Archiv der Kategorie '05. Zines / Bücher / Vinyl'

The Beauty of Doubt – RIP

Goodbye and Farewell! Thank you for the music!
The beauty of doubt
picture: Quezon City 2010; Ten02 Bar
The Beauty of Doubt (2002 – 2012)

video: Quezon City 2009; Leprechaun

No Comment – Hot Water Music – The Fire, The Steel, The Tread

No Comment – Hot Water Music – The Fire, The Steel, The Tread
Die Sehnsucht nach neuen Hot Water Music Songs hielt sich schon im Vorfeld in Grenzen. Sowohl The Draft als auch die letzten Veröffentlichungen der Band selbst – von den Live-EPs mal abgesehen – waren alles andere als bahnbrechend. Genau im Gegenteil, mit The Draft konnte und kann ich immer noch gar nichts anfangen, das letzte HWM Album habe ich nach einigen Hörversuchen einfach als Datenmüll auf der Festplatte gelassen. Waren mir ihre ganz alten Sachen aus den 90ern häufig zu sperrig, wurden sie auf den letzten Platten häufig viel zu catchy, eingängig und hatten keine Ecken und Kanten mehr.
Die Songs der neuen Single sind dann ebenfalls weit weg von erfrischendem Emocore (als es noch keine Beleidigung war) wie zur „No Division“ Zeit. Gute Rockmusik wird geboten, die weit mehr an Bruce Springsteen erinnert – oder The Gaslight Anthem – als an die eigene Vergangenheit. Ruhig, melodisch, rockig. Chuck Ragan solo trifft Hot Water Music trifft Bruce Springsteen. Das ist nicht schlimm, die Band altert mit dem Publikum und mir gefällt die Single durchaus. Zumindest besser als alles von The Draft.
Aber braucht es die Band 2012 wirklich noch? Wer erfrischenden Punk in 2011, 2012 und wohl auch 2013 hören möchte, sollte lieber auf eine der zahlreichen Post-Latterman Bands wie RVIVR, Iron Chic etc. zurückgreifen. Latterman selbst haben sich vor einigen Wochen auch wieder für einige Shows zusammengetan und man darf gespannt sein, ob es noch mal weiteres Material gibt oder ob es nur „Just-for-fun“ war. Auf ein „auf-ewig-leben“ wie bei Hot Water Music sollte man aber bitte verzichten!

Remembering Drachenmädchen

Als Rosi mich vor ein paar Tagen anschrieb, in dieser grauen, vorweihnachtlichen Zeit, und mich auf das Update der Myruin-Seite hingewiesen hat, wurde es doch mal Zeit, wieder melancholische Gedankengänge an die Vergangenheit zu verschwenden. Moment, verschwenden? Wenn man schon seine Jugend verschwenden musste, dann war das Drachenmädchen auf jeden Fall ein schöner Zeitvertreib und neben dem Blurr vielleicht eines der besten Fanzines seiner Zeit, das als eines der ersten Kurzgeschichten aus „der Szene“ und Musik pari-pari verband. Gleichberechtigung, Emanzipation, sucht Euch Feuiliton (ich musste das Wort tatäschlich ob seiner Schreibweise nachschlagen, still Punk not Bildungsbourgeoisie). Daher eine kleine Erinnerung an diese Zeit, als Münster noch „zu Hause“ und „Studium“ Beruf war.

Drachenmädchen – verdammt
Als ich am Hafen ankam, saß sie schon da. Der Wind zerzauste ihre Haare, ihr Näschen lief. Wir unterhielten uns über Bands, die sie kannte und die ich mochte. Oder die ich nicht kannte, aber sie mochte. Wir tranken Wein und Bier, verlegten die wichtigen Dinge in Richtung Tresen. „Bitte werfen sie eine Münze ein“, das war noch vor dem Ruhrgebiet und dem anhaltenden Fernsehdesaster. „Oiro“, dachte ich immer, nicht „Münzen“. Ein wenig Blurr, ein wenig old-school-Fanzine, viele neue Ideen und alte, schlechte Witze. Die habe ich meistens gemocht, in den Hörsälen mit ihr und einem Grinsen. Nur einmal, da rollten Tränen und ich durfte nicht laut loslachen. Ein denkwürdiger Moment, als sie sagte, „ich suche einen Mann mit Pferdeschwanz – Frisur egal!“ So albern, so infantil, so gut!
Dann wollte sie mit mir diskutierten, ob Ray Cappo oder Torben Meissner stärker ist. Mir war das egal, Machomänner waren seit Reinhard Fendrich „out“. „Was kannst Du denn?“ fragte sie empört und ich begann ihr Kurzgeschichten zu erzählen. Über Boxerinnen, über suizidale Clowns, über Trauertränen und sie dankte es mit Bier und sanften Küssen. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend in der Baracke in Münster, das erste Mal auf der Bühne, im Rahmen von Kunst. Als sie mich verließ, war ich älter, immer noch nicht erwachsen. Zeiten vergingen wie Duesenjaeger, ein weiterer Ritt durch die Geschichte.
„Alte Liebe rostet nicht“, sagte mein Großvater in einem seiner weisen Momente immer und vielleicht hatte er da Recht. Als ich sie vor kurzem wieder in den Händen halten konnte, war es ein wohliges Gefühl, ausgelöst vielleicht durch den Wein, vielleicht durch die Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Captain Planet und Inner Conflict spielen zu solchen Momenten den Soundtrack und meine Osnabrück-Abneigung war auch fast überwunden. Vielleicht auch weil das Emsland immer weiter sich entfernte, die strafraumpogende Jugend, damals, als die Feinde noch andere Mannschaften und nicht politische Systeme waren.
Tja, wer will das eigentlich wissen? Oma sagte fast: „Anekdoten Die keinem etwas helfen [nicht mal] Geld“. Drachenmädchen, oh mein Drachenmädchen, I am still missing you!

