Archiv der Kategorie '02. Kurzgeschichten'

Warten auf die Jungle World

Warten auf die Jungle World*
Es ist Donnerstagmorgen und wie ein alter Wachhund liege ich hinter der Wohnungstür auf der Lauer. Man könnte denken, ich sei ein alter Greis, der auf dem Weg zur Toilette gestürzt und anschließend einfach liegen geblieben wäre. Oder aber, dem Alter entsprechender, dass ich gestern zu viel gesoffen hätte. Für Letzteres scheint auch die fest in der linken Hand umklammerte Flasche Club Mate ein Indiz zu sein. Katerkampf, Nachgeschmack, Koffein.
Doch stattdessen warte ich auf die mittelalte Frau in dem gelb-schwarzen Regen-Overall, die mir neues Hirnfutter bringt. Zwischendurch nippe ich an der Club Mate Flasche, damit ich nicht merke, dass diese Aktion doch ganz schön langweilig ist. Mir fallen mehrfach die Augen zu und ich frage mich, ob es das wert ist, solange vor der Haustür zu liegen. Dann streichele ich allerdings über das Bärenfell und freue mich. Den Bären habe ich erschossen, als er andere Tiere töten wollte. Das halte ich für einen Akt, der so halbwegs im Einklang mit PETA steht. Und es war eigenhändig, im Kölner Zoo, als er gerade Fische futtern wollte, diese fleischfressende Sau!
Meine Augen waren gerade wieder zu gefallen, als es im ganzen Treppenhaus summt und dröhnt. Ein Geräusch wie das Schellen der Glocken des Weihnachtsmannes bzw. dessen Schlitten. Die gute Dame mit der Jacke und den Vierbuchstaben klingelt. Wie ein Derwisch springe ich auf, drücke den Türöffner neben der Gegensprechanlage ohne mir die Mühe zu machen und zu kontrollieren, ob sie es denn wirklich ist. Wir sind hier in Kalk, sicherer geht es nicht. Sseitdem Tom Gerhardt Welt-Verbot hat, läuft der hier auch nicht mehr rum.
Während ich nun die Treppen in meinen Schlappen herunter eile, weht mein Bademantel wie die blonden Haare eines He-Man-Look-A-Likes in einem offenen Cabrio bei Höchstgeschwindigkeit. Denkt noch jemand außer mir gerade an Hulk Hogan? Natürlich besitze ich weder die Statur des ehemaligen Wrestlers und Serienstars, noch lasse ich unter dem Bademantel irgendwelche Körperteile für Außenstehende sichtbar werden. Kein Brusthaar, kein Beinhaar, kein Penis. Jogginghose, T-Shirt, Socken, das trägt der moderne Postfrau-Umarmer unter dem Mantel. „Erregung öffentlichen Ärgernisses“, dafür habe ich mich einmal wegen meiner Wochenzeitung vor Gericht verantwortet, nie wieder. Lerneffekt! Keine Ahnung, ob das Adorno ist!
Als ich den Fake-Marmor überwunden habe reiße ich der guten Frau die Post aus der Hand, umarme sie, wirbele mit ihr umher und wir beide straucheln, fallen aber nicht. „Ach, Herr Reckinnen. Waren Sie im Urlaub? Ich habe Sie vermisst“, sagt sie noch, da drücke ich hier schon ein kleines Trinkgeld in die Hand und rufe: „Nein, es waren die Feiertage, da hatte meine Wochenzeitung Urlaub!“. Sie bedankt sich artig für die paar Groschen, die ich ihr in die Briefkasten gelben Hände drücke. „Nikotin“, denke ich. Die paar Münzen sind ein Anachronismus, den ich mir hin und wieder gönne, wenn ich genügend Club Mate Pfandflaschen zum Kiosk gebracht habe.
Dann schleiche ich, wie ein Fuchs – oder welche Tiere schleichen überhaupt – mit der Beute im Maul – ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Tier mit der Beute im Maul schleicht – die Treppen hoch – und die Treppen hier in Köln-Kalk erst recht nicht – und schließe leise die Tür.
Die neue Jungle World. Jetzt aus einer neuen Druckerei. Und haptisch. Anders! Angenehmer! Zärtlicher, fast wie das Fleisch eines jungen Mannes oder einer jungen Frau. Ach was, wie das Fleisch einer jungen Frau, die Jungle World scheißt ja auch auf das Binnen-Innen oder das Querstrich-/in.
Meine Finger streicheln über die Zeitung, wie über eine schöne junge Frau ihr Fleisch. Mist, mein Ruhrgebietssatzbau ist noch nicht komplett überwunden. Das Streicheln führt zu einer fast erotischen Nahtoderfahrung. Nahtod? Natürlich, denn ich konzentriere mich so dermaßen auf das Papier und die Zeitung, dass ich über meine Sportschuhe – Marke Kinderhand – stolpere und haarscharf mit dem Kopf am Telephonschränkchen entlang segele. Mit der Post am Telekommunikationskabel aufgehangen, in den 80ern wäre das noch als Betriebsunfall durchgegangen.
Wie durch ein Wunder – um das ganze völlig über zu dramatisieren – überlebe ich den Sturz. Das war knapp und nachdem ich das Nasenbluten mit der Titelseite der neuen Jungle World unterbunden habe, bin ich doch etwas enttäuscht. Das alte Papier war saugfähiger und so braucht es fast das gesamte obere Drittel der Titelseite, die nach und nach als kleine Kügelchen in meinen ostwestfälischen Gesichtserker wandert. „Gute Besserung?“ lese ich noch auf dem Cover und zucke mit den Schultern.
Das Gemälde auf Seite zwei ist schön, wird aber ohne Textblase, die derweil blutverschmiert im Mülleimer liegt, nicht unbedingt witziger. Aber egal, lache ich beim nächsten Mal etwas länger.
Die Jungle World wird jetzt nicht mehr im tristen Hessen gedruckt. Das macht sich dadurch bemerkt, dass sie jetzt vollfarbig ist. In Hessen gab es wohl nur grau als Farbe. „Warum“, wird die Druckerei vielleicht jetzt sagen, „wo ist das Problem? Wir haben doch hellgrau, dunkelgrau, mittelhellgrau, schwarzgrau, grauweiß und so weiter.“ Aber die Druckerei gibt es nicht mehr und das ist wirklich traurig, weil zu 50 Prozent nun ein Subway-Laden dort belegte Brote für viel Geld verkauft. Belegte Stullen ab 2,49€, das verstehen weder meine Oma noch ich.
Ein wenig melancholisch stimmt mich das Überangebot von Farben allerdings doch. Früher war die Welt schwarz-weiß, dann gab es Graustufen und heute ist alles so bunt, dass man sich doch wieder klare Feindbilder wünschen würde. Die haben zumindest die Leserbrief-Schreiber/innen – oder die, die auf Facebook posten – in Ivo B. gefunden, der eine herrliche Glosse über Freeganer/innen in der letzten Ausgabe veröffentlicht hatte (Leben an der Tonne). Freeganer/innen, wo finden die denn die Zeitung? Was es nicht alles für Wahnsinnige gibt!?! Schade, dass sich damals keine Spargel-Fans gemeldet haben, als er sein Meisterwerk geschrieben hat (Das Prinzip Spargel). Wobei, ich glaube schon, dass sich damals schon Freeganer darüber geärgert haben, heimlich und leise in ihrer Tonne, wo die verwöhnten Jünglinge den Hoffnungslosen das Essen wegstibitzen. Doch heute liegen sie da mit Smartphone drin und können die Jungle World für umsonst im Internet, oder in der Tonne, lesen. Wahnsinn, was es nicht alles gibt!
Auf den nächsten Seiten folgt dann alles zu einer guten Besserung, Selbstoptimierung. Ich lerne und räume meine Sportschuhe beiseite. Könnte mein Leben verlängern, vielleicht bastele ich da noch einen App für andere draus. Ist natürlich gelogen, da ich nicht mal weiß, wie man einen App bastelt. Oder was das ist? Ich habe nach der Werkschließung von Nokia in Bochum mein altes Siemens Handy wegwerfen müssen (defekt!) und mir in einem Stand am anderen Ende der Welt für 20 Euro ein neues, altes Nokia-Handy gekauft. Vielleicht hilft es ja den Opelanern noch. Jetzt kann ich T7 oder T9, T72 oder T90, Ttt oder wie das heißt mit den automatischen Wörtern nur in Englisch und Tagalog. Würde für die deutsch-iranische Wirtschaftskammer nicht reichen. In dem Artikel darüber lerne ich, dass es nicht nur deutsch-iranische Waffenkammern (versteckte!) gibt.
Die Deutsche Bank wird ebenfalls in der Jungle World gewürdigt, unter einem Bild von Erdnüssen, dass ich wohl von meinem Mitbewohner fernhalten muss, da er eine Nussallergie hat und dies das bunteste Erdnuss-Bild ist, dass ich je gesehen habe. Schwarz, Weiß, Grau und Ocker. Wobei, Erdnüsse sind ja Bohnen. Egal, die Hells Angels hatten in letzter Zeit weniger Hausdurchsuchungen als die Deutsche Bank, interessant.
In den nächsten Stunden hetze ich mich wie immer durch die Jungle World, lege sie mal ein paar Stunden weg, schlafe und bin dann doch bis Freitag wieder durch mit der Zeitung. Am Ende freut man sich fast aufs Deutsche Haus, wenn auch diesmal keine Stadt aus meinem Lebensumfeld erwähnt wird, was mich einen Moment zum Gedanken führt, vielleicht ist es hier doch besser als anderswo, doch dann weiß ich, dass das Blödsinn ist und lege die Zeitung weg. Den Dschungel habe ich schon auf der Fahrt ins Büro durchgelesen und irgendwo in der U-Bahn liegen gelassen, denn da ist ja nicht mein Name drauf gedruckt.
Die nächsten Tage werden schwer. Ich werde mir Club Mate kaufen, den Teppichvorleger vor der Haustür ein wenig nachpolstern – sprich dem Bären ein Kissen in den Arsch schieben – mir vielleicht mal eine Taz irgendwo im Café ausleihen oder auf Leute zeigen, die die Süddeutsche lesen und laut lachen. Am Dienstag melde ich mich auf der Arbeit für Mittwoch krank und begebe mich langsam in meine Position für den Donnerstagmorgen. Noch einen Schluck Mate, die Äuglein schließen, über das neue Papier der Jungle World streicheln und warten. Der nächste Donnerstag kommt bestimmt!
Mika

