No Comment – Hot Water Music – The Fire, The Steel, The Tread
Die Sehnsucht nach neuen Hot Water Music Songs hielt sich schon im Vorfeld in Grenzen. Sowohl The Draft als auch die letzten Veröffentlichungen der Band selbst – von den Live-EPs mal abgesehen – waren alles andere als bahnbrechend. Genau im Gegenteil, mit The Draft konnte und kann ich immer noch gar nichts anfangen, das letzte HWM Album habe ich nach einigen Hörversuchen einfach als Datenmüll auf der Festplatte gelassen. Waren mir ihre ganz alten Sachen aus den 90ern häufig zu sperrig, wurden sie auf den letzten Platten häufig viel zu catchy, eingängig und hatten keine Ecken und Kanten mehr.
Die Songs der neuen Single sind dann ebenfalls weit weg von erfrischendem Emocore (als es noch keine Beleidigung war) wie zur „No Division“ Zeit. Gute Rockmusik wird geboten, die weit mehr an Bruce Springsteen erinnert – oder The Gaslight Anthem – als an die eigene Vergangenheit. Ruhig, melodisch, rockig. Chuck Ragan solo trifft Hot Water Music trifft Bruce Springsteen. Das ist nicht schlimm, die Band altert mit dem Publikum und mir gefällt die Single durchaus. Zumindest besser als alles von The Draft.
Aber braucht es die Band 2012 wirklich noch? Wer erfrischenden Punk in 2011, 2012 und wohl auch 2013 hören möchte, sollte lieber auf eine der zahlreichen Post-Latterman Bands wie RVIVR, Iron Chic etc. zurückgreifen. Latterman selbst haben sich vor einigen Wochen auch wieder für einige Shows zusammengetan und man darf gespannt sein, ob es noch mal weiteres Material gibt oder ob es nur „Just-for-fun“ war. Auf ein „auf-ewig-leben“ wie bei Hot Water Music sollte man aber bitte verzichten!
Archiv der Kategorie '06. Gedanken'
No Comment – Gebt den Faschisten keine neue Chance
Heute nur ein Video, ohne größere Kommentare, weil das schon alles sagt …
No Comment – Diskussionskultur 3.0 (Tag 3)
Dass das Internet die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, revolutioniert hat, dürfte wohl niemand ernsthaft bestreiten, die sich tagein, tagaus ins Büro schleppt. Emails, Facebook, elektronische Verfolgung des eigenen Pakets, Skype und dazwischen Onlinespiele; so dürfte durchaus der Alltag in manchem Büro aussehen. Burn-Out, Rückenleiden, Sehnenscheidenentzündungen und kaputte Augen sind die Resultate. Wobei Tendovaginitis sicherlich auch ein großartiger Name für Bank(angestellten)rocker oder Post(beamtinnen)punk wäre.
Mein Job geht in die selbe Richtung (ebenfalls Postpunk). Ich lese morgens Mails, verfasse Artikel, rechne mit Excel Projekte ab, lese online philippinische Zeitungen, verwalte unsere Mitglieder, schreibe Mails und Briefe und hin und wieder chatte ich auf Facebook. Alles online. Selbst wenn ich telephoniere fallen dabei Sätze wie, „habe ich Dir gerade per Mail geschickt. Schau mal auf Seite 3, relativ weit unten.“
Eine meiner Vorgängerinnen habe ich neulich gefragt, wie sie das damals – in der zweiten Hälfte der Neunziger – eigentlich gemacht hätten, so ganz ohne Internet. Sie fing anzulachen und meinte, die Revolution sei das Faxgerät damals gewesen, wo sie Briefe direkt nach Manila verschicken konnte. Ansonsten war es „offline“-Arbeit – die damals natürlich noch nicht so hieß, da niemand „online“ war – wie Zeitungen oder Bücher lesen. Ich wollte nicht fragen, ob sie auch Sachen in die Schreibmaschine hacken musste, aber bei den veralteten Rechnern, die teilweise noch im Keller stehen, befürchte ich, sie waren damals auch schon ein wenig „online“, bzw. vor einem PC.
Spannend fand ich, wie Informationsbeschaffung ablief. Eine Stewardess schickt zum Beispiel zu der Zeit noch einmal die Woche einen Stapel philippinischer Zeitungen ans Büro, die dann einmal die Woche gelesen wurden. Heute gibt es den Direktflug (Frankfurt-Manila) nicht mehr, die Zeitungen hingegen sind online.
Dass das Internet schon längst auch ins Privatleben eingreift (s. diesen Blog, hehe), ist auch klar. Doch dass das Internet dank SmartPhones nun überall mit hin zu nehmen ist, hat auch große Nachteile. Die Gewerkschaft bei VW kämpfte zum Beispiel nicht mehr nur für Lohnerhöhungen, sondern auch dafür, dass Arbeitnehmer_innen am Wochenende keine Firmenmails mehr bekommen können (s. Zeit-Online-Artikel). Am schlimmsten ist allerdings, dass die gttverfluchten kabellosen Dinger auch in Kneipen funktionieren. Konnte man früher die noch so steilste These aufstellen, weil man wusste, im Suff konnte sich am nächsten Morgen eh niemand dran erinnern, zieht nun irgendein Idiot (wahlweise auch durch die Worte „guter Freund“ zu ersetzen) sein internetfähiges Mobiltelephon und legt mit Wikipedia direkt den Gegenbeweis an. Da hilft es auch nicht, an der unwissenschaftlichen Arbeit von Wikipedia zu zweifeln, spätestens zehn Sekunden später erhärtet eine weitere Homepage den Verdacht, dass die steile These ein Rohrkrepierer ist. Früher konnte man stundenlang darüber diskutieren, ob z.B. ein abgehalfteter Torwart wie Thorsten Stuckmann beim SC Verl gespielt hat und sich jetzt in England verdingt. Heute ist es ein Diskussionsversuch von wenigen Sekunden, dann hat man Tatsachen geschaffen. Nein, er hat nicht für den SC Verl gespielt, in der Jugend aber für den FC Gütersloh. Dort in Gütersloh ist er auch geboren. Diskussion beendet. Selbst ob er ein guter Torwart war oder nicht, ließe sich anhand von Kicker-Benotungen seit 1945 relativ einfach herausfinden. Das wiegt auch die Tatsache nicht auf, dass wir nun wissen, dass er bei Preston North End Torwart ist.
Für diese Zerstörung der Kneipen-Diskussionskultur sollte man Steven Jobs und Co eigentlich die Seuche an die Haxen wünschen, wobei man bei dem genannten ihn ja erst wieder aus der offline-Hölle holen müsste (war es nicht die Titanic, die nach dem Tod des Apfelpflückers etwas von „Jobsabbau bei Apple“ geschrieben hat?). Da sind mir die Leute schon lieber, die das Teil zu Hause lassen, aus Angst das teure Handy könnte im folgenden Vollsuff beschädigt oder verlustig gehen.
No Comment – EA80 bei Sonnenschein (Tag 2)
Es ist schon verrückt. Die Zahl der Sonnenstunden vom 18. Dezember bis zum 29. Januar dürften sich im niedrigen zweistelligen Bereich bewegt haben. Kaum war ich aus den Philippinen zurück, überzog das Land eine taube, graue Masse von Wolken und Regenfeldern.
„Jetzt soll er sich mal nicht so anstellen“, ist natürlich die einzige richtige Reaktion auf diesen unreflektierten Scheiß, werden die Miesmacher_innen unter Euch anmerken. „Turnt da erst bei 30° Celsius mehrere Wochen in Hinterasien herum und beschwert sich dann über das nasskalte Wetter hier.“ Ja, das ist schon schizophren. Auf der anderen Seite erinnert mich das gleich an die SMS, die ich von einer Freundin bei der Ankunft in Manila bekam. „Mika, why is it always raining when you are here?“ Gute Frage!