Mehr Infos zum Drachenmädchen, inklusive alle alten Hefte zum Download, könnt ihr hier finden – MYRUIN.de

Buch – Alex Gräbeldinger: Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl

Alex Gräbeldinger: Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl
Neulich auf der Lesung im Spec Ops (siehe hier) drückt mir Lustiger Bob vom Kopfnuss Verlag das Buch mit den Worten „hier, lies das mal“ in die Hand. Sehr schön, angetüdelt nach einigen kleinen Bieren sitze ich im Zug von Münster zurück nach Essen und fange an. Keine 72 Stunden später bin ich mit dem Buch durch. Natürlich sitze ich nicht mehr im Zug, natürlich habe ich dazwischen geschlafen, geduscht, gelebt, gearbeitet und auch geschissen. Letzteres aber tatsächlich mit dem Buch auf dem Schoß. Soviel schon mal vorab, es fesselt, es fasziniert und man liest es einfach runter.
Klar, hochkulturelle Unterhaltungsliteratur, mit Wörtern, die man nachschlagen muss, ist das Buch nicht. Genau im Gegenteil. Die Stärke ist die Einfachheit, das sich reinlesen und eine gewisse Schnelligkeit, mit der man wissen möchte, wie der Protagonist als nächstes scheitert. Voyeurismus, Midleid, sich selbst in viel zu vielen Passagen wiederfinden … halt eine ganz normale Geschichte in dieser kranken Welt. Im Grund hat es die fabelhafte Dischord Band Gray Matter auf den Punkt gebracht:
There’s nothing wrong with me it must be all of you, ‚Cause I‘m feeling rejected no matter what I do“ (Gray Matter – Oscar’s Eye).
Alex Gräbeldinger: Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl
Bei dem Buch handelt es sich – und das erklärt auch die Leichtigkeit der Schreibe, die eher chronologisch mit Zeitsprüngen Geschehnisse aneinander reiht – um die gesammelten Kolumnen aus dem Ox-Fanzine (Februar 2006 bis Juli 2008). Diese unterhalten nicht nur fabulös, nein, sie lassen uns einen Einblick gewinnen in das Leben und die alltäglichen Katastrophen des jungen Alex G..
Zuvor gibt es noch ein sehr sympathisch-liebenswertes Vorwort von Jörkk Mechenbier (Love A), das fast an „die ultimative Lobhudelei“ aus Zimmer Frei erinnert. Es folgt ein Rückblick auf alte Punkertage (in Form eines alten Tagebucheintrags aus pubertären Jungens-Zeiten) und fängt dann mit einem Highlight des Buches an: „Ein Vorsatz für das neue Jahr“. Genau hier wird schon deutlich, was die Stärken des Buches sind. „Gerade die schonungslose Offenlegung der eigenen moralischen oder charakterlichen Schwächen“ (Alex Pascow zum Buch) werden hier deutlich, der Ich-Erzähler bringt sich immer wieder in skurrile, gar abenteuerliche Situationen. Sylvester, den Arsch föhnend auf dem Klo, weil das Toilettenpapier alle ist. Geht es erbärmlicher? Sowas kann man sich kaum ausdenken, sowas passiert einfach. Diese Missgeschicke ziehen sich durch das Buch, genauso wie die Suche und das Scheitern beim Finden der „richten Frau“. Nach vielen Fehlversuchen, nach psychologischen Abgründen und Alkoholkonsum gepaart mit Polizeikontrollen, hat man am Ende des Buches das Gefühl, mit diesem jungen Herren unbedingt mal ein Bier in einer normalen Pinte kippen zu müssen, und danach einen schönen Schnapps.
Nach den Kolumnen rechnet zum Schluss des Buches Madame Unbedarft mit Männern ab und Alex G. (Andernach, richtig, Charles B.) gibt Alex P. (aus Gimbweiler mit G.) ein Interview über sich und das Leben.
Am besten sofort für 9,90 € im nächsten Buchladen (links-alternativ und nicht Thalia, bitte) oder hier bestellen: Kopfnuss Verlag
ISBN: 978-3-00-025025-5

Interview mit Fanzine-Index Andreas

Auf der Seite des Zine with no name findet sich ein interessantes Interview mit dem Gründer der Fanzine-Plattform Andreas Dölling, der unter anderem über die Einstellung seines Projekts – www.fanzine-index.de – spricht, aber auch seine Liebe und sein Interesse an Fanzine deutlich werden lässt.
Schon die Einleitung zu der Geschichte der Fanzine-Indices ist spannend (hier nachzulesen) und am Ende fühle ich mich mehr als geehrt, dass Andreas bei seinen Lieblingszines auch meinen Namen fallen lässt! Vielen Dank für die Blumen. Und da mein Hang zur Selbstverliebtheit ausreicht, Euch diese paar Zeilen nicht vorzuenthalten, seht es bitte als Appetizer für das ganze Interviews, das beim Zine-With-No-Name nachzulesen ist. Sehr schönes Interview!

