Archiv für Februar 2010

Moments passing by

Seit dem Moment an dem ich das regelmäßige Schreiben eingestellt habe, seitdem ich nicht mehr zusammen mit meinen Freunden wohne, seitdem ich aufgehört habe hundertprozentig ich-selber zu sein, sondern ein Kompromiss aus vielen kleinen Dingen, die mir zu schaffen machen, seitdem sinkt die Qualität meines Lebens von Sekunde zu Sekunde. Es ist mittlerweile tiefer als der Keller eines alten Hauses. H., dieses Dorf, das Ein-Pferd-Kaff in dem ich wieder zu meinen Eltern zurückgezogen bin, dieses H. mit seinen knapp 16.000 Einwohnern ist wie ein feuchtes Massengrab. Es gibt Abende an denen ich alleine ein paar Biere oder eine Flasche Wein trinke und über Langeweile und Freiheit nachdenke. Und ob beide nicht voneinander abhängen. H. ist das Ein-Pferd-Kaff in der Mitte der Ödnis. Was hält mich hier noch? Ist es die fehlende Kohle? Ist es meine Faulheit, oder ist diese schon längst zur Resignation geworden?
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Fareinigte Partizaner Organizacje – FPO

Vilnius (auch Vilna oder Wilna) galt vor dem 2. WK als „Yerushalayim d’Lita“ (Jerusalem Litauens). Die jüdische Kultur hatte sich hier weit entwickelt und war auch ein Teil der Litauischen geworden. Schließlich war zu Hochzeiten knapp die Hälfte, am Vorabend des 2. WK immer noch ein Viertel, der Bevölkerung Vilnius’ jüdisch. Doch als dt. Truppen am 24. Juni 1941 die Stadt eroberten, begann ein Alptraum für die jüdischen BewohnerInnen. Während der nächsten Wochen ermordeten die Deutschen fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung. Die verbliebenen, ca. 40.000 Juden wurden am 06. und 07. September in zwei Ghettos getrieben. Bis zum 21. Oktober 1941 wurden die Einwohner des zweiten Ghettos systematisch liquidiert, sodass nur noch 20.000 (die Nazis sprachen von 12.000) Juden überlebten.
In dem verbliebenen Ghetto gründete sich am 21. Januar 1942 die Fareinigte Partizaner Organizacje, kurz FPO. Sie war eine der ersten Widerstandsgruppen des 2. WK. Ihr Motto lautete: „We will not allow them to take us like beasts to the slaughter!!!“
Die völlig unzureichend bewaffneten Partisanen leisteten im Ghetto blutigen Widerstand gegen die Räumung, die trotz dessen am 23. September 1943 beendet wurde. 29.000 Juden verließen die Tore und wurden nach Paneriai verschleppt und dort exekutiert. Die FPO hatte erheblichen Widerstand geleistet, doch die meisten KämpferInnen wurden von der überlegenen dt. Armee getötet.
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Pankerknacker Fanzine-Release Party

Konzert: „Tora Bora“ (Punkrock aus Freiburg), „Schoi!nenthor“ (Oi!-Persiflage aus Berlin).
Lesung: Jan Off (Vorkriegsjugend, Ventil-Verlag), Don Chrischan (Pankerknacker, Nachtfalter), Mika Reckinnen (Alleiner Threat, Drachenmädchen, Strafraumpogo).

Pankerknacker Fanzine-Release Party (Konzert + Lesung)
Zeit: Samstag, 27. Februar 2010 21:00
Ort: Berlin, Trickster, Oberbaumstr. 11, Kreuzberg

Wir saßen in der Einflugschneise …

Wir saßen gemütlich auf drei Decken in der Einflugschneise des Münsteraner Flughafens und kifften. Ein Bier in meiner Hand zeichnete mich als Beifahrer aus. Wir betrachteten die ankommenden Flugzeuge und genossen den Adrenalinkick, wenn so ein „Himmelskörper“ auf uns zuraste und dann nur wenige Meter über uns, nahezu in Griffweite, hinter dem Zaun auf die Landebahn klatschte. An Bord wurde wahrscheinlich applaudiert, während wir auf die phänomenalen Luftverwirbelungen warteten und das Flüstern und Zischen um uns herum aufsogen. In diesem Moment hörte der Joint kurz auf zu kreisen und der Schluck Bier blieb ein paar Sekunden länger auf der Zunge ruhen, bevor er in den dunklen Schlund des Trinkenden herab gestoßen wurde.
„Man, Steakknife haben vielleicht gerockt!“
„Ja, vor allem als der Typ da auf der Bühne saß. Genau passend zu „Better than you“ und Lee Hollis macht hinter dem nur noch Faxen!“
„Ja, genau, und dann eigentlich die ganzen Hits der „Plugged into the amp of god“ gespielt, großartig!“
Wir legten uns zurück und zogen wieder am Joint und ließen den Rauch für einen Moment in der Lunge die Sauerstoffblässchen kitzeln, bis wir ihn wieder ausatmeten. Wieder etwas Bier für den Geschmack. Die nächsten Lichter in weiter Ferne kündigten den nächsten Flieger an, mit dem wahrscheinlich wieder eine Hundertschaft Touristen aus ihrem Urlaub gekotzt würden.
Für einen Moment glaubte ich, ein kaputtes Triebwerk an dem Flugzeug zu vernehmen, doch es handelte sich nur um einen Maikäfer, der direkt auf mein Gesicht zu hielt und erst in letzter Sekunde aus seiner Sicht nach links abdrehte. Mir war es recht so, denn ich hätte eine Kollision nicht verhindern können. Zu sehr war ich mit der Aufnahme der Ereignisse um mich herum beschäftigt, zu sehr spürte ich langsam das Gras auf dem ich saß und jenes, welches ich inhaliert hatte. Langsam drehte ich mich wieder zu dir auf die Decke und wir unterhielten uns weiter über Steakknife, über Punkrock und über Konzerte und Konzertorte die man nicht missen wollen würde. Es war so, als stände die Erde für einen kleinen Moment still, bis wieder ein Flugzeug knapp über uns hinwegfegte und wir für einen Moment still waren.

