Archiv für Dezember 2010

Misstöne – Tribute to 30 years Dischord!

Misstöne

„Du willst WAAAS?“ geschockt saß ich am Tresen und wäre beinahe vom Hocker gefallen.
„Ich werde heiraten! Das kann Dich doch nicht überraschen, oder?“ Stefan schaute mich mit großen Augen an.
„Das hast Du gerade nicht gesagt!“ Fassungslosigkeit stieg in mir auf. „Da war noch ein Adjektiv vor „heiraten“!“
„Was? Nur weil ich kirchlich heirate?“
„Genau, genau! Kirchlich! Heiraten, okay, wenn Du meinst! Das ist Eure Entscheidung! Aber in der Institution Kirche? Bist Du nicht vor Jahren ausgetreten? Hast Du nicht etwas erzählt, von wegen: Diesem Verein fast zwanzig Jahre angehört zu haben ist eine gruselige Vorstellung?“ Wenn jemand mit versteckter Kamera drehte, wäre jetzt der geeignete Moment gewesen, die Sache aufzulösen. Doch Stefans Körpersprache sah weder nach Paola noch nach Kurt Felix. Nicht der leiseste Anflug von Humor schien hier vorhanden zu sein.
„Ich bin wieder eingetreten, wegen Maria!“
„Was? Hat man dir ins Hirn geschissen?! Hast Du nicht damals immer von der Bühne „Filler“ geschrieen, dich auf „Minor Threat“ berufen? Und jetzt kehrst Du zurück, willst so ein beschissenes Sakradingsbums empfangen?“ Beinahe hätte ich mein Bier vor Schreck umgekippt. Dass Stefan nicht mehr Straight Edge war, hatte ich damals aufrichtig Willkommen geheißen, da meine liebsten Treffpunkte mittlerweile die schäbigen Spelunken dieser Stadt waren. Aber zwischen dem Bier-Konsum und einer kirchlichen Heirat war der Bruch einfach zu hart.
„Sakrament heißt das.“
„Was kommt als nächstes? Öffentliche Bibellesungen?“
„Komm, Mika, übertreib es nicht! Du weißt, dass ich Maria liebe und sie ist halt konservativer. Das hat doch nichts mit meinem Glauben zu tun. Und außerdem, ich muss jetzt eh gehen. Wir sehen uns hoffentlich nächste Woche in der Kirche!“ Wortlos legte Stefan noch zehn Euro auf den Tresen, dann verschwand er, wohl in dem Glauben, mich am nächsten Wochenende tatsächlich in dem gotischen Altbau am Markt unseres Heimatkaffs anzutreffen. Doch darauf sollte er sich besser nicht verlassen.
In meinem Selbstbild verstand ich mich immer als relativ geduldiger Mensch. Mich aus der Fassung zu bringen war schwer. Doch in diesem Moment war mir, als müsste ich etwas kaputt machen. Den Hocker durch das Fenster werfen oder ein Glas zertrümmern. Um mich selbst zu beruhigen bestellte ich stattdessen einen Schnaps auf den Schock. Ich brauchte irgendwas, was brannte. „Mexikaner“ rief ich in Richtung des Wirtes. Anschließend ging ich zur gut gepflegten Jukebox und steuerte einen für mich zeitlosen Klassiker an. Diesen Abend musste ich einfach mit Dag Nasty ausklingen lassen. „What can I say? Why should I try? I tried to love. What I knew, I hated it.”
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Inner Conflict + Pascow + duesenjaeger

