DonChrischan und DJ Tulpe & der fette Mann im Rasthaus Fink in Dortmund (08.05.2012)
Am Tag der Befreiung sollte mal wieder etwas Kulturprogramm anliegen. In der Dortmunder Nordstadt, sicherlich keine Bastion der Hochkultur, lasen der phantastische DonChrischan und die superbe Live-Hörspieltruppe um DJ Tulpe & der fette Mann sowie Tobi Homeworkerphobie an den Soundreglern. Mit dabei die geschätzte Kollegin sowie der Mann mit dem Punkt im Namen (Homepage von dem).
Schön in der S-Bahn ein kleines Hopfengetränk, am Bahnhof dann wartend die nächste Kaltschale und schon durch die Nordstadt getrödelt. „Ey, wie alt seid ihr?“ von einem freundlichen, aber doch leicht angesäuselten Herren der Marke „Ich-trinke-hier-schon-da-gabs-euch-noch-nicht“ gefragt und „45!“ geantwortet. Auch wenn das sicherlich nicht der Wahrheit entspricht, die Antwort „Ey, Du bis maximal 43!“ fand ich dann bei meinem jugendlichen Aussehen, wo ich noch häufiger unter 30 durchgehe, durchaus eine Anmaßung. Der Herr mit dem Punkt im Namen wunderte sich, da er ansonsten nie angesprochen wird, und auch ich verhielt mich von nun an schweigend. Ebenso in dem Moment, wo Kinder auf diesen Verkehrspollern spielten, die in den Boden eingelassen werden können. „Und gleich raketenartig hoch und dann ist das Kind weg“, war dennoch ein schöner Kommentar und eine noch schönere Vorstellung.
Auf dem Weg zum Rasthaus Fink dann mehr Polizei wahrgenommen, als am 1. Mai in Berlin. Meine Fresse, was ist denn die Nordstadt für ein Terrain? Sah nicht nach gleich beginnender Weltrevolution aus, oder wir trödelten an ihr vorbei. „Ordnungsamtnazis must die“, ein schöner Song von Alarmstufe Gerd (Myspace-Seite).
Angekommen, freundlich „Hallo!“ in die müden Gesichter der vier Herren gegrinst. Zwei Abende unterwegs, zweimal wenig geschlafen, zweimal viel getrunken, so sah’s zumindest aus. Ein paar Bierchen später ging’s dann gleich los mit DonChrischan (Homepage), den ich an dieser Stelle wohl kaum noch vorstellen muss. Mit seinen Geschichten „Hagen ist nicht Washington“ und über Supermans Demaskierung traf er den Nerv eines Teils des Publikums, keine großen Lacher, aber im Dortmund Norden gibt’s auch nicht viel zu lachen. Dennoch, gute Geschichten.
DJ Tulpe & der fette Mann (Homepage) hatten dann sicherlich einen größeren Bonus und lasen mit Dateline, der neue Nachbar und die Sprache der Blumen drei Geschichten von ihren ersten drei Hörbüchern. Zwischen gruselig und grotesk mag ich die drei Jungs sehr, vor allem weil sie stimmlich auch relativ unterschiedlich sind und so die unterschiedlichen Rollen tatsächlich gut ausfüllen. Alles in allem ein kurzweiliger Abend, der dann noch mit Ladenlokalitätenverlagerung beendet wurde. Dass ich in der S-Bahn auf dem Rückweg erschöpft einschlief und nach ner ganzen Zeit aufwachte, war mein persönliches Highlight des Abends. Nach dem in den letzten Wochen so viel Scheiße passiert ist, war es fast schon merkwürdig in der Bahn aufzuwachen und zu denken: „Das sieht aus wie der Essener Hauptbahnhof!“ Und dann war es es auch noch. „Zum Glück nicht in Duisburg aufgewacht“, stellte ich fest und schwankte nach Hause. Wenigstens einmal in der Woche ein Erfolgserlebnis, auch wenn ich lieber in Duisburg aufgewacht wäre, wenn dafür andere Dinge nach meinem Wunsch laufen würden.
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Brat Farrar + Support im Cortina Bob in Berlin (22.04.2012)
Irgendwie hat irgendjemand das mit der Matinee nicht ganz verstanden. Vielleicht auch ich nicht, doch 19:00 Uhr Konzertbeginn ist definitiv keine Matinee, oder? Aber schön, dass bei gutem Wetter die Zeit bis zum Konzertbeginn mit Biertrinken in der Pommes Bude nebenan genossen werden konnte. Mit DonChrischan (Homepage), Anne-Tanke-Dirk und Sarah und Klaus von OnOnOn (großartiger Minimal-Punk oder „Punsh Pop“, s. Video unten) sowie bei Hopfen und Malz (und einmal auch nur Malz) kann man Zeit kaum angenehmer verbringen. Okay, wir hätten „Plattfuß in Afrika“ zu Ende schauen können, definitiv!
Nach fünf Tagen in Berlin, die mit Arbeit und nächtlichen Trash-Filmen verbracht wurden, war ich platt, als die Vorband anfing. Am Ende meiner Kräfte sozusagen. Trotz Entdeckung von Kaffee und die Möglichkeiten von Club Mate ausschöpfend sind 5 bis 6 Stunden Schlaf pro Nacht einfach zu wenig. Daher konnte mich der Supportact kaum aus dem Tran reißen. Die Sängerin und ihre Bandkolleg/innen waren zwar ganz okayer, minimalistischer Rocknroll, und sie selbst hatten mächtig Spaß, doch irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Irgendwie so eine Berlin-Band, wie es sie zu hunderten gibt und es immer noch mehr werden. Nichts Neues, nichts Mitreißendes. Auf dem Hocker am Tresen lehnend fielen mir fast die Glubscher zu. Hätte mir jemand eine Matratze angeboten, so butz hätte ich zugeschlagen (Danke an Jörg Sundermeier und sein Werk über Ostwestfalen – sowie dem Geschenkgeber!!! – , welches mich an diese Worte erinnert … so butz! – Link zur Buchbestellung).
Danach wieder raus aus dem dunklen Cortina Bob und in der Pommes Bude ein weiteres Berliner. Nett vorm Laden sitzend, so darf ein Sonntag sein. Irgendwie, trotz den relativ hohen 8 Euro Eintritt, hätte ich an dieser Stelle meinen geschundenen Körper lieber in den Görli geschleppt und ein Nickerchen zwischen grillenden Familien und den lokalen Drogenszenen gemacht. Doch dann, ein oder zwei Songs zu spät, kommen wir rein und Brat Farrar (Bandcamp-Seite) ist schon in seinem Element. Der Australier war dereinst der Kopf von Digger & the Pussycats. Ich erinnere mich, dass mir Flight13 mal anstelle von Digger Barnes selbige Platte geschickt hatte. Einmal reingehört, direkt zurückgehen lassen. Einfach nicht mein Ding, laaaangweilig mit drei A, ohne Kreise. Daher umso überraschender, dass der junge Mann auf der Bühne mich nach wenigen Sekunden mitreisst, so butz, sozusagen! Meine Augen öffnen sich, trotz der Dunkelheit des Ladens, und ich sehe Licht! Licht in Form von guter Laune, Energie auf der Bühne und „alter, die Wipers-Gitarre“. Auch das Publikum wird sofort mitgerissen, alle stehen vorne, Knie werden gebeugt und gestreckt, Füße wippen mit. Kurze, schnelle Songs, „Rock‘n'Roll aus dem australischen Busch“, „Punk von Down Under“, man kann jetzt einige beschissene Klischees bemühen, aber Brat Farrar hat’s drauf! Nichts erwartet, alles bekommen. Klaus raunt mir noch ins Ohr, er hätte es doch gesagt und ich muss ihm Recht geben, was mir nicht unbedingt obliegt. Aber wenn er Recht hat, dann hat er halt Recht!
Am Ende kauft die gesamte Reisegruppe die „It’s on me“ 7inch, die natürlich nicht den Live-Erwartungen gerecht werden kann, aber dennoch ein schönes Stück gepresste Musik ist.
Dass wir dann in der schon erwöähnten Pommes Bude (!!) auch noch 3 Besoffskis (Puff von Barcelona; DonChrischan), Udo Jürgens (Der Teufel hat den Schnaps gemacht; Mika R.) und Jürgen Hart (Sing mein Sachse Sing; Mika R.) Singles erstehen, dazu noch mit dem Pommes Buden Betreiber über Gastronomie im Wedding, Musik, Görlitzer Park und Hausmeistertätigkeiten auf Mallorca diskutieren, sein wir ehrlich, wie kann ein Abend besser enden? Außer vielleicht, dass ich im Verlaufe der Nacht bei den „Supernasen“ mit Mike Krüger und dem elendigen Thommy irgendwann erschöpft zusammenbreche und kurz aber gut schlafe! Danke, war ein großartiger Abend!
OnOnOn – It’s Me!
Brat Farrar – It’s on Me!
Lee Hollis im Linken Zentrum, Hinterhof in Düsseldorf (06.04.2012)
Auch wenn es ein wenig suspekt oder gar grotesk klingt, aber ich bin selbst kein großer Fan von Lesungen. Bücher wirken immer noch am besten, wenn man im Bett kuschelnd sich in die Zeilen vertieft, oder in der Bahn hockend in eine Phantasie-Welt abdriftet. Dass Lesungen an sich eher uncool sind, hängt aber sicherlich auch mit der Tatsache zusammen, dass Personen die Bücher schreiben nicht unbedingt die geborenen Entertainer sind. Natürlich gibt es Ausnahmen und es gibt viele sehr gute Autor/innen, die ohne großes Entertainment herausragende Lesungen fabrizieren, weil sie einfach angenehme Personen sind.
Lee Hollis ist auf der Bühne beides und das ist faszinierend. Auf der einen Seite ist er ein guter Entertainer. Wenn er über „charismatische, evangikale Sekten“ schreibt, die er im zarten Alter von 13 kennengelernt hat, dann kann ich mir den jungen Lee auf einmal nicht mehr nur als Sänger von Spermbirds oder Steakknife auf der Bühne der AJZs vorstellen, sondern er erscheint auch als drahtiger Mann vor einem Altar, den Herren preisend. Nun ja, ich habe eine große Vorstellungskraft und seien wir ehrlich, als Sänger der Steakknife und Spermbirds (und der alten Walter Elf) ist er natürlich genau an der richtigen Stelle. Und ob ich ihn wirklich als charismatischen Christ jemals zu Gesicht bekommen hätte, darf ebenfalls stark angezweifelt werden (oder sagen wir es direkt: (charismatische) Christen fisten! – Danke Nein Nein Nein).