Welches waren oder sind deine Lieblings-Fanzines? Wie müßte ein Fanzine aussehen, das es noch nicht gibt, aber deiner Meinung nach unbedingt noch ins Leben zu rufen wäre? Finanzierbarkeit oder zu obskure Themenwahl sollen bei deiner Entscheidung keine große Rolle spielen, es sind also auch sehr skurrile Ideen willkommen.
Puh, die Frage nach Lieblingszines ist fast so unbeantwortbar wie die nach Lieblingsbüchern, -liedern oder -filmen. Ich habe so viele fantastische Hefte in der Hand gehabt, daß ich eigentlich nur ein paar nennen kann, die mir jetzt spontan in den Sinn kommen. Ich mag zum Beispiel den „Kosmischen Penis“ aus Schweinfurt sehr. Er ist sicherlich eines der dienstältesten Fanzines und kommt mit einer ganz eigenen, mir sehr sympathischen Haltung daher, die es schafft, Quatsch und Absurdes mit ganz klassischen Themen eines Punk- und Szeneblatts zu verbinden und dazu noch mit einem charmanten Lokalpatriotismus. Klasse auch die Publikationen von Mika Reckinnen (unter anderem eine Ausgabe in einer Zigarettenschachtel und eine in einer Klopapierrolle – und inhaltlich gerade auch im „Alleiner Threat“ mit Tiefgang und Selbstironie) und von Calin Kruse (sein Magazin „dienacht“ haut einen allein schon optisch um). Das Punk-Zine „Human Parasit“ fand ich ebenfalls gut. Als Comic-Freund mag ich auch das „Plop“. Und legendär ist die Ausgabe des „Dosierten Lebens“ in Form einer Getränkedose in der Optik des Covers von „Never Mind the Bollocks“. Alle gerade genannten habe ich deshalb auch in der fanzine-index.de-Fragestunde interviewt. Aber ich habe schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich jetzt so viele gute Zines nicht genannt habe. Im Grunde finde ich es schon super, wenn jemand einfach ein Fanzine macht.

Das Trust feiert 30 Jahre Dischord Records

Hier eine Einladung von dem guten alten Freund Jan und der Trust-Fanzine-Crew

Trust

aloha liebe leute,
die kommende trust fanzine ausgabe, august / september # 149, ist eine schwerpunkt-ausgabe zu dem 30 jährigen geburtstag von dem geilsten hc-punk-label aller zeiten: Dischord Records aus washington dc. ein preview aufs titelbild der ausgabe gibts [unten].

Die ausgabe erscheint die tage und am freitag, den 5.8, gibts in der kneipe EISEN in bremen dazu eine heft-release party, bei der den ganzen abend nur Dischord-Musik aufgelegt wird: von Minor Threat über Dag Nasty, Gray Matter, Rites of Spring hin zu Fire Party, Lungfish, Shudder to think, Ignition, Make-up, Nations of Ulysses, The warmers und Medications direkt hinein in den Waiting Room. Aufgelegt wird von dem dischord koordinationsteam and friends: Schippy / Stone / Jan vom Trust fanzine. geht circa ab 21.00 los, die ausgabe gibt es dann dort natürlich auch zu kaufen.

1-2-3 repeater und so:) wäre schön, euch da zu sehen?! jan

Trsut meets Dischord

Fanzine-Treffen in Leipzig im September

Hier ein kurzer Hinweis auf eine Einladung vom lieben Kollegen Jan (s. Reviews des Proud to be Punks hier) für alle Fanziner_innen und Sympathisant_innen:

„Liebe FanzinekollegInnen und SympathisantInnen, verehrte Schreib- und Lesewütige,

hiermit möchten wir euch alle recht herzlich zum Zine-Attack, dem ersten Fanzine-Fest und –Treffen in Leipzig, einladen. Einerseits wollen wir mit dem Zine-Attack-Festival HerausgeberInnen wie auch LeserInnen von Fanzines einfach die Möglichkeit bieten, sich in gemütlicher Atmosphäre kennenzulernen, Hefte zu kaufen oder zu tauschen, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen, Fragen zu stellen und Diskussionen zu führen. Andererseits zielen wir darauf ab, den Bekanntheitsgrad des DIY-Mediums „Fanzine“ mit unserer Veranstaltung zu erweitern und im gleichen Atemzug andere dazu zu animieren, sich selbst einmal im Schreiben von Texten oder im künstlerischen Gestalten im Rahmen unserer „Kreativ-Phase“ auszuprobieren. Alles, was ihr hierfür an Materialien benötigt, wird von uns gestellt. Insofern genügend Leute hierbei ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen, könnten die entstandenen Arbeiten abschließend zu einem Festival-Fanzine zusammengefasst werden. Abschließend wollen wir den Tag mit einigen Bands gebührend ausklingen lassen.

Schreibt uns bitte, ob ihr vorbeikommen wollt – gern geben wir euch die Möglichkeit, euer Fanzine vorzustellen, zu tauschen und zu verticken. Schlafplätze sind begrenzt vorhanden (Bitte im Vorfeld bei uns melden!) – wir freuen uns auf euch!

Leitet diese Info bitte an alle Interessierten weiter und nehmt sie in euer Fanzine mit auf – wir sind vor allem noch auf der Suche nach Zinedistros, die ihre Zines auf dem Fest verticken wollen.

Flyer folgen noch!

Beste Grüße,

Markus (Kalter Kaffee-Fanzine / Fill My Head-Zinedistro)
Seb (Fill My Head-Zinedistro)
Jan (Proud to be Punk-Fanzine)

ZINE-ATTACK LEIPZIG

Termin: 10. September 2011

Ort: Atari (Kippenbergstraße 20/Ecke Täubchenweg / Leipzig-Reudnitz / siehe: http://maps.google.de/maps?hl=de&tab=wl)

Ablauf:
ab 14.00 Uhr:
- Brunch (vegan)
- Kurzfilme rund um das Medium Fanzine und den Do it yourself-Gedanken
- Kennenlernen

ab 16.00 Uhr:
- Lesungen
- Kreativ-Phase: Ihr könnt an den vorhandenen Schreibmaschinen eure eigenen Texte verfassen, Collagen und Sprühschablonen basteln oder Bilder zeichnen bzw. malen. Alles Materialien, die ihr dafür benötigt, werden von uns gestellt – ihr braucht also nichts mitbringen. Ziel des Ganzen soll es sein, am Ende des Tages ein kleines Festival-Fanzine fertig stellen zu können, in dem all eure Arbeiten gesammelt werden. Lasst eurer Fantasie freien Lauf!

