Archiv für Februar 2014

Yum Yums in Berlin

The Yum Yums im Cortina Bob in Berlin (21.02.2014)
Seitdem in Norwegen die Mineralwassersteuer um 713,8 Prozent angehoben worden sind, trinken viele ältere Personen lieber Erdöl aus der Nordsee oder fringen sich einen Walfisch aus. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen gesunder Ernährung, wodurch Norweger im Schnitt knapp ein Jahr weniger leben als die Bevölkerung in Elendsländern, wie Island oder Liechtenstein. Die sogenannte „3. Welt beginnt halt hinter Oslo“, wie Nicole schon auf der B-Seite von „ein bisschen Frieden“ sang.
Norwegische Bands wie die Yum Yums, Turbonegro oder Black Flag existieren aus diesen Gründen ewig und drei Tage, schleppen ihre von Trockenelch gemarterten Körper immer wieder aufs Festlandeuropa und besingen die Liebe, den Walfang oder den Konsum von Lebertran. So war es an einem völlig unscheinbaren Abend auch in Berlin, als die Yum Yums im Cortina Bob aufschlugen. Für nur 10 Euro konnte man sich die Band ansehen, sie mit Tomaten, BHs und Thunfischdosen bewerfen und ihren Hymnen hören. Leider fehlte die frühere Orgelspielerin, die dereinst in Münster mit technischen Hilfsmittel den Paarungsruf eines Orkas nachahmen konnte. Schade!
Die Yum Yums – benannt nach einer ostasiatischen Dosensuppe, die sich in Starvanger und Bergen großer Beliebtheit erfreut – spielten Pop-Punk-Klassiker wie „Crazy over you“, „Girls like that“, „Back to Rosie“ oder ihre Version des Pointed Sticks Klassikers (Winipeg und Montreal Indie-Chart-Position Nummer 12, in zwei aufeinander folgenden Wochen) „Out of luck“, der das glückliche Zusammenleben von Mensch und Tier in der kanadischen bzw. norwegischen Einöde beschreibt. Mein Freund die Robbe, sage ich da nur!
Zur Verunsicherung der Gäste wurde speziell an diesem Abend das Hamburger Seemannsbier Astra (ein deutschlandweit unbekanntes Bier, schmeckt wie Holsten) und bayrisches Bier (von irgendwelchen großen Seen mit Delfinen drin) ausgeschkenkt. Das Tanzbein wurde auf dieser Veranstaltung ebenfalls geschwungen und dennoch ist dieser Text vollkommen belanglos, voll von Halbwahrheiten und anderen obstrusen Satzkonstruktionen, um ihn wenigstens etwas interessanter zu machen, den Abend, und auch die Band. Und wer bei „Girls like that“ fast wimmernd und bettelnd Frauen auffordert auf die Bühne zu kommen, obwohl zwei schnieke Typen schon da stehen und sich in den Hüften lockern, tja … dem fehlt der Mut mit „Boys like that“ die Situation humorvolle aufs Korn zu nehmen. Und wir wissen ja, „if I can‘t laugh about it, it’s not my revolution!“
Esst mehr Norweger!

Lesung in Leipzig und Kassel

Kleine Lese-Tour mit Alex Gräbeldinger und Falk Fatal
„Hit the Road, Jack“, „sieh zu, dass Du Land gewinnst, Joppi“, so könnte man Percy Manfields gleichnamigen Song ins Deutsche übersetzen. Jetzt ist es ganz gut, dass wir weder was gewinnen wollen und erst recht kein Land, aber dennoch uns ohne Trennungsschmerz wieder auf die Straße begeben. Oder auf die Gleise. „On the Road again“ von Willie Nelson würde daher wahrscheinlich viel besser passen. Diesmal führt es Alex Gräbeldinger, Falk Fatal und mich nach Leipzig und Kassel. Am
27. Februar – 20:00 Uhr im Zwille (Wolfgang-Heinze-Straße 13)
lesen wir wilde Geschichten in einer schönen Bar. Leider hat die Kneipe scheinbar nur eine fb-Seite, sodass ihr ein wenig selbst recherchieren müsst und ohne Verlinkung auskommt.
Noch klandestiner wird es einen Abend später. Denn am
28. Feburar – 20:00 Uhr im Das Haus (in Kassel)
deren Homepage gerade noch down ist. Auch hier fangen wir pünktlich an, in die Mikrophone zu husten, da wir danach mit den finnischen Punkrockern von Wasted Spaß haben werden und feiern. Ein wenig hoffe ich, dass uns das auf der sozialen Leiter aufsteigen lässt … und wenn nicht, auch egal! Wir sehen uns!

