Archiv der Kategorie '01. Allgemein'

Sledge, Restmensch + 100.000 Tonnen Kruppstahl in Berlin

Sledge, Restmensch + 100.000 Tonnen Kruppstahl im Tommyhaus in Berlin (17.03.2016)
Donnerstagsabends, mal kurz ins Tommyhaus. Feierabend-Bier, ein paar Freunde treffen, dazu etwas Live-Musik. Insgesamt sind nur knapp 40 Leute zugegen, eher gelangweilt, etwas klatsch, klatsch. Konzerte in Berlin, genau das, was ich mit dem Teenage Hate und Krank-Konzertbericht meinte (Link hier): Es ist ein netter Abend, die Bands stören nur ein bisschen die Unterhaltungen, spielen aber nie lang genug, um wirklich zu nerven. Die interessanteste Band, 100.000 Tonnen Kruppstahl, spielen als letztes und ich bin müde und gehe schon vor Ende nach Hause. Punk 2016 …
Aber kurz von vorne. Ich komme an, zu früh. Kneipe voll, Konzertsaal leer. 5 bis 8 Euro Eintritt, fair. Draußen warten, schön die Kälte inhalieren. Dann die Feststellung, die Schweine in der Kneipe haben den Spielautomaten rausgenommen! Why?!? An wie vielen Abenden haben wir hier gesessen und „Trivial Pursuit“ gespielt? Sehr ärgerlich, das reißen auch nicht die neuen Konsolenspiele raus, damn it!
In der Halle dann zuerst Restmensch. Relativ viel drüber gelesen, dennoch geringe Erwartungen. Die werden erfüllt. Deutschpunk 2016, sicherlich gute Texte, doch die versteht man nicht. Musikalisch ist das einfach nicht mehr meine Sache, haken hinter, fertig. Sledge dann aus Finnland, was eine begeisterte Zuhörerin auch mit einem lauten „Suomi“-Zwischenruf unterstreicht. Ich frage mich ja, warum sie das nicht bei den anderen beiden Bands mit einem „Deutschland“-Ruf gemacht hat. Naja, die Antwort ist mir klar, aber surreal ist es dennoch. Egal, Sledge spielen Metall mit Hardcore-Einschlag, sind sau jung, drei von fünfen spielen oberkörperfrei (keine Haar auf der Brust, so jung!) und irgendwie ist das alles super professionell und spielerisch kompakt und gut. Nur: who cares? Ein bisschen hier, ein bisschen da, ein bisschen tralala. 100.000 Tonnen Kruppstahl wemsen dann alles in Klupp und sind gut. Das Publikum steht euphorisch still bei allen drei Bands, nicht einmal Kopfnicken. Nach jedem Song „klatsch klatsch“ und am Ende ist es vorbei.

Teenage Hate + Krank in Berlin

Teenage Hate + Krank in der Linie 206 in Berlin (13.03.2016)
Es passiert nicht mehr viel. Es ist alles immer gleich. Band und Band und klatsch, klatsch, Kopf nicken aller Orten. Ich vermisse das Chaos, das Wilde, das aus dem Rahmen Fallende. Punkkonzerte sind heute, v.a. in Berlin, gut organisierte Events, die häufig in einem sterilen Setting aus Regeln und informellen Vorschriften stattfindet. Der Raum mag eine Kellerbar in einem besetzten Haus sein, der Ablauf der Show ist so vorhersehbar wie die Stadtrundfahrt der Kegelclubs wenige Meter weiter. Ja, es ist super, dass es Schutzräume sind, ja, es ist gut, dass alle auf alles achten, aber kreieren wir damit nicht auch eine Art „Jägerzaunsiedlung des Punks“? Nur nicht anecken, nur nicht anschupsen. „Ieh, die hat Bier vergossen.“ „He, nicht so mackerhaft am Kickertisch jubeln!“ Nicht rauchen, nicht zu laut lachen!
Es passt, dass ich an jenem Morgen das neue Heft von Chriz lese, welches total großartig und wunderbar geworden ist, wo ich aber an einer Stelle stutzig werde. Er schreibt im „Try to wake up with a smile / Gerontopunk“-Zine, dass ihn bei Deny Everything und RVIVR das Publikum auf die Nerven geht. Ich erinnere mich und kann das zu einem Teil nachvollziehen. „Dass das Konzert im 4. Stock stattfindet scheint einige besonders vollgesoffene Typen […] nicht vom Crowdsurfing in Richtung der offenen Fenster abzuhalten. […] Doch ein paar hackedichte Assis, die permanent rumnerven, aber nicht gegangen werden […] können so einen Abend leider ziemlich eintrüben.“ Ich weiß was er meint, erinnere mich an das Konzert und das ich die Typen zwischenzeitlich auch anstregend fand. Aber wenn innerhalb von 2 Jahren bei gefühlt ca. 40 Shows, die ich besucht habe, dies der einzige Reibungspunkt ist, dann läuft doch etwas Grundsätzliches schief? Ja, da haben ein paar Leute anders Spaß als durch Kopfnicken und etwas die Körper aneinander zu wiegen. Ja, das kann mich in der Situation nerven. Aber in was für einer Wattewelt wollen wir den vegetieren?
Teenage Hate in Linie206
Ein Beispiel: J. Robbins hat am 17.02.2016 ein wunderschönes Konzert gespielt, emotionaler Punkrock, nett, kopfnicken, Klatsch, Klatsch. Man steht, guckt, klatscht, trinkt ein paar Getränke, quatscht dananch und geht nach Hause. Ja, total nett. Alte-Menschen-Spaß ohne dass es jemandem weh tut. So sind die meisten Konzerte, das kann mit meinem Altern zu tun haben, mit der Musik, die ich höre, und die zum Teil mehr „Post“ als „Punk“ oder „Hardcore“ ist, mit den Läden die ich besuche. Little League Shows, der Bands an diesem Samstag und die Linie206 bin ich sehr dankbar, dass genau diese Show nicht so war. [weiterlesen]
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Love A + Freiburg in Berlin