Inner Conflict + Pascow + duesenjaeger – 18.12.2010 – Bastard Club, Osnabrück

„Die Saar schickt Schnaps hoch in den Norden. Danke duesenjaeger! Wo wir abstürzen, können wir noch nicht sehen“ (Pascow – An die Maulwürfe; 2010). Irgendwie sagen diese wenigen Zeilen schon alles, was zu diesem Konzert gesagt werden muss. Aber vielleicht sollte man doch noch mal zurück rudern und den Tag Revue passieren lassen.
Alles fing damit an, dass ich semi-verkatert aufwache und mich erfreue, dass die eingefangene Erkältung auf einem Stand stagniert ist, der es erträglich macht, wieder auf die Vollen zu gehen. „Gesund gesoffen“ könnte man euphemistisch erklären, was natürlich weder stimmt noch empfehlenswert ist. Aber egal!
Irgendwann gegen Nachmittag den Zug Richtung Osnabrück erklommen, um mit den Jungs und dem Mädel von Kur-Konzerte im Osnabrücker Oxmox das Bundesliga-Abendspiel anzusehen. FC St. Pauli versus FSV Mainz 05. Bis dort allerdings der Fernseher lief und das erste Krefelder am Platze stand, hatte Schürle schon das 0:1 geschossen und die Anwesenden stürzten sich eher auf das reichliche Speisenangebot als sich an einer guten Partie zu ergötzen (mehr dazu im Übersteiger-Blog). Als dann der Fernseher lief, fiel auch schon das 0:2. Am Ende stand es 2:4, eine nette Kneipe kennengelernt, aber als Einstimmung in den Abend mochte das Spiel dann doch kaum herhalten.
Ab in Richtung Bastard Club und dort leider lange draußen in der Schlange gestanden. Daher Inner Conflict leider bis auf drei oder vier Songs komplett verpasst. Schade, schade! Denn in dem Gemäuer des Bastard Clubs war der Sound auf jeden Fall sehr viel besser als im Sonic Ballroom (alter Konzertbericht) und vor allem Dank des Schlagzeugers (dem aus Fleisch und Blut) wirkte auch der livesound wesentlich nach vorne treibender, als ich ihn in Erinnerung hatte.
Danach die Helden aus dem Saarland, Pascow.
Pascow
Wie immer ein großartiges Set mit aktuellen und alten Hits („Trampen nach Norden“, „Äthiopien hat die Bombe“, „Wenn Mila schläft“) und natürlich als Hommage an den Hauptact, „An die Maulwürfe“ mit Tobi am Gesang. Die Meute im vollen Bastard Club feierte die Band ordentlich ab. Pascow Alex
Bei eigentlich drei gleichmäßig geilen Bands, wie an einem solchen Abend, sind es wahrscheinlich Würfel die das Line-Up bestimmen oder aber der Fakt, dass die Osnabrücker seit zwei Jahren nicht mehr live gespielt und zudem noch einen eindeutigen Heimspielbonus hatten. Angeblich waren sogar Menschen aus Wien (Österreich) angereist, um die Band zu sehen. Unglaublich! Aus allen Teilen der Republik anzureisen, für ein Punkkonzert im Bastard Club. Und das Warten hat sich gelohnt. Knapp 24 Monate, knapp 750 Tage, knapp 45.000 Stunden seit dem letzten Gig in der Skatehall waren ihre Songs immer noch so großartig, immer noch so gut, wie je zuvor. Von den knapp 300 Anwesenden waren die meisten äußerst textsicher und selbst in den letzten Reihnen wurden noch laut mitgesungen! Großartig!
duesenjaeger
duesenjaeger
Über eine Stunde gaben sie die Hits ihrer alten Alben und Singles zum Besten, u.a. Maulwurf ->
Die Aftershow-Party war dann im oberen Teil des Bastard-Clubs ebenfalls ein gebührender Abschied des Abends und nachdem auch unser Zug 2h Verspätung hatte und wir die Nacht ein wenig zum Tage machen konnte, lag ich dann im Anschluss zwei tage lang erschöpft zu Hause im Bett! „danke duesenjaeger“!

