Jan Off: Happy Endstadium
Jan Off ist sicherlich der Großmeister der deutschsprachigen Gossen- und Punkrock-Literatur. Was die Eintracht aus Braunschweig seit Jahren verwehrt bleibt, Jan Off ist erste Liga, keine Frage. Bundesliga sogar, die international mitspielt, auch wenn man dem Barden da sicherlich gleich Erinnerungen an Hannover 96 (Europa League) oder VfL Wolfburg (vor nicht allzu langer Zeit Champions League) einpflanzt.
Während ein Günther Grass mit dem Panzer durch die Feuilletons mit lausigen Gedichten genüsslich auf Israelis schießt – ob er denkt, er habe das in seiner Jugendzeit verpasst? – kommt Jan Off mit einer Klebebombe a la MacGyver und befestigt sie an den Panzern des Literatur-Throns. Er rechnet in seinem neuen Buch „Happy Endstadium“ mit allem ab! Er erhebt den Stinkefinger in alle Richtungen, links, rechts, oben und unten.
Die Geschichte ist recht schnell zusammengefasst. Der Ich-Erzähler, der aus Liebe in eine militante WG zieht, aufgrund eines Ulrike Meinhof Zitates auserwählt wird und sich dann um linke Geflogenheiten (vegan, diskutierend, politisch-agitierend) kümmern muss, ist eine typische Jan Off Figur, der man mit großem Genuss beim Scheitern zu sieht. Da Scheitern alleine nur wenig Spaß macht, gesellen sich allemöglichen seidenen und halbseidenen Figuren hinzu, die auf Namen wie Enddarm, Kleingeld oder Jan hören.
Die Geschichte beginnt auf dem Polizei-Revier und endet dort. Wie es dort hinkommt, erklären die Blätter zwischen Seite 7 und Seite 263. Denn dazwischen gibt es Demos für Gefangene Genoss/innen, Ausschreitungen, Krawall und Remmidemmi, Diskussionen wie korrekt die PKK aus feministischer bzw. anti-deutscher Sicht ist, Faustkämpfe, einen Bandenkrieg mit den Kindern aus der Unterschicht mit und ohne Migrationshintergrund, einen genialen Plan sowie Wachmann Berni Klotzkorke.
Sprachlich ist es diesmal nicht so auf Radau aus, wie in einigen seiner Kurzgeschichten, etwas weg vom Slam Poetry-Style, der auf wenigen Seiten funktioniert, in Buchform aber aufgesetzt wirken würde. Also genau die richtige Wortwahl, um das Buch an drei Tagen durchzulesen, wie ein Koka-Junkie auf Entzug! Dabei legt er Finger in die Wunden und Wunden an die Finger! Eine gute Reflexion über „Szene“, „Gepflogenheiten“, „Widersprüche“ und dem ganzen Scheiß, den die meisten Leser/innen viel zu gut kennen. Danke dafür! Meine Lieblingsszene ist, als eine Gruppe von Kindern Gewalterfahrungen machen muss und dieses als politische Kollateralschäden verklärt wird. Großes Kino mit Buchstaben, oder so!
Homepage von Jan Off findet sich hier – www.jan-off.org
ISBN: 978-3-931-555-36-8 – 14,90 € – im Ventil-Verlag (Homepage)








