Alles kaputt lesen – Tag 2 Düsseldorf (Linke Zentrum, Hinterhof), Tag 3 Köln (Limes), Tag 4 Trier (Lucky’s Luke)
Tag 2 – Linkes Zentrum Düsseldorf
Nach einem netten Spaziergang durch den Tierpark in Bochum ging es auf die Autobahn, einmal beschleunigen, einmal abbremsen, in Düsseldorf abbiegen und wir sind da. Das Linke Zentrum (Homepage) ist definitiv einer meiner Lieblingsläden, sei es Lee Hollis (Bericht) oder Konzerte mit Bands wie Pascow, Oiro + Auxes (Bericht), duesenjaeger und andere, ins Zentrum fahre ich immer gerne.
Vorher kommt mir die Frage, ob es wohl „Grauzonen-Lesungen“ gibt?! Wir diskutieren im Auto, kommen aber zu der Erkenntnis, dass a.) das Attribut nicht erstrebenswert ist, b.) das Publikum sicherlich nicht „Lese-Affin“ ist und c.) von denen keine/r schreiben und lesen kann. Wir beschließen, das Projekt „Grauzonen-Lesung“ ersteinmal ad acta zu legen, oioioi.
Im Linken Zentrum zu lesen war, wie am Abend zuvor, ein großer Spaß, obwohl der Raum sehr groß ist. Ähnlich wie bei Lee Hollis kamen gut 40 Personen, die zuhörten, lachten und Spaß hatten. Atmosphärisch sind kleine Kneipen oder Räume leichter zu füllen und der Funken springt leichter über, aber die Düsseldrofer/innen sind sehr diszipliniert. Manchmal vermisse ich die Interaktion, aber Leute quatschen einfach nicht dazwischen, wir sind ja nicht in Ostwestfalen (wobei ich gerade nicht weiß, für welches Publikum das ein Kompliment ist …). Einige hatten sogar die Radiosendung vom Abend zuvor gehört und sich nicht abschrecken lassen, bereuten sogar, nicht eher die Möglichkeit hatten, der Lesung lauschen zu können.
Für die Veranstalter sicherlich eine große Erleichterung, da doch einiges im Vorfeld schief gelaufen war. Die Nacht machten wir noch zum Tage, tranken die Vorräte auf und gingen übermüdet um 7:00 Uhr ins Bett, um dann wieder um 12:00 am Frühstückstisch zu sitzen. Gute Hooligan-Videos, nette Seemannschöre und viel Gequatsche plus das großartige Zitat:
„Wer fährt allein durch den Wald mit seinem Panzer? Es ist Günther Grass, der alte Landser.“ (scheinbar ein Zitat aus der Harald Schmidt Show)
Tag 3 – Limes Köln-Mülheim
Wir sind völlig zerschossen. Alex gibt Jenny den Auftrag, auf ihn aufzupassen, Bob und ich versuchen uns mit Radler ins Geschäft zu bringen. Im Limes (Homepage) läuft Greuther Fürth vs. FC St. Pauli und die Hamburger vergeigen die letzten Chancen auf einen direkten Aufstieg. Andi lässt uns auch erst gar nicht in eine Frustschleife kommen, sondern führt uns an den Rhein, unweit des Limes. Sehr schöne Stelle und wir relaxen und genießen das geile Wetter.
Danach werden wir in ein leider mittlerweile geschlossenes Restaurant geführt, vegetarische Küche, sehr lecker! Der Koch, super sympathisch!
Kaum sind wir pappsatt zurück, geht’s auch direkt los. In Kneipen lesen ist immer schwer. Es gibt einen Grundlärmpegel, weil viele Leute ja nicht in Kneipen gehen, um sich Kulturprogramm anzusehen, sondern zu saufen! Und das ist gut so! Daher fühle ich mich tendenziell immer als Störfaktor in diesem Prozess des Saufens, doch auch in Köln ist das Publikum freundlich und offen für uns. Die erste Runde geht dann ohne größere Erlebnisse zu Ende, bis ich realisiere, dass nach der Pause bei meinem Text „He-Man Schwert“ tatsächlich jemand erst Schmatzgeräusche und dann den Lärm des Schwertes nachahmt. Geht es besser?!
