Archiv für März 2016

Corna Kruswa + Don‘t in Berlin

Corna Kruswa + Don‘t im Schokoladen in Berlin (30.03.2016)
Die Werbung mit den Wipers war kaum zu übersehen. Das würde Personen anlocken, die wahrscheinlich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten nicht mehr auf Konzerten waren. Und es war gut, dass außer „Mystery“, Wipers nicht im Zentrum von „Don‘t“ standen. Es wäre auch irgendwie merkwürdig, denn wenn Sam Henry u.a. das erste Album miteingespielt hat, Wipers leben definitiv weniger vom Schlagzeug als andere Bands, um es mal gelinde gesagt und freundlich auszudrücken. Daher waren auch Schlagzeug-Soli eigentlich überflüssiger Rock-Dreck. Mich angesprochen hat eher das „Siegel“ Portland. Vor allem in den letzten Jahren sind mit den Red Dons oder Estranged, die wiederum viele Bands beeinflusst haben, große Bands aus der Ecke gekommen. Kickender Punkrock eben. Beim reinhören der Songs auf der Homepage von Don‘t (hier ist der Link) gefiel mir vor allem der Song „You Keep Cutting Through“. Also warum nicht der Band eine Chance geben … und ab zum Schokoladen gelaufen.
Don't im Schokoladen 2016 (1)
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Sledge, Restmensch + 100.000 Tonnen Kruppstahl in Berlin

Sledge, Restmensch + 100.000 Tonnen Kruppstahl im Tommyhaus in Berlin (17.03.2016)
Donnerstagsabends, mal kurz ins Tommyhaus. Feierabend-Bier, ein paar Freunde treffen, dazu etwas Live-Musik. Insgesamt sind nur knapp 40 Leute zugegen, eher gelangweilt, etwas klatsch, klatsch. Konzerte in Berlin, genau das, was ich mit dem Teenage Hate und Krank-Konzertbericht meinte (Link hier): Es ist ein netter Abend, die Bands stören nur ein bisschen die Unterhaltungen, spielen aber nie lang genug, um wirklich zu nerven. Die interessanteste Band, 100.000 Tonnen Kruppstahl, spielen als letztes und ich bin müde und gehe schon vor Ende nach Hause. Punk 2016 …
Aber kurz von vorne. Ich komme an, zu früh. Kneipe voll, Konzertsaal leer. 5 bis 8 Euro Eintritt, fair. Draußen warten, schön die Kälte inhalieren. Dann die Feststellung, die Schweine in der Kneipe haben den Spielautomaten rausgenommen! Why?!? An wie vielen Abenden haben wir hier gesessen und „Trivial Pursuit“ gespielt? Sehr ärgerlich, das reißen auch nicht die neuen Konsolenspiele raus, damn it!
In der Halle dann zuerst Restmensch. Relativ viel drüber gelesen, dennoch geringe Erwartungen. Die werden erfüllt. Deutschpunk 2016, sicherlich gute Texte, doch die versteht man nicht. Musikalisch ist das einfach nicht mehr meine Sache, haken hinter, fertig. Sledge dann aus Finnland, was eine begeisterte Zuhörerin auch mit einem lauten „Suomi“-Zwischenruf unterstreicht. Ich frage mich ja, warum sie das nicht bei den anderen beiden Bands mit einem „Deutschland“-Ruf gemacht hat. Naja, die Antwort ist mir klar, aber surreal ist es dennoch. Egal, Sledge spielen Metall mit Hardcore-Einschlag, sind sau jung, drei von fünfen spielen oberkörperfrei (keine Haar auf der Brust, so jung!) und irgendwie ist das alles super professionell und spielerisch kompakt und gut. Nur: who cares? Ein bisschen hier, ein bisschen da, ein bisschen tralala. 100.000 Tonnen Kruppstahl wemsen dann alles in Klupp und sind gut. Das Publikum steht euphorisch still bei allen drei Bands, nicht einmal Kopfnicken. Nach jedem Song „klatsch klatsch“ und am Ende ist es vorbei.

Teenage Hate + Krank in Berlin

Teenage Hate + Krank in der Linie 206 in Berlin (13.03.2016)
Es passiert nicht mehr viel. Es ist alles immer gleich. Band und Band und klatsch, klatsch, Kopf nicken aller Orten. Ich vermisse das Chaos, das Wilde, das aus dem Rahmen Fallende. Punkkonzerte sind heute, v.a. in Berlin, gut organisierte Events, die häufig in einem sterilen Setting aus Regeln und informellen Vorschriften stattfindet. Der Raum mag eine Kellerbar in einem besetzten Haus sein, der Ablauf der Show ist so vorhersehbar wie die Stadtrundfahrt der Kegelclubs wenige Meter weiter. Ja, es ist super, dass es Schutzräume sind, ja, es ist gut, dass alle auf alles achten, aber kreieren wir damit nicht auch eine Art „Jägerzaunsiedlung des Punks“? Nur nicht anecken, nur nicht anschupsen. „Ieh, die hat Bier vergossen.“ „He, nicht so mackerhaft am Kickertisch jubeln!“ Nicht rauchen, nicht zu laut lachen!
Es passt, dass ich an jenem Morgen das neue Heft von Chriz lese, welches total großartig und wunderbar geworden ist, wo ich aber an einer Stelle stutzig werde. Er schreibt im „Try to wake up with a smile / Gerontopunk“-Zine, dass ihn bei Deny Everything und RVIVR das Publikum auf die Nerven geht. Ich erinnere mich und kann das zu einem Teil nachvollziehen. „Dass das Konzert im 4. Stock stattfindet scheint einige besonders vollgesoffene Typen […] nicht vom Crowdsurfing in Richtung der offenen Fenster abzuhalten. […] Doch ein paar hackedichte Assis, die permanent rumnerven, aber nicht gegangen werden […] können so einen Abend leider ziemlich eintrüben.“ Ich weiß was er meint, erinnere mich an das Konzert und das ich die Typen zwischenzeitlich auch anstregend fand. Aber wenn innerhalb von 2 Jahren bei gefühlt ca. 40 Shows, die ich besucht habe, dies der einzige Reibungspunkt ist, dann läuft doch etwas Grundsätzliches schief? Ja, da haben ein paar Leute anders Spaß als durch Kopfnicken und etwas die Körper aneinander zu wiegen. Ja, das kann mich in der Situation nerven. Aber in was für einer Wattewelt wollen wir den vegetieren?
Teenage Hate in Linie206
Ein Beispiel: J. Robbins hat am 17.02.2016 ein wunderschönes Konzert gespielt, emotionaler Punkrock, nett, kopfnicken, Klatsch, Klatsch. Man steht, guckt, klatscht, trinkt ein paar Getränke, quatscht dananch und geht nach Hause. Ja, total nett. Alte-Menschen-Spaß ohne dass es jemandem weh tut. So sind die meisten Konzerte, das kann mit meinem Altern zu tun haben, mit der Musik, die ich höre, und die zum Teil mehr „Post“ als „Punk“ oder „Hardcore“ ist, mit den Läden die ich besuche. Little League Shows, der Bands an diesem Samstag und die Linie206 bin ich sehr dankbar, dass genau diese Show nicht so war. [weiterlesen]
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