Archiv der Kategorie '04. Konzerte'

Gigium April / Mai

Notgemeinschaft Peter Pan / Contra Real / Paura im Panic Room in Essen (18.04.2013)
„Thursday evening is alright for party“ hätten die Lost Lyrics mal singen sollen, denn dann hätte das hier wunderbar reingepasst! So hieß es das Ende einer stressigen Woche und vor einem arbeitsintensiven Wochenende zu nutzen, um noch mal die Seele baumeln zu lassen und mit Genossen Herder ein Bier zu trinken und Bands zu schauen. Schön, dass auch weitere Bekannte anwesend waren und es recht bald los ging. Und zwar mit Contra Real aus Hamburg. Die Band machte relativ unspektakulären Deutschpunk, wobei dann doch spektakulär war, dass die Trommlerin gleichzeitig auch Sängerin war. Respekt! Molotow Soda und AAK (Yeah!) wurden gecovert und „über’s Radio Deutschpunk senden“ („und außerdem stand die Snare falsch“ von AAK) hatte ich dann wochenlang als Ohrwurm! Ohrwurm-Charakter haben dann auch einige Songs von Notgemeinschaft Peter Pan, deren Alben ich phantastisch finde und die live ebenfalls sehr gut waren. Deutschpunk 2013, einfach mal unpeinlich und dennoch direkt. Das Publikum genoss die Bands. Was witzig war, da es doch ziemlich durchmischt war, denn im Anschluss spielten Paura aus Brasilien astreinen New York Hardcore, mit allen dazu gehören Klischees. Ehrlich gesagt, nach 2x Deutschpunk hatte ich darauf so richtig Bock! Ein großartiger Kontrast und schön die Singalongs ohne Textkenntnisse mitgesungen, hahaha. Der Ballast der Woche fiel echt von meiner Schulter wie Steine am 1. Mai auf die Polizei. Schön! Auch wenn die Single von ihnen dann 7 Euro kostete, cool die Bands supporten zu können. Stunde beim Therapeuten oder in der Boxhalle hätte mehr gekostet und weniger Wirkung gehabt.
Photos findet ihr bei Maks von Ril Rec HIER

Queensday-Festival mit u.a. Old Man Markley, Smoke on Fire, Slim Cessna’s Auto Club im Perron 55 in Venlo (30.04.2013)
Maks von Ril Rec hatte auf dem Notgemeinschaft Peter Pan Gig die großartige Idee, auf dem Weg zum Queensday-Festival in Venlo im RE 6 von Duisburg bis Venlo eine Punkrock-Lesung zu machen. Da ich immer noch „addicted to the young idea“ bin, ein paar Texte ausgedruckt, ein paar kurze Songtexte mit aufgeschrieben und ab in den RE. Mit ca. 10 Punks – freiwillige und gute Zuhörer bis zum Ende der Fahrt inkl. Umsteigen in Sonstwo – und 200 normalen Bahngästen – nach und nach Ausgestiegen! Frechheit! – ging’s nach Venlo zum Queensday-Festival. Ein sehr geiles, kleines Festival. Dort Dennis und Mieke getroffen, die beim Punkrock! (Link) aktiv sind und sich ebenfalls wie ich auf Slim Cessna’s Autu Club freuten. Davor Old Man Markley, die netten Folkpunk machten und ziemlich den Zeitgeist damit treffen. Auch Smoke Or Fire spielten netten Punk‘n'Roll, aber ohne Highlights. Mit dem netten Tonarmleuchter vom Punkrockers Radio (Link), Mak von Ril Rec und Dennis dann auch doch nach und nach gut abgeschraubt, sodass ich betäubt genug war, über die schon arg predigenden Slim Cessna hinweg zu sehen und sie nur noch abzufeiern. Voll geile Mischung aus Country, Folk und Gospel! Dass der Gitarrist ein Wechselbildchen von Jesus und der Jungfrau Maria hatte, erfreut mich noch heute. Auf jeden Fall ging die Musik in Mark und Bein und auch die erworbene Platte ist ein Genuss! Mieke und Dennis sei noch mal Dank, dass sie mich in diesem Zustand heile irgendwo in Köln-Kalk ausgesetzt haben!
Photos von Lesung und Konzert by Maks findet ihr HIER

Freiburg, Auszenseiter, David Nechi, Stärkeäther und Resurrection Lily im Hausprojekt Scherer Straße 8 in Berlin (03.05.2013)
Erste Nacht in Berlin und schon sind die ersten Freunde aus Köln / Herzebrock / Poznan in der Stadt. Ohne Worte! Also ab durch die ganze Stadt und in den Wedding! Zuerst Liedermacher David Nechi, der klingt wie Hannes Vader meets Element of Crime meets Bob Dylan. Ganz okay, aber nicht unbedingt meine Lieblingsmusik. Stärkeäther war dann so Geballer, an das ich mich kaum noch erinnere und von Resurrection Lily habe ich leider nur den letzten Song mitbekommen. Sehr sympathischer Indie-Punk, aber da die Mädels und Jungs nur vier Songs hatten, war die Spielzeit arg begrenzt. Freiburg rotzten dann wie gewonnt ein super Set durch, am Ende auch mit duesenjaeger-Cover. Schön. Eigentlich sogar richtig geil, wie sich diese Band von einer mässigen Tocotronic-Epigonen-Dorf-Kiddies-Band zu einer richtig guten deutschsprachigen Punkband entwickelt! Auszenseiter – u.a. mit Tom von Freiburg und Stefan von Radio Bastards – spielten dann eher hardcorigen Lärm, den ich auch schon an anderer Stelle lobend erwähnt habe. Ein guter Abend, auch wenn um 5 Uhr nach Hause kommen sich erstmal wieder ungewohnt anfühlt.

Ghost Mice und ??? im Fischladen in Berlin (08.05.2013)
Tag der Befreiung und im Haus der Demokratie und Menschenrechte ist das jährliche Hoffest (mit Wurst und Steak … geile „vegane“ / „vegetarische“ Essensauswahl – Ironie-Modus off). Im Anschluss dann direkt liebe Freunde in den Arm nehmen und einer jungen Dame, deren Name ich auch nicht mehr recherchieren konnte. Die hatte auf jeden Fall ihr Schifferklavier dabei und begeisterte mit markanter, kräftiger Stimme und Folkmusik. So eine halbe Stunde war dann auch genau die passende Länge, bevor es doch etwas langweilig wirkte. Sie spielte leider eine Dreiviertel-Stunde, hehe. Ghost Mice waren dann toll wie immer, auch wenn es so scheint, als hätte Chris eine neue Sängerin dabei … oder Hannah hat sich arg geändert. Keine Ahnung, sie spielten auf jeden Fall viele tolle Songs und am Ende „Up the Punks“. Eigentlich fehlte nur „Sing Out“, einer meiner Lieblingscover-Songs, der mir immer ein Lächeln, ach was, ein Strahlen ins Gesicht meißelt.

