Archiv für April 2012

Brat Farrar in Berlin

Brat Farrar + Support im Cortina Bob in Berlin (22.04.2012)
Irgendwie hat irgendjemand das mit der Matinee nicht ganz verstanden. Vielleicht auch ich nicht, doch 19:00 Uhr Konzertbeginn ist definitiv keine Matinee, oder? Aber schön, dass bei gutem Wetter die Zeit bis zum Konzertbeginn mit Biertrinken in der Pommes Bude nebenan genossen werden konnte. Mit DonChrischan (Homepage), Anne-Tanke-Dirk und Sarah und Klaus von OnOnOn (großartiger Minimal-Punk oder „Punsh Pop“, s. Video unten) sowie bei Hopfen und Malz (und einmal auch nur Malz) kann man Zeit kaum angenehmer verbringen. Okay, wir hätten „Plattfuß in Afrika“ zu Ende schauen können, definitiv!
Nach fünf Tagen in Berlin, die mit Arbeit und nächtlichen Trash-Filmen verbracht wurden, war ich platt, als die Vorband anfing. Am Ende meiner Kräfte sozusagen. Trotz Entdeckung von Kaffee und die Möglichkeiten von Club Mate ausschöpfend sind 5 bis 6 Stunden Schlaf pro Nacht einfach zu wenig. Daher konnte mich der Supportact kaum aus dem Tran reißen. Die Sängerin und ihre Bandkolleg/innen waren zwar ganz okayer, minimalistischer Rocknroll, und sie selbst hatten mächtig Spaß, doch irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Irgendwie so eine Berlin-Band, wie es sie zu hunderten gibt und es immer noch mehr werden. Nichts Neues, nichts Mitreißendes. Auf dem Hocker am Tresen lehnend fielen mir fast die Glubscher zu. Hätte mir jemand eine Matratze angeboten, so butz hätte ich zugeschlagen (Danke an Jörg Sundermeier und sein Werk über Ostwestfalen – sowie dem Geschenkgeber!!! – , welches mich an diese Worte erinnert … so butz! – Link zur Buchbestellung).
Danach wieder raus aus dem dunklen Cortina Bob und in der Pommes Bude ein weiteres Berliner. Nett vorm Laden sitzend, so darf ein Sonntag sein. Irgendwie, trotz den relativ hohen 8 Euro Eintritt, hätte ich an dieser Stelle meinen geschundenen Körper lieber in den Görli geschleppt und ein Nickerchen zwischen grillenden Familien und den lokalen Drogenszenen gemacht. Doch dann, ein oder zwei Songs zu spät, kommen wir rein und Brat Farrar (Bandcamp-Seite) ist schon in seinem Element. Der Australier war dereinst der Kopf von Digger & the Pussycats. Ich erinnere mich, dass mir Flight13 mal anstelle von Digger Barnes selbige Platte geschickt hatte. Einmal reingehört, direkt zurückgehen lassen. Einfach nicht mein Ding, laaaangweilig mit drei A, ohne Kreise. Daher umso überraschender, dass der junge Mann auf der Bühne mich nach wenigen Sekunden mitreisst, so butz, sozusagen! Meine Augen öffnen sich, trotz der Dunkelheit des Ladens, und ich sehe Licht! Licht in Form von guter Laune, Energie auf der Bühne und „alter, die Wipers-Gitarre“. Auch das Publikum wird sofort mitgerissen, alle stehen vorne, Knie werden gebeugt und gestreckt, Füße wippen mit. Kurze, schnelle Songs, „Rock‘n'Roll aus dem australischen Busch“, „Punk von Down Under“, man kann jetzt einige beschissene Klischees bemühen, aber Brat Farrar hat’s drauf! Nichts erwartet, alles bekommen. Klaus raunt mir noch ins Ohr, er hätte es doch gesagt und ich muss ihm Recht geben, was mir nicht unbedingt obliegt. Aber wenn er Recht hat, dann hat er halt Recht!
Am Ende kauft die gesamte Reisegruppe die „It’s on me“ 7inch, die natürlich nicht den Live-Erwartungen gerecht werden kann, aber dennoch ein schönes Stück gepresste Musik ist.
Dass wir dann in der schon erwöähnten Pommes Bude (!!) auch noch 3 Besoffskis (Puff von Barcelona; DonChrischan), Udo Jürgens (Der Teufel hat den Schnaps gemacht; Mika R.) und Jürgen Hart (Sing mein Sachse Sing; Mika R.) Singles erstehen, dazu noch mit dem Pommes Buden Betreiber über Gastronomie im Wedding, Musik, Görlitzer Park und Hausmeistertätigkeiten auf Mallorca diskutieren, sein wir ehrlich, wie kann ein Abend besser enden? Außer vielleicht, dass ich im Verlaufe der Nacht bei den „Supernasen“ mit Mike Krüger und dem elendigen Thommy irgendwann erschöpft zusammenbreche und kurz aber gut schlafe! Danke, war ein großartiger Abend!