*Hommage an die vielleicht beste Wochenzeitung auf der ganzen Welt … Link zu ihr

Remembering Drachenmädchen

Als Rosi mich vor ein paar Tagen anschrieb, in dieser grauen, vorweihnachtlichen Zeit, und mich auf das Update der Myruin-Seite hingewiesen hat, wurde es doch mal Zeit, wieder melancholische Gedankengänge an die Vergangenheit zu verschwenden. Moment, verschwenden? Wenn man schon seine Jugend verschwenden musste, dann war das Drachenmädchen auf jeden Fall ein schöner Zeitvertreib und neben dem Blurr vielleicht eines der besten Fanzines seiner Zeit, das als eines der ersten Kurzgeschichten aus „der Szene“ und Musik pari-pari verband. Gleichberechtigung, Emanzipation, sucht Euch Feuiliton (ich musste das Wort tatäschlich ob seiner Schreibweise nachschlagen, still Punk not Bildungsbourgeoisie). Daher eine kleine Erinnerung an diese Zeit, als Münster noch „zu Hause“ und „Studium“ Beruf war.

Drachenmädchen – verdammt
Als ich am Hafen ankam, saß sie schon da. Der Wind zerzauste ihre Haare, ihr Näschen lief. Wir unterhielten uns über Bands, die sie kannte und die ich mochte. Oder die ich nicht kannte, aber sie mochte. Wir tranken Wein und Bier, verlegten die wichtigen Dinge in Richtung Tresen. „Bitte werfen sie eine Münze ein“, das war noch vor dem Ruhrgebiet und dem anhaltenden Fernsehdesaster. „Oiro“, dachte ich immer, nicht „Münzen“. Ein wenig Blurr, ein wenig old-school-Fanzine, viele neue Ideen und alte, schlechte Witze. Die habe ich meistens gemocht, in den Hörsälen mit ihr und einem Grinsen. Nur einmal, da rollten Tränen und ich durfte nicht laut loslachen. Ein denkwürdiger Moment, als sie sagte, „ich suche einen Mann mit Pferdeschwanz – Frisur egal!“ So albern, so infantil, so gut!
Dann wollte sie mit mir diskutierten, ob Ray Cappo oder Torben Meissner stärker ist. Mir war das egal, Machomänner waren seit Reinhard Fendrich „out“. „Was kannst Du denn?“ fragte sie empört und ich begann ihr Kurzgeschichten zu erzählen. Über Boxerinnen, über suizidale Clowns, über Trauertränen und sie dankte es mit Bier und sanften Küssen. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend in der Baracke in Münster, das erste Mal auf der Bühne, im Rahmen von Kunst. Als sie mich verließ, war ich älter, immer noch nicht erwachsen. Zeiten vergingen wie Duesenjaeger, ein weiterer Ritt durch die Geschichte.
„Alte Liebe rostet nicht“, sagte mein Großvater in einem seiner weisen Momente immer und vielleicht hatte er da Recht. Als ich sie vor kurzem wieder in den Händen halten konnte, war es ein wohliges Gefühl, ausgelöst vielleicht durch den Wein, vielleicht durch die Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Captain Planet und Inner Conflict spielen zu solchen Momenten den Soundtrack und meine Osnabrück-Abneigung war auch fast überwunden. Vielleicht auch weil das Emsland immer weiter sich entfernte, die strafraumpogende Jugend, damals, als die Feinde noch andere Mannschaften und nicht politische Systeme waren.
Tja, wer will das eigentlich wissen? Oma sagte fast: „Anekdoten Die keinem etwas helfen [nicht mal] Geld“. Drachenmädchen, oh mein Drachenmädchen, I am still missing you!