Dr Ring Ding Ska-Vaganza + The Clerks in Gütersloh

Dr. Ring Ding Ska-Vaganza + The Clerks in der Alten Weberei in Gütersloh (30.03.2013)
Das letzte Mal, dass ich eine Ska-Band in Deutschland gesehen habe, ist mittlerweile fast zwei Jahre her. Seien wir ehrlich, Kartoffeln, westfälische Rübennasen und Ska, das passt einfach nicht – und vor allem nicht wenn Bands auch noch Skartoffeln, Rübenskasen oder so ähnlich heißen. Noch schlimmer wird es nur, wenn barfuß tanzende Mädchen ihre aschblonden Dreadlocks zwirbeln und kreisen lassen. Gruselig! Da hört der Spaß dann endgültig auf.
Allerdings gibt es einige Ska-Acts, denen ich dennoch etwas abgewinnen kann. Mr. Review zum Beispiel, den Hotknives, Frau Doktor, 8°6 Crew oder alten The Specials und Bands, die wie sie klingen, z.B. Two Tone Club. Allerdings gab es mal Zeiten, wo ich mehr – zum Teil sogar privat (file under: Enthüllung!) und alleine (file under: Skandal) – Ska gehört habe. Ein dauerhafter Begleiter und immer wieder sehr schöne Liveerlebnisse von Sassenberg bis Bordeux hat dabei Dr. Ring Ding vermittelt. In den 90ern mit seinen Senior Allstars sicherlich eines der Underground-Zugpferde im deutschen Ska, der immer wieder auf klassische Elemente und die Wurzeln in Jamaika zurückgriff und noch heute greift.
Daher standen wir an dem Abend vor der bizarr anmutenden Entscheidung zu June Paik nach Mülheim zu fahren oder zu Dr. Ring Ding nach Gütersloh. Viel weiter auseinander kann Musik kaum liegen. Aufgrund von vielen FreundInnen, die ebenfalls zur Cable Street Beat (Homepage) Show pilgerten, schlossen wir uns an und .
Zuvor galt es allerdings die Vorband zu überstehen. Nicht, dass The Clerks aus Köln schlecht waren, aber es war einfach so … so … skaig halt. Hepp, hepp, hepp, dazu deutsche Texte, ach, irgendwie … das klingt gleich wie Karnevalsmusik. Immer gute Laune, immer Pappnase, immer feste Pusten in die Tröten und ja die Gitarre nicht richtig quälen, give it up, give it up, Ska, Ska, Ska, shake it up!
Dr. Ring Ding hingegen hat dann die Zeit etwas angehalten, nach vorne gedreht, zurück, noch weiter zurück und wieder nach vorne. Alte Klassiker wurden gespielt („Push Wood in the Fire“), Songs aus der Zeit der Senior Allstars („Dandimite!“) und neue Songs mit seinem Projekt Ska-Vaganza, wo er Musiker aus Westfalen und Katalonien vereint. Insgesamt ein sehr netter Abend mit netten Leuten, der dann in einer Kneipe im Heimatkaff („Hier sind ja gar keine Menschen auf der Straße – gruselig!“) beendet wurde. Currywurstflatrate hat uns dann aber doch nicht mehr überzeugt, auch noch 5 Euro mehr auszugeben, um in die Dorfdisse zu kommen (der Raum hinter der Kneipe). Give it up, give it up, hepp hepp!

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter in Köln

Holy, Resurrectionists & Auszenseiter im AZ Köln-Kalk in Köln (11.03.2013)
Kennt man ja, Wochen lang passiert relativ wenig in der Stadt und dann spielen Auszenseiter aus Herzebrock-Clarholz und Make Do And Mend aus den USA gleichzeitig. Schöne Scheiße! Aber da ich das AZ Kalk immer anderen Läden vorziehen würde, ging es eben nicht auf die andere Rheinseite, sondern nur um die Ecke.
Als ich ankomme, geschafft von dem Tag, an einem Montag mit der Müdigkeit des Tages, fangen Auszenseiter schon an. Großartiger Hardcore mit Schreigesang, nach vorne gehend, dennoch düster, und gleichzeitig sehr nett. Der Gesang ist sicherlich nicht ganz meine Sache, aber dafür gefällt mir der Rest umso besser. Hört sie euch auf Bandcamp an (Link).
Resurrectionists sind dann aus dem Cry me a River Festival-Umfeld. Münster, Warendorf, Harsewinkel, wer jetzt noch weiß, worüber ich schreibe, war wahrscheinlich schon einmal da. Ich habe immer noch eine sehr nette und gute Erinnerung an das Festival in 2007, als leider Kurhaus sich kurz vorher auflösten (ein alter Bericht findet sich hier). Das Cry Me A River ist wirklich super und ich respektiere die Personen, die so einen Aufwand auf sich nehmen und ein so sympathisches Festival machen. Die Musik von Resurrectionists gefällt mir allerdings gar nicht. Power Violence finde ich einfach Scheiße. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für die Musiker/innen eine nette Möglichkeit ist, sich zu verausgaben und Energien abzubauen und auszuleben, doch für mich im Publikum merke ich, dass ich nach wenigen Minuten die Müdigkeit spüre. Ich fange an zu gähnen. Gleich bleibender Lärm umgibt mich, ich muss weg von der Bühne.
Erst Holy bringen mich wieder zurück vor die Bühne. Eine sehr gute Band aus Italien, die erneut Hardcore (Bandcamp-Link)spielen, der aber melodischer ist als die Power Violence Schiene zuvor. Sie erzählen auf der Bühne kurz über Veganismus, was ich okay finde, an diesem Abend aber wohl auch predigen zu den schon Bekehrten ist, but who cares. Netter Abend, dann aber ins Bett, da einfach nur erschöpft.

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks in Mülheim

Plattenflohmarkt + Unrest + Planks im AZ in Mülheim (09.03.2013)
Irgendwie fühle ich mich wie ein Kind, was das erste Mal mit offenem Mund vor etwas steht, was es nicht begreifen kann. Wahrscheinlich habe ich auch so ungefähr ausgesehen, als ich im AZ Mülheim Planks (Homepage) angestarrt habe. Planks sind eine dreiköpfige Band, die ich am gestrigen Samstag das zweite Mal in meinem Leben gesehen habe. Das erste Mal vor knapp einem Jahr auf dem Loss of Breath Festival in der Hamburger Flora (s. Bericht). Damals fesselten sie mich schon ziemlich, im AZ haben sie mich einfach an die Wand gespielt.
Planks im AZ Mülheim
Die Band kommt aus Mannheim und spielt eine wuchtige Mischung aus Hardcore, Metal und Sludge. Ihr neues Album heißt Funeral Mouth und ich würde es jede/m ans Herz legen, der auf diese Art von Sound steht. So dicht, so treibend, so bombastisch, mich haben die 3 auf jeden Fall begeistert. Dazu kommen einfach Mittel, wie das Anstrahlen der Bandmitglieder von unten, was mächtige Schattenspiele entstehen lässt, dazu ein angenehmes Publikum, einfach alles passend. Ihre älteren Tonträger sind vor Kurzem bei Souther Lord (Link) auf CD erschienen, wobei ich finde, dass diese Art von Musik nicht auf Tonträger wie CDs, sondern auf tonnenschweres Vinyl gebannt gehört, bzw. eh am besten Live wirkt.
Bis zur Band war der Tag auch schon sehr nett, da ab 15:00 Uhr der Plattenflohmarkt im AZ war. Zwar waren wenige Einzelverkäufer/innen da, die ihre Sammlung anboten, dafür aber viele gute Händler/innen aus der Umgebung und ein bisschen Geld und ein paar Schallplatten wechselten so seinen/ihren Besitzer/in. Danach noch ein wenig in der Kneipe Fußball schauen, vor und nach der Band Unrest am Kicker abgezogen werden und dazu gute Gespräche und Bierchen. Unrest, das nur zur Vervollständigung, waren ganz okay. Mit ihrem metallastigen Hardcore konnte ich weniger anfangen. Dann sogar recht zeitig in der Wohnung der Liebsten angekommen, die Planks Platte aufgelegt und gefreut, dass ihre Mitbewohner/innen nicht zu Hause waren.
Wenn Euch Planks interessieren, lest auch unbedingt das Interview, das Alva mit ihnen für die #152 des Trust-Zines gemacht hat. Sehr gut (Link)!

