Archiv der Kategorie '04. Konzerte'

Pirate Satellite Festival – Samiam, Make Do And Mend, The Smith Street Band, Teenage Bottlerocket, Masked Intruder , … in Berlin

Pirate Satellite Festival – Samiam, Make Do And Mend, The Smith Street Band, Teenage Bottlerocket, Masked Intruder, The Hotelier, Joyce Manor, Beach Slang, Lower Than Atlantis im C-Club in Berlin (07.05.2015)
Samiam
Das Pirate Satellite war lange angekündigt und erstmals sollte es auch in Berlin stattfinden. Bisher hatte das Festival einen großen Bogen um Berlin gemacht und ich könnte mir vorstellen, dass es im nächsten Jahr wieder so ist … dazu aber später mehr.
Die doch recht stolzen Preise im Vorfeld (gut 30 € im VVK) ließen die Vorfreude etwas abkühlen, doch mit Samiam war einer meiner Lieblingsbands auf der Playlist und so wirklich günstig waren Konzerte mit dieser Ausnahme-Band ja nie. Also, in den sauren Apfel gebissen und los. Dass dann kurzfristig das ganze Spektakel vom großen Astra in den kleineren C-Club verlegt worden ist, ließ jetzt auch nicht unbedingt eine überfüllt Halle erwarten. Aber gut für uns, die Anreise hat es schon mal deutlich verkürzt.
Dass es am Ende circa 500 Leute waren, die sich das Festival gaben, und eigentlich nie mehr als 300 vor der Bühne, kann man schon als Enttäuschung erachten. Doch das wussten wir noch nicht, als wir uns um kurz nach sechs auf den Weg machten und uns auf Samiam freuten. Dazu hatte ich mir sowohl Make Do And Mend als auch Masked Intruders immer schon mal live geben wollen. Und bei 6 weiteren Bands, würde schon noch was für meinen Geschmack dabei sein, dachte ich …
Als wir ankamen stand dann die Running Order fest und ich war schon überrascht, dass man bei neun Bands nur eine europäische (UK) und keinerlei lokalen Bands eingeladen hatte. Im Grunde kann man vor allem die ersten Bands recht schnell abhandeln:
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Kinky Friedman in Berlin

Kinky Friedman im Lido in Berlin (17.02.2015)
Es ist schon ein komisches Gefühl, Kinky Friedman das erste Mal live zu sehen. Der Mann der auf der Bühne behauptet: „The Germans are my second favourite people. My first is everybody else“ und dabei laut lacht. Dieser Kinky Friedman spielt in einem Laden, der zuletzt u.a. Heino als Location galt, der Schwarz-Braunen-Haselnuss, dem wohl deutschesten und schlechtesten Barden, der Anti-These zu Kinky Friedman.
Denn dieser nun auf Hardrock drehender Volksmusiker drehte in der Location ein schlechtes Rock-Video! Berlin, quo vadis? Gut, das Lido sieht an diesem Abend keinen Cent Eintritt, da der fabelhafte Don Gästelistenplätze klar machen konnte. Angemessen, 22 Euro Abendkasse für Kinky Friedman ohne Band sind schon recht happig.
Kinky Friedman Playing
Es ist Dienstag, gottverdammter Dienstag! Der Laden ist ganz gut gefüllt, Dienstagabends, und das Publikum hat ein eher höheres Durchschnittsalter als wir mit 30plus. Dazu sehr durchmischt, die eine Häfte sieht aus, als käme sie aus Teltow, Potsdam und Fürstenwalde, die andere Hälfte könnte aus Schöneberg und Spandau kommen. Hipster Fehlanzeige! Große Lücken im Laden, einige Bekannte und alte Freunde.
Kinky spielt zu Beginn einige Songs und erzählt zwischen den Stücken Witze. Ein echter Entertainer also, der über seine Kandidatur zum Governeur von Texas genauso berichtet, wie darüber, was er von den Deutschen hält (s.o.). Er spielt ein paar Hits und einige Songs, die ich noch nie gehört habe, aber auch Songs der Jewboys oder über Ira Hayes. Seine Ansagen sind mal politischer, mal witziger, aber immer ein gutes Entertainment. Vor dem Song „Get Your Biscuts In The Oven And Your Buns In The Bed“ beschreibt er, wie er einmal als Sexist des Jahres betitelt worden ist, nicht ohne einen süffisanten Unterton.
Nach gut einer Stunde tauscht er die Gitarre gegen sein neues Buch und er liest ein Kapitel über seinen Vater Tom, der einst als Bomber-Pilot in Europa stationiert war. Sein Kampf gegen die Deutschen, gegen die „Kartoffeln“ wird geschildert. Danach noch einmal zurück an die Gitarre, Nelson Mandelas Lieblingssong (von Kinky Friedman) „Sold American“ wird gespielt und dann war’s das auch schon. Insgesamt über 90 Minuten guter Unterhaltung sind zu Ende und es bildet sich eine große Traube um den Merch-Stand (CDs, Bücher).
Gary lässt sich noch einen 5 Euro Schein unterzeichnen – behauptet Gary zumindest, dass er das getan hat – und wir setzen uns noch ins Oberbaumeck, wo wir einige Bier auf den Abend trinken.
Kinky Friedman Reading

Konzerte Dezember 2014 / Januar 2015 – Turbostaat, Kaput Krauts, Panzerband, Litbarski und OnOnOn

