Archiv für September 2014

Butch Meier in Hamburg – das Abschiedskonzert

Butch Meier in der Bürs­te in Ham­burg (14.​09.​2014)
Wir erinnern uns, vor vier Tagen habe ich ellenlang ausgeholt, um ein Konzert anzukündigen, mit dem ich so eigentlich schon nicht mehr gerechnet hatte. Acht (!) Jahre war es schließlich schon her, dass ich die legendäre Butch Meier Band das letzte Mal live gesehen habe [das ganze kann hier nachgelesen werden]. Die Vorfreude wuchs und wuchs und wuchs, Digger Barnes hören, Jonnie Schulz noch einmal lesen, von Ted Mephis träumen und die Butch Meier Single auswendig lernen. „I‘m a skymarschall“, ich flieg von Ort zu Ort. Die Spannung entlud sich am Morgen des Geschehens in eines laues „Puff!“ Ich hatte zuwenig Schlaf, dafür noch Restalkohol. Um 7:30 wackelte der Wecker, früher als in der Woche. Auf einem heiligen Sonntag … einem Tag, der gemacht worden ist, um die Beine hochzulegen, Bier trinkend um 0,5 Hektar Rasen zu stehen und auf Torstangen zu schielen oder halt einfach nur laut Musik zu hören. Doch es nutzte alles nichts, die müden Knochen hochgewuchtet, das Dosenbier verstaut und ab in Richtung Ostbahnhof. Die „Reisegruppe Bürste“ hatte sich schon versammelt. Unglaublich, aber wahr, ich war eine Viertelstunde vor der Zeit und doch der Letzte! Bockwürste, Schultheiss, Senf, eine ausgewogene Reise braucht ausgewogene Nahrung. Ich verknustete mir derweil ein leckeres Baguette von meinem Nachbarladen und trank Lech und Mate abwechselnd.
Butch Meier 2014
Wie sangen es einst die Terrorgruppe: „Ein Hoch auf die Bahn, denn sie lässt uns fahren“. Wochenendticket … ein Hohn, da man diese Fahrkarte heute ja nur noch an einem Tag des Wochenendes nutzen kann … Wochenendtageskarte träfe es viel mehr. Und Scheißteuer ist sie auch noch, um hier mal den rüstigen Pöbelrentner komplett zu miemen.
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Butch Meier in Hamburg – die Vorgeschichte

Butch Meier in der Bürste in Hamburg (14.09.2014)
Butch Meier im Kato (29.09.2006), Lesung von Jonnie Schulz in Berlin (13.03.2014 + 31.05.2014), Digger Barnes & Pencil Quincy as The Diamond Road Show (14.06.2014) in Berlin

Um das Phänomen „Butch Meier“ zu erklären, muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen. Es war 2006 und ich war das erste Mal für kurze Zeit sesshaft in Berlin. Jung, unerfahren und pleite, aber dennoch auf der Suche nach Spaß, nach Neuem, nach guter Unterhaltung und günstigen Bieren. Generation Praktikum bei einer Wochenzeitung halt. DonChrischan wies mich damals daraufhin, dass bei ihm um die Ecke – im Kato, wie der Laden unter der U-Bahn Schlesisches Tor damals hieß – eine Countryband spielen würde. Es war die Zeit, in der wir Johnny Cash längst ins Herz geschlossen hatten, Tim Barry und Rumbleseat abfeierten und Chuck Ragan seine ersten Solo-Singles veröffentlichte. (US-amerikanischer) Punk hatte seine Country-Wurzeln entdeckt, Against Me! und die (ehemaligen) Mitglieder von Avail und Hot Water Music machten es möglich. Schon damals bahnte sich der Hype ein, der spätestens drei Jahre später wie eine Seuche über alle mittelmäßigen Melodiccore Bands einfiel. „Soloalben“ wurden „in“. Während dieses Genre heute absolut überbewertet ist und viel Mist veröffentlicht wurde, hatte es damals noch einen gewissen Esprit! Selbst Truck Stop waren damals auf dem Höhepunkt ihres Zenits und veröffentlichten – vor der anknüpfenden Ralph Siegel-Ära – selbstironisch Klassiker. „Immer Geradeaus“ aus dem Jahr 2006 hat wahrscheinlich die größte Hitdichte eines Studioalbums seit einem Vierteljahrhundert.

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Dulac + Deadverse in Berlin

Dulac + Deadverse im Bei Ruth in Berlin (08.09.2014)
Es ist schon ein wenig her, dass ich an dieser Stelle über die Band Dulac geschrieben habe. Ihr erstes Demo, welches später auch noch als Single auf Access X Denied veröffentlicht wurde, gefiel und gefällt mir sehr gut. Leicht sperriger und doch treibender Emopunk aus Wiesbaden. Mittlerweile haben die drei Jungs ein Album veröffentlicht (Taken By Surprise) und ich war gespannt, auf ihren Auftritt in Berlin. Doch wie es schon so oft ist, 21:00 Doors Open, bis es losging wurde es schon fast 22:30. Müdigkeit setzt ein, doch selbst der Zuckerschock durch die Spezi hält mich kaum wach. Das Bei Ruth ist für einen Montagabend okay gefüllt, aus den Boxen läuft irgendein HipHop-Mist. Wu-Tang Clan oder so? Wenn ich jetzt nicht quer durch die Bezirke gefahren wäre, wenn ich nicht schon Eintritt bezahlt hätte, wenn jetzt nicht ein verschissener Montag wäre, wahrscheinlich hätte mich der späte Beginn und die Musik von Konserve zermürbt. So warten wir …
„The first of the last chords“, das Album von Dulac, hatte mich zuletzt kaum gekickt. Es scheint ein wenig, als wäre die Energie aus der Band gewichen. Man könnte auch vermuten, dass sie nun technisch versierter sind oder einfach andere Musik machen wollen. Denn auch live springt bei mir an diesem Abend nicht mehr der Funke über. Meine Begleitung schaut mich achselzuckend an, was denn so gut an dieser Band sei. Irgendwie fehlen mir die Argumente. Das Konzert plätschert ein wenig dahin, es gibt wenige Höhepunkte. Jetzt, wo ich gerade noch mal die Single höre, Songs wie „teenaged“, die mir gut gefallen, frage ich mich, ob die Band schon in aus der adoleszenten Wut heraus ist?

Im Anschluss spielen Deadverse aus Schaffhausen. Die vier Jungs, wesentlich älter als Dulac, spielen wesentlich energischeren Emocore, der vertrackter ist, uncatchy und dennoch deutlich angenehmer an diesem Abend. Sie machen mich noch einmal wachen und wissen zu gefallen. Artikulierte Wut, schön!