Embrace the Absurd, Bought By Blood, 12Tons, Mihara, The Crimson Cartel, No Turning Back in Quezon City

Embrace the Absurd, Bought By Blood, 12Tons, Mihara, The Crimson Cartel, No Turning Back in Quezon City in Freedom Bar in Quezon City (15. Dezember 2011)
No Turning Back Crowd Manila Freedom Bar Quezon City 2011
Okay, okay! Selbst in fortgeschrittenstem Alter bleibe ich naiv. Dazu stehe ich. Wenn ich lese, Start eines Konzertes pünktlich (!) um 19:00 Uhr, Einlass ab 18:00 Uhr, dann denke ich häufig, dass das stimmt. Natürlich ist das doof. Oder halt naiv. Je nachdem, wie man mir gesonnen ist. Jetzt kann man mit linker halber Stunde, akademischen Viertel oder „Pilipino Time“ argumentieren, doch wenn der Veranstalter droht, dass wer um 19:00 Uhr nicht da ist, mit seiner Band nicht auftritt, dann halte ich das für real. Trotz aller Rechtfertigungen für Verspätungen, by the way. Und ja, ich gesehe seit Jahren auf Konzerten in Läden wie AJZ Bielefeld, AZ Mülheim, Baracke Münster, Gleis 22 Münster, also alles Lokalitäten, die sich nicht unbedingt mit der toitschen Tugend Pünktlichkeit zieren dürfen oder zumindest durften.
Also – natürlich ohne Band – schon gedrängelt, dass wir ja um sieben Uhr da sind. Klar, dass das Ganze noch nicht anfängt. Hätte man sich … lassen wir das. Auch, dass es durchaus noch bis acht oder so dauern könnte, ja okay. Doch, dass um sieben Uhr noch nicht einmal der vorher auf fratzenbuch mit dem Zeigefinger auf das Handgelenk pochende Typ, der der Zeitdiktator des Abends zu sein schien, am Ort des Geschehens ist, damit hätte ich nicht gerechnet. Also erstmal Abendreis bei Mang Inasal mit „bottom less“ Coke. Wer mal guten Reis, also richtigen Reis (Nein, Uncle Mercedes-Benz zählt nicht dazu) hatte, kann diese Pappe einfach nicht herunterkriegen. Dass ist wie ein schönes westfälisches Vollkornbrot vs. französischer Toastpappe. Kein Vergleich! Doch, beame me back to Quezon City. Zurück am Ort des Geschehens, nichts! Also Francis in Richtung Arbeit geleitet und zurück mit dem Jeepney zur Herberge. Zum Glück nur ein Jeepney-Ride (10 Minuten, 8 Peso) entfernt wohnen, toll! Geht’s halt um neun noch mal los, vielleicht sind dann Leute da.
Also, wieder aufgerafft, und siehe da. Draußen hat es sich angefüllt. Gleich den lieben Dyey getroffen (wer auf fratzenbuch ist, kann mal „Northern Territory Clothing and Printing“ liken, oder wie man so neu-schwachsinnig sagt. Ach ja, und dann direkt T-Shirts ordern, Dyey ist cool und bringt seine Familie damit durch!) und M., mit dem ich mich verabredet hatte. Die 100 Peso (1,80 €) Eintritt bezahlt und rein ins Getümmel. Da ich vorher keine Band kannte, war ich schon gespannt. Mit Embrace the Absurd (Link zum Youtube-Video) begann der Abend eigentlich schon mit einer richtig guten, schnellen Punkband. Irgendwie kamen mir die Jungs auf der Bühne vom Sehen her bekannt vor, schätze mal die spielen in anderen Bands, die ich in der Vergangenheit schon sehen durfte. Auf jeden Fall Highspeed Punkrock, der leider aber niemanden von außen wirklich annimierte schneller die Bar zu betreten. So spielten die Band ein solides Set von fünf bis sieben Songs in Front vor ein paar sitzenden Gestalten. Schade, aber wenn die länger bestehen, werden die noch mal richtig gut!
