Archiv für März 2013

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter in Köln

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter im AZ Köln-Kalk in Köln (11.03.2013)
Kennt man ja, Wochen lang passiert relativ wenig in der Stadt und dann spielen Auszenseiter aus Herzebrock-Clarholz und Make Do And Mend aus den USA gleichzeitig. Schöne Scheiße! Aber da ich das AZ Kalk immer anderen Läden vorziehen würde, ging es eben nicht auf die andere Rheinseite, sondern nur um die Ecke.
Als ich ankomme, geschafft von dem Tag, an einem Montag mit der Müdigkeit des Tages, fangen Auszenseiter schon an. Großartiger Hardcore mit Schreigesang, nach vorne gehend, dennoch düster, und gleichzeitig sehr nett. Der Gesang ist sicherlich nicht ganz meine Sache, aber dafür gefällt mir der Rest umso besser. Hört sie euch auf Bandcamp an (Link).
Resurrectionists sind dann aus dem Cry me a River Festival-Umfeld. Münster, Warendorf, Harsewinkel, wer jetzt noch weiß, worüber ich schreibe, war wahrscheinlich schon einmal da. Ich habe immer noch eine sehr nette und gute Erinnerung an das Festival in 2007, als leider Kurhaus sich kurz vorher auflösten (ein alter Bericht findet sich hier). Das Cry Me A River ist wirklich super und ich respektiere die Personen, die so einen Aufwand auf sich nehmen und ein so sympathisches Festival machen. Die Musik von Resurrectionists gefällt mir allerdings gar nicht. Power Violence finde ich einfach Scheiße. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für die Musiker/innen eine nette Möglichkeit ist, sich zu verausgaben und Energien abzubauen und auszuleben, doch für mich im Publikum merke ich, dass ich nach wenigen Minuten die Müdigkeit spüre. Ich fange an zu gähnen. Gleich bleibender Lärm umgibt mich, ich muss weg von der Bühne.
Erst Holy bringen mich wieder zurück vor die Bühne. Eine sehr gute Band aus Italien, die erneut Hardcore (Bandcamp-Link)spielen, der aber melodischer ist als die Power Violence Schiene zuvor. Sie erzählen auf der Bühne kurz über Veganismus, was ich okay finde, an diesem Abend aber wohl auch predigen zu den schon Bekehrten ist, but who cares. Netter Abend, dann aber ins Bett, da einfach nur erschöpft.

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks in Mülheim

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks im AZ in Mülheim (09.03.2013)
Irgendwie fühle ich mich wie ein Kind, was das erste Mal mit offenem Mund vor etwas steht, was es nicht begreifen kann. Wahrscheinlich habe ich auch so ungefähr ausgesehen, als ich im AZ Mülheim Planks (Homepage) angestarrt habe. Planks sind eine dreiköpfige Band, die ich am gestrigen Samstag das zweite Mal in meinem Leben gesehen habe. Das erste Mal vor knapp einem Jahr auf dem Loss of Breath Festival in der Hamburger Flora (s. Bericht). Damals fesselten sie mich schon ziemlich, im AZ haben sie mich einfach an die Wand gespielt.
Planks im AZ Mülheim
Die Band kommt aus Mannheim und spielt eine wuchtige Mischung aus Hardcore, Metal und Sludge. Ihr neues Album heißt Funeral Mouth und ich würde es jede/m ans Herz legen, der auf diese Art von Sound steht. So dicht, so treibend, so bombastisch, mich haben die 3 auf jeden Fall begeistert. Dazu kommen einfach Mittel, wie das Anstrahlen der Bandmitglieder von unten, was mächtige Schattenspiele entstehen lässt, dazu ein angenehmes Publikum, einfach alles passend. Ihre älteren Tonträger sind vor Kurzem bei Souther Lord (Link) auf CD erschienen, wobei ich finde, dass diese Art von Musik nicht auf Tonträger wie CDs, sondern auf tonnenschweres Vinyl gebannt gehört, bzw. eh am besten Live wirkt.
Bis zur Band war der Tag auch schon sehr nett, da ab 15:00 Uhr der Plattenflohmarkt im AZ war. Zwar waren wenige Einzelverkäufer/innen da, die ihre Sammlung anboten, dafür aber viele gute Händler/innen aus der Umgebung und ein bisschen Geld und ein paar Schallplatten wechselten so seinen/ihren Besitzer/in. Danach noch ein wenig in der Kneipe Fußball schauen, vor und nach der Band Unrest am Kicker abgezogen werden und dazu gute Gespräche und Bierchen. Unrest, das nur zur Vervollständigung, waren ganz okay. Mit ihrem metallastigen Hardcore konnte ich weniger anfangen. Dann sogar recht zeitig in der Wohnung der Liebsten angekommen, die Planks Platte aufgelegt und gefreut, dass ihre Mitbewohner/innen nicht zu Hause waren.
Wenn Euch Planks interessieren, lest auch unbedingt das Interview, das Alva mit ihnen für die #152 des Trust-Zines gemacht hat. Sehr gut (Link)!

