Osnabrück-Spezial: Duesenjaeger in Berlin und Akrox-Fanzine #8 Review

Osnabrück-Spezial:
Duesenjaeger im Kastanienkeller (04.12.2015) und im Schokoladen (05.12.2015), jeweils in Berlin und Akrox-Fanzine Review

    „Osnabrück, hin und zurück, ein verflucht langes Stück! Ich schaff‘ das bis zum Frühstück, wenn ich auf die Tube drück‘! Schnaps und Zigaretten ohne Lieferschein, ich bring‘ den Kram ins Lager und sack‘ die Kohle ein. Heiße Fracht bis unter’s Dach, macht sehr schnell und hält sehr wach!“

(Truck Stop – Osnabrück)
Da schickt mir der gute Micha vom Akrox-Fanzine kurz vor dem Duesenjaeger-Besuch in Berlin doch seine Nummer 8 und man glaubt es kaum, es ist ein Osnabrück-Spezial. Das trifft sich ja super, denke ich, denn neben der schon erwähnten Combo aus der Stadt, kommen auch noch MT Bags und Hirnsäule zu Wort. Dazu gibt es noch einen durchaus interessanten und spannend zu lesenden Rückblick auf 15 Jahre soziale Kämpfe um ein Autonomes Zentrum in Osnabrück, der doch die Aufs-und-Abs der Zeit ganz gut rüber bringt und gleichzeitig auch kritisch selbstreflektiert ist. Einzig und allein besagter Truck Stop Song wird nicht erwähnt, was natürlich deutliche Minuspunkte auf der nach unten offenen Coolness-Skala gibt. Aber ernsthaft, ein spannendes Fanzine-Projekt über eine Stadt, in der mehr passiert, als die Protagonist/innen des Hefts immer wieder herunterspielen. Es gibt fitte Leute, wie zum Beispiel Rosi (My Ruin / Drachenmaedchen), gute Fanzines (die kommen ja zum Teil nur in Nebensätzen vor …) und einige gute Bands aus der Stadt. Dazu kommen Bericht von No Lager Osnabrück und ein etwas übertrieben selbst-heroischer Text über ausgeco2hlt. Am allerbesten gefiel mir aber eigentlich der Text über die Promo-Mails. Ja, selbst wenn man ein pisseliges Fanzine macht und den Leuten auch sagt, „hey, ich habe keine Zeit mir Eure belanglosen CDs anzuhören“, man wird doch immer wieder angetextet. Dass viele Zines keine Postadressen mehr haben, liegt in der Regel weniger ans den Repressionen (Idot*innen vor der Tür, Steuerfachkräfte im Briefkasten, angepisste Bands am Telephon), sondern daran, dass Unmengen an Schrott verschickt wird, den kein Menschen hören kann oder will. Hauptsache die Promo-Agenturen können sagen: „Schau mal, Mr. Wichtig von Band XY, in diesen 50 Fanzines wurdet ihr erwähnt.“ Ja, weil es Scheiße ist, vor der man Menschen warnen muss!
Aber okay, kaum hatte ich das Osnabrück-Spezial durchgelesen, kamen schon die Spezialisten aus Osnabrück. Am Freitag ging die „Berlin-Tour“ los mit einem Auftritt im Kastanienkeller. Nachdem die letzten beiden Jahre jeweils sehr früh die „sold out“ Schilder hinter dem Tresen hervorgekramt werden mussten, versuchte man sich diesmal dagegen abzusichern und zwei Nächte, zwei Läden, eine Stadt bespielte. Dazu kam mit Apostrophe eine Band, die nach meinem Geschmack auch eher Leute abschrecken dürfte. Auch wenn angekündigt als Sonic Youth meets Hüsker Dü, fand ich null Zugang zu der Band. Rockmusik … Rockmusik … Rockmusik. Normalerweise haben solche Bands Promoagenturen, die … lassen wir das.
Duesenjaeger, Schokoladen 2015
Duesenjaeger hingegen toll, wie eh und je. Eine Unmenge an Hits, dazu ein paar neue Songs im Gepäck und für die beiden Abende die Setlist doch abgewandelt. Mir gefiel daher der Schokoladen-Abend etwas besser, wo auch der Sound besser war, aber die bessere Sicht und den persönlich frischeren Eindruck hatte ich am Freitag. Ach, tolle Abende und geil, dass es im nächsten halben Jahr hoffentlich einen neuen Tonträger geben wird, mit neuen tollen Songs, die dann im nächsten Jahr in alten tollen Läden zum Besten gegeben werden.

Links zu Zine und Band:
http://www.akrox.de/
http://duesenjaeger.blogspot.de/
https://duesenjaeger.bandcamp.com/