Love A + Freiburg in Berlin

Freiburg + Love A im Lido in Berlin (23.01.2016)
Das erste Konzert im neuen Jahr stand an. Nachdem ich erst Mitte Januar aus Myanmar zurück gekommen bin (s. Trust #176), gab es gleich am ersten Wochenende ein Highlight: Freiburg und Love A waren zu Besuch in der Stadt. Hatte ich die Gütersloher Punks von Freiburg zuletzt am 21.11.2015 im Anschluss an das This Charming Man Festival im Cassiopeia beheimaten dürfen, kam es kein Vierteljahr später zum Widersehen. Während sie auf dem TCM-Festival herausstachen zwischen Bands, die mich ansonsten wenig einfangen konnten – kann mir mal jemand erklären, warum Fjoert so hypen? Sex Jams waren nett, ja, aber Fjoert? Nun denn – kam Freiburg diesmal als Vorband von Love A in die Stadt. Beide hatten schon am Abend zuvor in Hamburg gefeiert und dementsprechend zerschlagen wirkten auch einige der Protagonist/innen.
Dennoch fröhlich auf in Richtung Touri-Meile in Kreuzberg gemacht, wo die Massen aus einem einst doch recht überschaubaren und netten Quartier eine, für Anwohner/innen nur noch schwer ertragbares, überfülltes Massenausgehviertel kreiert haben. Schlesische Straße, Simon-Dach-Straße oder Ballermann, bei Teilen des Publikums sieht man keinen Unterschied mehr.

Das Lido war um halb neun derweil noch in einem Dornröschenschlaf und nur wenige so früh vor Ort. Das änderte sich auch wenig, als Freiburg anfingen. Die Halle war angefüllt, die ersten Reihen aber dennoch nah an der Bühne. Immerhin, die Personen, die sich Freiburg ansahen – geschätzt 150 – hatten Bock auf die Band. 21:00 Uhr ist leider aber auch sau früh für eine Band, zumal am Samstag, wenn eh alle länger ausgehen wollen. Ein ordentliches Set, eine gute Beleuchtung und guter Sound und die Band konnte sich v.a. durch ihr letztes Album spielen. Es sei jedem ans Herz gelegt und wer noch zögert: nächste Woche erscheint das neue Trust Fanzine mit Interview.
Als Love A dann um ca. 22:00 Uhr begannen, meldete das Lido „sold out“. Weitere gut 500 Personen quetschten sich nun ins Lido und draußen entstanden längere Schlangen mit Wartenden. Ich frage mich ja schon, wer 15 Euro für eine Band zahlt und sich dann der Vorband konsequent verweigert, wobei mir gerade einige Konzerte einfallen, wo ich es verpasst habe, die Vorband zu ignorieren. Anyway, die Leute, die zu spät kamen sahen „nur“ Love A. Die Band spielte einen guten Mix aus neuen und alten Sachen, auch wenn sie aus witterungstechnischen Gründen auf einen Hit wie „Freibad“ verzichteten. Ansonsten gefielen mir v.a. die Songs des ersten Albums, welche sie gegen Ende verstärkt spielten. Sänger Jörkkk ist definitiv eine Rampensau und sein Entertainment wirkt wenig gestellt und aufgesetzt, sondern einfach sympathisch-meschugge! Dass es die Band auf etwas Größeres anlegt, geschenkt! Lieber eine Band wie Love A lebt von ihrer Musik, als nur eine idiotische Deutschrockband mehr, klar! Gleichzeitig muss man allerdings auch nicht alles machen. Anyway, vor allem die drei Zugaben und die drei, vier Songs vor der Zugabe waren ihr Eintrittsgeld wert!
Love A öffentlichten an dem Abend zuvor in Hamburg auch ihre neue Single, deren 200er Auflage nach dem Konzert in Berlin schon restlos ausverkauft war. Igendwie sind solche Collector-Items ja auch so eine Sache, v.a. für Menschen, die die Band mögen, aber nicht nach Hamburg oder Berlin kommen können, schon ziemlich beschissen. Immerhin, auch eine Woche nach der Show noch keine Single auf Ebay oder Discogs, was ein wenig für die Menschen spricht, die sich die Single gekauft haben!
Damit man mit dem Abend aber nicht rundherum zufrieden sein konnte, erinnerte das Lido ein nochmal an die neuen Ausgehregeln in Berlin … Musik wurde abgestellt, kein Bier mehr im Hauptraum gezapft, Menschen gebeten rauszugehen. Klar, im Anschluss Party, die früher laut Aussage eines Bekannten einmal „Kill all Hipster“ hieß und heute „kiss all hipster“ … ach, herrje.
Anyway, durch Dickfälligkeit sich dem Rausschmiss widersetzt, den Protest ausgesessen und dann ab an den wieder eröffneten Tresen und zu trashiger Pop-Rock-Musik getanzt bis tief in die Nacht. Hier muss man allerdings sagen, haben Freiburg weitaus mehr Standhaftigkeit gezeigt als Love A und ihre gesamten Fans …