Doch er ist nicht nur Entertainer auf der (Lese-) Bühne, sondern auch ein guter Autor, der mit Selbstironie über seine „Heimat“ in Deutschland und den damit verbundenen Problemen („Deutsche Sprache, schwere Sprache“, „Scheiß Sprache!“) berichtet und gleichzeitig Geschichten erzählt, die so hätten passieren können und vielleicht auch sind. Fiktion und Wahrheit, meiner Meinung nach eh egal, denn wenn mich eine Geschichte in seinen Bann zieht, spielt es doch keine Rolle, ob sie sich wirklich so zugetragen hat. Eine Geschichte wird ja nicht schlechter dadurch, dass sie nicht real ist. Und in dem Moment wird Lee Hollis zu einer angenehmen Person, einer Person, der man gerne zuhört, wie sie Mordlüste auf beste Freunde beim Segeln entwickelt oder wie er über seine Großmutter berichtet, die mit über 90 Jahren von der Wiedergeburt von Jesus Christus träumt, und zwar durch sie.
Das Publikum hängt an seinen Lippen und als Handys schellen, an dem Tresen zu laut gequatscht wird, reagiert er mit einer für ihn vielleicht typischen Schroffheit, ohne aber verletztend zu werden. Als in einer Geschichte über einen Segelausflug zwei Personen den Raum verlassen, wirft er entschuldigt ein, dass er wisse, die Geschichte sei zu lang. Er habe es doch vorher gesagt. Dabei gleichen seine „Lesungen“ weniger „Lesungen, auf denen vorgelesen wird“, sondern Lee Hollis erzählt, aus seinem Leben, aus seiner Phantasie. Und das er die Anti-Nowhere League* hasst, kann man mehr als verstehen. So what?!

* im Strafraumpogo #6 gab es mal ein Review von mir zu denen. Gut, dass mir die Musik auch mit 16 nicht gefallen hat, nach der Lesung wäre es mir gar peinlich gewesen
Bad Omen + Betrayed + Goo + Flippin Soul +Count Kutu + End of Man + Neighbors + Rizal Uno in Skarlet/Ten02 Bar in Quezon City (15.03.2012)
Eine Woche nach der CD-Release Party von Bad Omen, wo das Skarlet (ehemals: Ten02-Bar) brechend gefüllt gewesen sein soll und Punks und Skins den Laden zum Teil in Schutt und Asche gelegt haben, gab es diesmal eine ruhigere Show unter der Woche. Leider nur ein paar Leute verirrten sich an diesem Donnerstag in den Laden und sahen gute Songs von großartigen Bands. Sowohl die 80er Jahre Helden von Betrayed, die u.a. mit einer Coverversion von „New Rose“ von The Damned glänzten, die Jungs von Bad Omen, die neben vielen eigenen Songs auch The Clash und Cock Sparrer coverten, sowie die großartigen Flippin Soul, die einfach phantastische Soul-Musik zum besten gaben und die Tanzbeine der Anwesenden in Schwung brachten, hätten ein größeres Publikum verdient gehabt. Auch Goo sind eine tolle Emo-College-Rock Band, die im Vergleich zum Abend zuvor (s. hier) druckvoller spielten. Betrayed im Anschluss waren eine der ersten Bands, die Punk mit Hardcore-Einflüssen spielten, Mitte der 1980er Jahre. Heute spielen sie eher schnelleren, vom England-Punk der späten 1970er beeinflussten Punkrock.

Tja und zu Bad Omen muss ich hier wohl nicht mehr viel Schreiben, weil alles wichtige schon gesagt ist (hier ). Vor allem die neue CD „Unite and Fight“ weiß mit 16 Songs zu gefallen – u.a. schön die Cock Sparrer Coverversion „Manila Belongs to Me“, in der Freund/innen aus der Pinoy-Punk-Szene gefragt wurden, den Song einzusingen. Und „Bloody Bastards“ ist ein richtiger Hit, simpler, guter Streetpunk.
Dass die Flippin‘ Souls den Abend für uns beendeten, war dann ein schöner Kontrast. Soulmusik auf die Beine und weniger auf den Kopf ausgerichtet und dennoch mit einem „Alex-Clockwork-Orange“ am Gesang, der einfach wahnsinnig charismatisch wirkte und mit seinem charmanten Lächeln Menschen in seinen Bann ziehen konnte.

So war es ein schöner Abend mit Freund/innen und Leuten, die ich gerne habe und dazu kaltes Bier und laute Musik! „We‘re coming back!“
Walk Me Home + Identikit + Goo + Shoulderstate + Shocking Details + Death To Puberty in Route196 in Quezon City (14.03.2012)
Das erste Mal, dass ich Agee getroffen habe, war in Quezon City. Ich besuchte gerade das NGO-Netzwerk Freedom From Debt Coalition und wartete auf den Geschäftsführer, als ich Agee auf mich zu kam. Er zeigte auf mein Rumbleseat-Tshirt und sagte nur „A great band“. Da konnte ich nur zustimmen. Sehr schnell begannen wir uns uns über Musik, Hot Water Music, No Idea Records und andere Dinge zu unterhalten. Sein Fanzine – „Thought Market“ – gehört zu den besten Zines, die ich je gelesen habe. Genau die Balance zwischen persönlichen Anmerkungen, interessanten Texten und interessierten Fragen. Darüber hinaus ist Agee auch noch der Schwager eines anderen Freundes, so klein ist die Welt.
Gegen Ende des Jahres begann Agee dann alle seine CDs zu verkaufen. Fifth Hour Hero, Get-Up Kids, viele Highlights der spät-90er Emo-Punk-Hardcore-Phase mit einem Mal aus der Sammlung gerissen. Der Grund, bei seiner Frau wurde Krebs festgestellt und in einem Land wie den Philippinen fängt das soziale Sicherheitsnetz nicht alle auf, eher nur die wenigsten. Medizinische Versorgung ist teuer und aus dem Grund veranstaltete Agee zudem ein Festival, um weitere Einnahmen für die Heilung seiner Frau einzunehmen.
Als wir ankamen spielten schon die ersten Bands. Die meisten Bands kann man mit dem Begriff Indierock gut umschreiben, wie zum Bespiel Identikit (Youtube-Video) oder Death to Puberty (ebenfalls youtube-Video). Das ist ganz okay, um es in einer Kneipe nebenbei zu hören. Großartig auffallend waren aber vor allem zwei Bands. Zum einen Goo, die flotten Indiepunk spielen, Studierenden-Musik, jawohl, aber gute. Vielleicht gleichzeitig die schwerste Band Manilas, aber dennoch eine Leichtigkeit in der Musik. An diesem Abend begeisterten sie mich weniger als am nächsten Tag (s. Konzertbericht in Zukunft, hehe), aber auch hier war das Talent schon offenkundig.

