Archiv für Mai 2011

Hudson Falcons – Los Placebos in Essen und Oberhausen

Hudson Falcons – Panic Room in Essen (28. Mai 2011)
Los Placebos + Punk-O-Mat – Druckluft in Oberhausen (28. Mai 2011)

Samstagstristesse! Mal wieder. Irgendwie unschlüssig, ob in den Panic Room oder in die Druckluft. Oder doch zu Hause die zweite Staffel von The Wire durchexerzieren. Lange hin und noch länger her. Dann ab zu Fuß in Richtung Bahn, um nicht zu Fuß durch die Essener Einkaufsstadt zu müssen. Der unschönste Ort in der ganzen Stadt.
Im Panic Room passiert nichts, lange Zeit nichts. Das erste Grolsch seit Wochen und ansonsten draußen sitzen und den Frühsommer genießen. Die Vorband zu Hudson Falcons fangen irgendwann an, doch ihr durchaus guter Streetpunk zieht uns nicht von der Bank. Lieber noch nen Grolsch, aber wirklich fließen will es noch nicht. Dann noch mehr Wahl-Essener und der Abend gewinnt sehr schnell an Fahrt. Ein paar Minuten Hudson Falcons, Gewerkschaftspunk. Doch der Sound ist alles andere als gut, Texte zu verstehen ist unmöglich, nicht mal richtige Textfragmente. Es bleibt ein Typ, der so aussieht, wie ich mir einen US-Gewerkschaftler vorstelle. Nicht gerade groß, Bierwampe, Piratentuch. Großartig!
Danach die Diskussion, was nun? Der Klassiker! Spontan ab nach Oberhausen, doch anstatt Party wie geplant, erstmal Ska hören. Los Placebos spielen noch auf dem Antifa-Festival für russische Antifas. Überrascht mich immer wieder, wie die Soli-Projekte anlaufen. Scheinbar überall, was ja sehr cool ist! Vor allem, da einige Russen schon ihren Antifaschismus mit ihrem Leben verloren haben. Leider habe ich das Gefühl, dass Antifaschismus in anderen Gegenden der Welt genauso hart ist und keine Sau juckt ist. Das ist das Tragische an einem Schwerpunkt auf die Soli-Arbeit mit Russland. Aber egal, ist ja eine sehr gute Sache.
Los Placebos waren nicht sonderlich spannend, einige gute Rocksteady-Ska-Songs, aber der Funken will nicht überspringen, trotz Diebels. Doch dafür betreten im Anschluss Punk-O-Mat mit ihrer Punkrock-Karaoke die Bühne. Die Düsseldorfer geben einige Songs zum Besten (natürlich nur die eigenen … falls hier die GEMA spioniert, hahaha) und einige Gastsänger hatten das Repertoir echt sehr gut drauf. Auch Essen wurde auf der Bühne würdig vertreten, auch wenn ich nicht den Arsch in der Hose und die Stimme genug geölt hatte.
Dann nach Hause und am anderen Tag mit Kopfschmerzen zu einem familiären Auswärtsspiel. Samstage im Ruhrgebiet halt …