aus Strafraumpogo #13

Glitzer KZ

Das Glitzern ist um mich herum, Menschenmassen strömen auf mich ein, kommen von überall. Von vorne, von hinten, drängeln sich an mir vorbei, berühren mich, schauen mich verachtend an. Wie eine Metallkugel im „Ultimate Pinball“ flippere ich von Regal zu Regal. Stehe immer Menschen im Weg, oder Menschen mir. Das was ich suche, scheint nicht zu existieren, oder nicht hier zu sein. Doch keiner ist hier, den ich fragen kann. Wie eine einsamer Nomade in der Service-Wüste Deutschland. Hilfe!, möchte man schreien. Doch niemand erhöht einen. Nur Kassiererinnen, keine Menschen. Niemand kann mir helfen. Alle wollen hier nur mein Geld.

Galeeria von Düsenjäger, Glitzer-KZ von Muff Potter fallen mir ein. Ich torkele, Karstadt, Kaufhaus Galeria, meine hilfesuchenden Blicke verschwinden im Nichts der Gesichtsausdrücke der Kassiererinnen. Da, eine Regaleinräumerin, meine Augen sehen die Hilfe nahen. Wie der Schiffsbrüchige auf der einsamen Insel. Ich eile hin, sie vernimmt mich. Doch sie kann mich nicht mitnehmen. Sie hilft mir, aber kann mir nicht helfen. Das Produkt ist nicht da. Immerhin, ich bin erleichtert, sie hat mir geholfen. Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich woanders suchen muss.

Ich gehe in kleinere Bastell- und Dekoläden, werde persönlich beraten, helfen kann mir aber auch dort niemand. Aber sie verweisen mich weiter. Geben Hilfestellung. Doch das Ziel ist unerreichbar. Ich weiß, dass es das Produkt, wie sie es nennen, geben muss, doch ich weiß nicht wo auf dieser Welt. Doch ich werde weiter suchen, für dich, weil ich dir damit ein Geschenk basteln will. Ich weiß, du bist es wert. Ich weiß, es ist nicht für mich. Ich werde nicht aufgeben. Mich vielleicht noch mal alleine fühlen, mich noch mal verlassen fühlen, doch nur auf der Suche. Auf der Suche nach deinem Glück.

Aus #Dirty Smoke (2005)