Großartig war und ist allerdings die All Girl Band The Shocking Details (Homepage). Leider konnte ich kein Youtube-Video finden und deren Website gibt noch nicht viel an Musik her, aber ihr minimalistischer Rocknroll wusste direkt zu begeistern. Rocknroll trifft auf Indie trifft auf Punk mit einer schönen „Fuck You Attitude“. Dazu eine sehr gute Schlagzeugerin und mich riss es direkt von den Sitzen. Einfach nur gut. Unbedingt anchecken und hoffen, dass die Damen demnächst was veröffentlichen. (mehr…)
Tri-People Youth + Kalikasan Environment Band im Tulunan Comunity Development Center in Tulunan (North Cotabato, Philippines) (10.03.2012)
Es ist merkwürdig in einer hochmilitarisierten Zone einem Konzert beizuwohnen. Schon auf dem Weg nach Tulunan in North Cotabato auf der Insel Mindanao in den Philippinen begegnen uns Militärfahrzeuge. Wenige Tage zuvor wurde in Kidapawan, der Hauptstadt von North Cotabato ein lokaler Warlord auf offener Straße erschossen. Die maoistische Rebellenarmee New People’s Army (NPA) bekennt sich zu der Tat (Artikel hier). Als wir in Tulunan ankommen, treffen wir lokale Aktivist/innen, die sich für den Friedensprozess einsetzen, denn auch die muslimische Moro Islamic Liberation Front (MILF) ist hier häufiger in Gefechten mit der Armee (Armed Forces of the Philippines; AFP) verwickelt. Gründe für diese Gefechte sind häufiger weniger ideologischer oder religiöser Art, als schlichtweg materieller Art. Vor allem die muslimische Minderheit wird seit Jahrzehnten von zumeist christlichen Siedler/innen und Paramilitärs schickaniert, verarscht und bedroht. Es geht um Landrechte, Bergbau, ums Überleben. Die MILF, genauso wie die ältere Moro National Liberation Front (MNLF) wurden eher durch Libyen und Gaddafi geprägt als durch Al Qaida oder den Iran.

Als wir abends die Bürgermeisterin on Tulunan treffen und mit ihr über die Resolution der Stadt gegen Bergbau sprechen, sind wir begeistert. Die Frauen an der Macht – der Bürgermeisterin stehen zwei Stadträtinnen zur Seite – haben eine klare Vision, die sich deutlich gegen die Ausplünderung der Ressourcen mit allen damit verbundenen Risiken ausspricht. Lieber nachhaltige Landwirtschaft als ökologische, gesundheitliche, menschenrechtliche und andere Risiken durch den Bergbau einzugehen. Sehr löblich!
Im Anschluss findet uns zu Ehren eine kulturelle Performance statt. Ich bin kein Fan von Ethno-Kitsch und lokaler Rockmusik. Lokale Punkmusik, jeder Zeit, aber OPM (Original Pinoy Music) ist häufig kaum auszuhalten. Beweise für gute Punkmusik aus dem Land dürften sich zur Genüge auf diesen Seiten finden, doch was die Kalikasan (Tagalog für „Umwelt) Band bietet ist durchaus okaye Rockmusik. Textlich geht es gegen Umweltzerstörung und einige Songs sind eher schmachtend, andere formidable Rocksongs. Okay, nichts, wofür ich mir den Wecker stellen würde, aber bei Weitem nicht so schlimm, wie in dieser entlegenen Region erwartet.

Vor allem das Aussehen des Bassiten tut es mir an. Zwei aus unserer Gruppe bezeichnen ihn unabhängig von einander als „Albino“. Ich lege „PC-Veto“ ein, Menschen nennt man doch nicht „Albino“? Nashörner, ja, Karninchen, sicherlich, aber Menschen? Wir diskutieren noch Tage später darüber. „Menschen mit Albinismus“ scheint wohl die gebräuchlichere Variante zu sein, ich hätte mit etwas weniger diskriminierendem Terminus gerechnet. „Albinos“, für mich sieht er immer noch irisch aus.
Im Anschluss gibt es noch eine Theaterdarbietung der Tri-People Youth aus Columbio, Sultan Kudarat. Als Theaterstück arbeiten sie zum einen den Zerstörung der Umwelt auf, zum anderen auch politische Morde, wie an dem italienischen Priester und Aktivisten „Father Pops“. Dieser wurde Ende letzten Jahres für seinen Einsatz der Aussöhnung und gegen Umweltzerstörung erschossen (vgl. Website mit mehr Informationen), seine Mörder wurden eher durch Zufall gefasst, die Hintermänner/frauen sind noch größtenteils unbekannt. Was ich schon zuvor zu Ethno-Pop geschrieben habe, gilt auch hier: trotz meiner Skepsis (Tanztheater ist nun wirklich meine Sache nicht) können die Kids mit verschiedenen Hintergründen (Muslima, Christen, Indigene Gemeinschaften) das Publikum begeistern. Ich muss mich nicht fremdschämen und auch nicht für meine Gegenwart Rechtfertigungen suchen, das ist schon gut.

Später wird noch getanzt und gelacht. Da wissen die meisten schon, dass es wenige Kilometer entfernt gerade eine Schlacht zwischen NPA und AFP gibt, 100 Rebellen versus 100 Soldaten. Die Bürgermeisterin teilt uns gegen kurz vor neun mit, dass die Gefechte beendet worden sein. Sie lächelt dabei. So ist das nun mal in einer permanenten Ausnahmesituation. Ob ich mich jemals daran gewöhne?
Doch lange bleibt nicht Zeit, um kurz vor neun am Abend fällt der Strom aus, die Party ist beendet. Wir verlagern uns mit den Kids vom Theater und Freunden in Richtung angrenzenden Basketball-Court, Licht gibt’s aus dem Auto, Bier vom Markt. Und als dann gegen elf ein Feuerwerk beginnt, zucken alle einen Moment zusammen, nur um dann lachend auf das Spektakel zu zeigen. Ein guter Abend!
Words are never enough to describe loosing a person, a friend! I still feel not old enough too loose friends, especially as long as they are in their 20s, 30s or 40s. Last Thursday I got the sad news that Gigi Samson died. She was one of the most interesting persons I met in all the years in the Philippines. Her friend died a few years ago and she started a „health project“ to support old punks in the scene without access to the social security system. I don‘t know, if this really pushed through, but I think the name was „heartcore“. That was in 2009, I guess. After that we met several times on some shows, especially when The Beauty of Doubt were playing. In 2010 she was the only person in the Philippines I knew, who was interested in the fifa world championship in South Africa. Sadly, we missed to watch a game together.
My last contact was with her for an interview about the punk scene in late 2011. Below you can find the more personal part of the interview. I published a quote of her in a soon published book about the Philippines, but here is the interview with her. She died March 11 in the age of only 42, rest in peace, Gigi! Sad that you are not able to read the interview anymore!