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in Münster

Alles wegen Lilly, Käfer K, Freiburg in der Baracke in Münster (01.03.2013)
Es gibt doch kaum etwas schöngeistigeres als in einem RegionalExpress durch das Ruhrgebiet Zeitung und Buch lesend, Bier trinkend und Musik hörend dem Ziel Münster entgegen zu fahren. Da kann auch der Freitagabend-Feierabend-Verkehr einen nicht mehr schocken. Dem im Januar verstorbenen Jakob Arjouni ist schon vor vielen Jahren mit „Magic Hoffmann“ einfach ein wahnsinnig gutes Buch gelungen. Es macht Spaß sich dem Buch mit einem Bier und in Bewegung zu widmen. „Magic Hoffmann charakterisiert noch heute Berlin und deren Zugezogene sehr gut. Hammer, Nagel, Kopf!
Beim Umsteigen im Hammer DrogerieMarkt wird dann Nachschub geordert und ich wundere mich über Bierbüchsenpreise, die durchaus im Kontext des Reiseverkehrs als „günstig“ eingestuft werden können. Meine ersten Bierdosen seit Jahren, in Münster am Aasee werden sich die Pfandflaschen- und -dosensammler/innen darüber freuen.
Freiburg (Band), Punk aus Herzebrock-Clarholz
Den ersten alten Freund direkt am Bahnhof begrüßt und durch das nächstliche Münster gelatscht. Immer noch hunderte von Karnickeln, immer noch Jogger/innen und Radler/innen, immer noch Münster überall. Nur die offene Drogenszene an den Aaseekugeln gibt es (zumindest bei den eisigen Temperaturen) nicht mehr. An der Baracke angekommen, muss ich erstmal laut lachen. Haben sie nicht die alte Baracke abgerissen? Kann es sein, dass dies eine eins-zu-eins Nachbildung ist? Wahnsinn! Drinnen dann das gleiche Bild. Theke, Toiletten, Bühne, Fenster, alles noch an den gleichen Stellen, nur renovierter. Das Leben ist echt ein Wahnsinn!
Musikalisch tat sich dann nach kurzer Zeit etwas. Alles wegen Lilly (Bandcamp-Link) fingen an und spielten ganz netten emotionalen Post-Punkrock, wie er seit einigen Jahren so äußerst beliebt ist. Ehrlich gesagt langweilt mich die Musik eher, obwohl die meisten Bands gute Musiker (/innen?) sein mögen, ist mir die Musik zu wenig direkt, textlich häufig ich-fokussiert und voll von Selbstzweifeln, das ganze hat wenig Biss, keine Provokation, kein Protest, nichts Nihilistisches mehr. Nichts gegen Selbstzweifel, aber dieses häufig sich selbst beweinende um sich selbst drehen, erinnert mich von der Aussage viel mehr an Grunge / Alternative Rock. Für Käfer K (Link), die an dem Abend ihr neues Album präsentierten, gilt das leider auch. Klar, es gibt Bands, die klingen ähnlich und denen gelingt der Spagat, Matula sind da zu nennen, aber vieles andere finde ich einfach nur belanglos (Adolar, Mikrokosmos23, etc.). Vielleicht habe ich den Bands aber auch nicht zur Genüge gelauscht, oder war einfach in anderer Laune. Oder aber Geschmäcker und ihre Verschiedenheit … blablabla … bis dato hat mich die Baracke als (wieder) existierendes Gebäude und die Erinnerungen an geile alte Punk- und Hardcore-Shows plus viele Freunde vor Ort mehr erfreut als die Bands …
… und außerdem war ich wegen Freiburg da. Deren neues Album ist nämlich, im Gegensatz zu vielen anderen Bands, tatsächlich eine Weiterentwicklung, die mir gefällt. Schneller, direkter, wütender. Und sie spielen dieses Album dann auch fast komplett durch, plus einen oder zwei ältere Songs und dann runter von der Bühne. Ein kurzes, aber schnelles Set. Nicht viel Gelaber, einfach auf den Punkt gebracht. Hand claps, dann nach Hause! So darf Punk 2013 sein!

Kent Coda in Oberhausen

Kent Coda in der Druckluft in Oberhausen (22.02.2013)
Fußball in der Oberhausener Provinz und im Anschluss einfach mal auf Verdacht in die Druckluft. Dort spielt Kent Coda, eine Kölner Indie-Folk-Band, die vom Akzent her wohl ziemlich lange mal in Großbritannien gelebt hat. Kent Coda singen auf Englisch und Türkisch und vor allem die schnellen Songs besitzen Charme, erinnern an Chuck Ragan und lassen mich mitwippen. Die langsamen Songs hingegen gefallen mir gar nicht. Folk muss einfach sein, ist meine Meinung. Nach 120 Minuten frierend in der Kanalkurve zu Oberhausen, wärmt uns die Druckluft und mit Mate wird auch der Alkohol wieder etwas ausgespült.
Doch der Zug nach Köln ruft und wir entscheiden uns, nicht noch eine Stunde in der Druckluft zu bleiben, wo sich leider nur knapp 40 Personen eingefunden haben und daher verpassen wir Dear Wolf, die wohl ähnliche Musik machen dürften.