Freiburg + Love A im Lido in Berlin (23.01.2016)
Das erste Konzert im neuen Jahr stand an. Nachdem ich erst Mitte Januar aus Myanmar zurück gekommen bin (s. Trust #176), gab es gleich am ersten Wochenende ein Highlight: Freiburg und Love A waren zu Besuch in der Stadt. Hatte ich die Gütersloher Punks von Freiburg zuletzt am 21.11.2015 im Anschluss an das This Charming Man Festival im Cassiopeia beheimaten dürfen, kam es kein Vierteljahr später zum Widersehen. Während sie auf dem TCM-Festival herausstachen zwischen Bands, die mich ansonsten wenig einfangen konnten – kann mir mal jemand erklären, warum Fjoert so hypen? Sex Jams waren nett, ja, aber Fjoert? Nun denn – kam Freiburg diesmal als Vorband von Love A in die Stadt. Beide hatten schon am Abend zuvor in Hamburg gefeiert und dementsprechend zerschlagen wirkten auch einige der Protagonist/innen.
Dennoch fröhlich auf in Richtung Touri-Meile in Kreuzberg gemacht, wo die Massen aus einem einst doch recht überschaubaren und netten Quartier eine, für Anwohner/innen nur noch schwer ertragbares, überfülltes Massenausgehviertel kreiert haben. Schlesische Straße, Simon-Dach-Straße oder Ballermann, bei Teilen des Publikums sieht man keinen Unterschied mehr.
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Osnabrück-Spezial: Duesenjaeger in Berlin und Akrox-Fanzine #8 Review

Osnabrück-Spezial:
Duesenjaeger im Kastanienkeller (04.12.2015) und im Schokoladen (05.12.2015), jeweils in Berlin und Akrox-Fanzine Review

    „Osnabrück, hin und zurück, ein verflucht langes Stück! Ich schaff‘ das bis zum Frühstück, wenn ich auf die Tube drück‘! Schnaps und Zigaretten ohne Lieferschein, ich bring‘ den Kram ins Lager und sack‘ die Kohle ein. Heiße Fracht bis unter’s Dach, macht sehr schnell und hält sehr wach!“

(Truck Stop – Osnabrück) (mehr…)

Geoff Berner in Berlin

Geoof Berner in der Villa Neukölln in Berlin (23.11.2015)
Es ist nicht so, als wären die letzten Wochen nicht viel an guten Konzerten gewesen: Ein wunderbares RVIVR-Konzert (18.10.2015) mit Friend Crush zum Abschluss der RVIVR-Tour, auch wenn die Band etwas müder war als auf der traumhaften Show im letzten Jahr (Link); ein überraschend großartiges Konzert mit den polnischen Past und den französischen Asphalt (12.11.2015); dazu ein This Charming Man Festival mit den Lieblingen von Freiburg (21.11.2015). Aber warum über diese Shows schreiben, seien sie auch noch so schön gewesen? Es sind am Ende Punkshows, wie so viele zuvor, die man mit guten Freund/innen besucht hat und auf denen man sich prächtig amüsiert hat. Aber – who f***ing cares?
Denn, das war alles in einem gefühlten Sommer, in der Wärme, in den verlängerten Trockenperioden, die zwar die Landwirte ruinieren, uns Durchschnittsdeppen aber doch begeistern, weil: „nicht nass geworden“.
Geoff Berner, der Whiskey Rabbi, mit Band am 23.11.2015 in der Villa Neukölln (mehr…)

No More Art + Red Dons in Berlin

No More Art + Red Dons im SO36 in Berlinv (09.09.2015)
Es ist ein Mittwoch im September. Es ist merkwürdig, doch die letzten Tage realisieren wir, wie die Tage wieder deutlich kürzer werden. Die Nacht bricht ein, während wir im Bus sitzen. Dunkelheit überkommt uns. Dann raus am Kotti! Dort kommen uns Polizisten in voller Montur entgegen. Die Grauen Wölfe, so lesen wir später, treiben ihr Unwesen in Kreuzberg. Sie jagen Kurd/innen und mit den Kurd/innen solidarische Linke. Schon lange gibt es Hinweise und beispielsweise Artikel in der Welt (Achtung, Springer-Verlag-Link), dass die Zentrale der Grauen Wölfe in dem Hasir-Restaurant in der Adalbertstraße ist. Wir biegen aber ab und essen woanders. Gut! Lecker! Verhältnismäßig teuer! Kreuzberg wandelt sich. Keine Kunst mehr, hier … oder weniger …
No More Art im SO36
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alleiner threat #04 fanzine + 7″ Sampler “No Future Sa Pader Fanzine”