Turbostaat + Candycunt im SO36 in Berlin (18.12.2014)
Turbostaat + The Dope im SO36 in Berlin (19.12.2014)
15 Jahre Turbostaat, herzlichen Glückwunsch! Bewundernswert, dass die Band in mehreren Städten Deutschlands (u.a. Köln, München, Dresden, Husum und Berlin) an zwei Tagen alle Songs von allen Alben nacheinander durchgespielt hat. Wie schnell die Zeit verflogen ist, wurde mir am ersten Abend wohl zum ersten Mal seit langem wirklich bewusst. Seit ca. 13 Jahren kenne ich die Band jetzt und inwieweit ich mich selbst, aber auch die Band verändert hat, ist dann doch noch einmal deutlich geworden.
Am 18.12.2014 begann der Abend ersteinmal mit Schlangestehen. Das SO36 war ausverkauft und die meisten hatten sich ein Kombi-Ticket gesichert, sprich Tickets für beide Abende plus Dankeschön-10inch. Danach erstmal die vielen – zum Teil langen – Freund/innen begrüßen. Die Vorband war nicht der Rede wert und wird hier nur der Chronisten-Pflicht wegen erwähnt.
Danach: „Flamingo“ LP. Ich frage mich immer, wieso ich so beschissen im Auswendiglernen war. Ich kann einfach keine Gedichte rezitieren und heute kann ich mir nicht mal mehr Songnamen, geschweige denn Songtexte merken. Doch hier, bei diesem Alben: fast jede Zeile. Auch bei dem danach kommenden Album „Schwan“ ist fast jeder Song eine Erinnerung an die Vergangenheit. Streit mit Freundinnen, das was sich Heimat oder doch nur Wohnort der Eltern nennt, Erinnerung an Städte, Straßen, Häuser, Wohnungen. An Menschen, an Freund/innen, an Liebe, an Streit. Es überrascht mich selbst, wie viel mir diese beiden Alben bedeuten bzw. mal bedeutet haben. So hinter einander weggespielt, sentimental, weil von Freund/innen umgeben … merkwürdig. Das SO36 schrumpft zu einem WG-Zimmer, Bier und eine gute Party.
Der 19.12.2014 ist dann das Gegenteil. Die Band hat sich entwickelt und ich bin irgendwann abgesprungen. Ich besitze zwar die Alben, habe sie alle mehrfach gehört, aber wo ist der Funken, der mich entfacht? Er kommt einfach nicht. Ich muss daran denken, wie Malwi am Abend vorher meinte: „Wer über den Kopf klatscht wählt CDU!“ Wäre das wahr, an diesem Abend hätte die CDU die absolute Mehrheit. Auch die Anzahl an Menschen in Bandshirts, und zwar auf und nicht nach dem Konzert, ist wahnsinnig hoch. Früher ein Zeichen von Idiotie … und heute eigentlich auch noch. Warum mit einem Bandshirt zu der gleichen Band auf ein Konzert gehen?! Das ist für mich wie Socken und Sandalen, vollkommen uncool. Egal, die Band spielt einige gute Songs von den neueren Alben, aber es läuft an mir vorbei. Dennoch bin ich dankbar für die Zeitreise am Abend zuvor und die Gewissheit am zweiten Abend, was ich auch nicht mehr vermisse.

Pyro One, Kaput Krauts und Das Flug in der Scharni in Berlin (30.12.2014)
Letzter ganzer Tag im Jahr 2014 und wir auf dem Weg nach Friedrichshain. Ein voller Keller, Bekannte, gute Musik. Das Übliche. Pyro One verpassen wir fast komplett, doch im Vergleich zu einem anderen Auftritt gefallen mir seine letzten beiden Lieder. HipHop ist Underground-Musik, zumindest wenn er mir gefallen soll. Pyro One gehört zu den Guten und das soll mir für diesen Abend reichen. Bier leer, Mate Vodka her.
Es folgen Kaput Krauts, die ein okayes Set schön schräg daneben spielen und leider einige Songs der Quo Vadis, Arschloch?! auslassen, die ich gerne mag. Egal, tausendmal gehört, tausendmal gesehen, tausendmal genug passiert. Ich mag diese Band. Auch dass ein besoffener Assi die Bühne erklimmt, in ein Phantom-Mikro singt und den Asselpunk spielt (und vielleicht doch nicht nur spielt) gefällt mir. Dass er sich im Anschluss ausziehen will, was Sänger Fossi anfänglich durch ein verstecktes Shirt-nach-unten-ziehen versucht zu verhindern, würde ich der Rubrik „Depp des Tages“ abstempeln. Dass dem Assi das Ausziehen gelingt ist tragisch, weil a.) unästethisch und b.) unnötig.
Dass er dafür allerdings aus dem Publikum wüste Beschimpfungen als „Sexist“ erhält, sprengt mein Verständnis. Meiner Meinung ist das aus zwei Gründen falsch: 1.) Wenn es auf das sogenannte „Triggern“ hinausläuft, sprich das Erinnern von Vergewaltigungsopfern, wenn sie einen nackten Mann sehen, geht die Beleidigung „Sexist“ davon aus, dass nur Frauen – oder nur Männer – getriggert werden. Falsch! 2.) Wenn es darauf hinaus läuft, dass es sexistisch ist, dass Männer ihren nackten – und in diesem Falle durchaus unästethischen, nach meinem Empfinden – Oberkörper zeigen dürfen und Frauen nicht. Das wäre aber nicht die Schuld eines einzelnen, sondern der Gesellschaft, ggf. der Politik. Daher sollte es doch das Ziel sein, nicht das Verbot aufrechtzuerhalten, sondern zu ändern, im Sinne einer Befreiung. Dafür kann der arme – rotzbesoffene – Typ allerdings nichts, sodass eine singuläre Zuschreibung als „Sexist“ Mumpitz ist. Doch das ist nur mein Senf und ich nuckele lieber an meiner Mate Vodka, als diese Diskussion in einer aufgewühlten Stimmung zu führen. Ja, ich bin eingeschüchtert und ja, es ist merkwürdig, das Gefühl zu haben, seine Gedanken nicht äußern zu können. Brauche ich dafür Mitleid? Fuck yourself!
Das Flug im Anschluss spielen Elektropunk, bringen mich zum Tanzen und zum Mitwippen und der Trockennebel in dem Keller lässt mich dann auch darüber nachdenken, wie wenig Unglücke doch in kleinen, linken Kellern geschehen, wenn man sie nur genügend füllt. Tolles Konzert, toller Übergang ins neue Jahr …

