Archiv für März 2014

Fanzine – Homestory, Das Magazin

Homestory – Das Magazine #1
Wir sind ganz nervös. Die Jungs vom Homestory-Magazin haben uns zu sich nach Hause eingeladen. Viel zu früh sind wir da. Wir drücken die Türklingel. Die Schelle macht „Ding Dong“. Dann springt die Tür auf. Ich zucke zusammen, denn ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht.
„Hallo Mika, hallo Begleitung!“
„Hallo Roland und der Andere.“
Wir schütteln uns gegenseitig jeweils die rechte Hand. Die von Roland fühlt sich sehr warm an. Er schwitzt stark. Sein Hawaii-Hemd hat schon kleine Flecken. Aber wir sind hier in Augsburg. Das ist fast schon Italien, also Wüste. Da darf man mal schwitzen.
„Kommt herein“, sagt der Andere und wir quetschen uns umständlich an den beiden vorbei in die Wohnung. Sie ist klein, aber schön. Überall hängen Pascow-Plakate. Auch ein paar CDs liegen herum. Sogar von Dackelblut. Wusste gar nicht, dass es die gibt.
„Ich wusste gar nicht, dass es Dackelblut CDs gibt“, sage ich.
„Doch, doch“, sagt einer der beiden.
„Wir waren bei Jens Rachut mit dem Homestory-Magazin. Der hat uns die CDs gegeben. Aber jetzt setzt euch erstmal. Ich habe Flips gekauft.“ Der Andere ist nett. Ich esse gerne Flips. Nur die Essig-und-Öl-Chips von der einen Marke, die ich hier aus Werbegründen nicht reinschreibe, die gefallen mir noch besser.
Wir setzen uns auf einen Platz, der uns zugewiesen wird. Keiner von uns traut sich Flips zu nehmen. Könnte unhöflich sein. Dann schaufeln sich die Gastgeber direkt eine ganze Hand in den Mund. Das wäre okay, würden sie nicht gleichzeitig anfangen zu sprechen und die Flips aus ihren Mundwinkeln fallen.
„Steht ihr auf lange Sätze?“ Fragt einer.
„Nein, sagen wir. Obwohl ich manchmal schon Sätze mit Komma und Sinn gut finde. Aber nicht in einem Text.“
Dann schweigen wir wieder. Ich schaue auf ein Die Toten Hosen Plakat, auf das jemand mit einem Filzstift was draufgeschmiert hat. „Beste Band …“ steht da, und … „viel besser als Die Ärzte“. Das kann ich nicht beurteilen, denke ich, ich finde beide nicht gut.
„Toten Hosen und Ärzte sind voll gut“, sagt der Andere. Ich nicke, weil ich Angst habe, dass ich sonst keine Flips mehr essen darf.
„Ihr habt ja ein interessantes Magazin gemacht. Mit ganz vielen Prominenten. Nur so Szene-Stars. Habt ihr die alle besucht?“ Ich spiele ein wenig Journalist.
„Ja, so wahr Du hier jetzt sitzt“, sagt Roland.
„Wow!“ sagen ich und meine Begleitung.
„Ja!“ lachen Roland und der Andere.
„Und auch bei Bela B, Markus Wiebusch, Stefano Stiletti, bei denen allen wart ihr?“
„Ja, voll krass, nicht?“
Das Interview läuft super. Gute Antworten, gutes Gespräch.
„Ja, beim Stiletti war ich auch mal. Da sieht es wirklich so aus, wie ihr es beschreibt.“ Ich sage das, um die Stimmung noch lockerer zu machen.
„Ja, das wissen wir, wir waren ja auch da.“
Jetzt ist es zu locker. Also schweigen wir wieder. Der Andere schwitzt jetzt auch. Wir auch. Kleine Rinnsäle laufen von unserer Stirn. Augsburg ist echt der Wahnsinn. So stell ich mir Accra vor!
„Soll ich eine Pascow-CD anmachen?“ fragt Roland.
„Nein, ich finde den digitalen Sound von CDs ganz furchtbar. Das ist wie Fingernagel auf Tafel.“ Das sagt meine Begleitung. Die ist voll nett. Deswegen habe ich sie auch mitgenommen. Aber die mag keine CDs. Ich eigentlich auch nicht, aber das sage ich nicht.
Wir schweigen wieder.
„Ja, voll gut das Heft, irgendwie. Wenn man so die Sprache mag. Und so.“
„Danke für das Kompliment.“
„Bitte!“
„Danke!“
„Warum sind denn da nur Männer drin?“ Meine Begleitung beschämt mich. Auch die anderen beiden schauen verlegen auf den Boden.
„Ja, also … das ist einfach so passiert.“ Ich gucke auf die Uhr und sage nur:
„Oha, oha, oha. Wie die Zeit so läuft. Wir müssen auch wieder los. So warm hier, sind wir nicht gewohnt. Aber beim nächsten Mal bringen wir auch eine CD mit.“
Dann gehen meine Begleitung und ich. Gut, dass ich wenigstens eine gute Frage gestellt habe. Ihre waren viel besser. Wir fahren zurück in den Norden, wo wir uns schnell einen Schall und die Wollmütze überziehen. Hier schwitzt keiner, aber schön ist es auch. Nur gibt es hier keine CDs mehr.