alleiner threat #04 fanzine + 7″ Sampler “No Future Sa Pader Fanzine” (Alleiner Threat Reckordt #003)
Gut Ding will Weile haben, heißt es so schön. In dieses Zine sind Jahre an Arbeit eingeflossen. Die Nummer 4 vom alleiner threat beschäftigt sich diesmal mit Punkrock in den Philippinen und dem Land an sich. Es gibt Artikel über die Punk-Szene in dem Land, über die Hauptstadt Manila, über Bergbau und die Konsequenzen. Die Texte variieren in den Sprachen Deutsch und Englisch, einige Texte sind auch in beiden Sprachen. Abgerundet wird das Ganze von einer längeren Kurzgeschichte und vielen Photos. Dazu kommen Informationen zu den 6 Bands, die auf der beiliegenden (farbigen) Single sich verewigt haben. Dieses Zine und Single gibt tiefe Einblicke in die Philippinen.
Alleiner Threat 04 - Cover
Bands auf dem Sampler:
The Beauty of Doubt, vielleicht das Beste was die Punkrock-Szene in der Hauptstadt Manila seit der Jahrtausendwende zu bieten hatte. Sie singen über Aktivismus und das “Nicht-Stillstehen-Können”. Ein glaubwürdige Hymne für alle, die Menschenrechte verteidigen.

Bad Omen, Manilas älteste Oi! und Streetpunkband. Ihnen gelingt eine Hymne an die Recto Avenue, einer Straße mit vielen Slums und Urban Poor Communities, die entlang dieser Straße im Herzen der Hauptstadt Manilas leben.

Toxic Orgasm, eine aggressive Hardcore-Punk-Band aus Cebu. Sie werden verrückt von dem System, Politik und Politiker/innen und lassen ihre Wut freien Lauf.

Monthly Red, Poppunk aus dem Norden des Landes, aus der Pampanga Provinz. Sie singen über Bergbau und seine Folgen, zwischen Lebenserwerb und Umweltzerstörung, zwischen Handwerk und Großkonzernen.

Tiger Pussy, Riot Grrrl Punk aus Cebu City. Wahrscheinlich die Entdeckung der letzten Jahre. Sängerin Jan thematisiert Selbstzweifel, die innere Unruhe und dennoch emanzipatorischen Feminismus wie wohl noch keine Band zuvor aus Asien. Großartig!

Thought, eine weitere großartige Hardcore-Band aus Cebu City. Die Nachfolge-Band von No! machen keine Kompromisse und sind ein wichtiger, kreativer Teil der alternative Szene in ihrer Stadt.

Preise:
1 Zine + Single: 7 € plus Porto
3 Zines + Singles: 20 € plus Porto
5 Zines + Singles: 30 € plus Porto

Kontakt:
Mikareckinnen@gmx.de

Esther Bejarano und Microphone Mafia in Berlin

Esther Bejarano und Microphone Mafia im Südblock in Berlin (08.05.2015)
Esther Bejarano und Microphone Mafia in Berlin
Der 8. Mai ist eigentlich ein Feiertag. Oder sollte zumindest einer sein! An diesem Tag hat das faschistische Deutschland den 2. Weltkrieg verloren und Dank dem unermüdlichen und aufopferungsvollen Einsatz der USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich kann meine Generation in Freiheit aufwachsen. Nicht auszumalen, wenn das Deutsche Reich damals gewonnen hätte und Europa unterjocht hätte. An diesen Tag zu erinnern, nicht zu vergessen welche unmenschlichen und unbeschreiblichen Verbrechen sich in Deutschland und von Deutschland aus ereignet haben, halte ich für eine der Aufgaben meiner Generation. Die zweite oder dritte Generation nach dem Krieg sollte sich erinnern und die historische Aufgabe – „Nie wieder“ – annehmen. Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen!
Unsere Generation kommt aber auch eine andere Rolle zu. Wir sind die letzte Generation, die noch mit Zeitzeug/innen sprechen, ihnen zu hören kann. Eine dieser Zeitzeuginnen ist Esther Bejarano. Sie, die damals als Kind, als Jugendliche nach Auschwitz kam und darüber berichtet, sie, die damals als Musikerin dem Todeslager trotzte und überlebte. Sie, die nach der Befreiung des Konzentrationslager Ravensbrück zusammen mit russischen und US-amerikanischen Soldaten feierte. Mit Musik, mit Essen und Getränken.
Vor einiger Zeit bin ich im Internet auf ein Video von ihr und der Microphone Mafia gestolpert. Ich wusste schon vorher, dass es dieses Projekt gibt, hatte mich aber nicht stärker mit der Musik auseinander gesetzt. Wahrscheinlich über den Umweg des yiddischen Partisanenliedes (Text unten), den ich erstmals von der französischen Punkband Cartouche gehört hatte, kam ich zu einigen Songs von Esther Bejarano und der Microphone Mafia. Eine halbe Nacht hörte ich mir ihre Songs an, schaute mir Beiträge aus Talkshows an und war mehr als fasziniert.
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Pirate Satellite Festival – Samiam, Make Do And Mend, The Smith Street Band, Teenage Bottlerocket, Masked Intruder , … in Berlin