Der beschissenste Wetterspruch ist übrigens immer noch: „Es gibt nicht das falsche Wetter, nur die falsche Kleidung.“ Solchen Leute sitzen den ganzen Tag zu Hause und gehen maximal einmal am Tag mit dem Hund spazieren. Klar, darauf kann man sich einstellen. 23:30 in Joggingbuchse und T-Shirt vor dem Ofen und dann für ne halbe Stunde mit Winterstiefeln und -jacken „in die Kälte“. Für normale Menschen sieht das aber anders aus. Jede_r friert doch auf dem Weg zur Straßenbahn, einfach weil es Schweinekalt ist. Dann, in der Bahn selbst kommen einer/m doch spätestens nach wenigen Minuten die Schweißtropfen auf die Stirn geballert. Beim Einsteigen ist schon die Brille beschlagen. 35 ° Celsius, Fahrer in kurzen Hosen. Aus diesem Tropenloch schweißgebadet wieder aussteigend bemerkt man, dass man die Jacke in der Bahn vergessen hat und bibbert sich zum Arbeitsplatz. Immerhin, der Schweiß auf Rücken und Stirn ist mittlerweile gefroren und lässt sich leicht abknibbeln. Auf der Arbeit dann – Dank defekter Heizung ab der Mittagspause, wieder bibbernd. Rückweg gestaltet sich wieder frierend, schwitzend, frierend, bis man am nächsten Tag mit ner Lungenentzündung darnieder liegt. Was ist denn da „falsche Kleidung“? Unwort ist übrigens: „Zwiebellook“. Sowas kann doch nur nem Kartoffelficker einfallen: „Zwiebellook“. Immerhin, noch wurde keine „Miss Zwiebellook“ gekrönt, das habe ich gerade mal gegoogelt. Nur bei „Miss Onion“ findet man Treffer. Bizarr!
Aber eigentlich wollte ich mich gar nicht über das Wetter auslassen (das wirkt ja schon so, als würden mir am zweiten Tag die Ideen ausgehen, ohweia), sondern auf den Fakt hinweisen, dass meine Adaption an das schlechte Wetter gelungen wäre, wenn, ja wenn nicht das schlechte Wetter auf einmal weggewesen wäre. Denn pünktlich am Montag, bei den ersten langanhaltenden Sonnenstrahlen, konnte ich zum ersten mal die neue EA80 LP „Definitiv: Nein“ auflegen. Jetzt sitze ich also miesmuffelig vor meinem labrigen Toast und kalten Tee, höre EA80 und male graue Regenwolken an meine Fenster. Dabei fühle ich mich so gut, dass ich grinsen muss. „Fort von krank“ ist übrigens ein super Opener und mit dem Rest beschäftige ich mich wann anders näher. Aber weggehen … ach ja … weggehen …
Heute morgen bin ich aufgewacht und hatte noch vor dem Duschen die erste Idee des Tages: „Wecker direkt ausmachen“! Dann, beim Duschen, „warum nicht auf das Blog mal regelmäßiger irgendeinen Popanz von sich geben?“ Während mich von außen die Dusche wärmt, wärmt mich von innen der Gedanke. „Und das ganze noch vor dem Frühstück oder auf dem Weg zur Arbeit festhalten und im Laufe des Tages hochladen.“ Spätestens jetzt hätte ich den Arzt rufen sollen: „Herr Doktor, ich habe zu heiß gebadet. Nein, nicht nur als Kind!“ Oder so!
Was mir am meisten Sorgen macht, dass mir die Schnapsideen jetzt schon nüchtern und am Morgen kommen. Mit dem Geschmack nach toter Katze auf den Lippen – also vor dem Zähneputzen – , aber ansonsten wohl riechend – nach der Dusche – setze ich mich gleich hin und denke mir, was das für einen Einschnitt in mein Leben bedeutet. Morgens einfach mal früher aufstehen ist der erste. Ob Leute sich den Schund überhaupt regelmäßig durchlesen werden? Und wenn ja, was denken sich die vier Leute dabei?
„Klasse, super Idee“, wird sich jetzt die Lesende denken, da sitzt das Autorenschwein zu Hause mit Kaffee am Frühstückstisch, Laptop aufgebaut und schreibt seine völlig irrelevanten Sichten auf die Welt hernieder. Ein wenig Dies und Das, einwenig Dies- und Jenseits und fertig sind ein paar … ein paar … ein paar was eigentlich? Und wofür? Alles für ein bisschen mehr …
- „Traffic für seinen bescheuerten, nichtsnützigen Blog“, wird die Piratenpartei-Wählerin sagen.
- „Komplimente a la Haste-gut-gemacht“, wird der Sozialpädagoge sagen.
- „Langweilige Sichten auf noch langweiligere Themen“, wird die Kritikerin sagen.
- „Toll … toll … toll! Nee, gelesen habe ich es nicht!“ Sagen alle anderen.
Ich denke allerdings schon in der Straßenbahn, dass es eine nicht ganz so super Idee sein könnte. Wie wahrscheinlich ist es, als Morgenmuffel es durchzuhalten, morgens eine halbe Stunde eher aufzustehen, nur um sich mit einer Tasse Tee – denn ich lehne konsequent den Kaffee-Konsum als typisch deutsche Tugendhaftigkeit ab – an seinen Laptop zu setzen und irgendeinen Schwachsinn, den eh niemanden interessiert, in die Tastatur zu hacken?
Seien wir ähnlich, ich hätte mir auch ausdenken können, Atomphysikerin zu werden. Oder Brathähnchen! Letzteres würde immerhin dafür sorgen, dass ich es morgens warm hätte, auch nach der Dusche. Wobei, haben es Brathähnchen schon morgens warm, oder beginnt deren Arbeitsrunde erst mit dem Mittagsgeschäft, sagen wir mal ab 11:00 Uhr? Abwegige Gedanken, die nur von dem eigentlichen Sinn dieser Serie ablenken: Ich werde es nicht lange schaffen, täglich was zu schreiben. Es wird ein morgendlicher, schlechtgelaunter Kampf werden. Auf der anderen Seite, der erste Schritt ist getan. Ich habe es in alle Welt herausposaunt. Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, ick hör dir trapsen. Vielleicht schaffe ich es ja einen Monat, oder zehn Tage. Oder eine Woche. Naja, erst mal heute. Und um es mit dem schottischen Radioreporter zu sagen: „One in a row, just nine to go!“ Oder so ähnlich!
Als Rosi mich vor ein paar Tagen anschrieb, in dieser grauen, vorweihnachtlichen Zeit, und mich auf das Update der Myruin-Seite hingewiesen hat, wurde es doch mal Zeit, wieder melancholische Gedankengänge an die Vergangenheit zu verschwenden. Moment, verschwenden? Wenn man schon seine Jugend verschwenden musste, dann war das Drachenmädchen auf jeden Fall ein schöner Zeitvertreib und neben dem Blurr vielleicht eines der besten Fanzines seiner Zeit, das als eines der ersten Kurzgeschichten aus „der Szene“ und Musik pari-pari verband. Gleichberechtigung, Emanzipation, sucht Euch Feuiliton (ich musste das Wort tatäschlich ob seiner Schreibweise nachschlagen, still Punk not Bildungsbourgeoisie). Daher eine kleine Erinnerung an diese Zeit, als Münster noch „zu Hause“ und „Studium“ Beruf war.