Mehr Infos zum Drachenmädchen, inklusive alle alten Hefte zum Download, könnt ihr hier finden – MYRUIN.de

Der Blumenstrauß

Der Blumenstrauß

Die Bardame stellte mir ein fünftes Bier vor die Nase. „Bitte!“ krächzte sie so lieblos, wie möglich. Ich nickte dankend, leerte die Pfütze aus dem Vorgänger und stellte die Pilstulpe auf ihr Tablett. Sie machte einen Querstrich auf dem Bierdeckel und zog wieder von Dannen.
„Hoch die Vasen“, rief jemand am Tresen. Ich reagierte nicht. Kurz beobachtete ich die Blume auf dem Bier, eine Krone als Krönung der Schöpfung einer Hinterzimmerkneipe in einer Hinterzimmerstadt. Dann nahm ich die Vase in die Hand und runter mit dem nächsten Schluck.
Seit einigen Stunden bevölkerte ich schon diesen illustren Ort. Mein Zug war liegen geblieben. Ein Sturm war über das Ruhrgebiet gezogen und jetzt saß ich hier in der Taverne und versuchte, die Stunden zu überbrücken. „Oberleitungsschaden“, hatte die völlig überforderte Bahnfrau nahezu geschrieen, „der wird aber heute Nacht noch behoben.“ Ich ließ das mal so stehen und glaubte ihr. Um fünf Uhr morgens würde das nächste Bahnvehikel die Stadt verlassen und mich näher Richtung Heimat bringen. Doch bis dahin war ich hier in der Spelunke gut aufgehoben. „Durchgehend geöffnet“ stand auf dem Schild, das mich einlud zu kommen, „Bei Erika“ war der Name, der mich zum Bleiben zwang.
Erika war jetzt wieder hinter dem Tresen verschwunden, spülte sofort meine Biervase, trocknete sie ab und stellte sie ins Regal hinter sich. Das gleiche Prozedere, wie in dem Moment, als ich hier vor einigen Stunden herein gelaufen bin.
„Bist Du Erika?“, hatte ich zur Begrüßung die Bardame gefragt. Sie stand, wie jetzt, mir den Rücken zu wendend hinter dem Tresen und polierte mit einem karierten Trockentuch ein „BV 09 Borussia Dortmund“-Glas. Außer ihr saßen vier ältere Männer am Tresen. Sonst war niemand zu sehen. „Wer soll ich sonst sein?“, hatte sie in Richtung der Wand gesagt. Mit den Worten, „Wat darfst denn sein?“, drehte sie sich zu mir um. Im ersten Moment war ich geschockt. Ich wusste, dass es Bierbäuche gab, aber, dass der Bierdunst auch Gesichter so dermaßen aufquellen lassen konnte, das war mir neu. Das einst blonde, lockige Haar war verblasst, einzelne Locken hingen lustlos an ihrem Kopf herunter. Fast so, als hätten sie sich suizidal und verzweifelt in die Tiefe gestürzt, der Last des Lebens nachgebend. Ihre Wangen waren leicht rötlich, ein paar Sommersprossen hatten noch nicht das Weite gesucht, doch der Rest des Gesichtes auf irgendwo zwischen aufgequollen und mehrfach gefaltet liegen geblieben.
„Ich nehm nen Pils“, hatte ich gestammelt, fast schon erschrocken. Auf eine Nische zeigend trollte ich mich anschließend aus dem Eingangsbereich. Die restlichen Gäste schenkten mir keine Beachtung. Sie saßen auf ihren Hockern vorn herüber gebeugt und gaben sich ihren Getränken hin. „Boomerang-Biertrinken“, hatte sie ein Freund einst tituliert. Meiner Meinung gleich ihre Haltung eher einem Flitzebogen. Gemein ist beiden, solche Kurven will Mann nicht sehen!
Erst als ich in der Nische saß, bemerkte ich, dass sie alle mich doch beachtetet, wenn nicht gar beobachtet haben mussten. Sie fingen an zu tuscheln und mit geringem Lärmpegel unterhielten sie sich weiter. „Der Fremde“, hörte ich ein oder zweimal heraus.
In der „Flitzebogen“-Stellung verharrten sie noch immer. Ein trauriger Abend. Der einzige Trost war das Buch, das mich seit Stunden unterhielt. Gute Schreibe, keine Handlung, kein Spannungsbogen und dadurch näher an der Realität als alles andere, durch das ich mich die letzten Tage hindurch gequält hatte. Nur hin und wieder wurde ich aus meiner Lektüre gerissen, wenn wieder einer der älteren Herren auf den Tresen schlug oder jemand einen speziellen Hit aus der Jukebox erkannte und laut mitsang.
„Erika, oh Erikaaaaa“, sang jemand laut mit, als die Lokalmatadore einen Song über eine Imbissbudenbesitzerin via Stereoboxen zum Besten gaben, der weder schmeichelhaft für besungene Person, noch für die anwesende Bardame mit dem gleichen Namen war. „Tonnenweiße Schlangenfraß“, summte ich leise mit, bevor ich wieder einen Schluck aus meinem Bier und ein paar Zeilen des Buches verschlang.
Ein weiteres Kapitel gelesen, klappte ich das Buch zu und lehnte mich entspannt zurück. Mein Blick stromerte durch die Kneipe, verfing sich in den Spinnennetzen und hing irgendwelchen Gedanken nach. Das dunkelbraune Holzambiente wirkte wie eine Mischung aus Irish-Pub und dem ungemütlichen Wohnzimmer meiner Eltern. Gelsenkirchener Barock hatte als Innenarchitekt beratend zur Seite gestanden und Tipps gegeben. Mein Blick flog durch den Raum und hielt erst an einer alten Uhr. 19:09 zeigte sie an, allerdings hatte ihre Zeiger seit Jahren keine Runde mehr gedreht. Es musste schon spät am Abend sein, zwischen zweiundzwanzigdreißig und dreiundzwanzigdreißig, vermutete ich. Ich kramte mein Mobiltelephon raus. Tatsächlich war es schon kurz nach eins. Ich atmete auf.
Die Eingangstür unter der alten Uhr schwank plötzlich auf. Das war seit Stunden nicht mehr passiert. Genauer gesagt, seit dem ich „bei Erika“ eingekehrt war. „Alles Pillemann, Kacke, Arsch!“ hörte ich noch, bevor ein großer Mann, ein schmächtiger Mann mittleren Alters hereinkam.
„Was los Uwe?“, fragte ein kräftiger Mann am Tresen, stand auf und klopfte Uwe aus meiner Sicht brutalst auf die Schultern. Hatte er vor dem Neuen die Schulterblätter zu durchschlagen oder das Schlüsselbein unter die Rippen zu hämmern? Uwe knickte merklich ein, schupste den Kräftigeren angestrengt von sich und nahm einen Platz am Tresen ein.
„Erika, mach mir mal nen Gedeck!“
„Kein Problem!“, kam von Jenseits des Tresens und der Zapfhahn rauschte. Ein kleiner Strahl wurde in eine vorgezapfte Pilstulpe geschossen und dann das volle Glas auf einen Bierdeckel auf den Tresen geschoben.
„Hoch die Vasen!“, rief jemand.
Uwe begann dann ungefragt sein Leid zu klagen. Da ich sein leises Stimmchen nur unter größter Anstrengung verstehen konnte, widmete ich mich wieder dem Buch. Vier Kapitel noch, dann würde ich hier ratlos sitzen.
Doch kaum hatte ich mich wieder in die Geschichte gedacht, sprang die Tür erneut auf. Hier herrschte um so späte Stunde ein reges Treiben, dachte ich. Doch als ich aufblickte sah ich schon einen südasiatisch aussehenden Mann, der mit einem Strauß Rosen vor mir stand: „Du wollen Rose kaufen?“
Reflexartig musste ich grinsen. Schönes Klischee! Ich schüttelte dankbar den Kopf, doch er schien die Geste nicht zu registrieren und hielt mir die Rosen näher vor meine Nase. „Wunderschöne Rosen, für Frau zu Hause.“ Ich schnaubte ein wenig, halb lachend, halb genervt, presste etwas Luft aus meiner Nase und bedankte mich für das Angebot, das ich allerdings erneut ausschlug. „Sicher nicht wollen kaufen Rosen?“
„Nein, keine Chance“, merkte ich lakonisch an. Eigentlich hatte ich mit einem welken Gestrüpp in dieser Gegend gerechnet, doch das Rot der Rosen hatte wahrscheinlich die größte Strahlkraft von allen Gegenständen in dieser Kneipe. Keine verblüten Knospen, wie sie sich hier um den Tresen gruppierten.
Der Mann drehte sich um und ich dachte nur: „Mein Freund, an diesem Abend wirst Du hier nicht sonderlich viele Kunden gewinnen können“, als einer der Tresen-Kunden schon aufsprang. „Komm mal her, komm mal her. Wat kost dat ganze Gestrüpp?“
„Ganze Strauß? Kost nicht viel! Sagen wir, weil Du bist, 100 Euro!“
Niemals hätte ich gedacht, dass hier, wo maximal Pilsblumen blühen, jemand die Blumen kaufen würde. Doch der Typ kramte in seinem Portemonnaie und forderte dann die Uwes, Dieters, Hänschens und Erwins im Raum auf, sich doch zu beteiligen. „Dat können wa Erika mal gönnen, oder nich?“, war der allgemeine Tenor. Doch, so sehr sie sich auch bemühten, die Deckel mit den Strichen völlig außer Acht lassend, sie kamen nur auf 85,52 Euro.
Der Versuch zu handeln schlug fehl, ebenso der Vorschlag, sich 7 Pils auf dem Deckel von Erwin anrechnen zu lassen. „Ist schon extrem Sonderangebot und ich nicht trinken Alkohol“, war die Antwort, die auf noch größeres Unverständnis stieß, als die mangelnde Möglichkeit, um den Blumenstraußpreis zu feilschen. Also biss Uwe auf die Zähne, kam zu mir, bot mir an, meine Biere zu übernehmen, wenn ich doch die fehlenden 15 Euro beisteuern würde. Ich blickte auf die Vase auf meinen Tisch, nahm einen großen Schluck, bestellte ein neues Bier bei Erika und gewährte den gewünschten Kredit. Uwe schlug mir sanft auf die Schulter, lud mich an den Tresen ein und Erika strahlte, wie zuletzt wohl in den 1960er Jahren. Ein glücklicher Asiat verließ die Taverne und ich ließ mein Buch Buch sein und rückte an den Tresen.
Den Zug um fünf verpasste ich.