First, please introduce yourself?
I go by the monicker Marika. I am the author of the blog Trash Radio Manila. In the past I was editorial assistant of the now defunct Jingle Chordbook magazine and, later on, the unofficial data keeper (the “listless lister”) for the now defunct radio show Timebomb. In a nutshell, I am an observer.
How did Punk/Hardcore start for you? What was your first record / song?
I was collecting copies of Jingle Chordbook magazine long before I got to be part of the staff. (I was actually one of the last members of the staff.) The mag was (I think) the only commercial publication that documented the emerging punk scene during that time. I never had access to fanzines since I was raised in an impossibly strict household, though I did get to have copies of the Herald X fanzine which I lost anyway. Then there was this radio show called “Capital Radio” that was being aired via the predominantly new wave radio station DWXB102. I would sneak in the radio set in my room every 9pm and it was through this show that I heard the song that was to be my epiphany to Pinoy punk: Urban Bandits’ “Hoy!” My mind was totally blown away by that song. On the other hand, it was through Jingle that I learned about DWXB102, DZRJAM (where Howlin’ Dave would air Pinoy Rock n’Rhythm – which I never got to hear), and punk personalities and bands. No person introduced them to me. For introducing me to punk I am forever grateful to Jingle and to Capital Radio.
In which projects are you further active?
I am doing Trash Radio Manila which is presently hibernating but will be back before the end of the year.
How important is the d.i.y. aspect of punk/hardcore for you?
D.I.Y. is a very essential aspect of punk and hardcore but I am personally not very heavy into it. However, I greatly appreciate how the punks create records and merch and other stuff largely on their own.
How important is and was Punk/Hardcore for you? What changed Punk inside of you (behaviour, thoughts) and what would you be, if you haven’t found out the existence of Punk/Hardcore?
Very important. Punk/hardcore embodies my main credo in life, which is thinking independently even if I have to go against the flow. It was almost impossible that I would discover punk, given my background (strict household, all-girl catholic school, immediate community that had only heard of Michael Jackson) but I did find out about it; but if ever I didn’t, I would have either gone listening heavily to folk, or maybe jazz. If one thinks about it hard, folk and jazz music also embody the spirit of punk, though put in a different tone.
What’s your favorite band / records (in general and Pinoy-Punk bands)?
Offhand: The Clash, Stiff Little Fingers, Dead Kennedys, Minor Threat, Rites of Spring, Urban Bandits, Dead Ends, Throw, The WUDS, G.I. and The Idiots, Tame The Tikbalang. I’m sure I missed so much more.
How important are political issues for you?
Definitely important as it affects the kind of life that we have in the society. I try to get involved when there are issues that are really vital to me like that of the RH Bill (Anm. Mika: This refers to the „Reproductive Health Bill“, you can find intformation about the bill and campaign of progressive women’s groups on the homepage of philippinenbuero) but I am not very comfortable with rallies (not that I am not used to them – I attended college at the state university anyway where rallies are quite the way of life) because of some people who get involved in them.
How political should Punk/Hardcore be in your opinion?
As much as how comfortable the band doing Punk/Hardcore is in dealing with the issue. For me, nothing sucks more than a band trying to dwell on unfamiliar issues just to make them more “punk”.
Where are you from and how is Punk in your home-province?
I am from Manila, and (I daresay that) Pinoy punk was born in Manila. At present, though, the surrounding provinces like Bulacan, Cebu, Laguna, and Quezon are just are (or even more) involved in punk.
Ox 100! Sniffing Glue + Pascow + Jingo de Lunch + EA80 + The Wire in der Cobra in Solingen (11.02.2012)
100 Jahre Ox!?! Oder doch „nur“ 100 Ausgaben?!? Gefühlt gibt es das Ox schon ewig, offiziell seit Ende 1988. Wahnsinn, da war ich noch in der Grundschule und vielleicht einige die dies hier lesen noch nicht einmal bemächtigt, selbst Texte zu lesen, geschweige denn zu schreiben. Was natürlich jetzt nicht impliziert, dass ich in der Grundschule schon Ox gelesen oder gewusst hätte, was „Ox“ ist.
100 Ausgaben Ox also, durchaus ein Grund zu feiern. Leider Gottes habe ich allerdings vollkommen vergessen, mir das Heft zu zulegen. Das liegt zum einen daran, dass mich das Ox von allen Musikmagazinen mit Schwerpunkt „Punk/Hardcore“ doch mittlerweile am wenigsten interessiert. Während das Trust mit Nummer 149 ihr 25jähriges Jubiläum mit einem feinen Dischord-Special (und in Nummer 150 ganz schnöde die normal-gute Qualität bot) und dazu mit Leatherface, No Means No und Sex Jams feierte (Bericht s. hier), beschenkte das Ox sich ebenfalls mit einem feinen Fest und NoFx samt Torte auf dem Cover (Link zum Ox).
Alex Gräbeldinger, die bezaubernde Gianna und meine Wenigkeit hatten – wie schon eine Woche zuvor vor dem Leatherface Konzert – am Abend zuvor die Bühne in Kusel geteilt. Das liegt irgendwo in Rheinland-Pfalz und an dieser Stelle Danke an alle, die da waren und mitgeholfen, mitgelacht und mitgetrunken haben. War sehr schön. Vor allem, da der Altersdurchschnitt sehr hoch, die Stimmung aber ebenso war. Die liebe Jenny und der Alex haben mich liebenswürdigerweise durch die Gegend gefahren, mir Möglichkeiten geboten, mich frisch zu machen und alles daran gesetzt, zusammen einen sehr feinen Abend zu haben. Natürlich wurde das Ganze ein super Abend als auch noch frierend die Liebsten dazugestoßen sind! Zitternd vorm Einlass warteten sie, als wir aus der Germania Klause gewankt kamen. 0,2 Pils für 1,10 € … faire Preise!
Die personalisierten Karten (sic!) dann an der Cobra vorgezeigt und recht zügig vor die Bühne. Sniffing Glue hatten schon angefangen. Leider wollte der Funke nicht sonderlich auf mich überspringen. Hardcore in großen Hallen, das funktioniert nicht. Das sieht aus wie ein Schwarz-Weiß Essen Heimspiel vor 100 Leuten. Keine Energie, keine Spannung, kein Knistern in der Luft. Nur die witzigen Zwischenrufe in jedem achten Heimspiel fehlen. Da konnten sich die Mannen um Sänger Marcel noch so anstrengen, das war maximal nett. Im AJZ Bielefeld dereinst war es großartig, hier nur ein Warmlaufen, maximal.

Schon eher eine Band für diesen Rahmen sind mittlerweile Pascow. Zum einen haben sich die sympathischen Saarländer (das klingt jetzt aber schon nach „Bauer sucht Frau“) bzw. pfundigen Pfälzer (jetzt noch mehr … puuh, es riecht mittlerweile auch so … merkwürdig … irgendwelche Agraringenieure in der Nähe?) … – wo war ich? Ach ja, Pascow haben sich den Arsch in den letzten Jahren so dermaßen wund, aber nicht ab gespielt, dass ihr Bekanntheitsgrad so langsam in die Nähe der von mir diktatorisch aufgelegten Popularität kommt, die ich bestimmen würde, wenn ich denn Diktator wäre. Zum anderen sind sie einfach eine großartige Band und das kann man so objektiv festhalten, vor allem als angehender Diktator. Jede/r die/der was anderes sagt ist blöd. Fertig! Auf jeden Fall spielten und rockten die Jungs alles zu Mus, wie es und je. Eine gute Mischung aus allen Alben, eine Hitdichte wie ansonsten nur bei wenigen deutschen Bands und alles immer sympathisch bis ans Limit. This is Gimbweiler and not L.A.! Und dann „Trampen nach Norden“, ans Meer und dann weg, gelle!?!

Sympathisch war Sängerin Yvonne von Jingo de Lunch ebenfalls. Doch die Musik ist einfach nur grottenlangweilig. Ich glaube, Personen, die Jingo de Lunch nicht schon in den späten 1980er Jahren mochten (file under: denn sie hatten nichts anderes), fangen heute sicherlich nicht an, sie zu mögen. Da lege ich mich mal weit aus dem Fenster! Metalllastiger Hardrock mit Punk-Verschnitt. Das lockt niemanden hinter dem Ofen hervor. „Did you ever“ ist der eine Hit, den wir dann auch noch verpassten. Zu viele nette Menschen, zu viele „Hallos“. Macht aber nichts. Jingo de Lunch sind meiner Meinung nach 2012 überflüssig, wie Onkelz-Cover-Bands, Madsen oder Hardrock. Da kann Sängerin Yvonne noch so charmant auf der Bühne wirken, V-Gitarren und Hardcore … ohne Worte. Aber viele ältere Semester auf dem Konzert haben sich dennoch gut amüsiert und wer verdenkt es ihnen (file under: denn sie hatten ja nichts anderes! Die Spät-80er müssen schon eine merkwürdige Zeit gewesen sein, Hardcore-Bands spielten Metall, Funpunk war beliebt, etc. Alles ein Wahnsinn …).
Wenn ich versuche Jüngeren die Bedeutung der „White Light, White Heat, White Trash“ von Social Distortion zu erklären, scheitere ich jedesmal. Ja, das ist auch nur Rockmusik nach heutigem Ermessen, damals hat es mich als „Punk“ geflasht. Geflasht? Sagen das heute noch Leute oder kann man mir jetzt schon mein Alter anhand der Wortwahl ablesen? Wahrscheinlich letzteres, damn it! Also, gerade noch über die „alten Semester“ gelästert, die Jingo de Lunch gut finden und jetzt „geflasht“ schreiben und einen auf jung machen. Das geht in die Hose, aber sowas von. Mist! Aber egal, andere Zeiten, andere Musik. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen und wenn man das doof findet, dafür gibt’s ja unten Kommentarmöglichkeiten!
Im Anschluss allerdings das eigentliche Highlight. Schon seit Tagen würdige ich deren neue LP „DEFINITIV NEIN!“ schon mehrfach täglich mit all meinen Sinnen, vor allem aber meinem Gehör. „Fort von krank“, der Opener ist so dermaßen geil, also, sooooo dermaßen geil, dass ich mit der Überhöhung und mehrfach Verwendung der „o’s“ in „so“ zeigen will, dass die deutsche Sprache kaum Worte dafür hat, wie geil diese Platte ist. Nämlich: Soooooooooooo geil!
Auf jeden Fall freute ich mich auf das zweite Konzert, was ich jemals von ihnen live sehen würde, wie ein Schneekönig. Schneekönig? „Sich freuen wie ein Schneekönig“, 41.600 Google-Treffer, definitiv auch kein Jugendslang! Aber EA 80 sind ja auch keine Kinderband. Das andere Konzert war 2005 in Stemwede beim Open Air und schon dort gefielen sie mir schon gut, aber nicht sooooooo geil, sondern eher richtig gut. Guut … nee, das sagt man nicht. Übrigens, es nervt, wenn Leute „nee“ meinen und „ne“ schreiben. Im ostwestfälischen Sprachgebrauch sind das sowas von zwei verschiedene Paarschuhe, ne?! Aber zurück zu EA80 und um diesen Text auch mal langsam ein Ende finden zu lassen: EA80 waren geil! Was schreibe ich: soooo (+ xmal „o“) geil! Einfach eine gute Liveband, einige neue Sachen, viel alten Kram und einen extra Song für den 100sten Geburtstag bzw. das 100ste Heft vom Ox. Alles in allem super.
The Wire danach haben wir uns dann nicht mehr lange angesehen. Freunde mussten noch in die ostwestfälische Provinz („ne?!“) und ich am anderen morgen früh arbeiten („nee! Stimmt nicht, meine Begleitung aber, ne.“). Die zwei Songs, die wir mitbekommen haben, waren auch eher belangloser Wave-Pop, was okay war, aber nach EA80 hätten wahrscheinlich hunderte, tausende, wenn nicht fast alle Bands auf diesem Planeten so ausgesehen, als wäre es absolut überflüssig, noch irgendetwas zu diesem Abend beizusteuern.