Knochenfabrik + Robinson Krause in Köln

Knochenfabrik und Robinson Krause im Sonic Ballroom in Köln (07.02.2013)
Was haben die Leibeigenschaft, Hexenverbrennung und Karneval gemeinsam? Richtig, sie alle waren im Mittelalter beliebt. Während natürlich Leibeigenschaft und Hexenverbrennung aus politischen Gründen nach und nach verboten wurden, hat es Karneval geschafft, sich über die Zeit zu retten. Einige der damaligen Witze werden heute noch im Rahmen von Fassenacht, Karneval oder anderem Klamauk immer wieder zum Besten gegeben. Zum Besten? Folterzwecke, schätze ich!
Jetzt hat es mich in die Karnevalshölle Köln gezogen. Unter einem miesen Vorwand habe ich mir an Karneval noch Besuch erheischen können („ich habe noch eine Karte für Knochenfabrik“) und weil ich nicht im Sonic Ballroom lebe (bzw. leben darf), müssen wir an Weiberfastnacht auf die Straße. Schon am S-Bahnhof in Kalk sind 80 Prozent der Anwesenden besoffen und verkleidet. Eine furchtbare Kombination. Wir hatten vorgesorgt und uns etwas Bier scho neingeflöst, nüchtern auf die Straßen zu Karneval? Nicht auszuhalten! Und was man auf den Straßen sieht, ist das nackte Elend! Oder das kostümierte Elend!Zum Beispiel trägt ein Typ einen Schottenrock, unter dem ein ca. 40cm langer Stoffpenis herunter baumelt. Ich meine, wie unwitzig ist das? Und das Schlimmste, der Typ trug auch noch ein Höschen unter dem Rock, was für ein beschissener Schotten-Fake!
Die S13 Richtung Ehrenfeld ist dann auch so voll, als würde Rot-Weiß Essen in der Stadt spielen. Oder es gäbe irgendetwas umsonst. Furchtbar! Menschen, an Menschen, an betrunkenen Menschen!
In Ehrenfeld raus und auf dem Weg nur Trümmer von Menschen bzw. Jugendlichen gesehen. Stil ist halt eben nicht das Ende eines Besens. Im Sonic Ballroom dann aber ein sehr angenehmes Bild. Nur wenige sind verkleidet, die Stimmung ist gut und ausgelassen. Ein paar Jever fließen! Robinson Krause fangen an und wie sagt es AC: „Irgendwo zwischen gut und Montreal!“ Ich muss lachen, das trifft es. Ein bisschen witziger, deutschersprachiger Funpunk. Leider etwas mehr Montreal als gut, wie ich finde, aber nicht so nervig, dass es mich raustreibt. Dennoch, fast alle warten auf Knochenfabrik!
Claus Lüer, Knochenfabrik, Sonic Ballroom
Es war das dritte Konzert nach der Re-Union, dem ich beiwohnen konnte. Das erste vor einigen Jahren in Karlsruhe war schon okay, auf dem Ruhrpott Rodeo 2011 habe ich sie verquatscht, aber auch nicht viel verpasst, aber was jetzt im Sonic Ballroom passierte, war großartig! Mit „Willy über Wiesen“ anfangend, „Schwer wie Blei“ nachfolgen lassen, dazu alle Hits wie „Obdachlos & Trotzdem Sexy“, „Der Nackte Golfer“, „Filmriss“, „Grüne Haare“, es war einfach großartig! Der ganze Laden bebte, gefühlt die Hälfte der Anwesenden war am Tanzen, fast alle sangen oder gröhlten die Texte mit. Die Band in guter Laune, ein paar Karnevals-Polemiken mit Song-Widmungen für (hoffentlich fiktive) Menschen, die sich für wahlweise den Turnverein, Karneval oder sonst wem verdient gemacht haben.
Dazu aber dennoch alles ohne Stress, friedlich, ausgelassen und dazu einen Platz an der Theke, sodass es zwischen Tanzen, Mitsingen auch immer die Möglichkeit gab, den Akku wieder aufzufüllen.
Im Anschluss noch bis zum Ladenschluss mit netten Leuten gequatscht (Grüße) und dann volltrunken ins Bettchen! Ein großartiger Abend!
Knochenfabrik Sonic Ballroom
Edit:
Noch ein kurzer Nachtrag und beinahe vergessen: Als Zugabe gab es noch den großartigen Song „Toni Schumacher“, der Mann, der Meppen weit über das Emsland bekannt machte. Was aber auch schön zu sehen und zu hören war, bei diesem Hit waren nur die wenigsten textsicher.

Duesenjaeger, This Town Needs Guns + Birthmark in Bielefeld

Duesenjaeger, This Town Needs Guns + Birthmark im AJZ in Bielefeld (01.02.2013)
Auf solch einen Abend freut man sich doch. Die ernsten Probleme mit den Ohren überstanden und direkt wieder Lärm drauf. Beim guten Freund in Bielefeld eine super gemütliche Unterkunft gefunden, Biere gekauft und zu Fuß durch den Nieselregen zum AJZ. Dort dann viele Bekannte aus Herzebrock-Clarholz und Bielefeld begrüßen dürfen, ach, immer wieder schön! Erinnert sich noch jemand an die Fun-Punkband Laurenz aus Versmold? Oder die Britpopper aus Herzebrock namens Twist? Nein, vielleicht auch nicht tragisch.
Drinnen spielt derweil Birthmark, aber was nach draußen dringt ist so unspektakulär, dass ich nur kurz zum Bierholen reineile und sofort wieder raus watschele. Nate Kinsella hat früher bei Joan of Arc / Make Believe gespielt und macht angeblich Musik für „Fans der späten The Notwist“. Keine Ahnung, ich finde es absolut langweilig.
Auch die gehypten This Town Needs Guns finden bei mir kaum Anklang. Das ist die Vertonung der Gauß’schen Glockenkurve, Mathematik zum Anhören oder einfach nur krasse Nerds, die aus ihren Instrumenten das Letzte rausholen. Mucker-Mucke … ein furchtbares Wort und doch so passend. Den Leuten gefällt es aber und ich habe das Gefühl, die Menge der Studierenden erreicht jeden Moment den kritischen Zeitpunkt, an dem wir alle mit der Wahrscheinlichkeit der Unwahrscheinlichkeit in ein Raumschiff gezogen werden, wo Douglas Adams uns alle Babelfische in die Ohren stopft, um diese Musik zu verstehen. Oh, einen Moment, was passiert jetzt … ??? Nichts! Also wieder Bier, wieder raus! Kein Babelfisch und die Hardcore-Kids, denen sowas gefällt, einfach mal in der Ecke oder vor der Bühne stehen lassen.
Duesenjaeger Torben
Zu Duesenjaeger habe ich wahrscheinlich schon alles irgendwo geschrieben, was ich zu der Band schreiben kann. Ich mag ihren deutschsprachigen Punkrock, ich mag die Melodien, ich mag die Texte, ich mag die Personen, die die Band darstellen, ich mag das Umfeld, ich mag die Tonträger, ich mag … ich mag Duesenjaeger (Link). An diesem Abend spielen sie lange – ca. eine Stunde – und doch viel zu kurz. Die meisten Songs sind von den beiden LPs, dazu gesellen sich Songs von der 10inch und ein paar alte Sachen. Ein wenig vermisse ich die Hits der ersten Single, „Funke“, „Maulwurf“, dafür gibt es als Zugabe „Keiner“, auch sehr schön. Der Abend endet dann mit Rosi (MyRuin) und anderen zwischen Tresen und Bühne. Und irgendwann in einer Kneipe mit sinnlosen Diskussionen über sinnlose Dinge. Ein guter Abend!
Duesenjager Tobi & Jan

Messer in Köln

Messer im Stadtgarten im Rahmen der PoP-NRW in Köln (17.01.2012)
Selten war ich so gespannt auf eine Band. Ihr Album „im Schwindel“ gefiel mir sehr gut (s. Review) und andere haben von großartigen Konzerten live berichtet. Daher entwickelte sich rasch eine hohe Erwartungshaltung. Mein Mitbewohner hatte zudem noch einige Leute aus der ostwestfälischen Pampa eingeladen und ab ging es zum Stadtgarten. Der erste Schock vor Ort, die Leute draußen sahen aus wie auf einer Kunst-Ausstellung, einem Studierendenball, der Preview des neuen Tarantino-Films oder sonst was, aber nicht nach einem Publikum, was ich ins Herz schließen würde. Hipster, Werbeaffen, Film-, Funk- und Fuck-Idioten. Aber egal, dass sollte mir den Abend nicht verderben, nahm ich mir vor, wir tranken Bier und warteten auf Messer.
Deren Musik ist „eher für düstere Tage vor dem Kamin mit Rotwein, für stürmische Tage an der Küste, für das Andenken an dem Friedhof“, wie ich in oben besagtem Review schrieb. Als wir uns aber in den Stadtgarten gedrängelt haben – immerhin, da das Konzert im Rahmen von PoP-NRW stattfand, war es umsonst – standen wir in einer recht großen Halle. Auf der Bühne das dazu passende Rockpalast-Feeling, och nö! Messer wirkten wie eine Band, die da hingebeamt worden waren mit einem Sound, der glatt war wie ein Baby-Popo … ach, irgendwie passte das alles nicht.
„Die Wut, die mich zerfrisst, weil das Leben eine Lüge ist, das Glück, das mich zerfrisst, weil das Leben meine Liebe ist“ (Lügen), genau so klangen sie nicht. Es war eher selbst wie eine Lüge und es wurde nicht besser. Das Publikum, die Band, der Sound, das Ambiente … das alles wurde durcheinander gewirbelt, gefiltert und war am Ende steril wie destilliertes Wasser. Geschmacklos, fade, maximal für den Chemie-Baukasten zu benutzen. Nach einigen Songs entschieden wir, es kann nicht besser werden und verließen den Ort in Richtung onic Ballroom.
Am nächsten Morgen aufgestanden und mir direkt noch einmal die Platte angehört. Hatte ich da einfach schlecht geträumt? Oder zu gut? Das Album war immer noch das Gute, was ich in Erinnerung hatte. Nein, das können gestern nicht Messer gewesen sein! Das wirkte wie eine Cover-Band, aber vielleicht war es einfach auch nur der falsche Laden, das falsche Publikum … PoP-NRW, ach nee!