Drachenmädchen – verdammt
Als ich am Hafen ankam, saß sie schon da. Der Wind zerzauste ihre Haare, ihr Näschen lief. Wir unterhielten uns über Bands, die sie kannte und die ich mochte. Oder die ich nicht kannte, aber sie mochte. Wir tranken Wein und Bier, verlegten die wichtigen Dinge in Richtung Tresen. „Bitte werfen sie eine Münze ein“, das war noch vor dem Ruhrgebiet und dem anhaltenden Fernsehdesaster. „Oiro“, dachte ich immer, nicht „Münzen“. Ein wenig Blurr, ein wenig old-school-Fanzine, viele neue Ideen und alte, schlechte Witze. Die habe ich meistens gemocht, in den Hörsälen mit ihr und einem Grinsen. Nur einmal, da rollten Tränen und ich durfte nicht laut loslachen. Ein denkwürdiger Moment, als sie sagte, „ich suche einen Mann mit Pferdeschwanz – Frisur egal!“ So albern, so infantil, so gut!
Dann wollte sie mit mir diskutierten, ob Ray Cappo oder Torben Meissner stärker ist. Mir war das egal, Machomänner waren seit Reinhard Fendrich „out“. „Was kannst Du denn?“ fragte sie empört und ich begann ihr Kurzgeschichten zu erzählen. Über Boxerinnen, über suizidale Clowns, über Trauertränen und sie dankte es mit Bier und sanften Küssen. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend in der Baracke in Münster, das erste Mal auf der Bühne, im Rahmen von Kunst. Als sie mich verließ, war ich älter, immer noch nicht erwachsen. Zeiten vergingen wie Duesenjaeger, ein weiterer Ritt durch die Geschichte.
„Alte Liebe rostet nicht“, sagte mein Großvater in einem seiner weisen Momente immer und vielleicht hatte er da Recht. Als ich sie vor kurzem wieder in den Händen halten konnte, war es ein wohliges Gefühl, ausgelöst vielleicht durch den Wein, vielleicht durch die Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Captain Planet und Inner Conflict spielen zu solchen Momenten den Soundtrack und meine Osnabrück-Abneigung war auch fast überwunden. Vielleicht auch weil das Emsland immer weiter sich entfernte, die strafraumpogende Jugend, damals, als die Feinde noch andere Mannschaften und nicht politische Systeme waren.
Tja, wer will das eigentlich wissen? Oma sagte fast: „Anekdoten Die keinem etwas helfen [nicht mal] Geld“. Drachenmädchen, oh mein Drachenmädchen, I am still missing you!
Mehr Infos zum Drachenmädchen, inklusive alle alten Hefte zum Download, könnt ihr hier finden – MYRUIN.de
London’s Calling – Auf den Spuren von Joe Strummer, Tony Adams und Nick Hornby
Zehn Tage in London … eine etwas andere Zusammenfassung
Die britische Hauptstadt gehört zu den zehn teuersten Städte der Welt. Gleichzeitig ist sie einer der beiden Gründungszentren des Punk(rocks) und Geburtsstätte für Bands wie The Clash, Sex Pistols, The Adverts, The Damned, The Jam oder Newtown Neurotics. Graffiti-Künstler wie Banksy begannen hier, Nick Hornby schrieb seine beiden Klassiker „Fever Pitch“ und „High Fidelity“ in und über London und Fußballvereine wie Arsenal, Chelsea, Tottenham Hotspurs, Fulham, West Ham, Millwall, Wimbledon und andere haben einen (zum Teil berüchtigten) Ruf in Europa. London war darüber hinaus über viele Jahrzehnte der Handelsplatz der Welt, was vor allem an dem britischen Empire und der Ausbeutung von Sklaven (London hatte neben Liverpool eine wichtige Funktion im Sklavenhandel) und „Übersee“-Kolonien lag. Heute ist die Stadt neben einem wichtigen Bankenzentrum sicherlich ein Schmelztiegel vieler, vieler Kulturen und immer noch mit dem Ruf gesegnet, pulsierende, spannende und beliebte Metropole zu sein.
Es war also an der Zeit, sich intensiver mit dieser Stadt zu beschäftigen, natürlich vor Ort! Zehn Tage Sommerurlaub in London ist zwar gewagt, aber glücklicherweise mit preisgünstiger Unterkunft in direkter Citylage, unweit der „Prachtstraße“ Oxford Street, und günstigem Flug machbar. Hier sollen nun in einer kleinen Serie gewisse Highlights und Erfahrungen geteilt werden, vielleicht Tipps für den ein oder die andere und hoffentlich auch amüsantes Lesen geboten werden.
Teil 1 – Plattenläden in London und Umgebung:
Im Vorfeld haben wir uns erkundigt und versucht, schon einige Plattenläden zu finden. Mit rudimentären Tipps wie „Soho“ oder „Notting Hill“ wollten wir uns nicht abspeisen lassen. Vor allem waren gerade in den beiden Stadtteilen Plattenläden entweder rar (Soho) oder völlig überteuert (Notting Hill). Für gebrauchte und arg angefressene The Clash Alben auf Vinyl sollte niemand 20 Pfund (ca. 22 Euro) oder wesentlich mehr zahlen müssen oder wollen. Damit das gestochere und gestöbere beim nächsten Mal gleich gezielter begonnen werden kann, hier eine kleine, aber feine Auswahl von besuchten Vinyl-Verkaufsstellen.
Banquet Records
(52 Eden Street, Kingston upon Thames, Surrey)
Kingston ist ein Vorort von London, oberhalb der Themse und dort gibt es mit Banquet Records einen kleinen, aber feinen Plattenladen. Beim Reinkommen ertönte allerdings erstmal monotone, elektronische Musik und auch das Angebot umfasst viel elektronische und technisierte Musik. Zwei kleinere Fächer waren allerdings mit Punkrock und zwei weitere mit Indie Musik gefüllt. Eindeutig Klasse statt Masse! Im Punkrock-Bereich fand sich hauptsächlich US-Kram, der in die Melange von Side One Dummy, No Idea und Kiss of Death passt. Neben einer Minor Threat zum absoluten Dumpingpreis (unter 7 Euro) fanden sich dort auch Bands wie Rvivr, Off With Their Heads, Iron Chic, Gaslight Anthem, Hot Water Music etc. Die Minor Threat findet sich dort übrigens nicht mehr, hehe. Dennoch, durchaus gut sortiert und viele Alben konnte ich schon mein Eigen nennen, andere wurden gleich mitgenommen, wie eine Rvivr-Platte. In der Indie-Abteilung eine großartige Platte von The Leif Ericsson (Picture Vinyl für 5 Pfund!), die spätestens seit ihrer Split mit Milloy bekannt sein könnten. Schlagen in eine ähnliche Richtung, druckvoller, melodischer Punkrock a la Leatherface, Hot Water Music und Samiam. Leider befanden sich aber kaum bis keine weiteren britischen Bands im Regal, weder eine Leatherface-Platte noch eine von Milloy. Auch die Single-Auswahl konnte sich sehen lassen und Banquet Records ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man auf die oben erwähnte Art von Musik steht. Hier finden sich keine The Clash, Ramones und Sex Pistols Platten, um gleich den Punk-Touristen vielleicht von unnötiger Fahrt abzuhalten.
Am besten kombiniert man den Besuch mit einem Konzert in Kingston, denn Banquet Records präsentiert auch Emo und Punk Konzerte in verschiedenen Lokalitäten in Kingston. Sowohl im The Fighting Cocks, The Peel und im New Slang (The Hippodrom) finden Konzerte statt, für The Weakerthans, Joan of Arc, Polar Bear Club, Lemuria, H2O, Menzinger und .letlive wurde z.B. auf Flyern geworben. Im Bacchus in der Union Street Kingstons finden zudem „Club nights“ statt, in denen ebenfalls Punk & Emo gespielt werden. Leider gab es für uns keine Möglichkeiten abends zurück nach London zu kommen (die genannten Konzerte fanden eh außerhalb unseres Besuches statt), sodass wir Kingston nur einmal besuchten.
