Archiv für August 2012

The Computers + The Static Age + Slingshot Dakota in Oberhausen

The Computers + The Static Age + Slingshot Dakota im Druckluft in Oberhausen (15.08.2012)
Ohne große Erwartungen und ohne die Bands zu kennen auf ein Konzert zu gehen ist immer, wie eine Schachtel Pralinen zu naschen [Bei dem Griff in die schlechte Kiste der absolut hundsmiserablen Vergleiche, sind Vergleich mit Pralinen-Schachteln wirklich schwer herauszufischen, weil diese so dermaßen dämlich und dennoch häufig zu Rate gezogen werden, dass es knallen sollte. Tut es aber nicht, daher weiter mit grenzdebilen Weisheiten …]. Mal erwischt man eine richtige Gute, manchmal etwas, was man direkt wieder ausspucken will. Am besten ist es natürlich, wenn man erst den Müll im Mund hat und sich danach zu den leckeren Dingen hin arbeitet, denn dann bleibt der Geschmack für den Rest des Abends.
An diesem Abend war es alledings genau umgekehrt. Das Highlight war für uns definitiv Slingshot Dakota, ein Duo, ein Pärchen, das mit Schlagzeug und Keyboard einen Lo-Fi-Indie-Punk zelebrierte, der zu Gefallen wusste. Diese typischen „Wir-Sind-Eine-US-Band-Und-Das-Erste-Mal-Aus-Unserem-Land-Und-Finden-Alles-Toll-Und-Super-Und-Sind-So-Dankbar-Für-Alles“-Ansagen nervten zwar auf Dauer ein wenig – denn Deutschland ist nicht geil und Oberhausen erst Recht nicht –, aber es wirkte authentisch und nicht aufgesetzt, immerhin. In den Staaten Kellnerin, in Oberhausen auf der Bühne. Nun ja, auch nicht so ungewöhnlich, würde ich mal behaupten. Leider haben sie keine richtige Band-Page (wird direkt auf Facebook verwiesen, dem neuen Myspace … hier dennoch der Link). Musikalisch also unerwartet gut, recht sympathisch und hörbar. Ruhig mal antesten, wenn man auf Indie-Punk steht …
Wolverine und seine charmante Begleitung hatten uns dann nervös immer wieder auf Static Age hingewiesen (richtige Homepage), mit denen auf Punkrockers-Radio dereinst ein Interview lief und an denen der Herr und die Dame gefallen gefunden hatten. Wir waren gespannt und dann doch ein wenig enttäuscht. Gute, relative ruhige Indierock-Musik, ja klar, sympathisch, allein schon die Ansagen des Bassisten in Englisch, die ich erst ab der fünften verstehen konnte – Akzent, meine Fresse! – aber musikalisch sehr ruhig und vor allem ohne für mich überraschende Momente. Lief halt nebenbei, das auch ganz gut, aber überragend war die Band nicht. Auf der Pralinen-Skala würde ich sagen, etwas Solides mit Marzipan, kann man nicht wirklich mit ins Klo greifen, aber auch nicht bombig.
Zartbitter-Haselnuss-Stachelbeer-Creme-Praline waren dann allerdings The Computers aus England. Oder anders: Ekelig! An Bärte hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, sehen Scheiße aus, sind aber in, scheinbar. Aber Haartollen und weiße Kostüme, dazu ein völlig überdrehter Sänger (der mehrere Songs vom Tresen im Druckluft sang …), Rock‘N'Roll-Überdosis, aufgesetzt wie bei den Hives, allerdings ohne deren tatsächliche Coolness zu erreichen. Als würde ein sechsjähriger die Posen von Elivs oder Joe Strummer vor dem Spiegel im Badezimmer imitieren, während im Radio gerade Die Toten Hosen mit ihren Rockbaladen laufen. Unschön, unschön. Jetzt sollte man Kindern mit viel Geduld erklären, warum das Mist ist, allein schon weil Gewalt gegen Schwächere „Iii-Bah“ ist, aber bei den Computers würde ich aufgeben. Dass sie beim Rausgehen nach sechs Songs auch noch The Clash mit „Train in Vain“ gar nicht mal so schlecht coverten, setzte der Unverfrorenheit nur noch die Zipfelmütze über die Tolle auf. Oder war das genau der passende Moment zu gehen? Egal, Computers, schlecht, Abend gut!

Punkrockers-Radio – Playlist der Sendung vom 07. August 2012

Punkrockers-Radio – Playlist der Sendung (07.08.2012)
Am 7. August war ich beim Wolverine zu Gast in der Sendung „Plattenküche #19″ auf Punkrockers Radio. Wir haben eine Menge philippinischen Punkrock durch den Äther gejagt, über das Land gequatscht und Spaß gehabt. Danke an Wolverine und Punkrockers Radio sowie alle, die zugehört, mitdiskutiert oder im Anschluss Feedback gegeben haben. Wer sich für die Bands interessiert, Facebook / Myspace / Bandcamp haben fast alle Bands. Wer sich für die Philippinen interessiert, sollte unbedingt die Website der deutschen Organisation philippinenbüro checken, dort finden sich viele Infos zu der politischen Situation und sozialen Bewegungen.