ab 20.00 Uhr:
- Vokü (vegan)

Ab 22.00 Uhr:
- Konzert mit
Kenny Kenny Oh Oh (Punkrock / Leipzig / http://kennykennyohoh.bandcamp.com)
Morgenthau Plan (Powerviolence / Leipzig)
Doubt Everything (Hardcore-Punk / Leipzig / www.myspace.com/doubt_everything)

Außerdem:
- Zinedistros
- Infostände

Eintritt:
14.00-20.00 Uhr: 3 Euro
ab 20.00 Uhr 5 Euro

Aktuelle Infos unter:
http://fillmyhead.wordpress.com/zinefest-leipzig-2011

Kontakt:
jan.sobe(atätatät)t-online(punkt_dot_punkt_dot)de (Fragen, Schlafplätze, Heiratsanträge, etc.)

Fanzine – A Parasites Life

Das Human Parasit vom Bäppi war eines der besten A5er Zines, die es in Deutschland gab. Das Heft würde ich vor jedem besoffenen Punk verteidigen, der anderes erzählt. Die Nummer 10 ist vllt. das beste, selbstreflektierteste Hefte, das ich je in meinen Händen hielt. Manchmal hat man schon fast das Gefühl, den guten Menschen besser zu kennen, als sich selbst. Gespannt war ich daher, was sein neues Heft werden wird. Das „A Parasites Life“ ist der Versuch, die Qualität des Human Parasit auf Englisch fortzuführen, um nicht nur mehr beschränkt auf den Austausch mit Deutschsprachigen zu sein. Ein holder Vorsatz, der über weite Strecken in dem Debüt sehr gut umgesetzt worden ist. Das Heft hat darüber hinaus einen Themen Schwerpunkt Schweden und es werden u.a. die subjektiv besten Singles und Platten aus dem Land von Micha Krieger vorgestellt, Bands wie Sista Sekunden, Dörrterror und Beyond Pink (das Interview gab es allerdings schon in einem der letzten Human Parasits auf deutsch, für die Fremdsprachenscheuen unter euch) vor’s Mikro gezerrt. Drum herum gibt es alle möglichen Infos über besetzte Häuser (plus Interview mit Oi Polloi), über einen Punk der nach Schweden ausgewandert ist, über schwedische Eigenheiten (Astrid L., Roxette, Stefan Edberg – meiner Meinung fehlt da allerdings der obersympathische Henrik Larsson) und jede Menge weitere Texte. Kritisches gibt es über Ikea und H&M, deren Unternehmensgeschichte bzw. Verkaufsphilosophie erklärt werden. Zu H&M gibt es dann auch ein Interview mit einer ehemaligen Angestellten, die Inside-Sichten präsentiert.
Sehr geil finde ich den Test, zwei Schweden auf deutschsprachigen Punk stoßen zu lassen. Liest sich sehr gut. Und zu allem Überfluss gibt es noch eine CD mit vielen spannenden Bands, die ich allerdings mangels CD-Player noch nicht gehört habe. Aber mit Invasionen, Regulations, Sista Sekunden und Masshysteri sind allein vier Bands auf der CD, von denen ich zuletzt Tonträger angeschafft habe, weil sie mir so gut gefallen! Asta Kask, Kamikatze, Refused und The Hives (mit ihrem besten Song!) mal erst gar nicht erwähnt (und wer sie als MP3 möchte, findet sie hier). So sieht das Cover zum Beispiel aus:
A Parasites Life - CD Sampler
Das einzige Manko dieser Ausgabe ist, dass sie weniger persönlich ist, als die letzten Zines von Bäppi. Die Einleitung und der Schluss über die eigene Beziehung wirken auf mich leider sehr holprig. Das finde ich sehr schade und vielleicht macht es ja Sinn Zines abwechselnd in Deutsch und Englisch zu publizieren?! Dennoch, saugutes Heft und jede, die nur rudimentär englisch versteht, sollte sich das Zine zulegen.

Link zu der Website A PARASITES LIFE BLOGSPOT

Fanzine – Schlammrock #5

Dem lieben Hoeppi ist es zu verdanken, dass gerade Schleimkeim aus meinen Monoboxen des Laptops krachen. Schleimkeim (eine Fanseite mit Diskographie findet sich hier und hier) sind mir das erste Mal ca. in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre über den Weg gelaufen. Ihre EP „Drecksau“, die wir der einst für’s Strafraumpogo zum besprechen bekommen haben, gefiel mir allerdings überhaupt nicht. Dann schon lieber die Songs von nem Tape, was bei mir rumflog. „Ata, Fit, Spee“, „In Gotha gibt’s nen Laden“, „Spitzel“ und so weiter. Es müsste sich um die LIVE-CD „Mach Dich Doch Selbst Kaputt“ gehandelt haben, was mir irgendjemand auf Kassette (für die Jüngeren: MP3 auf Band!) gezogen hatte. Vor allem der Song „Geldschein“ gefiel mir aufgrund des relativ guten Textes, verglichen mit dem Geprügel der anderen Songs. Wie geil minimalistisch die Band war, was ein Geschrammel. Das war mehr Punk als alle anderen Bahnhofspunks, die einen so mit 15 / 16 noch umgaben. Egal, dieser Band um Sänger Ötze (der ja bekanntlich seinen Vater mit der Axt erschlug, bevor dann aus der Psychiatrie nicht mehr lebend heraus kam) wird im aktuellen Schlammrock abgefeiert. Nicht zu unrecht, nicht zu unrecht!
Dazu kommt ein äußerst spannendes und informatives Interview mit dem MediBüro Berlin (klickt mensch hier), das medizinische Hilfe für Undokumentierte (zumeist Flüchtlinge) organisiert. Aus dem Bewusstsein Linke Politik zu machen und gleichzeitig konkret Menschen zu helfen, ist dieses Projekt entstanden, mit der politischen Agenda, sich im Grunde selbst abzuschaffen, da es Strukturen in der Politik verändern will. Leider ist es davon noch weit entfernt, aber auch die individuelle Nothilfe bis dahin ist sehr, sehr wichtig.
Dazu Berlin-Zoten über Eisbär Knut und Renate Künast (beide richtig gut!), Monster Magnet werden abgekultet (gibt’s schlimmere Bands???) und es gibt ein paar Kurzgeschichten von mehr (Link), ein wenig (kein Link) und gar nicht (Link) talentierten Künstlern … ach ja, und am Ende zerstört der Weihnachtsmann das KaDeWe … geht’s besser?
Für 1,50 sehr gute, kurzweilige Lektüre! Jetzt kann EHEC aber auch wieder weggehen, Hefte ist durchgelesen! Wir sehen uns bewaffnet auf den Ruhrpott Rodeo!

