30 Jahre Trust Fanzine – Lucky Malice + Pascow + Decibelles in Bremen

30 Jahre Trust-Fanzine mit Lucky Malice, Pascow und Decibelles im Schlachthof in Bremen

    „We are the ugly. We are the gay, Impoverished, effeminate, and overweight.“ (As Friends Rust – Coffee Black)

Es ist ein merkwürdiges Gefühl einen Text über einen Abend zu verfassen, wenn nahezu zeitgleich in Florida ein irrer Rechtsextremer (und ob Nazi oder Islamist spielt dabei eine untergeordnete Rolle) 50 Menschenleben ausknipst, nur weil sie nicht in sein Menschenbild passen. Damit sind wir alle gemeint, die LGTBIs, die Punks, die Armen, die Jüd/innen, die, die nicht so sein wollen, wie alle anderen es schon sind.
Trust-Banner - Trust-Fanzine
Am Samstagabend in Bremen waren diese Minuten noch eine Ewigkeit entfernt. Voller Vorfreude machte ich mich schon am Freitag auf nach Rotenburg an der Wümme, um da bei einem alten Kumpel zu pennen, die Villa und deren Kneipentresen kennen und schätzen zu lernen, Knochenfabrik-Songs mitzusingen und Deichkind zu überstehen. Super Laden, nette Leute, großartiger Abend!
Den nächsten Abend dann frühzeitig aufgemacht in Richtung Bremen zum Trust-Fest. 30 Jahre für ein Fanzine, das ist tatsächlich eine Ewigkeit mal zwei. Einige von den Schreiber/innen waren zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren, auch im Publikum dürfte ein Großteil unter 30 gewesen sein. Wahnsinn! Nur das Maximum Rock‘n'Roll dürfte von den noch aktiven Zines älter sein. Krass! Herzlichen Glückwunsch und ich bin froh, einen kleinen Teil zu dieser langen Historie beigetragen zu haben und weit beizutragen.

Allein all die lieben und netten Menschen, die da waren, hier mit Namen aufzuzählen, würde die Lesbarkeit des Textes völlig ruinieren. Danke an alle, an dieser Stelle, das Grinsen musste mir schon ein fieser Kater und ein furchtbares Fußballspiel am Sonntag aus dem Schädel rausprügeln …
Lucky Malice auf Trust Festival
Der Schlachthof war schon im Vorfeld ausverkauft, ein schönes Zeichen. Auch wenn Pascow wohl der Hauptact sein dürfte, waren schon zu Beginn um acht Uhr viele Menschen in und um den Schlachthof unterwegs. Public Viewing mag dabei eine kleine Rolle gespielt haben, weit mehr Menschen wollten aber das Zine und die Bands feiern. Das zeigt sich auch, dass von der ersten bis zur dritten Band der Konzertraum immer angenehm voll war. Kompliment an das Publikum, sieht man heute leider nur noch selten, dass schon die erste Band vor vollem Haus spielt. Um 20:30 dann recht pünktlich begannen Lucky Malice aus Norwegen. Die drei sympathische Norwegerinnen spielten dann auch guten Punkrock, schön schnell und vor allem mit abwechselnden Gesang. Vor allem der Song „Take me back“, gesungen zu Beginn von der Schlagzeugerin, hat mich an der Intensität und Wut der Stimme an eine Mischung aus Duncan Redmonds (SNUFF) und nem angeschossenen Gorilla erinnert. Großartig! Auch darüber hinaus wunderbare Musik – inklusive einer Danger!man-Coverversion – und sie schafften es, dass das Publikum zumindest zeitweise sich bewegen musste.
Pascow auf Trust Festival
[Bericht aus einer Parallelwelt] Im Anschluss kamen dann Pascow mit P aus Gimbweiler mit G auf die Bühne. Es ist schön, dass das Trust es geschafft hat, wenigstens eine All-Men-Band zu organisieren. Leider ist es immer noch nicht normal, dass mehr Männer auf der Bühne stehen, trotz mehrfacher Erwähnung einer „All-Men-Band“ bei den Ankündigungen im Netz und den Reviews von Bands, wie Pascow. Schade auch, dass nicht in den anderen beiden, großartigen Bands, nicht mindestens ein Mann in der Band war. Traurig auch, dass es immer noch Erwähnungen von diesem Fakt braucht. Dennoch, Pascow waren sicherlich keine Quoten-Mann-Band, sondern zeigten gleich, dass auch Männer Instrumente bedienen können. Sie rockten gleich ordentlich los, vor allem für Männer ein beachtlicher Energieaufwand. Schlagzeuger Ollo gab den Takt vor und es wurden viele Songs aus unterschiedlichen Phasen der Band gespielt, darunter alle Hits, die ich mit auf eine einsame Insel nehmen wollen würde. Vom ersten Ton bis zum letzten Takt war das Schlachthof ein Schweißhaus. Vom puren Aufenthalt wurden die T-Shirts klamm. Großartig! Und sicherlich Motivation für mehr Männer, ein Instrument in die Hand zu nehmen und sich auf eine Bühne zu trauen [Bericht aus dem Paralleluniversum: Ende].
Pascow auf Trust Festival
Zu guterletzt noch Decibelles. Ich hatte mir einen Song auf Bandcamp vorher angehört und war von einer netten Poppunk-Band ausgegangen. Doch weit gefehlt. Die drei Französinnen spielten Punkrock mit starkem Noise-Einschlag. Wahnsinn, wie druckvoll die Musik war, dafür dass eben nur drei Instrumente im Spiel waren. Im Grunde drückten sie fast alle anderen Bands noch mal an die Wand. Die meisten Anwesenden waren dermaßen begeistert, dass ihnen die Worte fehlten. Richtig, richtig geil.
Danach leider nur noch wenig Zeit zum Rumhängen und Quatschen gehabt, da der Zug zurück in die Provinz sich näherte. Dennoch, ein wunderbarer Abend!
Decibelles auf Trust Festival

As Friends Rust – Coffee Black
You like your coffee black,
Your neighborhood white,
Your lights are out at nine o‘clock at night.
Are you afraid of everything, or just the truth?
You‘ve got pre-packaged food,
Family feud, faith in the church,
And a good clean attitude.
Are you afraid of everything, or just the truth?
The only problem that you‘ve got,
Is the night that wheel of fortune’s not.
And the only thing you haven‘t bought,
Are the people that are buying you.
You are the moral majority, devoid of moral priority.
You are barbie doll sorority.
You are the boys‘ club government.
How we lust familarity, speedy compact portability.
Every step that you take forward,
Is a generation back for us.
We are the ugly.
We are the gay, impoverished, effeminate, and overweight.
Take your consumer culture back from us.
It’s a fucking economic attack on us all.
And the football season is the only reason
You stay alive in your prime time beehive.


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