Archiv für den 26. Januar 2012

Bad Omen in Quezon City und Baliwag

Bad Omen in 9Mile Bar in Quezon City und in St. Augustine College in Baliwag (Bulacan) (16. Dezember 2011)
Bad Omen gehören zu der zweiten Generation Punkbands in den Philippinen, die in den späten 1980ern / frühen 1990ern angefangen haben sich vor allem von Streetpunk inspirieren zu lassen. Geprägt vom englischen Punkrock der späten 1970er Jahre entwickelten Bad Omen sich in den letzten Jahren zu einer Band, deren Einflüsse mittlerweile vom alten britischen Streetpunk über den Gainesville/NoIdea-Sound bis Rancid reichen. Bad Omen gehören – trotz einiger Unterbrechungen – mittlerweile zu den ältesten, noch existierenden und in der Szene verwurzelten Band in Manila – Homepage Bad Omen.
Als Sänger und Gitarrist Albert mich daher fragte, den letzten Abend meines Philippinenaufenthalts auf zwei Shows mit ihnen zu verbringen, konnte ich unmöglich „Nein!“ sagen. Also schon um sieben Uhr an der 9Mile Bar getroffen, ein paar Bierchen gezischt und einer mehr oder weniger öffentlichen Probe beigewohnt. Auf dem Festival „One Heart United“, auf dem für eine Vierjährige mit Herzproblemen gesammelt wurde, ware um acht, als Bad Omen anfingen, noch gar nichts los. Also jamte die Band, spielte zweimal „Last Christmas“ als Punkversion (das einzige Mal, dass ich diesen Song die Weihnachtssaison hören musste) und hatten vor allem eins, Spaß mit sich selbst auf der Bühne. Die obligatorische Cock Sparrer Version von „We‘re Coming Back“ durfte nicht fehlen und alles in allem war der Auftakt des Abends eher gemütlich, aber spaßig (vgl.: Link zu älterem Konzertbericht mit Bad Omen).
Dann ging es in die Provinz. Zwei Stunden in Richtung Norden, zuerst auf der Autobahn, dann über Landstraßen, bis wir schließlich in Baliwag ankamen. Baliwag liegt in der Provinz Bulacan und ist ein verschlafenes Nest. Es ist geprägt durch die San Agustin Kirche im Stadtzentrum. Um diese versammelten sich die Ausgehfreudigen diesen Abend, die nichts mit Punk zu tun hatten. Denn das Konzert fand wenige Meter weiter in einem Hinterhof unter freiem Himmel statt. Als wir ankamen waren bereits 200 Leute zu gegen und feierten eine mäßige Melodiccore Band, die gerade ihre Instrumente malträtierte.
Während die Band mit Essen versorgt wurde und ich mich auf die Suche nach Bier machte – tatsächlich gab es nur 1 Liter Flaschen San Miguel und Plastikbecher – begann auch schon die nächste Band. Eine eins-a Nirvana-Coverband, das hatte noch so eben gefehlt. Doch die Meute vor der Bühne freute sich einen Ast. Kids, viele unter 16, tanzten Pogo, sprangen herum, bis hin und wieder einzelne aus dem Mob von dem bewaffneten Securityguard gezogen und rausgeschmissen wurde. Wie ein Bienenschwarm versammelten sie sich dann um den Securityguard, gingen bis zum Eingang und rannten dann wieder vor die Bühne und feierten die Band. Interessant!
Während der Boden fast bebte, roch die Luft angenehm süßlich nach Drogen.
Bad Omen
Die Nirvana-Coverband ließ es sich nehmen, einige Songs von der „Smells Like Teen Spirit“ zu spielen, die aber allesamt keine Singleauskopplungen waren. Ob das nun zumindest etwas Geschmack beweist, ich weiß es nicht. Spannend war aber die Ramones Coverversion von „Rockaway Highschool“ (oder was war es noch mal), die dann auch mit nöhligem Kurt-Cobain-Gedächtnis-Gesang dargeboten, eine Bereicherung war. Anschließend eine kurze Umbaupause, Gitarren, Bass und Drumsticks geschnappt und Bad Omen mussten auf die nicht vorhandende Bühne. Menschen gruppierten sich um die Bühne, die meisten vor den Boxen, und die Band wurde artig mit Applaus empfangen.
Bad Omen
Schön war vor allem zu sehen, wie die Kids um mich herum, ab dem ersten Wort alle Songs mitsangen. Nicht lange und das Mikro wurde ihnen übergeben. Fast alle waren textsicherer, als ich es jemals sein könnte. Während sich immer vier oder fünf ums Mikro gruppierten, tanzten ca. 20 Leute ausgelassen. Fingerpointing, Rumschupsen, einfach nur gut. Selbst meine müden Tanzbeine ließen sich von 32 ° Celsius nicht erschrecken und ich schwitzte mein Shirt durch.
Bad Omen Guests
Die Band spielte vor allem ältere Songs, aber auch viel Material von der „God is Everywhere“ CD. Am Ende gab es noch die obligatorischen Zugabenwünsche. Also kurz Ratschläge von den zumeist Minderjährigen eingeholt und explizit auf deren Wunsch „Sex & Violence“ gespielt. Auch wenn es peinlich ist, es zuzugeben, aber hier wurde auch ich endlich textsicher.
Ein großartiger Abend mit einer phantastischen Crowd. Ähnlich wie in Deutschland, wenn irgendwo noch Leute Punk zu zelebrieren wissen, dann meistens auf Dorf, wo „Coolness“, „Gesehen Werden“, „Bands-Erkennen-Die-Noch-Real-Sing“ und „Habe-ich-schon-zehnmal-gesehen“ meistens weniger wichtiger ist, als einfach nur Spaß zu haben. Auch wenn das bei Alkohol und anderen Drogen sicherlich auch eine starke selbstzerstörerische Komponente hat, was nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Schöner Abend!