Pascow + Love Academy + Prinzessin Halt’s Maul + Alkar in Mülheim

Pascow + Love Academy + Prinzessin Halt’s Maul + Alkar – AZ Mülheim (21. Mai 2011)
Nachdem ich zuletzt doch mehrfach die erste Band verpassen durfte / musste / konnte, diesmal in der Kleinreisegruppe schon frühzeitig auf in Richtung Westen gemacht. Während Duisburg und Gelsenkirchen sich nach Kräften in Berlin maßen, ging’s von Essen nach Mülheim. Das ganze Ruhrgebiet on Tour, sozusagen. Allerdings viel zu früh! 19:00 Einlass mag zwar richtig gewesen sein, aber um 20:30 rührte sich noch nichts. Also hieß es Zeit tot schlagen, koffeinhaltige Mategetränke literweise in den Körper kippen und warten, warten, warten. Dafür dann aber am Plastic Bomb Plattentisch fündig geworden (Danke Nochmals fürs nachtragen und Bescheid geben!!!). No Respect, Kick Joneses und Gang Green, merkwürdige Kombination, Solemn League, Wipers und Pascow schon weniger, aber nicht die meinige. Immerhin, „I‘d rather drink than fuck“ endlich auf Vinyl, dazu „Human Scum“ und „Wer hat in meine 15 Bier gepisst“. Ohne Worte!
„Wenn es nur noch um Musik geht, ist alles ein Irrtum gewesen“ (frei zitiert) stand über dem Konzertraum und so richtig ich den Spruch auch finde … es könnte mal langsam um Musik gehen. Zeit, Zeit, Zeit.
Kickern, immer gut. Die ausgeschlagenen Stangen wiesen auf eine lange Tradition des Gerätes hin, machten es aber nicht bespielbarer. Egal. Tor, Gegentor, Tor. Das Übliche. Zwei Leute, die fordern. 6:0, 6:4. Wie im Tennis … Zeit, Zeit, Zeit, warten, warten, warten.
Wieder raus, Luft, Zigarette. Club Mate. Becks alkoholfrei wieder für mich entdeckt. Club Mate, Zeit, Zeit, Zeit. Schon fast so öde, wie für die Bands jeden Tag. Ollo erzählt von gestern, dann Essen. Wieder warten, warten, warten. Zeit, Zeit, Zeit. Schon jetzt der langweiligste Konzertbericht aller Zeiten und die Bands haben noch nicht mal angefangen. Besoffene Konzertbericht sind ja meistens kürzer. A: Weniger Erinnerungen, B: Zeit kürzer, denn unter Alkoholkonsum zieht sich Zeit bekanntlich zusammen. Das Leben wird kürzer. Oh weia, klingt ja schon fast nach Straight-Edge-Moralkeule. Schnell mal was Negatives dazu: Nüchtern zieht sich alles, wie Kaugummi unter Turnschuhsohlen (laaaangweiliger Vergleich …). Dann kommt Bewegung rein. Endlich, Konzert, Musik, Live.
Alkar als erster. Songwriter. Zeit vergeht nicht schneller. Elektrogitarre, Drumcompter. Nicht so toll. Obwohl der Herr später mit seinen Covern (Blumen am Arsch der Hölle, Superpunk und Billy Bragg) einen sehr guten Geschmack beweist, bis auf „1976″ und „neue Zähne für meinen Bruder und mich“ gefällt’s mir nicht sonderlich gut. Akustik und kein Drumcomputer vielleicht besser.
Egal, dann Prinzessin Halt’s Maul. Rockiger Hardcore, Black Flag meets Rote Suzuki (u.a. der Ex-Sänger singt dort). Ganz gut, aber so richtig will der Funke nicht überspringen. 1:0 für die Mitfahrerin, die schon beim Soundcheck den Bubonix-Song erkannt hat. Naja, sagen wir 1:1, Blumen am Arsch der Hölle gingen auf mich. So ist’s wenigstens ein elendiges Unentschieden.
