Archiv für Januar 2011

Demonstrationen Ende Januar

Nur kurz der Hinweis auf zwei Demonstrationen gegen die öden Orte hier im Ruhrgebiet.

Erstens – Wuppertal:
Am 27.01. wird es um 19.00 Uhr in Vohwinkel eine Gedenkveranstaltung für die Vohwinkler NS-Opfer geben. Diese findet an der Kaiserstraße/ Ecke Bahnstraße statt. Um 19.30 Uhr gibt´s im Bürgerbahnhof Vohwinkel eine Zeitzeugenveranstaltung mit Paul Brune.
Am 28.01. gibt es um 18.00 Uhr eine Antifa-Vorabenddemo unter dem Motto „Für einen konsequenten Antifaschismus!“. Diese startet am Hauptbahnhof und endet am Autonomen Zentrum. Dort wird von Freitag auf Samstag ein Convergence Center eingerichtet. Dort könnt ihr schlafen, etwas trinken und essen, euch die letzten Infos für Samstag holen etc. Um 21.00 Uhr gibt es dann noch eine Kundgebung in Vohwinkel gegen den „Bierbrunnen“ der Kampagne „Kein Bierchen für Nazis“.
Am 29.01. geht es um 10.30 Uhr mit der Bündniskundgebung direkt vor den CityArkaden in der Innenstadt los. Um 11.00 Uhr wird es eine kollektive Bahnhofsbesichtigung geben.
Weitere Infos wie der obrige Text sind von: actiondayswpt.blogsport.de

Zweitens – Duisburg:
Im Ruhrgebiet werden alternative Läden, Kneipen die andersartige Kultur ermöglichen, die fernab vom Mainstream und der ganzen Ruhr2010-Scheiße läuft, im seltener. Anstatt Besetzungsprojekte und somit Kulturschaffende zu unterstützen, grätscht nun das Ordnungsamt in Duisburg auch noch einem der letzten Läden in der Stadt zwischen die Beine, die halbwegs okay sind. Auch hier findet am Samstag eine Demonstration gegen die „Sperrstunde“ statt und für das Djäzz, damit auch nach 1:00 Uhr der Laden offen bleiben kann und somit auch Einnahmequellen durch Parties und Konzerte generiert werden können, um den laufenden Kulturbetrieb quer zu subventionieren. Denn alle Konzerte, Lesungen etc. finden ohne städtische oder staatliche Fördermittel statt.
Auch hier finden sich Infos im Internet (I love Djaezz).

Vollmond

Da saß ich nun und ließ meine Beine über dem Wasser des Aasees baumeln, stets bedacht, nicht mit der überdüngten, braunen Brühe in Berührung zu kommen. Der alte Holzsteg war in dieser Herbstnacht endlich mal verlassen und ruhig im Schatten des Mondes gelegen. Keine Alkohol infizierten BWLer, keine Emo-Jünglinge, keine Nachtgriller oder Nacktschwimmer, nur der Mond und ich.
„Vollmond“, hatte die alte Frau im Supermarkt gemeint, doch ich wusste es besser. Vollmond war vor zwei Nächten gewesen, und auch wenn dieser Mond immer noch voll wirkte, so wie er dort riesig über dem Aasee stand, war er nicht mehr der Vollmond von vor zwei Nächten.
Warum ich mir so sicher war? Der Mond braucht 29 ½ Tage, um die Erde zu umrunden, und seit genau einunddreißig Tagen war ich komplett neben der Spur. Einunddreißig Nächte, die ich nicht oder nur schlecht geschlafen hatte. Einunddreißig Tage, in denen ich mehr Zeit mit Weinen, Schreien und wütend auf Holzschränke Einschlagen verbracht habe, als mit dringlichen Dingen, wie die Diplomarbeit fertig zu stellen, mit Freunden zu trinken oder mich wegen des Stellenangebots zurückzumelden. Einunddreißig Nächte war es her, als ich dir eröffnete, dass ich ein Angebot aus Manila habe, und du mir gesagt hast, dass du nach Stockholm zurück wollen würdest. Einunddreißig Tage und Nächte, nachdem wir uns gestritten und endgültig getrennt hatten.
Die Angler auf der anderen Seite schienen einen Fang gemacht zu haben. Die Angeln zuckten im Mondesschein, und hektische Bewegungen am Seeufer schienen von einem großen Fisch zu zeugen. „Bestimmt nur ein Fahrrad“, dachte ich bei mir und gab die Hoffnung darauf auch nicht auf, als sie einen Fisch aus dem Becken zogen. „Nun ja, vielleicht ist der Fisch wenigstens kontaminiert.“ Meine Gedanken kreisten um den dreiäugigen Fisch der Simpsons, die Missbildungen der Bundys beim Grillen am AKW und den Oma Hans-Song über das nukleare Unglück des potentiellen EU-Beitrittskandidaten. „Lala lala, in der Ukraine.“
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Reviews: Love Academy – 7″