Bestellen bei:
hoeppi77
(ä) web.de

Tourbericht: Hamburg – Braunschweig – Göttingen

Hamburg – Braunschweig – Göttingen
02. Mai 2011 – HAMBURG
Endlich geht es richtig los. Montagmittags, irgendwo in Kreuzberg / Friedrichshain. Fünf Leute besetzen ab mittags nach und nach den alten Dacia und machen sich auf den Weg nach Hamburg. Wir sollen im Gängeviertel lesen, ein Ort, über den ich schon viel gehört und gelesen habe. Ich bin gespannt, wie es dort aussieht, was für Leute kommen werden. 2009 war das Viertel besetzt und so vor dem Abriss gerettet worden. In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes in der Neustadt gelegen ist es das letzte Gebäude-Ensemble mit älterer Bausubstanz. Seit der Rettung durch die Besetzung, die dann die Stadt unter Druck setzte und das Gelände von niederländischen Investoren zurückkaufen ließ, gilt das Gängeviertel als eines der alternativen Zentren in Hamburg und möchte bundesweit auch als wichtiges Signal gegen Gentrifizierung und Verdrängung verstanden wissen. Dass das Gängeviertel mittlerweile auch von der Stadt vereinnahmt wird, dass es Tourist_innen anzieht etc. sind leider die negativen Begleiterscheinungen (mehr Infos zum Gängeviertel).
Gängeviertel Hamburg
Dank Navigation finden wir die Druckerei im Gängeviertel, in der wir abends auftreten sollen, problemlos. Außer „biegen sie jetzt halbrechts ab“ verstehen wir uns mit dem Gerät prächtig. Doch als wir dann so vor dem Gängeviertel stehen, bin ich schon ein wenig überrascht. Hätte ich mir das Gelände doch größer und irgendwie anders vorgestellt. Nichts desto trotz bietet das Viertel mit der Fabrik und der Druckerei zwei sehr schöne Räumlichkeiten für Konzerte, Lesungen, Partys etc.
Merchandise DJ Tulpe & der fette Mann / Mika Reckinnen / DonChrischan
Da Hamburg erst kurzfristig wenige Tage vor dem Beginn der Tour klar gemacht wurde, sind wir positiv überrascht, dass knapp 20 Leute zu der Lesung kommen, darunter einige Bekannte und Freunde in der Hansestadt. Mit „Der Blumenstrauß“ (s. Pankerknacker #25 – einfach hier ordern für 3 € + Porto) und „Geht’s noch elendiger“ lese ich wieder zwei Texte, die ihre Live-Premiere haben. Letzterer kommt aufgrund der Verbindung von „Sex“ und Unglück recht gut an … Don Chrischan ist allerdings definitiv in besserer Form, trotz andauerndem Röcheln ins Mikrophon. Alles abräumen werden dann aber DJ Tulpe & der fette Mann. Ein guter Abend, ein guter Start. Wir verkaufen sogar Merchandise wie Fanzines, Buttons und CDs. Der fette Mann und ich unterliegen dann bei „Bierchen“ am Kicker mit einer fast unterirdischen Leistung gegen diverse St. Pauli-Fans. Wir entscheiden uns, mit den anderen ins Hostel nebenan zu gehen, einer WG, die nur aus Matratzen besteht und in der wir mit einer Gruppe Kölner aus dem AZ-Kalk nächtigen. Ich lerne, was ein polnischer Abgang ist, vertreibe mit meinem Schnarchen diverse Personen aus meinem Raum.
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Illegale Downloads – Geistiges Eigentum und die Industrie

