefeld eine super gemütliche Unterkunft gefunden, Biere gekauft und zu Fuß durch den Nieselregen zum AJZ. Dort dann viele Bekannte aus Herzebrock-Clarholz und Bielefeld begrüßen dürfen, ach, immer wieder schön! Erinnert sich noch jemand an die Fun-Punkband Laurenz aus Versmold? Oder die Britpopper aus Herzebrock namens Twist? Nein, vielleicht auch nicht tragisch.
Drinnen spielt derweil Birthmark, aber was nach draußen dringt ist so unspektakulär, dass ich nur kurz zum Bierholen reineile und sofort wieder raus watschele. Nate Kinsella hat früher bei Joan of Arc / Make Believe gespielt und macht angeblich Musik für „Fans der späten The Notwist“. Keine Ahnung, ich finde es absolut langweilig.
Auch die gehypten This Town Needs Guns finden bei mir kaum Anklang. Das ist die Vertonung der Gauß’schen Glockenkurve, Mathematik zum Anhören oder einfach nur krasse Nerds, die aus ihren Instrumenten das Letzte rausholen. Mucker-Mucke … ein furchtbares Wort und doch so passend. Den Leuten gefällt es aber und ich habe das Gefühl, die Menge der Studierenden erreicht jeden Moment den kritischen Zeitpunkt, an dem wir alle mit der Wahrscheinlichkeit der Unwahrscheinlichkeit in ein Raumschiff gezogen werden, wo Douglas Adams uns alle Babelfische in die Ohren stopft, um diese Musik zu verstehen. Oh, einen Moment, was passiert jetzt … ??? Nichts! Also wieder Bier, wieder raus! Kein Babelfisch und die Hardcore-Kids, denen sowas gefällt, einfach mal in der Ecke oder vor der Bühne stehen lassen.
Duesenjaeger Torben
Zu Duesenjaeger habe ich wahrscheinlich schon alles irgendwo geschrieben, was ich zu der Band schreiben kann. Ich mag ihren deutschsprachigen Punkrock, ich mag die Melodien, ich mag die Texte, ich mag die Personen, die die Band darstellen, ich mag das Umfeld, ich mag die Tonträger, ich mag … ich mag Duesenjaeger (Link). An diesem Abend spielen sie lange – ca. eine Stunde – und doch viel zu kurz. Die meisten Songs sind von den beiden LPs, dazu gesellen sich Songs von der 10inch und ein paar alte Sachen. Ein wenig vermisse ich die Hits der ersten Single, „Funke“, „Maulwurf“, dafür gibt es als Zugabe „Keiner“, auch sehr schön. Der Abend endet dann mit Rosi (MyRuin) und anderen zwischen Tresen und Bühne. Und irgendwann in einer Kneipe mit sinnlosen Diskussionen über sinnlose Dinge. Ein guter Abend!
Duesenjager Tobi & Jan

Lesungen in Kaiserslautern und Mannheim

Lesungen in Kaiserslautern (15.02.2013) und Mannheim (16.02.2013)
Jetzt wird es wieder kuschelig! Draußen kalt, innen Bier! Besser geht es gar nicht. Damit Bier trinken alleine nicht so doof aussieht, gibt es drumherum ein wenig Unterhaltung. Der liebe Alex Gräbeldinger und der verehrenswerte Falk Fatal teilen sich mit mir eine Bühne. Und zum Glück findet das nicht irgendwo statt, sondern in Deiner Lieblingsstadt*.

*= wenn Deine Lieblingsstadt Kaiserslautern oder Mannheim heißt. Denn dann notiere dir diese Daten:
15.02.2013 im Clearing Barrel (Link – Kaiserslautern)
16.02.2013 im Blau (Link – Mannheim)

Und so sieht der Flyer (für Mannheim und eigentlich auch für Kaiserslautern) aus:
Lesung Alex Gräbeldinger Falk Fatal und Mika Reckinnen

Fanzines – Ploppy Pants #14

Ploppy Pants #14
Roddy publised this zine from 2003 to 2012, for about ten years. Sadly this is the last issue and the first I got into my dirty fingers. Joe Kidd from Dung gave it to me, when I was in Malaysia. He was interviewed for this scene and gives a very long and detailed inside view to the Punk scene in Malaysia, problems with repression and his band – Dung (Link). Also Roddy looks back to the last issues and about the zine-scene in the UK. But mainly the number 14 is focussing on his trip to Southeastasia. He does Q&A with Paganfire (Metal from the Philippines) and SMG (grindcore from Asia), an interview with IX about suspensions, but he also writes about vegan eating in several Asian cities and writes more or less about his trip to the region. He is not doing it on a day-by-day-report, but giving short impressions about the countries. It gets very clear that Roddy was not travelling as an alien, but got in contact with a lot of interesting and lovely people in the region. In summary, the 40 pages A5 are read faster than some of this boring reviews about great zines!