Entschuldigt, dass der Text so wirr geworden ist. Ich lese gerade Max Goldt und irgendwie … ach lassen wir das.
Leatherface + Dead Koys im Vortex in Siegen (05.02.2012)

Nach einer anstrengenden Lesung in Wermelskirchen mit vielen guten Geschichten (Danke an Alex Gräbeldinger, Jimi Berlin, Shawn und Frustus) und einer viel zu langen Nacht am Tresen, waren die Kräfte für einen 1,5 Stundenritt bei Eis und Schnee fast erloschen. Immerhin, vor 20 Leuten im AJZ Wermelskirchen gelesen, wo Green Day dereinst vor 50 Leuten gespielt haben – an dem Abend, als sie erfuhren, das ihr Album „Dookie“ in den UsA auf Platz eins der Albumcharts steht. Darauf erst mal ein genüssliches Schulterklopfen. Oder auch nicht!
Beim Abendbrot diskutiert, Leatherface hin, Leatherface her. Siegen, das liegt hinter den Sieben Zwergen samt sieben Bergen. Süddeutschland, im tiefsten! War das nicht schon fast Österreich? Der Tatort lockte schon, doch dann doch einfach ins Auto gestiegen und durch die Nacht. Im Anschluss festgestellt, dass es der österreichische Tatort war, vielleicht aus Siegen. Leatherface auf jeden Fall die bessere Alternative, schließlich das einzige Konzert auf der Tour, welches ich beiwohnen können würde.
Am Vortex dann angekommen, erstmal über die Eintrittspreise von 12 Euro pro Persona gewundert. Wow, teuer! Und dennoch, nirgends ein Plakat, außer ein „Selbstgemaltes“ auf der Herrentoilette. Von Vorbands wusste auch niemand nichts. Dann kam doch eine, Vorband jetzt. Diese über sich ergehen lassen, Dead Koys. Junge Leute aus überall des südlichen NRWs, die ganz okay waren, mehr aber auch nicht. Klar, vor Leatherface sieht man immer Scheiße aus!
Warten auf Frankie & Co, doch im Gegensatz zu Godot, kommen die Herren doch noch auf die Bühne. Dann gewundert, wer ist denn der Mann an der Gitarre? Ein „Gitarren-Warmspieler“? Das wäre doch überflüssig. Dann allerdings Frankie Stubbs auf der Bühne, den linken Arm in einen Sunderland-Schal gehült, das Schlüsselbein und die Schulter schonend. So will der auf eine mehrwöchige Tour gehen?! In Russland, Skandinavien, etc.?! R-E-S-P-E-C-T!

Tja, der gute Herr hatte sich vor der Tour mal das Schlüsselbein gebrochen, fuck! Also, ohne Frankies Gitarrenspiel, dafür mehr Getanze und eine Konzentration auf den Gesang. Vor allem bei einigen Hits wie „Dead Industrial Atmosphere“ oder „Springtime“ fehlte die charakteristische Gitarre, verdammt. Aber der „Stubbs Shuffle“, die galanten Beinbewegungen in einer Vielzahl als Tanz, entschädigten ein wenig dafür.
Das Set war dann das gewohnte Programm der letzten Tour in anderer Reihenfolge und ohne „Not Superstitious“. Am Ende war der Kasten Wicküler auf der Bühne leer, nach Zugaben die Show beendet und es ging mit einem guten Gefühl zurück ins Ruhrgebiet. Hat sich doch gelohnt.

Und mit im Gepäck eine Flasche Wicküler, die noch übrig geblieben ist und ein paar Kopien der „Mush“, die als Bootleg an diesem Abend auf Vinyl verkauft worden sind. Also, Augen auf bei den nächten Konzerten.
Goodbye and Farewell! Thank you for the music!

picture: Quezon City 2010; Ten02 Bar
The Beauty of Doubt (2002 – 2012)
video: Quezon City 2009; Leprechaun
Kurt + Der Faustmörder + Lafftrak im Störtebeker in Hamburg (30.12.2011)
Am vorletzten Tag des neuen Jahres einfach mal hoch nach Hamburg und sich auf Kurt freuen. Gute Freunde einpacken, gute Freunde besuchen, das ist doch eine schöne Art, dem Jahr „Auf Wiedersehen!“ zu wünschen. Zuerst aber durch Hamburg irren, Bier trinken im Molotow und diskutieren, ob man bei „soliden Preisen“ auch einkehren sollte. Dann aber dennoch dagegen entschieden. Dürfte im Störtebeker jeden Moment laut werden.

Störtebeker ist immer ein Laden, der es wert ist, ihn zu besuchen. Against Me!, Sixty Stories, Pascow und Love A, letztere beiden in einem Konzert. Drei Shows, alle großartig. An dem Tag fingen Lafftrak an. In Dinosaurier-Kostümen und mit Anti-tainment-Gedächtnis-Sound. Nur nicht so gut. Irgendwie schon klar, dass hier geklaut worden ist … oder popkulturell „zitiert“ … ohne aber an das Original heran zu reichen. Bei Weitem nicht, um ehrlich zu sein. Aber egal.
Danach im Keller festgeschwatzt, alte Bekannte getroffen und ein paar Bierchen konsumiert. Oben läuft Trash-Core, den ich leider fast komplett verpasse. Band maskiert mit Sturmhauben, so sehe ich die letzten drei Songs. Also, die letzten zwei Minuten der Show, hehe. Faustmörder, ein guter Name. Musikalisch auch gut. Dann, letzter Akkord, die Instrumente werden in die Ecke gelegt und von der Bühne gerannt! Geil!
Kurt sind natürlich der Hauptact, ohne Diskussion. Die Süddeutschen spielen seit der Mitte der 1990er, haben diverse Platten auf X-mist veröffentlicht, ein schönes Review, dass ich mal aus einem Platten Review klaue (oder „zitiere“ für popkulturell bewanderte); von durchdes welt. Blog:
X-Mist haben immer schon ein Händchen gehabt, die Art von Bands zu angeln die etwas ganz besonderes und neues auf die Beine stellten. Die Grundmauern bleiben Hardcore und Punk, doch was die drei Musiker hier vollbracht haben ist nicht so einfach zu beschreiben.
Ein Sänger der Gitarre spielt und zwar so, das ich nicht das Gefühl habe das hier nur eine zu Gange ist. Ein Bassist der sich fast die Finger wund spielt und einen Lauf nach den anderen produziert. Als ich Live den Schlagzeuger beobachte blieb mir fast die Spucke weg. Auf schlichte Hardware zauberte er einen Beat, das ich es fast nicht glauben konnte.
Schon damals bildete der Sound von Kurt keine leichte Kost und hat bestimmt durch die meist unendlichen einsilbigen Parts viele zur Weißglut gebracht. Jedoch genau hier liegt die Stärke der Platte. Immer genau dann wenn Du es nicht mehr aushalten kannst, noch ein Stück weiter und du wirst von einem Feuerwerk erlöst.
Emotionen werden freigelassen wie auf kaum einer andere Platte.
Bad Omen in 9Mile Bar in Quezon City und in St. Augustine College in Baliwag (Bulacan) (16. Dezember 2011)
Bad Omen gehören zu der zweiten Generation Punkbands in den Philippinen, die in den späten 1980ern / frühen 1990ern angefangen haben sich vor allem von Streetpunk inspirieren zu lassen. Geprägt vom englischen Punkrock der späten 1970er Jahre entwickelten Bad Omen sich in den letzten Jahren zu einer Band, deren Einflüsse mittlerweile vom alten britischen Streetpunk über den Gainesville/NoIdea-Sound bis Rancid reichen. Bad Omen gehören – trotz einiger Unterbrechungen – mittlerweile zu den ältesten, noch existierenden und in der Szene verwurzelten Band in Manila – Homepage Bad Omen.
Als Sänger und Gitarrist Albert mich daher fragte, den letzten Abend meines Philippinenaufenthalts auf zwei Shows mit ihnen zu verbringen, konnte ich unmöglich „Nein!“ sagen. Also schon um sieben Uhr an der 9Mile Bar getroffen, ein paar Bierchen gezischt und einer mehr oder weniger öffentlichen Probe beigewohnt. Auf dem Festival „One Heart United“, auf dem für eine Vierjährige mit Herzproblemen gesammelt wurde, ware um acht, als Bad Omen anfingen, noch gar nichts los. Also jamte die Band, spielte zweimal „Last Christmas“ als Punkversion (das einzige Mal, dass ich diesen Song die Weihnachtssaison hören musste) und hatten vor allem eins, Spaß mit sich selbst auf der Bühne. Die obligatorische Cock Sparrer Version von „We‘re Coming Back“ durfte nicht fehlen und alles in allem war der Auftakt des Abends eher gemütlich, aber spaßig (vgl.: Link zu älterem Konzertbericht mit Bad Omen).
Dann ging es in die Provinz. Zwei Stunden in Richtung Norden, zuerst auf der Autobahn, dann über Landstraßen, bis wir schließlich in Baliwag ankamen. Baliwag liegt in der Provinz Bulacan und ist ein verschlafenes Nest. Es ist geprägt durch die San Agustin Kirche im Stadtzentrum. Um diese versammelten sich die Ausgehfreudigen diesen Abend, die nichts mit Punk zu tun hatten. Denn das Konzert fand wenige Meter weiter in einem Hinterhof unter freiem Himmel statt. Als wir ankamen waren bereits 200 Leute zu gegen und feierten eine mäßige Melodiccore Band, die gerade ihre Instrumente malträtierte.
Während die Band mit Essen versorgt wurde und ich mich auf die Suche nach Bier machte – tatsächlich gab es nur 1 Liter Flaschen San Miguel und Plastikbecher – begann auch schon die nächste Band. Eine eins-a Nirvana-Coverband, das hatte noch so eben gefehlt. Doch die Meute vor der Bühne freute sich einen Ast. Kids, viele unter 16, tanzten Pogo, sprangen herum, bis hin und wieder einzelne aus dem Mob von dem bewaffneten Securityguard gezogen und rausgeschmissen wurde. Wie ein Bienenschwarm versammelten sie sich dann um den Securityguard, gingen bis zum Eingang und rannten dann wieder vor die Bühne und feierten die Band. Interessant!
Während der Boden fast bebte, roch die Luft angenehm süßlich nach Drogen.