Panzerband und Chorea Huntington in der Supamolly in Berlin (03.01.2015)
Das neue Jahr und direkt ein geiles Deutschpunkkonzert. Ich starte meinen guten Vorsatz, mal wieder stocknüchtern ein Konzert zu besuchen und zu verlassen. Das schlägt sich bei Chorea Huntington ein wenig auf die Laune. Deren Deutschpunk begeistern mich wenig, auch wenn es nicht wirklich schlimm ist. Alte Punkrocker auf der Bühne ist man irgendwie auch gewohnt, ein paar Jungpunks zu sehen, wäre aber mal wieder schön. Aber vielleicht bin ich und mein Umfeld dafür zu alt … und warum auch in die Potse gehen. Im Anschluss Panzerband, die klingen, als würden Mülheim Asozial mit dem Rasenmäher von Abfukk überfahren. Deutliche deutsche Texte, Ironie und Ernst zusammengewürfelt und eine schöne Portion Wut, wenn nicht gar Hass drüber gelegt. Panzerband, viel besser als Deine Band! Schön ein wenig hier und da geklaut, neu zusammen geschraubt, und die Ketten drehen sich über den Torso des Landes. Ich saufe mir einen Mate-Flash (ohne Vodka) und freue mich des Lebens. Auch mal schön.

Litbarski und OnOnOn im Fischladen in Berlin (24.01.2015)
Litbarski ist das neue Bandprojekt von Leuten von Weltraumschrott und Anne Tanke. Darauf habe ich mich lange gefreut und diese Freude wird nicht enttäuscht. Während Leatherface / Hüsker Dü-Gitarren unterwegs auch mal Suzanne Vega überfahren, spielt die Band ein ziemliches Brett, was mich ein wenig an Karmacopter erinnert hat. Einige Songs, vor allem gegen Ende des Sets, schienen kleine Hits zu sein. Leider war der Gesang nur wenig verständlich, aber dennoch bin ich gespannt auf Releases. Erster Auftritt, super gut. OnOnOn im Anschluss wie immer gut. Onkel Karol ist zum Beispiel ein super Song. Ach, eine tolle Show und als Abschluss für den Januar toll. Danach noch getrunken und gequatscht und den Abend im Fischladen genossen. Wat war ich früher oft hier … schön!!!