OnOnOn – It’s Me!

Brat Farrar – It’s on Me!

Alles kaputt lesen – Tag 2 Düsseldorf, Tag 3 Köln, Tag 4 Trier

Alles kaputt lesen – Tag 2 Düsseldorf (Linke Zentrum, Hinterhof), Tag 3 Köln (Limes), Tag 4 Trier (Lucky’s Luke)
Tag 2 – Linkes Zentrum Düsseldorf
Nach einem netten Spaziergang durch den Tierpark in Bochum ging es auf die Autobahn, einmal beschleunigen, einmal abbremsen, in Düsseldorf abbiegen und wir sind da. Das Linke Zentrum (Homepage) ist definitiv einer meiner Lieblingsläden, sei es Lee Hollis (Bericht) oder Konzerte mit Bands wie Pascow, Oiro + Auxes (Bericht), duesenjaeger und andere, ins Zentrum fahre ich immer gerne.
Vorher kommt mir die Frage, ob es wohl „Grauzonen-Lesungen“ gibt?! Wir diskutieren im Auto, kommen aber zu der Erkenntnis, dass a.) das Attribut nicht erstrebenswert ist, b.) das Publikum sicherlich nicht „Lese-Affin“ ist und c.) von denen keine/r schreiben und lesen kann. Wir beschließen, das Projekt „Grauzonen-Lesung“ ersteinmal ad acta zu legen, oioioi.
Im Linken Zentrum zu lesen war, wie am Abend zuvor, ein großer Spaß, obwohl der Raum sehr groß ist. Ähnlich wie bei Lee Hollis kamen gut 40 Personen, die zuhörten, lachten und Spaß hatten. Atmosphärisch sind kleine Kneipen oder Räume leichter zu füllen und der Funken springt leichter über, aber die Düsseldrofer/innen sind sehr diszipliniert. Manchmal vermisse ich die Interaktion, aber Leute quatschen einfach nicht dazwischen, wir sind ja nicht in Ostwestfalen (wobei ich gerade nicht weiß, für welches Publikum das ein Kompliment ist …). Einige hatten sogar die Radiosendung vom Abend zuvor gehört und sich nicht abschrecken lassen, bereuten sogar, nicht eher die Möglichkeit hatten, der Lesung lauschen zu können.
Für die Veranstalter sicherlich eine große Erleichterung, da doch einiges im Vorfeld schief gelaufen war. Die Nacht machten wir noch zum Tage, tranken die Vorräte auf und gingen übermüdet um 7:00 Uhr ins Bett, um dann wieder um 12:00 am Frühstückstisch zu sitzen. Gute Hooligan-Videos, nette Seemannschöre und viel Gequatsche plus das großartige Zitat:
„Wer fährt allein durch den Wald mit seinem Panzer? Es ist Günther Grass, der alte Landser.“ (scheinbar ein Zitat aus der Harald Schmidt Show)