Flyer Kassel

Bcasa, Blank Pages + Estranged in Berlin

Bcasa, Blank Pages + Estranged im SO36 in Berlin (13.02.2014)
Chriz hatte mich ein paar Tage zuvor angehauen, ob ich nicht mitkommen wollen würde. Blank Pages würden mir, bei der Musik, die ich ihm ansonsten überspielt hatte, definitiv gefallen. Das auch noch Bandmitglieder von Idle Hands bei denen mitspielen würden, hat dann trotz 10 Euro Eintritts und trotz SO36 den Ausschlag gegeben, mitzugehen.
Ehrlich gesagt bin ich kein großer Fan des „Kultclubs“ in der Oranienstraße. Es fängt damit an, dass solche „legendären Läden“ sehr häufig unfreundliches Personal haben (weil, man ist ja kult), die Preise höher sind als woanders und zum SO36 erschwerend hinzukommt, man darf nachdem man Eintritt gezahlt hat, nicht mehr den Laden verlassen. Wie ich sowas hasse! Ich will selbst entscheiden, wo ich stehe, wo ich gehe, wie ich mich bewege. Und natürlich ist es zum Kotzen, wenn Leute vor der Tür Stress machen oder laut sind, aber gefühlt geht es doch meistens nur um Bierpreise und -einnahmen. Egal, an diesem Abend ging es nur um Club Mate und Africola und um die Blank Pages. Und das Personal war auch sehr (!) nett …
Blank Pages
Doch bis dahin hieß es erst einmal die Zeit des Wartens zu überbrücken, durchs neue Zine von Chriz („Try to wake up with a smile on your face #5/#6″) zu blättern und zu quatschen. Daran änderte auch nichts, dass Bcasa die Bühne erklommen. Eigentlich sollten sie im Thommyhaus spielen und so klangen sie auch. Uninspirierter Hardcore-Punk mit Metaleinschlag, furchtbar. Definitiv nicht mein „cup of coffee“.
Blank Pages im Anschluss entschädigten dafür aber umso mehr. Melodischer Punkrock, der sich nicht hinter großartigen Bands wie Red Dons oder Terrible Feelings verstecken muss. Keine schlechten Songs, allerdings – soviel Kritik muss sein – auch keine Überhits! Aber wer braucht schon Überhits, wenn alle Lieder große Klasse sind? Ihre erste LP (s/t) ist letztes Jahr bei Hardware Records erschienen und ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Schönes Artwork, Klappcover und die Musik einfach herrlich. Wie schrieb das Maximum Rock‘n'Roll über das Album:

      BLANK PAGES are four punks from Berlin who crank out a catchy meldoic combo of the OBSERVERS/RED DONS and the MARKED MEN. High praise I know, but I‘m serious- this is that good. The songwriting, vocols and chiming guitar interplay are all near perfect.

Im Anschluss folgten die Wave-Rocker von Estranged, die mir genau zweimal gefielen. Einmal während des Sets, als ich schon fast rausgehen wollte und die erste oder zweite Zugabe. Weil sie genau in den Momenten schneller wurden. Ansonsten sicherlich etwas Joy Division meets British Punk, aber zum einen war es mir nicht kaputt genug, nicht rotzig, nicht trotzig, und zum anderen fehlte es einfach an Abwechslung. Wenn man schon so relativ kalte Musik macht, dann muss diese Kälte auch herüber kommen. Wenn alle drei Bandmitglieder dann Mineralwasser aus Papptrinkpäckchen trinken, bekommt man ein Gefühl, warum New Wave oder auch Punk 2014 keine Gefahr mehr ist … es versaut nicht mal mehr die Jugend! So gingen Estranged an mir vorbei und gaben mir nichts. Radiopop …
Dass ab 1:00 Uhr die U-Bahnen nicht mehr fahren, hatte ich derweil auch wieder vergessen. Berlin ist halt auch nur ein Dorf …

Freiburg, Turbostaat und Brunettez in Berlin

Freiburg + Turbostaat im Binou in Berlin (06.02.2014)
Wenn die Leute schon frech sind, wenn sie meinen Namen auf der Gästeliste suchen, dann kriege ich das kotzen! Wenn ich dann überlege, dass ich ca. 15 Euro dafür bezahlt hätte, dass bei Freiburg mehrfach und bei Turbostaat immerhin einmal der halbe Sound wegbricht, dann wundere ich mich. Entweder man macht nen Laden professionell, oder man lässt es! Irgendwie unfein, das Ganze!
Freiburg im Binou
Freiburg dann eher mau, kein guter Sound, gegen Ende ohne Mikros. Trubostaat mit einer professionellen Leistung. Will man das so sehen und schreiben? Ich weiß es nicht! Auf jeden Fall mag ich deren Songs und höre sie mir manchmal auch gerne an, aber das Publikum, die „Bühnenshow“, das Geklatsche und Stage Gedive … fehlende Ansagen, wenn man bedenkt, dass immerhin 5 Euro an Spenden für Medikamente für Flüchtende gesammelt worden sind … irgendwie wird das so kein runder Abend! Netteste Minuten waren defintiv bei uns in der Küche mit Bier und Zigaretten!