Pirate Satellite Festival – Samiam, Make Do And Mend, The Smith Street Band, Teenage Bottlerocket, Masked Intruder, The Hotelier, Joyce Manor, Beach Slang, Lower Than Atlantis im C-Club in Berlin (07.05.2015)
Samiam
Das Pirate Satellite war lange angekündigt und erstmals sollte es auch in Berlin stattfinden. Bisher hatte das Festival einen großen Bogen um Berlin gemacht und ich könnte mir vorstellen, dass es im nächsten Jahr wieder so ist … dazu aber später mehr.
Die doch recht stolzen Preise im Vorfeld (gut 30 € im VVK) ließen die Vorfreude etwas abkühlen, doch mit Samiam war einer meiner Lieblingsbands auf der Playlist und so wirklich günstig waren Konzerte mit dieser Ausnahme-Band ja nie. Also, in den sauren Apfel gebissen und los. Dass dann kurzfristig das ganze Spektakel vom großen Astra in den kleineren C-Club verlegt worden ist, ließ jetzt auch nicht unbedingt eine überfüllt Halle erwarten. Aber gut für uns, die Anreise hat es schon mal deutlich verkürzt.
Dass es am Ende circa 500 Leute waren, die sich das Festival gaben, und eigentlich nie mehr als 300 vor der Bühne, kann man schon als Enttäuschung erachten. Doch das wussten wir noch nicht, als wir uns um kurz nach sechs auf den Weg machten und uns auf Samiam freuten. Dazu hatte ich mir sowohl Make Do And Mend als auch Masked Intruders immer schon mal live geben wollen. Und bei 6 weiteren Bands, würde schon noch was für meinen Geschmack dabei sein, dachte ich …
Als wir ankamen stand dann die Running Order fest und ich war schon überrascht, dass man bei neun Bands nur eine europäische (UK) und keinerlei lokalen Bands eingeladen hatte. Im Grunde kann man vor allem die ersten Bands recht schnell abhandeln:
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12.03.2015 – Lesung im Fischladen in Berlin

Donnerstag – 21:00 – Lesung mit dem phantastischen Chrischan „Don“ Donowski und meiner Wenigkeit im
Fischladen
Rigaerstr. 83, 10247 Berlin

Lesung von Mika Reckinnen und DonChrischan (C. Donowski) im Fischladen, Rigaer Straße 83, 10247 Berlin Friedrichshain - Punkrock!

Infos zu den Lesenden:
Chrischan „Don“ Donowski. Literat, Kurzgeschichtenautor, Zwischenweltenbummler. Seine Kurzgeschichten erscheinen seit 2008 in diversen Underground-Magazinen und Fanzines. Er ist Initiator und Mitherausgeber des Berliner Subkultur-Zines Der Gossendelphin und Gast auf diversen Lesebühnen.
In seinen Kurzgeschichten trifft sich die Unterschicht der Kunstschaffenden, subkultureller Weltraumschrott, herausgerissen aus der Umlaufbahn, die Kreuzberger Trinkerszene und Gott im Vorgarten zur Hölle.

Mika Reckinnen wäre gerne Thronfolger in einer südostasiatischen Kleptokratie, stattdessen schreibt er seit langem Kurzgeschichten und Kolumnen für Punk- und Kleinkunst-Fanzines (u.a. Trust, Alleiner Threat, der gestreckte Mittelfinger, Pankerknacker etc.). Manchmal liest er diese auch vor. Laut!

Kinky Friedman in Berlin

Kinky Friedman im Lido in Berlin (17.02.2015)
Es ist schon ein komisches Gefühl, Kinky Friedman das erste Mal live zu sehen. Der Mann der auf der Bühne behauptet: „The Germans are my second favourite people. My first is everybody else“ und dabei laut lacht. Dieser Kinky Friedman spielt in einem Laden, der zuletzt u.a. Heino als Location galt, der Schwarz-Braunen-Haselnuss, dem wohl deutschesten und schlechtesten Barden, der Anti-These zu Kinky Friedman.
Denn dieser nun auf Hardrock drehender Volksmusiker drehte in der Location ein schlechtes Rock-Video! Berlin, quo vadis? Gut, das Lido sieht an diesem Abend keinen Cent Eintritt, da der fabelhafte Don Gästelistenplätze klar machen konnte. Angemessen, 22 Euro Abendkasse für Kinky Friedman ohne Band sind schon recht happig.
Kinky Friedman Playing
Es ist Dienstag, gottverdammter Dienstag! Der Laden ist ganz gut gefüllt, Dienstagabends, und das Publikum hat ein eher höheres Durchschnittsalter als wir mit 30plus. Dazu sehr durchmischt, die eine Häfte sieht aus, als käme sie aus Teltow, Potsdam und Fürstenwalde, die andere Hälfte könnte aus Schöneberg und Spandau kommen. Hipster Fehlanzeige! Große Lücken im Laden, einige Bekannte und alte Freunde.
Kinky spielt zu Beginn einige Songs und erzählt zwischen den Stücken Witze. Ein echter Entertainer also, der über seine Kandidatur zum Governeur von Texas genauso berichtet, wie darüber, was er von den Deutschen hält (s.o.). Er spielt ein paar Hits und einige Songs, die ich noch nie gehört habe, aber auch Songs der Jewboys oder über Ira Hayes. Seine Ansagen sind mal politischer, mal witziger, aber immer ein gutes Entertainment. Vor dem Song „Get Your Biscuts In The Oven And Your Buns In The Bed“ beschreibt er, wie er einmal als Sexist des Jahres betitelt worden ist, nicht ohne einen süffisanten Unterton.
Nach gut einer Stunde tauscht er die Gitarre gegen sein neues Buch und er liest ein Kapitel über seinen Vater Tom, der einst als Bomber-Pilot in Europa stationiert war. Sein Kampf gegen die Deutschen, gegen die „Kartoffeln“ wird geschildert. Danach noch einmal zurück an die Gitarre, Nelson Mandelas Lieblingssong (von Kinky Friedman) „Sold American“ wird gespielt und dann war’s das auch schon. Insgesamt über 90 Minuten guter Unterhaltung sind zu Ende und es bildet sich eine große Traube um den Merch-Stand (CDs, Bücher).
Gary lässt sich noch einen 5 Euro Schein unterzeichnen – behauptet Gary zumindest, dass er das getan hat – und wir setzen uns noch ins Oberbaumeck, wo wir einige Bier auf den Abend trinken.
Kinky Friedman Reading