Love Academy, was ein selten dämliche Name, dachte ich, bevor die Band in Hamburg die Bühne betrat. Love Academy, ein schöner, passender Name. Wie will man sonst eine Band heute noch nennen?
Das Liveset hat mich dann doch sehr überzeugen können (s. auch Bericht hier) und kurze Zeit später erschien nun die erste Single der Band aus dem Trierer Raum – auf Salon Alter Hammer. Deutschsprachiger Punkrock, der, wenn man denn Vergleiche und Schubladen braucht – und seien wir ehrlich, gerade Punk funktioniert ja wahnsinnig nach „Schubladendenken“ und ist somit viel engstirniger als viele andere Musikgenre … – dann sollte man ganz tief die „Trend etc.“-Schublade aufreißen und nachsehen. Vorne auf der Holzschublade, remember Gelsenkirchener Barock, steht dann „deutschsprachiger Indie-Punk“. Sowas wie Vom Segeln ohne Sperrgut, sowas wie Schneller Autos Organisation nur weniger Tocotronic, um noch ein wenig Namedropping zu betreiben. „Ultra Fair“ schreit jetzt jemand im Hintergrund und gehört dafür abgewatscht – jajaja, ich weiß Nachfolge-Band und so weiter … kram, bla, bla, düdeldü!!!
Auf dieser Single in feiner Optik – weißes Vinyl, weißes Label, bedruckte Klarsichthülle – gibt es dann gleich viermal diesen Indiepunk zu finden ist, leicht kryptische, z.T. sehr humorvolle Texte („Originell“) ausgraben, die Musik mit einer Orgel versehen und sich freuen, dass die Schublade wieder eine Single enthält, die Lust auf mehr macht.

Elf (aka Michael Mayer) bei „Wer wird Millionär“ – Runde 2 (the final battle)

Okay, okay, ich bin eine kleine Drecksau, doch ich habe mich tatsächlich auf diesen zweiten Teil (der gute erste, hier klicken) gefreut. Doch, so sehr ich den ersten Teil auch genossen habe (ich will nicht übertreiben und von den schönsten 6 Minuten der Fernsehgeschichte reden … aber es hat mich amüsiert!), der zweite – the final battle – hatte kaum Highlights. Jauch hatte sich abreagiert, Elf so seriös wie jedeR Durchschnittskandidat_in, also, eigentlich egal!
Zu Beginn nur ein: „Ledig, leiert, keine Kinder“ … genau so gehört ein Punker vorgestellt! Schon auf den Punkt gebracht, würde ich sagen, doch danach plätschert die Sendung vor sich hin!
Klar, cool dass Günther Jauch aus „Linke Spießer“ zitiert, allerdings auch nur, weil er es im Tagesspiegel gelesen hat. „Ihr schreibt Bücher, seid im Fernsehen – Und ihr glaubt, daß wir euch gern sehen“. Und ja, Günther Jauch hat die Ironie verstanden, dass nun ein Punker, der das einst gesungen hat, bei ihm auf dem Stuhl sitzt. Ob Elf das verstanden hat, ich weiß es nicht. Dafür sagt er, der Song wäre den Grünen gewidmet gewesen. Die Kritik, die er in der Sendung an den Grünen anbringt ist berechtigt, kann aber beim Schreiben des Songs keinen Motivation gewesen sein (da sie damals noch nicht in der Regierung waren, keine Kriege unterstützt und noch nicht den Atomausstieg versemmelt haben) … aber egal.
Witzig ist, dass Günther Jauch ihn auf szene-interne Kritik anspricht, wo Elf doch relativ unverständlich auf irgendeinen Forums-Eintrag eingeht, sich rechtfertigt und entschuldigt („ist doch nur ein Spiel“). Jauchs Antwort:
„Entschuldigen Sie sich ruhig bei mir, dass Sie hier sind!“ ist auf jeden Fall der lockerere Umgang.
Dann geht es weiter in der Sendung, der Moderator lockt ihn immer etwas aus der Reserve – „Sie haben sich für die Spießer-Variante entschieden“ – aber Elf aka Michael Mayer aka Slime-Texter von „Linke Spießer“ lässt sich nicht aus der Reserve locken. Schnell kommt er bei den Fragen voran. Ehrlich gesagt hätte ich genau die selben Fragen nicht beantworten können. Allerdings, bei der 2.000 Euro-Frage äußert er, dass er außer „Dschungelcamp“ und „Wer wird Millionär“ nichts auf RTL schaut. Die Antwort auf die Frage lautet „Klöppel“, also ähnlich wie der RTL-Nachrichten-Anchorman Peter Kloeppel. Der sagt dem „Rockmusiker“ allerdings anfangs nichts, entweder weil er keine Nachrichten guckt (das würde ihn wenig sympathisch machen, v.a. bei der Belastung mit Dschungelcamp) oder aber, weil er keine Nachrichten bei RTL guckt (das wiederum würde ihn sehr sympathisch machen). Dann fällt ihm aber doch ein, dass es sich um Peter Kloeppel handeln muss, also vielleicht doch Nachrichten auf RTL? Immerhin beschwert er sich über „fiese Fragen“. Dann leitet er die Frage er, sagt „Ich nehme C, Scheißegal“. Das Publikum lacht. „Dieser Punker, hahaha. Sagt der einfach Scheißegal im Fernsehen, hahahaaha“. Günther Jauch kommentiert „Das ist mal Anarchie bei „Wer wird Millionär“". Punk 2011, Jauch bringt’s erneut auf den Punkt!
Danach verflacht die Sendung zusehends. Eine kleine Diskussion mit der Freundin Nici (Mimmies, Slime – Bassistin) über Rainer Langhans im Dschungelcamp und man fragt sich ernsthaft, was sich hier für Abgründe auftun. „Gossip“ im deutschen Fernsehen … aber egal.
Es folgt die 16.000 Euro-Frage, bei der Jauch Elf noch mal als „Spießerkandidaten“ beleidigt, doch dieser reagiert gar nicht. Kann man als cool abtun. Jauch hat auf jeden Fall seinen Spaß mit dem für ihn bestimmt „außergewöhnlichen“ Kandidaten. Aber der „Spießerkandidat“ sagt A.) („Ohne Absicherung?“ neckt Jauch noch mal) und meistert die Hürde und fertig.
Günther im Anschluss: „Was macht ein Punker mit 16.000 Euro? Wahrscheinlich die Hypothek der Eigentumswohnung abbezahlen?“ An dieser Stelle wünsche ich mir, dass Elf „Ja!“ sagt, es würde so schön passen. Doch er lacht, „diese Eigentumswohnung hab ich nicht“ und erzählt dann, dass er a.) zur Miete wohnt, b.) dass er Slime zum BOB-Fest fliegen lässt, c.) sich ein neues Mikro anschaffen will für sein Tonstudio und d.) gab es nicht.
Am Ende scheitert Elf an der 64.000 Euro-Frage [korrigiert, Dank an den Hinweis!]. Welche Region macht 97 Prozent des Landes aus. Baskenland, Anatolien, Holland oder die Toskana. Klar, Baskenland und Toskana kann er ausschließen, und bei Holland hätte man zumindest Verdacht schöpfen können. Jauch warnt ihn mehrfach, doch Elf denkt sich nichts dabei, nimmt Holland (nur 1/5 der Landesfläche) und ist raus. Dann noch eine Geschichte, wie Slime in Kanada einen Bären getroffen haben, aber ehrlich, die Geschichte hätten alle in meiner Familie spannender erzählt, von wegen „groß machen“ und „vor Bären nicht weglaufen“. Dann geht’s für ihn nach Hause. Schade, ich hätte ihm mehr Kohle gegönnt, hätte gerne gesehen, wie er sich noch mehr zum Horst macht. Die meisten RTL-Zuschauer wissen nun, dass Punker nicht total dumm sind, keine bunten Haare haben müssen und verdammt alt sein können. Am Ende bringt er noch das schöne Oma-Zitat „hätte, hätte, Herrentoilette“ … schön sinnfrei, wie einiges. In diesem Sinne!