Dortmund ist auch Scheiße …

Hier eine Presseerklärung von den Leuten des UZDO (Unabhängiges Zentrum Dortmund), für das sie seit Monaten streiten und immer wieder von der Stadt Dortmund Knüppel zwischen die Beine geschlagen bekommen! Die ganze Erklärung kann auch hier gefunden werden: Seite des UZ-Dortmunds (UZDO) -> http://uzdortmund.blogsport.de/

Am 18.12 wird das Dortmunder U bereits zum dritten Mal eröffnet und das Spektakel der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 damit beendet. Was sich 2010 in Dortmund wie gewandelt hat, ist eine zweifelhafte Frage: Für ein Z hat es 2010 nur temporär gereicht. Was bleibt, sind ein U Leuchtturm, leere Worthülsen von kreativer Veränderung und leere Museen wie das am Ostwall (MaO). Die kooperative Co-Nutzung des MaO durch die Initiative ist möglich, aber stadtpolitisch nicht gewollt. Das Kulturbüro echauffiert sich lieber über den Stil der Jugend von heute und die Sauberkeitsstandards ihrer innerstädtischen Lagernutzung in A-Lage. Währenddessen wird die Stadt vom Alltag und Dortmunder Verhältnissen eingeholt und kam es erneut zu brutalen Übergriffen lokaler Neonazis in der Innenstadt.

Neben dem (alten) FZW bietet u.a. die alternative Kneipe, HirschQ, seit vielen Jahren Raum für die Sub/kultur/politszene im Zentrum dieser Stadt. Neben ordnungspolitischen Sanktionen seitens der Stadtverwaltung, die ein angemessenes Betreiben des Lokals erschweren, müssen die Besucher/innen und das Personal mit kontinuierlichen, organisierten Angriffen von Neonazis rechnen – zuletzt am 12.12.2010. FZW Privatisierung, Nazi Übergriffe in der Brückstraße, MaO Spekulation und noch immer kein UZDO: So kann es nicht weitergehen! Das UZDO begrüßt das Engagement des Dortmunder Antifabündnisses (DAB), solidarisiert sich mit der Demo im Kampf gegen rechte Gewalt am 18.12. und unterstützt das DAB in Form von heißen Getränken und Essen im Anschluss an die Demo. Ebenso ruft das UZDO die Stadt Dortmund und ihre Bürger/innen auf, ein Zeichen gegen die rechte Gewalt und neonazistische Aktivitäten zu setzen und sich an der Demo am Samstag zu beteiligen: Für ein anderes Gesicht dieser Stadt!
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Bibelbrot – bible bread

„Und es reicht jetzt, sie werden zu bekloppt! Und es reicht jetzt! Einen kleinen Wunsch hätt‘ ich gern frei. Eine Naturkatastrophe, wie die Mauer oder so. Oder 0:8 gegen Holland. Die spielen ja im Tor mit Edvin van der Saar …“ (Dackelblut)
Bibelbrot - bible bread
Bibelbrot - bible bread

Gesehen bei Vitamin X – in Essen-Borback, Anfang Dezember 2010.
Noch unglaublicher, es gibt eine Homepage zu dem Brot (hier) und ein Youtube-Video (hier)! „So steht es geschrieben, so wird es gebacken“ und „Das schickt der Himmel“! Ohne Worte!

Youth Brigade – Wichtig ist am Kickertisch!

