Archiv für März 2012

Walk Me Home + Identikit + Goo + Shoulderstate + Shocking Details + Death To Puberty in Quezon City

Walk Me Home + Identikit + Goo + Shoulderstate + Shocking Details + Death To Puberty in Route196 in Quezon City (14.03.2012)
Das erste Mal, dass ich Agee getroffen habe, war in Quezon City. Ich besuchte gerade das NGO-Netzwerk Freedom From Debt Coalition und wartete auf den Geschäftsführer, als ich Agee auf mich zu kam. Er zeigte auf mein Rumbleseat-Tshirt und sagte nur „A great band“. Da konnte ich nur zustimmen. Sehr schnell begannen wir uns uns über Musik, Hot Water Music, No Idea Records und andere Dinge zu unterhalten. Sein Fanzine – „Thought Market“ – gehört zu den besten Zines, die ich je gelesen habe. Genau die Balance zwischen persönlichen Anmerkungen, interessanten Texten und interessierten Fragen. Darüber hinaus ist Agee auch noch der Schwager eines anderen Freundes, so klein ist die Welt.
Gegen Ende des Jahres begann Agee dann alle seine CDs zu verkaufen. Fifth Hour Hero, Get-Up Kids, viele Highlights der spät-90er Emo-Punk-Hardcore-Phase mit einem Mal aus der Sammlung gerissen. Der Grund, bei seiner Frau wurde Krebs festgestellt und in einem Land wie den Philippinen fängt das soziale Sicherheitsnetz nicht alle auf, eher nur die wenigsten. Medizinische Versorgung ist teuer und aus dem Grund veranstaltete Agee zudem ein Festival, um weitere Einnahmen für die Heilung seiner Frau einzunehmen.
Als wir ankamen spielten schon die ersten Bands. Die meisten Bands kann man mit dem Begriff Indierock gut umschreiben, wie zum Bespiel Identikit (Youtube-Video) oder Death to Puberty (ebenfalls youtube-Video). Das ist ganz okay, um es in einer Kneipe nebenbei zu hören. Großartig auffallend waren aber vor allem zwei Bands. Zum einen Goo, die flotten Indiepunk spielen, Studierenden-Musik, jawohl, aber gute. Vielleicht gleichzeitig die schwerste Band Manilas, aber dennoch eine Leichtigkeit in der Musik. An diesem Abend begeisterten sie mich weniger als am nächsten Tag (s. Konzertbericht in Zukunft, hehe), aber auch hier war das Talent schon offenkundig.
Goo in Quezon City
Großartig war und ist allerdings die All Girl Band The Shocking Details (Homepage). Leider konnte ich kein Youtube-Video finden und deren Website gibt noch nicht viel an Musik her, aber ihr minimalistischer Rocknroll wusste direkt zu begeistern. Rocknroll trifft auf Indie trifft auf Punk mit einer schönen „Fuck You Attitude“. Dazu eine sehr gute Schlagzeugerin und mich riss es direkt von den Sitzen. Einfach nur gut. Unbedingt anchecken und hoffen, dass die Damen demnächst was veröffentlichen. (mehr…)

