Mecklenburg-Vorpommern Lesetour: Tag 2 – Rostock

Mecklenburg-Vorpommern Lesetour mit Alex Gräbeldinger und der Lustige Bob (15. bis 20. Oktober 2011)
Café Median, Rostock (16.10.2011)

Mit verspäteter Chronistenpflicht der zweite Teil der Lesereise aus der Hansestadt Rostock.
Die ersten Augen machten schlapp und eine Notapotheke wurde schon am zweiten Tag aufgesucht. Das Leben auf der Überholspur kennt nun leider keine Stauschau!
Währenddessen ließen Bob und ich noch einmal die Geschichten vom vorherigen Abend aus Gadebusch Revue passieren. Hatten die Leute da wirklich erzählt, hier würden Nandus frei rumlaufen? Und hatten sie nicht von Reh- und Wildschweinabenteuern erzählt. Unsere Phantasie machte große Sprünge, wir träumten von Bären und Wölfen, doch zumindest Nandus würden wir wirklich sehen wollen.
Der Nandu ist dabei sowas wie der freiheitsliebende Punker unter den Vögeln. Eigentlich aus Südamerika eingeflogen (vom Menschen, nicht mit eigenen Schwingen), um in einem Gehege ihr Dasein zu fristen, sind 3 Pärchen im Jahr 2000 ausgebüchst und direkt in die schwach besiedelten Gebiete im Nordosten geflüchtet. Dort haben sie zum Beispiel im letzten Jahr nem Bauern seine Ernte weggefuttert (siehe Artikel hier), sodass der NDR sogar schon von „Problem-Nandus“ spricht. Wer braucht da noch Bären, wenn einem die bis zu 1,70m großen Viecher begegnen?
Doch so sehr wir uns auch die Augen aus dem Kopf stierten, auf dem Weg nach Rostock sahen wir außer die obligatorischen Kühe, Schafe und Pferde keine Wildtiere. Doch unsere Safari-Fahrerin Jenny hatte ein anderes Highlight auf dem Plan.
Der lustige Bob und ich, immer noch vom Vorabend peinlich bedrückt „Kopfschuss“ summend, schrien vor Begeisterung, als es auf einmal in Richtung „Bad Kleinen“ ging. Der Ort der Handlung des WIZO-Songs, also ein Teil der eigenen – zugegeben: schwer peinlichen – Jugend in den Tiefen des Rheinlands bzw. Ostwestfalens. An dem jedoch völlig unspektakulären Bahnhof gab es dann weder eine Gedenkmedaille für den „Pazifisten“ Wolfgang Grams, noch für den „heldenhaften Einsatz“ der GSG9, gegen die man hätte protestieren können. Auch der GSG9-Beamte Michael Newrzella, der damals wahrscheinlich aus der Waffe eines Kollegen starb (wer im Auto meinte noch mal, dass nur Wolfgang Grams gestorben sei?) findet keine Erwähnung. Schade, so wird Bad Kleinen sicherlich nie zu einem illustren Wallfahrtsort für bekloppte RAF-Anhänger und militante Junge Unionler, die nicht zur Polizei geschweige denn GSG9 durften.
Wer übrigens eine Minute Zeit hat, sollte sich das großartige „Was in Bad Kleinen wirklich geschah“ von Wiglaf Droste geben – auf Youtube zum Beispiel HIER zu finden.
Also nur einige total bekloppte Photos (file under: Was wird uns einen, wenn nicht Bad Kleinen) geschossen und weiter nach Rostock.
Das Median ist ein sehr nettes, kleines Café in dem alternativen Viertel von Rostock, unweit der schönen Punkerkneipe Molotow. Wir kommen an, bekommen Getränke und werden fürstlich bekocht. Zwei Gänge, unsere Mägen platzen fast! Allein der Kuchen – göttlich! Zudem lernen wir Ron von Sequential Arts kennen, dem wir unser Vorortsein verdanken! Merci an dieser Stelle!
Von der Atmosphäre im Publikum wird es auch der beste Abend. Knapp 25 Leute lachen an den richtigen Stellen, haben viel Spaß und Alex, Bob und ich sind ebenfalls in Bestform. Am Ende gibt es sogar eine Runde Zugabe mit allen. Sehr schön!
Dann ziehen wir weiter in besagtes Molotow und führen interessantge Gespräche über Fanzines, Hansa Rostock, Lichtenhagen und Neonazismus allgemein, über die alternative Szene in Rostock und so weiter. Mein Bildungshorizont wird also nicht nur über das Tierleben rund um Gadebusch, sondern auch um Fußball, linke Politik und Fanzines in der Region erweitert. Geht es besser?
Ein wirklich rundum gelungener Abend, der mit einem Fischessen am nächsten Tag am Rostocker Hafen auch noch gekrönt wird. Nach meinen G8-Erfahrungen ein wirklich schönes Kontrastprogramm!

Teil 1 in Gadebusch hier


1 Antwort auf „Mecklenburg-Vorpommern Lesetour: Tag 2 – Rostock“


  1. 1 gräbel 02. November 2011 um 17:36 Uhr

    Eines der bekloppten Bad Kleinen-Fotos hat es im Nachhinein sogar auf die Geburtstags-Glückwunsch-Karte für Lustiger Bob geschafft. Er schrie vor Begeisterung!

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