Archiv für Juni 2011

Fanzine – A Parasites Life

Das Human Parasit vom Bäppi war eines der besten A5er Zines, die es in Deutschland gab. Das Heft würde ich vor jedem besoffenen Punk verteidigen, der anderes erzählt. Die Nummer 10 ist vllt. das beste, selbstreflektierteste Hefte, das ich je in meinen Händen hielt. Manchmal hat man schon fast das Gefühl, den guten Menschen besser zu kennen, als sich selbst. Gespannt war ich daher, was sein neues Heft werden wird. Das „A Parasites Life“ ist der Versuch, die Qualität des Human Parasit auf Englisch fortzuführen, um nicht nur mehr beschränkt auf den Austausch mit Deutschsprachigen zu sein. Ein holder Vorsatz, der über weite Strecken in dem Debüt sehr gut umgesetzt worden ist. Das Heft hat darüber hinaus einen Themen Schwerpunkt Schweden und es werden u.a. die subjektiv besten Singles und Platten aus dem Land von Micha Krieger vorgestellt, Bands wie Sista Sekunden, Dörrterror und Beyond Pink (das Interview gab es allerdings schon in einem der letzten Human Parasits auf deutsch, für die Fremdsprachenscheuen unter euch) vor’s Mikro gezerrt. Drum herum gibt es alle möglichen Infos über besetzte Häuser (plus Interview mit Oi Polloi), über einen Punk der nach Schweden ausgewandert ist, über schwedische Eigenheiten (Astrid L., Roxette, Stefan Edberg – meiner Meinung fehlt da allerdings der obersympathische Henrik Larsson) und jede Menge weitere Texte. Kritisches gibt es über Ikea und H&M, deren Unternehmensgeschichte bzw. Verkaufsphilosophie erklärt werden. Zu H&M gibt es dann auch ein Interview mit einer ehemaligen Angestellten, die Inside-Sichten präsentiert.
Sehr geil finde ich den Test, zwei Schweden auf deutschsprachigen Punk stoßen zu lassen. Liest sich sehr gut. Und zu allem Überfluss gibt es noch eine CD mit vielen spannenden Bands, die ich allerdings mangels CD-Player noch nicht gehört habe. Aber mit Invasionen, Regulations, Sista Sekunden und Masshysteri sind allein vier Bands auf der CD, von denen ich zuletzt Tonträger angeschafft habe, weil sie mir so gut gefallen! Asta Kask, Kamikatze, Refused und The Hives (mit ihrem besten Song!) mal erst gar nicht erwähnt (und wer sie als MP3 möchte, findet sie hier). So sieht das Cover zum Beispiel aus:
A Parasites Life - CD Sampler
Das einzige Manko dieser Ausgabe ist, dass sie weniger persönlich ist, als die letzten Zines von Bäppi. Die Einleitung und der Schluss über die eigene Beziehung wirken auf mich leider sehr holprig. Das finde ich sehr schade und vielleicht macht es ja Sinn Zines abwechselnd in Deutsch und Englisch zu publizieren?! Dennoch, saugutes Heft und jede, die nur rudimentär englisch versteht, sollte sich das Zine zulegen.

Link zu der Website A PARASITES LIFE BLOGSPOT

Ruhrpott Rodeo – Hünxe [Teil 2]

Ruhrpott Rodeo – Hünxe (11. Juni und 12. Juni 2011)
Tag 2 mit: Antirockstars, Left for Dead, Alarmsignal, Modern Pets, Rasta Knast, The Movement, Dödelhaie, The Damned, Razzia, The Adicts, Lokalmatadore, Misfits