Im Anschluss liest Alex und wird direkt als „BWL-Student“ beschimpft! Er kontert großartig, dass er noch nicht einmal Abitur hätte. Danach entwickeln sich zwischen dem Schweralkoholisierten und Alex großartige Wortgefechte! Respekt an Alex für die Schlagfertigkeit! Vor allem ohne jemals überheblich oder arrogant zu wirken, sodass selbst der alkoholisierte Typ sich am Ende bei ihm für die Lesung bedankt. Bei Bob ist der gute Mann dann durchaus gezähmter, das Publikum immer noch gespannt. Ein schöner Abend, an dem ich einige Pankerknacker-Kollegen kennenlernen darf und wir bis Ultimo erneut Bierchen schlabbern und uns Schlaf entziehen. Kein Wunder, dass wir auch am nächsten Tag zerschossen sind, auch wenn diesmal deutlich weniger als am Tage zuvor.
Tag 4 – Lucky’s Luke Trier
Den längsten Weg als letzten anzugehen, ist taktisch vielleicht nicht die beste Idee. Daher werden wir, bzw. Alex und Bob während ich benebelt dabei stand, auch rauchend auf der Tankstelle von einer panisch heraneilenden Jenny gewarnt, dass dort wo wir rauchen Methantanks sind und wir alles wegbomben könnten. „Ende einer Lesetour“ oder „Punks bomben Tankstelle weg“ sind die malerischen Überschriften, die wir uns ausmalen. „Terroristen in Rheinland-Pfalz“ könnte auch noch gehen, während ich mir die Grabsteinbetitelung ausmale: „Mit einem Knall aus dem Leben scheiden“, oder doch eher: „Rauchen ist hier nicht!“.
Der Ollo von Pascow hat uns ein wunderbares Tour-Ende beschert. Wir kommen zu erst beim Andreas vom Trust an, der uns beherbergt und unsere geschundenen Körper mit allerlei Kulinarischem zu Kräften bittet. Dann geht’s zu Tante Guerilla (Homepage) in den Plattenladen, um Singles und Bücher und Fanzines zu kaufen. Etwas Konsumismus darf auch mal sein. Dann wieder Essen! Dabei passieren wir die Unterhose von Karl Marx, die ausgestellt wird. Grund für die Ausstellung ist, dass gleichzeitig auch ein Rock von Jesus oder Maria in Trier gezeigt wird. Religiöse Ikonographie im beschaulichen Westdeutschland. Viele Christen und Fundamentalisten treibt es wegen dem Rock durch Trier, dazu ein Haufen humoristischer Menschen vor die Unterhose.
Lucky’s Luke (Myspace-Seite) füllt sich an einem Samstagabend mit 25 Leuten, während wir zufrieden sind, schaut der Veranstalter etwas geknickt. Bob erfüllt sich den Traum, in einer Disko zu lesen, mich erinnert der Raum eher an einen Vorlesungsraum. Alle glücklich!
Die Lesung ist dann die verhaltenste. Klar, wir werden natürlich von abend zu abend besser (*reusper*), doch die Menschen in diesem Landstrich verweigern einfach vor Begeisterung sich nackt auszuziehen und durch den Saal zu tanzen. Oder andere extatische Dinge zu tun, die wir dann humnoristisch in die Lesung einbinden könnten. Oder halt eben auch nicht! Dennoch, das Publikum rennt nicht in Scharen raus, lacht, applaudiert etc. Highlight, dass der Bob mit den letzten Sätzen die Anlage kaputt macht, weil er so laut wurde, dass das Ding abriegelt. „Alles kaputt lesen“, welch ein Ende einer Tour!
Im Anschluss feiern, wie immer! Wir sitzen am Disko-Tresen, hören Boy Sets Fire (Rookie), Turbostaat und Beatsteaks (Frieda und die Bomben), Pascow (Äthiopien die Bombe) und Social Distortion (Don‘t Drag Me Down) am Stück. Danach wird der Abend nicht mehr besser, trotz Samiam und anderen Hits. Wir legen uns mit den Türstehern an (bekommen am Ende Dosenbier und Ananas (!!!) für den Heimweg geschenkt) und scheitern auf der Suche nach Pommes um fünf Uhr morgens in Trier. „Pommes Bude kenn ich keine, aber kommt doch mit in die Kneipe davorne!“ Wir versacken gleich in zwei Kneipen (Luckys Luke schon mal rausgerechnet), in einer Bar nur mit Schwarzen und im Anschluss in einer Assi-Kneipe, wo Proleten-Techno läuft. Dass wir es nach Hause schaffen gleicht einem Wunder! Wir schlafen zu lang, lassen uns von Andreas fit machen, verpassen das Karl-Marx-Museum und freuen uns dennoch, mit vielen netten Leuten lange gequatscht zu haben, getrunken und gefeiert, gelacht und geweint zu haben. Geweint zum Glück nur vor Lachen! DANKE an alle!