Tag 3 – Limes Köln-Mülheim
Wir sind völlig zerschossen. Alex gibt Jenny den Auftrag, auf ihn aufzupassen, Bob und ich versuchen uns mit Radler ins Geschäft zu bringen. Im Limes (Homepage) läuft Greuther Fürth vs. FC St. Pauli und die Hamburger vergeigen die letzten Chancen auf einen direkten Aufstieg. Andi lässt uns auch erst gar nicht in eine Frustschleife kommen, sondern führt uns an den Rhein, unweit des Limes. Sehr schöne Stelle und wir relaxen und genießen das geile Wetter.
Danach werden wir in ein leider mittlerweile geschlossenes Restaurant geführt, vegetarische Küche, sehr lecker! Der Koch, super sympathisch!
Kaum sind wir pappsatt zurück, geht’s auch direkt los. In Kneipen lesen ist immer schwer. Es gibt einen Grundlärmpegel, weil viele Leute ja nicht in Kneipen gehen, um sich Kulturprogramm anzusehen, sondern zu saufen! Und das ist gut so! Daher fühle ich mich tendenziell immer als Störfaktor in diesem Prozess des Saufens, doch auch in Köln ist das Publikum freundlich und offen für uns. Die erste Runde geht dann ohne größere Erlebnisse zu Ende, bis ich realisiere, dass nach der Pause bei meinem Text „He-Man Schwert“ tatsächlich jemand erst Schmatzgeräusche und dann den Lärm des Schwertes nachahmt. Geht es besser?!
Im Anschluss liest Alex und wird direkt als „BWL-Student“ beschimpft! Er kontert großartig, dass er noch nicht einmal Abitur hätte. Danach entwickeln sich zwischen dem Schweralkoholisierten und Alex großartige Wortgefechte! Respekt an Alex für die Schlagfertigkeit! Vor allem ohne jemals überheblich oder arrogant zu wirken, sodass selbst der alkoholisierte Typ sich am Ende bei ihm für die Lesung bedankt. Bei Bob ist der gute Mann dann durchaus gezähmter, das Publikum immer noch gespannt. Ein schöner Abend, an dem ich einige Pankerknacker-Kollegen kennenlernen darf und wir bis Ultimo erneut Bierchen schlabbern und uns Schlaf entziehen. Kein Wunder, dass wir auch am nächsten Tag zerschossen sind, auch wenn diesmal deutlich weniger als am Tage zuvor.

Tag 4 – Lucky’s Luke Trier
Den längsten Weg als letzten anzugehen, ist taktisch vielleicht nicht die beste Idee. Daher werden wir, bzw. Alex und Bob während ich benebelt dabei stand, auch rauchend auf der Tankstelle von einer panisch heraneilenden Jenny gewarnt, dass dort wo wir rauchen Methantanks sind und wir alles wegbomben könnten. „Ende einer Lesetour“ oder „Punks bomben Tankstelle weg“ sind die malerischen Überschriften, die wir uns ausmalen. „Terroristen in Rheinland-Pfalz“ könnte auch noch gehen, während ich mir die Grabsteinbetitelung ausmale: „Mit einem Knall aus dem Leben scheiden“, oder doch eher: „Rauchen ist hier nicht!“.
Der Ollo von Pascow hat uns ein wunderbares Tour-Ende beschert. Wir kommen zu erst beim Andreas vom Trust an, der uns beherbergt und unsere geschundenen Körper mit allerlei Kulinarischem zu Kräften bittet. Dann geht’s zu Tante Guerilla (Homepage) in den Plattenladen, um Singles und Bücher und Fanzines zu kaufen. Etwas Konsumismus darf auch mal sein. Dann wieder Essen! Dabei passieren wir die Unterhose von Karl Marx, die ausgestellt wird. Grund für die Ausstellung ist, dass gleichzeitig auch ein Rock von Jesus oder Maria in Trier gezeigt wird. Religiöse Ikonographie im beschaulichen Westdeutschland. Viele Christen und Fundamentalisten treibt es wegen dem Rock durch Trier, dazu ein Haufen humoristischer Menschen vor die Unterhose.
Lucky’s Luke (Myspace-Seite) füllt sich an einem Samstagabend mit 25 Leuten, während wir zufrieden sind, schaut der Veranstalter etwas geknickt. Bob erfüllt sich den Traum, in einer Disko zu lesen, mich erinnert der Raum eher an einen Vorlesungsraum. Alle glücklich!
Die Lesung ist dann die verhaltenste. Klar, wir werden natürlich von abend zu abend besser (*reusper*), doch die Menschen in diesem Landstrich verweigern einfach vor Begeisterung sich nackt auszuziehen und durch den Saal zu tanzen. Oder andere extatische Dinge zu tun, die wir dann humnoristisch in die Lesung einbinden könnten. Oder halt eben auch nicht! Dennoch, das Publikum rennt nicht in Scharen raus, lacht, applaudiert etc. Highlight, dass der Bob mit den letzten Sätzen die Anlage kaputt macht, weil er so laut wurde, dass das Ding abriegelt. „Alles kaputt lesen“, welch ein Ende einer Tour!
Im Anschluss feiern, wie immer! Wir sitzen am Disko-Tresen, hören Boy Sets Fire (Rookie), Turbostaat und Beatsteaks (Frieda und die Bomben), Pascow (Äthiopien die Bombe) und Social Distortion (Don‘t Drag Me Down) am Stück. Danach wird der Abend nicht mehr besser, trotz Samiam und anderen Hits. Wir legen uns mit den Türstehern an (bekommen am Ende Dosenbier und Ananas (!!!) für den Heimweg geschenkt) und scheitern auf der Suche nach Pommes um fünf Uhr morgens in Trier. „Pommes Bude kenn ich keine, aber kommt doch mit in die Kneipe davorne!“ Wir versacken gleich in zwei Kneipen (Luckys Luke schon mal rausgerechnet), in einer Bar nur mit Schwarzen und im Anschluss in einer Assi-Kneipe, wo Proleten-Techno läuft. Dass wir es nach Hause schaffen gleicht einem Wunder! Wir schlafen zu lang, lassen uns von Andreas fit machen, verpassen das Karl-Marx-Museum und freuen uns dennoch, mit vielen netten Leuten lange gequatscht zu haben, getrunken und gefeiert, gelacht und geweint zu haben. Geweint zum Glück nur vor Lachen! DANKE an alle!