Sniffing Glue und Ea80 in Osnabrück

Sniffing Glue und Ea80 im Bastard Club in Osnabrück (13.01.2013)
So darf ein Konzertjahr natürlich anfangen, Sniffing Glue und EA80 im Bastard Club in der niedersächsischen Provinz. Da die Dame des Hauses das Geld herantragen muss (Säckeweise) bin ich schon einen Abend vorher nach Bielefeld gejuckelt und habe einen sehr netten Abend im „Extra – Blues Bar“ verbracht. Es ist einfach großartig, wenn zur Begrüßung Black Sabbath und The Clash laufen!
Am anderen Tag ohne allzu großen Hangover ab nach Osnabrück. Dort die halbe Belegeschaft von Freiburg (Band) getroffen, ein kleines Strafraumpogo-Revival gefeiert und die Liebste in die Arme genommen. Gleich versprochen: den Rückweg nehme ich auf mich. Ein imaginäres „XXX“ auf den Handrücken tätowiert und ab in den Laden.
Sniffing Glue begannen zeitnah und trotz der gedachten Xe auf Händen, ab in die erste Reihe. Auch wenn ich kein Bollo-Tough-Guy bin (oder werden könnte), die erste Reihe war ein ruhiger Ort. Der Großteil des Publikums hielt respektvollen Abstand oder war einfach zu alt, sich nach vorne schieben zu lassen. Schade, denn mir gefiel es vom ersten Ton. Im Gegensatz zu dem nur „okayen“ Konzert auf der Ox-Party (Link) sprang diesmal sofort der Funke über. Schnoddriger Hardcore und eine nette Fuck You Attitüde, die gewiss von der Bühnenpräsenz des Sängers lebt. Wenn ich nicht wüsste, dass ich mich im „Sicherheitskäfig Punk“ befände, ich hätte bei den irren Blicken Angst bekommen.
Sniffing Glue in Osnabrück
Nach einer guten halben Stunde kam dann der Hauptact des nachmittags: EA80! Ich habe die Band ja erst vor relativ kurzer Zeit für mich entdeckt und mag sie sehr. Auch hier hat der Sänger eine Bühnenpräsenz, die Musik ist super und der Ansatz der Band ohne große Werbung, ohne großes Bramborium auszukommen ist phantastisch. Auch an diesem Nachmittag spielten sie viele alte Hits, relativ viel Material von der letzten Platte und die fast zwei Stunden waren kurzweilige Unterhaltung. Ein schönes Konzert mit vielen netten Leuten und einem Altersdurchschnitt, der die durchschnittliche Lebenserwartung in manch einem Land übertreffen dürfte.

We Had A Deal, Freiburg und Willy Fog in Düsseldorf … oder auch nicht

We Had A Deal + Freiburg + Willy Fog im Sessionclub, im Hang Over in Düsseldorf oder auch nicht (10.11.2012)
D.I.Y.-Konzerte zu organisieren ist immer eine Menge an Arbeit. Bands suchen, Bands einladen, Räumlichkeiten suchen, Essen kochen, Werbung machen, Eintritt und Getränkeverkauf organisieren, Publikum im Zaum halten und am Ende der Veranstaltung wieder alles sauber machen. Großartig, dass sich Leute das immer wieder freiwillig antun und den Konsument/innen unter uns „einfach zu genießende Abende“ organisieren. Davor habe ich eine Menge Respekt!
Das beschissenste an der Arbeit ist vor allem, wenn man spontan umplanen muss. Ich erinnere mich an eine Band, die uns am Abend vor der Show einfach mal absagte, weil ein anderer Gig weggefallen wäre und sich der Weg nun nicht mehr lohnen würde. Eine andere Sache ist, wenn Stunden vor der Show das Zollamt einfach mal wegen Schwarzarbeit oder anderen Dingen einen Laden dicht macht. So geschehen im Sessionclub in Düsseldorf-Dehrendorf.
Mit dem Schlagzeuger von Freiburg sitze ich um kurz vor sieben noch in der S-Bahn nach Düsseldorf, als uns die SMS erreicht. Wir sind spät dran, doch dass der Gig ausfällt war bisher nicht an unser Ohr gedrungen. Liegt auch daran, dass wir die Facebook-Statusmeldung in der Veranstaltung nicht gelesen habe, wo um 18:15 die Schließung der Örtlichkeiten gepostet wurde.
We Had A Deal waren zu dem Zeitpunkt von Jena bereits 100km vor Düsseldorf und drehten um. Freiburg (Gütersloh, Clarholz, Köln) sowie Willy Fog (Kamen, Unna) waren zu dem Zeitpunkt schon komplett oder größtenteils da. Nach langem hin und her findet sich dann tatsächlich noch ein Laden, der spontan die beiden Bands noch unterbringen möchte, das Hang Over in Düsseldorf-Rath. „lub Lounge“ trägt der Name im Untertitel. Also noch mal alles in Autos und weitere fünf Kilometer Richtung Nirgendwo. Dort dann alles aufbauen und feststellen, dass Mikros und Gesangsanlage fehlen. „Club Lounge“ halt. Einzig und allein die Getränkepreise lassen vermuten, dass der Getränkeverkauf diesen Laden kaum betreiben lassen kann. 2 Euro für den halben Liter Diebels oder Krombacher, krass.
Obwohl der Gastgeber hilfsbereit war, es zog sich alles. Hier musste was besorgt werden, dort fehlte das noch. Insgesamt waren noch knapp zehn Leute als „Publikum“ zu gegen, die meisten wegen Freiburg, wenn ich das richtig gesehen habe.
Die beiden Organisator/innen rotierten gut sichtbar und als keine/r mehr dran glaubte, ging es doch noch los. Um halb elf konnten Willy Fog anfangen ihr Set zu spielen. Naja, Emo/Screamo, den ich nicht sonderlich spannend fand (in Münster). Der Sound war auch mehr als dürftig, es schepperte, es krachte. Die Jungs spielten 40 Minuten und dann … Boxen! Der Besitzer des Hang Over muss wohl vorher schon klar gemacht haben, dass wenn Klitschko boxt, alles ruhig zu sein hat und auf seinem riesen TV nur Boxen laufen wird.
(ab hier am 12. November 2012 editiert, da neue Infos)
Das wusste nur niemand! Tja, und so ging es dann ohne Boxen und ohne Freiburg nach einem langen Abend mit viel Warten und ständiger Unsicherheit nach Hause mit einem mehrwürdigen Gefühl …