Arbeitssklave

Der Arbeitstag begann, wie jeder andere auch. Die Sirene läutete das ganze Camp wach. Ein lauter, schriller, ca. eine Minute andauernder Ton, der einem in Mark und Bein ging. Die meisten trotteten behäbig aus ihren harten Betten, warfen die leichten Decken ans Fußende, streckten sich, stiegen auf ihre wackeligen Beine, drehten sich zum Bett, falteten die Decke und begaben sich in den Ankleideraum. Dort wurde sich schnell etwas übergezogen, sich frisch gemacht mit zwei Händen kaltem Wasser und die Zähne gebürstet. Als nächstes wurde der Frühstücksfraß heruntergewürgt, um dann den Tag zu überstehen.
Für ihn begann der Tag anders. Das Schellen der Sirene war Musik in seinen Ohren. Er streckte sich genüsslich auf seiner harten Holzpritsche. Jedes Mal, wenn einer seiner Kollegen sich über das harte Bett beschwerte, tituliert er ihn in seinen Gedanken als „Prinzessin auf der Erbse“. Er mochte das harte Bett. Auch wenn sein Rücken nicht mehr so gut aussah, wie noch damals, als er den Job angenommen hatte. Danach faltete er seine Decke penibel und zog sich an. Erst das Hemd, als nächstes den linken, dann den rechten Socken, die Hose und zuletzt die Schuhe.
Am Frühstückstisch saß er immer am Kopfende des Tisches. Die anderen verteilten sich an der Tafel, nur Neulinge wagten sich in seine Nähe. Die Menschen um ihn herum hassten ihn, seine Zufriedenheit hier. Er war kein Schleimer, kein Begünstigter des Systems. Er war ein Arbeiter wie sie es waren. Doch seine Zufriedenheit kotzte den Rest an. Er mochte sogar das Essen. Das Essen, eine allmorgendliche graue Pampe, die alle auch „Pampe“ nannten, außer ihm. Er benutzte den Ausdruck „Müsli“. Sogar diejenigen, die das Essen austeilten, verachteten ihn dafür. Er argumentierte immer, dass in dem grauen Schleim alles Wichtige für den Arbeitstag enthalten sei, doch keiner glaubte ihm.
Danach ging es raus in die Einöde. Es war wie immer heiß draußen. Die Temperaturanzeige schoss schon kurz nach Sonnenaufgang in schwindelerregende Höhen. Alle wurden auf die Ladeflächen der Pritschenwagen verfrachtet. Fünf Wagen waren es in der Regel. Ab und zu waren hier im Camp mehr Leute, seltener weniger Leute, so dass ein Wagen zusätzlich her musste, oder einer eingespart werden konnte. Die Fahrt war nicht lang. Am Zielort gab es dann Instruktionen. Etwas bauen, aufrichten oder aber etwas graben, ernten oder schlagen. Es war meistens anstrengend und die Wärter waren hier wesentlich präsenter als in dem eigentlichen Camp. Die Wärter hatten meistens Schnauzbärte und ein Gewehr um die Schulter. Viele auch eine weitere Knarre nicht sichtbar in einem Halfter unter dem Hemd. Jeder Revoltierende wurde sofort dafür bestraft. Entweder mit einer extra Portion Peitschenschläge, die über den Tag eh schon zahlreich verteilt wurden, oder aber mit Isohaft, Essensentzug oder der sofortigen Exekution. Für die meisten hier Arbeitenden klang das hart, für ihn nur gerecht. Zucht und Ordnung, dass war es, wofür er das Camp mochte. Ja, vielleicht sogar liebte.
Heute war einmal wieder Graben und Buddeln angesagt. Bewässerungsgräben mussten ausgehoben werden, da das Gebiet demnächst landwirtschaftlich genutzt werden sollte. Gemüse sollte angebaut werden, hatte der Instrukteur gesagt. „Also an die Arbeit.“ Er war nicht mehr der Jüngste, dennoch bekam er als einer der ersten eine Schaufel. Er postierte sich immer vorne bei der Geräteausgabe, denn zum einen wollte er so schnell wie möglich etwas tun und zum anderen waren die zuerst verteilten Geräte meistens die Neuesten.
So war es auch nicht verwunderlich, dass er der erste auf dem neuen Arbeitsgebiet war. Er wartete auf neue Instruktionen, als einer der Aufsichtsarbeiter, wie er sie nannte, Sklaventreiber nannten ihn die Anderen, die Peitsche spüren ließ. „Auf was wartest du denn schon wieder? Jedes Mal das Gleiche!“ Beide genossen die Schläge. Der Aufsichtsarbeiter, weil er die Brutalität gegen die Arbeiter mochte, weil sie Abschaum in seinen Augen waren. Der ausgepeitschte Arbeiter mochte die Hiebe einfach nur so. Das ist die Gerechtigkeit, die mir hier widerfährt, dachte er. Seine Rücken war mit vielen roten Striemen übersät. Das störte ihn nicht. Auch nachts lag er auf dem Rücken. Seine Decke und seine Kleidung konnte ruhig Blut verschmiert sein, er genoss den Schmerz.
Der Arbeitstag dauerte wie immer zwölf Stunden. Die meisten Arbeiter schwitzten in der Sonne und taten nur das Nötigste. Sie versuchten nicht unangenehm aufzufallen, keine Gründe zu geben die Peitsche zu spüren, obwohl nicht einmal das ein Garant dafür war, und die Zeit abzuarbeiten. Wasserpausen und die Mittagspause wurde genutzt, um den geschundenen Körper halbwegs wieder in Form zu bringen.
An dem heutigen Arbeitstag waren nach der halbstündigen Mittagspause nur noch drei Sklaventreiber da. Die anderen beiden mussten noch zu einem anderen Camp. Kurz vor dem Ende des Arbeitstages, der Graben war schon beträchtlich ausgehoben, fehlten an einem Stück des Grabens sieben Arbeiter. Sofort ging einer der Sklaventreiber zu der Stelle. Er rechnete damit, dass die Sieben sich faul im Schatten des ausgehobenen Grabens ausruhten. Doch er sollte sich irren. Als er sich in den Graben beugte, bekam er von einem anderen Arbeiter, einem sehr schnellen und rasch reagierenden und sich bewegenden, dessen Schaufel über den Kopf gezogen. Er fiel in den Graben, der tiefer ausgehoben war, als er befohlen hatte. Sofort meuterten alle anderen Arbeiter. Es fielen Schüsse, zwei Arbeiter, die die Aufseher attackiert hatten, gingen zu Boden, tödlich getroffen. Weitere Arbeiter stürmten auf die beiden übrig gebliebenen Aufseher. Schaufeln wurden geworfen, geschwungen und benutzt. Die zwei Wärter waren innerhalb weniger Minuten erschlagen. Sie hatten zwar noch fünf weitere Arbeiter mit ins Jenseits genommen, doch zwecklos. Ihre Leichen mit den eingeschlagenen Brustkörben und Köpfen wurden in den Graben geworfen. Der letzte Sklaventreiber hing immer noch in dem Graben. Er lag so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht bewegen konnte. Sowohl seine Beine, als auch seine Arme waren eingeklemmt. Die meisten Arbeiter machten sich lustig über ihn, beschimpften ihn, spuckten ihn an. Dann machten sie allerdings, dass sie davon kamen, denn bald würden die Pritschenwagen kommen und mit ihnen weitere bewaffnete Wächter.
Er hatte sich währenddessen die ganze Zeit im Graben versteckt. Er hatte gesehen, wie sein Aufsichtsarbeiter in den fiesen Hinterhalt gedrängt wurde. Für ihn war die Aktion ebenso überraschend gekommen, wie für das Aufsichtspersonal. Warum hatte ihn niemand eingeweiht? Er hatte mitangesehen, wie die bewaffneten Wächter erschlagen worden waren. Er hatte versucht einige Arbeiter mit Schaufeln zurück zu halten, doch sie hatten ihn zur Seite geschuppst. Daraufhin hatte er Angst bekommen und hatte sich im Graben versteckt. Als er nun in dem frisch ausgehobenen Graben saß, sich fest mit dem Rücken an die Grabenwand drückte, bemerkte er erstmals die Schmerzen, die man in diesem Camp zugefügt hatte. Aber nicht sein Körper war es, der schmerzte, sondern das Herz. Das Herz pochte lautstark und schien vor Schmerzen zu schreien. Hatten sie ihn kaputt gemacht? Die Aufseher, die Peitschenhiebe, das menschenunwürdige Camp? Er hörte es neben sich keuchen und sah herüber, sah den Sklaventreiber. Blickte in die andere Richtung und sah seine Schaufel. Er war alleine, ganz alleine. Der Sklaventreiber war völlig hilflos. Er nahm die Schaufel und ging fest entschlossen auf den Peiniger zu. Dann holte er mit seinem Spaten aus und begann sein Werk, für das er sich mit einem Mal berufen fühlte.
Der nächste Tag war wie alle anderen auch. Er hörte die Musik, streckte sich. Seine Rücken tat noch höllischer weh, als die anderen Tage. Er war eine halbe Stunde lang ausgepeitscht worden, gestern Abend, bei Einbruch der Dunkelheit. Er war bestraft worden, wie gewünscht.
Als er wieder auf dem Feld stand, mit lauter neuen Leuten, war ihm mulmig. Die alten Arbeitskollegen waren geflohen, die meisten ertappt und erschossen. Er war der einzige und dennoch waren es heute Morgen zwei Pritschenwagenladungen gewesen, die zu den Gräben gebracht worden waren. Nichts deutete mehr auf die Taten von gestern. Er war glücklich darüber.
Als er kurz vor der Mittagspause beim Arbeiten an die Zuspitzung der Situation dachte, hörte er einen Moment lang auf zu arbeiten. Der Sklaventreiber, ein Bein in Gips und einen Arm verbunden, kam auf ihn zu. „Es tut mir leid, aber ich muss das tun!“ Er gab ihm zwei starke Hiebe auf den Rücken, bedacht nicht die gestern ausgepeitschten Stellen zu erwischen. Eigentlich war ihm der Sklaventreiber unendlich dankbar, doch es war nicht Dankbarkeit, was er erwartet hatte, sondern genau das was er in diesem Moment bekam. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als das Peitschenende eine Stelle traf, die zuvor noch jungfräulich gewesen war.

