Nachdem alle auf der völlig überfüllten A40 am Sonntag im Stau standen, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf den Inlinern, ging es mit der Deutschen Bahn in Richtung Bochum, um sich des nachmittags die genialen Ivan Ivanovich & die Kreml Krauts anzusehen. Dachte ich bisher, Trier sei musikalisch ungefähr das, was Mülheim/Ruhr im Reviersport ist, muss ich doch gestehen, der heitere Russe und sein Schnitzel-Beat-Orchester geben doch einiges her. Es brauchte auch keine zwei Minuten vor der Bühne und schon den lustigen Gesellen aus Dortmund in feuerrotem „Horror Business“-T-Shirt entdeckt. Support Your Local Hardcore Crew!
Es sollte dann auch nicht länger dauern und das Horn der Kreml Krauts wurde zur Probe geblasen. Phantastisch! Schnell noch den Speichel wieder herausfließen lassen und dann den Rest der Band nach vorne beordern. Für uns hieß das, ebenso schnell die Bierbude frequentiert und wieder mal der Flaschenverbotswut gewahr geworden. Kann ich ja irgendwie auch verstehen, dass Glasflaschen ein gewisses Risiko auf solchen Festivalitäten bieten, dennoch, so viel Dosenbier wie in den letzten paar Tagen habe ich seit Einführung des Pfands nicht mehr getrunken. Schlechtes Gewissen inklusive. Selbst entlegene Kioske, die in zehnminütiger Entfernung zum Spektakel lagen, durften keine Flaschen verkaufen. „Seit ihr auch noch in der Verbotszone?“ – „Wussten wir auch nicht, bis die Typen vom Bochum Total auf einmal hier aufkreuzten.“
Dann aber die Band. Ivan Ivanovich ist so etwas wie Hans Rolf Rippert für Ska und Klezmer Liebhaber. Also der Ivan Rebrow von Trier. Bewaffnet mit wunderbar bass-sonorer Stimme, mal unterstützt mit Gitarre, mal mit Pauke haute er auf … oh Gott, was soll das denn für ein Scheiß Wortwitzversuch sein und dann voller Selbstpein in der Mitte abgebrochen! Dabei fing der Artikel so gut an. Vielleicht füge ich schnell mal ein Photo ein …

Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts – welch brillianter Name – singen ihre Songs auf russisch, deutsch und deutschrussisch, wenn ich das richtig verstanden habe. Akkordeon, Horn, Bass, Gitarre, Schlaugzeug und E-Geige. Was will man mehr. Ein sehr kurzweiliges Set, das die Menschen zum Tanzen brachte und sie auch in Strömen heranlaufen ließ. Der kleine Platz vor der TAZ-Bühne (bzw. der Zeitungs-Bühne, dessen Name sich auf TAZ reimt, die ich hier aber nicht featuren möchte) füllte sich zunehmends. Leider schienen die jungen Herren noch kein Vinyl veröffentlicht zu haben, sodass ich gerade dem „Esta Loco“-Album von Drag the River zu hören muss, anstatt dem Ska-Klezmer der Trierer. Aber vor allem der Song „Deutsches Essen in Russland“ (zu hören auf ihrer Myspace-Homepage) wusste zu gefallen und brannte sich in mein Ohr, während die Sonne meine Schädel grillte!

Leider war nach ca. 45 Minuten Schluss, inkl. „Kalinka“. In der Sommersonne sind auf jeden Fall viele Leute angefangen zu tanzen und die Band lief in Höchstform auf, sehr schön, sehr schön. Danach noch ein paar Bierchen und auf Boppin‘ B gewartet, die dann mit ihrem Rockabilly aber so dermaßen langweilig waren, dass ich nicht einmal mehr gewillt war, die Photocamera aus der Hosentasche zu holen. Nicht, dass die Musik schlecht wäre, aber nach so einem Ska-Klezmer-Krautsalat-Explosion kommt mittelschneller Rockabilly wie Alt-Herren-Musik herüber. Schade, eigentlich.
Auf dem Rückweg dann gesehen, dass nicht nur Glasflaschen verboten waren, sondern auch die Toiletten-Häuschen eine raffinierte Falle darstellen konnten. Da öffentliches Urinieren schmerzhaft bestraft wurde („Nichts tut so weh, wie der Griff ins Portemonnaie“ (Truck Stop)), Toilettennutzung allerdings 50 Cent (nein, keine Hip Hop Witze, ich bin immer noch von meinem eigenen Kalauerversuch weiter oben geschockt und peinlich berüht. Ehrlich gesagt, deprimiert mich der Versuch, mit billigen Wortwitzen …) … wo war ich? Ach ja, die Einsatzleitung der deutschen Polizei versuchte öffentliches Urinieren durch das gezielte Aufstellen von so genannten „Urinwannen“ (nicht zu verwechseln mit Urinrinnen oder Urinalrutschen) vorzubeugen, was allerdings zur Verärgerung auf beiden Seiten führte.
Servus,
schöner Artikel. Aber dass wir noch keine CD haben, dass kann ich so nicht stehen lassen. Guckst du hier: http://www.kreml-krauts.de/discography
Kannst du dir kostenlos runterladen und auch gerne eine harte CD bestellen. CD Nr2 ist auch gerade in Arbeit.
Nasdarowje
Ivan Ivanovich
Das nenn ich Arbeitsteilung: Du schreibst die Artikel, ich trink das Bier auf den Konzerten, und versprech jungen, aufstrebenden Polkabands aus Süddeutschland (!), sie in irgendwelchen Ruhrpottkneipen zu buchen, was höchstwahrscheinlich sowieso nie was werden wird. Mist.
Aber man weiß ja nie.
Das nenn ich Arbeitsteilung: Du schreibst die Artikel, ich trink das Bier auf den Konzerten, und versprech jungen, aufstrebenden Polkabands aus Süddeutschland (!), sie in irgendwelchen Ruhrpottkneipen zu buchen, was höchstwahrscheinlich sowieso nie was werden wird. Mist.
Aber man weiß ja nie.