Die Nirvana-Coverband ließ es sich nehmen, einige Songs von der „Smells Like Teen Spirit“ zu spielen, die aber allesamt keine Singleauskopplungen waren. Ob das nun zumindest etwas Geschmack beweist, ich weiß es nicht. Spannend war aber die Ramones Coverversion von „Rockaway Highschool“ (oder was war es noch mal), die dann auch mit nöhligem Kurt-Cobain-Gedächtnis-Gesang dargeboten, eine Bereicherung war. Anschließend eine kurze Umbaupause, Gitarren, Bass und Drumsticks geschnappt und Bad Omen mussten auf die nicht vorhandende Bühne. Menschen gruppierten sich um die Bühne, die meisten vor den Boxen, und die Band wurde artig mit Applaus empfangen.

Schön war vor allem zu sehen, wie die Kids um mich herum, ab dem ersten Wort alle Songs mitsangen. Nicht lange und das Mikro wurde ihnen übergeben. Fast alle waren textsicherer, als ich es jemals sein könnte. Während sich immer vier oder fünf ums Mikro gruppierten, tanzten ca. 20 Leute ausgelassen. Fingerpointing, Rumschupsen, einfach nur gut. Selbst meine müden Tanzbeine ließen sich von 32 ° Celsius nicht erschrecken und ich schwitzte mein Shirt durch.

Die Band spielte vor allem ältere Songs, aber auch viel Material von der „God is Everywhere“ CD. Am Ende gab es noch die obligatorischen Zugabenwünsche. Also kurz Ratschläge von den zumeist Minderjährigen eingeholt und explizit auf deren Wunsch „Sex & Violence“ gespielt. Auch wenn es peinlich ist, es zuzugeben, aber hier wurde auch ich endlich textsicher.
Ein großartiger Abend mit einer phantastischen Crowd. Ähnlich wie in Deutschland, wenn irgendwo noch Leute Punk zu zelebrieren wissen, dann meistens auf Dorf, wo „Coolness“, „Gesehen Werden“, „Bands-Erkennen-Die-Noch-Real-Sing“ und „Habe-ich-schon-zehnmal-gesehen“ meistens weniger wichtiger ist, als einfach nur Spaß zu haben. Auch wenn das bei Alkohol und anderen Drogen sicherlich auch eine starke selbstzerstörerische Komponente hat, was nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Schöner Abend!
Embrace the Absurd, Bought By Blood, 12Tons, Mihara, The Crimson Cartel, No Turning Back in Quezon City in Freedom Bar in Quezon City (15. Dezember 2011)

Okay, okay! Selbst in fortgeschrittenstem Alter bleibe ich naiv. Dazu stehe ich. Wenn ich lese, Start eines Konzertes pünktlich (!) um 19:00 Uhr, Einlass ab 18:00 Uhr, dann denke ich häufig, dass das stimmt. Natürlich ist das doof. Oder halt naiv. Je nachdem, wie man mir gesonnen ist. Jetzt kann man mit linker halber Stunde, akademischen Viertel oder „Pilipino Time“ argumentieren, doch wenn der Veranstalter droht, dass wer um 19:00 Uhr nicht da ist, mit seiner Band nicht auftritt, dann halte ich das für real. Trotz aller Rechtfertigungen für Verspätungen, by the way. Und ja, ich gesehe seit Jahren auf Konzerten in Läden wie AJZ Bielefeld, AZ Mülheim, Baracke Münster, Gleis 22 Münster, also alles Lokalitäten, die sich nicht unbedingt mit der toitschen Tugend Pünktlichkeit zieren dürfen oder zumindest durften.
Also – natürlich ohne Band – schon gedrängelt, dass wir ja um sieben Uhr da sind. Klar, dass das Ganze noch nicht anfängt. Hätte man sich … lassen wir das. Auch, dass es durchaus noch bis acht oder so dauern könnte, ja okay. Doch, dass um sieben Uhr noch nicht einmal der vorher auf fratzenbuch mit dem Zeigefinger auf das Handgelenk pochende Typ, der der Zeitdiktator des Abends zu sein schien, am Ort des Geschehens ist, damit hätte ich nicht gerechnet. Also erstmal Abendreis bei Mang Inasal mit „bottom less“ Coke. Wer mal guten Reis, also richtigen Reis (Nein, Uncle Mercedes-Benz zählt nicht dazu) hatte, kann diese Pappe einfach nicht herunterkriegen. Dass ist wie ein schönes westfälisches Vollkornbrot vs. französischer Toastpappe. Kein Vergleich! Doch, beame me back to Quezon City. Zurück am Ort des Geschehens, nichts! Also Francis in Richtung Arbeit geleitet und zurück mit dem Jeepney zur Herberge. Zum Glück nur ein Jeepney-Ride (10 Minuten, 8 Peso) entfernt wohnen, toll! Geht’s halt um neun noch mal los, vielleicht sind dann Leute da.
Also, wieder aufgerafft, und siehe da. Draußen hat es sich angefüllt. Gleich den lieben Dyey getroffen (wer auf fratzenbuch ist, kann mal „Northern Territory Clothing and Printing“ liken, oder wie man so neu-schwachsinnig sagt. Ach ja, und dann direkt T-Shirts ordern, Dyey ist cool und bringt seine Familie damit durch!) und M., mit dem ich mich verabredet hatte. Die 100 Peso (1,80 €) Eintritt bezahlt und rein ins Getümmel. Da ich vorher keine Band kannte, war ich schon gespannt. Mit Embrace the Absurd (Link zum Youtube-Video) begann der Abend eigentlich schon mit einer richtig guten, schnellen Punkband. Irgendwie kamen mir die Jungs auf der Bühne vom Sehen her bekannt vor, schätze mal die spielen in anderen Bands, die ich in der Vergangenheit schon sehen durfte. Auf jeden Fall Highspeed Punkrock, der leider aber niemanden von außen wirklich annimierte schneller die Bar zu betreten. So spielten die Band ein solides Set von fünf bis sieben Songs in Front vor ein paar sitzenden Gestalten. Schade, aber wenn die länger bestehen, werden die noch mal richtig gut!
Als nächstes kamen Bought By Blood (auch hier ein Link zum Video auf Youtube). Mehr Leute kamen herein und bildeten die klassische Sichel vor der Band. Ein geschützter Halbkreis, in dem all die Windmühlen-Quijote’s und Luftlöcher-Treter sich mal richtig austoben können. Selbst der Sensenmann hat hier eine Auszeit und traut sich nicht vor die Sichelschneise. Phantastisch. Dazu ein eher bouncender Sänger und schwerfälliger, metallischer Hardcore. Definitiv nicht meine Tasse Tee, aber immerhin kamen nun Leute rein. Als der Sänger dann aber vor dem zweiten Song einen langen Monolog über seine Vergangenheit und seinen Erretter, Jesus Christus, anfing, verschlug es mir doch die Kauleiste in Richtung Tischkante. Oh weh! Katholisches Land, diese Philippinen. Erst jetzt sah ich, dass auf seinem Oberarm das Konterfei vom Sohn des Herren prangte. Meinen Weggefährten auf den für mich offensichtlichen Widerspruch – Hardcore vs. Religion – aufmerksam machend, entgegnet dieser mir nur, dass es doch okay sei, wenn er so von der schiefen Bahn kommen würde. So schief kann eine Bahn doch nicht sein, oder? Der folgende Song hieß dann gleich „Testimony“ und ich schluckte nur. Doch, auch der nächste Song mit dem Refrain „Hosianna“ schlug in die selbe Kerbe. Noch einen religiösen Reißer und ich gehe raus, der Entschluss stand fest. „The next song is called: Halleluja“. Selbst „Halle-in-Westfalen“ hätte ich schon nicht mehr durchgehen lassen, aber Halleluja war dem Jesusgehuldige eindeutig zu viel. Raus!
Auf ihrer Bandseite verlautbaren die Jungs übrigens ihre eigene Offenbarung: „Being devout christians the bands main goal is to glorify Jesus Christ and spread the Good news that Salvation is free and that there is a real God that loves Everyone…“ Ich kommentiere das mal nicht weiter!
Draußen dann ein Glücksfall, zum einen super lange mit besagtem Dyey (kauft dem seine T-Shirts, verdammt!) unterhalten und einen Haufen großartiger Fanzines erstanden (I Remember Halloween, Thought Market, Incidental Afterthought, Woolgathering und Linebreaker). Danach wieder rein, der Prediger hatte die Kanzel verlassen, die Sichel wurde zu einem Achteck, da viele wieder verschwanden.
Es folgten 12 Tons und Mihara, zwei eher unspektakulärere Hardcore-Bands (eine ist auf dem Photo unten, aber ich vergaß welche), aber der Laden füllte sich. Der Laden, gutes Stichwort. Die Freedom Bar ist eine der ältesten Kneipen / Bars, in denen alternative Künstler/innen auftreten können. An der Kreuzung Aurora Blvd / Anonas gelegen, ist sie verkehrstechnisch leicht zu erreichen (Jeepneys und Hochbahn), gegenüber liegt mit dem 70s Bistro eine weitere Kneipe, die regelmäßig Livemusik anbietet (u.a. The Jerks oder Beatles-Coverbands). Von innen ist der Laden schlicht, aber nett bemalt. Bierpreise sind fair (ca. 30 Peso, also 60 Cent) und auch die Eintrittspreise sind okay.