Ein Tag, der mit Kopfschmerzen beginnt und der Frage, wie kommen wir eigentlich zurück zum Rodeo? Dann eine ausgiebige Dusche, Frühstück mit Ei … Dekadenz, dafür verpasst man dann auch mal Jello Biafra. Die ersten beiden Bands (Antirockstars waren Betontod, die ich zwar ganz gerne ausgelacht hätte, aber dafür stressen? Nein, Danke!) und Left for Dead verpasst und „passend“ zu Alarmsignal angekommen. Ganz „witzige“ Jungspunde, deren Musik lahmer Deutschpunk war und deren Ansagen auch nicht so wirklich gut waren. Wen wundert’s, dass es der Meute wohl doch gefiel. Stattdessen lieber Plattenstände frequentiert und immerhin die Psychotic Youth Platte gesichert. Was will man mehr?
Modern Pets hätte ich auch gerne gesehen, aber wie so oft, zwischen Auto und Bühne irgendwie fest gequatscht und dann … Band fertig, als man wieder auf dem Gelände angelangt. Dumm gelaufen!
Als nächstes Rasta Knast. Eine Band, die mich Ende der 90er mal eine zeitlang begleitet hat und deren ersten Alben ich sehr gut finde. Sicherlich bin ich einer der vielen, die schwedischen Punk von Asta Kask, Troublemakers, Strebers und Radioaktiva Räker erst durch die Band aus Celle/Hannover schätzen und lieben gelernt hat. Nicht selten singen bei den genannten Originalen in Deutschland die Leute die Texte von Rasta Knast. Schon skurril. Aber, durch die vielen Umbesetzungen ist die Band schnell fremd geworden, Bravo-Diskussionen etc. haben sie auch nicht sympathischer gemacht. „Es mal wissen wollen“ … jaja. Heute sind Rasta Knast für mich ein Symbol für Punk 20xx … in der Regel nur noch überflüssig! So war dann auch die Show, einige gute Songs, ja, aber irgendwie … vielleicht ist’s auch nur mein Alter, hehe.
The Movement im Anschluss hatten dann mit dem Leatherface-Phänomen zu kämpfen. Eigentlich eine großartige Band, eigentlich ein guter Zeitpunkt, aber kaum eine Sau interessiert sich für die Band (im Vergleich zu anderen). Ihr kraftvoller Powerpop/Mod/Punk (Link) ist auf jeden Fall großartig und die Stimme von Sänger Lukas Sherfey hat mittlerweile auch eine Stimme bekommen … meine Fresse, gurkelt der jetzt mit Rasierklingen, während er The Jam summt? Unglaublich!
Danach wieder: „Rette sich wer kann“! Nachdem ich nach dem Ruhrpott Rodeo schon gestehen muss, dass ich einmal im Leben die Kassierer gesehen habe, möchte ich das nicht über die Dödelhaie sagen müssen. Schnell wieder zum Parkplatz, Trinken, Quatschen, Fröhlich Sein! Als wir zum Festivalgelände zurückkehren kommen uns tausende von „Punk-Zombies“ (großes Wort) entgegen. Gruselig, aber die Dödelhaie hatten aufgehört zu spielen.
Es folgte ein völlig durchschnittliches Set von The Damned. Captain Sensible und Co waren alles andere als spannend. Klassische Rockmusik, lahm und selbst „Smash it up“ am Ende konnte dieses Set nicht retten. Lahme Rockmusik, wie ich sie von 100jährigen auch erwartet hätte. Reihen sich nahtlos in eine Reihe mit 999, UK Subs, Vibrators und anderen langweiligen Rockopas. The Damend schauen war eher wie „Rolling Stones“ sehen, nur mit anderem Publikum.
Der Oberschreck waren aber die folgenden Razzia. Razzia sind eine Band, die ich sehr schätze. Vor allem das letzte Album „Relativ sicher am Strand“ finde ich phantastisch. Guter Punkrock, gute Texte! Klar, „Ausflug mit Franziska“ und „Tag ohne Schatten“ sind Meilensteine der Hamburger – wenn nicht gar deutschen – Punkgeschichte. Aber so sehr ich die beiden Platten auch mag, musikalisch und textlich waren sie mir auf den letzten Alben wesentlich näher. Daher war ich auch etwas enttäuscht, als es hieß „mit Original-Sänger“ und „Hits aus den 80ern“. Was es dann gab, waren genau Songs von diesen beiden Alben und die Meute feiert es ab. Für mich begann schon beim Beginn fremdschämen! Eine völlig überdrehter Sänger (sagen wir mal nett, viel Adrenalin und bestimmt keine Drogen …), eine Band, die sich weniger bewegte als Status Quo und alles in allem ein Beigeschmack von Leichenfledderei. Das war einfach nur fies, nur peinlich, nur … oh man. Als sie im November 2003 in Gütersloh (bei Cable Street Beat) spielten, war das großartig! Eine gute Band, ein guter Gig. Aber hier … auf dem Festival?! Nicht mal unter nostaligischen Gesichtspunkten kann man das gut finden. Aber egal, meine Einzelmeinung, der Masse gefällt es. Aber der Masse gefiel auch der Zweite Weltkrieg!
Und dann, wann immer man am Boden liegt, manchmal ein Lichtlein hinein fliegt. Bei The Adicts hätte ich mit einer ähnlichen Performance wie bei The Damned gerechnet. Doch von Anfang an verstand diese Band, dass Publikum zu unterhalten. Seien wir ehrlich, The Adicts hatten zwar einige „Hits“ (Viva la Revolution, Chinese Takeaway, Joker in the Pack, Straight Jacket), aber so der Knüller waren sie auf Platte nicht wirklich. Aber was sie live boten, Konfetti, Bälle, Bänder, Schnipsel, Kanonen, ein Sänger in Bestform … das musste einfach mitreißen. „You‘ll never walk alone“! So kann Punk auch nach über 30 Jahren noch Spaß machen, eine Band die von Anfang an Gas gab und rockte! Da störte das ganze „Rockmusik“-Gehabe mit Händeklatschen und Mitsingen überhaupt nicht. Es passte einfach und für ein Festival auf jeden Fall okay.
Da war es für die Lokalmatadore schwer, noch mitzuhalten. Dennoch ein okayer Gig der totalen Prolls. Ich weiß nicht warum, vielleicht sind es die Schlagermelodien, das völlig-überzogen Asoziale oder einfach nur der Fußball-Proll in mir, irgendwie gefällt mir die Band. Klar, das geht nur mit Verstand abschalten und ein paar Sachen überhören … und ich weiß auch, dass man solche Musik nicht ernsthaft hören kann, doch kaum eine andere Schlagerband zaubert mir ein solches Lächeln auf die Wangen. „Geh‘n wie ein Proll“.
Misifits haben wir dann nach zwei Songs hinter uns gelassen. Mässiger Sound, langweilige Band. War ich noch nie Fan von und den Rummel habe ich auch noch nie verstanden.
Was bleibt war ein perfekt organisiertes Festival (Umbaupausen von 10 Minuten, die auch eingehalten worden sind – pünktlich-deutsch halt), wenig Licht und viel Schatten bei den Bands, ein Busshuttle der Scheiße war und den man defenitiv besser bewerben und organisieren sollte, ein Publikum das nur gaaaanz wenig Licht bot und alles in allem schön dabei gewesen zu sein, aber beim nächsten Mal nur, wenn das Line-Up noch nen Tacken besser ist. Rentner-Punk habe ich auf jeden Fall für die nächste Zeit genug gesehen …

