Archiv für Juni 2013

Nuclear Raped Fuck Bomb (N.R.F.B.) + Schnipo Schranke in Berlin

Nuclear Raped Fuck Bomb (N.R.F.B.) + Schnipo Schranke im Festsaal Kreuzberg in Berlin (29.06.2013)
Man kann nicht unbedingt sagen, dass ich vor Vorfreude wochenlang nicht schlafen konnte. Eher im Gegenteil, skeptisch bis misstrauisch ob des Abend bestieg ich das Rad. Abgesehen von einem großartigen Abschiedskonzert von NERF an der Oberbaumbrücke (Elektropunk) und einer Wasted-Show im Cortina Bob (Punkrock) waren die letzten Wochen eher der Entsagung von Livemusik gewidmet.
Dennoch, irgendwie war mir nicht klar, was mich erwarten würde. Die erste NRFB-Platte hatte es nicht häufig auf den Plattenteller geschafft und wenn mir was an ihr gefallen hatte, dann die röhrende Stimme von Frankie Stubbs. Gerade dieser war bei der neuen Platte und der ersten Tour nicht mit an Bord. Also mal schauen …
Am Festsaal Kreuzberg angekommen auch direkt festgestellt, dass für 23:30 schon die Folgeveranstaltung plakatiert worden ist – HipHop. Herzlichen Dank! So kriegt man gleich richtig Lust auf die Show. Der nächste Schock, 3 Euro für ein kleines Flaschenbier? Verarscht mich hier gerade jemand? Der Liter zum Preis eines Kastens? Selbst alkoholfreies Bier („Becks Blue“ … ohne Worte) in der gleichen Preiskategorie … nun ja, wurde so zu einem günstigen Abend. Immerhin, nette Menschen waren immerhin zu gegen, das ist ja das Wichtigste!
Im Innenraum spielten derweil Schnipo Schranke minimal Pop – Schlagzeug, Keyboard, Texte, die meinen Deutsch-Lehrer in der achten Klasse nicht mal mehr zum Erröten gebracht hätte, aber die älteren Semester „Hamburger Schule“ hinter mir ein dreckiges „Höhöhö“ entlockten. Schön, dass auch Frauen platte Deutschpunk-Sauftexte in der Öffentlichkeit präsentieren!
Dann wieder raus, frische Luft, warten.
Nuclear Raped Fuck Bomb (NRFB) im Festsaal Kreuzberg in Berlin
Nuclear Raped Fuck Bomb waren dann lahm. Irgendwie fehlte was, etwas Überraschendes, etwas Begeisterndes. Klar, „N.R.F.B.“ ist ein Hit mit Billotechno, das mag ich. Der Rest aber irgendwo zwischen Rachuts Stimme und Indierock/-pop. Die Stimme der Sängerin, Lisa Hagmeister (u.U. bekannt aus diversen Tatort-Filmen), war auch gut, doch irgendwie fehlte der Musik das gewisse Etwas. Am Ende die Frage, hätte ich mir das auch ohne die Stimme von Rachut bis zum Ende angehört? Wahrscheinlich nicht! Und klar, die reisst vieles raus! Aber alles? Irgendwie fing mich die Musik nicht, keine Hits, der „Panzerfahrer“ vielleicht noch am ehesten. Wie sagte es jemand am Abend: „Ich mag Musik, wo ich merke, dass sich die Leute bemühen. Die Band mochte ich nicht.“ Den meisten der ca. 150 Anwesenden – bei einer Band mit Die Sterne, Die Goldenen Zitronen, Kurt und Oma Hans/Kommando Sonne-nmilch (um mal nur die letzten Rachut Bands zu nennen) – schien es zu gefallen, getanzt wurde nicht.
Beim Rausgehen noch ein Gespräch der Türsteher aufgeschnappt: „Okay, ich geh dann jetzt mal rein und schmeiß die Leute raus!“ Herrlich, die/der Konzertbesucher/in als zahlendes Vieh, einmal auspressen und dann ausspucken. Keine Zeit für gemütliches Bier nach der Show (bei den Preisen vielleicht auch nicht schlimm), kein Rumhängen und Quatschen mit Freund/innen. Kackladen, zumindest für diesen Abend! Wenn ihr euch über Parties finanziert, dann lasst das mit Konzerten am Wochenenden!