Kalikasan Environment Band in Tulunan

Tri-People Youth + Kalikasan Environment Band im Tulunan Comunity Development Center in Tulunan (North Cotabato, Philippines) (10.03.2012)
Es ist merkwürdig in einer hochmilitarisierten Zone einem Konzert beizuwohnen. Schon auf dem Weg nach Tulunan in North Cotabato auf der Insel Mindanao in den Philippinen begegnen uns Militärfahrzeuge. Wenige Tage zuvor wurde in Kidapawan, der Hauptstadt von North Cotabato ein lokaler Warlord auf offener Straße erschossen. Die maoistische Rebellenarmee New People’s Army (NPA) bekennt sich zu der Tat (Artikel hier). Als wir in Tulunan ankommen, treffen wir lokale Aktivist/innen, die sich für den Friedensprozess einsetzen, denn auch die muslimische Moro Islamic Liberation Front (MILF) ist hier häufiger in Gefechten mit der Armee (Armed Forces of the Philippines; AFP) verwickelt. Gründe für diese Gefechte sind häufiger weniger ideologischer oder religiöser Art, als schlichtweg materieller Art. Vor allem die muslimische Minderheit wird seit Jahrzehnten von zumeist christlichen Siedler/innen und Paramilitärs schickaniert, verarscht und bedroht. Es geht um Landrechte, Bergbau, ums Überleben. Die MILF, genauso wie die ältere Moro National Liberation Front (MNLF) wurden eher durch Libyen und Gaddafi geprägt als durch Al Qaida oder den Iran.
Military in the Philippines
Als wir abends die Bürgermeisterin on Tulunan treffen und mit ihr über die Resolution der Stadt gegen Bergbau sprechen, sind wir begeistert. Die Frauen an der Macht – der Bürgermeisterin stehen zwei Stadträtinnen zur Seite – haben eine klare Vision, die sich deutlich gegen die Ausplünderung der Ressourcen mit allen damit verbundenen Risiken ausspricht. Lieber nachhaltige Landwirtschaft als ökologische, gesundheitliche, menschenrechtliche und andere Risiken durch den Bergbau einzugehen. Sehr löblich!
Im Anschluss findet uns zu Ehren eine kulturelle Performance statt. Ich bin kein Fan von Ethno-Kitsch und lokaler Rockmusik. Lokale Punkmusik, jeder Zeit, aber OPM (Original Pinoy Music) ist häufig kaum auszuhalten. Beweise für gute Punkmusik aus dem Land dürften sich zur Genüge auf diesen Seiten finden, doch was die Kalikasan (Tagalog für „Umwelt) Band bietet ist durchaus okaye Rockmusik. Textlich geht es gegen Umweltzerstörung und einige Songs sind eher schmachtend, andere formidable Rocksongs. Okay, nichts, wofür ich mir den Wecker stellen würde, aber bei Weitem nicht so schlimm, wie in dieser entlegenen Region erwartet.
Kalikasan Band
Vor allem das Aussehen des Bassiten tut es mir an. Zwei aus unserer Gruppe bezeichnen ihn unabhängig von einander als „Albino“. Ich lege „PC-Veto“ ein, Menschen nennt man doch nicht „Albino“? Nashörner, ja, Karninchen, sicherlich, aber Menschen? Wir diskutieren noch Tage später darüber. „Menschen mit Albinismus“ scheint wohl die gebräuchlichere Variante zu sein, ich hätte mit etwas weniger diskriminierendem Terminus gerechnet. „Albinos“, für mich sieht er immer noch irisch aus.
Im Anschluss gibt es noch eine Theaterdarbietung der Tri-People Youth aus Columbio, Sultan Kudarat. Als Theaterstück arbeiten sie zum einen den Zerstörung der Umwelt auf, zum anderen auch politische Morde, wie an dem italienischen Priester und Aktivisten „Father Pops“. Dieser wurde Ende letzten Jahres für seinen Einsatz der Aussöhnung und gegen Umweltzerstörung erschossen (vgl. Website mit mehr Informationen), seine Mörder wurden eher durch Zufall gefasst, die Hintermänner/frauen sind noch größtenteils unbekannt. Was ich schon zuvor zu Ethno-Pop geschrieben habe, gilt auch hier: trotz meiner Skepsis (Tanztheater ist nun wirklich meine Sache nicht) können die Kids mit verschiedenen Hintergründen (Muslima, Christen, Indigene Gemeinschaften) das Publikum begeistern. Ich muss mich nicht fremdschämen und auch nicht für meine Gegenwart Rechtfertigungen suchen, das ist schon gut.
Tri-People Youth
Später wird noch getanzt und gelacht. Da wissen die meisten schon, dass es wenige Kilometer entfernt gerade eine Schlacht zwischen NPA und AFP gibt, 100 Rebellen versus 100 Soldaten. Die Bürgermeisterin teilt uns gegen kurz vor neun mit, dass die Gefechte beendet worden sein. Sie lächelt dabei. So ist das nun mal in einer permanenten Ausnahmesituation. Ob ich mich jemals daran gewöhne?
Doch lange bleibt nicht Zeit, um kurz vor neun am Abend fällt der Strom aus, die Party ist beendet. Wir verlagern uns mit den Kids vom Theater und Freunden in Richtung angrenzenden Basketball-Court, Licht gibt’s aus dem Auto, Bier vom Markt. Und als dann gegen elf ein Feuerwerk beginnt, zucken alle einen Moment zusammen, nur um dann lachend auf das Spektakel zu zeigen. Ein guter Abend!

Trash Radio Manila, R.I.P.