Lieblingsalben: Against Me! – Reinventing Axl Rose

Siebter Teil einer Reihe, in der ich unregelmäßig großartige Alben vorstelle, von Bands, die mir was bedeuten (oder bedeutet haben) und von denen ich nicht genug bekommen kann. Es handelt sich bei der Reihenfolge der Vorstellung nicht um eine Hitliste, sondern einzig und allein um Alben, auf die ich jetzt gerade Bock habe und sie parallel zu den Texten noch einmal anhöre.
Nach den Einträgen zu Whiskey & Co., Hot Water Music, The Gaslight Anthem, Dackelblut , … But Alive und 1. Mai ’87 (Erster Mai 87) geht es heute um das erste Album von Against Me!, „Reinventing Axl Rose“.
In einer Phase, in der ich die ersten Songs der Pogues für mich entdeckte, fiel diese Platte vom Himmel und ich aus allen Wolken. Das Gute von den Pogues verbunden mit dem Gutem, dem Minimalistischen des Punks. Dazu das Ganze noch angereichert mit Texten, die jede_r linke Student_in erstmal unterschreiben kann. Phantastisch! Der Opener „Pints of Guiness make you strong“ ist meiner Meinung nach immer noch eines der schönsten Liebeslieder, die jemals geschrieben worden sind.
„Evelyn sits by the elevator doors, it’s been 37 years since James died on St. Patrick’s Day in 1964. but she could not hold it against him. There were times when there was nothing she could do but lie in bed all day beside a picture of them together, a picture of better days.
And just like James I‘ll be drinking Irish tonight and the memory of this last work week will be gone forever. Evelyn I‘m not coming home tonight. If we‘re never together, if I‘m never back again, well I swear to god that I‘ll love you forever. Evelyn I‘m not coming home tonight.
In all the years that went by she said she‘d always love him, and from the day that he died she never loved again. In his wallet she kept in her nightstand an A.A. card and a lock of red hair. She kept secrets of pride locked so tight in her heart, it killed a part of her before the rest was gone. She said, „if I would have known just how things would have ended up I just would have let myself die.
And just like James I‘ll be drinking Irish tonight and the memory of this last work week will be gone forever. Evelyn I‘m not coming home tonight. If we‘re never together, if I‘m never back again, well I swear to god that I‘ll love you forever. Evelyn I‘m not coming home tonight.“

Die Band hatte vorher nur ein paar Singles veröffentlicht (u.a. auf dem liebenswürdigem Label Plan-it-X) und mit diesem Album auf NoIdea gelang ihr sofort der Durchbruch. Dieses Album ist mittlerweile vom Label 31 mal (!!! – letztmalig im September 2010) nachgepresst worden, als Vinyl! Laut NoIdea hat die Schallplatte damit schon 22.676 mal den Tresen überquert bzw. die diversen Mailorder verlassen! Against Me! haben wohl wie kaum eine andere Band in den letzten zehn Jahren das Genre Punk so dermaßen „revolutioniert“, indem sie Punk, D.I.Y.-Attitüde und Acoustic/Folk-Elemente zu einem ungeheuren Mix zusammengebastelt haben, wie auf dieser Debut-Platte. Nicht, dass das unbedingt neu war. Auch Mike Ness hatte zu dem Zeitpunkt schon hatte zu dem Zeitpunkt schon seine Soloplatten veröffentlicht, auch andere Bands veröffentlichten im Gründungsjahr von Against Me! ihre erste, selbst betitelte Single (1997). Dennoch, war der Diletantismus, die Energie, der Mut, auch eine unperfekte Platte „abzuliefern“ in einer Zeit, wo Musik immer glatter wurde, oder nu-metal-lastiger, eine wahre Offenbarung. Auch wenn Against Me! im Anschluss wesentlich eingängier und bis heute mehr oder weniger eine Pop/Rock-Band geworden sind, ist dennoch dieses Album ein Meilenstein, egal was danach kam oder kommen musste!
am
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Slime’s Elf bei „Wer wird Millionär“