Youth Brigade + PH Decontrol + The Buckleds – Cafe Nova – Essen 17.12.2010

Als erster war ich wahrscheinlich auch selten zuvor an einem Konzertort. Daher immerhin den Soundcheck der Buckleds mitbekommen und dann die Zeit mit Kickern verbracht, das hat man davon, wenn man den Großmeister der Dortmund-Kickerliga mit sich bringt. Nicht lange und die Stern-Brüder wurden auf uns aufmerksam und forderten gleich. Kalifornien vs. Ruhrgebiet. Eigentlich eine klare Sache, hätte ich gedacht, doch wir hielten uns wacker. 8:10 Niederlage, habe ich schon schlimmeres erlebt. Vor allem das wacklig nervöse Zittern des Torwarts begünstigte die Niederlage. Nachdem dann das Bandinterne Duell für die beiden Brüder verloren gegangen war, begann unsere Revanche-Tour. Erst nahmen wir den Bassisten und Gitarristen von Youth Brigade aus einander, 10:4 oder so, dann im Duell Marc und Shawn Stern. Den Abend schon früh gerettet, verkickerten wir die Zeit und verpassten The Buckleds, die allerdings mit ihrem Accoustic-Set eine gute Untermahlung für die Geräusche am Kickertisch boten.
Danach wurde alle möglichen Hände geschüttelt etc. Kennt man ja.
Auf PH Decontrol war ich dann gespannt, da doch immerhin ein Bekannter aus Münster die Gitarrensaiten zupfte. Und wie! Guter, agressiver Punkrock und mit „No Division“ von Hot Water Music gleich einen super Song gecovert. Gute Band und ich bin mal gespannt auf mehr.
Zu guter letzt Youth Brigade. Eine der Bands, wo ich eine Menge Respekt vor habe. Nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich ist das, was ich von den Stern-Brüdern bisher mitbekommen hatte (DVD „Let them know“; Interviews im Trust; Kicker-Niederlage/Sieg), immer sehr sympathisch und durchdacht gewesen. Vor allem das Zitat, das Jugend nur ein Konzept ist, sprich man ist so alt, wie man sich fühlt, finde ich spannend. Warum nicht nach Nationalität, Gender und anderem auch mal das Alter dekonstruieren? Vor allem aber entmystifizieren! Jugend darf, muss aber nicht!
Auf der Bühne dann von Anfang an in die Vollen. Eine Band, die seit 1980 mit Unterbrechungen aktiv ist, verdient erst mal viel Respekt. Trotz Schnee und Eis war das Cafe Nova gut gefüllt und das Publikum feierte Hits wie „Violence“ oder „Sink with California“ gehörig ab. Ich hatte zu keinem Moment das Gefühl, da stehen jetzt alte Säcke auf der Bühne, die nur noch ein paar Euro / Dollar abgreifen wollen und sich dann nen ruhigen Lebensabend machen. (mehr…)

Wahrscheinlichkeitsrechnung

Bei einsetzendem Schnee-Chaos (*hust, hust*), vielleicht doch noch eine kurze Geschichte aus einem lange vergessenem Sommer, als die Jahreszeit noch so „richtig Sommer“ (Rudi Carrell, Swoons, Creme 21) waren:

Die ungewohnt lang anhaltende Hitze für einen deutschen Sommer macht das Einschalten des Ventilators auf Dauerrotation notwendig. Nur blöd, wenn man keinen hat. Noch blöder, wenn es nirgendwo mehr einen zu kaufen gibt. Marktkauf, Fehlanzeige. Elektronik-Fachmärkte, ebenso Fehlanzeige. Meine damalige Freundin, ein Opfer dieser Hitze und der Suche, wähnte sich im Bochumer Kodi-Markt fündig, versicherten ihr die dortigen Angestellten doch, dass „100%ig“ am „nächsten Freitag“ die neue Ladung Ventilatoren ankommen würde. Am darauf folgenden Samstag schlugen wir zusammen auf, doch es sah nicht gut aus im Laden. Keine Ventilatoren, dafür aber Föne. Für Wüstentöchter und -söhne sicherlich positiv, könnten sie doch so zumindest tagsüber die Temperaturen auf die Spitze treiben, doch für Wettergeplagte keine Lösung.
Also fragte sie erneut einen der kompetent wirkenden Verkäufer. Dieser gab zu, dass die Flügelteile noch nicht angekommen waren, aber mit relativ großer Sicherheit am folgenden Montag kommen würden. Ob der Enttäuschung, dass die hundertprozentige Sicherheit nicht ausreichend war, fragten wir vorsichtig nach, was relativ sicher denn in Prozent bedeuten würde. Die verblüffende Antwort lautete: „Also, wenn der LKW nicht ausbrennt oder sonst irgendetwas Unvorhersehbares passiert, würde ich sagen, relativ sicher heißt“ – Trommelwirbel … etc. Spannungspause. Ausbrennende LKWs, das war nun wirklich nicht realistisch. Wir wähnten uns erneut einer Zahl kurt vor der 100, oder gar darüber. Doch der kompetente Verkäufer sagte nur, „dann stehen die Chancen also 50 zu 50.“
Meinen entgeisterten Blick wahrnehmend bemühte er sich, noch zu relativieren. „Ist uns schon einmal passiert. Da ist der ganze LKW mitsamt Ladung ausgebrannt.“ Während ich mir noch auf die Zunge biss, entgegnete meine Freundin, dass wir dann relativ sicher am Montag kommen würden, die Wahrscheinlichkeitsrechnung machte es möglich. Ohne allerdings selbst daran zu glauben.