Words are never enough to describe loosing a person, a friend! I still feel not old enough too loose friends, especially as long as they are in their 20s, 30s or 40s. Last Thursday I got the sad news that Gigi Samson died. She was one of the most interesting persons I met in all the years in the Philippines. Her friend died a few years ago and she started a „health project“ to support old punks in the scene without access to the social security system. I don‘t know, if this really pushed through, but I think the name was „heartcore“. That was in 2009, I guess. After that we met several times on some shows, especially when The Beauty of Doubt were playing. In 2010 she was the only person in the Philippines I knew, who was interested in the fifa world championship in South Africa. Sadly, we missed to watch a game together.
My last contact was with her for an interview about the punk scene in late 2011. Below you can find the more personal part of the interview. I published a quote of her in a soon published book about the Philippines, but here is the interview with her. She died March 11 in the age of only 42, rest in peace, Gigi! Sad that you are not able to read the interview anymore!

Gigi, RIP

First, please introduce yourself?
I go by the monicker Marika. I am the author of the blog Trash Radio Manila. In the past I was editorial assistant of the now defunct Jingle Chordbook magazine and, later on, the unofficial data keeper (the “listless lister”) for the now defunct radio show Timebomb. In a nutshell, I am an observer.

How did Punk/Hardcore start for you? What was your first record / song?
I was collecting copies of Jingle Chordbook magazine long before I got to be part of the staff. (I was actually one of the last members of the staff.) The mag was (I think) the only commercial publication that documented the emerging punk scene during that time. I never had access to fanzines since I was raised in an impossibly strict household, though I did get to have copies of the Herald X fanzine which I lost anyway. Then there was this radio show called “Capital Radio” that was being aired via the predominantly new wave radio station DWXB102. I would sneak in the radio set in my room every 9pm and it was through this show that I heard the song that was to be my epiphany to Pinoy punk: Urban Bandits’ “Hoy!” My mind was totally blown away by that song. On the other hand, it was through Jingle that I learned about DWXB102, DZRJAM (where Howlin’ Dave would air Pinoy Rock n’Rhythm – which I never got to hear), and punk personalities and bands. No person introduced them to me. For introducing me to punk I am forever grateful to Jingle and to Capital Radio.

In which projects are you further active?
I am doing Trash Radio Manila which is presently hibernating but will be back before the end of the year.

How important is the d.i.y. aspect of punk/hardcore for you?
D.I.Y. is a very essential aspect of punk and hardcore but I am personally not very heavy into it. However, I greatly appreciate how the punks create records and merch and other stuff largely on their own.

How important is and was Punk/Hardcore for you? What changed Punk inside of you (behaviour, thoughts) and what would you be, if you haven’t found out the existence of Punk/Hardcore?
Very important. Punk/hardcore embodies my main credo in life, which is thinking independently even if I have to go against the flow. It was almost impossible that I would discover punk, given my background (strict household, all-girl catholic school, immediate community that had only heard of Michael Jackson) but I did find out about it; but if ever I didn’t, I would have either gone listening heavily to folk, or maybe jazz. If one thinks about it hard, folk and jazz music also embody the spirit of punk, though put in a different tone.

What’s your favorite band / records (in general and Pinoy-Punk bands)?
Offhand: The Clash, Stiff Little Fingers, Dead Kennedys, Minor Threat, Rites of Spring, Urban Bandits, Dead Ends, Throw, The WUDS, G.I. and The Idiots, Tame The Tikbalang. I’m sure I missed so much more.

How important are political issues for you?
Definitely important as it affects the kind of life that we have in the society. I try to get involved when there are issues that are really vital to me like that of the RH Bill (Anm. Mika: This refers to the „Reproductive Health Bill“, you can find intformation about the bill and campaign of progressive women’s groups on the homepage of philippinenbuero) but I am not very comfortable with rallies (not that I am not used to them – I attended college at the state university anyway where rallies are quite the way of life) because of some people who get involved in them.

How political should Punk/Hardcore be in your opinion?
As much as how comfortable the band doing Punk/Hardcore is in dealing with the issue. For me, nothing sucks more than a band trying to dwell on unfamiliar issues just to make them more “punk”.

Where are you from and how is Punk in your home-province?
I am from Manila, and (I daresay that) Pinoy punk was born in Manila. At present, though, the surrounding provinces like Bulacan, Cebu, Laguna, and Quezon are just are (or even more) involved in punk.