Fanzine – HUMAN PARASIT #14

Fanzine – HUMAN PARASIT #14

    Kurzfassung:

Kauft dieses gottverdammte Zine und bettelt Bäppi an, er möge möglichst bald ein neues veröffentlichen.

    Langfassung:

100 Seiten in A5 hat der liebe Bäppi hervorgezaubert. Einhundert Seiten! Und gleich vorneweg, da liegt das Hauptproblem, denn es sind „nur“ 100 Seiten. Denn die Schriftart ist an vielen Stellen sehr klein und viele Photos haben leider nur noch Briefmarken-Größe oder sind noch kleiner. Das ist sehr schade, denn was ich schemenhaft darauf erkennen kann, hätte mich doch interessiert. Somit dürfte wohl das Human Parasit das optische Gegenteil vom Trust sein. Okay, aber auf der anderen Seite hätte es wahrscheinlich geheißen, Inhalt zu kürzen, und das wäre eine noch schwere Entscheidung gewesen. Denn, auch wenn mir die Bands auf dem Cover wenig geben – Zex, FCKR, Abrupt, Headshow oder Chorea Huntington – fand ich alle Interviews ausgesprochen informativ. Das liegt zum einen an den Bands und ihren Antworten, aber auch an den durchdachten Fragen. Ist halt zum Glück weit weg von den Standarddingern, die man in (fast) jedem Zine liest.
Dazu kommen die beiden dickeren Spezials: Das eine ist mehr oder weniger Hannover, wohin es Bäppi jetzt verschlagen hat. Ziemlich guter Überblick über die aktuellen Läden in der Stadt. Im Vergleich zu Flensburg, muss es wie das Paradies anmuten. Zumal man ja auch schnell in Bremen, Berlin oder Hamburg ist. Auch wenn der Umzug erstmal heißt, Panzerband liegen auf Eis.
Das zweite Special ist umfangreicher zum Thema Videos und Punkrock. Darin wird unter anderem Love A, Ril Rec und Kesselpunks-Martin interviewt. Gute Interviews, gute Antworten. Das Video-Format ist ja nicht mein Liebstes, da ich entweder Musik höre oder Filme sehe, Musikvideos mir aber wenig geben. Auf der anderen Seite, wenn Bands das gut machen, warum nicht.
Das Kollege Falk Fatal dann noch seine Auftritte beim Herzerockt verarbeitet – Dödelhaie und die RAF, ein wochenlanger Skandal in dem lokalen Käseblatt „Die Glocke“ – ist ebenfalls lustig zu lesen – und psychologisch sehr wichtig für ihn, nicht das Traumata zurückbleiben. Und auf fast zusammenhängenden Seiten Body Count und Oi! of the Tiger abzufeiern, nötigt mir ebenfalls Respekt ab.
Gut und interessant zu lesen ist auch der Bericht über das No Border Camp. Stämma und Jens waren vor Ort und haben in Idomeni gekocht und Geflüchtete unterstützt. Einzig und allein nervig ist dieser „linksautonome Diktus“ des Textes: „Die Leute hingen fest an der Grenze ohne Informationen, mit viel zu wenig (Winter-) Kleidung, teilweise ohne Decken und Zelte und keine/r von den Offiziellen oder Ngo’s haben sich darum gekümmert“. Und dann hat die Autonome Linke das Leid entdeckt und geholfen, Danke autonome deutsche Linke! Ironie-Modus aus: Viele – v.a. kleinere NGOs – arbeiten seit Jahren sowohl politisch in Europa als auch vor Ort mit den Menschen, bevor sie fliehen. Während sich die Linke um persönliche Freiheiten von Einzelpersonen kümmert oder die „EZB“ als Feind angreift, gibt es seit Jahren / Jahrzehnten große Flüchtlingsströme. Die meisten (Kolumbien, Philippinen, Burma, DR Kongo, etc.) erreichen uns nicht und fliegen daher unter dem Radar (nicht nur der deutschen Linken). NGOs, auch wie Brot für die Welt, versuchen politisch – zum Beispiel im Bereich Handelspolitik, lange bevor mit TTIP die Diskussion auch hier angekommen ist, weil es ja jetzt auf einmal um „unsere“ Standards geht – da Verbesserungen zu erlangen. Und ja, dann ist es mir lieber, dass Geld auch in fähiges Personal geht als in unfähige, unkoordinierte Wassertropfen auf die heißen Steine. Und während die autonome Linke angenehme Queer-Feste veranstaltet oder eine Soli-Party, nachdem ein paar Menschen Festgenommen wurden, weil sie Steine gegen die EZB geschmissen haben, gibt es auch Menschen, die sich mit technischen Themen auseinander setzen, für die man kein Schulterklopfen bekommt, wie wenn man drei Wochen wichtige Arbeit für Geflüchtete an der griechischen Grenze verrichtet. Nur mal so …
Fazit über das Human Parasit: Eines der besten Musikzines mit starker persönlicher Note oder aber eines der besten Per-Zines mit starkem Musikfokus, entscheidet selbst, aber holt’s Euch!


1 Antwort auf „Fanzine – HUMAN PARASIT #14“


  1. 1 mkorsakov 05. August 2016 um 15:59 Uhr

    Fast 100 Zeilen Review über ein 100 Seiten Heft. So gehört sich das.
    Wenns das Teil jetzt auch noch irgendwo in der Gegend geben würde, wär das Lesevergnügen perfekt.

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