- der Photo-Teil kommt wann anders -

Ruhrpott Rodeo – Hünxe

Ruhrpott Rodeo – Hünxe (11. Juni und 12. Juni 2011)
Tag 1 mit: Abfukk, The Grit, Emscherkurve 77, Jaya the Cat, Pascow, Leatherface, Knochenfabrik, Distemper, Die Kassierer, Dwarves, Troopers, Jello Biafra & tgsom

Die Vorfreude auf dieses Festival war schon im Vorfeld groß, spielten doch einige meiner absoluten Lieblingsbands … und einige andere. Im Vorfeld daher Werbung für das Festival gemacht und so auch gefreut, dass viele Freund_innen und Bekannte auf dem Festival rumliefen. Entsprechend heiter ging es mit ein paar Dosen Hansa Bier (wegen Flaschenverbot) schon früh am Samstag los. Denn mit Abfukk spielte zu Beginn gleich eine Band, auf die ich mich freute. Vor gut einem Jahr hatte ich sie als Vorband zu Vitamin X (Link zum kurzen Artikel) gesehen und sie hatten mich umgehauen. Aggressiver, rotziger, deutschsprachiger Hardcore (u.a. mit dem Sänger von Sniffing Glue und Leuten von The Italion Stallion) wie er sein sollte. Kein langes Geklimper, keine Gefangenen. Auf der aktuellen Single auch noch großartiges Hardwork mit Dr. Helmut Kohl auf dem Cover, wie er versucht, die Eierwerfer_innen selbst mit seinen Fäusten niederzuprügeln. Kein grüner Waschlappen-Punk a la Jockel Fischer, nein, hier gibt’s auf’s Maul und das auch live! Von den hunderten Irokesen, Nackten, Rotz-Besoffenen und Assis, die ansonsten auf dem Festivalgelände rumtorkelten wie Zombies, zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu sehen. Hier noch ein Link zu einem Interview mit Sänger Marcel fürs Pogoradio.
Es folgten The Grit. Tja, Rancid meets Social Distortion meets ____ (file in: Gerade angesagte Punkrockband wie Broilers, etc.) … einfach nur arschlangweilig, vorhersehbar. The Grit haben wahrscheinlich eine große Karriere vor sich und sie würden es auch Karriere nennen. Rocknroll ist halt Punk geworden oder andersrum. Da konnte auch der Konzertbass nicht viel retten. Autofahrmusik (Link zu Ruppert Murdoch spare ich mir). Da sich die Hälfte der Belegschaft überlegte, doch das Risiko eines angeschissenen Zeltes einem gemütlichen Frühstück mit Brötchen, Eiern und Käse vorzuziehen, gleich zurück zum Auto.
Dadurch auch gleich zwei Bands verpasst, auf die ich eh kein Bock hatte. Emscherkurve 77 und Jaya the Cat. Von letzteren hörten wir wenigstens noch die Ska-Klänge zum Ausklang.
Mittlerweile wurde es auch wieder voller und „everybody’s darling“ Pascow erstürmte die Bühne. Da die Jungs hier ja auf diesem Blog schon zur Genüge abgefeiert worden sind, hier nur ein Verweis auf ältere Texte (z.B. den hier, oder den oder den).
Auf jeden Fall die beste „Phase“ des Festivals, Pascow, Leatherface, Knochenfabrik. Dachten sich viele weitere, sympathische Menschen, nur nicht der Großteil des Pöbels. Was mich allerdings eher freute. Während also auf dem Campingplatz das erste Faßbier-Exen, Ratte-durch-die-Gegen-balancieren oder aber Rodeo-Reiten-Für-Nackte(-mit-und-ohne-Iro) stattfand, erklommen die Heroen aus Sunderland die Bühne. Was folgte waren viele Hits, viele neue Songs und am Ende das Gefühl, dass es viel zu kurz war. Kein Springtime, kein Hops & Barley, kein Pandora’s Box, kein Watching You Sleep, aber dennoch ein großartiges Set (mit Dead Industrial Atmosphere, I want the Moon, Leningrad Vlad, etc.). Großartig, getanzt und erschöpft danach wieder an den Bierstand. Knochenfabrik musste ich mir wirklich nicht aus der 1. Reihe geben. Mit Kollegem Schlammrock wurde während des Sets der Kölner lieber über Punk 2011 philosophiert (Einigkeit bei: Hier auf dem Ruhrpott Rodeo nicht zu finden … auch nicht am anderen Tag bei Razzia oder sonstwo) und sich soweit es noch nötig war, über die Leute um uns herum lustig gemacht. Häufig hat unkommentiertes Beobachten aber voll ausgereicht. Zum Beispiel: „EC Zahlung möglich“ Hinweise am Nix Gut Stand. Oder Werbung für „Oi-Melz, Emscherkurve 77, Gunther Gabriel“-Konzert in Dortmund. Man muss nicht alles gut finden, was eh schon Scheiße ist … oder so.
Distemper wurden ebenfalls mit Nicht-Beachtung bestraft, ihr Skapunk war so gefährlich wie der Plüschköter (oder sollte es ein Wolf sein) auf der Bühne und alles wartete nur auf die Kassierer. Von der illustren Reisegruppe aus der ganzen Republik (also, alles nördlich von Köln – aber versteht sich ja von selbst) hatten tatsächlich alle außer mir die Band schon mehrfach gesehen. Tja, da muss man sein halbes Leben mit Punk verbringen, eine 3 vor die Altersbeschreibung setzen und dann sieht man die Leute aus Wattenscheid live. Ehrlich gesagt, hätte ich mir auch schenken können. Wölfi hatte ich immerhin mal vor meinem Wohnungsfenster stehen gehabt und ca. eine Viertel Stunde beobachtet, im echten Leben sozusagen. Oder mit Buchse! Hier auf dem Rodeo allerdings das übliche Spiel. Hose aus, Songs zum Mitsingen, Textblatt in der Hand etc. War nichts besonderes und ziemlich belanglos, um ehrlich zu sein, auch wenn ich mich besoffen schon amüsierte. Wofür ich mich im Nachhinein auch ein wenig schäme, hahaha.
Es folgten Dwarves, wenig spektakulär, keine Zwerge auf der Bühne zu sehen und musikalisch nichts, das mich vom Hocker riss. Also verschwanden wir, Müdigkeit, Aggregatzustand und alles in allem … im Arsch … schade, Herrn Biafra hätte ich mir gerne noch gegeben.