Konzerte Dezember 2014 / Januar 2015 – Turbostaat, Kaput Krauts, Panzerband, Litbarski und OnOnOn

Turbostaat + Candycunt im SO36 in Berlin (18.12.2014)
Turbostaat + The Dope im SO36 in Berlin (19.12.2014)
15 Jahre Turbostaat, herzlichen Glückwunsch! Bewundernswert, dass die Band in mehreren Städten Deutschlands (u.a. Köln, München, Dresden, Husum und Berlin) an zwei Tagen alle Songs von allen Alben nacheinander durchgespielt hat. Wie schnell die Zeit verflogen ist, wurde mir am ersten Abend wohl zum ersten Mal seit langem wirklich bewusst. Seit ca. 13 Jahren kenne ich die Band jetzt und inwieweit ich mich selbst, aber auch die Band verändert hat, ist dann doch noch einmal deutlich geworden.
Am 18.12.2014 begann der Abend ersteinmal mit Schlangestehen. Das SO36 war ausverkauft und die meisten hatten sich ein Kombi-Ticket gesichert, sprich Tickets für beide Abende plus Dankeschön-10inch. Danach erstmal die vielen – zum Teil langen – Freund/innen begrüßen. Die Vorband war nicht der Rede wert und wird hier nur der Chronisten-Pflicht wegen erwähnt.
Danach: „Flamingo“ LP. Ich frage mich immer, wieso ich so beschissen im Auswendiglernen war. Ich kann einfach keine Gedichte rezitieren und heute kann ich mir nicht mal mehr Songnamen, geschweige denn Songtexte merken. Doch hier, bei diesem Alben: fast jede Zeile. Auch bei dem danach kommenden Album „Schwan“ ist fast jeder Song eine Erinnerung an die Vergangenheit. Streit mit Freundinnen, das was sich Heimat oder doch nur Wohnort der Eltern nennt, Erinnerung an Städte, Straßen, Häuser, Wohnungen. An Menschen, an Freund/innen, an Liebe, an Streit. Es überrascht mich selbst, wie viel mir diese beiden Alben bedeuten bzw. mal bedeutet haben. So hinter einander weggespielt, sentimental, weil von Freund/innen umgeben … merkwürdig. Das SO36 schrumpft zu einem WG-Zimmer, Bier und eine gute Party.
Der 19.12.2014 ist dann das Gegenteil. Die Band hat sich entwickelt und ich bin irgendwann abgesprungen. Ich besitze zwar die Alben, habe sie alle mehrfach gehört, aber wo ist der Funken, der mich entfacht? Er kommt einfach nicht. Ich muss daran denken, wie Malwi am Abend vorher meinte: „Wer über den Kopf klatscht wählt CDU!“ Wäre das wahr, an diesem Abend hätte die CDU die absolute Mehrheit. Auch die Anzahl an Menschen in Bandshirts, und zwar auf und nicht nach dem Konzert, ist wahnsinnig hoch. Früher ein Zeichen von Idiotie … und heute eigentlich auch noch. Warum mit einem Bandshirt zu der gleichen Band auf ein Konzert gehen?! Das ist für mich wie Socken und Sandalen, vollkommen uncool. Egal, die Band spielt einige gute Songs von den neueren Alben, aber es läuft an mir vorbei. Dennoch bin ich dankbar für die Zeitreise am Abend zuvor und die Gewissheit am zweiten Abend, was ich auch nicht mehr vermisse.