aus: Schlammrock #3

Down on the Earth again

„Traurige Geschichten haben einfach mehr Stil“, dachte ich lange Zeit, bis ich selber Teil einer wurde. „Hey, was soll’s, sind doch alles nur Menschen hier“, dachte ich lange Zeit, bis ich selber einer wurde.
Okay, dann kommt halt der Hammer und er trifft einen in Herz und Kopf, und vielleicht will man dann nur noch weg, woanders sein Glück versuchen. Und das Schlimme an nicht sichtbaren Verletzungen ist, dass man auch nicht weiß, wann sie wieder heilen. Und man kann sich nur ausmalen, wie ein zerbrochenes Herz aussieht, wenn man selber drunter leidet.
Fliegen Schmetterlinge wirklich? Können Tage grau in grau auch bunt enden? Was wäre, wenn Hoffnung alles bleibt, was am Ende übrig ist? Und irgendwie fliegen die Gedanken mir um die Ohren, anstatt endlich mal die wichtigen Aufgaben anzufassen. Lieber noch einmal „Fifth Hour Hero“ hören, lieber noch einmal im Netz nach Büchern suchen. Warum ewig hier stehen bleiben? Weil der Boden schon langsam die Form der Füße annimmt. Besser als nichts, besser als das, was sonst noch kommen kann. (Sommer 2007 – erst fast drei Jahre später weiß ich, wie gut die Wahl der Worte war)

Alkoholexzess versus König Bhumibol

Als ich am zweiten Tag in Folge mit einem brummenden Schädel in die schwüle Mittagshitze Chiang Mais erwachte, kollabierte mein Kreislauf und ich erbrach mich neben das Bett. Dreimal Würgen, zweimal Spucken. Der Geruch des ehemaligen Mageninhaltes war kaum zu ertragen, zumal das rückwärtige Singha-Bier sich zusammen mit dem guten gelben Tofu-Curry und der Magensäure zu einem erschreckenden Matsch vereint hatte, bevor es die thailändische Welt ein weiteres Mal erblicken durfte.