Okay, okay, in einer TV-Quiz-Show wie „Wer wird Millionär“ das schnelle Geld machen, ist erstmal nicht verwerflich. Dennoch ist man doch geschockt, einen Michael Mayer aka Elf bei Günther Jauch, dem erz-konservativen TV-Moderator (guter Text von Rüdiger Suchsland auf Heise.de -> mit Günther Jauch in den Gottesstaat) auf dem Quizsessel zu finden. Was sich allerdings dann auf selbigen anspielt ist ganz großes Kino und lässt mich doch beruhigt an meinem Rechner schmunzeln (denn natürlich habe ich es nicht abends im Fernsehsessel gesehen).
Ich gebe hier mal nur einige Dialogfetzen wieder, von Günther Jauch (GJ) und Michael Mayer (11):
GJ: „Michael Mayer ist 48 Jahre alt. Er kommt aus Bremen (….) Der Mann sieht nicht nur aus wie ein Punkmusiker, sondern ist auch einer.“
11: „Jau! Das ist richtig!“
Punkmusiker, ganz groß! Sowas hätte meine Großmutter auch gesagt, aber meinen Eltern selbst hätten wohl schon in Richtung Punker oder Punkrocker tendiert. Aber, der gute Elf, das stimmt schon, ist erstmal ein Punkmusiker, weil, er macht Musik in einer Punkband. Bei der folgenden Frage nach dem Instrument, beachte man nicht nur die generelle Instrumentierung einer klassischen Punkband, sondern auch die Reihenfolge, wie Günter Jauch die Wahrscheinlichkeit dieser Instrumentierung einschätzt.
GJ: „Gesang, Keyboard, Gitarre, Schlagzeug?“
11: „Gitarre und Gesang auch ein bisschen.“ (…)
GJ: „Das heißt, das ist ihr Hauptberuf, Gitarrist.“
11: „So zu sagen. Ich verdiene nicht genug damit, um davon leben zu können (…). Es ist mehr eine Berufung.“
Hier wird sich der gute Elf wohl gerade bewusst, dass ein Millionenpublikum oder zumindest eine handvoll Bekloppter zum einen eine Slime-CD und zum anderen diese Sendung gucken könnte. Jetzt nur nicht in die Vollen hauen. Nein, ernsthaft, auch wenn ich glaube, dass Slime für alle Beteiligten ein Hobby ist, was eine doofe Antwort, denn, „Berufung“ … „Das ist mein Beruf, nicht meine Berufung“ ist wahrscheinlich so ein Lehrlingskalauer bei Tischlern, wenn sie noch alle acht Finger und zwei Daumen haben.
GJ: „Wo treten Sie auf? Und unter welchem Namen?“
11: „Die Band heißt Slime.“
GJ: „Slime?“
11: „Slime!“
Großartiger Dialog! Danke dafür!
11: „Die andere heißt Mimmis. Da haben wir mit den Toten Hosen zusammen gespielt.“
Gibt da gerade ein 48jähriger vor Günther Jauch damit an, mal – wohlgemerkt gleichaltrig – vor den Toten Hosen mal als Eröffner gespielt zu haben? In einer gerechten Welt hätte ich gesagt, die Toten Hosen sollten Vorband für Slime machen, nicht umgekehrt, doch mittlerweile bin ich mir doch nicht mehr so sicher, ob die Welt nicht doch sorum auch okay ist. Aber die Antwort von Günther Jauch auch gut:
„Toll. Vor wie vielen Leuten?“
Toll gemacht, Junge, toll! Es folgt ein Monolog über Fangruppen-Überschneidung, über das Alter (GJ: „Und, das Publikum im Durchschnitt so alt wie Sie?“) und über alle möglichen Nonsense.
GJ (in Groupie-Phantasien gehüllt, auf die Begleitung anspielend): „Sitzt da oben ihr größter Fan?“
11: „Nein, das ist unsere Bassistin und meine Freundin.“
GJ (überrascht): „Ah“
Eine lange Pause, Träume zerstört, die Rockwelt eines Günther J. zerstört. Doch er versucht sie noch einmal zu retten:
GJ: “ … , und Sie beide mischen zusammen …“
Den Satz hätte ich allerdings gerne vollständig gehört. Sie beide mischen zusammen … a.) die Punkrock-Szene in Deutschland auf, b.) Alkohol und Drogen im Backstage-Bereich, c.) die Jugend auf, oder d.) Karten, damit keiner beim Pokern bevorteilt wird?
Man weiß es nicht! Doch es endet leider so:
GJ: „… so gitarrenmäßig den Laden auf.“ Schade!
Nächstes Highlight, die Frage, ob Michael Mayer aka Elf Risiko spielt oder mit einem Joker mehr. Elf entscheidet sich für die Sicherheitsvariante. Günther Jauch dazu:
GJ: „Ein Punker mit der Beamtenvariante.“
Eigentlich hätte da das Publikum liegen müssen. Ich musste es vor dem Rechner. Großartig! Elf erklärt dann, dass die Kohle dafür da ist, die Band in die USA für ein Konzert zu fliegen. Langweilig!
Die ersten beiden Fragen sind dann recht unspektakulär, aber die 200 Euro-Frage hat es in sich:
GJ: „Bleibt Olivenöl über Jahre hinweg chemisch unberührt, ist es auch noch im Alter …
a.) Ver schieden
b.) Wahl weise
c.) Ab weichend
d.) Alter nativ?“
Hier hofft man doch einen kurzen Moment, dass M.M. an der Antwort „Alter nativ“ scheitert. Es wäre einfach zu schön, diese Symbolik. Punk 2011! Leider ist das Ganze im Anschluss zu Ende. Freitag gibt es die Fortsetzung, bis dahin kann man sich die Folge noch auf der RTL-Webpage ansehen, die ich hier aus sicherlich verständlichen Gründen nicht verlinke.