Contact: dirty_little_punk@hotmail.com

Fanzines – Out of Order #06

Out of Order #06
Neulich war ich mal wieder im Ruhrgebiet, vielleicht meine Lieblingsregion in Europa. Ich meine, einfach weil das Ruhrgebiet nichts besonderes ist, nicht aufregend, nicht hipp, aber dennoch schön. Normal, irgendwie! Unaufgeregt, und ich will damit gar nicht die ganzen positiven Klischees wiedergeben, die über diese Region existieren, genauso wenig wie die negativen. Wer sich daran abarbeiten will, kann Frank Goosen lesen.
Ich habe dort sehr gerne drei Jahre gewohnt, hatte eine gute Zeit, es gibt viele nette Menschen, denen man viel zu selten begegnet. Und dann war ich neulich halt wieder da und habe in Duisburg Zwischenstopp gemacht, um den Laden Onkel Stereo (Link) zu besuchen. Ein kleiner, sehr hübscher Laden mit Büchern, Platten, Zines und Krimskrams. Platte (Flex your head), Buch (Heiko Werning) und Zine (Out of Order #6) dann auch gleich mal eingepackt und mitgenommen. Um letzteres soll es nun gehen:
Wenn es einen Soundtrack zu dem Out of Order #6 gäbe, dann wäre es sicherlich ein Vitaminepillen-Sampler. Zumindest fühle ich mich von der Machart und einigen Bands an die späten 90er erinnert. Konzertberichte, Interviews und Persönliches stehen im Fokus des Heftes. Es fängt an mit dem Ruhrpott Rodeo 2012 (und kommt später noch mal drauf zurück), das ich mir bewusst verkniffen habe und wenn ich mir die Texte durchlese, dann weiß ich auch warum. Im Anschluss ein Bericht über die Kafkas im Oberhausener Druckluft, die ziemlich abgefeiert werden. Nun ja, als Teenager fand ich Kafkas auch sehr gut, politisch-engagierte Texte sind auch gut, aber irgendwie bin ich aus der Band herausgewachsen. Mit Sänger Markus haben wir für ein altes Strafraumpogo-Zine mal nen Interview gemacht und ich fand ihn sehr sympathisch, aber musikalisch geben sie mir heute nicht mehr viel.
Es folgt ein relativ belangloses Interview mit Tony Jones, liegt aber auch daran, dass ich Tony Jones nicht kenne und Band-Interviews mittlerweile eh fast überflüssig finde. Gibt wenige, die mich noch kicken. Siggy’s erstes Tattoo ist da schon spannender zu lesen. Gut finde ich das Interview mit Lena Stoehrfaktor, die HipHop macht. Kurz, pregnant und einfach mal was über den Tellerrand der eigenen Suppe. Den Sex-Artikel hingegen schnalle ich nicht, okay geschrieben, aber nun ja …
Mit den folgenden Konzertberichten von Siggy gibt es ne nette Überschneidung mit meinen eigenen Berichten hier auf dem Blog, was immer schön ist, das auch noch mal aus einer anderen Perspektive zu lesen. Musikgeschmack also total super, hahaha. Die 10 Lieblingsplatten von Sabrina sind Kafkas-lastig, ansonsten aber genau der oben erwähnte „damals wäre es Vitaminepillen Records gewesen“-Querschnitt mit Pascow, Tagtraum, NeinNeinNein/Kaput Krauts, Antitainment. Gute Auswahl, auch wenn die bescheuerte Band mit B in der Liste meiner Meinung nach nichts zu suchen hat. Kurze Netz-Recherche dürfte ausreichen, um diese Band einfach Richtung Vergessenheit zu schießen!
Es gibt ansonsten noch Nimrods in der Pommes Bude, Eisenpimmel+Lokalmatadore+Kassierer (wer macht denn sowas???) in Oschatz (ohne Worte, in NRW war scheinlich wegen Atomwaffen-Sperrverträge in dieser Kombination verboten!) und Reviews. Gutes Heft aus dem Herzen des Ruhrgebiets – aber eine Frage: gab es nicht mal ein Out of Order aus Hamburg???



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