- Lesen Sie morgen … oder übermorgen … oder wann anders … Tag 2 -

Fanzine – Schlammrock #5

Dem lieben Hoeppi ist es zu verdanken, dass gerade Schleimkeim aus meinen Monoboxen des Laptops krachen. Schleimkeim (eine Fanseite mit Diskographie findet sich hier und hier) sind mir das erste Mal ca. in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre über den Weg gelaufen. Ihre EP „Drecksau“, die wir der einst für’s Strafraumpogo zum besprechen bekommen haben, gefiel mir allerdings überhaupt nicht. Dann schon lieber die Songs von nem Tape, was bei mir rumflog. „Ata, Fit, Spee“, „In Gotha gibt’s nen Laden“, „Spitzel“ und so weiter. Es müsste sich um die LIVE-CD „Mach Dich Doch Selbst Kaputt“ gehandelt haben, was mir irgendjemand auf Kassette (für die Jüngeren: MP3 auf Band!) gezogen hatte. Vor allem der Song „Geldschein“ gefiel mir aufgrund des relativ guten Textes, verglichen mit dem Geprügel der anderen Songs. Wie geil minimalistisch die Band war, was ein Geschrammel. Das war mehr Punk als alle anderen Bahnhofspunks, die einen so mit 15 / 16 noch umgaben. Egal, dieser Band um Sänger Ötze (der ja bekanntlich seinen Vater mit der Axt erschlug, bevor dann aus der Psychiatrie nicht mehr lebend heraus kam) wird im aktuellen Schlammrock abgefeiert. Nicht zu unrecht, nicht zu unrecht!
Dazu kommt ein äußerst spannendes und informatives Interview mit dem MediBüro Berlin (klickt mensch hier), das medizinische Hilfe für Undokumentierte (zumeist Flüchtlinge) organisiert. Aus dem Bewusstsein Linke Politik zu machen und gleichzeitig konkret Menschen zu helfen, ist dieses Projekt entstanden, mit der politischen Agenda, sich im Grunde selbst abzuschaffen, da es Strukturen in der Politik verändern will. Leider ist es davon noch weit entfernt, aber auch die individuelle Nothilfe bis dahin ist sehr, sehr wichtig.
Dazu Berlin-Zoten über Eisbär Knut und Renate Künast (beide richtig gut!), Monster Magnet werden abgekultet (gibt’s schlimmere Bands???) und es gibt ein paar Kurzgeschichten von mehr (Link), ein wenig (kein Link) und gar nicht (Link) talentierten Künstlern … ach ja, und am Ende zerstört der Weihnachtsmann das KaDeWe … geht’s besser?
Für 1,50 sehr gute, kurzweilige Lektüre! Jetzt kann EHEC aber auch wieder weggehen, Hefte ist durchgelesen! Wir sehen uns bewaffnet auf den Ruhrpott Rodeo!