Lieblingsalben: 1. Mai ’87 – Rastamannallematanzbeinschwingen (live)

Sechster Teil einer Reihe, in der ich unregelmäßig großartige Alben vorstelle, von Bands, die mir was bedeuten (oder bedeutet haben) und von denen ich nicht genug bekommen kann. Es handelt sich bei der Reihenfolge der Vorstellung nicht um eine Hitliste, sondern einzig und allein um Alben, auf die ich jetzt gerade Bock habe und sie parallel zu den Texten noch einmal anhöre.
Nach den Einträgen zu Whiskey & Co., Hot Water Music, The Gaslight Anthem, Dackelblut und … But Alive geht es heute um das Live-Album von 1. Mai ’87 (Erster Mai 87) namens „Rastamannallematanzbeinschwingen“.
Erste Freundin, erster Kuss, erster Sex, erste Platte (erster Mai 87) … so könnte man das Leben schön platt mit der Dampframme beschreiben. Natürlich in durchgeschüttelter Reihenfolge, je nach Gusto und Leben. Da ich hier allerdings nicht mein Privatleben niederwalzen werde, geht es nicht um den ersten Kuss oder die erste Freundin, sondern um meine allererste Vinylschallplatte – „1. Mai ’87 – Rastmannallematanzbeinschwingen“. Die Band existierte von 1987 bis ins Jahr 2000 und machte insgesamt fünf Alben, wobei die letzten beiden CDs („Wurzel“ und „Rip Off“) Zusammenstellungen bzw. Neu-Aufnahmen älterer Songs waren und eine von den fünf Alben eine Live-Platte, nämlich die hier, war.
Als ich Mitte der 90er mein Erspartes zusammenkratzte, um mir meine erste „Sony-Stereoanlage“ gekauft habe (ein Monster-Teil, das allerdings in Teilen 15 Jahre treueste Dienste geleistet hat), war die Enttäuschung groß, als ein Plattenspieler dabei war. Was sollte ich denn damit? Hätte ich nicht knapp 100 DM (File under: Währung vor dem Euro) sparen können, ohne das lästige Teil? Was ich brauchte war ein CD-Player und Tapedecks, nicht so ein Humbug aus der Steinzeit. Doch die Zukunft brachte es mit sich, dass der Plattenspieler das meist genutzte Gerät wurde. Schnell entdeckte ich die Liebe zu dem Vinyl, das in vielen Fällen auch preisgünstiger zu haben war. Die hier besprochene 1. Mai ’87 Platte war sogar als „Vinyl only“ nur auf „schwarzem Gold“ zu erhalten.
1. Mai '87
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Lieblingsalben: … But Alive – Bis jetzt ging alles gut

Fünfter Teil einer Reihe, in der ich unregelmäßig großartige Alben vorstelle, von Bands, die mir was bedeuten und von denen ich nicht genug bekommen kann. Es handelt sich bei der Reihenfolge der Vorstellung nicht um eine Hitliste, sondern einzig und allein um Alben, auf die ich jetzt gerade Bock habe und sie parallel zu den Texten noch einmal anhöre.
Nach den Einträgen zu Whiskey & Co., Hot Water Music, The Gaslight Anthem und Dackelblut möchte ich heute das dritte Album von … But Alive vorstellen: „Bis jetzt ging alles gut“.
Wohl kaum eine andere Band hat die 1990er im deutschsprachigen Punk so geprägt, wie … But Alive, und keine andere Band hat die „90er“ besser besungen, als eben jene Band in: „Das sind die 90er, Baby“.
Dabei gab es einige Änderungen bei dieser Platte. Am Bass wurde Ingo durch Torben (Rantanplan) ersetzt, Christian Mevs hat das ganze in einen fetten Sound verpackt und verglichen mit den beiden Vorgänger-Alben muss man sagen, dass härteste, direkteste und auch eingängigste … But Alive Album. Spielereien nur am Rande, in erster Linie nach vorne raus. Nur das Cover erinnert sehr stark an die beiden zuvor veröffentlichen Alben („Für uns nicht“ und „Nicht zynisch werden?!“), denn wieder hat sich dafür Eric Drooker verantwortlich gezeigt.
Das Album fängt mit: „Wir sind von der Sache alle ziemlich angenervt, oder? Also schlage ich vor wir sollten versuchen wenigstens ein bisschen Würde zu bewahren.“ Leider weiß ich nicht, aus welchem Film oder woher dieses Zitat ist, aber über Hinweise wäre ich sehr dankbar. Es folgt Pete, ein Song über „Pete Townsend“ (The Who): „Pete Townshend ist heute alt und will längst schon nicht mehr sterben. Und alle um mich herum wollen nur in Würde älter werden. Ich sagte es gestern, sag‘ es morgen: Macht euch um mich doch keine Sorgen, Und kümmert euch zuerst um euch und fickt euch.“ Ein schneller, kurzer Song, der zeigt, wohin die Reise geht. Musikalisch direkter, wütender. Textlich geht es weniger darum, die auf den beiden vorangegangenen Alben getätigten Positionen neu zu erfinden oder zu wiederholen, sondern viel mehr eine kritische Selbstreflexion einer Szene, deren Lieblinge … But Alive einst waren. Dazu passen Songs wie „das sind die 90er, Baby“, „Antimanifest“, „Frei (na toll)“, „Korrekt III (das letzte Kapitel)“ und „R.T.B.A.M.“, die mit eigenem Szenedünkel und -mief und der passenden Zeit dazu aufräumen. „Pete“ ist da nur der Anfang, die Gefahr, eine Wiederholung, eine Kopie seiner Selbst zu werden. Eine angepasste, brave Kopie! Passend dazu übrigens ein Kurt Cobain zu geschriebenes Zitat: „Ich hoffe ich sterbe, bevor ich mich in Pete Townsend verwandle.“ Der Song von … But Alive endet mit „Und wir warten und das Warten nennt sich Freiheit“ („Pete“, … But Alive).
... But Alive - Bis jetzt ging alles gut
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Lieblingsalben: Dackelblut – Schützen und Fördern