Als nächstes kamen Bought By Blood (auch hier ein Link zum Video auf Youtube). Mehr Leute kamen herein und bildeten die klassische Sichel vor der Band. Ein geschützter Halbkreis, in dem all die Windmühlen-Quijote’s und Luftlöcher-Treter sich mal richtig austoben können. Selbst der Sensenmann hat hier eine Auszeit und traut sich nicht vor die Sichelschneise. Phantastisch. Dazu ein eher bouncender Sänger und schwerfälliger, metallischer Hardcore. Definitiv nicht meine Tasse Tee, aber immerhin kamen nun Leute rein. Als der Sänger dann aber vor dem zweiten Song einen langen Monolog über seine Vergangenheit und seinen Erretter, Jesus Christus, anfing, verschlug es mir doch die Kauleiste in Richtung Tischkante. Oh weh! Katholisches Land, diese Philippinen. Erst jetzt sah ich, dass auf seinem Oberarm das Konterfei vom Sohn des Herren prangte. Meinen Weggefährten auf den für mich offensichtlichen Widerspruch – Hardcore vs. Religion – aufmerksam machend, entgegnet dieser mir nur, dass es doch okay sei, wenn er so von der schiefen Bahn kommen würde. So schief kann eine Bahn doch nicht sein, oder? Der folgende Song hieß dann gleich „Testimony“ und ich schluckte nur. Doch, auch der nächste Song mit dem Refrain „Hosianna“ schlug in die selbe Kerbe. Noch einen religiösen Reißer und ich gehe raus, der Entschluss stand fest. „The next song is called: Halleluja“. Selbst „Halle-in-Westfalen“ hätte ich schon nicht mehr durchgehen lassen, aber Halleluja war dem Jesusgehuldige eindeutig zu viel. Raus!
Auf ihrer Bandseite verlautbaren die Jungs übrigens ihre eigene Offenbarung: „Being devout christians the bands main goal is to glorify Jesus Christ and spread the Good news that Salvation is free and that there is a real God that loves Everyone…“ Ich kommentiere das mal nicht weiter!
Draußen dann ein Glücksfall, zum einen super lange mit besagtem Dyey (kauft dem seine T-Shirts, verdammt!) unterhalten und einen Haufen großartiger Fanzines erstanden (I Remember Halloween, Thought Market, Incidental Afterthought, Woolgathering und Linebreaker). Danach wieder rein, der Prediger hatte die Kanzel verlassen, die Sichel wurde zu einem Achteck, da viele wieder verschwanden.
Es folgten 12 Tons und Mihara, zwei eher unspektakulärere Hardcore-Bands (eine ist auf dem Photo unten, aber ich vergaß welche), aber der Laden füllte sich. Der Laden, gutes Stichwort. Die Freedom Bar ist eine der ältesten Kneipen / Bars, in denen alternative Künstler/innen auftreten können. An der Kreuzung Aurora Blvd / Anonas gelegen, ist sie verkehrstechnisch leicht zu erreichen (Jeepneys und Hochbahn), gegenüber liegt mit dem 70s Bistro eine weitere Kneipe, die regelmäßig Livemusik anbietet (u.a. The Jerks oder Beatles-Coverbands). Von innen ist der Laden schlicht, aber nett bemalt. Bierpreise sind fair (ca. 30 Peso, also 60 Cent) und auch die Eintrittspreise sind okay.
No Turning Back Support Freedom Bar Quezon City 2011
Als letzte Band vor dem europäischen Hauptact dann The Crimson Cartel (Youtube-Video-Link). Erneut eher schleppender Hardcore, der nicht mein Fall war. Viel Agnostic Front, viel H2O, Cro-Mags und wie die Kollegen alle heißen, viel New York, wenig DC, wenig Minor Threat, wenig Kalifornien, wenig Circle Jerks. Aber die ersten Windmühlen postierten sich und man konnte einige „Tanzfiguren“ aus dem Sick of it All-Trainingsvideo (Step Down, vorletzter Link für heute – Youtube) erkennen. Ich freute mich einen Moment, dass geistige Eigentumsrechte bei Tänzen noch immer nicht durchgesetzt werden, auf der anderen Seite würden in diesem Fall wohl v.a. Bunken, die US-Tough-Guy-Shit nachtanzen mit einer ordentlichen Tracht Prügel und unter Zerstörung aller Agnostic Front-CDs nicht nach Hause gelassen. Ach ja, eine gerechte Welt. Wo war ich stehen geblieben? Egal, Sprung, No Turning Back auf der Bühne.
