Archiv für Juni 2012

Fanzines – The Swing Kid # 4

The Swing Kid Fanzine #4 – What to do with our lives?
Das Swing Kid Fanzine ist leider bisher größtenteils an mir vorbei gelaufen. Klar, englischsprachige Fanzines aus Deutschland sind selten und um ehrlich zu sein, häufig auch anstrengender zu lesen. Zum einen ist es viel schwieriger seine Gefühle passend auszudrücken – v.a. weil viele Fanziner/innen, die auf Englisch schreiben, keine Muttersprachler/innen sind – und vor allem die persönlichen Seiten ja meistens die Stärken von Fanzines sind (Musik-Interviews kann man heute besser in den großen Magazinen, auf Blogs oder direkt bei Youtube nachlesen bzw. anschauen), zum anderen, wer hat schon Lust, wenn sie/er ein Wort mal nicht versteht, es direkt nachzuschlagen. Zumindest ergeht es mir oft so. Dabei hat der Gunter mit viel Liebe und Herzblut ein neues Zine zusammengestellt, was vor allem den Blick über den Tellerrand der eigenen Szenesuppe fördern möchte. So werden Punkbands aus Nepal interviewt (relativ oberflächlich, leider) und King Ly Chee (sehr ausführlich) aus Hongkong. Spannend vor allem der Eindruck und die Enttäuschung von KLC über ihre Deutschland- bzw. Europa-Tour. Mit Herzblut Konzerte organisieren ist leider in Europa selten geworden.
Darüber hinaus finden sich weitere spannende Artikel zu muslimischen Punk (Taqwacore) und die iranische Revolution und deren Auswirkungen auf Rockmusik. Dazu kommen Gedanken zu Fanzines und ein Interview mit den Berlinern Gestammelorchester. Beiliegend ist eine CDr, mit Musik aus aller Welt, unter anderem Istukas Over Disneyland (Philippinen). Sehr kurzweilig und persönlich gehalten und durch die Subjektivität eigentlich auch nie langweilig. Beim Layout und Kopierqualität kann man leider noch etwas nach oben verbessern, allerdings die Farbversion hat tatsächlich ein reizendes Cover. Unbedingt antesten. (kamillentee.waldesruh@web.de]

Fanzine – Human Parasit #11

Human Parasit # 11
Das Human Parasit [Link zum alten, nicht mehr aktiven Blog] ist eines der besten deutschsprachigen Fanzines. Eigentlich kann man diesen Satz auch mit drei Ausrufezeichen versehen, aber da das eh jede/r weiß, die/der Fanzines liest, muss man es nicht ausrufen, sondern kann es als sachliche Analyse nur mit einem Punkt versehen. Was Bäppi jedes Mal aus sich, dem Leben und dem subkulturellen Kosmos herauszieht, ist sehr spannend, obwohl unser Musikgeschmack doch relativ weit auseinander liegt – von einigen Vorlieben für skandinavische Bands mal abgesehen. Und dennoch, die Leidenschaft zum D.I.Y. (der hier zum Teil schon totgesagt wird), das Leben und alternativen Wegen, finde ich bemerkenswert. So ist auch die elfte Ausgabe des Heftes wie immer sehr, sehr lesenswert, eine Art fortwandelnde Selbstfindung. Dabei kommt sein Liebes- bzw. Beziehungsleben diesmal deutlich kürzer im Vorwort, denn Ingo (Sabbel-Fanzine) geht auf das Liebensleben und Paarbeziehungen im Allgemeinen ein und kommentiert somit den Senf der letzten Ausgaben vom Bäppi. Gut zu lesen, auch wenn ich einige Meinungen nicht teile. Dazu gesellen sich sehr gute und spannende Interviews zum Beispiel mit Andreas Cräck und dem Herrn Stiletti vom Pankerknacker. Kollege Stiletti gibt lange, ausführliche Antworten und plaudert aus dem Nähkästchen. Dazu kommen noch Interviews mit Bands, die mich wenig bis gar nicht interessieren (u.a. Pestfest, Insonnia [Ex- Lost World], Red With Anger, Exilent), die allerdings dennoch lesenswert sind. Wenn man als Punk schon kaum aus Flensburg kommt, dann sollte man wenigstens einmal in der Dekade in wärmere Gefilde reisen und so gibt es einen relativen langen Urlaubsbericht von Gran Canaria, dem dann doch etwas die Dramatik fehlt und auch die Informationen nicht so sonderlich spannend sind. Da finde ich Stilettis Reiseberichte im Pankerknacker immer besser, wobei der ja auch weiß, wie man sich in die Nesseln setzt. Sehr gut fand ich die Idee, die Tour von The Baboon Show durch verschiedene Konzertberichte von verschiedenen Leuten zu skizzieren. Eine nette Idee und eine gute Hommage an eine großartige Band! Dazu die üblichen und sehr ausführlichen Besprechungen von Fanzines und Tonträgern, eine lange Auseinandersetzung mit Cannabis sowie eine ???- Geschichte vom geschätzten Falk Fatal machen aus der Nummer eine runde Sache. Einzig und allein bei dem Review der Weltraumschrott-Platte musste ich herzlich lachen, weil ich glaube, dass da tatsächlich kein Satz richtig ist. Dennoch, volle Punktzahl. [humanparasit@web.de]