Vierter Teil einer Reihe, in der ich unregelmäßig großartige Alben vorstelle, von Bands, die mir was bedeuten und von denen ich nicht genug bekommen kann. Es handelt sich bei der Reihenfolge der Vorstellung nicht um eine Hitliste, sondern einzig und allein um Alben, auf die ich jetzt gerade Bock habe und sie parallel zu den Texten nocheinmal anhöre.
Nach den Einträgen zu Whiskey & Co., Hot Water Music und The Gaslight Anthem möchte ich heute das erste Album von Dackelblut vorstellen: „Schützen und Fördern“.
Bei Dackelblut anzufangen heißt in der Regel ein Namedropping von anderen Bands, die zuvor oder nach Dackelblut in ähnlicher Besetzung existierten, vorwegstellen. Die Namen werden wahrscheinlich im Laufe des Textes noch fallen, sollen aber an dieser Stelle einfach mal vergessen werden. Warum? Weil sie mir nichts sagten, als ich Dackelbluts „Nimm deine traurigen Lieder“ zum ersten Mal im Radio hörte. Radio? Dackelbluts „Nimm deine traurigen Lieder“? Okay, zum einen wusste ich damals noch nicht, dass der Song von Funny van Dannen – zumindest der Text – geschrieben worden ist und zum anderen, ja, Radio! Damals im Bürgerradio von Soest, was man genau in einem Zimmer der elterlichen Wohnung empfangen konnte (und auch nur, weil wir weder Kabel- noch Satelliten-Fernsehen hatten, sondern eine Antenne auf dem Dach), in meinem – !Zum Glück! – hörte ich diesen Song. Off Limits hieß die Sendung, die Gaffer damals moderiert hat. Verschrobener Text, irgendwie witzig, ein merkwürdiger Bandname, eine gute Gitarre und überhaupt eine spannende Band, schienen diese Dackelblut zu sein.
Dackelblut, und nun beginnt die Litanei mit den „Vorbands“ und „Nachbands“, waren der Nachfolger von Angeschissen und Blumen am Arsch der Hölle und hatten durch den Gesang von Jens Rachut sicherlich einen Bonus. Die verschrobenen Texte finden, meiner Meinung nach, bei Dackelblut ihren Höhepunkt.
„Sonne küßt den Boden, seine Augen werden klar, die Hände sind gefaltet, sein Gebet macht ihn ganz wach“ sind die ersten Zeilen von „Mach’s nach deinem Leben“ (bzw. „Denk dir etwas anderes aus“, wie er auf dem Textblatt heißt), in dem Religion – und in Zeiten von Sarrazin sei erwähnt, die CHRISTLICHE – thematisiert wird. „Auf Erden kann er Scheiße bauen, solange er noch lebt.“ Nach dem Motto, „alle umlegen, soll Gott sie aussortieren“ (Arthur Simpson, zitiert nach Marge Simpson). Vor allem die, häufig mit Wipers verglichene, Gitarre ist bei Dackelblut als Instrument am stärksten heraus zu hören, nahezu dominant neben dem Gesang von Jens Rachut. Das trifft auf alle so genannten „Rachut“-Bands zu. Andreas Ness ist dafür verantwortlich und war es schon bei Blumen am Arsch der Hölle und im Anschluss auch bei Oma Hans und Kommando Sonne-nmlich. Wahnsinn, wie eine einzelne Gitarre so den Sound prägen kann.
Dackelblut - Schützen und Fördern
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Lieblingsalben: The Gaslight Anthem – Sink or Swim

Dritter Teil einer Reihe, in der ich unregelmäßig großartige Alben vorstelle, von Bands, die mir was bedeuten und von denen ich nicht genug bekommen kann. Nach den Einträgen zu Whiskey & Co. und Hot Water Music möchte ich heute das erste Album von The Gaslight Anthem namens „Sink or Swim“ vorstellen.
Merkwürdig, ich registriere gerade, dass der selbe Freund, der mich schon auf Whiskey & Co. aufmerksam gemacht hat, der auch beim Hot Water Music Konzert mit der selben Platte am Auto auf den Rest der Meute wartete, dass also dieser selbe Freund (sei gegrüßt, wenn Du es liest) mich damals via Email auch auf The Gaslight Anthem hinwies. Schon spannend, wie sich Sozialisationen ergänzen und austauschen können. Auf jeden Fall sind die Jungs hier wahrscheinlich meine erste große Myspace-Entdeckung gewesen, denn dort hörte ich „I‘da called you Woody, Joe“ auf und ab. Kurz danach lud ich dann – natürlich illegal – das Album aus dem Netz, um nicht bei der ersten Liveshow mir dieses Stück Kleinod zu sichern! Das Konzert war die mittlerweile wohl schon zur Legende verkommende Show im Münsteraner Bosporus Grill, einer gekachelten Dönerbude, in der eine zeitlang Punkrock und Hardcore Konzerte stattfanden. So auch an diesem Montag, dem 10. September 2007. Nachdem zwei Freunde aus dem Heimatkaff, in das ich zurück gezogen war, um meine Diplomarbeit in Ruhe zu schreiben, kurzfristig abgesagt haben, steuerte ich das Auto alleine durch die Nacht. Deny Everything und eine zweite Band – ich glaube aus Ibbenbühren – zockten vor weg und dann endlich, die erwartete Show von The Gaslight Anthem. Das einzige Mal, dass ich sie sah und sie „We‘re getting a divorce, you keep the diner“ spielten, wo sie am Ende noch längere Zeit „it’s allright man, I‘m only bleeding, man. Stay hungry, stay free, and do the best you can“ in den Raum sangen. Ein wahrlich schöner Moment. Dieses Konzert, ein Teil einer Legendenbildung um die Band, haben wahrscheinlich laut Partyerzählungen gefühlte 1.000 Menschen gesehen, an diesem regnerischen Abend waren es aber höchstens 70, die sich nach und nach in die Dönerbude klemmten.
The Gaslight Anthem - Sink or Swim
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Tex Haper – New Wave Country