All Ages Records
(27a Pratt Street, Camden)
Ein anderer guter Tipp war der All Ages Records Store in Camden. Hier fanden sich ebenfalls viele gute Alben (v.a. viel von Ny Vag Records mit Masshysteri, Invasionen, Regulations und anderem Kram aus Skandinavien) wieder, auch einige Sachen aus Deutschland, wie die Grizzly Adams Band, Pressgang, Dean Dirg oder Tatort Toilet. Musikalisch gab es hier viel Punk der melodischen und schnelleren Art. Schön vor allem auch, dass zur Begrüßung die aktuelle Spermbirds Platte aus den Boxen dröhnte, die auch im Regal stand. Preislich befanden sich die meisten Alben zwischen 10 und 13 Pfund, was ungefähr den Preisen in Deutschland entspricht, vielleicht aufgrund der Umrechnung in Euro etwas höher ist als hier. Bei All Ages Records fanden sich (zum Glück) ebenfalls keine überteuerten The Clash, Sex Pistols und Ramones Platten wider, aber auch wenig Kram aus England. Die aktuelle Milloy Platte als farbiges Vinyl, zwei Alben von Heresy und die aktuelle Leatherface Live-Doppel-CD waren die wenigen Ausnahmen. Bei den Singles fanden sich mit Billy Childish, einem britischen Tribute für die Spermbirds ebenfalls wenige UK-Scheiben, was schade ist, vielleicht aber auch die Situation von Punk in England wiedergibt. Mit The Damend, Cock Sparrer, TV Smith, Adicts, 999 und vielen, vielen anderen alten Bands aus den 1970ern und frühen 1980ern kann sich eine Jugendkultur sicherlich schwerer identifizieren, als mit neuen Helden. Und wenn diese im Punk keine Rebellion und keinen Ausdruck der eigenen Frustration, des eigenen Protests, des eigenen Lebensstils sehen, dann bleibt vielleicht nur Hip Hop oder Elektro als Alternative. Oder konsumieren, konsumieren, konsumieren. Ich weiß es nicht.
All Ages liegt übrigens sehr zentral in Camden und viele Konzertplakate prangen außen an den Fenstern, was es einem erleichtert, im Norden Londons gute Konzerte ausfindig zu machen. Besuch also ebenfalls unbedingter Tip!
Across The Tracks
(110 Gloucester Road, Brighton)
Ein okayer Second Hand Shop befindet sich in Brighton, im Stadtteil North Laine unweit des Stadtteils The Lanes. Jetzt ist Brighton an sich schon eine Reise wert, da es in nur 55 Minuten von Londons Victoria Station aus erreichbar ist und einfach etwas bietet, was London nicht hat: Meer! An einem sonnigen Tag lässt es sich dort sicherlich gut aushalten, der Brighton Peer hat einen Jahrmarkt auf einem Pier mitten im Meer mit Achterbahn und Auto-Scooter. Dazu kommen Spielhöllen und mindestens fünf weitere, große Fahrgeschäfte, geht es besser? Oder schlimmer?! Der Pier erinnerte mich an die Simpsons Folge, in der Marge den Urlaubsort ihrer Kindheit besucht, wo ebenfalls ein Jahrmarkt am Meer den Handlungsort darstellte.
Across The Tracks ist einer von zwei Plattenläden (der andere hatte nur Indie-Rock und Elektrokram), die mir in Brighton im Umkreis von The Lanes und North Laine aufgefallen sind. The Lanes ist ein Viertel mit vielen kleinen Geschäften und Cafés, die in der Regel preislich – verglichen mit London – okay sind. Während meine Liebste die „Sandinista“ von The Clash und ein Metallica Album erwarb (definitiv die besseren Errungenschaften) fand ich sowohl die „Give ’em enough rope“ von The Clash, eine „Best off“ von Madness und das erste Album von Michelle Shocked, eine der Pionierinnen des Anti-Folks. Alles in allem ein erfolgreicher Beutezug, mag man meinen, vor allem da es ja ein Tag am Strand werden sollte. Auch andere Metal und Punk-Klassiker ließen sich in dem Laden finden, die Preise waren mit in der Regel zwischen 6 und 15 Pfund durchaus angemessen und mehr oder weniger fair. Allerdings ein klassischer Second Hand Laden, wie ich ihn mir auch in London (zu den gleichen Preisen) erhofft hätte.
Resurrection Records
(Rear Basement Shop – 228 Camden High Street, Camden)
Ebenfalls in Camden lokalisiert und unweit von All Ages Records entfernt, liegt dieser kleine Plattenladen im Keller der Hauptstraße durch Camden. Hier muss ich ehrlich sagen, dass außer vielen Klassikern von Sex Pistols, The Clash und Ramones, keine Neuware und noch weniger Musik zu fairen bzw. okayen Preisen zu finden war. Sicherlich ein klassischer Plattenladen, wo Leute mit höherem Einkommen sich ein Erinnerungsstück ihrer Kindheit leisten können, dass dann auch gerne mal über 20 Pfund kosten darf. Wir sind eher enttäuscht wieder abgezogen. Eher für Touris, auch wenn Resurrection Records auch einige größere Konzerte sponsert, wie z.B. das Dickies Konzert in Arsenal.
Anders sieht es vielleicht aus, wenn man auf düstere Musik steht. Die Gothic-Abteilung schien sehr gut gefüllt zu sein, Metal habe ich nicht mehr in Erinnerung. Vielleicht ist Punk auch einfach gerade nicht die Klientel, mit der man viel Geld macht, es sei denn man hortet alte 70er / 80er Klassiker.
Music & Video Exchange
(208 Camden High Street, Camden)
Ein kleiner Glücksgriff war da schon eher der Music & Video Exchange wenige Meter weiter. Zu absoluten Schnäppchen-Preisen in der Ramschecke wurde dort Pegboy’s (Naked Raygun-Nachfolge) „Earwig“ Platte verkauft sowie ebenfalls eine Single von Patrick Fitzgerald (Safety Pins stuck in my Heart) und andere Feinheiten. Allerdings auch hier, viele Sammler-Stücke und Klassiker zu völlig überhöhten Preisen und die Ramschecke war wohl eher durch glückliche Fügung mit einer Hand voll Highlights angefüllt. Music & Video Exchange scheint eine Kette zu sein und ich meine mich auch daran zu erinnern, in Notting Hill (Notting Hill Gate) und Harlesden (Craven Park Road) in Shops gewesen zu sein, erstere allerdings völlig überteuert (20 Pfund aufwärts), letzterer hatte scheinbar entsprechend der Bevölkerung im Stadtteil nur Reggae und Dub-Platten. Kann man also machen, muss man aber nicht.
Hmv Oxford Circus
Wer Take That CDs für drei Pfund erstehen möchte oder ansonsten nach CD-Mitbringseln aus dem Mainstream sucht, ist hier bestens beraten. Ein Besuch war schon lehrreich, fürs Portemonnaie aber nicht leerreich, denn außer eine DVD wurde hier nichts gefunden.