Bestellen bei:
hoeppi77
(ä) web.de

25 Trust-Fanzine mit Sex Jams, Leatherface und No Means No in Bremen

25 Trust-Fanzine mit Sex Jams, Leatherface und No Means No – Schlachthof in Bremen (3. Juni 2011)

Es sollte sich ereignen zu einer Zeit, in der das Trust-Fanzine aufrief, das 25 jährige Thron-Jubiläum in dem Schlachthof zu Bremen zu feiern. Muntere Reisegruppen aus dem ganzen Lande, Gesell_innen des Propheten und Angehörige diverser Sub-Zirkel des Alternativen Musikgeschmacks machten sich auf, sich derer drei Bands zuvergegenwärtigen. Die Pilgergruppen trafen schon in Scharen weit vor der eigentlichen Verkündigung musikalischer Künste ein, labten sich an seltsamen Gebräuen (sie gaben den Gesöffen Titulierungen wie Beck’s, Haake oder ähnlichem) und redeten über Dinge, die nicht in den Zeitungen Verbreitung fanden … oder doch eben genau da („What the EHEC?“).
Trust-Fest - 25. Jahre Trust-Fanzine
Doch schon zu sehr früher Abendstunde erklommen die ersten Gaukler_innen die Bühne, die aus dem orientalischen Wien angereist waren und dem Publikum Noisepop boten. Ihr Name war „Sex Jams“. Da das Zelt des Schlachthofes zwar offen, aber nur spärlich frequentiert war, sprang leider nicht der Funke herüber. Die meisten Anwesenden genossen die Band im Sitzen auf den Stufen des Schlachthofes. Auch wenn sich die Band an Milemarker orientierten, es war leider zu wenig New York und mehr Neo Vienna, aber vielleicht war es auch einfach in der Zeit noch nicht weit genug fortgeschritten.
Mit der Zeit nahm auf jeden Fall der Alkoholpegel des Narren zu, der diese Zeilen fabriziert. Eine Gruppe Tanzaktrobaten namens Leatherface aus einem fernen Ort, der auf den Namen Sunderland (merkwürdigerweise Zanderländ ausgesprochen) erklommen die Bühne, die wohl wie keine zweite einen guten Soundtrack für alkoholhaltige Zaubertränke bietet. Wie die anderen Künstler_innen an diesem Tage, murmelten sich auch in der komischen Geheimsprache, die später von jemanden als „Englisch“ beschrieben wurde. Es schien, als wäre diese Sprache den Akrobat_innen, Gaukler_innen und Tänzer_innen auf der Bühne vorbehalten. Egal, dieses Englisch wurde im Gegensatz zu Sex Jams nicht von einem Weibsbild, sondern von einem Mannsbild gesungen, der sich im mittleren Alter befand. Ein erfahrener Magier (Frankie Stubbs), dem und dessen Gruppe ich in der Vergangenheit einige Male begegnet war. Sah er beim letzten Mal noch aus, wie Old Charly Marx, hatte er sich von dem örtlichen Barbier wieder etwas Gesicht in den Kopf meißeln lassen. Im Gegensatz zu den Sex Jams gab es nun viel mehr Melodien und ein Set, das die Schaffensphase der Truppe vor allem aus der letzten Dekade stärker betonte. Doch bei den ersten akkustischen Tönen von Springtime (ein Magier nehmen übersetzte mir den Text, es ginge um „Frühling im Kopfe“) war leider das Schlachthaus bei Weitem nicht gefüllt. Die Prozedur des „Leerspielens“ von Konzerthäusern, ein altbekanntes Faktum, wurde an diesem Tage mit dem Contrarii „Vollspielen“ in mehreren Bedeutungen des Wortes erwiesen. Leatherface sind und Bleiben musikalische Götter, ein Gespür für Melodie, ein Gespür für Melancholie … großartig! Auch mit den Songs vom neuen Album werde ich Live immer wärmer, v.a. die Auswahl („God is dead“, „Never say Goodbye“, „Broken“, „Diego Garcia“) sind wirklich tolle Songs … (klar … Mush und so … besser … und so). Die Begeisterung drückte sich auch darin aus, dass die Reihen vor der Bühne sich füllten, Menschen im Publikum in diesem Englisch die Texte mitsangen und einige ihre Tanzbeine über den Boden bewegten. Finger wurden in die Höhe gereckt, v.a. bei „I want the moon“. Das soll heißen: „Ich will den Mond“ und die Finger reckten sich auch in die Richtung, wo der Mond an diesem Abend aber noch lange nicht scheinen sollte. Magier Stubbs selbst machte auf der Bühne vor, dass die Beine in Bewegung halten wohl auch den Geist frisch hält.
Leatherface
Es folgte eine erneute Umbaupause, bei der dieses Mal das gesammte Schlagwerk aus dem hinteren Bereich nach vorne gezogen wurde. No Means No! Die Band wurde in den 1970ern von den beiden Brüdern Rob und John Wright gegründet, irgendwo in den Untiefen Kanadas (hinter dem großen Ozean). Und was sie auf die Bühne zauberten war ein Feuerwerk an energetischer Kraft, es war unglaublich. Da ich sie dereinst in Bielefeld immer nur verpasst hatte, war ich überrascht und überwältigt, was ich in meinem Leben bisher vermissen sollten. No Means No, vielleicht der Inbegriff schlechthin für Jazzcore! Mit aufgerissenen Mündern starrten wir die Band an.
No Means No
Doch schon um kurz nach elf / halb zwölf war das musikalische Spektakel beendet. Ein_e Vinyl-Künstler_in hätte noch gefehlt, so standen wir noch draußen rum und feierten später den Rest des guten Abends irgendwo im „Rum Bumpers“. 25 Jahre Trust-Fest, schöne Sache!