Pyro One, Kaput Krauts und Das Flug in der Scharni in Berlin (30.12.2014)
Letzter ganzer Tag im Jahr 2014 und wir auf dem Weg nach Friedrichshain. Ein voller Keller, Bekannte, gute Musik. Das Übliche. Pyro One verpassen wir fast komplett, doch im Vergleich zu einem anderen Auftritt gefallen mir seine letzten beiden Lieder. HipHop ist Underground-Musik, zumindest wenn er mir gefallen soll. Pyro One gehört zu den Guten und das soll mir für diesen Abend reichen. Bier leer, Mate Vodka her.
Es folgen Kaput Krauts, die ein okayes Set schön schräg daneben spielen und leider einige Songs der Quo Vadis, Arschloch?! auslassen, die ich gerne mag. Egal, tausendmal gehört, tausendmal gesehen, tausendmal genug passiert. Ich mag diese Band. Auch dass ein besoffener Assi die Bühne erklimmt, in ein Phantom-Mikro singt und den Asselpunk spielt (und vielleicht doch nicht nur spielt) gefällt mir. Dass er sich im Anschluss ausziehen will, was Sänger Fossi anfänglich durch ein verstecktes Shirt-nach-unten-ziehen versucht zu verhindern, würde ich der Rubrik „Depp des Tages“ abstempeln. Dass dem Assi das Ausziehen gelingt ist tragisch, weil a.) unästethisch und b.) unnötig.
Dass er dafür allerdings aus dem Publikum wüste Beschimpfungen als „Sexist“ erhält, sprengt mein Verständnis. Meiner Meinung ist das aus zwei Gründen falsch: 1.) Wenn es auf das sogenannte „Triggern“ hinausläuft, sprich das Erinnern von Vergewaltigungsopfern, wenn sie einen nackten Mann sehen, geht die Beleidigung „Sexist“ davon aus, dass nur Frauen – oder nur Männer – getriggert werden. Falsch! 2.) Wenn es darauf hinaus läuft, dass es sexistisch ist, dass Männer ihren nackten – und in diesem Falle durchaus unästethischen, nach meinem Empfinden – Oberkörper zeigen dürfen und Frauen nicht. Das wäre aber nicht die Schuld eines einzelnen, sondern der Gesellschaft, ggf. der Politik. Daher sollte es doch das Ziel sein, nicht das Verbot aufrechtzuerhalten, sondern zu ändern, im Sinne einer Befreiung. Dafür kann der arme – rotzbesoffene – Typ allerdings nichts, sodass eine singuläre Zuschreibung als „Sexist“ Mumpitz ist. Doch das ist nur mein Senf und ich nuckele lieber an meiner Mate Vodka, als diese Diskussion in einer aufgewühlten Stimmung zu führen. Ja, ich bin eingeschüchtert und ja, es ist merkwürdig, das Gefühl zu haben, seine Gedanken nicht äußern zu können. Brauche ich dafür Mitleid? Fuck yourself!
Das Flug im Anschluss spielen Elektropunk, bringen mich zum Tanzen und zum Mitwippen und der Trockennebel in dem Keller lässt mich dann auch darüber nachdenken, wie wenig Unglücke doch in kleinen, linken Kellern geschehen, wenn man sie nur genügend füllt. Tolles Konzert, toller Übergang ins neue Jahr …

Panzerband und Chorea Huntington in der Supamolly in Berlin (03.01.2015)
Das neue Jahr und direkt ein geiles Deutschpunkkonzert. Ich starte meinen guten Vorsatz, mal wieder stocknüchtern ein Konzert zu besuchen und zu verlassen. Das schlägt sich bei Chorea Huntington ein wenig auf die Laune. Deren Deutschpunk begeistern mich wenig, auch wenn es nicht wirklich schlimm ist. Alte Punkrocker auf der Bühne ist man irgendwie auch gewohnt, ein paar Jungpunks zu sehen, wäre aber mal wieder schön. Aber vielleicht bin ich und mein Umfeld dafür zu alt … und warum auch in die Potse gehen. Im Anschluss Panzerband, die klingen, als würden Mülheim Asozial mit dem Rasenmäher von Abfukk überfahren. Deutliche deutsche Texte, Ironie und Ernst zusammengewürfelt und eine schöne Portion Wut, wenn nicht gar Hass drüber gelegt. Panzerband, viel besser als Deine Band! Schön ein wenig hier und da geklaut, neu zusammen geschraubt, und die Ketten drehen sich über den Torso des Landes. Ich saufe mir einen Mate-Flash (ohne Vodka) und freue mich des Lebens. Auch mal schön.

Litbarski und OnOnOn im Fischladen in Berlin (24.01.2015)
Litbarski ist das neue Bandprojekt von Leuten von Weltraumschrott und Anne Tanke. Darauf habe ich mich lange gefreut und diese Freude wird nicht enttäuscht. Während Leatherface / Hüsker Dü-Gitarren unterwegs auch mal Suzanne Vega überfahren, spielt die Band ein ziemliches Brett, was mich ein wenig an Karmacopter erinnert hat. Einige Songs, vor allem gegen Ende des Sets, schienen kleine Hits zu sein. Leider war der Gesang nur wenig verständlich, aber dennoch bin ich gespannt auf Releases. Erster Auftritt, super gut. OnOnOn im Anschluss wie immer gut. Onkel Karol ist zum Beispiel ein super Song. Ach, eine tolle Show und als Abschluss für den Januar toll. Danach noch getrunken und gequatscht und den Abend im Fischladen genossen. Wat war ich früher oft hier … schön!!!