Toylettes + Front in Berlin

Toylettes + Front im Cortina Bob in Berlin (12.12.2014)
Was gibt es Schöneres, als in Gedenktage reinzufeiern?! Richtig, nicht viel! Die Prügelei beim Tanz in den Mai, das Geböller zur Neujahrsfeierei, die zünftige Weihnachtsmarktschupserei als Einstimmung auf das Wiegenfestes eines kommunistischen Langhaarhippies oder aber die Feier in den Tag-zum-Gedenken-der-Familienverhältnisse-in-der-deutschen-Polizei, kurz ACAB-Tag. So hat sich die Band Front aus Wiesbaden extra angekündigt, um das Kreuzburger-Publikum am Vorabend dieses Tages einzustimmen (13.12.). Der ACAB-Tag ist ja auch jedes Jahr aufs Neue ein Mahnmal für Polizeigewalt in Deutschland: sei es das Versagen der Polizeibehörden bei der Bekämpfung des NSU-Terrors, sei es, dass sie Hooligans gegen Salfisten eine ganze Stadt überlassen (auch wenn es nur Köln war) und im gleichen Moment harmlose Fußballfans kriminalisieren, sei es der Mord an Oury Jalloh und andere Tiefschläge des deutschen Rechtsstaates. Daher schön, dass die sympathischen Wies-Badenser ein paar Songs über die Bretter des Cortina Bob schossen (Homepage des Ladens). Also früh die Siebenmeilen-Stiefel geschnürrt, die gute Laune in die Hosentaschen und abdiekowski!
Toyletts
Nachdem einige Bekannte und Freunde begrüßt werden konnten, drehten auch direkt The Toylettes die Regler der Verstärker auf. Eine junge Band aus Potsdam und Berlin, die diesen gerade sehr populären minimalistischen Punk meets NDW spielt. Das war alles zwar noch bei Weitem nicht perfekt, aber gefiel mir mit steigender Dauer des Abends immer besser. Kurz, prägnant, charmant und auf die zwölf! Vor allem die Abwechslung, erzeugt durch Instrumentenwechsel und Einbauen eines Keyboards war witzig. Gerne mehr davon.
Front
Im Vergleich dazu folgten dann die im Vergleich zu den Toylettes die alten Männer von Front (Hompeage). Elf Jahre in die Band investiert, drei Alben, eine 10inch, eine Split-Single und ein Demo, eine reichhaltige Beute, nur um uns dann eine wunderbare Auswahl an Hits um die Ohren zu ballern. Vor allem für Berlin, wo viele arbeitslose Punks rumhängen und im Winter gar nicht wissen, wie sie ihre Langeweile und die Tristesse in Grau und Grau durchbrechen können, gab es gleich zu Beginn den wichtigen Lebenshinweis: Bild dich Ford! Damit die Räder weiter rollen, möchte man da Truck-Stop-like ergänzen. Das hatte das Publikum direkt dankbar aufgenommen, in die iMerkzettel gehackt und sich direkt den googleWecker für den nächsten Tag gestellt. So konnte im Anschluss erleichtert das Tanzbein geschwungen werden. Zum Prada-Meinhof wurde ausgiebig geschwooft. Verwirrung erzeugte dann die Hommage an das Plastik (Im New Yorker Sah Ich Hennes & Maurits Knutschen), da ein Teil der Anwesenden Plastik erst seit wenigen Jahren überhaupt kennen könnte (es war verboten in der Ostzone), die anderen die Angst haben, dass sich bei der Plastikentsorgung kleine Fische an dem Plastik-Scheiß im Ozean verschlucken (und ganz schlimm Bauchschmerzen bekommen). Dennoch tat dieser kurze Moment der Verwirrung der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch. Einfacher wurde es im Anschluss, als die Welt in Zahlen (eins und null) erklärt wurde. Dem einzigen Verschwörungstheoretiker, der sich im Raum befand, fiel es wie Schuppen von den Augen: „23″ ist tatsächlich nicht die Zahl der Welt und keine Erklärung für nichts! Er wird nie wieder KenFM hören, sondern nur noch Front (und vielleicht mal Casanovas Schwule Seite, denn die singen ja auch über den richtigen Mauerfall und das Mecklenburger Tor!). Viele weitere Hits gaben die Hessen noch zum Besten, bis sie kurz vor Abpfiff auch noch den Computerstaat zitierten – und damit die nahtlose Überleitung zum ACAB-Tag schafften. Denn gerade dieser Computerstaat, bewaffnet mit Digital(stopp)uhren war es, der ein Konzertende um 24:00 Uhr vorgesehen hatte. Es wurde zwar von Seiten der Band wie so häufig ominöse und oft zitierte „Nachbarn“ für das Konzertende angeführt, aber in Wirklichkeit sollten die Feierlichkeiten zum 13.12. nicht gestört werden. Dafür habe ich großes Verständnis und verlinke hier noch auf die Seite zu der Seite von BREAK THE SILENCE! Danke für den tollen Abend!

Fun Total + Portree + Duesenjaeger in Berlin

Fun Total + Portree + Duesenjaeger im Schokoladen in Berlin (06.12.2014)
Die Zeit ist ein Düsenjäger, der mit Überschall durch das Leben rast. Könnte man zumindest meinen, denn ein Jahr haben Duesenjaeger es geschafft, Berlin zu umgehen. Schade, vor allem die Tour mit den Split-7″-Freunden von Countdown of Armageddon (Review) hätte ich mir gern gegeben. Aber so: ein Jahr oder 364 Tage, um genau zu sein, nach einem wunderbaren Abend mit Notgemeinschaft Peter Pan und Grizou im Kastanienkeller, ist die Band wieder im tiefsten Osten. Den Termin zu Nikolaus dann doch vorsichtshalber rot im Kalender markiert und sich frühzeitig auf den Weg gemacht. Es könnte voll werden und der Schokoladen ist nicht der größte Laden, auch wenn einer der sympathischten. Und wie befürchtet, vor dem Laden wartete bereits eine große Traube an Menschen, um Einlass zu begehren. Es hat leider nicht für alle gereicht, verdammt!
Noch während des langsamen Vorrückens der Menschen draußen, fingen Fun Total aus Hamburg drinnen an. Sperriger Punkrock mit Leuten von Kotzen, Soleimn League oder Honigbomber. Gefiel mir ganz gut, auch wenn ich noch nicht wirklich warm war (Video eines älteren Auftritts). Kein Wunder: den Abend zuvor ein 0:0 der Berliner Lila-Weißen gesehen und stundenlang vor dem „goldenen Lachshirschen“ gefroren. Und das letzte Bier könnte auch noch schlecht gewesen sein … zumindest bin ich samstags doch noch einigermaßen verstrahlt und schütte zwei Liter Mate in mich. Immerhin, müde bin ich nicht mehr und der hektische Sound von Fun Total würde passen, wenn man sich denn bewegen könnte. Voll ist es, sehr voll. Kein Wunder!
Portree im schokoladen 2014
Im Anschluss dann dazu passend Portree. Ebenfalls Emo, aber deutlich mehr in Richtung Indierock. Portree (Bandcamp-Seite) gefielen mir einen Tacken besser und tatsächlich, ein wenig Raum hat sich ergeben und ich kann die Band ungestört genießen, auch wenn mein Winkel mich nur Bassist, Sänger und hin und wieder den Schlagzeuger erkennen lassen. Feiner Auftritt! Auch Portree sind so etwas wie eine „All-Star-Band“ … nun ja … Stars hat man ja keine … „Bekannte-Nasen-Band“. Leute von Duesenjaeger, Idle Hands, Blank Pages und anderen Bands.
duesenjaeger im schokoladen 2014
Eine letzte Umbaupause und um neun Uhr betreten dann Duesenjaeger die Bühne. Und wie immer ist es ein Fest. Kontinuierlich gut, auch wenn viel zu kurz, denn die Nachbar/innen des Schokoladens mögen es nicht sonderlich laut. Sollen sie doch nach Schönefeld ziehen, ist man geneigt ihnen zu zurufen, da treten keine Flugzeuge auf den Plan! Denn sonst spielt ja Keiner die Lieder, die wir hören wollen! Zumindest nicht an diesem Abend. Duesenjaeger sind tatsächlich etwas wie die Übriggebliebenen. Deutschsprachiger Punkrock, gute Texte, dennoch hymnisch und Bands wie Wipers nicht abgeneigt: das gibt es leider kaum noch. Es sind eher die Bands wie Matula, Turbostaat und Captain Planet, die vielen jungen Bands als Vorbild dienen. Daher freue ich mich immer, die Band zu sehen. 14 Jahre nach der Gründung gibt es immer noch Pläne und ich freue mich schon auf das 15te Jahr! Auf das sie weiterhin nach Berlin kommen und ein Abend wie ein „Fass ohne Boden“ nicht zu Ende geht … zumindest beim nächsten Mal nicht um Punkt zehn Uhr.
duesenjaeger im schokoladen 2014

