Shh…Diam + Donut Hearts in Berlin

Shh…Diam + Donut Hearts im Schokoladen in Berlin (27.07.2016)
Stellen wir uns folgendes Szenario vor. Eine witzige, humorvolle und gute Band, nennen wir sie mal Shh…Diam, spielt in einer fremden Stadt und unterhält ihr Publikum wunderbar. Sie erzählen Geschichten über Bollywood-Schauspieler, die Zigaretten hochwerfen und durch einen Pistolenschuss anzünden können, bevor sie wieder ins Maul des Heldes fallen, der aber gleichzeitig einem Pferd das Gesicht wegschießt. Oder hat sich jemand schon mal Gedanken um die Gefühle von Türen gemacht? Und wie scheiße schwer es ist, den „Door-Repair-Man“ nach zehn Uhr abends zu erreichen? Großartige Aufforderungen mehr zu trinken, werden zwischen den Songs ausposaunt und die Bassistin entschuldigt sich später: „Ihr müsst wahrscheinlich alle morgen arbeiten, oder?“ Als absolute Zugabe einen Song zu spielen, der da heißt „I woke up gay“, dürfte im eigenen Land durchaus problematsich sein.
Denn da wird nun irgendwo ein kleiner Präsident, unterjocht von seiner Frau (s. Jungle World Artikel), in seinem Hinterzimmer sitzen und denken: „Die sollen mir mal nach Hause kommen.“ Er wird da vor sich hingrummeln. Seinen einzigen ernstzunehmenden Widersacher hat er wegen verbotener Homosexualität in den Knast gebracht (s. Taz-Artikel). Dieser Präsident wird sich dann beim Versuch selbst in den Arsch zu beißen einen fürchterlichen Hexenschuss zu ziehen. Er wird in dieser elendigen Position verharren, bis seine Frau reinkommt, das Radio einschaltet und ihn mit Nicht-Beachtung straft. In einer gerechten Welt würden dann im Radio „Shh…Diam!“ laufen, vielleicht mit dem Song „I woke up gay“. Es wäre eine bessere Welt!
So blieb nur in den Schokoladen zu pilgern, an besagtem Abend. Das taten mehr Menschen als erwartet, mit ca. 70 Leuten war es angenehm voll. Als erstes spielten Donut Hearts (Bandcamp-Seite). Ukulelen-Rock, irgendwie bizarr, ebenfalls humorvolle Texte, gute Stimme, gutes Schlagzeug, aber Ukulele … ist dieser Hype nicht schon wieder vorbei? Haben mit The Pukes (Bandcamp-Seite) u.a. nicht schon genügend Band das auf die Spitze getrieben? Anyway, kurzweilig und dennoch etwas zu lang auf der Bühne.
Danach dann Shh…Diam! (Youtube-Channel der Band). Eine Mischung aus Punk, Rock, etwas malaysische Beat-Musik und fertig ist eine Halbestunde hervorragende Unterhaltung. Sie selbst nennen es Happy Hard Core und vielleicht ist da etwas dran. Vor allem witzig, in einem linken Laden sich direkt auszuziehen („I will drop my pants now“) – die Erleichterung hinter mir war groß: „Er hat noch ne Hose drunter.“ Wahnsinn, wie verängstigt Berliner-Konzertgänger/innen mittlerweile sind. Auch die Aufforderungen mehr an der Bar zu konsumieren, besoffen zu werden und Klamotten auf die Bühne zu werfen – „but please, no shoes!“ – wurde distanziert begrinst. „Ist ja alles nicht so ernst gemeint.“ Anyway, die Band hatte Spaß, das Publikum hatte Spaß, wunderbar! Am Ende musste ich mir gar seit über zehn Jahren mal wieder eine CD in Deutschland auf einem Konzert kaufen … die sieben Songs sind so wunderbar wie der Live-Auftritt. Ein guter Abend und wenn jetzt noch ein kleiner Präsident in einem entfernten Land …


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