Update #05 – Alleiner Threat Reckordt

Up­date #05 – Al­lei­ner Thre­at Reck­ordt
Bei mir sind jetzt beide Platten restlos ausverkauft. Wer noch Lust auf die Dinger hat sei an die unten stehenden Läden verwiesen.
Auflistung der Mailorder / Shops findet sich unter den Kurzbeschreibungen, viel Erfolg beim Ordern!

ATR-​01 Is­tu­kas Over Dis­ney­land / La Théorie Du Boxon LP
Is­tu­kas Over Dis­ney­land sind eine der be­kann­tes­ten und un­er­müd­lichs­ten Bands der Phil­ip­pi­nen und ver­öf­fent­li­chen hier 5 neue Songs. Die Lie­der mit Tex­ten im lo­ka­len Dia­lekt Pam­pan­ge­no sind klas­si­scher, me­lo­di­scher Punk­rock. Mit „Bas­tar­dung Anak Ning San Fer­nan­do“ (Bas­tard Son of San Fer­nan­do) ver­ste­cken sie gegen Ende noch einen rich­ti­gen Hit auf der Split LP. Auf der an­de­ren Seite sind die Raw­punks von La Théorie Du Boxon aus Frank­reich, die sie­ben Songs auf Fran­zö­sisch her­aus­schrei­en. Wü­ten­der, an­ti­fa­schis­ti­scher Punk­rock.
Berlin: Alleiner Threat Reckordt [SOLD OUT]
Duisburg: Plastic Bomb Records
Heidelberg: Kink Records
Freiburg: Flight 13
Neustadt a. Rbg. HöhNie Records
Berlin, Gneisenau Straße 60: Real Deal Records
Berlin, Bürknerstraße 6: Static Shock Musik [SOLD OUT]
Berlin, online: Incognito Records [SOLD OUT]

ATR-​02 Bad Omen – s/t LP
20.​000 mal (!) wurde die­ses Album von 1994 schon als MC und CD ver­kauft. Nun liegt es erst­mals auf Vinyl vor und nur eine streng li­mi­tier­te Auf­la­ge von 50 (!) Ex­em­pla­ren sind in Eu­ro­pa er­hält­lich. Man muss kein gro­ßer Pro­phet sein, um in­ner­halb we­ni­ger Mon­den mit einem Aus­ver­kauft-​Schild zu rech­nen. Ge­bo­ten wer­den zwölf Street­punk-​Songs, in­klu­si­ve dem Hit der Band: „Ma­ling Sis­te­ma“ (schlech­tes Sys­tem). Die bri­ti­schen Ein­flüs­se sind kaum über­hör­bar. Die Auf­ma­chung mit far­bi­gem Vinyl und Sieb­druck-​Co­ver macht diese LP lei­der etwas teu­rer …
Alleiner Threat Reckordt [SOLD OUT]
Kink Records [SOLD OUT]
Duisburg: Plastic Bomb Records [SOLD OUT]
Freiburg:Flight 13
Neustadt a. Rbg. HöhNie Records
Berlin, Gneisenau Straße 60: Real Deal Records
Berlin, Bürknerstraße 6: Static Shock Musik