Strafraumpogo im Exil
Teil 1 – FC St. Pauli
Seitdem wir vor knapp zehn Jahren aufgehört haben, regelmäßig zum SV Meppen zu fahren, war meine Fußballleidenschaft beinahe erloschen. Klar, meine Sandkastenliebe FC St. Pauli hatte mir einige schöne und viele, viele beschissene (in Oberhausen, bei Fortuna Köln, Paderborn, Ahlen, Aachen etc.) Stunden gebracht, doch ein gleichwertiger Ersatz, mit Leidenschaft und Leiden, war St. Pauli nur selten, sollte es dieses Jahr aber immer mehr und mehr werden. Aber die letzten zehn Jahre in Münster und Berlin waren fußballerisch eher Offenbahrungseide (von einem großartigen Jahr des FSC Rheda in der Verbandsliga 1999/2000) mal abgesehen. Und nun also im Ruhrgebiet, der Region mit den vielen Möglichkeiten (zumindest was Fußball angeht).
FC St. Pauli 2010/11
Es muss so gegen 17:20 sein. Niedergeschlagen sitze ich mit den Ellenbogen auf den Knien gestützt in einer Bierpfütze, irgendwo in einem völlig überfüllten Gästeblock. Mein Schal baumelt bedrohlich über einer Kotzlache, wo irgendjemand der sich Siffi oder Puffi oder sonst wie nannte, die badischen Weinreste hingegürbelt hatte. „Wir sind Zecken, asoziale Zecken“, schallt es auf dem Weg nach draußen, auf den ich mich wirklich noch nicht machen möchte.
Dann wache ich auf. Der Schädel dröhnt. Der Iran hat sein Atomprogramm gestartet und ich fühle die Bombe in meinem Kopf! Gestern Abend bin ich mit meiner Freundin in Freiburg angekommen und nach diversen Bieren mit guten Freunden (Exil-Bayer04) würde ich mich gerne noch mal auf der Couch umdrehen. Der Rückweg von Italien war sehr anstrengend. Die Geliebte hat es geschafft, den Seria A und Seria B Saisonstart nicht in die Urlaubsplanung mit einzubeziehen und so sind wir satte zwei Wochen vor dem ersten Spieltag in Italien an leeren Stadien von Livorno, Florenz und Lucca vorbeigekurvt. Ein besonderen Glückwunsch auch an die Flitzpiepe, die Werder Bremen vs. Sampdoria Genua ausgelost hat und nicht Sampdoria Genua vs. Werder Bremen. Danke!
Wie ein dürstender in der Wüste, freute ich mich nur noch auf den Bundesligastart, der immer, und wer bin ich, der die weibliche Intuition anzweifelt, immerhin den FC Sankt Pauli ins beschauliche Breisamtal geführt hat. Saisonstart und meine Albträumen haben sich von fußballloser Zeit auf bittere Auswärtsniederlagen eingestellt.
Ausverkauftes Spiel, stand schon seit Wochen bei Ebay. Stehplatzkarten, im Normalverkauf zwölf Euro Wert, gingen für über 30 Tacken weg. Schöne neue Welt! Die Grün-Wählenden haben heute mehr Geld als das Management von Ton Steine Scherben anno dazumal. Doch dann die Rettung, am Freitagabend verkündet die Freiburg Homepage, dass noch 900 Sitzplatzkarten in den Verkauf gehen und Seniore Stiletti kommt mit der guten Nachricht, eine Stehplatzkarte überzuhaben. Natürlich gleich mal zugesagt, bis dann der Samstagmorgen mit einem Kater aufwartet und der Nachricht, die Freundin will doch auch unbedingt mit. Eine Karte zu wenig.
Doch, da wir vor den schwäbischen, badischen oder sonst was Müslifressern am Stadion sind, ergattern wir noch zwei Sitzplatzkarten auf der Osttribüne. „Ist das auch St. Pauli Block?“ „Mir habe keine Blögge auf Sitzplatsch“, schwäbelt mir die Verkäuferin entgegen. Und tatsächlich, so illusorisch wie die Blockfreien der Uno, erhebt sich auch der SCF gegen Bundesliga-Sitte und alle sitzen zusammen, schiedlich friedlich bei einem badischen Glas Wein oder Tannenzäpfle-Bier auf der Osttribüne. Schnell dem Stiletti Bescheid geben, dass wir auf seine Pankerknackergegenwart pfeifen, als der junge Herr doch tatsächlich ebenfalls aufgrund von Kater und diversen Ausdünstungen auf unsere charmante Begleitung nicht verzichten will. „Wenn ihr noch nen Sitzplatz bei Euch in der Nähe findet, komm ich mit auf Sitzplatz.“ Also noch mal ins Kartencenter, noch mal schwäbeln ertragen und mit einer dritten Sitzplatzkarte aus dem Bunker. Mensch, ist Punkrock 2010 alt geworden.
Vorm Stadion noch Leute begrüßen. Dem Stiletti dabei zusehen, wie er die Karten geschickt an den Mann und die Frau bringt. „Ach, lass mal im Schatten sitzen.“ „Boah, die Karten werde ich ja nie los.“ „Das dauert ja ewig.“ Doch nach fünf Minuten hat der junge Herr mehr Glück als Verstand und die Karten sogar unter Martktwert verkauft, warum auch immer. Dann ab in Richtung Sitz, Papa hat Durst, Mama hat Hunger! Vorher noch Expertenwissen ausgetauscht und der Stiletti hat nicht nur Restalkohol im Urin und schwitzt wie ein Schwein, sondern seine Drüsen verraten ihm auch einen satten Auswärtssieg. Beim Toto gewinnt er dennoch keinen Cent!
„Auswärtssieg? So ein Blödsinn“, antworte ich auf seinen badischen Bauernslang mit meinem gewohnt ostwestfälischen Stursinn, „das gibt ne ganz feine Niederlage und der Tach ist im Arsch!“ Wenn man aus OStwestfalen kommt, ist man halt kein Optimist!
Stundenlanges Gequatsche der Stadionflöte, Kicker-Duell (7:0 für Freiburg vs. St. Pauli) und eine Stimmung vorm Spiel, wie bei der Zombie-WM in Bad Reichenhall auf Seiten der Freiburger, können dennoch unsere Vorfreude nicht bremsen. Immerhin, es geht bald los. Meine Liebste hat sich sogar ihren allerersten Fanschal gekauft (ich hatte eine Träne im Auge, vor Rührung!).
Nach einer Choreographie, die der Stadionkasper vorher noch erklären musste – „Ihr müscht alle die rode Paben hochhalde“ – gings los. Und was sahen meine skeptischen Augen. Nahezu die gleiche Formation, wie im letzten Jahr und der gleiche Elan. In der ersten Halbzeit spielte der Aufsteiger befreit auf, als wäre es ein Heimspiel. Die St. Pauli Ultras waren laut, und selbst auf den Sitzplätzen hörte man nur die Rufe für den Hamburger Verein. „Alé St. Pauli alé! Magischer FC, unser ganzes Leben, unsere ganze Kraft!“ Auch wenn man bei einigen dachte, „Magischer FC, unsere ganze Leber, gehört Gerstensaft!“ Die Freiburger kamen nicht einmal zu halben Chancen und außer einem Schüsschen von Rosendahl lief nix zusammen. 0:0, Pause! Das müssen wir gewinnen!
Die zweite Halbzeit begann und meine Stimme wurde heiser. Auf einem Sitzplatz mehr gesungen und geschrieen als bei manchem bitteren Spiel in den Untiefen der zweiten und dritten Liga. St. Pauli weiterhin Spiel bestimmend, aber Freiburg rudimentär verbessert. Aber die besseren Möglichkeiten für St. Pauli, größte Chancen wurden durch Ebbers und Hennings ausgelassen. Und so kam es, wie es kommen musste. Cisse schießt in der 78. Minute mit der ersten Chance für den SC Freiburg das 1:0. Keine Chance für Hain!