Danke an die Reisegruppe und die Trust-Crew!

Strafraumpogo (im Exil) – das war meine Saison 2010/2011

Strafraumpogo im Exil
Teil 1 – FC St. Pauli
Seitdem wir vor knapp zehn Jahren aufgehört haben, regelmäßig zum SV Meppen zu fahren, war meine Fußballleidenschaft beinahe erloschen. Klar, meine Sandkastenliebe FC St. Pauli hatte mir einige schöne und viele, viele beschissene (in Oberhausen, bei Fortuna Köln, Paderborn, Ahlen, Aachen etc.) Stunden gebracht, doch ein gleichwertiger Ersatz, mit Leidenschaft und Leiden, war St. Pauli nur selten, sollte es dieses Jahr aber immer mehr und mehr werden. Aber die letzten zehn Jahre in Münster und Berlin waren fußballerisch eher Offenbahrungseide (von einem großartigen Jahr des FSC Rheda in der Verbandsliga 1999/2000) mal abgesehen. Und nun also im Ruhrgebiet, der Region mit den vielen Möglichkeiten (zumindest was Fußball angeht).

FC St. Pauli 2010/11
Es muss so gegen 17:20 sein. Niedergeschlagen sitze ich mit den Ellenbogen auf den Knien gestützt in einer Bierpfütze, irgendwo in einem völlig überfüllten Gästeblock. Mein Schal baumelt bedrohlich über einer Kotzlache, wo irgendjemand der sich Siffi oder Puffi oder sonst wie nannte, die badischen Weinreste hingegürbelt hatte. „Wir sind Zecken, asoziale Zecken“, schallt es auf dem Weg nach draußen, auf den ich mich wirklich noch nicht machen möchte.
Dann wache ich auf. Der Schädel dröhnt. Der Iran hat sein Atomprogramm gestartet und ich fühle die Bombe in meinem Kopf! Gestern Abend bin ich mit meiner Freundin in Freiburg angekommen und nach diversen Bieren mit guten Freunden (Exil-Bayer04) würde ich mich gerne noch mal auf der Couch umdrehen. Der Rückweg von Italien war sehr anstrengend. Die Geliebte hat es geschafft, den Seria A und Seria B Saisonstart nicht in die Urlaubsplanung mit einzubeziehen und so sind wir satte zwei Wochen vor dem ersten Spieltag in Italien an leeren Stadien von Livorno, Florenz und Lucca vorbeigekurvt. Ein besonderen Glückwunsch auch an die Flitzpiepe, die Werder Bremen vs. Sampdoria Genua ausgelost hat und nicht Sampdoria Genua vs. Werder Bremen. Danke!
Wie ein dürstender in der Wüste, freute ich mich nur noch auf den Bundesligastart, der immer, und wer bin ich, der die weibliche Intuition anzweifelt, immerhin den FC Sankt Pauli ins beschauliche Breisamtal geführt hat. Saisonstart und meine Albträumen haben sich von fußballloser Zeit auf bittere Auswärtsniederlagen eingestellt.
Ausverkauftes Spiel, stand schon seit Wochen bei Ebay. Stehplatzkarten, im Normalverkauf zwölf Euro Wert, gingen für über 30 Tacken weg. Schöne neue Welt! Die Grün-Wählenden haben heute mehr Geld als das Management von Ton Steine Scherben anno dazumal. Doch dann die Rettung, am Freitagabend verkündet die Freiburg Homepage, dass noch 900 Sitzplatzkarten in den Verkauf gehen und Seniore Stiletti kommt mit der guten Nachricht, eine Stehplatzkarte überzuhaben. Natürlich gleich mal zugesagt, bis dann der Samstagmorgen mit einem Kater aufwartet und der Nachricht, die Freundin will doch auch unbedingt mit. Eine Karte zu wenig.
Doch, da wir vor den schwäbischen, badischen oder sonst was Müslifressern am Stadion sind, ergattern wir noch zwei Sitzplatzkarten auf der Osttribüne. „Ist das auch St. Pauli Block?“ „Mir habe keine Blögge auf Sitzplatsch“, schwäbelt mir die Verkäuferin entgegen. Und tatsächlich, so illusorisch wie die Blockfreien der Uno, erhebt sich auch der SCF gegen Bundesliga-Sitte und alle sitzen zusammen, schiedlich friedlich bei einem badischen Glas Wein oder Tannenzäpfle-Bier auf der Osttribüne. Schnell dem Stiletti Bescheid geben, dass wir auf seine Pankerknackergegenwart pfeifen, als der junge Herr doch tatsächlich ebenfalls aufgrund von Kater und diversen Ausdünstungen auf unsere charmante Begleitung nicht verzichten will. „Wenn ihr noch nen Sitzplatz bei Euch in der Nähe findet, komm ich mit auf Sitzplatz.“ Also noch mal ins Kartencenter, noch mal schwäbeln ertragen und mit einer dritten Sitzplatzkarte aus dem Bunker. Mensch, ist Punkrock 2010 alt geworden.
Vorm Stadion noch Leute begrüßen. Dem Stiletti dabei zusehen, wie er die Karten geschickt an den Mann und die Frau bringt. „Ach, lass mal im Schatten sitzen.“ „Boah, die Karten werde ich ja nie los.“ „Das dauert ja ewig.“ Doch nach fünf Minuten hat der junge Herr mehr Glück als Verstand und die Karten sogar unter Martktwert verkauft, warum auch immer. Dann ab in Richtung Sitz, Papa hat Durst, Mama hat Hunger! Vorher noch Expertenwissen ausgetauscht und der Stiletti hat nicht nur Restalkohol im Urin und schwitzt wie ein Schwein, sondern seine Drüsen verraten ihm auch einen satten Auswärtssieg. Beim Toto gewinnt er dennoch keinen Cent!
„Auswärtssieg? So ein Blödsinn“, antworte ich auf seinen badischen Bauernslang mit meinem gewohnt ostwestfälischen Stursinn, „das gibt ne ganz feine Niederlage und der Tach ist im Arsch!“ Wenn man aus OStwestfalen kommt, ist man halt kein Optimist!