Toylettes + Front in Berlin

Toylettes + Front im Cortina Bob in Berlin (12.12.2014)
Was gibt es Schöneres, als in Gedenktage reinzufeiern?! Richtig, nicht viel! Die Prügelei beim Tanz in den Mai, das Geböller zur Neujahrsfeierei, die zünftige Weihnachtsmarktschupserei als Einstimmung auf das Wiegenfestes eines kommunistischen Langhaarhippies oder aber die Feier in den Tag-zum-Gedenken-der-Familienverhältnisse-in-der-deutschen-Polizei, kurz ACAB-Tag. So hat sich die Band Front aus Wiesbaden extra angekündigt, um das Kreuzburger-Publikum am Vorabend dieses Tages einzustimmen (13.12.). Der ACAB-Tag ist ja auch jedes Jahr aufs Neue ein Mahnmal für Polizeigewalt in Deutschland: sei es das Versagen der Polizeibehörden bei der Bekämpfung des NSU-Terrors, sei es, dass sie Hooligans gegen Salfisten eine ganze Stadt überlassen (auch wenn es nur Köln war) und im gleichen Moment harmlose Fußballfans kriminalisieren, sei es der Mord an Oury Jalloh und andere Tiefschläge des deutschen Rechtsstaates. Daher schön, dass die sympathischen Wies-Badenser ein paar Songs über die Bretter des Cortina Bob schossen (Homepage des Ladens). Also früh die Siebenmeilen-Stiefel geschnürrt, die gute Laune in die Hosentaschen und abdiekowski!
Toyletts
Nachdem einige Bekannte und Freunde begrüßt werden konnten, drehten auch direkt The Toylettes die Regler der Verstärker auf. Eine junge Band aus Potsdam und Berlin, die diesen gerade sehr populären minimalistischen Punk meets NDW spielt. Das war alles zwar noch bei Weitem nicht perfekt, aber gefiel mir mit steigender Dauer des Abends immer besser. Kurz, prägnant, charmant und auf die zwölf! Vor allem die Abwechslung, erzeugt durch Instrumentenwechsel und Einbauen eines Keyboards war witzig. Gerne mehr davon.
Front
Im Vergleich dazu folgten dann die im Vergleich zu den Toylettes die alten Männer von Front (Hompeage). Elf Jahre in die Band investiert, drei Alben, eine 10inch, eine Split-Single und ein Demo, eine reichhaltige Beute, nur um uns dann eine wunderbare Auswahl an Hits um die Ohren zu ballern. Vor allem für Berlin, wo viele arbeitslose Punks rumhängen und im Winter gar nicht wissen, wie sie ihre Langeweile und die Tristesse in Grau und Grau durchbrechen können, gab es gleich zu Beginn den wichtigen Lebenshinweis: Bild dich Ford! Damit die Räder weiter rollen, möchte man da Truck-Stop-like ergänzen. Das hatte das Publikum direkt dankbar aufgenommen, in die iMerkzettel gehackt und sich direkt den googleWecker für den nächsten Tag gestellt. So konnte im Anschluss erleichtert das Tanzbein geschwungen werden. Zum Prada-Meinhof wurde ausgiebig geschwooft. Verwirrung erzeugte dann die Hommage an das Plastik (Im New Yorker Sah Ich Hennes & Maurits Knutschen), da ein Teil der Anwesenden Plastik erst seit wenigen Jahren überhaupt kennen könnte (es war verboten in der Ostzone), die anderen die Angst haben, dass sich bei der Plastikentsorgung kleine Fische an dem Plastik-Scheiß im Ozean verschlucken (und ganz schlimm Bauchschmerzen bekommen). Dennoch tat dieser kurze Moment der Verwirrung der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch. Einfacher wurde es im Anschluss, als die Welt in Zahlen (eins und null) erklärt wurde. Dem einzigen Verschwörungstheoretiker, der sich im Raum befand, fiel es wie Schuppen von den Augen: „23″ ist tatsächlich nicht die Zahl der Welt und keine Erklärung für nichts! Er wird nie wieder KenFM hören, sondern nur noch Front (und vielleicht mal Casanovas Schwule Seite, denn die singen ja auch über den richtigen Mauerfall und das Mecklenburger Tor!). Viele weitere Hits gaben die Hessen noch zum Besten, bis sie kurz vor Abpfiff auch noch den Computerstaat zitierten – und damit die nahtlose Überleitung zum ACAB-Tag schafften. Denn gerade dieser Computerstaat, bewaffnet mit Digital(stopp)uhren war es, der ein Konzertende um 24:00 Uhr vorgesehen hatte. Es wurde zwar von Seiten der Band wie so häufig ominöse und oft zitierte „Nachbarn“ für das Konzertende angeführt, aber in Wirklichkeit sollten die Feierlichkeiten zum 13.12. nicht gestört werden. Dafür habe ich großes Verständnis und verlinke hier noch auf die Seite zu der Seite von BREAK THE SILENCE! Danke für den tollen Abend!

Review – Pascal Claude: Viele Grüsse aus dem Stadion

Pascal Claude – Viele Grüße aus dem Stadion
„Neues aus den Randgebieten des Fußballs“ lautet der Untertitel des Buches und wahrscheinlich wird sich jetzt manch eine/r fragen: „Was soll das jetzt hier auf Alleiner Threat?“. Pascal Claude betreut seit langem den Blog 45football.com, auf dem er Singles präsentiert, die einen Fußballbezug haben. Dort finden sich auch einige Singles, die durchaus im entferntesten etwas mit Punk zu tun haben. Zum Beispiel die Band Bums, die damals von AM Musik aus der Deutschpunkband Fluchtpunk.Terror zusammengecastet wurde und Borussia Dortmund eine Single widmeten. Oder die Single von Berliner Punks zum 100sten Jubiläum von Tennis Borussia Berlin im Jahr 2002. Auch Trio-Schlagzeuger Peter Behrens mit der Single „Wenn ein Tor fällt“ ist dort aufgenommen. Jenem Peter Behrens widmet Pascal Claude auch eine kleine Geschichte in diesem Buch. Der Autor hat lange Zeit Kolumnen für die linke Wochenzeitung WOZ in der Schweiz geschrieben sowie ein Fanzine herausgegeben: „Knapp Daneben“. In diesem Buch finden sich auf 120 Seiten Texte mit Fußballbezug, wobei letzterer – wie das Beispiel des Peter Behrens Text zeigt, nicht im Zentrum steht. Auch in vielen anderen Texten geht es weniger um das Spiel an sich, sondern um Geschichten drum herum. So nimmt er z.B. die xenophoben Äußerungen eines Schweizer Spielers auseinander, folgt dessen Fußballlaufbahn über die Schweiz, Frankreich, Italien und setzt dessen Migration in den Kontext von Migrant/innen, die in die Schweiz kommen, da sie sich dort ein besseres Leben versprechen und weiterentwickeln wollen. Man lernt viel über die Schweiz, über immaterielle Kulturerbschaften, über die übertriebene Schadensdarstellung verursacht durch Fans an der Schweizer Eisenbahn. Er berichtet aus Portugal, Deutschland, Italien, es sind immer wieder kleine Geschichten, die die / den Leser/in wissen lassen, dass des Autors Herz auf der richtigen und für die richtige Seite schlägt. Daher auch für Nicht-Fußballfans eine gute Lektüre!
WOZ-Verlag; ISBN: 978-3-906236-10-0; ca. 25,- Schweizer Franken