Jahrelanges FC St. Pauli gucken, vermischt mit meinen Ostwestfälischen Wurzeln (und dem Glauben an das Böse, schließlich bin ich getauft) und dazu diese badische Scheiße um mich herum, die sich alle erst zu erkennen gaben, als der Kack-Müsli-Verein das 1:0 schießt … ich hätte mir die iranische A-Bombe gewünscht, Bomber Harris oder irgendwas Anderes, Fieses! Hauptsache der Breisgau gleicht danach der Serengeti!
Aber aber! Was sollten meine ostwestfälische Weiten gewohnten Augen erblicken? Im Gegensatz zu den letzten Jahren und Jahrzehnten der Auswärtsspiele, die ich mit der Trümmertruppe verbracht habe, passierte nun allerdings etwas, wovon ich noch Tage später immer wieder in unbändigen Jubel ausbreche und nur noch „3:1, 3:1“ stammeln kann. Die Mannschaft kam zurück! Und wie! Eher durch Zufall, in der 83. Minute und einer Flanke von außen, die Naki nicht unter Kontrolle bringt, springt der Ball zu Boll und der Bulle aus Hamburg drischt den Ball ins Netz. Scheiße, soweit ist’s schon gekommen, jetzt Jubel ich noch wegen nem Polizisten auf dem Platz. Punkrock, quo vadis?
Dennoch, eine Erleichterung wie nach 30 Minuten Pissen müssen in einem öffentlichen Personennahverkehr! Bodenwellen der Erleichterung und die eigene Buchse dennoch trocken! Sekunden später, wieder ein schneller Angriff und diesmal ist Sukuta-Pasu da, der Jungnationalspieler aus Leverkusen kommend, schießt das 1:2! Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Der Siegtreffer, so kurz vor Schluss, in der 89. Minute. Und als wäre es nicht schon unglaublich genug, die meisten Jubeln noch wegen dem 2:1, da fällt das 3:1 … ich weiß gar nicht mehr durch wen. Ich glaube Fin Bartels, aber auch sowas von egal! 3:1, ein Spiel gedreht, den Ökopickern gezeigt, wie Stimmung geht und die nächsten fünf Stunden Rückfahrt in den Pott würden vergehen, wie im Flug. Auswärtssieg beim akustischen Heimspiel! Dazu noch wichtiger die Freundin angefixt vom Fußball („Schaffen wir es noch bis zum Aktuellen Sportstudio?“) und am Ende noch der Stiletti, der sich durch den ganzen Tag gekalauert hat, mit einem unfreiwillig großartigem Moment!
Beim Rausgehen ruft jemand vor uns noch „Scheiß Stellingen“ und der Chefredakteur fragt nur: „Wasch hascht gegen Schwenningen?“ Danke – Bitte!
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Das war der Saisonanfang. Mit dem Sieg in Mönchengladbach riss allerdings auch schon die Serie der großartigen Spiele, die ich beiwohnen durfte. Zwar noch ein 2:1 Auswärtssieg, aber danach in Dortmund (0:2) und gegen Werder Bremen zu Hause (1:3) war die Mannschaft wie immer. Bis zum Saisonende noch vergebliche Spieltage in Kneipen (u.a. in der Rückrunde Frankfurt, Stuttgart, Kaiserslautern, München) oder vor dem heimischen PC/Radio (u.a. in der Rückrunde Hannover, Wolfsburg, Mainz) und irgendwann war der Drops gelutscht und die Scheiße gefressen! Was bleibt war die Hoffnung und ein großartiger Donnerstagabend (oder war’s ein Mittwoch) gegen den HSV, als wir lange, lange in Kneipen versackten. Nächste Saison geht’s dann halt nach Bochum, Aachen, etc.
Jede_r siebte Internetnutzer_in, so berichteten in den letzten Tage einige Zeitungen und auch das Fernsehen, habe Erfahrungen mit illegalen Downloads (u.a. die Berliner Zeitung). Der Branchenverband BITKOM hatte dies in einer Studie, bei Forsa in Auftrag gegeben, herausgefunden. BITKOM begrüßt aber zeitgleich, dass im letzten Jahr insgesamt 390 Mio. Euro für (legale) Downloads ausgegeben wurden (wer ist denn so bekloppt! Download-Codes liegen Vinyl bei und wenn ich überlege, wenn mir meine Festplatte abschmiert und ich meine „Musiksammlung“ verliere … arme Irre!). Daraus schließt Volker Smid, Präsidiumsmitglied bei BITKOM, dass es einen großen und wachsenden Markt für Downloads gibt (immerhin, 43 Prozentige Steigerung im letzten Jahr im Vergleich zu 2009), wenn, ja wenn, die Preise und das Angebot lukrativ genug sind.
Jetzt habe ich schon einige Male daraufhin gewiesen, dass das Gejammer bei illegalen Downloads aus meiner Sicht heuchlerisch, übertrieben und Schwachsinn ist sowie meinen „Punkidealen“ (Kotzwort, sorry für die Verwendung) entgegen steht (Nach zu lesen unter anderem hier). Einen schönen Beitrag zu dem Thema unter dem Titel „Das selbst geschaufelte Grab der Musikindustrie“ (zu finden hier auf 11k2.wordpress.com) hat der liebe Kollege Falk Fatal (zu finden hier) ausgegraben. Aus diesem würde ich gerne ein wenig zitieren und v.a. die beiden Graphiken entleihen.
Spannend ist, dass der durchschnittliche Konsum eines US-Amerikaners bzw. einer US-Amerkanerin in den 1970er Jahren bei ca. 3 Alben pro Jahr lag. Erst Ende der 1980er stieg der Konsum auf durchschnittlich 4 Alben, um dann Mitte der 1990er Jahre bei 5 Alben sich einzupendeln. Aus diesem Wachstum extrapoliert die Musik-Industrie, dass ungefähr 2009 der Konsum schon bei 7 Alben pro Jahr gelegen haben müsste (s. Graphik von 112k.wordpress unten). Bei 300 Mio. Einwohner_innen wären dies allein 600 Mio. verkaufte Tonträger mehr, bei einer Gewinnmarge von vorsichtig kalkulierten 5 US-Dollar pro Album wären das 3 Mrd. US-Dollar, die der Musikindustrie entgehen, wie gesagt, wenn das Wachstum real wäre (und die Gewinnmarge dürfte auch um einiges höher liegen). 
Spannend ist nun das Hier und Heute! Seit 1993 stagniert dieses Wachstum schon, also weit vor Napsters Beginn, das im Jahr 1998 programmiert worden ist. Woran liegt das? Ich bleibe bei meiner Theorie, dass viele Menschen ihre Vinyl-Sammlung auf CD nachgeordert haben. Mit der Musikkassette und dem Vinyl waren zwei beliebte Formate durch die CD ersetzt worden. Schon 1997 brachen die Verkäufe erstmalig ein (s. Graphik unten, ebenfalls von 11k2.wordpress), ebenfalls vor Napster und anderen Downloads-Portalen!

Die aktuellen Zahlen sind nun wieder – für die USA – auf der Stufe von 1991 zurückgegangen, es drohen weitere Rückgänge. Warum? Ich denke, es handelt sich mittlerweile auch um eine sich selbsterfüllende Prophezeihung. Das viele Klagen über die Downloads hat diese nicht uninteressanter gemacht. Genau im Gegenteil, wenn es so einfach ist, ist man ja bekloppt, wenn man für einen Haufen Daten Geld zahlt. Meinen Blog würde ich schließlich auch nicht gegen Geld verkaufen, wobei Leser_innen gerne meine Bankdaten zwecks Spenden erfragen dürfen, hahaha.