Aus: Pankerknacker #25

Haltet den Dieb

Haltet den Dieb
„Da ist die Sau!“ Meine Zeigefinger pocht an das Fenster auf der Beifahrerseite. „Schau nur, da!“ Meine Lebensgefährtin reagiert langsam. Ihr Kopf dreht sich zu mir, ihre Augen blicken mich fragend an. Vorsichtig lenkt sie den Wagen an den Seitenrand. „Die Sau, die mein Fahrrad geklaut hat!“ ergänze ich, während mein Finger weiter Abdrücke auf dem Fensterglas hinterlässt.
Mein Fahrrad ist deutlich zu erkennen. Seltenes Modell, immer noch die alten Aufkleber. Der Typ, der auf dem Fahrrad sitzt, sieht nicht so aus, als hätte er es nötig, es zu klauen. Wir folgen ihm einige Meter, nicht diskret, sondern dicht auffahrend. An einer Ampel stehen wir neben ihm. Ich kurbele das Fenster herunter.
„Wo haben Sie denn das Fahrrad her?“ Meine Stimme bebt, obwohl ich versuche ruhig zu bleiben. Der Diebstahl hat mir einen langen Fußmarsch eingebrockt, der im Starkregen endete und in dessen Anschluss ich eine schwere Grippe hatte. Am liebsten würde ich dem Typen Rippenschmerzen zufügen, wie ich sie bei jedem Hustenanfall gehabt habe. Doch ich beherrsche mich. Vielleicht ist er genauso ein Opfer wie ich und hat dem Täter nur das Fahrrad abgekauft.
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Fanzine-Index.de is DEAD!

Manchmal kommen Nachrichten wie aus dem Nichts! Mit einem Mal ist Fanzine-index.de, DAS Verzeichnis deutschsprachiger Fanzines, eingestellt. Der Grund: Mögliche Rechte-Verletzungen Dritter, die auf der Seite leider nie auszuschließen sind und die einfach nicht verhindert werden können. In Zeiten von Klagen wegen jedem Rotz und einer wachsenden Bedeutung von Jurist_innen – früher hat auch mal ein netter Brief gereicht, oder die Drohung, was auf die Schnauze zu bekommen – hat der Andreas die Seite lieber eingestellt, als das Risiko einzugehen, verklagt zu werden. Das kann ich auf der einen Seite nachvollziehen, auf der anderen Seite: ich denke, dass bei einer möglichen Klage eine Soli-Welle durch die Fanzine-Szene, somit auch durch die (alternativ-) Medienwälder gerollt wäre, dass der Kläger oder die Kägerin durchaus mehr negativ als positiv Werbung zu erwarten hätte. Aber egal, das Projekt Fanzine-Index ist somit vorerst eingestellt.

Wer Lust hat, das Interview zwischen Andreas und mir nochmal nachzulesen, muss es also in Zukunfter hier tun und kann es nicht mehr auf Fanzine-Index finden.

Fragen an Mika Reckinnen – Die fanzine-index.de-Fragestunde, Juni 2010
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Neulich auf der Strecke Münster Richtung Nirgendwo (aus 2003)