Alles Kaputt Lesen – Tag 1, Bochum

Alles Kaputt Lesen – Tag 1, Bochum
Wow, was für ein Beginn an einem Mittwochabend im Ruhrgebiet. Das Wiedersehen mit dem phantastischen Alex Gräbeldinger und der bezaubernden Jenny gestaltete sich schon grotesk. Während ich am Bahnhof wartete, wurde ich von dem ersten rotzbesoffenen Akkustikgitarren-Typen vollgequatscht, dass er seine Gitarre gerade mit Leim „auf dem Bau“ hätte reparieren lassen und sich dabei die 290 Euro Collegejacke ruiniert hätte. „Rausbürsten!“ entgegnete ich nur, dann lachte er und fragte nach „einem Cent“ für ein Bier. Als er dann die zwanzig Cent hatte, rief er begeistert: „Wow, schon ein halbes Hansa!“ Und wieder jemanden glücklich gemacht. Quer durch den Bahnhof (Rot-Weiß Essen, Borussia Dortmund, VfL Bochum – alle Heimspiele an diesem Abend) durch Fußballfans und dann Alex und Jenny begrüßen, rein in den Tour-Van … oder den Mini … und rauf in die A40 oder rein in den Stau! Das „Hallo“ mit dem lustigen Bob beim Griechen in der Imbissbude („Einmal Taxi-Teller, bitte!“) fiel nicht minder stürmisch aus.
Für mich das erste mal seit langem wieder in Bochum auszugehen, um dann gleich in ein paar bekannte Gesichter zu rasseln. Dazu noch ein wunderbarer kleiner Raum, der mit ca. 35 Leuten gerammelt gefüllt ist, plus ein paar Zuhörer/innen am Äther / Livestream draußen (Punkrockers-Radio.de – Danke Wolverine!). Gute Stimme auf und vor der Bühne, die ein gemütliches Sofa ist mit alter Standlampen und Moritz Fiege in Flaschen, mehr braucht es nicht. Die ganze Goldkante, ein herrlicher Laden! Schöne Ausstellungen von Bildern, ein großartiger und bequemer Raum, gute Musik und vor allem: nette Menschen (Gruß an Vorstand und Personal!).
Erdmännchen in Bochum / Lesung Goldkante
Was unsere Lesung angeht, waren wir auf der Bühne begeistert von der Resonanz und auch im Publikum haben wir wohl einen guten Eindruck hinterlassen, wie z.B. bei RilRec Mats nachgelesen werden kann (hier ist seine Homepage).
Danach hieß es auflegen, was vor allem der Lustige Bob und Stefan übernahmen. Sehr schöne Musikauswahl, Pascow, Schleim-Keim, World Inferno Friendship Society hin und wieder zurück! Und als die Goldkante dann die Pforten langsam schloss, ging es zur „richtigen“ After-Show-Party mit dem Lustigen Bob in den Bochumer Intershop, wo dann mit dem Tresenfachpublikum bis in die Nacht gequatscht, Happy-Happy getrunken und die Atmosphäre eingesogen wurde. Das Ganze untermalt von Wipers! Geht es besser?!
Am anderen Tag dann früh raus und in den Bochumer Tiergarten, wo das erst wenige Tage zuvor geöffnete Erdmännchen-Gehege die volle Aufmerksamkeit einnahm, bevor es in Richtung Düsseldorf gehen sollte …

