Corna Kruswa + Don‘t in Berlin

Corna Kruswa + Don‘t im Schokoladen in Berlin (30.03.2016)
Die Werbung mit den Wipers war kaum zu übersehen. Das würde Personen anlocken, die wahrscheinlich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten nicht mehr auf Konzerten waren. Und es war gut, dass außer „Mystery“, Wipers nicht im Zentrum von „Don‘t“ standen. Es wäre auch irgendwie merkwürdig, denn wenn Sam Henry u.a. das erste Album miteingespielt hat, Wipers leben definitiv weniger vom Schlagzeug als andere Bands, um es mal gelinde gesagt und freundlich auszudrücken. Daher waren auch Schlagzeug-Soli eigentlich überflüssiger Rock-Dreck. Mich angesprochen hat eher das „Siegel“ Portland. Vor allem in den letzten Jahren sind mit den Red Dons oder Estranged, die wiederum viele Bands beeinflusst haben, große Bands aus der Ecke gekommen. Kickender Punkrock eben. Beim reinhören der Songs auf der Homepage von Don‘t (hier ist der Link) gefiel mir vor allem der Song „You Keep Cutting Through“. Also warum nicht der Band eine Chance geben … und ab zum Schokoladen gelaufen.
Don't im Schokoladen 2016 (1)

Als ich ankam, war der Schokoladen noch leer, doch das änderte sich flugs. „Szenescheiße in einer Schrottstadt“ schrieb ein Freund per SMS und jo, ein wenig wirkte es wie „sehen und sehen gewerden“. Und schon bald fingen Corna Kruswa an zu spielen. Mir ist schleierhaft, warum man als Band sein „Alleinstellungsmerkmal“, die sorbischen Texte, aufgibt, für relativ nichtssagende, deutsche Texte. Der eine Song, bei dem ich die Sprache nicht einordnen konnte, gefiel mir direkt am besten. Mit sorbischen, wie mit englischen Texten, kannst Du halt über jeden belanglosen Scheiß singen, ohne dass es belanglos wird. Das geht mit Deutsch leider nicht, vor allem wenn der Gesang so lerchenklar zu vernehmen ist. Das was ich verstanden habe, klang wie Textgragmente von gelangweilten Twenagern, „ich kaufe in der VoKü und wir essen dann zusammen in meinem Bett“. Yep. Messer lassen grüßen, nur das Corna Kruswa statt dem Wave-Einfluss eher Garagen-Punk dazu mischen. Eine eigentlich sehr sympathisch wirkende Band, die ganz gute Musik macht, aber als ich bei ein, zwei Texten mal auf die Lyrics geachtet habe, herrje, da war ich froh, dass ich doch einige Jahre schon hinter mir gebracht habe und nicht mehr jung sein muss.
Dann kamen Don‘t und das Berliner-Publikum war leicht zufrieden zu stellen. Rockmusik, die irgendwie nach den schlechteren Songs von Tilt oder Gits klangen, keine wirklichen Hits. Mir fehlt häufig einfach mal ein schneller Song. Hin und wieder kam Country-Rock-Einflüsse durch, das war okay. Aber ansonsten … hm … das Feuer sprang nicht über. Dazu eine Band, der man entweder das Alter oder die schon 3 Wochen währende Tour ansah. Oder beides. Irgendwie merkwürdig, da stehen zwei Menschen auf der Bühne, die sind so alt wie meine Eltern. Und ich bin schon so alt, wie so mancher Vater. Kopfkino ausschalten! Denn eigentlich finde ich es super, mit fast 60 noch Schlagzeug zu spielen und Spaß an Musik und Touren zu haben. Und das kaufe ich ihnen ab. Aber die Musik war dann weder mit meinen (überzogenen?) „Portland“-Hoffnungen, noch mit den „Wipers“-Erwartungen kompatibel, sind, tja … wie gesagt, dass Feuer und der nicht überspringende Funke. Gute Rockmusik mit Punkeinschlag, den Song „You Keep Cutting Through“ finde ich immer noch toll, aber mehr als ein nettes Mittwochabend-Konzert war das nicht. Und lange Schlagzeug-Soli bleiben Scheiße … egal, wer hinter der Schießbude sitzt, Punkt!
Don't im Schokoladen 2016 (2)


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