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in Münster

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in der Baracke in Münster (01.03.2013)
Es gibt doch kaum etwas schöngeistigeres als in einem RegionalExpress durch das Ruhrgebiet Zeitung und Buch lesend, Bier trinkend und Musik hörend dem Ziel Münster entgegen zu fahren. Da kann auch der Freitagabend-Feierabend-Verkehr einen nicht mehr schocken. Dem im Januar verstorbenen Jakob Arjouni ist schon vor vielen Jahren mit „Magic Hoffmann“ einfach ein wahnsinnig gutes Buch gelungen. Es macht Spaß sich dem Buch mit einem Bier und in Bewegung zu widmen. „Magic Hoffmann charakterisiert noch heute Berlin und deren Zugezogene sehr gut. Hammer, Nagel, Kopf!
Beim Umsteigen im Hammer DrogerieMarkt wird dann Nachschub geordert und ich wundere mich über Bierbüchsenpreise, die durchaus im Kontext des Reiseverkehrs als „günstig“ eingestuft werden können. Meine ersten Bierdosen seit Jahren, in Münster am Aasee werden sich die Pfandflaschen- und -dosensammler/innen darüber freuen.
Freiburg (Band), Punk aus Herzebrock-Clarholz
Den ersten alten Freund direkt am Bahnhof begrüßt und durch das nächstliche Münster gelatscht. Immer noch hunderte von Karnickeln, immer noch Jogger/innen und Radler/innen, immer noch Münster überall. Nur die offene Drogenszene an den Aaseekugeln gibt es (zumindest bei den eisigen Temperaturen) nicht mehr. An der Baracke angekommen, muss ich erstmal laut lachen. Haben sie nicht die alte Baracke abgerissen? Kann es sein, dass dies eine eins-zu-eins Nachbildung ist? Wahnsinn! Drinnen dann das gleiche Bild. Theke, Toiletten, Bühne, Fenster, alles noch an den gleichen Stellen, nur renovierter. Das Leben ist echt ein Wahnsinn!
Musikalisch tat sich dann nach kurzer Zeit etwas. Alles wegen Lilly (Bandcamp-Link) fingen an und spielten ganz netten emotionalen Post-Punkrock, wie er seit einigen Jahren so äußerst beliebt ist. Ehrlich gesagt langweilt mich die Musik eher, obwohl die meisten Bands gute Musiker (/innen?) sein mögen, ist mir die Musik zu wenig direkt, textlich häufig ich-fokussiert und voll von Selbstzweifeln, das ganze hat wenig Biss, keine Provokation, kein Protest, nichts Nihilistisches mehr. Nichts gegen Selbstzweifel, aber dieses häufig sich selbst beweinende um sich selbst drehen, erinnert mich von der Aussage viel mehr an Grunge / Alternative Rock. Für Käfer K (Link), die an dem Abend ihr neues Album präsentierten, gilt das leider auch. Klar, es gibt Bands, die klingen ähnlich und denen gelingt der Spagat, Matula sind da zu nennen, aber vieles andere finde ich einfach nur belanglos (Adolar, Mikrokosmos23, etc.). Vielleicht habe ich den Bands aber auch nicht zur Genüge gelauscht, oder war einfach in anderer Laune. Oder aber Geschmäcker und ihre Verschiedenheit … blablabla … bis dato hat mich die Baracke als (wieder) existierendes Gebäude und die Erinnerungen an geile alte Punk- und Hardcore-Shows plus viele Freunde vor Ort mehr erfreut als die Bands …
… und außerdem war ich wegen Freiburg da. Deren neues Album ist nämlich, im Gegensatz zu vielen anderen Bands, tatsächlich eine Weiterentwicklung, die mir gefällt. Schneller, direkter, wütender. Und sie spielen dieses Album dann auch fast komplett durch, plus einen oder zwei ältere Songs und dann runter von der Bühne. Ein kurzes, aber schnelles Set. Nicht viel Gelaber, einfach auf den Punkt gebracht. Hand claps, dann nach Hause! So darf Punk 2013 sein!

Kent Coda in Oberhausen

Kent Coda in der Druckluft in Oberhausen (22.02.2013)
Fußball in der Oberhausener Provinz und im Anschluss einfach mal auf Verdacht in die Druckluft. Dort spielt Kent Coda, eine Kölner Indie-Folk-Band, die vom Akzent her wohl ziemlich lange mal in Großbritannien gelebt hat. Kent Coda singen auf Englisch und Türkisch und vor allem die schnellen Songs besitzen Charme, erinnern an Chuck Ragan und lassen mich mitwippen. Die langsamen Songs hingegen gefallen mir gar nicht. Folk muss einfach sein, ist meine Meinung. Nach 120 Minuten frierend in der Kanalkurve zu Oberhausen, wärmt uns die Druckluft und mit Mate wird auch der Alkohol wieder etwas ausgespült.
Doch der Zug nach Köln ruft und wir entscheiden uns, nicht noch eine Stunde in der Druckluft zu bleiben, wo sich leider nur knapp 40 Personen eingefunden haben und daher verpassen wir Dear Wolf, die wohl ähnliche Musik machen dürften.