Freiburg und Willy Fog in Münster

Freiburg, Willy Fog und Over The Top auf dem Greenhell Yardsale in Münster (26. Mai 2012)
Ein sonniger Samstag vormittag, Rasenmäher surren in Vorgärten, Heckenscheren stutzen Rosen und anderes Gemüse, Menschen pfeiffen lustige Lieder, als sich plötzlich die Sonne verdunkelt, ein lautes Getöse über die idyllische Einfamilien-Siedlung in Herzebrock-Clarholz einbricht und mit einem Mal ein Monster in der Einfahrt steht. Der Truck von Freiburg, der mich aus dem Paradies für Vorstadtspießer entführen wird und mit sich nach Münster nehmen wird. Naja, ein LKW ist es nicht, aber immerhin ein monströser Lieferwagen.
Freiburg sind vier Jungs aus der Umgebung, die Punkrock a la Turbostaat, duesenjaeger und anderen spielen, die nette sympathische Jungs sind und die auf dem Greenhell Garagenverkauf spielen werden. Großartig! Die Musik ist gut, der Platz bequem, das „Hallo“ freundschaftlich. Schon im beschaulichen Beelen, in dem man neben „Spargel aus Herzebrock“ auch Kaltgetränke im örtlichen Supermarkt der Kette „Jibi“ serviert bekommen kann, randaliert einer der drei Label-Leute von „This Will Be On Your Favourite Mixtape“-Records in der Six-Pack-Abteilung. Der Rest tut Buße, kauft Flippers-CDs mit einer außergewöhnlich geringen Hitdichte, um dann angesäuselt in Münster anzukommen. Viel zu früh für Livemusik, genau rechtzeitig, um „Huhu!“ zu sagen, einige Platten mitzunehmen (Finger weg von der neuen Hot Water Music, Finger dran an die neue Bloody Gears und die wiederaufgelegte Discount) und ein wenig Freibier zu naschen. Das hatte der Vertrieb Cargo ausgelobt, da Greenhell der beste Plattenladen Deutschlands in einem Award geworden ist. Herzlichen Glückwunsch … oder so!
Willy Fog beginnen irgendwann zu spielen und die Jungs machen recht okayen Schreiemo, Screamo, zuppdidupp. Viele stehen vor der kleinen Bühne auf dem Rasen, lassen sich die Sohne auf die Mützen und Haare scheinen und freuen sich der Welt. Oder nicken im Takt ohne so zu wirken, im Takt mitzuwidmen. So, wie man es heute tut, wenn die Laune gut und die Stimmung überschwänglich ist.
Dann eine lange Pause, ein langes Warten und Freiburg dürfen ran. Mittlerweile bin ich ganz gut angetüdelt, genieße das Setting und schaue abwechselnd zur Halfpipe, wo sich BMXler und Skater versuchen und genieße Wetter, Musik, Ambiente. Dürfte länger so weiter gehen. Freiburg spielen einige Songs ihres Albums „High Five Zukunft“ (wärmstens ans Herze gelegt) und auch neue Sachen. Schön, die Weiterentwicklung zu beobachten.
Im Anschuss eine weitere lange Pause, denn Over The Top scheitern daran, ihren Schlagzeuger aus Essen zu entführen. Statt Hardcore-Trash also nur noch eine Performance, denn Sascha von Over The Top liest die Texte der aktuellen „Fleisch-EP“. Zur Belustigung aller geht es da einzig und allein um den Verzehr von totem Tier. Einigen Hardcore-Veganer/innen vergeht irgendwann das Lachen, als sie dann merken, dass es nicht nur bloße Ironie ist, die ihnen hier begegnet. Aber egal, ich genieße es, hat was von Slam Poetry (einer macht sich zum Affen und das Publikum will unterhalten werden) und Spiegel über den Kopf-Ziehen der eigenen Szene (anstatt immer nur davor halten … die meisten gucken ja eh nicht richtig). Ob man allerdings eine Picutre-7″ nur mit Songs über Fleischkonsum braucht, überlasse ich anderen.
Danach geht es zurück nach Essen, weil die Kraft doch nicht mehr reicht, sich noch Bridge & Tunnel anzusehen. Schade eigentlich!