Das tolle an der toitschen Bahn ist, dass ich für die meisten Fahrten, die ich tätige, nichts bezahlen muss. So kann man getrost eine Woche zwischen Freundin, Eltern und Wohnort pendeln, ohne dass auch nur ein beschissener Groschen, oder Cent oder wie das jetzt auch heißen mag, seinen Besitzer wechselt. Nichts tun und trotzdem kosten, so ungefähr kann man die Formel auf einen Punkt bringen.
Nun denn, das Szenario ist wie folgt. Eine fast leere Bimmelbahn, ich steige eine Viertelstunde vor Fahrtbeginn ein, suche mir ein nettes Plätzchen im Nichtraucherabteil und packe meine Fanzines oder Bücher aus und beginne friedlich zu lesen, den Walkman auf ausreichend laut gestellt. Ich genieße die Ruhe, nur mein Walkman lärmt leise im Hintergrund.
Die Ruhe ist sogleich vorbei, als die erste Horde menschlich-gewordener Halbprimaten in mein Abteil reinballert und ihre Titustaschen auf die „mega-lockeren“ Sitze knallen, während „Jo, Jo!“-Nummer 1 schon mal eine dreht. Die Baggypans, eine Erfindung des leibhaften Satans, baumeln so tief, dass ich denke, wenn du der Rotzgöre mal in die Eier treten willst, musst du eine Stoffbahn von hier bis zum Mond wegschieben. Nun denn, dass NICHT-Raucher-Abteil wird langsam aber sicher von einer Zigarettenmarke „Mega-Teuer-Weil-Festival-Sponsor“ zugequalmt, aber dafür kann man ja Fenster öffnen. Ich atme tief ein und beruhige mich wieder, kein Grund für unnötige Streitereien. Da diese Hirnazubis sich über „Mega Jams“ und „Kiffen bei Hoschi“ etc. unterhalten und diese Konversationen, wenn man sie so nennen darf, den Tiefgang eines Papierschiffes haben, mache ich den Walkman lauter. Danach sehe ich nur noch wie die Typen ihre Münder bewegen und Hardcore bahnt sich den Weg in meine Gehörgänge. Ich widme mich wieder dem Zine, in dem ich zuvor las.
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Vollmond

Da saß ich nun und ließ meine Beine über dem Wasser des Aasees baumeln, stets bedacht, nicht mit der überdüngten, braunen Brühe in Berührung zu kommen. Der alte Holzsteg war in dieser Herbstnacht endlich mal verlassen und ruhig im Schatten des Mondes gelegen. Keine Alkohol infizierten BWLer, keine Emo-Jünglinge, keine Nachtgriller oder Nacktschwimmer, nur der Mond und ich.
„Vollmond“, hatte die alte Frau im Supermarkt gemeint, doch ich wusste es besser. Vollmond war vor zwei Nächten gewesen, und auch wenn dieser Mond immer noch voll wirkte, so wie er dort riesig über dem Aasee stand, war er nicht mehr der Vollmond von vor zwei Nächten.
Warum ich mir so sicher war? Der Mond braucht 29 ½ Tage, um die Erde zu umrunden, und seit genau einunddreißig Tagen war ich komplett neben der Spur. Einunddreißig Nächte, die ich nicht oder nur schlecht geschlafen hatte. Einunddreißig Tage, in denen ich mehr Zeit mit Weinen, Schreien und wütend auf Holzschränke Einschlagen verbracht habe, als mit dringlichen Dingen, wie die Diplomarbeit fertig zu stellen, mit Freunden zu trinken oder mich wegen des Stellenangebots zurückzumelden. Einunddreißig Nächte war es her, als ich dir eröffnete, dass ich ein Angebot aus Manila habe, und du mir gesagt hast, dass du nach Stockholm zurück wollen würdest. Einunddreißig Tage und Nächte, nachdem wir uns gestritten und endgültig getrennt hatten.
Die Angler auf der anderen Seite schienen einen Fang gemacht zu haben. Die Angeln zuckten im Mondesschein, und hektische Bewegungen am Seeufer schienen von einem großen Fisch zu zeugen. „Bestimmt nur ein Fahrrad“, dachte ich bei mir und gab die Hoffnung darauf auch nicht auf, als sie einen Fisch aus dem Becken zogen. „Nun ja, vielleicht ist der Fisch wenigstens kontaminiert.“ Meine Gedanken kreisten um den dreiäugigen Fisch der Simpsons, die Missbildungen der Bundys beim Grillen am AKW und den Oma Hans-Song über das nukleare Unglück des potentiellen EU-Beitrittskandidaten. „Lala lala, in der Ukraine.“
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Misstöne – Tribute to 30 years Dischord!

Misstöne

„Du willst WAAAS?“ geschockt saß ich am Tresen und wäre beinahe vom Hocker gefallen.
„Ich werde heiraten! Das kann Dich doch nicht überraschen, oder?“ Stefan schaute mich mit großen Augen an.
„Das hast Du gerade nicht gesagt!“ Fassungslosigkeit stieg in mir auf. „Da war noch ein Adjektiv vor „heiraten“!“
„Was? Nur weil ich kirchlich heirate?“
„Genau, genau! Kirchlich! Heiraten, okay, wenn Du meinst! Das ist Eure Entscheidung! Aber in der Institution Kirche? Bist Du nicht vor Jahren ausgetreten? Hast Du nicht etwas erzählt, von wegen: Diesem Verein fast zwanzig Jahre angehört zu haben ist eine gruselige Vorstellung?“ Wenn jemand mit versteckter Kamera drehte, wäre jetzt der geeignete Moment gewesen, die Sache aufzulösen. Doch Stefans Körpersprache sah weder nach Paola noch nach Kurt Felix. Nicht der leiseste Anflug von Humor schien hier vorhanden zu sein.
„Ich bin wieder eingetreten, wegen Maria!“
„Was? Hat man dir ins Hirn geschissen?! Hast Du nicht damals immer von der Bühne „Filler“ geschrieen, dich auf „Minor Threat“ berufen? Und jetzt kehrst Du zurück, willst so ein beschissenes Sakradingsbums empfangen?“ Beinahe hätte ich mein Bier vor Schreck umgekippt. Dass Stefan nicht mehr Straight Edge war, hatte ich damals aufrichtig Willkommen geheißen, da meine liebsten Treffpunkte mittlerweile die schäbigen Spelunken dieser Stadt waren. Aber zwischen dem Bier-Konsum und einer kirchlichen Heirat war der Bruch einfach zu hart.
„Sakrament heißt das.“
„Was kommt als nächstes? Öffentliche Bibellesungen?“
„Komm, Mika, übertreib es nicht! Du weißt, dass ich Maria liebe und sie ist halt konservativer. Das hat doch nichts mit meinem Glauben zu tun. Und außerdem, ich muss jetzt eh gehen. Wir sehen uns hoffentlich nächste Woche in der Kirche!“ Wortlos legte Stefan noch zehn Euro auf den Tresen, dann verschwand er, wohl in dem Glauben, mich am nächsten Wochenende tatsächlich in dem gotischen Altbau am Markt unseres Heimatkaffs anzutreffen. Doch darauf sollte er sich besser nicht verlassen.
In meinem Selbstbild verstand ich mich immer als relativ geduldiger Mensch. Mich aus der Fassung zu bringen war schwer. Doch in diesem Moment war mir, als müsste ich etwas kaputt machen. Den Hocker durch das Fenster werfen oder ein Glas zertrümmern. Um mich selbst zu beruhigen bestellte ich stattdessen einen Schnaps auf den Schock. Ich brauchte irgendwas, was brannte. „Mexikaner“ rief ich in Richtung des Wirtes. Anschließend ging ich zur gut gepflegten Jukebox und steuerte einen für mich zeitlosen Klassiker an. Diesen Abend musste ich einfach mit Dag Nasty ausklingen lassen. „What can I say? Why should I try? I tried to love. What I knew, I hated it.”
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Wahrscheinlichkeitsrechnung