Als letzte Band vor dem europäischen Hauptact dann The Crimson Cartel (Youtube-Video-Link). Erneut eher schleppender Hardcore, der nicht mein Fall war. Viel Agnostic Front, viel H2O, Cro-Mags und wie die Kollegen alle heißen, viel New York, wenig DC, wenig Minor Threat, wenig Kalifornien, wenig Circle Jerks. Aber die ersten Windmühlen postierten sich und man konnte einige „Tanzfiguren“ aus dem Sick of it All-Trainingsvideo (Step Down, vorletzter Link für heute – Youtube) erkennen. Ich freute mich einen Moment, dass geistige Eigentumsrechte bei Tänzen noch immer nicht durchgesetzt werden, auf der anderen Seite würden in diesem Fall wohl v.a. Bunken, die US-Tough-Guy-Shit nachtanzen mit einer ordentlichen Tracht Prügel und unter Zerstörung aller Agnostic Front-CDs nicht nach Hause gelassen. Ach ja, eine gerechte Welt. Wo war ich stehen geblieben? Egal, Sprung, No Turning Back auf der Bühne.
Wie das erste Bild in diesem Artikel zeigt, der Laden war voll gepackt wie die Jeepneys zur Rush-Hour! Fuck, und gleich von Anfang an eine großartige Show mit allem was zu einer (klischeebeladenen) Hardcore-Show dazu gehört, Crowdsurfing, Sing-a-longs, ins-Mikro-blöken, Fäuste, Klatschen, Windmühle … das volle Programm. Währenddessen mundete mir das Red Horse mit ein paar Skinheads von Safety First, die zwar kaum Englisch sprachen, aber durstig waren! „Der schönste Platz ist doch immer an der Theke“ (Rio Reiser). No Turning Back rotzten derweil ihr Set runter, was wirklich gut war und die Leute begeisterte. Auffallend war vor allem ein belgisches Mädel, die entweder zur Band gehörte oder denen hinterher reiste. Jede Silbe sang sie mit, schon krass. Nervig allerdings die Frage des Sängers an alle Weißen (sic!) im Publikum, wo sie denn her kämen. Besagtes Mädel – die eigentlich wie das ganze Land einen eher unsympathischen Eindruck machte … jaja, ich weiß, Belgien-Hass ist auch Scheiße, aber das Land kann mich wirklich mal. Mit Österreich und Deutschland einfach die am meisten zu verachtenden Länder der … ach, lassen wir das jetzt hier und jetzt, Fazit: Belgien Scheiße, Österreich = Scheiße, Deutschland = Scheiße! – sagte dann „Belgium“, irgendeiner „Australia“, ein andere „U-S-A, I‘m a G.I., man!“ … auch mal ohne Worte. Da ich mich geschickt im Rücken der Band postiert hatte, hoffte ich um diesen bittren Kelch der „Hautfarben-Aufmerksamkeit“ herumzukommen, doch als letztes sprang dem Sänger auch mein Rübenzinken und die kalkbleiche Fresse in seine Visage.
„We are you from, man?“.
Was soll man da sagen. „Europe!“ Fand ich eigentlich schon eine coole Antwort.
„No, man, where are you from?“. Wie blöd kann man eigentlich sein?
„Europe!“ Ich bin vielleicht nicht 100%-Anti-Deutsch, aber Deutschland finde ich schon zu 100% Scheiße! Doch der Sänger von No Turning Back gab nicht auf.
„No, mean, from which country are you?“.
„Fuck, Germany“, und ich schämte mich erneut. Normalerweise lüge ich in solchen Momenten immer, „Schweiz“, „Niederlande“, ja nach Situation. Niederlande wäre mir hier aber wohl zum Verhängnis geworden, wenn die Band später doch noch auf eine Cola mit mir sich unterhalten wollen würde, Schweiz ist mir in dem Moment nicht eingefallen. Immerhin, die Gesichtszüge des Sängers sackten nach unten, hatte der Käsehobler mich doch zurecht als „Kartoffelficker“ (Till Schwaiger) enttarnt. Nun ja, dann gab es wieder das obligatorische „Geil, dass hier so viele verschiedene Leute sind. Großartige Party, macht mal Lärm, wir machen Photos, dann kommen mehr europäische Bands.“ Ich hätte ja am liebsten gefragt, ob nicht lieber mehr philippinische Bands nach Europa kommen sollten, doch dann musste ich an Jesus-Core denken, nahm mein Bier und prostete den Jungs von Safety First zu.
Alles in allem ein großartiger Abend, der dann bei der Beatles-Night auf der anderen Straßenseite im 70s Bistro seinen wohl verdienten Ausklang fand. Halleluja!
The Go Signals in Boni-Station in Mandaluyong City (11.12.2011)
Der 10. Dezember ist der jährliche Tage der Menschenrechte. Ein Tag, an dem Opfern von Menschenrechtsverletzungen gedacht wird, ein Tag an dem Regierungen überall auf der Welt ihrer Verpflichtungen erinnert werden, diese Menschenrechte zu achten, zu schützen und zu gewährleisten. Sowohl in Deutschland als auch in den Philippinen ist dies generell immer ein Tag, an dem die Zivilgesellschaft, Organisationen wie FIAN oder Amnesty International, zu Demonstrationen, Kundgebungen, etc. aufrufen. In den Philippinen war vor allem in der Woche vor dem 10. Dezember (ein Samstag) Veranstaltungen organisiert worden. Am 11. Dezember fanden in vielen Hochbahn-Stationen über das Stadtgebiet von Metro Manila Konzerte zu unterschiedlichen Thematiken statt. Konzerte gegen Hunger, Umweltzerstörung, die Verbreitung von HIV/Aids, für Erziehung, Gendergerechtigkeit etc. Alles im Kontext der Menschenrechte und um über das Thema aufzuklären. In der Boni Station spielten u.a. mehrere Ska- und Indiepunkbands sowie die philippinische Mod-Band The Go Signals.

The Go Signals haben 2011 auf Paisley Cloud Records ihr Album „Secrets & Lies“ veröffentlicht. 11 Songs, die so klingen, als wären The Jam in der Neuzeit angekommen. Melodischer Punkrock, Harter Brit-Pop, Mod eben. Außer the Movement aus Dänemark fallen mir eigentlich keine weiteren Bands ein, die Mod auch im Jahr 2000+X spielen können, ohne wie eine schlechte Retro-Variante des Originals zu wirken. Vielleicht gibt es überhaupt neben The Jam, The Movement, Lambrettas und Go Signals kaum Bands, die diesen Stil authentisch und gut rüberbringen. Go Signals hören, versetzt ein in diesem komische Gefühl, am liebsten den Asi von nebenan von seinem Scooter zu boxen und mit dem Ding nach sonstwo zu fahren.
Vor der nicht vorhandenen Bühne in der Boni Station versammeln sich ca. dreißig Leute, hinter den Toren noch weitere. Viele Leute, die vor der Bühne stehen, scheinen wegen der Musik hier zu sein. Andere sind Bands, die vorher schon gespielt haben oder danach noch ranmüssen. Die Bands vorher, u.a. eine okaye Skapunkband, haben vor weniger Leuten gespielt, doch Go Signals schaffen es, die Meute zu halten. Einige sind Passanten, die in Richtung sonstwo wollen, verzichten auf die Weiterreise.
Go Signals spielen ein feines Set. Im Gegensatz zu anderen Bands schaffen sie immer wieder Verknüpfungen zum Thema „Gender Equality“. In jedem Land, in dem die katholische Kirche starke Strukturen und eine große Anhängerschaft besitzt, ist es schwer, Gendergerechtigkeit und -gleichheit durchzusetzen. Generell sind außer zwei Plakaten allerdings keine weiteren Informationen zu bekommen. An anderen Stationen soll das besser sein, wobei sich die Infos meist auf einem Niveau bewegen, das ich nicht allzu hoch bewerte. Go Signals geben zumindest über das Mikro Infos weiter. Musikalisch ist das wie immer astrein und schön zu hören. Füße widmen mit, entspannte Musik, melodisch und gut.