Blank Pages + Modern Pets + Dean Dirg in Mülheim

15 Jahre AZ Mülheim mit Blank Pages + Modern Pets + Dean Dirg im AZ Mülheim in Mülheim (02.11.2012)
Das AZ Mülheim wurde 15 Jahre alt und feierte sich – zurecht – selbst. Das AZ ist tatsächlich eine Institution, Manifestation oder einfach nur eine sehr wichtige Anlaufstelle für Punks und andere Menschen aus den Subkulturen. Im Ruhrgebiet gibt es nichts was in der Größe und der Aktivität vergleichbar mit dem Ort in Mülheim ist.
Da das AZ Mülheim an diesem Abend keine Geschenke mitgebracht bekommen wollte, nicht einmal Eintritt verlangte, fühlten wir uns etwas schuldig, nichts vorbereitet zu haben – Jounglage, Singen und andere Dinge sind leider nicht meine / unsere Stärke. Also einfach nur an die Bar, Club Mate ordern, Platten stöbern, empfehlen, kaufen und sich nett unterhalten.
Blank Pages spielten auch schon als wir kamen und konnten kaum überzeugen. Poppiger Punkrock der ganz nett war, aber auch nicht mehr. Irgendwie habe ich mich an dieser Musik satt gehört, kann ich mal unterwegs oder zu Hause hören, aber live brauche ich das nicht mehr unbedingt.
Gleiches gilt eigentlich auch für die Modern Pets (s. Konzertbericht hier), die wir auch gleich verquatschten und zu den letzten beiden Songs erst wieder im Konzertraum waren. Das war gut, aber solche Bands erfreuen mich über eine Zeitspanne einer Single, dann geht es links rein und rechts raus.
Dean Dirg sind da anders, auch wenn ich ihren Auftritt an dem Abend nicht sonderlich gut fand, an den hohen Erwartungen aus früheren Shows gemessen. Selbst ein durchschnittlicher Auftritt reicht halt, den Raum einzunehmen. Habe sie mal mit Insurgent Kids 2006 in der Berliner Köpi gesehen und war überwältigt. Diese kurzen, rockenden, direkten Songs, ein Wahnsinn. „Dean Dirg’s bored“, „$ 8,95″ und viele andere Songs sind einfach Hits. Ein ansonsten kurzweiliger Abend ging dann auch schnell zu Ende, was aber eher an den netten Menschen im AZ lag als an den Bands. Nichtsdestotrotz hat’s viel Spaß gemacht.

Slime in Münster

Slime in der Sputnikhalle in Münster (26.10.2012)
Der 12. November 1994 hat mein Leben verändert. An diesem Abend hing ich vor meinem kleinen Radio und habe die WDR 1 (bis Mai 1995 war das der Name von 1 Live) Rocknacht gehört und wartete auf Stiltskin, die damals diesen Jeans-Werbung-Hit hatten, „Inside“ oder so ähnlich. Völlig egal und noch am selben Abend in Vergessenheit geraten. Um acht Uhr abends stellte ich mein Radio an, schob eine Kassette ein und schnitt geistesabwesend das erste Punkkonzert mit, dem ich beiwohnen durfte – und sei es nur als Hörer alleine als Jungspund vor dem Radio in Ostwestfalen. Schon der erste Song – „Untergang“ – ballerte meine unschuldigen Ohren an die Wand, schoss durch mein Hirn und die Fetzen meines Restverstandes versuchten sich unter der Kinderbettdecke zu verstecken. Solche Musik lief nicht in meiner Spieluhr, solche Musik lief nicht in den Musiksendungen, die ich ansonsten hörte. Klar, AC/DC, Motörhead und Guns‘N'Roses waren mit ein Begriff, deren Kassetten lagen in meinem Zimmer verstreut. Aber diese Slime waren anders!
Das Set führte durch Hits wie „Alle gegen Alle“, „Alptraum“, „Schweineherbst“, „Zusammen“, „Störtebeker“, „Religion“, „Brüllen, Zertrümmern und Weg“, „Deutschland Muss Sterben“, „Gewalt“ und „Der Tod Ist Ein Meister Aus Deutschland“. Übrigens ein Set, das außer „Deutschland Muss Sterben“ und „Zusammen“ auch an diesem Abend im Jahr 2012 in Münster gespielt wurde.
Aber zurück in meine Jugend. Die Slime „Schweineherbst“ CD musste ich mir gleich am nächsten Schultag von einem Freund ausleihen und mein Vater wurde gebeten, die Texte auf der Arbeit zu kopieren. Ich habe ihn nie gefragt, ob er sich die mal angesehen hat. Wenn er es getan hat, hat er es sich nicht anmerken lassen.
Slime waren somit mit einem Schlag und für eine lange Zeit eine der wichtigsten Bands und für mich mein Eintritt in die Welt des Punks. Eine Welt, die mich dazu brachte das zu machen, was ich heute mache – z.B. sinnentleerte Blogeinträge wie diesen über Bands zu schreiben. Nach Slime kamen andere Bands und es dauerte einige Zeit, bis The Revolvers durch das Covern des Songs „Zu Kalt“ – auch im Münsteraner Slime Set – mir die Band wieder nahe brachte. Das muss so um 2003 / 2004 gewesen sein. Danach kaufte ich mir die „Alle gegen Alle“ auf Platte bei Greenhell in Münster.
Klar, nach Abschluss der Schule hatte sich auch der Musik-Geschmack weiterentwickelt, vor allem was Texte anging. Es mussten nun nicht unbedingt mehr die eingänglichen Parolen sein, dass „All Cops Are Bastards“ dadurch nicht falsch wurde, verdrängte ich für einige Zeit. … But Alive, Muff Potter, ot Water Music oder Leatherface wurden die Anknüpfungspunkte für mich, einige von den genannten Bands (… But Alive, Leatherface) suchen heute noch vergleichbare Musiker/innen und Texter/innen. Slime waren zu der Zeit fast nur noch mit den Bahnhofspunks assoziert, die außer Saufen nicht wirklich was geschissen bekommen haben.
Die Band hatte ich nie live gesehen und als sie sich 2009 / 2010 wieder vereinigt haben, war ich mehr als skeptisch:

    2010 ist das Jahr der großen Reunion von Slime und ganz Deutschland freut sich wie blöd. Ganz ehrlich? Ganz Deutschland? Zumindest ein paar Ausnahmen wird es geben. Zu denen gesell ich mich gerne. Welche Sinn hat denn eine Slime-Reunion? Nur, weil vielleicht ein oder zwei Texte zufällig noch aktuell sind?! Wäre es nicht spannender, eine neue Band würde eineN mal wieder umhauen? Aber, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Dann lieber Slime, auch wenn die meisten Texte von denen nicht mehr heutige Alltagssituationen beschreiben. […] Nur um das einzuschieben, Slime hatten natürlich eine große Bedeutung in der deutschen Punkhistorie. Keine Frage, aber in der HISTORIE.“ (Alleiner Threat #01 – Januar 2010)