Zeit vergeht jetzt aber wesentlich schneller. Das Warten lohnt ja eh … wie Weihnachten als Kind in der Kirche. Nur noch das durchstehen, dann Geschenke.
Love Academy erobern die Bühne mit Vox-Chefkoch Jörkk. Gefallen mir gleich wieder von Anfang an, kann man nicht genug herausstellen. Indiepunk, wie er sein darf, muss, soll (s. auch Lobhuldigung beim Kollegen Falk Fatal). Alles, was ich im Text zuvor (Wo? Hier!) noch an Punk, respektive Indie-Emo-“Punk“ kritisiert habe, hier wird’s richtig gemacht. Texte, zynisch, Abrechnungen, einfach nur gut. „Originell“ bringt mich immer noch bei jedem Hören zum Schmunzeln, zum Teil lachen. „Isch gann no fahrn“ … Klassiker! „Immerhin nicht um‘n Baum gewickelt“, wer kennt das nicht. So lange der Braindecoder funktioniert … schade war nur, dass die Herren scheinbar ohne Keyboarder unterwegs waren, zumindest konnte ich keinen entdecken (habe allerdings nicht hinter der Bühne gesucht). Den Vox-Auftritt hat man übrigens auch gleich tonal verarbeitet (auch wenn ich live den Text nicht verstehen konnte) und mit Chefkoch gleich noch nen schönen Song über Berufs(aus)wahl geschrieben. Alles einfach nur gut …
Dann wieder warten und langsam müde werdend … immer die gleiche Scheiße! Einfach nicht mehr der Jüngste. Dafür aber immer wieder begeistert, wie die Jungs von Pascow die Bretter, auf denen sie stehen, zerrocken. Mit „Schiffsbruch“ und „MS Pascow“ auch wieder zwei Songs im Programm, die ich noch nie (ersteren) oder zumindest schon lange nicht mehr (nur gefühlt?) gehört habe. Dazu wie immer „Fuck Off“ um die Instrumente einzustimmen, „Trampen nach Norden“ um das Set zu beenden und „Häuser der Reichen“ (war’s doch, oder?), um die Meute nach Hause zu schicken. Dazwischen einfach zu viele geile Songs („An die Maulwürfe“, „Weltordnung ist der Fuck“, „Paris fällt“), um hier alle aufzuzählen. Zwischendrin haben uns die lieben Menschen vom Plastic Bomb noch gesagt, dass sie gerne unsere Platten abgeben würden, da sie schon abgebaut hatten und nach Hause wollten. Ach ja, hatte ich schon geschrieben, weiter oben. Aber wer bis hier liest und so. Dann lieber hinten stehen geblieben … wippen, Lippenbewegen … ein Teil des Ganzens. Ethnologische Punkerbeobachtung, oder so ähnlich (was ein unnützes Geschreibsel, aber wenn es jemand interessieren würde, kann sie oder er ja nen Kommentar hinterlassen).
Pasocw, immer gut! Nur „Zuviel Berlin“ fällt mir beim Tippen der Zeilen auf, fehlte. Aber egal! Gut unterhalen, einen von der NASA fingerpointend abgeschossen und am Ende dann beinahe zuwenig Zeit. Zuwenig Zeit, um den nächsten Zug in Richtung Heimat zu bekommen. Daher nicht Tschüß oder Hallo gesagt … damn it, mit dem Alter auch noch unhöflich werdend, aber wir haben JA KEINE ZEIT!
Danke!
Wortwiederentdeckung des Abend: Einen Schwips haben!