Vitamin X

Vitamin X + Abfukk + Restarts, 19.2.2010
Vitamin X + Lighthouse + Lighthouse Project + Touché Amoré + Brat Pack, 26.11.2010

Mit Vitamin X bin ich vor einigen Jahren mal auf einer Single in Kontakt zu kommen, dich dann verloren sich die Wege. Erst in den Philippinen, wo Vitamin X im Jahr 2005 gespielt hatten (Photos finden sich hier), bekam ich in 2007 eine CD der Niederländer in die Hand. Und wo, direkt das Hirn an die Wand gesprengt. Schneller, agressiver Hardcore. Umso überraschter war ich, dass die Band live zudem noch sehr sympathisch war und ebenfalls alles gab.
Vitamin X - Philippines
Dies Jahr hatte ich das Vergnügen, die Band gleich zweimal zu sehen.
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Fanzine – Trust #145

Das beste Fanzine unter den Bahnhofskiosk-Heften, würde ich mal behaupten. Menschen mit Musikgeschmack interviewen hier unter anderem Nihil Baxter („Nuke Tibet“), Smoke Blow (musikalisch konnte ich denen nie viel abgewinnen, als Band äußern sie sich spannend), die großen Vertriebe (Cargo, Broken Silence, Indigo, etc.) und dazu persönliche Kolumnen und jede Menge Reviews und sonstiges. Gerade die oben erwähnten Interviews sind echt spannend und gut zu lesen, die Vertriebe werden auch durchaus mit kritischen Fragen „gequält“ und mancher Aspekt („illegale Downloads“) würden auch eine größere Debatte bereichern. Freue mich schon auf Nummer 146!

Der Feldhase und seine Feinde

Wir saßen sehr gemütlich am Abendtisch mit vier befreundeten Personen, aßen genüsslich Fleisch, als die Gastgeberin meinte, anmerken zu müssen, dass es sich um einen Hasen handele, und nicht um ein Kaninchen, wie die männliche Begleitung einer Freundin vermutete. „Feldhase“, verbesserte sie ihr notorisch besserwissender Mann. „Es gibt große Unterschiede zwischen Hasen. Ihr wisst ja, ich bin Jäger.“ Er lächelte und schaute nach Anerkennung suchend in die Runde. „Feldjäger?“ rutschte es mir heraus und die Stimmung war dann doch nicht mehr so freundlich wie vorher.

Achtung, Gefahr im Supermarkt!

Da war ich also im Supermarkt, durchstöberte die Gänge und bekam, wie es immer ist, wenn man mit hungrigem Magen einkauft, Heißhunger auf alle möglichen Schlickereien. Als erstes wanderte die Schokolade in den Wagen, dann die Erdnüsse. An der Kasse schaute ich mir, sei es aufgrund geistiger Demenz oder einer übernatürlichen Vorahnung, die Erdnussverpackung genauer an. Stand doch auf der Verpackung der gerösteten und gewürzten Erdnüsse, dass dieses Produkt Spuren von Nüssen enthalten könne. Die Erleichterung war groß, als ich zu Hause diese Warnung bestätigen konnte.