Stundenlanges Gequatsche der Stadionflöte, Kicker-Duell (7:0 für Freiburg vs. St. Pauli) und eine Stimmung vorm Spiel, wie bei der Zombie-WM in Bad Reichenhall auf Seiten der Freiburger, können dennoch unsere Vorfreude nicht bremsen. Immerhin, es geht bald los. Meine Liebste hat sich sogar ihren allerersten Fanschal gekauft (ich hatte eine Träne im Auge, vor Rührung!).
Nach einer Choreographie, die der Stadionkasper vorher noch erklären musste – „Ihr müscht alle die rode Paben hochhalde“ – gings los. Und was sahen meine skeptischen Augen. Nahezu die gleiche Formation, wie im letzten Jahr und der gleiche Elan. In der ersten Halbzeit spielte der Aufsteiger befreit auf, als wäre es ein Heimspiel. Die St. Pauli Ultras waren laut, und selbst auf den Sitzplätzen hörte man nur die Rufe für den Hamburger Verein. „Alé St. Pauli alé! Magischer FC, unser ganzes Leben, unsere ganze Kraft!“ Auch wenn man bei einigen dachte, „Magischer FC, unsere ganze Leber, gehört Gerstensaft!“ Die Freiburger kamen nicht einmal zu halben Chancen und außer einem Schüsschen von Rosendahl lief nix zusammen. 0:0, Pause! Das müssen wir gewinnen!
Die zweite Halbzeit begann und meine Stimme wurde heiser. Auf einem Sitzplatz mehr gesungen und geschrieen als bei manchem bitteren Spiel in den Untiefen der zweiten und dritten Liga. St. Pauli weiterhin Spiel bestimmend, aber Freiburg rudimentär verbessert. Aber die besseren Möglichkeiten für St. Pauli, größte Chancen wurden durch Ebbers und Hennings ausgelassen. Und so kam es, wie es kommen musste. Cisse schießt in der 78. Minute mit der ersten Chance für den SC Freiburg das 1:0. Keine Chance für Hain!
Jahrelanges FC St. Pauli gucken, vermischt mit meinen Ostwestfälischen Wurzeln (und dem Glauben an das Böse, schließlich bin ich getauft) und dazu diese badische Scheiße um mich herum, die sich alle erst zu erkennen gaben, als der Kack-Müsli-Verein das 1:0 schießt … ich hätte mir die iranische A-Bombe gewünscht, Bomber Harris oder irgendwas Anderes, Fieses! Hauptsache der Breisgau gleicht danach der Serengeti!
Aber aber! Was sollten meine ostwestfälische Weiten gewohnten Augen erblicken? Im Gegensatz zu den letzten Jahren und Jahrzehnten der Auswärtsspiele, die ich mit der Trümmertruppe verbracht habe, passierte nun allerdings etwas, wovon ich noch Tage später immer wieder in unbändigen Jubel ausbreche und nur noch „3:1, 3:1“ stammeln kann. Die Mannschaft kam zurück! Und wie! Eher durch Zufall, in der 83. Minute und einer Flanke von außen, die Naki nicht unter Kontrolle bringt, springt der Ball zu Boll und der Bulle aus Hamburg drischt den Ball ins Netz. Scheiße, soweit ist’s schon gekommen, jetzt Jubel ich noch wegen nem Polizisten auf dem Platz. Punkrock, quo vadis?
Dennoch, eine Erleichterung wie nach 30 Minuten Pissen müssen in einem öffentlichen Personennahverkehr! Bodenwellen der Erleichterung und die eigene Buchse dennoch trocken! Sekunden später, wieder ein schneller Angriff und diesmal ist Sukuta-Pasu da, der Jungnationalspieler aus Leverkusen kommend, schießt das 1:2! Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Der Siegtreffer, so kurz vor Schluss, in der 89. Minute. Und als wäre es nicht schon unglaublich genug, die meisten Jubeln noch wegen dem 2:1, da fällt das 3:1 … ich weiß gar nicht mehr durch wen. Ich glaube Fin Bartels, aber auch sowas von egal! 3:1, ein Spiel gedreht, den Ökopickern gezeigt, wie Stimmung geht und die nächsten fünf Stunden Rückfahrt in den Pott würden vergehen, wie im Flug. Auswärtssieg beim akustischen Heimspiel! Dazu noch wichtiger die Freundin angefixt vom Fußball („Schaffen wir es noch bis zum Aktuellen Sportstudio?“) und am Ende noch der Stiletti, der sich durch den ganzen Tag gekalauert hat, mit einem unfreiwillig großartigem Moment!
Beim Rausgehen ruft jemand vor uns noch „Scheiß Stellingen“ und der Chefredakteur fragt nur: „Wasch hascht gegen Schwenningen?“ Danke – Bitte!
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Das war der Saisonanfang. Mit dem Sieg in Mönchengladbach riss allerdings auch schon die Serie der großartigen Spiele, die ich beiwohnen durfte. Zwar noch ein 2:1 Auswärtssieg, aber danach in Dortmund (0:2) und gegen Werder Bremen zu Hause (1:3) war die Mannschaft wie immer. Bis zum Saisonende noch vergebliche Spieltage in Kneipen (u.a. in der Rückrunde Frankfurt, Stuttgart, Kaiserslautern, München) oder vor dem heimischen PC/Radio (u.a. in der Rückrunde Hannover, Wolfsburg, Mainz) und irgendwann war der Drops gelutscht und die Scheiße gefressen! Was bleibt war die Hoffnung und ein großartiger Donnerstagabend (oder war’s ein Mittwoch) gegen den HSV, als wir lange, lange in Kneipen versackten. Nächste Saison geht’s dann halt nach Bochum, Aachen, etc.

