Vilnius (auch Vilna oder Wilna) galt vor dem 2. WK als „Yerushalayim d’Lita“ (Jerusalem Litauens). Die jüdische Kultur hatte sich hier weit entwickelt und war auch ein Teil der Litauischen geworden. Schließlich war zu Hochzeiten knapp die Hälfte, am Vorabend des 2. WK immer noch ein Viertel, der Bevölkerung Vilnius’ jüdisch. Doch als dt. Truppen am 24. Juni 1941 die Stadt eroberten, begann ein Alptraum für die jüdischen BewohnerInnen. Während der nächsten Wochen ermordeten die Deutschen fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung. Die verbliebenen, ca. 40.000 Juden wurden am 06. und 07. September in zwei Ghettos getrieben. Bis zum 21. Oktober 1941 wurden die Einwohner des zweiten Ghettos systematisch liquidiert, sodass nur noch 20.000 (die Nazis sprachen von 12.000) Juden überlebten.
In dem verbliebenen Ghetto gründete sich am 21. Januar 1942 die Fareinigte Partizaner Organizacje, kurz FPO. Sie war eine der ersten Widerstandsgruppen des 2. WK. Ihr Motto lautete: „We will not allow them to take us like beasts to the slaughter!!!“ („Wir werden Ihnen nicht erlauben uns wie Tiere zum Schlachter“)
Die völlig unzureichend bewaffneten Partisanen leisteten im Ghetto blutigen Widerstand gegen die Räumung, die trotz dessen am 23. September 1943 beendet wurde. 29.000 Juden verließen die Tore und wurden nach Paneriai verschleppt und dort exekutiert. Die FPO hatte erheblichen Widerstand geleistet, doch die meisten KämpferInnen wurden von der überlegenen dt. Armee getötet.
Nur wenige Partisanen überlebten die Ghetto-Räumung, konnten in angrenzende Wälder fliehen und schlossen sich den dort lebenden Partisanen an. Sie hatten dennoch gezeigt, dass die Juden nicht willens sind, sich kampflos zu ergeben.
Auszüge aus dem Manifest der FPO: „[…] The F.P.O. will move out into battle when the existence of the ghetto as a whole is threatened. […] It is our view that the life of every single Jew is worthly of defense and must not be abandoned to the murderers without resistance. […] The aim of the F.P.O. is resistance, struggle and rescue. […] It is only through battle, and as a result of our resistance, that we shall be able to save large numbers of Jews. [04. April 1943]
Warum ich das schreibe? Bei meinem Besuch 08/2006 in Vilnius traf ich zufällig einen Zeitzeugen. Der Mann kam aus Haifa, war aber in Vilnius geboren und hatte in der FPO gekämpft. Seine Eltern waren von den Nazis ermordet worden. Er selber war, wie andere Partisanen in die Wälder geflüchtet. Er erinnerte sich noch, dass sein Vater, während des 1. WK Soldat auf russischer Seite, sagte, dass sie nicht vor den Deutschen flüchten müssten, denn diese seien eine Hochkultur und hätten gute Verbindungen zum jüdischen Volk. Schon im 1. WK hätten viele Juden und Deutsche zusammen gekämpft.
NO NAZIS – NO WAY!
mika (aus Katzilla #4)
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