Litbarski + Vanna Inget in Berlin

Litbarski und Vanna Inget im Cassiopeia in Berlin (29.05.2016)
Ein schwüler Sonntag am Ende eines Monats, der nicht viele Konzerthighlights bot. Für Vanna Inget alleine hätte ich mich definitiv nicht aufgemacht, doch als der Don anruft und sagt, sie wären Vorband, gleichzeitig auch noch mit Gästelistenplatz den letzten Zweifel verschwinden lässt, finde ich mich schnurrstracks in der U-Bahn in Richtung Friedrichshain. Das Cassiopeia habe ich in den letzten Monaten nicht unbedingt zu schätzen gelernt. Liegt vielleicht an meinem Problem, dass ich es zum Kotzen finde, wenn nach Punk-Shows oder ganzen Festivals man pünktlich zwischen elf und zwölf aus der Halle gekehrt wird, damit die HipHop-Party starten kann. Jajaja, ich weiß, „die Läden müssen auch sehen wo sie bleiben.“ Nun, dann sollen sie weg von Punkbands bleiben und so eine Scheiße wie Agnostic Front oder Youth of Today buchen. Da passt wenigstens HipHop-Party danach zu und die Unterhemden sind unter sich.
Vanna Inget alleine wären kein Pull-Faktor gewesen. Habe sie das erste und einzige Mal am 11. Mai 2014 im Cortina Bob gesehen und fand sie eher so „geht so“. Hippiesker Punk, zwei Typen mit Stirnbändern, Sängerin mit Schellenkranz, irgendwie war das alles too much. Da retteten auch die tollen Melodien und der gute Gesang in schwedischer Sprache nicht mehr viel. Wobei ich ihre Alben mag, wirklich! Nur live … nun ja.
Litbarski in Berlin
Zu Beginn durften dann aber Litbarski auf die Bühne. Viertel nach neun, die meisten werden erst später kommen. „Litbarski“, ein Name wie Frans Beckenbauer, Thomas Häzler oder Stefan Effenbärg! Gemacht für eine Punkbands, zumal auch noch Oi!, äh Bar! in dem Wort steckt. Die erste Band auf Alleiner Threat Reckordts aus Deutschland und ja, diese Lobhudelei hätte ich auch geschrieben, wenn sie auf Twisted Chords oder Take It Back veröffentlichen würden.
Der Sound geprägt von einem wuchtigen Bass, der zum Teil die zweite Gitarre ersetzt, einem treibenden Schlagzeug und einer Gitarre. Hamburg-Bands treffen Gray Matter oder Rites Of Spring. Der Frontmann, dereinst seine prägende Stimme schon Weltraumschrott gegeben, spielte mit gebrochenem Finger, Punk-As-Fuck! Dazu durch das Set gebrettert, dass es eine helle Freude für die 20 Anwesenden war. Und in zehn Jahren werden vierhundert Leute behaupten, auch genau an diesem Abend im Cassiopeia gewesen zu sein und es eh von Anfang an gewusst zu haben. Prophet, kotz schon mal im Strahl, bevor der Berg dann kommt.
Litbarski in Berlin
Während der Show kackt mein Photoapparat mit „low battery“ ab, daher keine Photos des Hauptacts und wenn ich mir die Photos von Litbarski ansehe, ist das ja auch nicht mehr als Verlegenheitsschnellschüsse, um ja noch ein Bild zu machen.
Im Anschluss dann die Hälfte des Sets von Vanna Inget verpasst durch billige Witze und Späti-Bier. Doch da ich toleranter bin, als ich mich meistens gebe, bekommen auch Vanna Inget eine zweite Chance. Das Cassiopeia ist voller und insgesamt 80 Personen lauschen dem Sound. Überraschend viele Leute in Hardcore-Kostümen. Ich überlege kurzzeitig, ob im Anschluss vielleicht doch eine Agnost-Front-Party sein könnte, kann aber keine Anzeichen dafür erkennen. Erleichtertes ausatmen! Vanna Inget scheinen mir den alten Bassisten gegen neue Bassistin getauscht zu haben, keine Orgel, keine Stirnbänder, dafür aber weiterhin Schellenkranz. Okay, sie sind immer noch hippiesk und ja, immer noch super melodisch und ja, schwedisch gesungen klingt immer noch geil. Ja, sie gefallen mir ein wenig mehr als beim letzten Mal.