Archiv für Oktober 2014

Erica Freas + RVIVR + Friend Crush in Berlin

Ercia Freas im Ramones Museum und RVIVR + Friend Crush im Bei Ruth in Berlin (27.10.2014)
Erica Freas im Ramonesmuseum
Der Blick morgens in den Spiegel ist nicht die beste Aussicht des Tages. Doch da ich am Abend auf ein Konzert gehen will, entscheide ich mich doch, mein Äußeres zu verändern. Punkrock hieß einmal aus der Maße herausstechen. Also den Rasierer an den Stromkreis angeschlossen und los! Das Aussehen verändern, auffallen! Einige Minuten später betrachte ich mich nochmal im Spiegel und bin zufrieden. Glatt wie ein Baby-Arsch, keine Stoppeln mehr im Gesicht. Nur noch Duschen, Mütze auf und fertig. Am Abend zeigt sich dann der ganze Erfolg. Abgesehen von Matt Canino bin ich (scheinbar) der einzige männlich Sozialisierte, der keinen Ein-Bis-Sieben-Tage-, Schnauz- oder gar Vollbart trägt. Yes! Punk! Oder im Umkehrschluss: Warum sind eigentlich bei zwei Bands, die sich mit Gender-Fragen beschäftigen und eindeutige Queer-Bezüge besitzen, im Publikum die meisten anhand ihres Gesichtsflaums bi-polar-optisch irgendwie zuzuordnen? Aber nun ja, auch das haben wir mal gelernt: Leute nicht nach ihrem Aussehen beurteilen! Wobei, Schnauzbärte finde ich immer noch Scheiße!
Und ja, das ist eine ironisierte Darstellung des Abends … Normcore nicht die Lösung!
Aber okay, erzählen wir den Abend lieber anders, chronologisch. Eigentlich war geplant, den Montag die Füße hochzulegen und sich mit wichtigeren Dingen zu beschäftigen. Zum Beispiel eine neue Ausgabe des „auf jahre unschlagbar“-Fanzines vorzubereiten. Doch wie es immer so ist, die Arbeit holt einen ein. Hier noch eine Deadline, dort noch eine dringend ausstehende Antwort und am Ende dann doch zu spät für die Verabredung auf den Weg in Richtung Ramones-Museum aufgemacht. „Die Zeit, die mir fehlt, ist das Geld, das ich hab“ (Pascow). Eintritt bezahlt, Essen gegangen und Bier gekauft. Das Ramones Museum, ein spannender Ort, wenn man Fan von der Band ist, hat ein paar hölzerne Stufen und die werden von Erica Freas erklommen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, war das ihr erstes Akustik-Konzert in Deutschland. Ca. 50 Leute waren auf der Show und genossen Songs von ihrem Album Belly und von RVIVR-Alben. Was sofort auffiel, die symapthische und lockere Art auf der Bühne. Und das dann doch aus anderen Akustik-Shows oder Interviews vertraut wirkende: Verdammt, wo ist meine Band?! Auf einmal dann doch alleine vor allen zu stehen, nicht zu dritt, zu viert, zu fünft. Frankie Stubbs von Leatherface hat das mal in einem Interview auf den Punkt gebracht: Verspielen fällt gleich doppelt auf. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen ihr und ihm sind die sympathischen Stimmen. Bei Erica Freas und Frankie Stubbs klingen die Stimmen – wenn auch unterschiedlich – kraftvoll und voller Energie. Als Songwriterin nutzt sie diese kraftvolle Stimme, auch hier eine Parallele, für schöne Melodien. Rainspell oder Paper Thin, den sie als Zugabe spielt, sind dafür nur zwei Beispiele. Einige der Songs von ihr bzw. der Band werden durch diese Stimme und den Melodien erst zu richtigen Hits. Knapp eine Dreiviertelstunde verzaubert sie den Raum und macht Lust auf mehr, dann mit Band und in höherer Lautstärke.
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Andrecu Sebelius (aka der fette mann), C. Donowski (aka don chrischan) und Flibber Tigibbet (aka flibber tigibbet) in Berlin

Andrecu Sebelius (aka der fette mann), C. Donowski (aka don chrischan) und Flibber Tigibbet (aka flibber tigibbet) in der Friedel 54 in Berlin (14.10.2014)