Dem Kollegen Falk vom „Gestreckten Mittelfinger„-Fanzine gehört ein großes Dankeschön ausgesprochen, den guten alten Tex Haper ausgegraben zu haben. Der hat mit seiner Truck Stop Coverversion von „Country New Wave“ sicherlich musikvideo-historische Ausmaße erreicht, wie man bei Youtube mit Begeisterung nachverfolgen sollte (s. Video unten). Die passende Kolumne vom Falk dazu ist auch absolut lesenswert, nur leider waren Truck Stop die Komponisten des Songs, was den Text aber nicht schlechter macht und wahrscheinlich auch nur von einigen wenigen Truck Stop Nerds überhaupt enttarnt werden kann (ich sage nur „Rodeo“ 1982).

Noch großartiger ist allerdings die Homepage des nicht minder großartigen Tex Haper selbst, die ich einfach niemandem vorenthalten kann! So eine trashige Homepage habe ich im Leben noch nicht gesehen! Ich weiß gar nicht, für was für eine Klientel eigentlich so ein Webauftritt gemacht wird? Das sieht mehr aus wie CD-Werbung auf Eurosport nachts um 3:00 als ein seriöser Auftritt. Vor allem, da man sich bei jedem Besucht (ich dürfte heute für ca. zehn Klicks verantwortlich sein) die Erklärung, wie die Homepage funktioniert, wiederholt wird. Sicherlich nichts für den „wahren“ Fan, der die Einleitung wohl schon mitträllern kann. Und selbst für absolute Internet-Neulinge ist doch eine Beschreibung des Aufbaus nicht nötig. Wenn es Probleme beim Navigieren gibt, sollte man lieber die Homepage übersichtlicher gestalten!
Aber egal, der gute Tex führt durch das Programm, einige Jahre gealtert im Gegensatz zu dem fast 30 Jahre altem Video (man achte nur auf die beachtliche Plautze, die der Countrybarde mittlerweile vor sich her schiebt), und dennoch ein lockerer, kesser Bursche. Publikumsverbundenheit wird hier noch groß geschrieben, wahrscheinlich weil Publikum in der „Szene“ noch gleichbedeutend mit CD-Verkäufen ist (Ich erinnere mich an einen großartigen Truck Stop-Auftritt in Kaunitz auf dem Trucker Festival vor einigen Jahren, als die Schlange am CD-Stand immense Ausmaße annahm). Das Finanzen auf jeden Fall nicht völlig egal sind, hat er schon 2006 mit dem Song „Hallo Freunde, ich bin pleite“ zum besten zu geben.

Kurz habe ich überlegt, diesen Trash in die Reihe „All Time Favourites“ einzuspeisen, habe mich dann aber doch im letzten Moment dagegen entschieden. Auf jeden Fall springen einige gute Lacher dabei raus! Danke Falk!

Lieblingsalben: Hot Water Music – No Division

In dieser Reihe möchte ich unregelmäßig großartige Alben vorstellen, von Bands, die mir was bedeuten und von denen ich nicht genug bekommen kann. Nach dem Eintrag von Whiskey & Co. möchte ich heute anschließen mit dem ersten Album, was ich von Hot Water Music kennen gelernt habe, und zwar im Jahr 2000 das Album „No Division“.
Auch wenn ich mich vielleicht damit weit aus dem Fenster lehne, aber ich denke, dass ein Konzert das Leben von mindestens drei Personen am 8. Mai 2000 stark geprägt, wenn nicht gar verändert hat. Die Rede ist von der Show von Muff Potter und Hot Water Music im Münsteraner Gleis 22. Wir waren zu fünft nach Münster gefahren. Ich selbst kannte Hot Water Music zuvor nicht einmal und fand Muff Potter bis dato (pre-Bordsteinkantengeschichten) recht langweilig. Was aber auf diesem Konzert passierte, sprengte alle Erwartungen. Eine ausverkaufte Show, eine lokale Band, die ihr neues Album präsentierte (Muff Potter mit eben jenem Bordsteinkantengeschichten-Album im Gepäck) und danach eine (Emo-)Hardcore-Band, die den Laden erbeben ließ. Als wir uns nach einer schweißtreibenden Show am Auto wiederfanden hatten die meisten ein Album in der Hand: „No Division“ von Hot Water Music.
Euphorisiert und sicherlich auch angetrunken konnte ich nicht abwarten, zu Hause das Ding auf den Plattenspieler zu legen und meine persönliche Aftershow-Party zu feiern. Gesagt getan, Kopfhörer auf und volle Lautstärke, die Eltern sollten nicht unbedingt an dem Spaß beteiligt werden.
Hot Water Music - No Division
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Lieblingsalben: Whiskey & Co. – st

