Archiv für August 2010

Toskana, heute: Lucca

Auf einer Liste Oeder Orte darf Lucca nicht fehlen! Irgendwo im Nirgendwo der italienischen Toskana ist Lucca ein völlig überlaufener Ort, touristischem Nichtssehens. Und dennoch natürlich schöner als jede deutsche Innenstadt mit der Post-Weltkriegsarchitektur, die auf den Ruinen des deutschen Rassenwahns gebaut worden ist.
Seien wir ehrlich, nach Lucca fährt man, weil man gerade in der Gegend ist (sprich Florenz besucht hat), schon alles in der Toskana gesehen hat (das noch überlaufendere Siena, Florenz (natürlich auch), Pisa, Livorno, Viareggio (natürlich nur wegen Strand) und Pistoia (klar, wegen dem „Oi!“ im Namen)) und man dennoch noch einen Tag Urlaub über hat.
Wer nach Lucca fährt, fährt auch nicht nach Lucca, sondern direkt in Richtung Befestigungsanlage, die die Altstadt umgibt. Wunderschön wird die Kritikerin anmerken, während sie, als Apologetin, argumentiert, dass man auf der Befestigungsanlage – umgangssprachlich Mauer genannt – umher wandern und die Stadt umrunden kann. Wahlweise zu Fuß oder aber mit einem Fahrrad, dass man sich leihen kann.
This is Lucca, not Lucarelli!
Spannend sind vor allem zwei Dinge: der Blick auf die toskanischen Erhebungen, die vor allem von der Südseite zu sehen sind und auf der Ostseite der Blick in Richtung Flutlichtmasten des AS Lucchese Libertas, der unter ferner liefen spielt und bei weitem nicht mit den berühmteren Schwestervereinen der Region, AC Fiorentina, AS Livorno oder FC Empoli mithalten kann.
Doch seien wir nicht so kulturpessimistisch, wenn man sich von den Mauern erstmal herab in die Innenstadt begeben hat, erfährt man enge Gassen, viel Gastronomie und noch mehr Menschen von überall, die sich Kirchen und mittelalterliche Architektur zur Gemüte führen.
(mehr…)

Toskana, heute: Florenz

Ist das schon ein Lebensgefühl oder doch nur ein Brotaufstrich?
Da kommt man aus der kühlen Kälte des Rhein-Ruhr-Gebiets, lobt sich selbst als kulturelle Hauptstadt Europas über den grünen Klee und dann steht man vor dem Duomo in Florenz und weiß gar nicht mehr, ob das jetzt eher Bochum oder doch schon Witten ist!
Nein, ernsthaft, von der Muße geküsst, von Inspirationen geplagt, so sahen die Italiener/innen in diesem ehemaligen Machtzentrum Europas wohl Anno Dazumal aus. Und heute? Trmapeln Touristen die Kopfsteinpflaster morsch, photographieren Chinesinnen, Ostwestfalen, Russen und Sauerländerinnen alles, was sie vor die Füße, respektive die Linse bekommen. Ob das noch schön ist, so dicht gedrängt. Die Pizza-Verkäuferin knallt einem den Teigflatschen vor die offenen Mäuler, nur der Plattenverkäufer nickt keck und freut sich, ein paar Touristen mit einer komischen Sprache, die Deutsch sein könnte, durch den Verkauf von schwarzem Gold – nein, nicht Kohle aus dem Ruhrgebiet, sondern Vinyl aus England und Deutschland – glücklich gemacht zu haben. Wie ein kleiner Junge noch schnell das Stadio Artemio Franchi photographieren, wo einst, im Jahre 1999, meine Leidenschaft für Bengalische Feuer und italienischem Support für einen kleinen Moment erwachte, bis einige Dekaden später nur noch ein Grauschleier der Erinnerung in meinem Gedächtnis schon längst die roten Flammen verblassen ließ!
Die Toskana also, mit ihrer Hauptstadt, mittlerweile Fußgänger beruhigt, da keine Autos mehr fahren dürfen, zumindest nicht um den Duomo, liegt einfach nur darnieder und es braucht nicht viel, um trotz der heftigen Preise ein wenig, aber nur ein wenig von der Inspiration eines Leonardo da Vinci, eines Gabriele Batistuta oder Arnolfo di Cambio und Filippo Brunellschi (Architekten des Duomo bzw. der Kuppel) abzubekommen und dann doch, einsam und verlassen im Ruhrgebiet, in Erinnerungen schwelgend diesen schnöden Text in den Rechner zu hacken, auf das jemand ihn doch in diesem schwarz-weiß Standard-Stil unkommentiert sich zur Gemüte fügt und vielleicht einen Moment lang schmunzelt. Jaja, Essen ist fertig!

Walter Elf – Männer in Rot

Wenn heute auf dem Betzenberg ein 19 jähriger aus der Pfalz aufläuft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er beim Sound der letzten Plattenveröffentlichung der Walter Elf gezeugt worden ist. 1982 wurde die Band, zum Großteil aus Schulfreunden, gegründet. Die meisten Fans im Stadion waren zu der Zeit wohl kaum geboren. Es daurte bis zum Alter der Minikicker, bis die Walter Elf, die nur aus sechs Leuten bestand, ihre erste Platte veröffentlichten. „Heut‘ oder nie“, u.a. mit „Warten auf Willi“, „Diese Stadt“ und anderen zeitlosen Hymnen. Es folgten weitere Alben (die LP „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ 1988, die Maxi-LP „Dedication“ 1989, „Homo Sapiens“ 1990 und zuletzt die „Oh hängt sie auf“, ein Live-Album 1992).
Doch nun, fast 19 Jahre nach der letzten Veröffentlichung haben sie eine neue Single aufgenommen. „Muss das denn sein?“ werden jetzt alldiejenigen Fragen, die mit der Band, der Kombination aus Fußball-Leidenschaft oder dem Stil „Funpunk“ nichts abgewinnen können. „JA!“ muss die lapidare Antwort sein. Denn keine andere Band verbindet poppigen Punk und glaubwürdige Texte über Liebe zum Fußball so, wie die Jungs aus der Pfalz.
(mehr…)