Archiv für März 2010

Nachladen statt Nachsitzen

Er stand zum ersten Mal seit langem wieder vor dieser Schule. Dieser alte Kasten, architektonisch an die Kolonialzeit erinnert. Hier im Dschungel der Kleinstadt. Wer hatte dieses Schulgebäude nur errichten lassen? Oder war es mal ein Verwaltungsgebäude und es würde heute von den Leuten nur so genutzt? Er wusste es nicht. Er hätte es auch nicht nachlesen können, denn mit Lesen hatte er es nicht. Es war ihm aber auch egal. Lesen, Schreiben, Bildung. Alles für die Katz. Stattdessen hatte er auf der Straße gelernt. Er hatte viel gelernt. Er brauchte dafür keine Schule, er brauchte dafür keine vom Staat bezahlten Lehrer.
Nun lud er sein Gewehr mit weiteren Patronen nach, tauschte das Magazin in seiner Pistole, die am Gürtel baumelte und überprüfte noch einmal den Sitz des Messers. Sicher war sicher. Was wäre, wenn seine Patronen verschossen, aber noch Menschen im Gebäude übrig wären? Es war zur Selbstverteidigung, nichts anderes.
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Unmöglich zu arbeiten

Unmöglich zu arbeiten

Der Weg war dunkel. Dunkel und verlassen. Nur vereinzelte Regentropfen begegneten mir. Mein Atem wurde kurz vor meinen Augen sichtbar, bis ich durch die grau-weiße Wolke stieß, sie hinter mir ließ und die nächste vor mich blies. Meine Hände waren ganz starr, die Kälte hatte sie tief frieren lassen. Die Schmerzen, die sie mittlerweile erzeugten, ließen mich wütender werden. Und umso wütender ich wurde, desto trauriger wurde ich.
Als ich den dunklen Weg verließ und um die Ecke bog empfing mich ein Strahl Licht. Kaltes, grelles Licht, welches mich blendete, mir das Ende des Tunnels und zugleich den Anfang der Hölle zeigte. Am Anfang schien der ganze Weg nur aus diesem Scheinwerfer zu bestehen, dann wurde er langsam kleiner, obwohl ich auf ihn zuging. Konturen des nassen, dunklen Weges wurden unter meinen Füßen sichtbar. Der Strahler fing an mir das zu zeigen, was auf mich warten würde. Er war oberhalb einer kleinen Tür angebracht und diese Tür war der einzige Weg in eine große Lagerhalle. Ich ging davon aus, dass es der einzige Weg war, denn das große Tor neben der Tür war zugestellt mit Holzpaletten und Plastikteilen. Die Tür wurde erst im letzten Moment sichtbar und noch etwas später konnte ich erblicken, dass die Tür bereits offen stand. Der Strahler schrie mir noch ein letztes Mal eine Ladung Licht ins Gesicht, bevor er hinter mir verschwand. Den dunklen Weg hatte ich ebenfalls verlassen und gegen einen neuen eingetauscht. Was mache ich hier?
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Vorgeführt

Vorgeführt
Der Schweiß fließt aus allen Poren meines Körpers. Es ist ekelig. Die Hitze schmiegt sich wie ein Rucksack voller Pflastersteine auf meinen Rücken, beschwert jeden Schritt. Wie viele Meter mögen wir wohl schon aufgestiegen sein?
Ich vermag es nicht zu sagen. Es werden einige Höhenmeter sein. Hinter mir sehe ich noch meine beiden Freunde, ebenfalls am Schwitzen. Für einen Moment achte ich nicht auf meine Schritte. Versehentlich löse eine kleine Lawine von Kieselsteinen und Geröll aus. Von unten kommen laute Flüche. „Achte darauf, wohin Du trittst!“
Wir erreichen ein kleines Plateau, eine Ebene, eine Stelle zu rasten. Unser chinesischer Bergführer ist schon dort. Klein und drahtig steht er dort. Die Erschöpfung ist ihm nicht anzumerken. Schon fast heroisch zeigt er an mir vorbei ins Tal.
„Wow, welch ein Ausblick“, sage ich, „wow, der Mann schwitzt nicht einmal“, denke ich. Jasmin und Petr kommen auch auf dem Plateau an.
Beide keuchen. Beide keuchen, wie ich es tue.
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