Aber ernsthaft, wenn Downloads so einfach sind, warum nicht zugreifen? Und andersrum, jeden Scheiß, der runtergeladen wird, würde nicht auf CD gekauft werden. Dazu kommen die horrenden Preise für legale Downloads (für Digitale Daten 0,99 Euro für zwei bis vier Minuten Songs zu zahlen kann nur als frech bezeichnet werden, teilweise kosten 15 Sekunden Intros sogar den gleichen Preis … unfassbar!), CDs werden unattraktiver und v.a. gab es ein massiven Plattenlädensterben in den Innenstädten. Wo also, fernab von unpersönlichen Elektrosupermärkten, wo man wirklich nicht CDs oder LPs kaufen sollte, die Musik bekommen, die man mag?
Die Konzentration auf wenige Stars, die mangelnde Förderung der musikalischen Breite etc. kommen noch hinzu. Spannend ist aber nur, dass diese Statistiken – von der Musikindustrie in einem Prozess gegen Napster präsentiert, wenn 11k2.wordpress Recht hat – eigentlich genügend Argumente liefern, warum der illegale Download nicht (und vor allem nicht alleine) für den Rückgang der Verkaufszahlen verantwortlich ist.
Meine größte Angst vor einem repressiveren Umgang mit geistigen Eigentum, den die Musikindustrie massiv fordert und fördert, ist allerdings weniger auf den „Musikmarkt“ gerichtet, sondern auf andere Bereiche. Ich kann es mir mittlerweile leisten monatlich meinen lokalen Plattendealer glücklich zu machen und so das Aussterben von unabhängigen Plattenläden, Vinyl, kleinen Bands und einer D.I.Y.-Szene in meinen Möglichkeiten zu begrenzen. Aber was ist, wenn geistiges Eigentum auf Medizin stärker als schon jetzt durchgesetzt wird?! Wer versorgt Menschen im globalen Süden mit lebenswichtigen Medikamenten, wer versorgt sie mit Saatgut (auch hier gibt es viele Patente), wer mit anderen Gütern, die zum Leben notwendig sind. Patente geschickt einsetzen, geistiges Eigentum auch begrenzen – im Sinne aller, im Sinne der Menschen!
Manchmal kommen Nachrichten wie aus dem Nichts! Mit einem Mal ist Fanzine-index.de, DAS Verzeichnis deutschsprachiger Fanzines, eingestellt. Der Grund: Mögliche Rechte-Verletzungen Dritter, die auf der Seite leider nie auszuschließen sind und die einfach nicht verhindert werden können. In Zeiten von Klagen wegen jedem Rotz und einer wachsenden Bedeutung von Jurist_innen – früher hat auch mal ein netter Brief gereicht, oder die Drohung, was auf die Schnauze zu bekommen – hat der Andreas die Seite lieber eingestellt, als das Risiko einzugehen, verklagt zu werden. Das kann ich auf der einen Seite nachvollziehen, auf der anderen Seite: ich denke, dass bei einer möglichen Klage eine Soli-Welle durch die Fanzine-Szene, somit auch durch die (alternativ-) Medienwälder gerollt wäre, dass der Kläger oder die Kägerin durchaus mehr negativ als positiv Werbung zu erwarten hätte. Aber egal, das Projekt Fanzine-Index ist somit vorerst eingestellt.
Wer Lust hat, das Interview zwischen Andreas und mir nochmal nachzulesen, muss es also in Zukunfter hier tun und kann es nicht mehr auf Fanzine-Index finden.
Fragen an Mika Reckinnen – Die fanzine-index.de-Fragestunde, Juni 2010
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Da stehen sie nun und holen sich symbolisch einen runter. Auf ihre Bildung, auf ihren Lebensstil. Sie stehen auf dem historischen Grund und schlürfen Sekt, kokettieren mit dem Raum um ihnen herum ohne nur einen Teil davon zu verstehen. Gearbeitet haben sie in dem Sinne nie. Ihre Hände waren niemals schmutzig. Doch sie stoßen an, auf die Zechenkultur, auf die Vernisage, auf die Künstler, die diesen Raum auf einmal lebenswert gemacht haben.
Auf dem Parkplatz sieht es aus, wie bei ABM, nur das ABM nicht mehr Arbeitsbeschaffungsmaßnahme heißt, sondern für „Audi, BMW, Mercedes“ steht. Wohin nur mit dem Geld, dem Wohsltand? Wo kann man ihn noch zeigen? Wo erweckt man noch eine Neidkultur, die die CDU/CSU doch immer fordert? Klar, für Düsseldorf reicht es ja nicht, aber in Essen dann schön auf den Putz hauen, bis es rieselt.
Pianomusik erklingt und die oberen Zehntausend bestehen in dieser Region heute abend aus maximal zweihundert Personen. Zwischen diesen wuseln Studentinnen mit Tabletts umher. Auf jedem Tablett stehen Flöten, gefüllt mit Sekt. Die Flasche hat einen Wert äquivalent dem Einkommen der Studentinnen aus ihrem Bafög-Antrag. Dennoch, diese sehen schick, elegant aus. Alle in Anzug, mit Fliegen, statt Krawatten. „Hohoho“, lacht jemand, als jemand anderes einen Pinguin-Witz erzählt, den ein Mensch mit durchschnittlichem Einkommen gar nicht verstehen kann.
Das Ruhrgebiet ist doch schön. Leise Pianomusik erklingt.
Tja, es mag traurig anmuten … es mag wirklich traurig anmuten. Es sind die „Helden“ meiner Kindheit. Als ich in den 90ern angefangen habe, mich für Punk zu interessieren, waren SLIME ein Meilenstein. DER Grund, mich mit der ganzen Scheiße zu beschäftigen! Direkte, deutsche Texte, schnelle, harte Musik. Das ganze damals in einem politischen Kontext von Pogromen gegenüber Asylbewerber_innen; Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Hoyerswerda. Slime haben den Soundtrack zu meiner Politisierung geliefert und vielleicht mehr noch. Kein Aufstand der Anständigen, kein Anstand der Aufständigen! Wut, Frustration, gelengt in Bahnen, die der „Schweineherbst“ gut beschrieben, in „Anti-fa“’sche Bahnen geleitet.
Tja, und ganze 15 Jahre später sind sie bei „Wer wird Millionär“ gescheitert an der Frage ob „Holland“ oder „Andalusien“ und beim Landgericht Hamburg auch irgendwie. Gewonnen und doch verloren! Eine Band, die was weiß ich nicht wie alt ist (und nur einen Teil der ehemaligen Mitglieder mitziehen konnte) und die mittlerweile fast 35 Jahre (!!!) älter als die ersten Texte sind. Eine Band also, die weit älter als ihr Publikum ist. In Alter würden, in Würde altern! ABBA, vielleicht die einzige Band! Bitter, eine nicht-Punkband hier nennen zu müssen. … But Alive, ein Versuche … bitte, Marcus Wiebusch, keine Re-union, lieber Kettcar until you die!
Slime schaffen es nicht! „Karlsquell“ von 50+ järhrigen. Muss man sich das geben? Muss man sich übergeben? Deutschland verrecke?! Ein Proberaumsologan?! „Deutschland verrocke!“ Habe ich damals schon drüber gelacht und die ganze Tragweite verstanden. Karlsquell jeden Tag? Vielleicht?! Das nächste Wacken Open Air kommt bestimmt!
Doch als wäre das ganze nicht schon saft- und kraftlos genug, muss auch noch eine Klage her. Klar, Imre und Dröönland ist ein okayes Feindbild, Force Attack hin, Force Attack her, Krawallbrüder etc. haben vielleicht einmal zu oft die Grauzone in die falsche Richtung verschoben. Wer will es wissen?