Erica Freas + RVIVR + Friend Crush in Berlin

Ercia Freas im Ramones Museum und RVIVR + Friend Crush im Bei Ruth in Berlin (27.10.2014)
Erica Freas im Ramonesmuseum
Der Blick morgens in den Spiegel ist nicht die beste Aussicht des Tages. Doch da ich am Abend auf ein Konzert gehen will, entscheide ich mich doch, mein Äußeres zu verändern. Punkrock hieß einmal aus der Maße herausstechen. Also den Rasierer an den Stromkreis angeschlossen und los! Das Aussehen verändern, auffallen! Einige Minuten später betrachte ich mich nochmal im Spiegel und bin zufrieden. Glatt wie ein Baby-Arsch, keine Stoppeln mehr im Gesicht. Nur noch Duschen, Mütze auf und fertig. Am Abend zeigt sich dann der ganze Erfolg. Abgesehen von Matt Canino bin ich (scheinbar) der einzige männlich Sozialisierte, der keinen Ein-Bis-Sieben-Tage-, Schnauz- oder gar Vollbart trägt. Yes! Punk! Oder im Umkehrschluss: Warum sind eigentlich bei zwei Bands, die sich mit Gender-Fragen beschäftigen und eindeutige Queer-Bezüge besitzen, im Publikum die meisten anhand ihres Gesichtsflaums bi-polar-optisch irgendwie zuzuordnen? Aber nun ja, auch das haben wir mal gelernt: Leute nicht nach ihrem Aussehen beurteilen! Wobei, Schnauzbärte finde ich immer noch Scheiße!
Und ja, das ist eine ironisierte Darstellung des Abends … Normcore nicht die Lösung!
Aber okay, erzählen wir den Abend lieber anders, chronologisch. Eigentlich war geplant, den Montag die Füße hochzulegen und sich mit wichtigeren Dingen zu beschäftigen. Zum Beispiel eine neue Ausgabe des „auf jahre unschlagbar“-Fanzines vorzubereiten. Doch wie es immer so ist, die Arbeit holt einen ein. Hier noch eine Deadline, dort noch eine dringend ausstehende Antwort und am Ende dann doch zu spät für die Verabredung auf den Weg in Richtung Ramones-Museum aufgemacht. „Die Zeit, die mir fehlt, ist das Geld, das ich hab“ (Pascow). Eintritt bezahlt, Essen gegangen und Bier gekauft. Das Ramones Museum, ein spannender Ort, wenn man Fan von der Band ist, hat ein paar hölzerne Stufen und die werden von Erica Freas erklommen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, war das ihr erstes Akustik-Konzert in Deutschland. Ca. 50 Leute waren auf der Show und genossen Songs von ihrem Album Belly und von RVIVR-Alben. Was sofort auffiel, die symapthische und lockere Art auf der Bühne. Und das dann doch aus anderen Akustik-Shows oder Interviews vertraut wirkende: Verdammt, wo ist meine Band?! Auf einmal dann doch alleine vor allen zu stehen, nicht zu dritt, zu viert, zu fünft. Frankie Stubbs von Leatherface hat das mal in einem Interview auf den Punkt gebracht: Verspielen fällt gleich doppelt auf. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen ihr und ihm sind die sympathischen Stimmen. Bei Erica Freas und Frankie Stubbs klingen die Stimmen – wenn auch unterschiedlich – kraftvoll und voller Energie. Als Songwriterin nutzt sie diese kraftvolle Stimme, auch hier eine Parallele, für schöne Melodien. Rainspell oder Paper Thin, den sie als Zugabe spielt, sind dafür nur zwei Beispiele. Einige der Songs von ihr bzw. der Band werden durch diese Stimme und den Melodien erst zu richtigen Hits. Knapp eine Dreiviertelstunde verzaubert sie den Raum und macht Lust auf mehr, dann mit Band und in höherer Lautstärke.
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Andrecu Sebelius (aka der fette mann), C. Donowski (aka don chrischan) und Flibber Tigibbet (aka flibber tigibbet) in Berlin

Andrecu Sebelius (aka der fette mann), C. Donowski (aka don chrischan) und Flibber Tigibbet (aka flibber tigibbet) in der Friedel 54 in Berlin (14.10.2014)