Mit letzter Kraft schleppte ich mich in das Bad meiner Herberge und erbrach mich hoffentlich ein letztes Mal über dem Waschbecken. Kaum noch Bröckchen, fast ausschließlich Flüssigkeit. Ich spülte mir den Mund mit dem Wasser aus dem Plastikkanister neben dem Waschbecken und pisste danach in die Toilette.

Meine Laune erhellte sich ein wenig und ich verließ das Badezimmer. Im Schlafzimmer wischte ich die Kotze notdürftig mit einem durchschwitzten T-Shirt von dem Boden und schaltete die Klimaanlage auf eine erträglichere Raumtemperatur. Meine rechte Hand spielte dazu tapsig mit dem Einstellungsrädchen und mir fielen die schwarzen Finger auf. Doch nicht nur die Finger der rechten Hand! Bei näherer Betrachtung sah ich, dass meine beiden Hände mit einer schwarzen Farbe bedeckt waren. Wie? Warum? Wieso und weshalb?

Einen Moment hielt ich inne, kam aber zu keinem Ergebnis. Wieder einmal erfreute ich mich über einen weiteren Filmriss meines Lebens. Auf dem Bett sitzend und die kühle Brise aus der Raumkühlungsanlage genießend zog ich mir mit dreckigen Händen saubere Socken und ein frisches T-Shirt an. Sprang dann, so elegant es mein Zustand erlaubte, in die Jeans und während ich noch überlegte, wie ich es gestern Abend wieder ins Hotel zurückgeschafft hatte, zog ich die dünnen Vorhänge vor den Fenstern bei Seite.

„Oh, mein Gott!“ Jede Silbe wie ein Schlag in die Fresse. Ich schluckte, spürte erneut den Brechreiz die Speiseröhre hoch kriechen, rannte wieder ins Badezimmer und übergab mich ein weiteres Mal, diesmal lautstark in die Klokeramik. Als nächstes peitschte ich mir Leitungswasser aus der Dusche ins Gesicht und hoffte, nun endlich aus dem alptraumartigen Morgenschlaf erwacht zu sein.

Vorsichtig, mit nassem Kopf und Shirt, näherte ich mich erneut dem Fenster. Mein zaghafter Blick nach draußen bestätigte die Schreckensbilder meines ersten Ausblickes. Das vorhin Erblickte war keine optische Täuschung. Direkt gegenüber meinem Fenster, auf der anderen Straßenseite, prangte ein riesiges Porträtplakat von König Bhumibol, dessen Konterfei nun auf Deutsch die Worte „Du alte Schweinesau“ zierten. Darunter noch ein unmissverständliches „Fick Dich!“ mit einem Ausrufungszeichen. Beides in elegantem Schwarz gepinselt.

Mein Blick senkte sich langsam auf meine schwarzen Hände und Panik stieg in mir auf. War ich es gewesen? Ich begab mich zurück ins Bad und schrubbte die Farbe von meinen Händen bis ich an zwei Stellen Blut sah. Der Ablauf des Waschbeckens füllte sich langsam. Einige Bröckchen meiner Kotze hatten ihn wohl doch verstopft.

„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ fluchte ich vor mich hin, während ich mich wieder auf das Bett setzte und die blutenden Wunden an meinen Händen versorgte. Diese waren allerdings nur noch von untergeordneter Bedeutung, wichtiger war nun, dass keine Farbspuren mehr an ihnen zu finden waren.

Von meinem Fenster aus konnte ich mittlerweile eine kleine Menschentraube erblicken, die sich um die für sie rätselhaften Buchstaben auf dem Königsporträt scherten. „Haut ab! Haut endlich ab!“ murmelte ich leise in meinen Dreitagebart, bis mir bewusst wurde, dass es nur eine Frage der Zeit sein könnte, bis sie jemanden gefunden hätten, der dieses kryptische Gekrakel als Deutsch identifizieren konnte und nur unwesentlich länger würde man brauchen, bis auch die mir unbekannte thailändische Variante dieser Worte im Umlauf wären. Hier, in der Hochburg der thailändischen Traditionalisten und bäuerlichen Anhängern des Königs, würde ich wahrscheinlich durch die Straßen geschleift, gefoltert und dann öffentlich hingerichtet werden. Wenn ich Glück hatte, lief es in umgekehrter Reihenfolge.