Jede_r siebte Internetnutzer_in, so berichteten in den letzten Tage einige Zeitungen und auch das Fernsehen, habe Erfahrungen mit illegalen Downloads (u.a. die Berliner Zeitung). Der Branchenverband BITKOM hatte dies in einer Studie, bei Forsa in Auftrag gegeben, herausgefunden. BITKOM begrüßt aber zeitgleich, dass im letzten Jahr insgesamt 390 Mio. Euro für (legale) Downloads ausgegeben wurden (wer ist denn so bekloppt! Download-Codes liegen Vinyl bei und wenn ich überlege, wenn mir meine Festplatte abschmiert und ich meine „Musiksammlung“ verliere … arme Irre!). Daraus schließt Volker Smid, Präsidiumsmitglied bei BITKOM, dass es einen großen und wachsenden Markt für Downloads gibt (immerhin, 43 Prozentige Steigerung im letzten Jahr im Vergleich zu 2009), wenn, ja wenn, die Preise und das Angebot lukrativ genug sind.
Jetzt habe ich schon einige Male daraufhin gewiesen, dass das Gejammer bei illegalen Downloads aus meiner Sicht heuchlerisch, übertrieben und Schwachsinn ist sowie meinen „Punkidealen“ (Kotzwort, sorry für die Verwendung) entgegen steht (Nach zu lesen unter anderem hier). Einen schönen Beitrag zu dem Thema unter dem Titel „Das selbst geschaufelte Grab der Musikindustrie“ (zu finden hier auf 11k2.wordpress.com) hat der liebe Kollege Falk Fatal (zu finden hier) ausgegraben. Aus diesem würde ich gerne ein wenig zitieren und v.a. die beiden Graphiken entleihen.
Spannend ist, dass der durchschnittliche Konsum eines US-Amerikaners bzw. einer US-Amerkanerin in den 1970er Jahren bei ca. 3 Alben pro Jahr lag. Erst Ende der 1980er stieg der Konsum auf durchschnittlich 4 Alben, um dann Mitte der 1990er Jahre bei 5 Alben sich einzupendeln. Aus diesem Wachstum extrapoliert die Musik-Industrie, dass ungefähr 2009 der Konsum schon bei 7 Alben pro Jahr gelegen haben müsste (s. Graphik von 112k.wordpress unten). Bei 300 Mio. Einwohner_innen wären dies allein 600 Mio. verkaufte Tonträger mehr, bei einer Gewinnmarge von vorsichtig kalkulierten 5 US-Dollar pro Album wären das 3 Mrd. US-Dollar, die der Musikindustrie entgehen, wie gesagt, wenn das Wachstum real wäre (und die Gewinnmarge dürfte auch um einiges höher liegen). Graphik von 11k2.wordpress
Spannend ist nun das Hier und Heute! Seit 1993 stagniert dieses Wachstum schon, also weit vor Napsters Beginn, das im Jahr 1998 programmiert worden ist. Woran liegt das? Ich bleibe bei meiner Theorie, dass viele Menschen ihre Vinyl-Sammlung auf CD nachgeordert haben. Mit der Musikkassette und dem Vinyl waren zwei beliebte Formate durch die CD ersetzt worden. Schon 1997 brachen die Verkäufe erstmalig ein (s. Graphik unten, ebenfalls von 11k2.wordpress), ebenfalls vor Napster und anderen Downloads-Portalen!
Graphik 2 von 11k2.wordpress
Die aktuellen Zahlen sind nun wieder – für die USA – auf der Stufe von 1991 zurückgegangen, es drohen weitere Rückgänge. Warum? Ich denke, es handelt sich mittlerweile auch um eine sich selbsterfüllende Prophezeihung. Das viele Klagen über die Downloads hat diese nicht uninteressanter gemacht. Genau im Gegenteil, wenn es so einfach ist, ist man ja bekloppt, wenn man für einen Haufen Daten Geld zahlt. Meinen Blog würde ich schließlich auch nicht gegen Geld verkaufen, wobei Leser_innen gerne meine Bankdaten zwecks Spenden erfragen dürfen, hahaha.
Aber ernsthaft, wenn Downloads so einfach sind, warum nicht zugreifen? Und andersrum, jeden Scheiß, der runtergeladen wird, würde nicht auf CD gekauft werden. Dazu kommen die horrenden Preise für legale Downloads (für Digitale Daten 0,99 Euro für zwei bis vier Minuten Songs zu zahlen kann nur als frech bezeichnet werden, teilweise kosten 15 Sekunden Intros sogar den gleichen Preis … unfassbar!), CDs werden unattraktiver und v.a. gab es ein massiven Plattenlädensterben in den Innenstädten. Wo also, fernab von unpersönlichen Elektrosupermärkten, wo man wirklich nicht CDs oder LPs kaufen sollte, die Musik bekommen, die man mag?
Die Konzentration auf wenige Stars, die mangelnde Förderung der musikalischen Breite etc. kommen noch hinzu. Spannend ist aber nur, dass diese Statistiken – von der Musikindustrie in einem Prozess gegen Napster präsentiert, wenn 11k2.wordpress Recht hat – eigentlich genügend Argumente liefern, warum der illegale Download nicht (und vor allem nicht alleine) für den Rückgang der Verkaufszahlen verantwortlich ist.
Meine größte Angst vor einem repressiveren Umgang mit geistigen Eigentum, den die Musikindustrie massiv fordert und fördert, ist allerdings weniger auf den „Musikmarkt“ gerichtet, sondern auf andere Bereiche. Ich kann es mir mittlerweile leisten monatlich meinen lokalen Plattendealer glücklich zu machen und so das Aussterben von unabhängigen Plattenläden, Vinyl, kleinen Bands und einer D.I.Y.-Szene in meinen Möglichkeiten zu begrenzen. Aber was ist, wenn geistiges Eigentum auf Medizin stärker als schon jetzt durchgesetzt wird?! Wer versorgt Menschen im globalen Süden mit lebenswichtigen Medikamenten, wer versorgt sie mit Saatgut (auch hier gibt es viele Patente), wer mit anderen Gütern, die zum Leben notwendig sind. Patente geschickt einsetzen, geistiges Eigentum auch begrenzen – im Sinne aller, im Sinne der Menschen!

Aktualisierung – Hörspiel-/Lesetour mit DJ Tulpe und der fette Mann und DonChrischan

Lesetour

Fanzine-Index.de is DEAD!