Was soll man heute noch über eine Lesung groß schreiben? Ich meine, es kommt auf die Texte an und die liest man am besten selbst oder lässt sie sich – bei Lesungen oder als Hörbuch – vortragen. Aber über eine Lesung schreiben? Warum?! Was soll das? Kann ein Bericht über ein Punkkonzert teilweise noch erhellend sein, weiß ich nicht, ob das bei Lesungen Sinn macht. Seitdem jedes Dorf einen eigenen Poetry Slam hat, seitdem Punkrocker die Lesebühnen erobern, seitdem die Bücherproduktion von oder über Punks ganze Bücherregale füllt, scheinen Lesungen inflationär aus dem Boden zu sprießen. Daran beteiligt zum Teil auch meine Wenigkeit. Ob das sinnvoll und gut ist, sollen andere beurteilen. Aber darum geht es ja auch hier nicht.
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Schwach!!! + Hysterese in Berlin

Schwach!!! + Hysterese im SO36 in Berlin (17.10.2014)
Als damals das Demo-Tape von Hysterese zum Besprechen fürs Trust eintraf, hat es mich sehr schnell begeistert. Schnelle, melodische Musik, als würden Red Dons auf eine Hardcore-Band treffen. Vor allem der zum Teil wechselnde, zum Teil auch übereinander liegende Gesang begeistert mich sofort. [hier noch mal das alte Review]

    HYSTERESE – ‘s/t’ TAPE
    Wow, gleich der erste Song haut mich einfach aus den Socken! „Headlocked when I come around, that’s such an awkward pressure, forced to some trojan properties“, ein Refrain mit male/female Gesang, der mich sofort begeistert. Leider erfährt man nicht viel über die Band, ihr erstes Konzert gaben sie im Epplehaus in Tübingen, schätze also, sie kommen aus der Gegend. Haben ex-Mitglieder von Lights Out, Riot Brigade und Derby Dolls. Musikalisch hätte ich eher auf Schweden als auf Baden / Schwaben getippt. Vier-Song-Tape, das einfach schönen, schnellen, aggressiven Punkrock beinhaltet und dennoch hochmelodisch bleibt. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr! Das auf 99 Tapes limitierte Kleinod dürfte schnell weg sein, bitte ranhalten. Yakuzzi Tapes

Hysterese, SO36 Okt 2014
[Bandcamp-Seite der Band]. Auf der ersten LP („s/t“) veröffentlichten sie die Demo-Songs noch mal. Auch wenn die Aufmachung und der Schriftzug sehr „Crustcore“ oder Metal-mäßig wirkt, bleiben sie ihrem Sound treu. Trotz den guten Songs, zögerte ich allerdings, mir auch das zweite Album zu bestellen. Zugleich würden die Songs seien, befürchtete ich. Doch geirrt. Wir waren in Poznan, als ein Freund ihr zweites Album (ebenfalls „s/t“, nur von 2014) auflegte. Schon der erste Song auf der Platte – „Angst“ – ließ mich beinahe den Kaffee fallen lassen und wie wild durch den Raum tanzen. Auch die folgenden Songs bieten viele gute Songs und noch einige Hits.
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Čorna KruŠwa in Berlin

Čorna KruŠwa in der Roten Insel in Berlin (04.10.2014)
Konzertberichte haben ja manchmal zwei Ebenen. Die erste Ebene ist die Leistung der Band. Die ist in diesem Fall tadelos. Eine sympathische, junge Band, die in der Vergangenheit auf Englisch und Sorbisch (!!!) gesungen hat, zum Glück (im Bezug zum Englischen) oder leider, leider (im Bezug zum Sorbischen) mittlerweile in Deutsch singt. Guter Postpunk meets Emocore. Wenn man sie über den Klee loben möchte, sollte man nun Wipers oder Rites of Spring oder Gray Matter als Vergleiche fallen lassen. Wenn man es nicht ganz so sehr über den Klee hinweg hinaus posaunen möchte, wie gut die Band ist, der/die kann sich auch gerne die erste Single von Dulac zum Vergleich anhören. Oder einfach auf die Bandcamp-Seite von Corna Kruswa gehen (hier). Ein 50 Minuten-Set, was einfach Spaß gemacht hat und mich mit Spannung auf das baldige Album warten lässt. Wenn der Gesang nicht so mies abgemischt worden wäre, wie von dem häufig nicht am Mischpult sitzenden „Soundmann“, hätte es sogar noch ein wenig besser sein können.
Was auf jeden Fall witzig war, war dass mit dem Intro Spannung aufgebaut wurde und dann einfach der Gitarrengurt gerissen ist. Herrlich, wie ein kleiner Scheiß etwas einreißen kann und es dennoch nett ist … dieses Unperfekte!
Čorna kruŠwa in Berlin Oktober 2014
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Butch Meier in Hamburg – das Abschiedskonzert