Bei einsetzendem Schnee-Chaos (*hust, hust*), vielleicht doch noch eine kurze Geschichte aus einem lange vergessenem Sommer, als die Jahreszeit noch so „richtig Sommer“ (Rudi Carrell, Swoons, Creme 21) waren:

Die ungewohnt lang anhaltende Hitze für einen deutschen Sommer macht das Einschalten des Ventilators auf Dauerrotation notwendig. Nur blöd, wenn man keinen hat. Noch blöder, wenn es nirgendwo mehr einen zu kaufen gibt. Marktkauf, Fehlanzeige. Elektronik-Fachmärkte, ebenso Fehlanzeige. Meine damalige Freundin, ein Opfer dieser Hitze und der Suche, wähnte sich im Bochumer Kodi-Markt fündig, versicherten ihr die dortigen Angestellten doch, dass „100%ig“ am „nächsten Freitag“ die neue Ladung Ventilatoren ankommen würde. Am darauf folgenden Samstag schlugen wir zusammen auf, doch es sah nicht gut aus im Laden. Keine Ventilatoren, dafür aber Föne. Für Wüstentöchter und -söhne sicherlich positiv, könnten sie doch so zumindest tagsüber die Temperaturen auf die Spitze treiben, doch für Wettergeplagte keine Lösung.
Also fragte sie erneut einen der kompetent wirkenden Verkäufer. Dieser gab zu, dass die Flügelteile noch nicht angekommen waren, aber mit relativ großer Sicherheit am folgenden Montag kommen würden. Ob der Enttäuschung, dass die hundertprozentige Sicherheit nicht ausreichend war, fragten wir vorsichtig nach, was relativ sicher denn in Prozent bedeuten würde. Die verblüffende Antwort lautete: „Also, wenn der LKW nicht ausbrennt oder sonst irgendetwas Unvorhersehbares passiert, würde ich sagen, relativ sicher heißt“ – Trommelwirbel … etc. Spannungspause. Ausbrennende LKWs, das war nun wirklich nicht realistisch. Wir wähnten uns erneut einer Zahl kurt vor der 100, oder gar darüber. Doch der kompetente Verkäufer sagte nur, „dann stehen die Chancen also 50 zu 50.“
Meinen entgeisterten Blick wahrnehmend bemühte er sich, noch zu relativieren. „Ist uns schon einmal passiert. Da ist der ganze LKW mitsamt Ladung ausgebrannt.“ Während ich mir noch auf die Zunge biss, entgegnete meine Freundin, dass wir dann relativ sicher am Montag kommen würden, die Wahrscheinlichkeitsrechnung machte es möglich. Ohne allerdings selbst daran zu glauben.

Super Mutant, Kaefer K, Endzeit – EMO-Keller Essen

Der Mittwoch außerhalb der Ferienzeit gehört traditionell zu den schöneren Tagen in der Woche, denn häufig veranstalten coole Kids im EMO-Keller in Essen schöne Shows. Captain Planet, Antitainment, Grand Griffon, American Tourist, alles schon innerhalb der letzten vierundzwanzig Monate in dem Kellerraum des evangelischen Gemeindezentrums in Rüttenscheid (???) zu Gesicht und zu Ohren bekommen. Daher freute ich mich, dass mit Kaefer K auch eine Band nach Essen kam, die meine Freundin sehr mochte.
Aufgrund von beruflichen Verpflichtungen musste es dann doch ohne sie, dafür aber mit dem Wissen Bekannte zu treffen. Also auf in Richtung des Ladens. Viertel nach Acht und schon ging’s los. Konzerte, die unter der Woche um elf zu Ende sind, haben viele Vorteile. Auch wenn sämtliche Bands im berufsbedingten Staus standen (das Wort „Berufsverkehr“ kann ich allerdings nicht mehr hören), ging es doch einigermaßen pünktlich los. Zuerst Super Mutant, die ich im Laufe des Abends wohl als beste Band kühren würde. Aber im Nachhinein zu sagen, welche Band wie genau klang, dürfte mir eher schwer fallen. Denn alle drei Bands spielten dynamischen, deutschsprachigen Indiepunk, wobei die Betonung auf Indie liegt. Früher wäre das wohl als „Hamburger Schule“ durchgegangen, bevor es eine Beleidigung wurde und im Anschluss gänzlich aus den Definitionsbüchern zur Schubladengestaltung neuer Bands von ambitionierten und routinierten Musikjournalist_innen verschwand. Heute ist alles Punk, von Revolverheld, Juli und Silbermond bis zu den Blöhden Onkelz und ihre Nachfolge-Combos. Dafür hört man nichts mehr von „Hamburger Schule“ und gegen Deutschland, dafür aber diesen Sound an allen Straßenecken und vor allem auf allen Punkshows. Matula, Captain Planet, etc. haben eine Welle losgetreten, die leider kaum ein Ende nimmt.
Nicht, dass eine der Bands an diesem Abend schlecht gewesen wäre, bei Leibe nein, aber irgendwie klingt das, wie schon tausendmal durchgekaut und vor allem nicht sonderlich originell. Ich glaube Super Mutant waren es, die als letzten Song noch ein Stück hatten mit mehrstimmigen Gesang, der dann in einem hymnischen irgendwas nur mit Schreien endete. „Against Me!“ für Sozialpädagogikstudierende! Kein Country, kein Folk, keine Rückbesinnung auf Elemente einst revolutionärer Musik. Dafür poppiger Indiesound, den kleine Jungen/Mädchen über die Schulfreunde bis zu den Eltern alle gut finden dürfen, können, sollen, müssen.
Als Endzeit am Ende spielten, wünschte ich mir eher Endstand. Irgendwas, was einfach mal durch den Raum fegt, was alles in Grund und Boden prügelt. Nach dem Motto „brüllen, zertrümmern und weg“ (grässlicher Slime-Song …) blieb mir am Ende nur ein „weg“, weggehen, wegstehlen, weglaufen. Ein netter Abend, mit netten Bands, aber irgendwie sind es genau diese Abende, die eine Beklemmung in mir auslösen, eine Ohnmacht, ein Stillstandsgefühl. Das kann man den Bands nicht vorwerfen, aber woran soll ich mich sonst abreagieren.
Immerhin, unterwegs sind mir noch drei gute Ideen für Kurzgeschichten gekommen, die ich in nächster Zeit realisieren werde. Und gerade genieße ich Endstand.