Freiburg und Käfer K in Kamen

Freiburg und Käfer K – Jugendkulturcafé Kamen (14. Mai 2011)
Dortmund ist Deutscher Fußballmeister. Das ist mir eigentlich so etwas von Scheißegal, wer Meister wird. Auch wenn mir Dortmund – auch und gerade weil einige gute Freunde und Bekannte dem Verein die Daumen drücken … und das auch in den schlechten Jahren – immer noch lieber ist als andere Vereine hier im Ruhrgebiet, es muss doch nicht sein, dass die ekeligsten Fans an diesem Abend alle mit mir im Zug sitzen. Von rassistischen – auch und gerade gegenüber eigenen Spielern – und sexistischen Entgleisungen genervt, komme ich schon mit nem fetten Hals in Kamen an. Dann in dem hässlichen Kaff einige Minuten rumgeirrt. Kein Mensch, den ich nach dem Weg fragen könnte oder wollte. Dann von irgendwo Lärm. Soundcheck von Freiburg, der mich an den Ort geleitet.
Freiburg kommen aus Herzebrock-Clarholz (hier die Homepage) und sind für mich die legitimen Nachfolger von Turbostaat, vom Musikstil, von den Texten, von alles. Eine charismatische Band, die ich irgendwann mal vor einigen Jahren als Schülerband im Muck in Clarholz gesehen habe und mich bis heute wundere, wie diese „Tocotronic-Sound-A-Like“-Band es geschafft hat, kraftvollen, dynamischen und einfach nur zeitgenössischen (geiles Wort!) zu spielen (vgl. Review). Klar, das Rad des Punks erfinden sie nicht neu, aber für Anfang 20 sicherlich musikalisch schon viel weiter, als andere Bands. Und vor allem jammern sie nicht so viel herum über Probleme, die keine sind (s. u.).
Das JKC selbst ist an diesem Meisterfeier-Samstag nur schwach gefüllt. Vielleicht 30 oder 40 Nasen, die sich hier in die Peripherie des Ruhrgebiets verirrt haben. „Hallo“ gesagt, den paar Nasen, die ich kenne, und dann stehen Freiburg auch schon auf der nicht-vorhandenen Bühne. Jugendzentrumsflair, kritische Augen vom „Jenseits des Tresens“. Ich bin der einzige, der hier Malzbier trinkt. Und der einzige, der es, wenn er es bestellt, bekommt (file under: Insider!).
Freiburg spielen ein gutes Set. Da ich nur die Platte kenne, denke ich, dass die meisten – wenn nicht alle – Songs auch darauf zu finden sind. Die Leute freuen sich, Reaktionen außer bravem Klatschen gibt es kaum. Nicht mehr üblich, im Punkrock 2011. Naja, die Frage wäre ja, ob mir „pogen“ da lieber wäre. Ich zweifele.
Im Anschluss verquatsche ich meine Zeit. Käfer K kommen irgendwann auf die Bühne. Ein Freund hatte mir vorher abgesagt mit den Worten: „Ich habe den Fehler gemacht, da rein zu hören. Fahr mal lieber alleine!“ So schlimm ist es nicht, aber eigentlich genau das, was ich unter Kettcar’s Song „Im Taxi weinen“ verstehe: „Ein befindlichkeitsfixierter Aufstand, Hetero und männlich, blass und arm“. Emopunk, zeitgenössisch (nochmals verwendet, yeah! Wobei, eigentlich doch ein Scheiß-Wort). Was das alles mit der kämpferischen Anti-Position von Punk der 70er, 80er, 90er (?) Jahre zu tun hat, erschließt sich mir nicht mehr. Natürlich fies, dass jetzt an Käfer K (Nur Myspace-Page) auszumachen, denn für mich trifft das auf viele Bands zu. Matula, Willi Fog, man könnte beginnen und nicht mehr aufhören. Musikalisch gefällt mir das zum Teil durchaus (z.B. bei Matula), aber textlich und auf Dauer … das ist alles so harmlos. Das hören die eigenen Eltern und können es den V erwandten und Bekannten sogar als CD oder Schallplatte mal in die Hand drücken. Und, wie gesagt, hat meiner Meinung nicht viel mit Punk zu tun, auch wenn es in diesen Kreisen, die Strukturen und den Namen (Post-Punk) nutzt. Post-Punk, wie das schon klingt! Wenn Postbeamte-Punk spielen würden, so würde es klingen. Würde es „Post Grunge“ heißen, würde es mich nicht mal jucken, ich würde es einfach links liegen lassen. Es wäre auf Jugendzentren beschränkt und aus die Maus … drei, vier Jahre durchhalten. Oder kennt noch jemand andere Grunge Bands als Nirvana (Alice in Chains zählen nicht …)? Oder „Hamburger Schule“, auch ein Begriff, der passen würde. Wobei, so sehr Tocotronic musikalisch auch schwer zu ertragen sind, sie hatten politische Attitüde, die ich ihnen hoch anrechne, auch wenn es verkopfte Studierenden-Musik war und ist („Aber hier leben? Nein, Danke!“). Stattdessen also Käfer K, Post-Punk.
Langsam komme ich ja in ein Alter, wo ich Vater (theoretisch) von den Personen auf der Bühne sein könnte. Und da werden Texte (sowohl platt politisch als auch befindlichkeitsfixiert) schnell peinlich. Ein 20 jähriger, zwischen Schule und Studium, hat in Deutschland nicht wirklich Probleme. Klar, Herz-Schmerz-Scheiße … klar, Stress mir Eltern und Paukern … aber Probleme?! Nun ja, jetzt gehöre ich auch zu der männlich-hetero-weiß-und-Sonne-aus-dem-Arsch-strahlend-Sippschaft, die auf der ganzen Welt immer zu den Priviligierten gehört. Das ist mir bewusst und dennoch geht’s mir manchmal schlecht. Ja, und ich rege mich auch über Sachen auf, die so unwichtig sind, dass es eigentlich schmerzt. Aber, gleichzeitig bin ich auch ein mehr oder weniger politischr Mensch, versuche auch Zusammenhänge zu verstehen, zum Teil diese sogar (im Kleinen) positiv zu verändern. Ich habe das Gefühl, mein Hass ist wenigstens noch angepisst und nicht selbstbefindlichkeitsorientiert …
Doch nicht bei diesen Band. Rumgejammere … ein Thema für hunderte von Texten. Dazu noch der krasse Widerspruch, dass diese Bands meistens rotzbesoffen sind und sich vor Spaß kaum einkriegen. Das ist ja auch schön, dass sie glücklich auf der Bühne sind, aber dann sollen sie nicht so einen „ich-bin-so-unglücklich-keine_r_m-geht-beschissener-als-mir“-Texte machen.
Egal, Käfer K habe ich mir auf jeden Fall nicht bis zum Ende angesehen. Vielleicht im Herbst oder Winter … aber nicht so. Und ich weiß, dass ich der Band nun wahnsinnig unrecht tue und sie meine generelle Kritik an dem Musikstil abbekommen haben. Ich zahle euch beim nächsten Mal nen Bier im Austausch gegen ein Lächeln, versprochen!