Fanzines – Try to wake up with a smile on your face! #04

Try to wake up with a smile on your face! #04
Chriz hat wieder richtig Bock bekommen, Zines zu lesen, zu tauschen und selbst eines zu machen. Diesen „Bock“, diese Leidenschaft zeigt sich auch in der vierten Ausgabe des Zines mit dem langen Namen. Halb Englisch, halb Deutsch schreibt und kommentiert er und einige Mitstreiter/innen sich durch das Geschehen in Punk/Hardcore und Fußball. Dazwischen gibt es immer wieder Einblicke in die Lebens- und Gefühlswelt von Chriz, was den Charme dieses Heftes noch einmal deutlich unterstreicht.
Zentraler Punkt dieses Heftes ist dieses Mal eine Abrechnung mit Cock Sparrer, die mehr und mehr zu einer unpolitischen, rechtsoffenen Deppen-Band werden. Konzerte von Cock Sparrer, so schildert der Artikel, so wurde es mir aber auch mehrfach von anderer Seite berichtet, sind mittlerweile Groß-Aufläufe der jeweiligen Naziskins der Umgebung geworden. Selbst in Hamburg mit Zugegensein der St. Pauli Hooliganfraktion waren die Rechten scheinbar in der Überzahl. Dass die Band zwar nicht selbst rechtes Gedankengut unterstützt, sie aber so stumpf sind, dass ihnen egal ist, wer im Publikum steht, ist echt schon hart. Da fehlt leider eine wichtige Distanzierung, die über die Floskel „gegen Nazis sein“ hinaus geht. Stattdessen empfehle ich lieber, charismatische Coverversionen von Cock Sparrer Hits, wie zum Beispiel von Bad Omen (Manila belongs to me) oder The Pukes (Because you are young), die ich unter das Review mal einbette.
Was ich allerdings bei dem Artikel vermisse ist, dass der Band nicht die Gelegenheit gegeben wurde, Stellung zu beziehen. Ähnlich wie man seinen Lieblingsfußballclub nicht den Deppen überlassen sollte, sollte man sich meiner Meinung auch um Bands bemühen, die einen Teil der Szene geprägt haben. Aber vielleicht kann und will das nicht jedes Zine leisten (müssen). So wirkt es halt, wie einer der vielen einseitigen Oire-Szene-Einträge, die mir manchmal zu platt und in schwarz-weiß denken.
Texte über United of Manchester, die norddeutsche Fanzine-Szene und ein persönlicher Text über Straight Edge sind weitere Highlight. V.a. weil der XXX-Text nicht missionarisch, sondern reflektiert und die Entscheidung für sich erklärend ist. Es geht halt darum, den Lebensweg für sich zu finden, der der richtige ist. Dazu kommen massig Reviews von Fanzines (keine Tonträger, yeah!) und Fixibikes. Alles in allem wieder ein großartiges Zine!