Gendermainstreaming

Auf dem alten Holztisch hat sich eine Armee von Glasgefäßen in die letzte Schlacht geworfen. Halbleere Weinflaschen salutieren vor leeren Bierflaschen. In den beiden einzigen Bierdosen schwimmen Zigarettenstummel und kämpfen verzweifelt in einer Pfütze aus Bier und Speichel gegen die Erlöschung des letzten Funken. Dann eine Zäsur des Moments und das Klirren von Flaschen, die aneinander schlagen. Weinflaschen stoßen mit vollen Bierflaschen an, aus denen die Frische heraus sprudelt und den gemeinsamen WG-Teppich besudelt. Ein Aschenbecher quillt über und ein Tsunami aus Zigaretten- und Jointstummeln sucht nach seinem Platz zwischen all dem Glas. Der geringste Widerstand ist zwecklos und Krümmel des Frühstücks ertrinken in den Fluten. Schwimmende Asche zu Asche auf dem Teppich. „Tritt sich fest“, meint eine.
Um das Szenario herum, unbeachtet der kleinen und großen Gesten, diskutieren sie. „Food not Bombs“ steht auf den T-Shirts, „Go Vegan“ auf den Buttons. Korrektheit kokettiert mit dem Wissen, das Richtige zu tun. Themen über die Rolle des Antisemitismus in der deutschen EZ. Alle Wissen, dass „EZ“ für Entwicklungszusammenarbeit steht. Und auch wenn keine und auch keiner arbeitet, der Entwicklungsbegriff alleine ist schon heikel genug. Müssen wir denen unsere Systeme überstülpen? Eine verbessert, „wir sollten aufzwingen sagen“. Andere nicken. Und überhaupt, wer ist denn „denen bzw. ihnen bzw. sie“ und was sind „unsere“ und was „Systeme“? „Mir fehlt die Definition der relevanten Begriffe in dieser Diskussion. Woher sollen wir wissen, dass wir überhaupt über das gleiche reden?“ Jemand nickt besonders aufrichtig. Mittelschichtskinder und Bildungsbourgeoisie stoßen noch einmal mit Markenbier und teurem Rotwein an. Halbtrocken und mindestens aus Frankreich sollte er sein. Das Bier am besten von noch weiter weg.
Essen wird gereicht. Jemand nickt anerkennend. „Nicht so patriacharlisch“, sagt jemand. „Ist das nicht eher paternalistisch, wie er sich benimmt?“ will jemand anderes keck wissen. „Als würdest Du den Unterschied kennen“, lacht eine Dritte und alle stoßen wieder an. Kichererbsenbälle, frittiert, Gemüse, gedünstet, Tofu, geräuchert, Erdnusssauce, fair gehandelt, dazu auf Wunsch ein gelbes Curry, Indien, und ein rotes Curry, Thailand. Für die Veganerinnen und Veganer und die laktoseunverträglichen Kranken gibt es das Curry auf Sojamilchbasis. Krank nennen sie die Laktoseunverträglichen allerdings nicht. Man, besser mensch, wird ja auch behindert und ist es nicht.
Für die Vegetarierinnen und Vegetarier, die Sojaallergiker und Sojaallergikerinnen sowie den einen Fleischesser, der sich aber als solcher nicht in dieser Runde outen wird, gibt es das jeweilige Curry auf Kuhmilch und Sahnebasis. Das ist merkwürdig und einige rümpfen die Nase. „Kokosnussmilch war leider ausverkauft“, müssen sich Köchin und Koch rechtfertigen.
„Naja“, sagt jemand und spricht aus, was alle denken. Dann panschen Löffel in dem Curry, Falafelbällchen werden von Gabeln zerteilt. Mittelklassenrevolutionäre und -revolutionärinnen erfreuen sich über das Bio und den fair gehandelten Markenbrei.
Es wird gegessen und weiter diskutiert. Adorno und Foucault, Butler und Nietzsche. Alle interpretieren, diskutieren, essen. Jemand rülpst laut. Alle lachen, das würde man ja jetzt in Indien auch tun. Der Einwand, dass dies unter Umständen in Deutschland auf Missmut stoßen könnte, wird mit einem Verweis auf den eurozentristischen Kulturimperialismus abgeschmettert. „Du musst dich aber auch nicht krampfhaft anbiedern“, denkt der Fleischesser, sagt aber nichts.
Kulturimperialismus, das lehnen hier eh alle ab. Kulturbewandert, ja, das sind sie aber alle. „Tansania und Honduras!“ sagt jemand auf die Frage nach seinem Lieblingsland. Um dann zu ergänzen, „wenn es denn ein Staat sein soll. Eigentlich bin ich gegen jegliche Art von Staat und Nationalismus.“ „Da herrscht Einigkeit“, wird niemand müde zu betonen. Aber wenn schon Staat, dann wissen alle sofort ein Paradies zu proklamieren. „Laos!“ meint zum Beispiel jemand, oder „Grönland“. Drei Personen sind sich einig, dass die Antwort nur „Israel“ heißen kann. Eine scherzt: „Palästina“. Alle lachen und dann sagt sie, „Nee, natürlich Japan.“ Einer war dennoch einen Moment erleichtert, dass jemand Palästina sagt. Es ist der heimliche Fleischesser, doch nach dem Lachen sagt er nicht, dass seine Freundin Palästinenserin sei. Er will ja keinen Streit oder eine unnötige Diskussion, wie er als Deutscher denn mit jemandem befreundet sein könne, die aktiv für eine Zersetzung eines Staates ist, dessen Gründung bedingt durch die deutsche, somit auch die seinige, Geschichte unwideruflich gemacht werden muss. Dabei ist seine Freundin gar nicht gegen oder für etwas. Aber das kann man meistens eh nicht erklären.
Das Essen wird abgeräumt und die Stimmung wird noch ausgelassener, als die Gastgeberin und der Gastgeber auch noch Nachtisch präsentieren. Bio- und Fair Trade Schokolade wird auf den Tisch gelegt, weitere Süßigkeiten folgen. Den Höhepunkt bilden die selbstgemachten Schaumküsse. Jemand erhebt sich am anderen Ende des Tisches und fragt laut: „Kann ich mal einen Negerkuss haben?“
Gespräche verstummen. Köpfe drehen sich zur Quelle des Satzes. Ein Kinn klappt nach unten und jede und jeder hätte zwischen den fein gesäuberten, weißen Mittelklassenzähnchen halbzerkaute Bio-Zartbitterschokolade ohne tierische Bestandteile sehen können. Doch niemand beachtet diesen Schlund und alle schauen stattdessen in Richtung dieses Jemands, dieses Niemands. Was hatte er gerade gesagt? Der junge Mann, im vierten Semester des Geschichtsstudium, neuere und ältere, steht dort am Ende des Tisches, die Hand leicht ausgestreckt. Er möchte doch nur einen dieser mit Schokoguss überzogenen, lecker riechenden Schaumküsse. Dann machen seine Synapsen deutlich vernehmbar *klick*. „Entschuldigung“, beginnt er die Korrektur, „ich meine natürlich Neger- und Negerinnenküsse!“ Er bleibt hungrig.