Manchmal kommen Nachrichten wie aus dem Nichts! Mit einem Mal ist Fanzine-index.de, DAS Verzeichnis deutschsprachiger Fanzines, eingestellt. Der Grund: Mögliche Rechte-Verletzungen Dritter, die auf der Seite leider nie auszuschließen sind und die einfach nicht verhindert werden können. In Zeiten von Klagen wegen jedem Rotz und einer wachsenden Bedeutung von Jurist_innen – früher hat auch mal ein netter Brief gereicht, oder die Drohung, was auf die Schnauze zu bekommen – hat der Andreas die Seite lieber eingestellt, als das Risiko einzugehen, verklagt zu werden. Das kann ich auf der einen Seite nachvollziehen, auf der anderen Seite: ich denke, dass bei einer möglichen Klage eine Soli-Welle durch die Fanzine-Szene, somit auch durch die (alternativ-) Medienwälder gerollt wäre, dass der Kläger oder die Kägerin durchaus mehr negativ als positiv Werbung zu erwarten hätte. Aber egal, das Projekt Fanzine-Index ist somit vorerst eingestellt.

Wer Lust hat, das Interview zwischen Andreas und mir nochmal nachzulesen, muss es also in Zukunfter hier tun und kann es nicht mehr auf Fanzine-Index finden.

Fragen an Mika Reckinnen – Die fanzine-index.de-Fragestunde, Juni 2010
(mehr…)

Fanzine – Kalter Kaffee #1

Auf dem Cover erblickt mein Auge Joe Armstrong aka Michael Dudikoff. Klar, American Ninja (oder im „Deutschen“: American Fighter), ein Klassiker des Action-Genres der 1980er Jahre. Wie geil, ein US-Amerikaner, der sich als Ninja verkleidet und andauernd kommen Ninjas (die bösen) und wollen sie prügeln. Ehrlich gesagt, lange Zeit mein absoluter Lieblingsfilm, den ich mir mehrfach – auch in der Begleitung meines arg begeisterten Vaters – reingezogen habe (ich bin gerade so begeistert, dass ich mal ganz nerdig den Original Trainer einbaue …). „Operation Dance Sensation“ hat das vor knapp 10 Jahren stellenweise brillant persifliert.
TRAILER AMERICAN NINJA

TRAILER OPERATION DANCE SENSATION

Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Großteil der Handlung der vier Teile gar nicht mehr kenne. „American Ninja 3″ (und auch Teil 4???) haben ohne Michael Dudikoff deutlich an Reiz verloren. Naja, gut ihn auf dem Cover zu erblicken. Gut ist auf jeden Fall auch das Zitat von ihm auf der Rückseite vom „Kalten Kaffee“: „Acting is a real challenge. I want to make it, I can make it and I‘m gonna make it“, so das ehemalige Modell.
Zwischen dem Cover und dem Zitat befinden sich dann 38 A5-Seiten angestaute Wut, Frustration und Energie. Schön, dass jemand mal wieder aus eigener Angepisstheit ein Fanzine startet, um eine Möglichkeit zu suchen, das Ventil zu öffnen. Schon zu Beginn macht Markus klar, was ihm alles auf den Sack geht und darauf kommt er immer wieder zurück. Sei es der allgemeine, alltägliche Wahnsinn, sei es der Nintendo-Hype verzogener Mittelschichts“punker“kids, sei es Hardcore-Bollo-Kram. Letzterem widmet er sich mit einer schönen Collage in der Mitte des Heftes. Des Weiteren interviewt er Henry Fonda, Guillotine und XbräiniaX, verzichtet abgesehen von 2 Seiten Zinereviews zum Glück auf das Besprechen v.a. von Tonträgern (mit einer Ausnahme, ein ausführlicher Verriss einer Guerilla CD), kramt dafür in seiner Kindheit und stellt einige seiner Lieblings-N64-Spiele vor und füllt die restlichen Seiten mit angepissten Kolumnen. Besser geht’s kaum! Dazu einige Konzertberichte, in denen es null um die Bands geht, sondern um die allgemeine Langeweile, die solche Konzertgänge begleitet. Großes Kompliment, hoffe auf weitere Hefte!!!
Zu beziehen unter: kalterkaffee@himbeer.org