Kontakt: posicore@baerenhor.de

BAD OMEN

THE PUKES

Fanzines – Punkrock! #17

Punkrock! #17
Das Punkrock! ist nun seit zwei, drei Ausgaben eines dieser Bahnhofs-Gazetten-Gossenhefte. Also eines der Hefte, dass man unter einem Landlust-Heft peinlich berührt zum Tresen trägt, um dann für 4 Euro (in Deutschland, Österreicher/innen zahlen zurecht 20 Cents mehr, Schweizer dürfen erst gar nicht in Euro bezahlen, sondern müssen 6,5 Währungseinheiten ihrer Schweizer Franken aus der Züricher Bahnhofstoilette klauen) auf die Geldablage kullern zu lassen. „Aha, Punkrock!“ könnte dann der Kioskzeitungsverkäufer sagen, wenn ihm das alles nicht total egal ist.
Diese vier erschnorrten Euro (Zeitaufwand: ca. 10 Minuten in Frankfurt, 14 Minuten in Mannheim, 5,2 Stunden in Essen und drei Tage in Berlin – Eisenhüttenstädter/innen sei an dieser Stelle ein Banküberfall empfohlen, oder zwei!) sind gut angelegt. In Nummer 17 findet der Irokese Interviews mit Restarts, der Deutschrocker eines mit Dritte Wahl, der Garagen‘Roller Modern Pets und der Gar-Kein-Punk (Banker, Poser, Yuppie, Arsch, Eisenhüttenstadt-Gut-Finder/in) eins mit ZSK. Damit wären die Schwachstellen des Zines zum Glück aber schon abgedeckt. V.a. ZSK finde ich mittlerweile unsäglich, so scheiße wie die Toten Hosen oder Beatsteaks, auch wenn Kein-Bock-Auf-Nazis (Link) eine Superaktion ist. Ansonsten, belanglose Kackband. Aber wie gesagt, das waren die Schwachstellen! Nähern wir uns den Stärken, mit einem Ranking von Hinten:
5.) Punkrock!-Was bin ich
Eine gute Idee Punks und Punketten mit ausgefallenen Jobs (oder stinknormalen) einem Ratequiz aus den 1950ern (!) zu stellen. Wirtschaftswunder-Humor trifft auf nerdige Nette-Leute-Fragen. Das liest sich fluffig und man kann sich (in schwarz-weiß) ausmalen, wie es im Punkrock!-Studio rund ging. Hoffe auf weitere Teile und dann mal richtig seltene Jobs (Fluglotse, Eichhörnchen-Besamerin, Stroboskop-Einsteller, etc.), die noch schwerer zu erraten sind.
4.) Barb Wire Dolls und Stitches Interviews
Zwei Bands, die mir nicht viel sagen, die aber dennoch recht gute Interviews geben, die lesbar sind und v.a. auch abseitig viel in Erfahrung bringen. Muss man auch mal löblich erwähnen …
3.) Herders und andere Kolumne
Kolumnen sind die Stärke der meisten Hefte. K. Wrath kotzt sich zum Beispiel immer am Ende des Heftes aus und Papa Herder’s Kolumnen sind natürlich per se schon großartig (apropro – 13. Juli in Recklinghausen, Freundchen?), auch wenn ich diese hier nur „okay“ finde. Kann der Gute besser und unterhaltsamer, aber da sich seit einiger Zeit das Leben in etwas kleineren Radien dreht, freue ich mich schon, was demnächst passiert, wenn Papa wieder in die weite Welt darf oder Töchterchen den ersten Schalke04-Fan mit nach Hause bringt. Auf das sie kein HipHop höre!
2.) RVIVR Interview
Eine großartige Band, da kann man dem Martin nur Recht geben. Und das trotz dessen zum Teil wirklich wahnsinnigen Aussagen zum Thema „Beste Band der Welt“. Ein gutes Interview und einer der besten Bands der letzten Jahre.
1.) Myanmar-Spezial
Dass ich ein Faible für Punk aus Asien habe, könnte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Dass das Punkrock! ein 13 Seiten Spezial zu Punk in Burma macht, hat mich daher gleich doppelt erfreut. Zum einen kommt die Band Rebel Riot zu Wort, zum anderen gibt es viele sehr schöne Bilder und weitere gute Texte. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang ein wenig Angst vor den Texten hatte, weil es sehr schnell in Richtung „Exotik“ trifft auf „die sind halt so“ gehen kann. Doch die Texte sind von Leuten geschrieben, die selbst teilweise in dem Land leben und mit den Burmesen eng befreundet sind, zum Teil zusammen leben. Auch wenn ich nicht alle Aussagen teile und an ein zwei Stellen mich über einige generalistischen Aussagen amüsieren konnte (schon Ende der 90er existierten Punkbands wie The Ants oder Ghost Rider), wirklich sehr, sehr gelungen und informativ.
Last but not least – Kaufargument für dieses Zine ist, dass Bocky, Dennis, Steve, Olli, Martin, Herder und Co auch noch super nette und zuvorkommende Menschen sind, mit denen man feiern und (!) reden kann – wahnsinn!
Auf dieser Seite kann man es kaufen – PUNKROCK!