Hausbesetzung in Essen – Ruhr2010 für alle!

In Essen (Schützenbahn 11, Essen-Zentrum) wurde vorgestern das alte DGB-Haus besetzt (s. hier und ein Update hier). Die Besetzenden fordern vor allem Raum für künstlerische Entfaltung, Ateliers und andere Räume, um kreativ arbeiten zu können. Das nicht weit entfernte Unperfekthaus, das einzige seiner Art in Essen, ist ausgebucht und neue / junge KünstlerInnen finden dort keinen Platz mehr. Doch auf ihre Anfragen an Stadt und Ruhr2010-Kommittee gab es keine oder kaum Antworten. Daher griffen sie zum Schritt der Besetzung. Was sie wollen, was ihr Konzept ist und wie ihr Vorgehen war, findet sich hier.
Um Unterstützung wird gebeten, da DGB und Polizei schon mit Räumung drohen. Ein Anwalt ist eingeschaltet und eine Anzeige erstattet. Ab 18:00 Uhr finden täglich Veranstaltungen statt und wer Interesse hat, vom Essener Hauptbahnhof in Richtung Rathaus fahren (ehemals Porscheplatz) und dort in Richtung Schützenbahn.

Offener Brief der Ruhrbarone an Dieter Gorny, Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt (Direktoren Ruhr2010):

(…)
gestern haben mehrere dutzend Künstler aus dem Ruhrgebiet ein seit drei Jahren leerstehendes Haus des DGB an der Schützenbahn in Essen besetzt. Sie wollen es als Galerie und Künstlerhaus nutzen. Die Vermögensverwaltung u. Treuhandgesellschaft des DGB mit Sitz in Berlin droht den Besetzern über ihre Anwaltskanzlei Heinemann und Partner mit der Räumung.

Wir fordern Sie auf, sich sofort beim DGB dafür einzusetzen, dass die Künstler die Räume weiter nutzen können. Schalten Sie sich als Moderatoren ein und helfen Sie, eine Lösung zu finden.

Die Besetzer machen das, was Sie als Verantwortliche der Kulturhauptstadt seit langem propagieren: Sie führen alte Räume einer neuen Nutzung für Kultur zu. Sie vitalisieren einen Teil der Essener Innenstadt. Sie eröffnen neue Perspektiven.

Die Besetzer sind genau die Leute, von denen Sie behaupten, dass das Ruhrgebiet sie dringend braucht, dass es diese Leute nicht verlieren darf: Junge Kreative, die den Mut haben, ihre eigenen Wege zu gehen. Die nicht warten, bis andere ihnen ein subventioniertes Bett gemacht haben, sondern die bereit sind, für Ihre Arbeit ein Risiko einzugehen. Sie haben sich den Raum genommen, von dem sie sagen, er muss an andere Stelle für viel Geld geschaffen werden. Die Besetzer machen Ihren Job!

Wenn irgendetwas von dem, was Sie in den vergangenen Jahren auch in unsere Mikrofone gesagt haben, ernst gemeint war, greifen Sie jetzt zu ihren Handys und nutzen Sie Ihre Kontakte. Tun sie es nicht, war nichts von dem, was sie gesagt haben, ernst gemeint. Können sie es nicht, haben wir Sie wohl überschätzt.

Stefan Laurin

Für das Blog Ruhrbarone

„Geld und Gewerkschaft sind gute Kollegen und Manni sein Tod der Beleg“ (Knochenfabrik)

Edit in der Mittagspause:
Es scheint, als würden die HausbesetzerInnen in des DGB-Hauses schon aufgeben und heute bis 18:00 Uhr ausgezogen sein. Schade, schade, vor allem da sich scheinbar viele Menschen solidarisch erklärt haben. Ein Armutszeugnis aber v.a. für den DGB! Die Gewerkschaft hat scheinbar keinen Bezug zu aktuellen sozialen Kämpfen um den städtischen Raum, sondern firmiert lieber als Immobilienverwalter von langsam vor sich hin verrottenden Gebäuden. Herzlichen Glückwunsch dafür! Und fragt sich noch jemand, warum die „prekäre Kreativwirtschaft“ nicht zu organisieren ist?


1 Antwort auf „Hausbesetzung in Essen – Ruhr2010 für alle!“


  1. 1 Essen - Blog - 20 Jul 2010 Pingback am 22. Juli 2010 um 10:16 Uhr

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