Wie das erste Bild in diesem Artikel zeigt, der Laden war voll gepackt wie die Jeepneys zur Rush-Hour! Fuck, und gleich von Anfang an eine großartige Show mit allem was zu einer (klischeebeladenen) Hardcore-Show dazu gehört, Crowdsurfing, Sing-a-longs, ins-Mikro-blöken, Fäuste, Klatschen, Windmühle … das volle Programm. Währenddessen mundete mir das Red Horse mit ein paar Skinheads von Safety First, die zwar kaum Englisch sprachen, aber durstig waren! „Der schönste Platz ist doch immer an der Theke“ (Rio Reiser). No Turning Back rotzten derweil ihr Set runter, was wirklich gut war und die Leute begeisterte. Auffallend war vor allem ein belgisches Mädel, die entweder zur Band gehörte oder denen hinterher reiste. Jede Silbe sang sie mit, schon krass. Nervig allerdings die Frage des Sängers an alle Weißen (sic!) im Publikum, wo sie denn her kämen. Besagtes Mädel – die eigentlich wie das ganze Land einen eher unsympathischen Eindruck machte … jaja, ich weiß, Belgien-Hass ist auch Scheiße, aber das Land kann mich wirklich mal. Mit Österreich und Deutschland einfach die am meisten zu verachtenden Länder der … ach, lassen wir das jetzt hier und jetzt, Fazit: Belgien Scheiße, Österreich = Scheiße, Deutschland = Scheiße! – sagte dann „Belgium“, irgendeiner „Australia“, ein andere „U-S-A, I‘m a G.I., man!“ … auch mal ohne Worte. Da ich mich geschickt im Rücken der Band postiert hatte, hoffte ich um diesen bittren Kelch der „Hautfarben-Aufmerksamkeit“ herumzukommen, doch als letztes sprang dem Sänger auch mein Rübenzinken und die kalkbleiche Fresse in seine Visage.
„We are you from, man?“.
Was soll man da sagen. „Europe!“ Fand ich eigentlich schon eine coole Antwort.
„No, man, where are you from?“. Wie blöd kann man eigentlich sein?
„Europe!“ Ich bin vielleicht nicht 100%-Anti-Deutsch, aber Deutschland finde ich schon zu 100% Scheiße! Doch der Sänger von No Turning Back gab nicht auf.
„No, mean, from which country are you?“.
„Fuck, Germany“, und ich schämte mich erneut. Normalerweise lüge ich in solchen Momenten immer, „Schweiz“, „Niederlande“, ja nach Situation. Niederlande wäre mir hier aber wohl zum Verhängnis geworden, wenn die Band später doch noch auf eine Cola mit mir sich unterhalten wollen würde, Schweiz ist mir in dem Moment nicht eingefallen. Immerhin, die Gesichtszüge des Sängers sackten nach unten, hatte der Käsehobler mich doch zurecht als „Kartoffelficker“ (Till Schwaiger) enttarnt. Nun ja, dann gab es wieder das obligatorische „Geil, dass hier so viele verschiedene Leute sind. Großartige Party, macht mal Lärm, wir machen Photos, dann kommen mehr europäische Bands.“ Ich hätte ja am liebsten gefragt, ob nicht lieber mehr philippinische Bands nach Europa kommen sollten, doch dann musste ich an Jesus-Core denken, nahm mein Bier und prostete den Jungs von Safety First zu.
Alles in allem ein großartiger Abend, der dann bei der Beatles-Night auf der anderen Straßenseite im 70s Bistro seinen wohl verdienten Ausklang fand. Halleluja!
No Turning Back Quezon City Freedom Bar 2011


3 Antworten auf „Embrace the Absurd, Bought By Blood, 12Tons, Mihara, The Crimson Cartel, No Turning Back in Quezon City“


  1. 1 Toni 24. Januar 2012 um 20:49 Uhr

    Hüstl! Rio Reiser?

  2. 2 Toni 24. Januar 2012 um 20:49 Uhr
  3. 3 Mika Reckinnen 26. Januar 2012 um 20:48 Uhr

    @Toni:
    „Er sagt, der schönste Platz ist immer an der Theke, da hat er recht, zu Haus ist kaum noch Platz für drei“ – Wir müssen hier raus, Ton Steine Scherben ;-)

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>