Fanzine – Underdog #31

Eines der fleißigsten Fanzines ist das Underdog. Gibt es noch gar nicht so lange, aber hat schon über 30 Ausgaben (mittlerweile bestimmt schon fast 40) Ausgaben rausgehauen. Spannend ist immer die Verknüpfung von Politik, Musik und Aktivismus. In der Nummer 31 weiß v.a. das Interview mit Karl Nagel zu gefallen, der halt, wie für einen guten Selbstdarsteller üblich, für Kurzweile sorgen kann. Weniger spannend fand ich jetzt Guts Pie Earshot, was einfach daran liegt, dass ich mit deren Musik nicht viel anfangen kann. Motte vom Panx not Dead Fanzine wird gegen Ende noch mal vor’s Mikro gezerrt, was auch noch mal sehr spannend und gut ist. Die letzten Seiten gehören dann der Lese-Lounge, wo sehr ausführlich einzelne Zines besprochen werden.
Ach so, CD liegt auch bei. Habe ich aber verbummelt, weil mich solche CDs meist eh nicht interessieren bzw. irgendwo in der Küche landen, da ich nur dort nen CD-Player habe. Auf der CD befindliche Bands wird allerdings auch im Heft Raum gegeben, was ich wiederum gut finde. Raum bekommen: Thought Police Brutality (DK); Neue Katastrophen; Strom; Insert Coin; Lipstick; Slump; Praxis Dr. Shipke und Manku Kapak (Peru).

Fanzines – (R)ohrpost #9

Wie soll ich diesem Heft gerecht werden? Wie kann ich diesem Heft gerecht werden?
Erstmal bin ich von der schieren Anzahl der Seiten überwältigt. Wenn Dir das Ding auf den Fuß fällt, hast Du mindestens eine Zehenprellung! Oder anders formuliert: Bindet das Teil und ihr habt ne Punker-Bibel!
Inhaltlich gefällt mir die Mischung aus Musik, Erlebnisberichten und Politik sehr gut. Politisch geht es vor allem um die Rehabilitierung von „Kriegsverrätern“, am Beispiel von Ludwig Baumann, einem Wehrmachtsdeserteur. Vor allem die persönlichen Anmerkungen von Maren lassen den Text nicht so kühl wirken, wie einen wissenschaftlichen Aufsatz. Es verbergen sich nämlich hinter allen Schicksalen Menschen, und das kommt sehr gut rüber. Nicht weniger spannend der Text über das KZ Neuengamme. Dazu noch Klimagipfel und Fair Trade.
Musikalisch wird nicht nur zu der Party von Bäppi gereist und die zehnte Ausgabe des Human Parasit abgefeiert, sondern auch ein eher lahmer Kompetenz- und Engagement-Test bei Punkrock-Mailordern durchgeführt. Der Text ist weder Fisch noch Fleisch (also weder Tofu-Schnitzel noch Soja-Junks), da stichprobenartig Mailorder angerufen werden und Fragen gestellt werden, ob sie denn den oder den Song kennen. Eigentlich eine sehr nette Idee, aber entweder zieht man es ins Ulkige oder macht es ausführlicher, so mein Gefühl.
Ausführlich sind dafür in der Regel die Interview mit folgenden Bands und Einzelpersonen: SturZflug, Ape Attack, Schloidergang, Trevor (Pöbel und Gesocks), Jerk Götterwind, XTC-Zine. Vor allem das Interview mit Jerk Götterwind fand ich gut, da er ziemlich viel zu erzählen weiß. Gut, allerdings nicht im inhaltlichen Sinne, fand ich den Artikel über Hartz IV. Ein ewiger Kampf … leider, leider.
Hoffe, dass das nächste (R)ohrpost bald erscheint, immer eine Lesereise wert.