Gefühlte Bierstemperatur: Fünfzehn Grad über Null

Ein neues, großes Bier wurde vor meine Nase gesetzt. Der Schaum schäumte leicht über den oberen Glasrand und rutschte am linken Glasrand hinunter in Richtung des Bierdeckels. Dort angekommen, bäumte es sich ein letztes Mal auf, versuchte einige, der zu vielen kleinen blauen Striche zu verwischen, bevor er sich dann erfolglos in eine kleine Pfütze auf dem Tresen auflöste. Das Bierglas samt Bierdeckel wurde wie von Geisterhand ein paar Zentimeter nach links verschoben und eine kräftige Hand wischte mit einem hellblauen Lappen über den Tresen. Danach wurde das Glas samt Deckel wieder in Richtung der Ausgangsposition verrückt. Erst dann ging mein, vom Alkohol ermüdeter Arm in Richtung des Glases, packte den halben Liter am Griff und beförderte einen großen Schluck des kühlen Inhalts in meine Kehle. Dann schaute ich hoch zu Verena und nickte ihr zu.
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Winterträne

Ihre müden Blicke hoben sich kaum merklich vom Asphalt und sondierten ihre Umgebung. Die Kälte sorgte dafür, dass ihre richtige Körpergröße kaum entfaltet wurde. Dafür machte sie sich viel zu rund und zog Hals und Kopf tief unter ihr wolliges Gewand. Eine Mischung aus einem Pullover, einer Jacke und einer alten Wolldecke, welches sie sich selber zusammengestrickt hatte.
Ihre harten Gesichtszüge waren sehr blass und hoben sich kaum von der verschneiten Umwelt ab. Ihre Wangenknochen schauten spitz hervor, ihre Augen waren zwei schwarze Löcher um die herum zwei hellblaue Eiskristalle lagen. Das Leuchten aus diesen Kristallen war dabei irgendwann einmal verloren gegangen, verschollen in den tiefen Höhlen, verloschen im ewigen Eis. Ihr kleiner, schmaler Mund war zusammengepresst und die Zähne blieben dahinter verborgen. Sie hätte dreiundvierzig Jahre alt sein können, vielleicht auch vierundvierzig, doch sie war gerade einmal Ende zwanzig. Das Leben hatte ihre Konturen gezeichnet und ihre persönliche Geschichte hatte sie nach und nach demontiert.
Sie ging relativ geschwind für ihre zierliche Statur an der Bushaltestelle vorbei. Dabei machte sie sich noch kleiner und zog sich noch mehr in die warme Sicherheit ihres Wolldeckenpullovers zurück. Sie hatte Angst vor Menschen. Angst davor angesprochen, beleidigt oder beschimpft zu werden, wie in den vielen Tagen und Nächten zuvor. Pennerin, riefen die Leute ihr nach, Hure, Nutte, Flittchen, Zigeunerin. Es gab nicht viele Ausdrücke, die sie noch nicht gehört hatte. (mehr…)

Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt, den Rest kriegt mein Friseur

Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt, den Rest kriegt mein Friseur

Es fröstelte mich. Der Herbst schien mit großen Schritten näher zu kommen. Die ersten Bäume verfärbten sich, Laub verstopfte die Straßengullis und im Radio liefen Balladen. Kenny Rogers besang seine Ruby, die Liebe nicht in die Stadt zu tragen und irgendwie fühlte ich mich wie der „Dude“ in „The Big Lebowsky“, nur, dass ich weder die Lässigkeit, noch seinen Bademantel gepachtet hatte. Einige Gedanken stressten mich, vor allem der Gedanke an die Zeit, die mir durch die Finger glitt.
Schnellen Schrittes war ich auf dem Weg zum Frisör. Einer der deprimierenden Besuche, hoffnungslos aus meinen letzten Fusseln, die vom Kopf hingen, noch irgendetwas zu retten. Frisörbesuche waren wie Zahnarztbesuche, es gab einfach keine positiven Nachrichten mehr. Loch hier, Loch da. Loch im Zahn, Loch auf meinem Kopf, wo kein Haar mehr wuchs.
„Guten Morgen!“ schallte es mir freundlich von der Friseurin im Damen- und Herrensalon „Bagdad“ entgegen. Ich nickte nur und zeigte auf die viel zu langen Fransen, die mir von der Schädelplatte senkrecht über die Nase hingen. Die Friseurin zählte in Gedanken die wenigen Haare und als sie bei siebenundsiebzig angekommen und somit am Ende angelangt war, wies sie mir einen Stuhl zu.
Ihr Gesichtsausdruck war voller Panik, als wolle sie fragen: „Was soll ich da denn noch retten?“ Ich erklärte ihr, dass die ganze Scheiße ab musste, kurz und bündig. „Retten oder verstecken kann man da eh nicht mehr viel“, sagte ich noch und sie atmete erleichtert auf. Immer, der Kunde hatte Einsicht gezeigt. Ganz im Gegenteil zu dem älteren Lockenkopf auf dem Drehstuhl neben mir, die unbedingt ihre graumelierten Haare in einer unorthodoxen Art geschnitten und gestylt haben wollte.
„Sie waren auch schon länger nicht mehr beim Friseur“, versuchte die Dame an der Heckenschere hinter mir, das Gespräch locker und lässig in ihr genehmere Bahnen zu lenken.
„Friseur und Zahnarzt sind bei mir so Sachen“, gestand ich. „Gehe ich ungerne hin.“
„Aber sie haben doch keine Angst vor’m Friseur, oder?“ Welche abwegiger Gedanke, den die Dame da aussprach. Angst vor dem Friseur?
„Das gibt es doch nicht!“ posaunte ich heraus.
„Doch, doch. Da haben wir so Kunden …“, wollte sie gerade beginnen, als ihr auffiel, dass ich auch selten zum Friseur ging und sie mir bei Weitem nicht alles anvertrauen konnte. „Aber solange das bei Ihnen nicht so ist“, versuchte sie es zu retten.
Eine beklemmende Stille setzt ein, wie immer beim Friseur. Während man beim Zahnarzt immerhin eine Entschuldigung hat, nicht zu reden, ist das beim Friseur anders. Meistens schließe ich die Augen und versuche einfach nur, nicht da zu sein, während im Salon Bagdad meine langen Zotteln in Richtung Boden segeln. „Naja, das lohnt sich wenigstens mal richtig“, sagen die Bediensteten dieses Salons dann immer. Gerne würde ich nicken, doch habe ich Angst, dass dann die Heckenschere oder der elektrischer Rasierer ins Nichts auch noch eine Schneise mäht. Also sage ich zaghaft ja und versuche wieder das Radio zu hören. Dort läuft tatsächlich irgendwann Kettcar’s „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt, den Rest kriegt mein Friseur“. Welch Ironie. Mein Zahnarzt bekäme außer meiner Kettcar Platte nichts, meine Friseurin meine Mützensammlung. Die bewahrt mich davor, hier häufiger aufzukreuzen und vielleicht kann sie die an die paranoiden Kunden mit Angst vor dem Friseur weitergeben.

Nachladen statt Nachsitzen

Er stand zum ersten Mal seit langem wieder vor dieser Schule. Dieser alte Kasten, architektonisch an die Kolonialzeit erinnert. Hier im Dschungel der Kleinstadt. Wer hatte dieses Schulgebäude nur errichten lassen? Oder war es mal ein Verwaltungsgebäude und es würde heute von den Leuten nur so genutzt? Er wusste es nicht. Er hätte es auch nicht nachlesen können, denn mit Lesen hatte er es nicht. Es war ihm aber auch egal. Lesen, Schreiben, Bildung. Alles für die Katz. Stattdessen hatte er auf der Straße gelernt. Er hatte viel gelernt. Er brauchte dafür keine Schule, er brauchte dafür keine vom Staat bezahlten Lehrer.
Nun lud er sein Gewehr mit weiteren Patronen nach, tauschte das Magazin in seiner Pistole, die am Gürtel baumelte und überprüfte noch einmal den Sitz des Messers. Sicher war sicher. Was wäre, wenn seine Patronen verschossen, aber noch Menschen im Gebäude übrig wären? Es war zur Selbstverteidigung, nichts anderes.
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