Verzweifelt blickte ich ein weiteres Mal auf meine Hände, konnte aber keinerlei Spuren mehr von der schwarzen Farbe entdecken. Also entschloss ich mich, meine Sachen zu packen, an der Rezeption zu zahlen, meine Reisedokumente wieder an mich zu nehmen und mich aus dem Staub zu machen.

Innerhalb von zehn Minuten hatte ich notdürftig alle Klamotten in meinen Reiserucksack gestopft, war die Treppen herunter gelaufen und stand unten an der Rezeption. Auf Englisch machte ich der netten Dame hinter dem Tresen klar, dass ich einen sehr wichtigen Anruf aus meiner Heimatstadt, „London“, bekommen hätte und ich sofort zurück nach „Great Britain“ reisen müsste. Sie schien es zu schlucken, warf keinen weiteren Blick auf meine Reisedokumente, die deutscher nicht hätten aussehen können, und gab mir die 500 Baht zurück, die für den Fall eines Schlüsselverlustes als Pfand dienten.

Mit einem hektischen Griff nahm ich den Rucksack, verließ den Laden und pfiff mir schnell ein Taxi herbei. Dem Fahrer erzählte ich etwas von „Other side of the town“ und er fuhr los. Dabei fuhren wir direkt auf den Tatort zu und schlichen im Schritttempo dran vorbei. Sehr deutlich konnte ich einen dem Aussehen nach europäischen Rentner mit einer wesentlich jüngeren Thaifrau sehen. Dieser Typ trug ein weißes Mercedes-Benz-T-Shirt und hatte dieses gönnerhafte Lachen, als er etwas zu der durchaus hübschen Thailänderin sagte und diese die Worte an zwei Polizisten weiter gab. Der Rentner hielt mir ihr Händchen und für einen Moment erwiderte er meinen Blick aus dem Taxi. Dann fiel mein Blick an ihm herab, weiße Tennissocken und dazu Halbschuhe, vielleicht Sandalen. Zwischen Knollnase und Himmel prangte eine weiße Tropenhutattrappe und überall viel Gold und Blingbling.

Der Taxifahrer registrierte mein Interesse durch den Rückspiegel: „Someone insults the king. I hope the police will get him and punish him very hard. If I caught him, I would cut off his balls. I think only a Farang could have done this crime.“ Der Taxifahrer sprach leicht aufgeregt in gebrochenem Englisch. Allerdings war das, was er sprach, mehr als deutlich.

Apathisch nickend interessierte mich nur eine Frage: Wie lang ist der Arrest für Majestätsbeleidigung in Thailand? Ich fragte vorsichtig beim Taxifahrer nach und brachte dabei meine neue Heimat Großbritannien und die Königin Elizabeth, und ich hoffte inständig, sie wäre noch Königin, ins Spiel. Die Antwort kam so unvermittelt, wie ernüchternd.

„Normally, we should hang him. But if the policemen caught him, it would be a lot of years, a lot of years in thai prison. Did you have ever heard about thai prison?“ Ich log „No“ und überhörte den folgenden Monolog über thailändische Gefängnisse. Die Lust mir meinen Arbeitsaufenthalt mit einem thailändischen Knastaufenthalt zu verlängern war alles andere als ausgeprägt. Was hatte ich nur getan? Was war vorgefallen?

Der Film schien so in den späten Abendstunden zu reißen. Ich erinnerte mich, dass ich erst Essen war mit einer sehr netten Arbeitskollegin. Danach waren wir noch etwas trinken gegangen, bis sie sich irgendwann gegen 22:00 Uhr verabschiedete. Ich hatte am Tresen noch ein weiteres großes Bier, also den 2/3-Liter, in Angriff genommen. Ein Thai setzte sich zu mir. Er schien vermögend zu sein, war wohlgefällig gekleidet und sprach gutes Englisch. Wir unterhielten uns über Bangkok und über Tourismus und orderten den einen oder anderen Schnaps. Auch er verließ mich im Laufe des Abends und irgendwann war ich in einem schäbigen Restaurant oder einer Pinte. Ich erinnerte mich nur noch an Schnaps und Bier. Und ein Kartenspiel, irgendwann. Dann waren alle Erinnerungen wie ausgelöscht.

Nach halbstündiger Fahrt waren wir einigermaßen weit entfernt von meiner alten Behausung und der Taxifahrer ließ mich an einem anmutenden Hotel aussteigen. Es gehörte zu 99 Prozent einem nahen Verwandten oder Freund und er kassierte dafür ganz gut Provision, doch das war mir jetzt so etwas von egal. Ich musste den Knast verhindern und möglichst schnell mit meiner Arbeit fertig werden. Denn mein Gutachten über ein Projekt des Königs, welches er am Fuße des Doi Inthanon, dem höchsten Berg Thailands, errichtet hatte und an dem eine deutsche NGO beteiligte war, sollte spätestens Morgen per Email in Deutschland eintrudeln. Ich hatte also nicht mehr viel Zeit und verließ das neue Hotelzimmer nur noch, um mich mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Zwischenzeitlich warf ich noch Aspirin und nach dem Wirkungsversagen zwei Paracetamol 500 ein. Das Essen schmeckte nach nichts und der Saft war nichts anderes als gezuckertes Konzentrat mit Waschwasser aufgesprudelt. Also genau das richtige für meinen nachlassenden Kater. So konnte ich wenigstens früh schlafen gehen.