Inhaltlich stehe ich zu dem immer noch. Wie deprimierend war es Elf (aka Michael Mayer) bei Günther Jauch sitzen zu sehen (s. Blogeinträge dazu, #1 und #2)? Nicht die Tatsache an sich, dort zu versuchen Geld zu gewinnen – wobei man wirklich fragen kann, ob eine RTL-Show ein guter Weg ist Geld zu verdienen – sondern auch noch dieses spießige, miefige, peinliche, eingeschüchterte. Von Günther Jauch – einem neo-konservativen Unsympathen – auch noch mit dem Text von „Linke Spießer“ vrogeführt zu werden, war echt zu viel.
Dann kam dieses Jahr ein neues Album: „Sich fügen heißt lügen“. Das Album ist okay. Alte-Männer-(Punk-)Rock und da keine/r aus der Band Texte schreiben kann, haben sie sich beim alten Anarchisten Erich Mühsam bedient. Das geht einmal gut, ein weiteres Album dieser Art wird wenig Sinn machen. Auch die Offenheit, wie damit umgegangen wurde, dass niemand aus der Band Texte schreiben kann, fand ich okay. Zwar ein Armutszeugnis, wenn man genauer drüber nachdenkt, auf der anderen Seite aber auch besser das offensiv zu reklamieren, als das die Gerüchteküche brodelt.
Im Rahmen eines okayen Interviews im Plastic Bomb (Heft #79) stand dann auch das schöne Zitat von der Plattenfirma, dass Slime die einzige deutschsprachige Band seien, die in die Größenordnung der Rechtsrock-Bands wie Frei.Wild eindringen können. Klar, Slime sind natürlich besser als Frei.Wild oder so eine scheiß Musik, aber ist das der Maßstab für Punk geworden?
Das waren also meine Gedanken, als ich gefragt würde, ob ich mir Slime in Münster ansehen wollen würde. Ich sagte zu, da viele meiner Freund/innen mitkommen würden und da der erste Hype schon abgeflacht war. Nun ja, es war ein super netter Abend mit vielen Freund/innen, mit vielen guten Gesprächen, mit viel Alkohol, mit einer verpassten Vorband, mit einer Hauptband, die viele Hits spielte (s.o.). Außer „Goldene Türme“ und einige der alten Hits wie „Polizei, SA, SS“ hat eigentlich nicht viel gespielt. Dafür war Buttocks „BGS / GSG“ im Set, was an Deutlichkeit nicht hinter den alten Slime-Hits anstehen musste.
Am Ende war es ein gutes Konzert, leider mit vielen lahmen Songs vom letzten Album, die alle abfielen. Ich meine ehrlich, diese Songs sind auf Platte vielleicht ganz nett, aber wenn sie live in das Gesamtbild hineingezwängt werden, merkt man erst, wie alt und zahm die Band geworden ist. Das klingt dann wie Toten Hosen auf einmal.
Am Ende bleibe ich Reunion-Skeptiker. Auf der anderen Seite war es nett, sie mal gesehen zu haben und mich in meiner Meinung zu bestätigen. Witzig war, dass das Durchschnittsalter an dem Abend die 30 bei Weitem überschritten hat, fast keine Irokesen vor Ort waren und das einige Kids sogar mit ihren Eltern da waren. Dass sie für mich dennoch wegweisend waren, wird sich durch diesen Abend nicht ändern.

Snob Value + Dulac + Knifefight + Sink Franatra in Köln

Snob Value, Dulac, Knifefight und Sink Frantara im AZ Kalk in Köln (12.10.2012)
Kennt ihr das: Ihr geht auf ein Konzert und freut euch so semi auf eine Band. In diesem Fall Snob Value, die ich noch nicht kannte, aber schon viel Gutes von gehört habe (Snob Value Homepage). Und um es vorwegzunehmen, Snob Value waren mit ihren kurzen, aggressiven Hardcore-Songs ziemlich gut. Einzig und allein das etwas übertriebene Eingreifen von übereifrigen AZler/innen, die sich über das jeweilige Tanzgebahren einiger Anwesender aufregten, tat der Freude ein wenig Abbruch. Ich meine, ja!, Machoscheiße hat nirgendwo etwas zu suchen. Aber ich habe auch das Gefühl, dass zum Teil die Definitionsgewalt, was tatsächlich übertrieben ist und was nicht, bei Leuten mit enorm niedriger Hemmschwelle angesiedelt ist. Jetzt kann man argumentieren, dass ein solcher Freiraum auch für alle da ist und sich alle wohl fühlen, aber wenn die Einschränkungen zu groß sind, fühlen sich nun halt nicht mehr alle wohl. Wenn Leute aufgrund von Nichtigkeiten angehalten werden, sich „zu benehmen“, dann ist das einfach Scheiße und ist für mich kein Freiraum. Wir sprechen hier immer noch von energiegeladener Musik, die sicherlich nicht jedes unsoziale Verhalten gegenüber anderen rechtsfertigt, die die Band sehen wollen, aber auf der anderen Seite können die meisten Menschen das auch für sich entscheiden und ein Hardcore-/Punk-Konzert ohne Bewegung funktioniert einfach nicht. Nun ja, aber da ein gesunden Mittelmaß zu finden, ist wohl nicht möglich und die Definitionsgewalt auch nicht bei mir, bzw. ich will sie gar nicht haben. Aber das drückte ein wenig auf die Atmosphäre von mir, meiner Begleiterin und einiger anderen im Raum. Die Band konnte definitiv nichts dafür und eigentlich wollte ich darauf gar nicht hinaus.
Zurück also zu Beginn des Abends: Man geht also mit bestimmten Erwartungen an ein Konzert. Für mich war es der vorletzte Abend, bevor ich dem Land mal wieder die kalte Schulter für einige Tage zeigen konnte, und ich war gespannt, wie gesagt, auf Snob Value. Doch zu Beginn trat ein sehr schüchternes Singer/Songwriter Duo namens Sink Franatra auf, die nicht nur einen Weakerthans-Songs coverten (muss man eigentlich noch mehr schreiben? Können solche Menschen schlecht sein? Wir wissen alle die Antwort …), sondern auch ansonsten wunderbare Musik machten. Sehr nett. Im Anschluss dann eine weitere Folk-Combo namens Knifefight, die wir allerdings bis auf die letzten beiden Songs fast komplett verpassten. Songwriter-/Folkmucke funktioniert manchmal, und ziemlich häufig nur noch in geringen Dosen. Es hat einfach überhand genommen, aber wem sage ich das …
So, und dann die vorletzte Band des Abends, Dulac. Wir stehen da also im AZ Kalk in Köln, und wir warten. Und wir warten. Die Band fängt an und ich bin gelangweilt. Ich frage, ob wir nicht rausgehen sollen. Keine Lust auf Musik, es gibt wichtige Entscheidungen zu diskutieren und bis Snob Value beginnen dauert es schließlich noch. Doch wir bleiben. Und wir warten. Nach ein paar Songs nerven mich Dulac sogar ein wenig, um ehrlich zu sein. Wir verharren, zwei, drei weitere Songs. Und irgendwann passiert das, worauf ich hinaus will. Die Musik nervt mich nicht mehr, sondern sie wird angenehm. Umso länger wir bleiben, desto besser gefallen Dulac mir. Emocore der alten Schule. Ich merke, wie meine Beine sich bewegen, wie die Musik mich mehr und mehr begeistert. „Rites of Spring“ werden am Ende noch gecovert und ich finde mich wieder und erwerbe das selbstbetitelte vier Song-Tape, auf das ich hier noch einmal UNAUFFÄLLIG hinweise und das jede/n interessieren sollte, wenn er/sie/es auf alten Emocore wie Rites of Spring, Gray Matter und Konsorten steht (Link zur Hompage).
Genau dieses „Erweckungserlebnis“ (natürlich ein völlig überzogener Begriff, ich weiß … aber warum aufregen, es sind doch nur Worte?!) meine ich. Das hatte ich letztmalig in dieser Form bei Kimya Dawson, als ich eigentlich wegen den Groovie Ghoulies auf einer Show im Bielefelder Kamp war und Kimya Dawson durch ihre sympathische Art einfach alles in den Schatten gestellt hat. So, und nun kommt das krasse – ich habe gerade gegoogelt, wann dieses Konzert mit Kimya Dawson, Schwervon!, Matty Pop Chart und den Groovie Ghoulies war … und nun … nein … welch ein Zufall. Am 12. Oktober 2005, am gleichen Tag nur sieben Jahre zuvor. Ich sage mal, ich freue mich schon auf die Show am 12.10.2019 …