Brunettez im Trickster in Berlin (08.02.2014)
Ich werde Konzertmüde. Nicht so wirklich Lust gehabt, obwohl die Brunettez eine total sympathische und gute Punkrock-Band sind. Schlichter Sound, das aber gut. Tape-Release und so! Dazu Trickster-Stammpublikum und DJ-Renfield. Eigentlich die Zutaten für einen tollen Abend, doch nach Diskussionen über Foucault, Adorno und Marx ist doch schnell die Luft raus. Ach nee, Club Robinson und Punk-Allgemein war ja auch noch. Nächster Mal wieder länger und mehr!

Konzerte in 2013

2013 war dann doch noch mehr los …
Hans am Felsen und Buman in der Linie 206 (10.08.)
Eine Band, die von SST beeinflusst ist, als SST noch beeinflussen sollte und eine Reunion einer alten Deutschpunk-Band aus der Hausbesetzer/innen-Szene. Geige und Wendezeit-Romantik. „Ein Leben lang“, bei einigen schon!
Die Ärzte auf dem Tempelhofer Feld (11.08.)
Ohne Eintritt zu zahlen auf dem Tempelhofer Feld rumgehangen. Sonnenuntergang und so. Dazu ein Hintergrund-Lalala. Eigentlich selbst für umsonst noch zu teuer – s. Lebenszeit vergeuden. Immerhin, Kater vom geilen HAF-Konzert verflogen.
H.A.F.
Kreutzinger Straßenfest mit Rasta Knast und Barbed Wire Dolls (31.08.)
Rasta Knast waren noch so gerade okay, Barbed Wire Dolls mit den lieben Kollegen vom Punkrock! abgefeiert. Gute Band, auch wenn der Hype mal bald wieder abebben sollte und ein realistischer Blick sagt: die Neuerfindung von Punk ist das nicht.
BWD
Nervous Nerds und Jimmy Pistole im Trickster (31.08.)
Nach Barbed Wire Dolls dann aber flugs ins Trickster, ne richtig gute Band sehen. Nervous Nerds, alles weggeballert! Und die Kollegen von dem Hörspiel dabei! Sozusagen, den „Jimmy Pistole“ auf die Brust gesetzt!
Caves in Berlin (11.09.)
Toll! Großartige Band, mehr muss man nicht sagen. Voller Energie. Ach, Worte sind’s jetzt nicht wert, Platten kaufen!
Caves
Balboa Burnout im Trickster (13.09.)
Winter, meine liebste Zeit, singt sich im Herbst einfacher mit als im Februar.
Freddie Fudd Pucker, OnOnOn und 1.000 Tonnen Kruppstahl in der KVU (28.09.)
Akustik, Punchpop und Lärm! Wichtiger, noch mal in der KVU das alles. Eigentlich ein großartiger Laden, viel zu sehr in Gefahr.
Kommando Sonne-nmilch im Lido (26.10.)
Oma Hans fehlte, sonst alle da. Band gut, auch mal Dackelblut gespielt. Frauen-Chöre werten die Band auf, definitiv.
Kommando Sonne-nmilch
This Charming Man Festival mit Freiburg, Tidal Sleep und Die Nerven im Tiefgrund (16.11.)
Ach ja, schön und so. Netter Kellerraum, gute Bands, alles etwas hipster‘esk, kein Wunder, dass auch der Madengraben-Typ da rumläuft. Danach immerhin noch irgendwo abgestürzt, wo man eigentlich aus Trinkteufelkommraus nicht reingeht. Egal.
Front und Nazi Dogs und andere im Cassiopeia (23.11.)
Geil, während die letzte Band noch spielt, schon die HipHop Kids reinlassen. Kackladen, dieses Cassiopeia. Front allerdings gut, darf man nicht vergessen! Vor allem, dass der Gitarrist sein Mikro mit Truck Stop Songs auf Lautstärke bringt. Wenn man nicht die Hände abgeschlagen bekäme, wenn man mit ihnen Herzen formt … ich hätte es getan!
Front
Duesenjaeger, Notgemeinschaft Peter Pan und Grizou im Kastanienkeller (07.12.)
Weil sie den Nikolaus verhauen haben, lösen sich Grizou auf, oder so. Angst vorm Knecht, dafür aber ab in Richtung Lummerland. Im Duesenjaeger dann alles weggeberstet. Schön und toll zu gleich!
Duesenjaeger
Freiburg und andere in Frankfurt (15.12.)
Freund/innen treffen ist immer das schönste. Erst beim Konzert, dann beim Plattenauflegen, dann in der Kneipe. Ein wunderbarer Abend mit großartiger Musik aus der Konserve und live. Was will man mehr? Außer, dass der Kopfschmerz einen nicht von Frankfurt bis Berlin verfolgt … beam me wech!

Ach … hier noch ein paar längere Varianten aus der Resterampe … was soll der Geiz, liest ja eh kein Schweine / keine Sau!