Es war ein Schock! Als ich am nächsten Morgen auf der Suche nach einer ertragbaren Zeitung, der Bangkok Post oder „The Nation“, an einem Kiosk mit lokalen Zeitungen vorbeikam, hatte es die Verschandelung des Königportraits auf den Titel gebracht. Dazu ganz viele Zitate, deutlich an den Anführungszeichen zu erkennen. Unserem Außenminister wurde unterhalb eines kleinen Porträtfotos ebenfalls etwas in den Mund gelegt. Panik stieg in mir hoch. Es schien sich um ein Politikum zu handeln und ich musste wohl schnellst möglich in Erfahrung bringen, was die Zeitungen schon verbreiteten. Oh weia.

Ich kaufte sowohl die beiden englischsprachigen Zeitungen, in denen jeweils ein sehr kurzer Artikel über die Vorfälle in Chang Mai und zwei Sätze von dem deutschen Botschafter standen, sowie drei lokale Zeitungen auf thailändisch. Immerhin war meine Tat auf zwei Titeln abgelichtet und vielleicht könnte ich mich irgendwann mal damit rühmen. Irgendwann, wenn ich dieses Land verlassen und wieder in sicheren Gefilden angekommen war. Sogar das unweite Burma schien mir jetzt eine Alternative zu bieten.

Anstatt zu frühstücken ging ich in ein Internetcafé. Der Appetit war mir vergangen. Ich kontrollierte kurz meine Mails, versendete mein durchweg positives Gutachten und suchte spaßeshalber in einer Suchmaschine mit den Begriffen „majesty, insult, thailand, Bhumibol“.

Keine dreißig Sekunden später hatte ich die Informationen, auf die ich doch hätte verzichten können. Meine linke Hand begann zu zittern. Zu fünfzehn Jahren Haft war ein Schweizer wegen Majestätsbeleidigung verdonnert worden. Der Typ hatte betrunken an ein Bildnis von König Bhumibol gepinkelt. Oh man, wenn versehentliches Urinieren schon fünfzehn Jahre einbrachte, dann wollte meine Phantasie nicht wissen, wie eine wirkliche Beleidigung verrechnet werden würde.

Ich suchte weiter und fand heraus, dass zwei jugendliche US-Amerikaner dabei erwischt worden waren, wie sie sich am Strand von Ko Samui mit einem 200 Baht Schein einen Joint angezündet hatten. Nicht nur, dass der Konsum von Drogen hart sanktioniert wurde, auf dem Geldschein war das Konterfei des Königs abgebildet. Den Geldschein zum Zigaretten anzünden zu verwenden stellte ebenso eine Majestätsbeleidigung dar. Pech für die beiden Amerikaner, die Dank einem Geständnis und guten Anwälten nur zehn Jahre gesiebte Luft atmen mussten.

Ein paar Münzen auf den Tresen werfend, dabei bedacht, nicht versehentlich den König zu beleidigen, der glücklicherweise auf keinem Geldstück prangte, klemmte ich die Zeitungen unter die Arme und marschierte aus dem Internetcafé. Kurz vor dem Hotel gönnte ich mir in einem Café einen Schnaps auf den Schock und ging dann zur Rezeption und wollte meinen Schlüssel holen.

„Sir, Mr. Mika?“ Die Dame am Empfang sah mich ernst und entschlossen an.

„Yes, Madam?“

„A policeman asked for you. You are a German, aren’t you?”

Ihr ansonsten freundliches Gesicht schien sich zu einer ernsthaften Grimasse zu verziehen. Beim Einschecken hatte ich meinen Reisepass zeigen müssen, die Geschichte mit dem Engländer würde hier also nicht ziehen.

„Yes, Madam!“

Ich wurde nervöser, vernahm meinen Herzschlag deutlich.

„He is waiting for you in the foyer.“

Ihre hübsche Hand zeigte in eine Richtung. Mein Blick folgte der Hand und ein Mann in Uniform machte schon Anstalten, auf mich zu zukommen.

„Mr. Mika?“

„Yes, hello. How can I help you?“

„Nice to meet you Mr. Mika. I heard about your project at Doi Inthanon. Is the king doing good work there?” Wollte er sich jetzt wirklich über mein Projekt unterhalten?

„Oh, he is doing the best work. I am really surprised, how good it is.” Das war nicht einmal gelogen und ein Lächeln huschte über das Gesicht des Polizisten.

„Mr. Mika, did you sleep in this hotel last night?“ Er kramte unvermittelt drei Fotos aus seiner Tasche. Das erste zeigte eindeutig das Hotel, in dem ich übernachtet hatte. Das zweite zeigte meinen Raum, oder zumindest einen sehr ähnlichen. Auf dem dritten waren aus meinem Fenster die Schmierereien, also der Tatort, aufgezeichnet worden. Leugnen war also sinnlos. Vielleicht würde ich einen guten Anwalt bekommen, vielleicht den der amerikanischen Jugendlichen. Zehn Jahre, naja, könnte schlimmer sein.