Lesetour in Bochum, Düsseldorf, Köln und Trier

Lesungen im April (Reading Tour in April):
Nachdem wir schon Mecklenburg-Vorpommern in Grund und Asche gelesen haben, machen wir diesmal mit den Opfern des Soli-Zuschlags weiter. Opelhausen, Diebelsstadt, Podolskidorf und Karl-Marx-Stadt (West) werden einfach im Sturm eingenommen. „Wörter, nichts als Wörter“ (…But Alive) und was Assad mit Maschinengewehren nicht vollbringt, schafft der Lustige Bob und Alex einzig und allein mit Charme. Menschen in Eichhörnchenkostümen bekommen vom Autoren ein Bier bezahlt.

11.04.12 Bochum, Goldkante, Alles Kaputtlesen Tour (+ Alex Gräbeldinger + Lustiger Bob);
12.04.12 Düsseldorf, Hinterhof LiZe, Alles Kaputtlesen Tour (+ Alex Gräbeldinger + Lustiger Bob);
13.04.12 Köln, Limes, Alles Kaputtlesen (+ Alex Gräbeldinger + Lustiger Bob);
14.04.12 Trier, Luckys Luke, Alles Kaputtlesen (+ Alex Gräbeldinger + Lustiger Bob)
Alles kaputt lesen!

und vielleicht singen wir auch ;-) – LEST KAPUTT WAS EUCH KAPUTT MACHT!

Lee Hollis in Düsseldorf

Lee Hollis im Linken Zentrum, Hinterhof in Düsseldorf (06.04.2012)
Auch wenn es ein wenig suspekt oder gar grotesk klingt, aber ich bin selbst kein großer Fan von Lesungen. Bücher wirken immer noch am besten, wenn man im Bett kuschelnd sich in die Zeilen vertieft, oder in der Bahn hockend in eine Phantasie-Welt abdriftet. Dass Lesungen an sich eher uncool sind, hängt aber sicherlich auch mit der Tatsache zusammen, dass Personen die Bücher schreiben nicht unbedingt die geborenen Entertainer sind. Natürlich gibt es Ausnahmen und es gibt viele sehr gute Autor/innen, die ohne großes Entertainment herausragende Lesungen fabrizieren, weil sie einfach angenehme Personen sind.
Lee Hollis ist auf der Bühne beides und das ist faszinierend. Auf der einen Seite ist er ein guter Entertainer. Wenn er über „charismatische, evangikale Sekten“ schreibt, die er im zarten Alter von 13 kennengelernt hat, dann kann ich mir den jungen Lee auf einmal nicht mehr nur als Sänger von Spermbirds oder Steakknife auf der Bühne der AJZs vorstellen, sondern er erscheint auch als drahtiger Mann vor einem Altar, den Herren preisend. Nun ja, ich habe eine große Vorstellungskraft und seien wir ehrlich, als Sänger der Steakknife und Spermbirds (und der alten Walter Elf) ist er natürlich genau an der richtigen Stelle. Und ob ich ihn wirklich als charismatischen Christ jemals zu Gesicht bekommen hätte, darf ebenfalls stark angezweifelt werden (oder sagen wir es direkt: (charismatische) Christen fisten! – Danke Nein Nein Nein).
Lee Hollis
Doch er ist nicht nur Entertainer auf der (Lese-) Bühne, sondern auch ein guter Autor, der mit Selbstironie über seine „Heimat“ in Deutschland und den damit verbundenen Problemen („Deutsche Sprache, schwere Sprache“, „Scheiß Sprache!“) berichtet und gleichzeitig Geschichten erzählt, die so hätten passieren können und vielleicht auch sind. Fiktion und Wahrheit, meiner Meinung nach eh egal, denn wenn mich eine Geschichte in seinen Bann zieht, spielt es doch keine Rolle, ob sie sich wirklich so zugetragen hat. Eine Geschichte wird ja nicht schlechter dadurch, dass sie nicht real ist. Und in dem Moment wird Lee Hollis zu einer angenehmen Person, einer Person, der man gerne zuhört, wie sie Mordlüste auf beste Freunde beim Segeln entwickelt oder wie er über seine Großmutter berichtet, die mit über 90 Jahren von der Wiedergeburt von Jesus Christus träumt, und zwar durch sie.
Das Publikum hängt an seinen Lippen und als Handys schellen, an dem Tresen zu laut gequatscht wird, reagiert er mit einer für ihn vielleicht typischen Schroffheit, ohne aber verletztend zu werden. Als in einer Geschichte über einen Segelausflug zwei Personen den Raum verlassen, wirft er entschuldigt ein, dass er wisse, die Geschichte sei zu lang. Er habe es doch vorher gesagt. Dabei gleichen seine „Lesungen“ weniger „Lesungen, auf denen vorgelesen wird“, sondern Lee Hollis erzählt, aus seinem Leben, aus seiner Phantasie. Und das er die Anti-Nowhere League* hasst, kann man mehr als verstehen. So what?!
Lee Hollis
* im Strafraumpogo #6 gab es mal ein Review von mir zu denen. Gut, dass mir die Musik auch mit 16 nicht gefallen hat, nach der Lesung wäre es mir gar peinlich gewesen ;-)

