Update #06 – Alleiner Threat Reckordt – Litbarski – st MLP

Litbarski mit einem „t“ haben sich 2015 aus den Überbleibseln verschiedener Berliner Punkbands formiert und legen nun mit einem selbstbetitelten Mini-Album ihren ersten Tonträger vor.
Ohne selbstzentrierte Befindlichkeiten und oft gehörte Plattitüden erzählen Litbarski von der Unmöglichkeit des miteinander Auskommens, von Flucht und Wiederkehr. In der zu öffnenden Schublade finden sich Endachtziger-US-Punk neben Emocore und frühem Post-Hardcore.
Unzufrieden mit dem Status Quo, der kalten Mehrheit auf der Straße und nicht zuletzt mit sich selbst kreiert das Trio einen wütenden Sound, der auf unnötigen Schnickschnack verzichtet.

Die Band auf Bandcamp

Das Mini-Album kostet bei ATR 10,- Euro plus Porto

Litbarski Cover

Das Schreiben die Kritiker/innen:

Trust # 180:
Das Ergebnis schon mal vorweg: Diese Platte ist richtig, richtig gut! Litbarski haben sehr viel Boxhamsters, Muff Potter (vor der „bordsteinkantengeschichten“ LP) und wahrscheinlich auch die eine oder andere … But Alive-Platte gehört. Aber herausgekommen ist dabei zum Glück keine lasche Kopie der Vorbilder (wie etwas Turbostaat bloß als schlechte Dackelblut-Kopie anfingen und danach erstaunlicher Weise noch belangloser wurden), sondern eine mitreißende und völlig eigenständige deutschsprachige Punkplatte, die mich auf Anhieb mitgerissen hat. Neben Hammerhead ist diese Platte der Berliner Litbarski für mich der zweite Gewinner dieser Ausgabe. Anhören, kaufen, weitersagen! (Christian)
Ox:

LITBARSKI intonieren
zwar nicht unbedingt die Art von Punk, die ich mir
für gewöhnlich in mein Plattenregal stelle, aber

das ändert nichts daran, dass sie das ziemlich gut
machen. Glaubt man dem Bandinfo, machen es die
Einzelnen wohl auch nicht zum ersten Mal. Dieses
schicke Mini-Album klingt zum einen überaus
flink und zum anderen überaus clever. Das ist
offensichtlich keine Selbstverständlichkeit. LITBARSKI
lamentieren nicht, sie klagen nicht nur
so rum und auch nicht an. Sie halten die Bilder
auf den Straßen fest, die Tragik bleibt subtil.
„Die Rückkehr in die Bernsteinstadt konservierter
Epigonen / An Plätzen, die ihre sind, an denen
wir niemals ruhen“ ist da bloß ein Beispiel. Es ist
wirklich erfreulich, aus einem Pool mit so vielen
deutschsprachigen Bands diese hier herauszufi -
schen und sagen zu können: Hey, das ist tatsächlich
originell, so was hör ich nicht jeden Tag, das ist
aufregend. Eine interessante Mischung aus KAPUT
KRAUTS, LOST GIRLS und einer weiteren Band,
die sich da einmischt und das Tempo ankurbelt.
Bianca Hartmann

Blueprint Fanzine:
Kann mir bitte mal jemand erklären, weshalb heutzutage gefühlte 50% aller deutschsprachigen Punkbands total nach TURBOSTAAT klingen? So wie im Fall von LITBARSKI. Keine Ahnung ob es Absicht ist, aber Lieder wie „Hedwig“ oder „Rochelle Rochelle“ erinnern nicht nur aufgrund der Namensgebung dermaßen stark an die Frühwerke der Turbos, dass es doch zumindest eine bandinterne Diskussion darüber geben müsste, ob das Ergebnis des Songwritings eventuell noch mal zugunsten eines eigenständigeren Sounds überdacht werden sollte. Von der typischen LEATHERFACE-Gitarre in „Der große Shannon“ mal abgesehen… Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: LITBARSKI sind wirklich gut! Die sechs Lieder dieser Mini-LP sind durchdacht, glänzen durch Liebe zum Detail und das spielerische Niveau der Band ist relativ hoch. Mit einem klar gegen Deutschtümelei gerichteten Text wie in „Für Else“ sprechen mir die Berliner sogar komplett aus dem Seele. Aber ich vermisse bei deutschsprachigen Bands wie bereits erwähnt zunehmend die eigene Note und den Anspruch, die mittlerweile doch recht ausgetretenen Pfade, die dieses Genre durchziehen, zu verlassen. Das nächste Mal bitte ein wenig mehr Mut zur Lücke!
Bewertung: 7/10

Underdog Fanzine:
LITBARSKI – s/t 12″
Worte säuern und machen Stimmung. Im ambivalenten Spannungsverhältnis führen Zweifel und Gewissen einen Konflikt, der Auslöser ist für effiziente Prozesse. Zwischen Paranoia und Verdachtsmomente werden Rachutaffine Poesie und Leatherface-Elemente in einer Symbiose aus Melancholie und roher Schmerz gelautmalt.
In schroffen komplexen Strukturen werden soziale Fragen erörtert, die zwischen Traum und Tristesse Probleme des Lebens schildern und mit einer analytischen Intensität und Indirektheit auf Grundlage einer offensiven Haltung widergespiegelt. Chaos und Gewalt, die von innen kommt. Du hörst und siehst sie nicht. Den inneren Schmerz, der dich auffrisst, der einen Zynismus heraufbeschwört, eine Schadenfreude, die auch noch im 9. Stock widerhallt, bis das lachen erfriert in einer sozial kalten Gesellschaft, in der Betroffenheit und Ängste eine Abgrenzung von Schwächeren zufolge hat. LITBARSKI stemmen sich dagegen, solidarisieren und resozialisieren die mit Schikanen und Demütigungen stigmatisierten Ausgegrenzten, ohne konkrete Lösungen anzubieten. So bleibt Raum für Spekulationen und Interpretationen, die laut am Küchentisch der Studenten-WG , nachts um halb drei, ausgetragen werden, bis am Ende keineR mehr genau weiß, worum es im Kern ging. Hauptsache, wir sitzen zusammen und kommunizieren. Denn echte zwischenmenschliche Kommunikation ist selten geworden. Eigenwillig, oder?


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