„Yes, I stayed in that room.“

Der Polizist musterte mich eindringlich. Mein Herz klopfte. Ich fühlte mich wie in einer alten Folge von Columbo; der Täter stand fest, jetzt war nur noch die Frage, wie er in den nächsten Minuten überführt werden konnte. Denn wenn er mich nicht bekommen würde, würde ich mir den nächsten Flug buchen und zurück nach Bangkok fliegen. Von dort wäre ich innerhalb weniger Stunden ab in einem anderen Land, in einer anderen Welt, in Sicherheit.

„Did you recognize that crime against our king?“

Der Blick des Polizisten war eiskalt. Trotz seiner dunklen Augen durchstieß er mich, wie ein Stilett heiße Butter.

„No, I can’t imagine that.“

Er nestelte erneut an seiner Tasche herum und kramte zwei weitere Fotos hervor. Ein deutscher Rentner und eine jüngere thailändische Frau waren auf dem ersten Foto zu erkennen. Irgendwie kamen die beiden mir bekannt vor. War das nicht der Rentner, der gestern Morgen vor dem beschmierten Plakat stand?

„Do you know one of them?“

“Maybe … I am not sure.” Ich versuchte auf Zeit zu spielen.

„He is the perpetrator.“

„Please? That person is what?“ Ich hatte das Wort nicht verstanden.

„He has done that crime.“

Ein Stein fiel von meinem Herzen.

„We only wanna know, if you know that person. Did you see him in front of that poster?”

“Yes, yesterday morning,” log ich hastig. Konnte das sein? War das Glück mir wieder hold? Oder war das eine fiese Falle des thailändischen Columbo?

“Thank you, Sir, that’s enough. He will be punished very hard. Thank you.“

Ich war erleichtert und nickte. Dieser schmierige Rentner galt als Verdächtiger, als Schuldiger. Ein bescheuerter Sextourist, der die letzten Jahre seines Lebens im thailändischen Knast sicherlich nicht von weichen Frauenhänden massiert werden würde. Aber war er der Täter? Ich selbst hätte das nicht ausschließen können, schließlich war mein Film gerissen. Doch warum hatte ich dann die schwarzen Hände? Der Polizist schien aus dem Hotel zu gehen, hielt dann inne und kam noch einmal zurück.

„One last question, Sir; Why was the can with the black colour found in your room?“

Mir verschlug es die Sprache. Was sollte ich sagen? War ich auf der Zielgerade doch noch eingefangen worden? War ich mir meiner Sache zu sicher gewesen?.

„I, ähm, I, hm, ähm, I found it in … äh … front of my room. Äh, I think, äh, someone lost it and I thought the person, who cleans the room will give it back“, log ich sehr unprofessionell. Doch der Polizist verschwand mit einem breiten Grinsen. Er hatte seinen Täter schon.

aus Shockstar / Nachtfalter #1

Damiam + Insert Coin + Fat Flanders

5.2.10 – Cafe Nova, Essen
Da ich eine Wette gewonnen hatte – kann man vom Rüttenscheider Stern die nächste U-Bahn-Haltestelle sehen, ja oder nein – durfte AC bezahlen. Vielen Dank und nen dicken Kuss!
Trotzdem Damniam leider komplett verpasst, mit Ausnahme der Coverversion von Elvis als Zugabe. War doch Elvis? Dennoch, direkt zur Theke, weil gleich zu Beginn auffällig ist, dass ich zu den ältesten drei KonzertbesucherInnen gehört. Schock! Nächster Schock, obwohl Damniam recht sympathisch wirken, sitzt das anwesende Jungvolk. Naja, Bier ist kaum bezahlt, hören Damniam ja leider schon auf.
Insert Coin dann Emohardcore, der den anwesenden 14jährigen einen schönen Abend bereitete. Als ca. 20jähriger Sänger hätte ich mich allerdings zu neunundneunzig Prozent gewaltig geschämt. Auf jeden Fall hätte ich – und das behaupt ich mit 100%iger Sicherheit – auf gar keinen Fall mit den Mädchen / Kindern herumgeflirtet. Peinliche Scheiße, Bauernband aus Recklinghausen. Auf eine Wette, dass die aus dem Sauerland oder Münsterland kommen, wollte AC sich leider nicht einlassen.
Egal, Fat Flanders dann sympathischer, aber musikalisch auch nicht spannend. Derweil eine letzte Wette platziert: „Wetten, dass im FUZE auf keinem Photo eine Frau abgebildet ist?“ Tja, und was soll ich sagen. Die Wette endete unentschieden, da auf einem Emo-Photo nicht geklärt werden konnte, ob in der dritten Reihe eine Frau oder ein Mann gerade das dürre Ärmchen gen Himmer streckt.
Dennoch gut gelaunt, weil es nur besser als das Konzert werden könnte, im Soul Hellcafe noch ein paar Bierchen bei guter Musik genehmigt. So muss das sein!