Tourbericht: Münster – Köln – Düsseldorf – Peine

05. Mai 2011 – MÜNSTER
Wir lungern lange noch in Göttingen herum, kommen morgens nicht wirklich in die Gänge. Wie jeden Morgen. Auf dem Wagenplatz zieht auch erst langsam Leben, allerdings weniger als ich erwartet hätte. Dann aber endlich, die Autobahn hat uns wieder und quer durch die Republik kommen wir doch gut durch nach Münster. Erstmal beehren wir unsere edle Gastgeberin, machen uns frisch und dann ab zur Frauenstraße 24. Hier wird fast alles schief gehen, was schief gehen kann. Die Werbung wurde irgendwie verkackt (außer in den Stadtmagazinen), sodass am Ende leider keine zahlenden Gäste außer ein paar Freunden und Bekannten da sind (insgesamt vielleicht sechs oder sieben Leute, ich kam mit dem Zählen nicht mit). Freunde vergessen das Datum, andere sind unterwegs. Keine guten Vorraussetzungen. Don Chrischan und ich wechseln die Reihenfolge, aufgrund von Harndrangs bleibt es bei mir bei einer Kurzgeschichte (über die verstorbene Wirtin von Butt’s Bierstube), danach DJ Tulpe & der fette Mann. Hier immerhin ein okayer Auftritt, doch den Schlachtruf des Abends mimt der fette Mann beim Abgang von der Bühne: „Und jetzt saufen wir Münster leer!“.
So viel sei gesagt, dass gelang uns leider nicht. Mit allen Zuschauern ging es dann in Richtung Butt’s Bierstube. Zum Empfang lief Hans Albers, gefolgt von einem Truck Stop Smash-Hit. Ich fühlte mich einen Moment doch gut, der Abend schien gerettet. Doch das war’s dann auch schon an Positivem. Mittlerweile unverschämte vier Euro soll das Frischgezapfte kosten, kopfschütteln. Wir gehörten zu den Ältesten in der Kneipe, Gentrifizierung, hier hat sie stattgefunden. Aus der Kultkneipe ist eine Studierenden-Kneipe mit Abfuck-Image geworden. Ekelig!
Also schnell Bier geleert (schmecken tat’s hier noch nie) und noch ein wenig Essen eingeschoben, dann ab hinter den Bahnhof. Dort tun sich allerdings auch nur noch menschliche Abgründe auf. Frauen, die die Kniffelregeln im Suff nicht mehr verstehen und dafür ekeligst von zwei Männern ermahnt werden („Nur dreimal Würfeln!“), Männer, die so ekelig voll sind, dass einem Angst und Bange wird, und alles in allem ein gar ungastlicher Ort. So siegt irgendwann die Müdigkeit und die Erschöpfung und ab in die Koje.
Kinderzimmer in Münster