Was soll man heute noch über eine Lesung groß schreiben? Ich meine, es kommt auf die Texte an und die liest man am besten selbst oder lässt sie sich – bei Lesungen oder als Hörbuch – vortragen. Aber über eine Lesung schreiben? Warum?! Was soll das? Kann ein Bericht über ein Punkkonzert teilweise noch erhellend sein, weiß ich nicht, ob das bei Lesungen Sinn macht. Seitdem jedes Dorf einen eigenen Poetry Slam hat, seitdem Punkrocker die Lesebühnen erobern, seitdem die Bücherproduktion von oder über Punks ganze Bücherregale füllt, scheinen Lesungen inflationär aus dem Boden zu sprießen. Daran beteiligt zum Teil auch meine Wenigkeit. Ob das sinnvoll und gut ist, sollen andere beurteilen. Aber darum geht es ja auch hier nicht.
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Schwach!!! + Hysterese in Berlin

Schwach!!! + Hysterese im SO36 in Berlin (17.10.2014)
Als damals das Demo-Tape von Hysterese zum Besprechen fürs Trust eintraf, hat es mich sehr schnell begeistert. Schnelle, melodische Musik, als würden Red Dons auf eine Hardcore-Band treffen. Vor allem der zum Teil wechselnde, zum Teil auch übereinander liegende Gesang begeistert mich sofort. [hier noch mal das alte Review]

    HYSTERESE – ‘s/t’ TAPE
    Wow, gleich der erste Song haut mich einfach aus den Socken! „Headlocked when I come around, that’s such an awkward pressure, forced to some trojan properties“, ein Refrain mit male/female Gesang, der mich sofort begeistert. Leider erfährt man nicht viel über die Band, ihr erstes Konzert gaben sie im Epplehaus in Tübingen, schätze also, sie kommen aus der Gegend. Haben ex-Mitglieder von Lights Out, Riot Brigade und Derby Dolls. Musikalisch hätte ich eher auf Schweden als auf Baden / Schwaben getippt. Vier-Song-Tape, das einfach schönen, schnellen, aggressiven Punkrock beinhaltet und dennoch hochmelodisch bleibt. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr! Das auf 99 Tapes limitierte Kleinod dürfte schnell weg sein, bitte ranhalten. Yakuzzi Tapes

Hysterese, SO36 Okt 2014
[Bandcamp-Seite der Band]. Auf der ersten LP („s/t“) veröffentlichten sie die Demo-Songs noch mal. Auch wenn die Aufmachung und der Schriftzug sehr „Crustcore“ oder Metal-mäßig wirkt, bleiben sie ihrem Sound treu. Trotz den guten Songs, zögerte ich allerdings, mir auch das zweite Album zu bestellen. Zugleich würden die Songs seien, befürchtete ich. Doch geirrt. Wir waren in Poznan, als ein Freund ihr zweites Album (ebenfalls „s/t“, nur von 2014) auflegte. Schon der erste Song auf der Platte – „Angst“ – ließ mich beinahe den Kaffee fallen lassen und wie wild durch den Raum tanzen. Auch die folgenden Songs bieten viele gute Songs und noch einige Hits.
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Čorna KruŠwa in Berlin

Čorna KruŠwa in der Roten Insel in Berlin (04.10.2014)
Konzertberichte haben ja manchmal zwei Ebenen. Die erste Ebene ist die Leistung der Band. Die ist in diesem Fall tadelos. Eine sympathische, junge Band, die in der Vergangenheit auf Englisch und Sorbisch (!!!) gesungen hat, zum Glück (im Bezug zum Englischen) oder leider, leider (im Bezug zum Sorbischen) mittlerweile in Deutsch singt. Guter Postpunk meets Emocore. Wenn man sie über den Klee loben möchte, sollte man nun Wipers oder Rites of Spring oder Gray Matter als Vergleiche fallen lassen. Wenn man es nicht ganz so sehr über den Klee hinweg hinaus posaunen möchte, wie gut die Band ist, der/die kann sich auch gerne die erste Single von Dulac zum Vergleich anhören. Oder einfach auf die Bandcamp-Seite von Corna Kruswa gehen (hier). Ein 50 Minuten-Set, was einfach Spaß gemacht hat und mich mit Spannung auf das baldige Album warten lässt. Wenn der Gesang nicht so mies abgemischt worden wäre, wie von dem häufig nicht am Mischpult sitzenden „Soundmann“, hätte es sogar noch ein wenig besser sein können.
Was auf jeden Fall witzig war, war dass mit dem Intro Spannung aufgebaut wurde und dann einfach der Gitarrengurt gerissen ist. Herrlich, wie ein kleiner Scheiß etwas einreißen kann und es dennoch nett ist … dieses Unperfekte!
Čorna kruŠwa in Berlin Oktober 2014
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