Jetzt also Slime GBR vs Dröönland … Streitwert keine 1.000 Euro. „Unschuld einer Hure“ und die „deutsche Justiz“. Es gewinnt … Pillepalle! Nicht mal Hartz IV Monatsgehalt. Unterlassung! So soll es denn sein! Sollen sie sich nicht mal mehr gegenseitig lustig übereinander machen, Ironie zensiert. Wenn Nazis mich karikieren würden, würde ich klagen? Wenn das Ox mich auf den Arm nehmen würde, würde ich einen Anwalt einschsalten? Letzteres definitiv nein!!!
Am Ende gewinnt Slime … 900 Euro und so. Weniger als bei „Wer wird Millionär!“ Irgendwas kostet die Glaubwürdigkeit vor dem Hamburger Landgericht (angebliches Zitat des Richters: „Kindergarten“). Wenn ich heute jung wäre und nicht auf Egotronic stehen würde, Slime wären keine Alternative. Force Attack auch nicht. Alles nur noch peinlich! Kann Punk sich nicht mal selbst auflösen? Stattdessen Re-union: Slime, Razzia, Knochenfabrik, duesenjaeger … bitte, bitte, bitte, macht keine weiteren Fehler!!! Take Care und so! Szene ist eine Blume, die gerade krass verreckt!
Das ist natürlich eine rhetorische Frage, aber in wenigen Stunden geht es los. Die Band Slime verklagt Dröönland. Verhandelt wird vorm Landgericht Hamburg. Ob dies ein Heimspiel für Elf und Co ist, wird sich noch heraus stellen. Oder handelt es sich doch – ähnlich dem Pokalfinale – um einen neutralen Ort (der weise DFB weiß ja, dass es nie ein Berliner Verein im Pokalfinale stehen wird, der auch im Olympiastadion seine Heimspiele austrägt). Es geht um eine Anzeige, die der Beklagte im Übersteiger Fanzine (lesen, kaufen) geschaltet hat, in der er wohl die Band als „Slimmies“ und „Wendehälse“ tituliert, weil sie ja einst noch im Block E beim HSV standen. Auch Passagen aus dem Song werden wohl zitiert. Nutzung eines „Patentgeschützten Zeichens“ etc. sind Klagegründe. Man kann nur hoffen, dass am Ende nicht „der Übersteiger als Verlierer da steht. Und v.a. „Wendehälse“, nur weil einige Slime-Bandmitglieder früher (in den 70ern) zum HSV gegangen sind? Als hätte vor allem Dirk nicht schon x-mal dazu Stellung bezogen (Es war vor der St. Pauli Zeit, als Leute von der Hafenstraße zum Verein am Millerntor gingen, der zu dieser Zeit koscher war, s. Photo auf der 11 Freunde-Seite) … und zudem, gerade Dröönland, die leider auch zweifelhafte Grauzonen-Bands auf ihren Festivals spielen ließen … naja, unschön, unschön und wer es noch nicht gelesen hat, der sollte beim Plastic Bomb (Artikel hier) nachlesen, was passiert und worum es geht. Man weiß nicht, welche Seite lächerlicher ist, nur eins ist klar, obwohl es zwar einen Gewinner geben wird, sind eigentlich zwei Verlieren auf dem Platz.
Dass Punk in den entlegensten Winkeln dieses Planeten stattfindet, wissen die meisten Aufgeschlossenen bereits. „Punk im Dschungel“ (Video-Trailer von Youtube weiter unten eingefügt) dürfte eine der bekanntesten Dokumentationen über Punk in Südostasien sein. Sie wurde schon mehrfach im Fernsehen (v.a. ZDF und 3Sat) ausgestrahlt und begleitet die süddeutsche Crustcore Band „Cluster Bomb Unit“ (Link zur Homepage) auf ihrer Tour vor allem in Indonesien. Im Gegensatz zu den D.I.Y. / non-profit Ansätzen und der aufopferungsbereiten Lebenseinstellung wirken die Häusle-Besitzer (nicht Besetzer) schon fast spießig harmlos und langweilig.
Auch das Trust Zine, das Plastic Bomb, das Sabbel und andere Fanzines sowie viele Label haben einen großen Beitrag geleistet, dass wir heute wissen, dass es auch in Lateinamerika, China, Osteuropa oder Südostasien Punkrock gibt (im Trust gab es mal ein gutes Interview mit philippinischen Zinesters; Heft # 133/12-08; weiterer Inhalt: 30 Jahre SST Records Special, Antifa in St. Petersburg, Hammerhead). Selbst Tonträger sind nicht schwer zu erhalten (z.B. CDs aus den Philippinen über den „Buy or Die“-Button oben
).
Es gibt allerdings ein paar Länder, die immer noch hinten rüber fallen, bei diesem alternativen, globalen Blick auf Punkrock. Darunter sind viele afrikanische, aber auch durchaus einige asiatische Länder sowie Inseln im Pazifischen Ozean. Vor allem die eher autoritären, diktatorischen Regime in Nordkorea und Burma lassen eine Entfaltung zum Punk wohl kaum zu, würde man sich denken.

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Neulich musste ich eine längere Strecke in einem Auto zurücklegen, am frühesten Morgen (also weit vor zehn Uhr) und dazu benötigt man auf Deutschlands monotonen Autobahnen Musik. Klar, hatten die Landser, die einst von der West- an die Ostfront verlegt worden sind und diese Panzerplatten im Sinne Eva Hermanns – das wird man doch noch sagen dürfen – eingefahren haben, noch selber laut Liedgut geträllert, das heute zu Recht auf dem Index steht, muss die heutige Autofahrerin zusehen, dass sie nicht vor Langeweile von der Straße abkommt. Keine Russe weit und breit, kein Franzose, kein Nichts. Also auch das Jagdgewehr für Zwischendurch („Morgens halb fünf im 3. Reich“) im Kofferraum gelassen. Das Radioprogramm, wenn wir denn bei der immer wiederkehrenden Abspielung von Mittelmäßigkeiten überhaupt von einem Programm reden können, gibt um fünf Uhr schlagmichtot nichts her, also doch mal eine alte CD eingeworfen. „Cooler Parkplatz“, ein guter Name für eine Fahrt an LKW-Kolonnen vorbei auf der A88 in Richtung Rom.
Um die polnischen Achsenmächte auf der rechten Spur zu überholen, alle Regler auf grün! Ja, Knochenfabrik, eine meiner Lieblingsbands aus versoffenen Teeniezeiten, an die ich weniger Erinnerung habe als nötig. Schnell wurde mir während der Fahrt zum Alliertenluftkreuz Frankfurt klar, die Zeilen, die Textfragmente kenne ich noch, kann sie noch mitsingen und ich hatte sehr viel Spaß mit dieser CD, die ich schon überlegte in der Reihe „Lieblingsalben“ mal gehörig vorzustellen.
Doch irgendwas, eine kleine fiese Erinnerung, hielt mich davon ab. Denn hatten sie nicht vor ein paar Monaten noch Re-Union Konzerte gespielt, die die Band nur noch eine Karikatur ihrer selbst darstellen ließen? Okay … blöde Formulierung, wie kann eine Karikatur eine Karikatur seiner selbst sein? Aber dennoch, als ich sie zuletzt in Karlsruhe am 14. März im Jahr des Büffels sah, waren sie so richtig Scheiße. Eine Stimmung, wie bei Waldhof Mannheim gegen Hapoel Tel Aviv, alle sangen mit. Ich meine, es war so beschissener „Oh, früher war alles gut“-CDU-Punk mit Rockstar-Gegoebbele, der eigentlich gar nicht weh tut und mehr wie eine Kegelausflugsfahrt ins benachbarte Münsterland ist. Also furchtbar, bei genauerer Überlegung.
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