06. Mai 2011 – KÖLN
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Tourbericht: Hamburg – Braunschweig – Göttingen

Hamburg – Braunschweig – Göttingen
02. Mai 2011 – HAMBURG
Endlich geht es richtig los. Montagmittags, irgendwo in Kreuzberg / Friedrichshain. Fünf Leute besetzen ab mittags nach und nach den alten Dacia und machen sich auf den Weg nach Hamburg. Wir sollen im Gängeviertel lesen, ein Ort, über den ich schon viel gehört und gelesen habe. Ich bin gespannt, wie es dort aussieht, was für Leute kommen werden. 2009 war das Viertel besetzt und so vor dem Abriss gerettet worden. In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes in der Neustadt gelegen ist es das letzte Gebäude-Ensemble mit älterer Bausubstanz. Seit der Rettung durch die Besetzung, die dann die Stadt unter Druck setzte und das Gelände von niederländischen Investoren zurückkaufen ließ, gilt das Gängeviertel als eines der alternativen Zentren in Hamburg und möchte bundesweit auch als wichtiges Signal gegen Gentrifizierung und Verdrängung verstanden wissen. Dass das Gängeviertel mittlerweile auch von der Stadt vereinnahmt wird, dass es Tourist_innen anzieht etc. sind leider die negativen Begleiterscheinungen (mehr Infos zum Gängeviertel).
Gängeviertel Hamburg
Dank Navigation finden wir die Druckerei im Gängeviertel, in der wir abends auftreten sollen, problemlos. Außer „biegen sie jetzt halbrechts ab“ verstehen wir uns mit dem Gerät prächtig. Doch als wir dann so vor dem Gängeviertel stehen, bin ich schon ein wenig überrascht. Hätte ich mir das Gelände doch größer und irgendwie anders vorgestellt. Nichts desto trotz bietet das Viertel mit der Fabrik und der Druckerei zwei sehr schöne Räumlichkeiten für Konzerte, Lesungen, Partys etc.
Merchandise DJ Tulpe & der fette Mann / Mika Reckinnen / DonChrischan
Da Hamburg erst kurzfristig wenige Tage vor dem Beginn der Tour klar gemacht wurde, sind wir positiv überrascht, dass knapp 20 Leute zu der Lesung kommen, darunter einige Bekannte und Freunde in der Hansestadt. Mit „Der Blumenstrauß“ (s. Pankerknacker #25 – einfach hier ordern für 3 € + Porto) und „Geht’s noch elendiger“ lese ich wieder zwei Texte, die ihre Live-Premiere haben. Letzterer kommt aufgrund der Verbindung von „Sex“ und Unglück recht gut an … Don Chrischan ist allerdings definitiv in besserer Form, trotz andauerndem Röcheln ins Mikrophon. Alles abräumen werden dann aber DJ Tulpe & der fette Mann. Ein guter Abend, ein guter Start. Wir verkaufen sogar Merchandise wie Fanzines, Buttons und CDs. Der fette Mann und ich unterliegen dann bei „Bierchen“ am Kicker mit einer fast unterirdischen Leistung gegen diverse St. Pauli-Fans. Wir entscheiden uns, mit den anderen ins Hostel nebenan zu gehen, einer WG, die nur aus Matratzen besteht und in der wir mit einer Gruppe Kölner aus dem AZ-Kalk nächtigen. Ich lerne, was ein polnischer Abgang ist, vertreibe mit meinem Schnarchen diverse Personen aus meinem Raum.
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Lesetour: Auftakt in Berlin

Donnerstags Nachmittag, ich sitze im Zug nach Berlin. Elf-Tage-Tour mit Don Chrischan und DJ Tulpe & der fette Mann, acht Auftritte in Nord- und Westdeutschland. Ich bin schon nervös, weil ich keine Vorstellung habe, wie es werden wird. Bisherige Lesungen waren immer in mehr oder weniger familiären sprich freundschaftlichen Umfeldern, hier allerdings sind viele, viele Unbekannte, die mir wahrscheinlich begegnen werden. Doch trotz der Nervosität freue ich mich aber auch wie wahnsinnig. Um kurz nach sechs am Donnerstag schlage ich bei Don Chrischan auf, der noch eine Kurzgeschichte für den Abend vorbereitet. Dann geht’s los zum Trickster, DJ Tulpe und der fette Mann sowie Tobi sind schon vor Ort und haben aufgebaut. Einige „Hallo’s“ werden ausgetauscht.
Tourplakat im Trickster, Berlin
Das Trickster ist eine kleine und sehr feine Kellerbar, in der sich an dem Donnerstag ohne große Werbung gute 30 Personen verirren, darunter viele Freunde und Bekannte. Don Chrischan und ich entscheiden, gemeinsam auf der Bühne zu sitzen und abwechselnd zwei Geschichten zu lesen. Dadurch kann sich ungewollt eine Dynamik auf der Bühne entwickeln mit „beschissenen Zwischenkommentaren“ und allgemeiner Rumblödelei. Immer an der Grenze des debil Schwachsinnigen, so die Hoffnung. Stellt sich aber auf der Tour kaum ein, leider. Ich lese zwei neue Geschichten, die okay ankommen. Vor allem bei „ur-westfälisch“ hat mich mittlerweile die Realität eingeholt und ich werde sie wohl umschreiben müssen, da sonst Familienmitglieder wütend auf mich werden könnten, haha.
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