Fanzines – Underdog #35

Respekt, Respekt! Der Herr Spenner haut die Zines nur so raus und das dennoch immer auf Inhalt und Qualität bedacht.
Diesmal also Nummer 35 und mit einem „Special“ zum Thema „Fight Homophobia“. Okay, sein wir mal ehrlich, das Thema ist sehr wichtig, doch hyped es gerade scheinbar in der „Szene“ und kaum ein Zine kommt wohl ohne Artikel zu dem Thema aus. Was aber nicht weiter schlimm ist, da szene-kritische Texte eigentlich immer noch zu selten sind. Die meisten Artikel gehen dabei selten in die Tiefe und daher war ich gespannt, was der Underdog daraus macht.
Tja, und dann nach dem Lesen erstmal Enttäuschung! Ich finde, dass dieses Spezial über Homophobie eigentlich kein Spezial über Homophobie ist. Es fehlt der Fokus auf das Thema und v.a. sehr extrem der Bezug zu Punk/Hardcore in Deutschland. Denn wie immer werden bei den Einleitungstexten „Bad Brains“ und „Agnostic Front“ als homophobe Bands beschrieben, beides wird mit Zitaten oder Erklärungen erläutert (HR von den Bad Brains zu Homosexualität im Pitchfork Magazin: „Fire burn, Jah says the way you‘re living, the lifestyle is not right. You have to circumcise your heart and your soul and your spirit, get yourself right“ – Agnostic Front: „Jeder Mann sollte entweder mal im Knast sitzen oder in den Krieg ziehen“ – Roger Miret im Rockhard). Soweit so gut, doch was ist zum Beispiel mit „Kein Hass da“, die sich doch eindeutig auf die „Bad Brains“ beziehen? Die Homepage heißt sogar im Subtitle: „Bad Brains auf Deutsch!“ Müsste man nicht so konsequent sein und auch hier zumindest einmal nachfragen, wie die Band diesen Teil der „Bad Brains“ sieht? Nicht, dass ich das Karl Nagel und Co unterstellen möchte, dass sie homophob seien, doch wenn sie sich auf eine Band beziehen, die sich so merkwüridg geäußert hat, darf man ja mal nachfragen. Eine Screwdriver-“Aber-nur-die-erste-Single-die-noch-Punk-war“ (kotz!)-Coverband würde ich auch danach fragen, wie sie zu dem restlichen Schaffen der Band stehen. (Naja, eigentlich würde ich eine solche Band gar nichts fragen, sondern sie einfach ignorieren!) Vielleicht beweist das Underdog hier nicht „Feigheit vor dem Feind“, sondern „Feigheit vor dem Freund“, um es mal vorsichtig zu formulieren. Übrigens, auch Distros und Mailorder, die Bad Brains und Agnostic Front Platten verkaufen, hätte man einbeziehen können (nur nebenbei – eine Anzeige einer Band / eines Labels, die als Vertrieb NMD haben, die gleichzeitig auch Krawallbrüders „kb records“ vertreiben und vieles an Oi!-Sachen, die sicherlich nicht korrekt und … aber lassen wir das).
Stattdessen gibt es mehr oder weniger soziologisch anmutende Texte über Geschlechterrollen allgemein (wobei mich wundert, dass Judith Butler nicht einmal namentlich erwähnt wird … – Angst, von den Anti-Deutschen aufgrund ihrer dümmlichen Aussagen zur Pali-Solidarität angegriffen zu werden?), Intersexualität und alles im Mantel eines Dekonstruktivismus. Das ist als Hintergrundwissen spannend und auch gut geschrieben, allerdings hätte ich es weniger in einem Spezial zu „Fight Homophobia“ erwartet. Zudem sind diese Diskurse leider doch sehr auf ein akademisches Umfeld begrenzt.
Spannender dann schon das Interview mit ASAP – Antisexistische Aktion Potsdam, die über ihre eigenen Aktionen berichten. V.a. die aktivistische Dekonstruktion des „Männertages“ in Potsdam durch Plakate etc., großartig, auch wenn ich nicht weiß, wie viel solche Aktionen wirklich bewirken. Auf der anderen Seiten haben die Menschen hinter ASAP daran selber Spaß und das finde ich bei Politik mittlerweile mit am wichtigsten. „If I can‘t laugh about it, it’s not my revolution!“ Was mir in dem Interview aber leider fehlt, ist die Perspektive, was Leser_in selbst machen kann. Das Interview bleibt so eher auf einen deskriptiven, wissenschaftlichen Ansatz beschränkt, der aktivistische kommt zu kurz, er wird eher beschrieben, als dazu eingeladen. Und allen ernstes: Als Kontaktadresse Myspace angeben, eine solche Gruppe ist relativ schnell unten durch für mich. Das ist ja, als würde sich eine Punkband von Coca Cola sponsern lassen. Es gibt so viele kostenlose Blogs, da muss es ja nicht das Rupert Murdoch-Netz sein, oder? Selbst wenn es Sinn macht, sich dort zu vernetzen, als „Kontaktadresse“ taugt Myspace mal überhaupt nicht! Um mit ASAP in Kontakt zu treten, muss die/der Interessierte ja selbst Mitglied in dem Netz sein oder werden.
Es folgt ein Interview mit Multi Conflict Family, die u.a. ein Queerpunk-Festival in Berlin organisieren. Das Highlight der Ausgabe ist aber definitiv das Interview mit Jörg Hutter, einem schwulen Punk, der die „Punkszene“ gegenüber der „Schwulenszene“ eher verteidigt, aber auch ansonsten spannendes von sich gibt. Alleine das Interview lohnt den Erwerb des Heftes.
Dazu kommen massive CD und Fanzine Review, wobei ich es großartig finde, wie viel Mühe sich Fred bei Reviews, v.a. den Zine-Reviews gibt. Daher auch an dieser Stelle mal ein längeres, konstruktives Feedback von mir.
Was mir bei dem Themenschwerpunkt allerdings fehlt sind v.a. mehr Bands, z.B. Pansy Division – die BAND schlechthin in dem Bereich Gay-Pop-Punk – oder Limp Wrist, etc. die zu Worte kommen. Auch der Konflikt im AJZ Bielefeld, wo Limp Wrist Sänger aufgrund von Sexismusvorwürfen nicht nackt spielen sollte, wäre eine spannendes Thematik für das Zine gewesen. Ist das jetzt Homophobie oder Anti-Sexismus, was solche Diskussionen wie im AJZ beflügelt? Oder gar beides? Vergleich das Statement hier (Link)! Dafür hätte ich mir weit weniger akademische Texte gewünscht, die einige eh kennen dürften oder aber die man mit gezielten Links auch im Netz finden dürfte. Für mich als Leser, der sich mit dem Thema „Homophobie“ selten beschäftigt, drängt sich am Ende die Quintessenz auf, dass Homophobie ein Problem des US-Hardcore um Agnostic Front und Bad Brains ist und das es in Deutschland ein paar Mittelschichts-Akademiker_innen gibt, die gegen die herrschenden Geschlechterverhältnisse aufbegehren (zumindest kommt es leider so rüber). Mit Punk und Hardcore haben die meisten Inhalte leider wenig zu tun, bzw. nur mit Punk und Hardcore als Teil der Gesellschaft. Da hätte ich mir viel mehr gewünscht, aber vllt. gibt es ja noch einen zweiten Teil, der dann auf diesem Spezial aufbauen kann! Auf beiliegender CD hätte man dann auch durchaus ein paar Queercore Bands versammeln können … wäre eine gute Gelegenheit gewesen.
P.S.: Das ganze ist natürlich „meckern“ auf sehr hohem Niveau, denn nichtsdestotrotz ist das Heft absolut lesenswert (!!!).
Wer es haben möchte, klickt einfach auf: www.underdogfanzine.de