Haltet den Dieb

Haltet den Dieb
„Da ist die Sau!“ Meine Zeigefinger pocht an das Fenster auf der Beifahrerseite. „Schau nur, da!“ Meine Lebensgefährtin reagiert langsam. Ihr Kopf dreht sich zu mir, ihre Augen blicken mich fragend an. Vorsichtig lenkt sie den Wagen an den Seitenrand. „Die Sau, die mein Fahrrad geklaut hat!“ ergänze ich, während mein Finger weiter Abdrücke auf dem Fensterglas hinterlässt.
Mein Fahrrad ist deutlich zu erkennen. Seltenes Modell, immer noch die alten Aufkleber. Der Typ, der auf dem Fahrrad sitzt, sieht nicht so aus, als hätte er es nötig, es zu klauen. Wir folgen ihm einige Meter, nicht diskret, sondern dicht auffahrend. An einer Ampel stehen wir neben ihm. Ich kurbele das Fenster herunter.
„Wo haben Sie denn das Fahrrad her?“ Meine Stimme bebt, obwohl ich versuche ruhig zu bleiben. Der Diebstahl hat mir einen langen Fußmarsch eingebrockt, der im Starkregen endete und in dessen Anschluss ich eine schwere Grippe hatte. Am liebsten würde ich dem Typen Rippenschmerzen zufügen, wie ich sie bei jedem Hustenanfall gehabt habe. Doch ich beherrsche mich. Vielleicht ist er genauso ein Opfer wie ich und hat dem Täter nur das Fahrrad abgekauft.
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