Dass allerdings während meines Aufenthalts mein Ticket ausläuft, war mich allerdings nicht bewusst. Nachdem Set fahre ich in Richtung Heimat auf Zeit. Beim nächsten Wechsel der Bahn stehe ich vor verschlossener Schranke. Trottelig, aber sympathisch anstellen hilft dann immer. Der Securityguard winkt mich durch, denkt sich „trotteliger Westler“ und alle haben ihr Gesicht gewahrt. Ich habe 20 Cent gespart und grinse. Gutes Konzert!
Silence Killer, Not For Sale, Christos Karma, Conflict of Interest, Safety 69 etc. in Nine Mile Bar in Quezon City (Philippinen) (10.12.2011)
Am 9. Dezember war ich wieder in Manila. Ich mochte diese Stadt. Das Handy wurde gezückt und ich textete ein wenig durch die Gegend, was die nächsten Tage anstehen würde. An dem Ort, an dem ich immer übernachtete – meine sogenannte philippinische Familie – war die erste Weihnachtsfeier. Man feierte sich selbst, aß, trank und sang Videoke. Mittlerweile wurde ich auch regelmäßig genötigt zu singen. Kein schöner Anblick, kein High Fidelity. Aber mit dem Alter und der Erfahrung lernt man Beatles-Songs waren singbar, auch für Untalentierte. Dazu noch „Can‘t help falling in love“ (allerdings eher in der Frankie Stubbs Geschwindigkeit) und der Abend war gerettet. Keine Klagen wegen Körperverletzung. Die hätte es am folgenden Tag aus diversen Gründen geben können.
Aber von vorne. Bei einsetzendem Nieselregen lief ich die Kalayaan Street in Quezon City rauf und runter. Bei 50/50-Chancen ist die Wahrscheinlichkeit halt ausgeglichen, in die falsche Richtung zu laufen. Nach fast ausgeriebenen Sohlen dann die 9 Mile Bar entdeckt und sogleich über Bekannte gestolpert. Zum Teil gehören sie dem Anarchist Movement an, andere der Occupy Luneta Park Bewegung. Beide Gruppen sind marginalisiert. Ich tendiere dazu „leider“ zu schreiben, ohne mir sicher zu sein, ob ich das auch meine. Die Occupy Luneta Park Bewegung ist ein obskurer Zusammenschluss von vielen unterschiedlichen Menschen, die den Obdachlosen vor Ort als Food Not Bombs Group mit Nahrungsmitteln versorgen. Gute Sache! Politische Diskussionen in diesem Umfeld, durchaus zu hinterfragen.
Dennoch, schnell wird mir ein Bier in die Hand gedrückt. Wir tranken Red Horse Bier, das lokale Starkbier, das durchaus mundete.
Allerdings kauften wir das Bier nicht im Konzertort, sondern in einem nahen Sari-Sari-Store, einer Art Kiosk oder Tante-Emma-Laden. Warum wir es nicht in dem Laden kauften, weiß ich nicht. Die Frau im Sari-Sari war allerdings mäßig begeistert mich und einen besoffenen Anarcho um kurz nach zehn am Abend noch bedienen zu müssen. Meine Höflichkeit und das Englisch von M. bewegten sie immerhin dazu, noch nach kaltem Bier zu suchen. „I like your English“ sagte sie zu M., mich fragte sie nur, warum ich weniger besoffen sei. „Gerade erst angekommen“, dachte ich, sagte es aber nicht, sondern grinste nur.
„Gerade erst angekommen“ bin ich dann auch im Laden. Silence Killer spielten und so wirklich passt der Name nicht. Metalcore-Geboller, ale! Mochte ich nicht vorher, nachher oder währenddessen. Also vertrieb ich mir die Zeit mit quatschen. Not For Sale (Metalcore) lockten mich auch nicht hinterm Bahndamm hervor, dafür lieber wieder in Richtung Sari-Sari-Store, eine weitere Runde Red Horse. „Ach, ihr schon wieder.“ Ich fing an, die mit-50-igerin allmählich ins Herz zu schließen.
Ein besonderes Schmankerl wartete in der 9 Mile Bar nach unserer Rückkehr. Begleitet von Chören mit „Hare, Hare Krishna“ standen nun scheinbar die philippinischen Shelter auf der Bühne. Ray Cappo mit Fast-Glatze und dünnem Pferdeschwanz bis in den Steiß. Scheiße, religiöse Eiferer. „Hare Hare Krishna“ … ich dachte mir nur: „Haare, Haare hat-ich-mal“, traute mich aber nicht meinen Baseballcap zu liften. Frisurentechnisch ging ich definitiv auch eher in Richtung buddhistischer Sektiererei.

Musikalisch gehörten Christos Karma aber noch zu den besseren Bands an diesem Abend. Zwar immer noch Hardcore, aber mit viel Singalongs und das Publikum formierte sich schnell um den Sänger. So wird’s vielleicht auch bei Jesus gewesen sein, vor vielen Jahren. Will man sich dennoch nicht vorstellen.
Durch Zufall traf ich eine alte Freundin, die ich auch mittlerweile seit einem halben Jahrzehnt kannte. Vorwürfe, ihr nicht über meinen Besuch in den Philippinen Bescheid gesagt zu haben. Und das von jemandem, die Tag und Nacht auf Facebook Sachen postet … egal. Sie sagte, sie wolle am kommenden Mittwoch als „Callgirl“ arbeiten. Ich zweifelte an meinem Verstand. Wir gingen nach draußen, da eine weitere Krishna Band spielte, die allerdings weniger Hardcore, sondern wieder Metal war. Verstehe eine/r die Welt!
Während sie richtig stellt, dass sie unter „Callgirl“ jemanden verstehen, der im Callcenter arbeitet. Aufatmen! Ich vermutete, dass die Band noch spielte, als plötzlich jemand in vollem Lauf an uns vorbei rannte und in Richtung Hauptstraße verschwand. Eine Meute aus dem Inneren hinter her. Ich verstand nur Bahnhof. Dann lief jemand mit einer klaffenden Wunde am Kopf an mir vorbei.
Was war geschehen? Der ominöse Gast hatte einfach dem Sänger der Band und jemandem aus dem Publikum eine Glasflasche über den Kopf gezogen. Zwei wie Sau blutende und ein unterbrochenes Konzert waren das Resultat. „Dem hat die Musik wohl nicht gefallen“, scherzte ich noch, doch böse Blicke ließen mich danach Unverständnis heucheln. „Naja, macht man ja aber auch nicht, und so.“ Sicher war ich mir nicht. Wenn jemand Ray Cappo in seinen Anfängen mit dem Hare … lassen wir das.
Da allerdings Kollege M. mittlerweile richtig zugetankt war, tanzte er mit lauten „Party, Party“ Gesängen vor der Bühne, während auf der Bühne der durchaus angeschlagene Sänger Handtücher vollsuppte. Todesblicke trafen M., ein anderer Freund zog ihn zurück. Dann kurze Diskussion, „the show must go on“ und ab die nächste Band. Während noch einige das Blut von der Bühne wishmopperten, kamen Conflict of Interest auf die Bühne, wo Kollege M. den Bass richtig herum halten musste. Ethno-Hardcore mit Didgeridoo, Trommeln, einer schreienden Sängerin und einem schreienden Sänger sowie einer obskuren Mischung aus vielen Einflüssen. Klang live genauso, wie es sich jetzt hier liest! Nüchtern nicht zu ertragen! Mit dem dritten Red Horse in der Hand aber durchaus okay, wobei auch nur okay, weil ich die Menschen in der Band mochte, um ehrlich zu sein. Das letzte Starkbier übrigens, wie die Frau im Store mir beichtete.

Der Abend zog sich dann noch, Bands spielten, Bands stoppten, Pale Pilsener – das normale Bier – mundete auch und ganz zum Schluss erklomm noch einmal eine Band die Bretter, die mit The Specials und Rancid („Timebomb“) durchaus einen guten Cover-Geschmack an den Tag legte. Dann ging es nach Hause, zum Glück ohnedie Kalayaan Street in die falsche Richtung zu laufen. Die nette Frau im Sari-Sari-Store schloss gerade den Laden. Um halb fünf in der Früh würde vielleicht für wenige Minuten niemand Bier oder Zigaretten kaufen wollen. Wobei, die ersten Tricycles starteten in der Ferne ihre Motoren, die ersten Arbeiter/innen öffneten die Fenster.