Butch Meier in der Bürs­te in Ham­burg (14.​09.​2014)
Wir erinnern uns, vor vier Tagen habe ich ellenlang ausgeholt, um ein Konzert anzukündigen, mit dem ich so eigentlich schon nicht mehr gerechnet hatte. Acht (!) Jahre war es schließlich schon her, dass ich die legendäre Butch Meier Band das letzte Mal live gesehen habe [das ganze kann hier nachgelesen werden]. Die Vorfreude wuchs und wuchs und wuchs, Digger Barnes hören, Jonnie Schulz noch einmal lesen, von Ted Mephis träumen und die Butch Meier Single auswendig lernen. „I‘m a skymarschall“, ich flieg von Ort zu Ort. Die Spannung entlud sich am Morgen des Geschehens in eines laues „Puff!“ Ich hatte zuwenig Schlaf, dafür noch Restalkohol. Um 7:30 wackelte der Wecker, früher als in der Woche. Auf einem heiligen Sonntag … einem Tag, der gemacht worden ist, um die Beine hochzulegen, Bier trinkend um 0,5 Hektar Rasen zu stehen und auf Torstangen zu schielen oder halt einfach nur laut Musik zu hören. Doch es nutzte alles nichts, die müden Knochen hochgewuchtet, das Dosenbier verstaut und ab in Richtung Ostbahnhof. Die „Reisegruppe Bürste“ hatte sich schon versammelt. Unglaublich, aber wahr, ich war eine Viertelstunde vor der Zeit und doch der Letzte! Bockwürste, Schultheiss, Senf, eine ausgewogene Reise braucht ausgewogene Nahrung. Ich verknustete mir derweil ein leckeres Baguette von meinem Nachbarladen und trank Lech und Mate abwechselnd.
Butch Meier 2014
Wie sangen es einst die Terrorgruppe: „Ein Hoch auf die Bahn, denn sie lässt uns fahren“. Wochenendticket … ein Hohn, da man diese Fahrkarte heute ja nur noch an einem Tag des Wochenendes nutzen kann … Wochenendtageskarte träfe es viel mehr. Und Scheißteuer ist sie auch noch, um hier mal den rüstigen Pöbelrentner komplett zu miemen.
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Butch Meier in Hamburg – die Vorgeschichte

Butch Meier in der Bürste in Hamburg (14.09.2014)
Butch Meier im Kato (29.09.2006), Lesung von Jonnie Schulz in Berlin (13.03.2014 + 31.05.2014), Digger Barnes & Pencil Quincy as The Diamond Road Show (14.06.2014) in Berlin

Um das Phänomen „Butch Meier“ zu erklären, muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen. Es war 2006 und ich war das erste Mal für kurze Zeit sesshaft in Berlin. Jung, unerfahren und pleite, aber dennoch auf der Suche nach Spaß, nach Neuem, nach guter Unterhaltung und günstigen Bieren. Generation Praktikum bei einer Wochenzeitung halt. DonChrischan wies mich damals daraufhin, dass bei ihm um die Ecke – im Kato, wie der Laden unter der U-Bahn Schlesisches Tor damals hieß – eine Countryband spielen würde. Es war die Zeit, in der wir Johnny Cash längst ins Herz geschlossen hatten, Tim Barry und Rumbleseat abfeierten und Chuck Ragan seine ersten Solo-Singles veröffentlichte. (US-amerikanischer) Punk hatte seine Country-Wurzeln entdeckt, Against Me! und die (ehemaligen) Mitglieder von Avail und Hot Water Music machten es möglich. Schon damals bahnte sich der Hype ein, der spätestens drei Jahre später wie eine Seuche über alle mittelmäßigen Melodiccore Bands einfiel. „Soloalben“ wurden „in“. Während dieses Genre heute absolut überbewertet ist und viel Mist veröffentlicht wurde, hatte es damals noch einen gewissen Esprit! Selbst Truck Stop waren damals auf dem Höhepunkt ihres Zenits und veröffentlichten – vor der anknüpfenden Ralph Siegel-Ära – selbstironisch Klassiker. „Immer Geradeaus“ aus dem Jahr 2006 hat wahrscheinlich die größte Hitdichte eines Studioalbums seit einem Vierteljahrhundert.

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Dulac + Deadverse in Berlin

Dulac + Deadverse im Bei Ruth in Berlin (08.09.2014)
Es ist schon ein wenig her, dass ich an dieser Stelle über die Band Dulac geschrieben habe. Ihr erstes Demo, welches später auch noch als Single auf Access X Denied veröffentlicht wurde, gefiel und gefällt mir sehr gut. Leicht sperriger und doch treibender Emopunk aus Wiesbaden. Mittlerweile haben die drei Jungs ein Album veröffentlicht (Taken By Surprise) und ich war gespannt, auf ihren Auftritt in Berlin. Doch wie es schon so oft ist, 21:00 Doors Open, bis es losging wurde es schon fast 22:30. Müdigkeit setzt ein, doch selbst der Zuckerschock durch die Spezi hält mich kaum wach. Das Bei Ruth ist für einen Montagabend okay gefüllt, aus den Boxen läuft irgendein HipHop-Mist. Wu-Tang Clan oder so? Wenn ich jetzt nicht quer durch die Bezirke gefahren wäre, wenn ich nicht schon Eintritt bezahlt hätte, wenn jetzt nicht ein verschissener Montag wäre, wahrscheinlich hätte mich der späte Beginn und die Musik von Konserve zermürbt. So warten wir …
„The first of the last chords“, das Album von Dulac, hatte mich zuletzt kaum gekickt. Es scheint ein wenig, als wäre die Energie aus der Band gewichen. Man könnte auch vermuten, dass sie nun technisch versierter sind oder einfach andere Musik machen wollen. Denn auch live springt bei mir an diesem Abend nicht mehr der Funke über. Meine Begleitung schaut mich achselzuckend an, was denn so gut an dieser Band sei. Irgendwie fehlen mir die Argumente. Das Konzert plätschert ein wenig dahin, es gibt wenige Höhepunkte. Jetzt, wo ich gerade noch mal die Single höre, Songs wie „teenaged“, die mir gut gefallen, frage ich mich, ob die Band schon in aus der adoleszenten Wut heraus ist?

