Bambix + Johnnie Rook in Berlin

Bambix + Johnnie Rook + The Photsans im Tommyhaus in Berlin (18.06.2016)
Samstagabends, ein paar Biere trinken, Heyoka, Accidente und Terrible Feelings als Einstieg für den Abend hören. Bambix … eine Band, die mich seit dem Vitaminepillen #4 Sampler Mitte der 1990er verfolgt. Also ab in Richtung Tommyhaus und um halb elf festgestellt, dass noch die erste Band spielt. The Photsans hätte ich mir gerne erspart. Coverbands sind allgemein schon sehr grenzwertig, aber verrockte Versionen von Britney Spears, Tic Tac Toe, Judas Priest oder die Prinzen zu spielen, ist halt echt schon richtig mies. „Das ist alles nur geklaut“ oder „ich find dich Scheiße“ wird halt nach zwanzig, dreißig Jahren auch nicht besser. Wenn man dann dazu noch Ace of Base covert, eine Band, bei der ein Mitglied bei einer schwedischen Neonazi-Band mitgespielt hat und es Bilder gibt, die ihn mit Hitlergruß und einem NS-Parteiadler auf dem T-Shirt zeigen, dann ist das beschissen! Aber hey, ist ja Punk 2016, und solange nichts auf oireszene steht, ist das wahrscheinlich auch ironisch. Thommyhaus vielleicht auch nicht der Ort, wo Leute sowas merken, denn viele Punks sind ja mittlerweile nach rechts toleranter als die CDU. Kotzen könnte ich da!
Musikalisch nur wenig besser im Anschluss an Johnnie Rook. Hätte ich nicht zwischenzeitlich den Eintritt (8 bis 10 Euro … auch an der oberen, sportlichen Grenze) gelatzt, spätestens jetzt hätte ich auf den Gedanken kommen können, den Laden zu verlassen. Rockmusik bleibt Rockmusik bleibt Rockmusik. Belanglos, wer will sowas sehen? Nun ja, fairerweise muss man dazu sagen, viele! Denn ich habe erstmals das Tommyhaus ausverkauft gesehen und gerade bei den Vorbands war es voll. Dennoch, draußen hingestellt und gequatscht. Highlight bis dazu: mir rutscht eine Bierfalsche aus der Hand und ist kaputt, zum Glück vorher leer getrunken. Soviel zum Verlauf des Abends. File under: thrilling!
Dass sich das Martyrium gelohnt hat, dafür haben aer nicht nur die Gespräche vor dem Thommyhaus gesorgt, sondern dann vor allem Bambix. Und schon zu Beginn festgestellt, wieder ein neuer Bassist. Ich glaube, dass ich die Band nun circa zehn bis zwölfmal gesehen habe in den letzten 20 Jahren und mich an mindestens fünf verschiedene Bassist/innen erinnern kann. Sagen wir, wie es ist: Bambix ist Wick und dann ein paar Leute um sie herum. Dass sie gleich mit ihrem mit Abstand miesesten Song – „Bottle“ – angefangen haben, der so offensichtlich ein Mitgröhl-Sauf-Song sein soll, dass es schon weh tut, wurde direkt verziehen. Denn danach war alle Pein überstanden! Es folgte eine Mischung aus vielen alten Hits („Explain It“ und „Cry-O-Surgery“ von der Crossing Common Borders, „Conquer it all“, „Brand New Religion“ und „Monozygotic“ von der Leitmotiv oder als Zugabe „Julie“ von der What’s in a Name Platte) und einigen neueren Songs. Auch Songs vom Album „Storytailor“ (u.a. „Johann“), das mittlerweile schon wieder vier Jahre auf dem Buckel hat, knüpfen an die älteren Hits an. Dabei mag ich sowohl die doch recht schnell Art von Punkrock, als auch die super-melodische und markante Stimme von Wick. Musikalisch und textlich kann man auf jeden Fall sagen, dass die Band in Würde altert. Gerne mehr davon, nur dann mit anderen Vorbands, biiiiiiitte!