AMAZONE sagt: wem dieses Review gefällt, dem gefällt auch Homestory, Das Magazin!

www.homestory-magazin.de

Lesung in Berlin – M29 – 20.03.2014

Mika Reckinnen und David Visconte

Wasted in Kassel

Wasted + Lesung im H**s in Kassel (28.02.2014)
Zwei Tage mit den beiden phantastischen Vorlesern Alex Gräbeldinger (samt liebenswürdiger Begleitung) und Falk Fatal führten mich nach Leipzig (vielen Dank an dieser Stelle) endeten schon einen Tag später mit einem wunderbaren Abend in Kassel. Kassel, genau, die Stadt mit einem Charme zwischen Hannover und Gelsenkirchen, die aus irgendeinem zeitgenössischen Witz die Documenta ausrichtet, einem „Kunst-Happening“.
Alex Gräbeldinger
Damit die Stadt aber nicht im Größenwahn zu unereichbaren Phantasien ausbricht (z.B. Landeshauptstadt in Hessen werden, Bundesligist im Damen-Schach bekommen oder Skispring-Weltmeisterschaft austragen), luden sie uns drei Gossen-Fanziner ein, um unsere Prosa (das ist doch das, was sich nicht reimt, oder?) vorzutragen. Kein-Kultur vs. Hochkultur. Das Publikum sah auch wenig „kunstinteressiert“ aus, was uns sicherlich zu Gute kam. Um dennoch wenigstens von den Texten etwas abzulenken gab es zum einen eine Pyro-Show der Extraklasse (s. Photo 1), die beinahe durch die Nationale Volksarmee, aus dessen Beständen wir die Höllenfeuer gekauft hatten, verhindert wurde, da die Lichtblitze kaum zu entzünden waren (und ja, wir versuchten es mit Feuer!), sowie den unbändigen, ja hemmungslosen Einsatz einer Konfettikanone (s. Photo 2), die den Begriff „Kanone“ wirklich gerecht wurde. Die Erschütterungen konnten noch auf der Krim gespürt werden. Da ich selbst ohne diese Technik auskommen musste, gibt es leider von meiner Nacktlesung (eher erbärmlich anzusehen im Vergleich zu den anderen Show-Effekten) keine Photos [P.S.: Liebe Moralist/innen und Menschen mit überbordender Phantasie, die sich nun meinen Körper nackt vorstellen müssen … nein, es war ein Witz, ich habe nicht nackt gelesen. Natürlich hatte ich meine Dödelhaie-Socken noch an!].
Im Anschluss wurde dann ausgelassen getanzt zu Wasted aus Finnland, die einen durchaus gelungenen Ausflug abrundeten (s. Photo 3). Punkrock, der einige Hits bietet, v.a. dann wenn mehrstimmig gesungen wird. Freue mich schon, die Jungs in wenigen Tagen in Berlin sind.
Falk Fatal
Wasted in Kassel

Oiro + Oma Hans in Berlin

Oiro + Oma Hans im SO36 in Berlin (22.02.2014)
Versuch 1:
Ach ja, Konzerte, die am Wochenende in einer Großstadt um 20:30 anfangen. Hurtig, hurtig rein ins Häuschen, Band sehen, Bier in die Hand. Applaus, Applaus! „Nein, rausgehen nicht erlaubt“, Applaus, Klatschklatsch. Pause, Pause, Reden, Reden, vielleicht noch ein Bier trinken oder zwei. „Nein, raus gehen immer noch nicht erlaubt.“ Nächste Band, Klatsch, Klatsch. Danach, „ja, rausgehen müsst ihr jetzt oder wieder bezahlen.“ Für HipHop zahlen? Richtiges Geld? Bei 3 Euro für ein Bier fast schon dankbar, hier nicht versacken zu müssen, nicht versacken zu können. SO36 … jajaja, ihr mich auch! Elf Uhr, nächster Laden, willkommen, willkommen! Tanzen, Musik hören, Bier zu normalen Preisen! Danke T.!
Oma Hans im SO36
Versuch 2:
Meine Lust auf die beiden Bands war riesig, auf den Laden gering. Noch einmal Oma Hans sehen und dazu mit Oiro, großartig. Erstere fangen an als wir reinkommen. Gefüllt sind wir viel zu früh dran, real aber nicht. Oiro spielen vor einem ca. 1/5 vollen SO36. Lagerhallen-Romantik! Band ist gut, spielt einige meiner Lieblingssongs („Als was geht Gott an Karneval“, „Mit dem Mofa nach Italien“ oder „Wie die Klitschkos Bundeskanzler wurden“) und waren ein sehr gutes Warm-Up. Aber mir gefallen die Jungs in einem kleinen Laden einfach besser. Oder wie auf der Kneipentour 2008 – sehr witzig, dass ich damals meine Liebste kennen gelernt habe. Verstörend war eher zu sehen, wie stark Sänger Jonny Bauer von Rachut inspiriert wurde, um nicht zu sagen ihn imitiert. Wahnsinn!
Oma Hans im Anschluss ein super Gig, der Laden voll – war ja auch seit Wochen ausverkauft. Hits, Hits, Hits, einfach eine gute Band und meiner Meinung nach um Längen besser als Kommando Sonne-nmilch. Deren Chor wurde aber mitgebracht, was nett war. Peta Devlin hat ebenfalls eine wahnsinns gute Stimme und das Quartett plus Chöre war einfach eine Augen- und Ohrenweide. Danke!
Oiro im SO36