Fanzines – Der gestreckte Mittelfinger #6

Der gestreckte Mittelfinger von Falk und der Human Parasit von Bäppi gingen bei mir lange Zeit ein wenig durcheinander. Keine warum, vielleicht weil ihr Musikgeschmack ähnlich und ebenso ihre Schreibe ist. Das Human Parasit habe ich ja schon – vollkommen zu Recht – an anderer Stelle abgefeiert, diesmal also die Jubelarien für Falk Fatals Machwerk.
Der Titel sagt’s schon aus, „Das wird jetzt ein bisschen weh tun“ und inhaltlich geht es um Punk & Downloads (nachzulesen übrigens auch online auf der Homepage des Zines). Zu Wort kommen Bands (Amen 81, Pascow und Wilde Zeiten), Labels (Plastic Bomb und Twisted Chords), User von Schrabbel-Punk.me und ein überarbeiteter Text aus dem ersten Alleiner Threat, über ein Vorwort von Joachim Hiller vom Ox (hier gepostet). Insgesamt sehr stimmig und sich gut ergänzende Artikel, wobei Falk seine Meinung nahezu komplett herauslässt und vor allem versucht die Widersprüche aufzuzeigen. Übrigens, eine gute Ergänzung zu der Diskussion findet sich im aktuellen Trust (#145) im Interview-Teil mit den Platten-Vertrieben (Broken Silence, Cargo, Indigo, etc.).
Snob Value werden darüber hinaus interviewt, einige Gäste schreiben Kurzgeschichten wie Marc über „Trinkerherzen“ und abgerundert wird das ganze mit guten Gedanken und Texten von Falk, die allesamt sehr gut auf den Punkt kommen und zynisch / sarkastisch gut unterhalten. Pflichtlektüre, würde ich mal sagen!

Release of Morong 43 announced

Philippine Daily Inquirer titled today:

„Aquino orders dropping of charges vs jailed health workers

MANILA, Philippines—(UPDATE 2) President Aquino ordered the Department of Justice to withdraw the charges of illegal possession of firearms and explosives against 43 health workers arrested in Morong, Rizal, on suspicion of being members of the communist New People’s Army.

“The medical workers were arrested in the waning days of the Arroyo administration on the suspicion that they were aiding NPA insurgents. These are valid concerns. Nevertheless, we recognize that their right to due process was denied them,” President Aquino said in a brief televised speech on the occasion of International Human Rights Day.

“As a government that is committed to the rule of law and the rights of man, this cannot stand. Therefore, I have ordered the DOJ to withdraw the informations filed before the court,” Aquino added.

Aquino said he expected that his order, subject to court approval, would lead to the release of the 43 health workers.

Justice Secretary Leila De Lima, however, said that six of the detainees have outstanding warrants that aren’t related to the raid on the Morong resort where the 43 were arrested last February 6.

“Under existing rules we cannot free them if there are outstanding warrants of arrest against them in other cases,” De Lima said.

De Lima said the information on the six persons with other cases was provided by the Armed Forces. She said this was being verified by government prosecutors.“
Article by Norman Bordadora, in Philippine Daily Inquirer

Freiheit für die „Morong 43″

Am 6. Februar 2010 wurden 43 Menschen in Morong, in der Provinz Rizal, Philippinen verhaftet und vom Militär eingesperrt. Die 43 Frauen und Männer hatten sich zu einer Fortbildung getroffen, wo ihnen Basisversorgung im Gesundheitsbereich beigebracht werden sollte. Nicht unweit der philippinischen Hauptstadt, wo Morong liegt, ist die medizinische Versorgung so schlecht, der Staat kaum präsent, dass die Frauen und Männer selbst handelten und sich fortbildeten. Unter einem Vorwand wurden sie vom Militär verhaftet und beschuldigt, Mitglieder der NPA, der maoistischen Rebellarmee in den Philippinen, zu sein. Sie wurden eingesperrt in einem Militärgefängnis, psychisch und physisch gefoltert. Fünf von den Gesundheits-Arbeiter_innen gestanden, der Rest widerstand. Selbst die Brauchbarkeit dieser Geständnisse ist fraglich. Niemand wurde vor ein ordentliches Gericht gestellt, bis heute. Zwei Frauen gebahren in Gefangenschaft Kinder.
Jetzt haben sie sich selbst zu Wort gemeldet und sind in den Hungerstreik getreten. Folgende Pressemitteilung verfassten sie dazu:

Free the Morong 43

* STATEMENT OF THE MORONG 43 ON DAY 1 OF THEIR HUNGER STRIKE
December 3, 2010

Camp Bagong Diwa, Bicutan

Today we begin our hunger strike. This is the only course of action
left us to end our continued illegal detention, there being no clear
action by the government for our unconditional release.
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