Im Anschluss spielen Deadverse aus Schaffhausen. Die vier Jungs, wesentlich älter als Dulac, spielen wesentlich energischeren Emocore, der vertrackter ist, uncatchy und dennoch deutlich angenehmer an diesem Abend. Sie machen mich noch einmal wachen und wissen zu gefallen. Artikulierte Wut, schön!

Underparts, Caves, Down & Outs, Dauntless Elite, Deny Everything und Iron Chic in Berlin

15 Jahre YoYo Records – Underparts, Caves, Down & Outs, Dauntless Elite, Deny Everything und Iron Chic im Bei Ruth in Berlin (26.04.2014)
Ein wunderbares Konzert mit wunderbaren Menschen und Bands. Underparts als guter Opener, Caves wunderbar wie immer, Down & Outs als unbekannte Überraschung, Dauntless Elite zum Verschnaufen nach draußen, Deny Everything mit Konfetti und am Ende einfach nur die superguten Iron Chic! Wunderbarer Konzertabend und daher nur ein paar Photos.

Deny Everything, YoYo Records
Deny Everything Re-Union – Konfetti-Alarm

Iron Chic auf 15 Jahre YoYo Records
Iron Chic, vierte Reihe, nassgeschwitzt.

Iron Chic auf 15 Jahre YoYo Records
Iron Chic, laut mitsingen!

Supernichts + Canyoucancan in Berlin

Supernichts + Canyoucancan im Auster Club in Berlin (22.03.2014)
Wieder so ein unmotivierter Konzertbericht? Wer soll den denn noch lesen? Das ist doch immer der selbe Scheiß, aufs Konzert kommen, warten, Bier trinken, mit Leuten quatschen, Band, klatsch klatsch klatsch und Applaus! Supernichts – bekenndende CDU-Punks – spielen ein paar Songs gegen die FDP und Leute, die man nicht immer mag, wie Lehramtstudierende, Ramones und so. Irgendwie bringen sie es in ein paar Songs auf den Punkt, in anderen aber irgendwie auch nicht. „Last Exit Ascheberg“ hätte zum Beispiel auch „Last Exit Teltow“ heißen können: „Tätowierte Rock’n’Roller trinken abends gerne Cola. Denken ständig an L.A. beim Joggen um den A-a-See.“ Ändert den Seenamen und man denkt ans Wild At Heart. Irgendwie bin ich dann auch zu alt oder zu nüchtern für diesen Abend. Der Funke springt nicht über und richtig fremd schämen ist angesagt, wenn man Fußballansagen macht gegen den lokalen Verein (Hertha BSC), den wahrscheinlich an diesem Abend die Hälfte nicht kannte und die andere Hälfte einfach ignoriert. Das ist so dumm als würde man auf St. Pauli versuchen, die Zuschauer/innen mit dem lokalen Bundesligisten HSV zu beleidigen, hehe.
Die andere Band spielte poppigen Ska …

Wasted in Kassel

Wasted + Lesung im H**s in Kassel (28.02.2014)
Zwei Tage mit den beiden phantastischen Vorlesern Alex Gräbeldinger (samt liebenswürdiger Begleitung) und Falk Fatal führten mich nach Leipzig (vielen Dank an dieser Stelle) endeten schon einen Tag später mit einem wunderbaren Abend in Kassel. Kassel, genau, die Stadt mit einem Charme zwischen Hannover und Gelsenkirchen, die aus irgendeinem zeitgenössischen Witz die Documenta ausrichtet, einem „Kunst-Happening“.
Alex Gräbeldinger
Damit die Stadt aber nicht im Größenwahn zu unereichbaren Phantasien ausbricht (z.B. Landeshauptstadt in Hessen werden, Bundesligist im Damen-Schach bekommen oder Skispring-Weltmeisterschaft austragen), luden sie uns drei Gossen-Fanziner ein, um unsere Prosa (das ist doch das, was sich nicht reimt, oder?) vorzutragen. Kein-Kultur vs. Hochkultur. Das Publikum sah auch wenig „kunstinteressiert“ aus, was uns sicherlich zu Gute kam. Um dennoch wenigstens von den Texten etwas abzulenken gab es zum einen eine Pyro-Show der Extraklasse (s. Photo 1), die beinahe durch die Nationale Volksarmee, aus dessen Beständen wir die Höllenfeuer gekauft hatten, verhindert wurde, da die Lichtblitze kaum zu entzünden waren (und ja, wir versuchten es mit Feuer!), sowie den unbändigen, ja hemmungslosen Einsatz einer Konfettikanone (s. Photo 2), die den Begriff „Kanone“ wirklich gerecht wurde. Die Erschütterungen konnten noch auf der Krim gespürt werden. Da ich selbst ohne diese Technik auskommen musste, gibt es leider von meiner Nacktlesung (eher erbärmlich anzusehen im Vergleich zu den anderen Show-Effekten) keine Photos [P.S.: Liebe Moralist/innen und Menschen mit überbordender Phantasie, die sich nun meinen Körper nackt vorstellen müssen … nein, es war ein Witz, ich habe nicht nackt gelesen. Natürlich hatte ich meine Dödelhaie-Socken noch an!].
Im Anschluss wurde dann ausgelassen getanzt zu Wasted aus Finnland, die einen durchaus gelungenen Ausflug abrundeten (s. Photo 3). Punkrock, der einige Hits bietet, v.a. dann wenn mehrstimmig gesungen wird. Freue mich schon, die Jungs in wenigen Tagen in Berlin sind.
Falk Fatal
Wasted in Kassel