Bad Omen + Betrayed + Goo + Flippin Soul + … in Quezon City

Bad Omen + Betrayed + Goo + Flippin Soul +Count Kutu + End of Man + Neighbors + Rizal Uno in Skarlet/Ten02 Bar in Quezon City (15.03.2012)
Eine Woche nach der CD-Release Party von Bad Omen, wo das Skarlet (ehemals: Ten02-Bar) brechend gefüllt gewesen sein soll und Punks und Skins den Laden zum Teil in Schutt und Asche gelegt haben, gab es diesmal eine ruhigere Show unter der Woche. Leider nur ein paar Leute verirrten sich an diesem Donnerstag in den Laden und sahen gute Songs von großartigen Bands. Sowohl die 80er Jahre Helden von Betrayed, die u.a. mit einer Coverversion von „New Rose“ von The Damned glänzten, die Jungs von Bad Omen, die neben vielen eigenen Songs auch The Clash und Cock Sparrer coverten, sowie die großartigen Flippin Soul, die einfach phantastische Soul-Musik zum besten gaben und die Tanzbeine der Anwesenden in Schwung brachten, hätten ein größeres Publikum verdient gehabt. Auch Goo sind eine tolle Emo-College-Rock Band, die im Vergleich zum Abend zuvor (s. hier) druckvoller spielten. Betrayed im Anschluss waren eine der ersten Bands, die Punk mit Hardcore-Einflüssen spielten, Mitte der 1980er Jahre. Heute spielen sie eher schnelleren, vom England-Punk der späten 1970er beeinflussten Punkrock.
Betrayed 2012
Tja und zu Bad Omen muss ich hier wohl nicht mehr viel Schreiben, weil alles wichtige schon gesagt ist (hier ). Vor allem die neue CD „Unite and Fight“ weiß mit 16 Songs zu gefallen – u.a. schön die Cock Sparrer Coverversion „Manila Belongs to Me“, in der Freund/innen aus der Pinoy-Punk-Szene gefragt wurden, den Song einzusingen. Und „Bloody Bastards“ ist ein richtiger Hit, simpler, guter Streetpunk.
Dass die Flippin‘ Souls den Abend für uns beendeten, war dann ein schöner Kontrast. Soulmusik auf die Beine und weniger auf den Kopf ausgerichtet und dennoch mit einem „Alex-Clockwork-Orange“ am Gesang, der einfach wahnsinnig charismatisch wirkte und mit seinem charmanten Lächeln Menschen in seinen Bann ziehen konnte.
Flippin' Soul
So war es ein schöner Abend mit Freund/innen und Leuten, die ich gerne habe und dazu kaltes Bier und laute Musik! „We‘re coming back!“