Hardcore-Crowd in Manila in 2011

Playlist:
21:01 The Lurkers – Wolverine (Britischer Punk)
21:05 Gut Reaction – 93 (90er Melo-Core aus Manila / Bulacan)
21:07 Urban Bandits – Blood in Every Heart (80er Kracher)
21:13 Bad Omen – Unite And Fight (Streetpunk aus Manila von 2012)
21:16 Istukas Over Disneyland – Ekonomiya (Hardcore-Punk aus der Pampanga-Provinz von 2011)
21:22 Pascow – Spraypaint The Walls (Split-Single mit Spermbirds der Saarland-Heroen von 2012)
21:24 Arsonsmith – Arsonsmith Must Be Destroyed! (Destructo-Punk aus Bulacan-Provinz)
21:27 Choke Cocoi – Karamihan ng Tao ay Pu (Biofeedback) (All-Girl-Riot-Core aus Laguna)
21:36 PUT 3 SKA – Manila Girl (Ska aus der Hauptstadt)
21:39 Marcos Cronies – Skaciety (Ska aus der Pampanga-Provinz)
21:47 Go Signals, The – Stand Up! (Mod-Rock aus Manila)
21:50 Granada – Defiant (Acoustic-Punk-Sensation aus Manila)
21:57 Stöj Snak – How Much Tear Gas Does It Take Before You Start Seeing Red (Dänischer Akustik-Punk von 2012)
21:59 The Beauty Of Doubt – (We Should) Just Matter (Hardcore-Band aus Manila von 2010)
22:06 No! – Don‘t Hold Back (Female-Fronted Hardcore aus Cebu)
22:08 Toxic Orgasm – Feminism (Female-Fronted Hardcore aus Cebu, nochmal)
22:09 Richard Collier – Make Up, Break Up (Emo-Punk aus der Hauptstadtregion)
22:13 The Rapture – Bible Study (Christen-Melo-Core aus Cebu)
22:17 Feud – X on my hand (Straight Edge Hardcore aus Cavite)
22:19 half the battle – half the battle / take the chance (Hardcore aus Manila)
22:28 Philippine Violators – Who Needs Society (Punkrock-Klassiker aus den 1980ern)
22:30 Einstein Chakras – Abolish Private Property (Punkrock von England beeinflusst, based in Manila)
22:33 Bad Omen – Bloody Bastard (Streetpunk von 2012)
22:41 BETRAYED – Hardcore Rules (Old School Hardcore aus den 1980ern)
22:42 Throw – Throw Them All Away (Old School Hardcore von 2010)
22:44 Istukas Over Disneyland – Ritwal (Pampanga’s Finest – von einer Split 7″ mit den französischen R.A.B.)
22:50 Anti Suck System – Leeches (Punkrock aus den Philippinen)
22:52 AxSxP – Third World Country (Punkrock aus den Philippinen)
22:58 Caitlyn Bailey – …So This Is Home (Screamo aus Davao)
23:02 the beauty of doubt – everything ends (Hardcore aus der Hauptstadtregion)
23:06 Pascow – Ich bin dann mal durch (Mit dem Saarland endet’s …)

TV Smith in Köln

TV Smith im Sonic Ballroom in Köln (09.08.2012)
Es war schon ein wenig Zufall, dass ich genau an dem Tag in Köln war und auch noch beim Sonic Ballroom zwei Tickets gewonnen habe, an dem TV Smith dort aufspielen sollte. Sehr schön, alte Freunde eingepackt und dann ab nach Köln, nach Ehrenfeld, um genau zu sein. Natürlich viel zu früh, dafür mit Bierchen bewaffnet, vor dem Sonic Ballroom das Sommerwetter genossen. Ein vorbei kommender Studi zu seinen Freunden: „Das sind zwar nicht die Rhein-Terrassen, aber hier kann man auch nett rumhängen“, sagte es und setzte sich auf eine Treppe im Industriegebiet. Vielleicht war der junge Herr ja aus Gelsenkirchen, vielleicht auch nicht. Zeit vertrödelt und irgendwann als wir dann reingegangen sind, war der Laden auch schon brechend voll. Als wären irgendwo Schleusen geöffnet worden.
„No time to be 21″ war so der erste Song des abends (nur für uns?) und danach spielte sich der ehemalige Frontmann der Adverts quer durch sein eigenes Programm („Generation Y“ oder „The Day We Caught The Big Fish“) sowie einige der Hits der Adverts („Gary Gilmore’s Eyes“ oder „Bored Teenagers“). Insgesamt ein Klasse Programm, gefühlt weit über eine Stunde Live-Musik und ein Publikum, dass dem Barden aufrichtig zuhörte und das Konzert genoss.
Da ich selbst keine Bilder gemacht habe, hier eines von der Homepage von TV Smith.
TV Smith Photo - von der TV Smith Homepage (tvsmith.com)