In dieser Reihe möchte ich unregelmäßig großartige Alben vorstellen, von Bands, die mir was bedeuten und von denen ich nicht genug bekommen kann. Anfangen möchte ich mit einer Band namens Whiskey & Co., wobei es in diesem Eintrag nur um deren erstes, selbstbetiteltes Album geht.
Aufmerksam geworden bin ich auf die Band durch einen guten Freund vor einigen Jahren. Zur selben Zeit habe ich allgemein das Label No Idea und wunderbare Bands wie Hot Water Music, Against Me! (zum damaligen Zeitpunkt), Unitas, Rumbleseat und andere entdeckt. Vor allem Unitas – mit Bandmitgliedern von Hot Water Music, Discount und anderen – und ihr Album „Porch Life“ haben es mir angetan. Souther Rock, der deutlich stärker von Uncle Tupelo beeinflusst war, aber dennoch ähnlich wie Rumbleseat (file unter: Chuck Ragan) wahnsinnig viel Energie hatten. Und genau da fing auch die Liebe zu Whiskey & Co. an.
Whiskey & Co. - self titled
Denn wie Samantha Jones (nur um das Namedropping hier mal langsam ad absurdum zu führen, war sie auch bei Bitchin‘ aktiv als Sängerin und Gitarristin) bei Rumbleseat, hat auch Kim Helm eine sehr warme und dennoch passende Stimme. Dazu gibt es einfachen alternative Country, der von Liebeskummer, Leben in Käffern, Alleinsein und Drogenkonsum singt. Dabei sind gerade die Texte sehr persönlich gehalten, es geht weniger um abstrakte Geschichten, die irgendwem passieren könnten, sondern viel mehr hat man das Gefühl, Kim Helm und die ganze Band um sie herum mal bei Seite zu nehmen und auf ein Glas Bier einladen zu müssen. Ein Mischung aus Verzweifelung, Aufgabe und dem typischen, irgendwie muss es dann doch weitergehen. Passend dazu schon der Opener auf dieser Platte, der Song „High Life“, der das wunderbare Zitat „I hope that the high life is more than me just getting high“ beinhaltet.
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Frau von Dachlawine getötet

In Hannover möchte mensch ja unter normalen Umständen schon nicht tot über dem Zaun hängen wollen, doch von einer Dachlawine erschlagen werden? Ist heute tatsächlich einer 82jährigen Rentnerin beim Gassi gehen mit dem Hund geschehen. Nach Konrad Kittner (Abstürzende Brieftauben) nun also schon die zweite Person, von der ich gelesen habe, dass sie in Hannover das Gassigehen nicht überlebt hat. Während es allerdings bei Konrad K. wohl das Herz war, traf die Rentnerin ein Eisblock vom Dach eines Mietshauses!

Für mich ist Dachlawine auch das Wort des Jahres und nicht Wutbürger, was ich, by the way, nie zuvor gehört hatte.

Meinen liebsten Poesialbumspruch …

… findet ihr natürlich hier nicht! Warum auch, habe ich doch mein Poesiealbum im zarten Alter von acht oder neun verloren! Bzw. verliehen und nicht wiederbekommen. Oder ist mir nur aufgefallen, dass ich nie eins hatte? Wer weiß schon, wer weiß schon! Gute Sache auf jeden Fall, es nicht mehr zu besitzen, es nie besessen zu haben oder einfach nur … gute Sache halt, denn seitdem schreibe ich einfach alles selber. Gute Nachtgeschichten, aufmunternde Worte, Kühlschranknotizen, über die ich mich am nächsten Tag freue, Wintergeschichten, Sommergeschichten, Herbstgeschichten und Geschichten über die Jahreszeit, die nicht schnell genug kommen und dann wieder gehen kann. Doch für den Fall, dass, und nur für diesen Fall, dass mir jemand wieder ein solches Buch denn reichen sollte, dem würde ich, wenn danach gefragt wäre unter die Kategorie „Lieblingsspruch (selbst gehört)“ Folgendes schreiben:
2. Januar 2011: „Auf Gleis 4 fährt ein, der IC nach Stralsund über Gelsenkirchen, Recklinghausen, Münster, Osnabrück, Bremen und Hamburg. In diesen Zug bitte nicht einsteigen, er ist voll!“
Großartige Idee einen vollen Zug einfach mal durch das Ruhrgebiet fahren zu lassen, für den Menschen auch ohne Platzreservierung viel Geld bezahlt haben.
Möglichkeit B.) – und ehrlich gesagt nicht vollkommen aus der Konkurrenz – ist die etwas dadaistische Kundinnenbetreuung der Bahn auf der Strecke Ruhrgebiet nach Berlin. Er käme in die Kategorie „Lieblingsspruch (aus zweiter Hand erzählt bekommen)“:
3. Januar 2011: „Nächster Halt Bielefeld Hauptbahnhof. Wir bitten alle Personen, die keinen Sitzplatz haben, diesen Zug zu verlassen. Wegen der Überfüllung können wir leider ansonsten nicht weiterfahren. Jede Person, die aussteigt, bekommt 25 Euro! Ihre nächsten Reisemöglichkeiten nach Berlin (…)“
Meiner Meinung nach ist das die neue Humoroffensive der deutschen Bahn! Und durchaus gelungen!

Humorvoll daneben gegangen ist allerdings meine letzte Lesung in Mülheim. Habe ich doch versucht mich als fertiger Typ zu präsentieren, um den begehrten Publikumspreis vom Richtungsding abzusahnen (wozu ich extra zwei Fans, die dann doch nicht für mich gestimmt haben, mit mir gebracht habe), stand doch auf meiner „Bewertungskarte“ nur: „Mika Reckinnen – Blickkontakt, flotter, anders, sympathisch“ (Zu finden hier: Richtungsding-Blog).
„Flotter“ … „anders“ … „sympathisch“ … ohne Worte! Immerhin war ich der einzige von ca. 20 Lesenden mit Bier auf der Bühne … „anders“ halt!