Inner Conflict + Captain Planet + Kaput Krauts in Köln

Inner Conflict + Captain Planet + Kaput Krauts im AZ Köln-Kalk in Köln (06.10.2012)
Konzertberichte in einem schon fast weitentfernten Rückblick zu verfassen, ermöglicht es ja auch, den chronologischen Ablauf ein wenig zu verlassen und sacken gelassene Gedanken mit in den Bericht einfließen zu lassen. Beim Inner Conflict / Captain Planet / Kaput Krauts Konzert bieten sich da gleich viele verschiedene Ansätze an:

    A.) Inner Conflict (Link: Inner Conflict), die sympathische PunkCore-Band aus Köln feiert ihren 20. Geburtstag und das mit einer großen Menge an Freunden im ausverkauften Kalker AZ.
    B.) Das Kalker AZ (Link: AZ Kalk) als mittlerweile zentraler Teil der alternativen Szene, vor allem rechts rheinisch (aufder sogenannten „guten Seite“, nämlich die, die nach Westfalen schaut).
    C.) Das neue Album „Treibeis“ der Medien-Lieblinge Captain Planet (Link: Captain Planet), welches an diesem Abend vorgestellt wurde.
    D.) Ganz persönlich, dass an diesem Tag der Verein, für den ich arbeite, sein Büro in Köln eröffnet hat und ich daher mit reichlich Sekt intus am Veranstaltungsort ankomme.
    E.) Musik im Allgemeinen, ist ja noch ein Konzertbericht.

Fangen wir einfach mal mit A an. Kölns lokale Helden Inner Conflict feiern ihre 20sten Geburtstag, dazu an dieser Stelle noch einmal nachträglich „Alles, alles Gute“! Schön, dass viele Menschen gekommen sind und die Show schon am Einlass um kurz nach acht ausverkauft war. Die sympathische Band um Frontfrau Jenny und ihren drei Mitstreitern gab wie immer Gas und hat sich vorher auch schon von Kaput Krauts und Captain Planet feiern lassen. Leider schienen sich einige Gratulant/innen im Publikum schon bei den beiden Bands verausgabt zu haben, denn es war doch merklich leerer im Konzertraum. Auch bei mir war irgendwie die Energie raus, vor allem da ich Inner Conflict doch schon das ein oder andere Mal gesehen habe und sie mir sicherlich in Zukunft wieder über den Weg laufen werden. Daher die Zeit genutzt, während sich die Band selbst Ständchen besungen hat, mit netten Leuten aus dem Kopfnuss-Umfeld zu quatschen und später dann gegenüber im Trash Chic noch herumzuhängen. Schande auch über mein Haupt, aber nach einem mehr als 16h-Tag war es irgendwann zu schwer, nur noch Input zu bekommen.

B.) Das AZ Kalk ist für mich, seitdem ich wenige Meter entfernt davon wohne, einer der zentralen Anlaufstellen geworden. Seien es Vorträge mit philippinischen Anarchisten oder einfach nur dieses Konzert – und wenige Tage später das mit Snob Value, Dulac, Knifefight und diesem Singer-Songwriter-Duo – das AZ ist einfach ein wichtiger Ort für Köln. Denn für Sonic Ballroom oder Aetherblissement wäre diese Veranstaltung wohl zu groß gewesen, für Underground zu klein. Und rechtsrheinisch gibt es außer dem Limes ansonsten auch nicht viel. Daher – „keinen Tag ohne AZ Kalk!“ Und eine Geburtstagsfeier von Inner Conflict passte hier wunderbar hinein.

C.) Treibeis – Review – Sektion
Eigentlich haben ja schon fast alle, ja wirklich alle Medien bishin zur Taz, Welt und der Süddeutschen sowie alle möglichen Fanzines und Musikmagazine über das neue Captain Planet Album berichtet. Fürs Trust #136 durfte ich die Jungs Anfang 2009 abends in Essen in einer Seniorenkneipe vor das Mikro zerren und fand es erfrischend und großartig, wie nett und sympathisch die Jungs waren. Eines meiner absoluten Lieblingsinterviews mit einer Band, die mit „Wasser kommt, Wasser geht“ eines der besten deutschsprachigen Alben der letzten Jahre geschrieben haben. „Inselwissen“, der Nachfolger gefiel mir weit weniger. Klar, hohe Erwartungen, aber Songs wie „Rambo“ oder „Blattsport“ gefallen mir bis heute nicht so, wie dem Großteil des Publikums bei Livekonzerten um mich herum.
Daher, ein neues Album, die Nummer drei, ich war skeptisch, wenn auch gespannt, live dann direkt überrascht, wie gut die neuen Songs wirken. Und ja, trotz des Hypes um die Band herum, das neue Album schließt zum Glück wieder an „Wasser kommt, Wasser geht“ an, ist vielleicht noch druckvoller oder wie sagt man gerne neoallemanisch: „straighter and direct to the point“. Der gute Song „Nationalpark“ war vorher ja schon von der Split mit den mächtigen duesenjaeger bekannt, mit dem Opener „Pyro“ legen sie sofort eine Hymne hin („viva allein“!) und das zieht sich durchs ganze Album. „Heute klappt nichts“ (Song: „Sand in den Augen“) schreit es dann direkt weiter in den nächsten Song hinein, „in einer Stadt ohne Sprache“. Es fällt schwer, einzelne Songs herauszuheben, denn das Album ist ein Genuss, durchgängig. Ob der Hype jetzt gerecht ist oder nicht, mag ich nicht zu beantworten. Hypes sind das wohl generell nicht und es sieht so aus, als wäre Punk aus Deutschland (mit Love A, Slime und den meiner Meinung überbewerteten Frau Potz) wieder ein großes Thema, v.a. wenn er – abgesehen von Slime – weit ab der üblichen Klischees spielt. Zeitstrafe, das neue Label von Captain Planet, hat schon seit jeher ein super Händchen für großartige Bands und meiner Meinung passen beide, Label und Band, sehr gut zusammen. 2012 darf Punk genau so klingen.

D.) Lange Rede, kurzer Sinn: Um 20:30 nach langer Vorstandssitzung, Büroeinweihung und Sektvernichtung einen langen Tag im AZ Kalk beenden lassen, ist doch etwas wunderbares.

E.) Zur Musik schon fast alles geschrieben. Kaput Krauts fehlen noch, die an diesem Abend leider nicht ganz aus der Statisten-Rolle heraus kommen konnten. Großartige Band, wie schon mehrfach geschrieben, aber irgendwie fehlte mir das direkte, kleine hier. Gerade als Band, für die ich aufgrund der Bühnenshow Begeisterung entwickele, funktioniert vor gefühlten 300 Leuten leider nicht so gut, wie in einer Kneipe vor 50 Personen.